Reise

Überraschend: Magdeburg und die Moderne

MagdeburgDie stadthalle gilt als Hauptwerk der klassischen Moderne, Foto: Weirauch

Von Berlin ist es nicht weit bis Magdeburg: rund 1,5 Stunden von Berlin aus mit dem Zug. Und doch runzeln manche immer wieder die Stirn, wenn ich ihnen Magdeburg als Reiseziel empfehle.Die Landeshauptstadt von Sachsen – Anhalt ist mehr als Otto und Straße der Romanik mit dem Dom.  Darüber haben wir hier schon oft berichtet. Aber Bauhaus und Moderne in Magdeburg ? Es ist eine Überraschung.

MD_Dom mit dem Hundertwasserbau Die Grüne Zitadelle©Magdeburg Marketing, Andreas Lander
Dom mit dem Hundertwasserbau Die Grüne Zitadelle©Magdeburg Marketing, Andreas Lander

Grand Tour der Moderne

Wir sind unterwegs auf der bundesweiten Grand Tour der Moderne. Sie führt auf einer eigens konzipierten Route durch die Geschichte der Moderne in Deutschland. 100 Orte vereinen sich hier mit einer Vielzahl spektakulärer, spannender und über die Zeiten erhalten gebliebener Gebäude. Dabei ist unter den für das Bauhausjubiläum besonders relevanten Bauten der 1920er Jahre Sachsen – Anhalt  so stark vertreten wie kein anderes. So zeichnet sich ein Bild von Sachsen-Anhalt als dem Land der Moderne. Diesmal geht es aber nicht nach Dessau, wo das Bauhaus wie eine Inkunabel bewundert wird.

Die Magdeburger Moderne

Ein „Frühlicht“ ging von der heutigen Landeshauptstadt Magdeburg aus. Der sozialdemokratische Oberbürgermeister Hermann Beims (1919-1931) gilt dabei als Wegbereiter, als sich Magdeburg als soziale, moderne Stadt früher und konsequenter als jede andere deutsche Großstadt neu aufzustellen suchte. Das führte zu dem, was in diesen Tagen als Magdeburger Moderne gefeiert wird. Hell, klar und licht erträumten sich die Baumeister jener Zeit die Zukunft der Stadt, allen voran der 1921 als Stadtbaurat an die Elbestadt berufene Visionär Bruno Taut. In Tauts Team fanden junge kreative Geister zusammen, die Maßgeblich an der Umsetzung zunächst utopisch anmutender Projekte mitarbeiteten. Carl Krayl zeichnete 1921/22 in leitender Position im Hochbauamt für die Kampagne eines „Bunten Magdeburgs“ verantwortlich. Die Idee war der Clou: Flankierend zur 1922 ausgerichteten Mitteldeutschen Ausstellung für Siedlung, Sozialfürsorge und Arbeit MIAMA tauchten Taut & C. Hausfassaden in schrill-bunte Farben.

Otto-Richter-Straße ©Magdeburg Marketing, www.magdeburger-platte.de
Otto-Richter-Straße ©Magdeburg Marketing, www.magdeburger-platte.de

Hermann-Beims-Siedlung

In der boomenden Industriestadt Magdeburg herrschte größte Wohnungsnot. Sie zu bekämpfen und erschwinglichen, menschenwürdigen Wohnraum jenseits des Miefs und der Enge von Mietskasernen und Altstadthäusern zu bauen, erwies sich als Aufgabe der Stunde. Bruno Taut entwickelte dafür einen zukunftsweisenden Generalsiedlungsplan. Auf dessen Grundlage und unter Tauts Stadtbaurat-Nachfolger Johannes Göderitz wurden innerhalb weniger Jahre unzählige Kommunal- und Siedlungsbauten Wirklichkeit. Magdeburgs Arbeitersiedlungen galten in Gestalt, Funktion und Republik, darunter herausragend: die Hermann-Beims-Siedlung. Heute kann man sich dort in einer eigens eingerichteten Museums-/Musterwohnung vom Komfort der 20er Jahre überzeugen.

Beimsplatz_Hermann-Beims-Siedlung©Magdeburg Marketing, Conrad Engelhardt
Beimsplatz_Hermann-Beims-Siedlung©Magdeburg Marketing, Conrad Engelhardt

Deutsche Theater-Ausstellung in Magdeburg

Weltweites Aufsehen erregte die Elbestadt Magdeburg im Jahr 1927 mit der Deutschen Theater-Ausstellung. Für deren Ausrichtung hatten Wilhelm Deffke und Prof. Albinmüller ein brillantes Konzept zur Weiterentwicklung des 1922 eingerichteten Messestandorts auf der Rotehorninsel erdacht. Genial bettete sich darin die Stadthalle von Johannes Göderitz ein, sie gilt seither als ein Hauptwerk der klassischen Moderne. Zusammen mit ihrem Nachbarn, dem Albinmüller-Turm, kündete sie eindrucksvoll von der „Stadt des Neuen Bauwillens“. Deren meisterlichem Geist kann man auf dem Stadthallenareal mit Pferdetor, Lichtstelen und Brunnen nachspüren.

Die stadthalle gilt als Hauptwerk der klassischen Moderne, Foto: Weirauch

Im Jahr des 100. Geburtstages des Bauhauses lädt Magdeburg zu einer routengeführten Entdeckungsreise ein. Sie folgt Spuren des bedeutenden baulichen Erbes. Mit Ausstellungen, Vorträgen, Theater oder Konzert erinnert die Landeshauptstadt an das ganze Spektrum der Errungenschaften ihrer bewegten und lebendigen Magdeburger Moderne. Und setzt damit Zeichen: für ein Magdeburg als würdige Bewerberin auf dem Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025.

Hier gibt es weitere Informationen zur Bauhausroute in Sachsen-Anhalt

und zur Stadt Magdeburg.

Hier geht es zu einem weiteren Höhepunkt des Neuen Bauen in Sachsen-Anhalt: das Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode.

Die Recherche in Sachsen-Anhalt wurde unterstützt von der IMGS Sachsen-Anhalt.

hier geht es in die älteste Stadt von Sachsen-Anhalt, nach Aschersleben.

Hier geh tes zu weiteren Stationen der Moderne in Sachsen-Anhalt:

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Magdeburg

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Elbingerode

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Aschersleben

 

Themenkarte zum Bauhausjubiläum

Das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Bauhaus spielt derzeit in Sachsen-Anhalt eine besondere Rolle. Denn in Dessau erlebte die Design-Schule ihren Höhepunkt, bevor sie von den Nazis erst angefeindet und dann aufgelöst wurde. Mit der Eröffnung eines neuen Bauhaus-Museums am 8. September in der Dessauer Innenstadt steht ein besonderes Ereignis bevor. Aber auch in anderen Städten Sachsen-Anhalts wird mit Ausstellungen an die Moderne im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erinnert. Eine von der Magdeburger Landesregierung in Auftrag gegebene Themenkarte bietet einen Überblick über die Ereignisse zum Jubiläum in diesem Jahr und weist auf Bauhaus-Architektur entlang wichtiger Bahnstrecken zwischen Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt hin. Sie wird an die Reisenden in den Regionalexpress-Zügen RE7 (nach Dessau), RE3 (nach Lutherstadt-Wittenberg) und RE1 (nach Magdeburg) verteilt. Eine englischsprachige Fassung wird den ankommenden Fluggästen am Flughafen Schönefeld sowie an vielbesuchten Touristinformationen in Berlin und Brandenburg angeboten. Die bisher einmal jährlich erscheinenden Themenkarten mit unterschiedlichsten Inhalten erfreuen sich bei Ausflüglern in Brandenburg und Berlin bereits großer Beliebtheit. Die Jubiläen 100 Jahre Bauhaus und 200 Jahre Fontane sorgten erstmals für zwei Karten in einem Jahr.

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