Reise

Das Schiffshebewerk Rothensee in Magdeburg

MagdeburgSchiffshebewerk Rothensee

Unbedingt anschauen sollten sich nicht nur an historischer Technik Interessierte das Schiffshebewerk Rothensee am nördlichen Rand von Magdeburg. Es ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung.  1938 wurde das Schiffshebewerk Rothensee in Betrieb genommen.

Magdeburg Marketing, Werner Klapper.
Wasserstraßenkreuz Foto: Magdeburg Marketing, Werner Klapper.

Warum das Schiffshebewerk Rothensee  einmalig ist

Schon im 19. Jahrhundert hatte man über eine Kanalverbindung zwischen Rhein, Weser und Elbe nachgedacht, Anfang des 20. Jahrhunderts war es dann soweit: Es entstand das erste Teilstück der zentralen West-Ost-Wasserstraße des Mittellandkanals, in den Jahren darauf folgten die weiteren ‚Teilstücke. Bis schließlich nördlich von Magdeburg ein Problem auftauchte: Dort musste zwischen Elbe und Mittellandkanal eine Gefällestufe von bis zu 18 Metern überwunden werden, aber wie?

Nach Plänen Rudolf Mussaeus’

Der Leipziger Ingenieur Rudolf Mussaeus hatte die Lösung. Nach den Plänen Mussaeus erbaute die Magdeburger Krupp Gruson AG ein Hebewerk, dessen mit Wasser gefüllter Trog beweglich auf zwei Schwimmern ruht. Mit Hilfe des Troges können die Schiffe hinauf und hinunter geschraubt werden, vier Spindeln und acht Synchron-Motoren bewegen die Last. 1938 wurde das Schiffshebewerk Rothensee in Betrieb genommen.

Magdeburg
Solide Technik im Schiffshebewerk Rothensee

Wikipedia erklärt die Funktionsweise des Schiffshebewerkes Rothensee so: “Der 85 Meter lange und 12,2 Meter breite Trog des Schiffshebewerks wird durch zwei 36 Meter hohe Tauchschwimmkörper mit einem Durchmesser von 10 Metern in der Schwebe gehalten. Die Schwimmkörper tauchen in zwei 60 Meter tiefe Tauchschächte ein, sie liegen dabei immer vollständig unter Wasser. Die Schwimmkörper sind in drei Kammern geteilt und jede Kammer ist ihrer Tauchtiefe entsprechend mit Druckluft gefüllt, um eine Implosion zu verhindern. Der Auftrieb dieser Schwimmkörper sorgt dafür, dass ein Gleichgewicht zum 5.400 Tonnen schweren Trog, inklusive Schiffs- bzw. Wasserlast, entsteht. Die Bewegung des Trogs erfolgt über vier Gewindespindeln mit einer Länge von 27,30 m und 42 cm Durchmesser, an denen der Trog elektrisch auf- und abbewegt wird. Durch das zwischen Trog und Schwimmkörpern bestehende statische Gleichgewicht ist für die Bewegung nur die Massenträgheit und die Reibung sowie der wechselnde Auftrieb der stützenden Gerüste zu überwinden. Die Leistung für die Hubbewegung liegt daher unter 500 kW. Die um die vier feststehenden Spindeln rotierenden Gewindeblöcke werden von acht 44 kW-Elektromotoren bewegt.”

Schiffshebewerk Rothensee Industriekultur

Wasserstraßenkreuz Magdeburg

Schon zum Baubeginn in den 1930er Jahren war auch eine Trogbrücke über die Elbe geplant. Sie wurde jedoch vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr fertiggestellt. In der DDR-Zeit wurde diese Planung auch nicht mehr weiter verfolgt. Erst im Zuge der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit  wurde sie als Wasserstraßenkreuz Magdeburg errichtet.

Luftaufnahme Wasserstraßenkreuz
Luftaufnahme Wasserstraßenkreuz Foto: © MMKT GmbH (W.Klapper)

Ursprünglich war das Schiffshebewerk daher nur als Anbindung der Elbe und Saale an den Mittellandkanal gedacht. Durch die über mehr als sechs Jahrzehnte nicht stattfindende Überbrückung der Elbe erhielt das Schiffshebewerk eine deutlich größere Bedeutung. Der gesamte Schiffsverkehr aus den Industriezentren Westeuropas nach West-Berlin passierte das Schiffshebewerk.

Schiffshebewerk Rothensee IndustriekulturMagdeburg

Nach längerer Stilllegung wird das voll funktionsfähige Schiffshebewerk seit 2014 wieder für touristische Zwecke für große und kleine Freizeitkapitäne während der Sommermonate  genutzt. Es ist ein beeindruckendes Denkmal ingenieurtechnischer Meisterleistung und ein Ausflug dorthin ist lohnenswert.

Auf der Facebookseite des Vereins gibt es aktuelle Informationen.

Hintergrund UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt

Zu den von der UNESCO in Sachsen-Anhalt bereits anerkannten besonderen Kulturstätten gehören:

  • das Bauhaus Dessau und seine Stätten in Dessau
  • die Luthergedenkstätten in den Lutherstädten Eisleben und Wittenberg
  • das Gartenreich Dessau-Wörlitz
  • der Naumburger Dom
  • die Stiftskirche, das Schloss und die Altstadt von Quedlinburg.
  • Das Biosphärenreservat Mittelelbe ist als Lernort für nachhaltige Entwicklung im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe integriert.
  • Die Himmelsscheibe von Nebra wurde in das Register des Weltdokumentenerbes aufgenommen.
  • Der Naturpark Harz zählt als Teil des „Geoparks Harz Braunschweiger Land Ostfalen“ zum „Global UNESCO Network of Geoparks“.

Hier weitere Informationen:
www.welterbe-sachsen-anhalt.de

Die Stadt Magdeburg im Netz: www.visitmagdeburg.de/mamo

Hier geht es zum Schiffshebewerk Niederfinow im Land Brandenburg.

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