Reise

Ein Schwimmbad unter dem Kirchsaal

Blick in das Schwimmbad im Mutterhaus in Elbingerode Foto: WeirauchBlick in das Schwimmbad im Mutterhaus in Elbingerode Foto: Weirauch

Wie oft waren wir in den letzten Jahren schon im Harz. Auch durch Elbingerode sind wir dabei gefahren. Aber von diesem Kleinod der Moderne in Elbingerode haben wir nichts mitbekommen beim Durchfahren mit dem Auto. Die Schmalspurbahn (HSB) und das nahe Besucherbergwerk hatten uns interessiert. Aber die Moderne? Auch die gibt es im Harz und zwar im kleinen Ort Elbingerode am Übergang der Hochebene des Unterharzes zum bergigen Oberharz: das Hauptgebäude des Diakonissen-Mutterhauses. einfachraus.eu war jetzt dort auf einer Tour zu meist unbekannten Orten der Moderne in Sachsen-Anhalt.

Diakonissen-Mutterhaus – Meisterwerk des Neuen Bauens

Die Geschichte hört sich spannend an. Die damalige Oberin Schwester Klara Sagert hatte den Anstoß dafür gegeben. Anfang der 1930er Jahre fragte die Diakonisse bei dem Architekten Godehard Schwethelm an, ob er ein neues Mutterhaus für die Diakonissen in Elbingerode entwerfen könne. Die Baupläne, die der Architekt Anfang 1932 vorstellte, überzeugten, so dass Godehard Schwethelm den Auftrag bekam. „Der neue Architekt hatte die geschilderte Aufgabe mit seinem Verständnis erfasst und setzte sein ganzes Können für ihre Durchführung ein“, notierten die Schwestern in ihrem Berichtsheft. So lesen wir in der Broschüre zum Bauhausjubiläum.

Das Mutterhaus gilt mit seinen Rundungen und schönen Glasfenstern als ein Meisterwerk des Neuen Bauens. Foto: Weirauch

Zwei Jahre später wurde das neue Mutterhaus offiziell eingeweiht. Architekt Schwethelm übergab den Schlüssel an den Direktor, der dem Architekten (so hat es die chronik festgehalten) “für den großen Sachverstand und den Einsatz dankte und die Tür aufschloss.” Die Diakonissen konnten einziehen.

Alt-Oberin Anita Rost führt kundig durch das Mutterhaus, Foto: Weirauch
Alt-Oberin Anita Rost führt kundig durch das Mutterhaus, Foto: Weirauch

In vielen Details ist es erfindungsreich und sorgfältig ausgeführt, ausgestattet mit damals neuester Haustechnik, mit eigener Wäscherei, Bäckerei und mit einem modernen Schwimmbad. Ja, ihr habt richtig lesen: unter dem Kirchsaal, der für tägliche Gottedienste genutzt wird, befindet sich ein Schwimmbad. Der Architekt hatte es auf Wunsch der Diakonissen eingebaut, wohl um die überschüssige Wärme der Heizzentrale nachhaltig zu nutzen. Das Mutterhaus im Harzort Elbingerode gilt neben dem Heizkraftwerk für die damalige Lungenheilstätte von Beelitz- Heilstätten als eine Inkunabel der Bau- und Technikgeschichte. Architekt Schwethelm war ein Vorreiter der Moderne, auch hinsichtlich der Energieausnutzung. Chapeau !!!

Blick in das Schwimmbad im Mutterhaus in Elbingerode Foto: Weirauch
Blick in das Schwimmbad im Mutterhaus in Elbingerode Foto: Weirauch
Blick auf den Altar

Bis heute dient das Mutterhaus in Elbingerode als eines von sechs Diakonissen-Mutterhäusern des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes für Wohn- und Krankenpflegezwecke der Diakonissen-Schwesternschaft.

Informationen zum Mutterhaus Elbingerode

  • Die Besichtigung des Hauses ist nach vorheriger Anmeldung möglich:
  • Tel. 03945480 oder per E-Mail unter info@neuvandsburg.de.
  • Filmtipp, hier ein Film des MDR zum Mutterhaus.
  • Mutterhaus im Internet: www.neuvandsburg.de
26. August 2020
DSD-Vertrag für ein Mutterhaus der Klassischen Moderne in Elbingerode
Wohn- und Krankenpflegestelle der Diakonissen-Schwesternschaft
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt in diesem Jahr dank zahlreicher Spenden sowie der Erträge der Lotterie GlücksSpirale 30.000 Euro für die Sanierung der Fassade und der Terrasse des Wintergartens des Diakonissen-Mutterhauses in Elbingerode zur Verfügung. Das zu Beginn der 1930er Jahre errichtete Anwesen gehört zu den über 590 Projekten, die die private DSD dank Spenden, der Erträge ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale allein in Sachsen-Anhalt fördern konnte.

Nordwestlich der Stadt Elbingerode befindet sich am Waldrand das Mutterhaus der Diakonissen Neuvandsburg. Das Hauptgebäude wurde zwischen 1932 und 1934 in der Formensprache des Neuen Bauens von dem Architekten Godehart Schwethelm aus Erfurt über einem annähernd L-förmigen Grundriss als fünfgeschossiger Stahlskelettbau mit Spaltklinkerverblendung und sehr flachem Walmdach errichtet. An die Rückseite ist ein Treppenturm gesetzt. Der Eingangsbereich wird mit farbigen Klinkern und dynamischen Formen optisch hervorgehoben. Den Seitenflügel hat man in gleicher Konstruktion erbaut. Mit zwei vorgesetzten Rundbauten erschließt sich der Zugang zum Kirchensaal über einen ebenfalls gerundeten Balkon und eine Freitreppe. Direkt unter dem Kirchensaal befindet sich ein Schwimmbad. Die Ideen des Neuen Bauens aus der Bauhaus-Zeit lassen sich im Diakonissen-Mutterhaus Neuvandsburg in Elbingerode an unzähligen Details erkennen.

Trotz kontinuierlicher Bauunterhaltung haben sich witterungsbedingte Schäden an der Terrasse und am Wintergarten eingestellt. Der Terrassenbelag ist stark verschlissen und undicht, was bereits zu Korrosionsschäden an der Tragkonstruktion geführt hat. Auch die Metallfenster des Wintergartens sind bereits korrodiert. Zudem sind weitere energetische Maßnahmen an der Anlage, die als Wohn- und Krankenpflegestelle der Diakonissen-Schwesternschaft dient, vorgesehen.

Mit dem Mutterhaus entstand zu Beginn der 1930er Jahre in der kleinen Harz-Gemeinde ein hochmoderner Neubau, der noch heute als ein Meisterwerk des Neuen Bauens gilt. Aufgrund der komplexen architektonischen Lösung, des sehr eigenständigen Stils und der besonderen Überlieferungsqualität handelt es sich beim Diakonissen-Mutterhauses Neuvandsburg in Elbingerode um ein national bedeutendes Zeugnis der Klassischen Moderne.

Ausflugsstipps für den Harz

Harzdrenalin

Wer den Harz kennenlernen will, aber keine Lust auf eine gemütliche Wanderung hat, der ist bei Harzdrenalin genau richtig. Angeboten werden aufregende Aktivitäten von Megazipline über Wallrunning bis Gigaswing. Und ganz nebenbei eröffnen sich aus schwindelerregender Höhe auch noch fantastische Panoramen der wunderschönen Harzlandschaft. Mehr im Internet unter www.harzdrenalin.de

Schierker Feuerstein Arena

Die multifunktionale, denkmalgeschätzte Veranstaltungsarena wurde im Dezember 2017 neu eröffnet und bietet witterungsunabhängige Freizeitangebote für klein und groß – von Eishockey, Eislaufen und Eisstockschießen im Winter bis Theater, Familienaktionen und Musikveranstaltungen im Sommer. Mehr im Internet unter www.schierker-feuerstein-arena.de

Schaubergwerk Büchenberg

Die spannende Besichtigung untertage entführt in die Zeit vor 1970, als hier noch wertvolle Eisenerze mühsam aus den Stollen abgetragen wurden. Anschaulich wird die rund tausendjährige Bergbaugeschichte des Harzortes erzählt. Hier geht es zu den Besucherbergwerken im Harz.

Zu büchenberg folgt dieser Seite www.besucherbergwerke-elbingerode.de