Mobilität

Mit MS Sans Souci über Saale und Elbe nach Magdeburg

Volle Konzentration wird verlangt

Für mich war diese Tour auf der Saale mit dem schmucken Flusskreuzer MS SANS SOUCI im doppelten Sinne etwas Besonderes. Zum einen erinnerte mich die Tour von Mukrena/Alsleben über Saale und Elbe nach Magdeburg permanent an Kindheitserlebnisse. Im nur 8 Kilometer von Alsleben entfernten Sandersleben im Wippertal aufgewachsen, war ich als Kind zu allen möglichen Anlässen in Alsleben oder Bernburg. Und natürlich fuhren wir mit einer Barkasse, die wir immer Dampfer nannten,  dann durch mindestens eine der Saaleschleusen. Das war spannend, vor allem immer dann, wenn es von den hochgezogenen Schleusentoren unablässig tropfte. Später dann hatte ich mehrmals mit Hans-Wilhelm Wehlmann zu tun, der auch über die DDR-Zeiten den Schifferverein „Undine e.V.“ von 1823  am Leben hielt. Der Verein erinnert auch heute an die Geschichte des Schifferstädtchens Alsleben. Die kleine Stadt an der Saale wurde auch  „Klein Hamburg“ genannt.. Denn die Erzeugnisse der heute noch existierenden Saalemühle und der mittlerweile abgerissenen Zuckerfabrik wurden auf der Saale transportiert. Bergauf wurden die Güter bis nach Halle und zu Tal Richtung Magdeburg und weiter überdie Elbe bis Hamburg transportiert. Irgendwann zog ich weg aus der Gegend von Wipper und Saale. 55 Jahre später war ich nun wieder auf der Saale ab Alsleben unterwegs.Bootsmann Alex vertäut das Schiff in der Schleuse Bernburg Foto: Weirauch

Lest hier, was ich auf der Mini-Kreuzfahrt mit MS Sans Souci von Mukrena nach Magdeburg erlebte

Am vergangenen Samstag nun gab es ein Déjà-vu mit der Kindheit und Neuzeit, als ich  mit der MS Sans Souci an ihrer Überführungsfahrt von ihrem Winterhafen in Mukrena (die jetzige Fischerwerft hieß zu meiner Zeit Grieseler Werft) gen Magdeburg teilnahm. Zusammen mit meinem Freund, dem Stralsunder Schiffahrtsjournalisten Dr. Peer Schmidt-Walter (Autor von mehr als 20 Fachbüchern über Kreuzfahrten und Frachtschiffen sowie Hunderten Artikeln zur Seefahrt) und zahlreichen Gästen aus alsleben und Bernburg erlebte ich eine faszinierende Reise auf der Saale mit neuen Eindrücken und Überraschungen.

Das 4-Sterne-Schiff im Heimathafen Mukrea/Alsleben Foto: Weirauch
Das 4-Sterne-Schiff im Heimathafen Mukrena/Alsleben Foto: Weirauch
Die Eisenbetonbrücke zwischen Mukrena und Alsleben stammt von 1928 Foto: Weirauch
Die Eisenbetonbrücke zwischen Mukrena und Alsleben stammt von 1928 Foto: Weirauch

Die 8-stündige Tour begann am Samstag um 8 Uhr. Die Kraft der Schiffsmotoren von 1000 PS drehten den 82 Meter langen und 9,50 Meter breiten Kreuzer vor der imposanten Kulisse der Brücke, die Mukrena und Alsleben verbindet. Dann ging es in die Schleuse Alsleben. Beachtlich wie Schiffseigner und Kapitän Peter Grunewald das Schiff manövrierte.

Mit dem Signalhorn verabschiedete sich Kapitän Peter Grunewald gebührend von seinem Heimatort. Denn das Fahrtziel sollte eigentlich Berlin – Spandau sein. Dort wohnen während der Internationalen Tourismusbörse (ITB) Gäste auf der MS Sans Souci. Danach beginnt eigentlich die Kreuzfahrt- Saison und MS Sans Souci fährt als Vollcharter für Plantours über die Oder nach Breslau (Wroclaw). Diese Fahrt ist schon seit langem ausgebucht, teilte mir Plantours mit.

Volle Konzentration: Kapitän Grunewald am Außensteuerstand Foto: Weirauch
Volle Konzentration: Kapitän Grunewald am Außensteuerstand Foto: Weirauch
Einfahrt in die Schleuse Alsleben Foto: Weirauch
Einfahrt in die Schleuse Alsleben Foto: Weirauch

Durch die wegen des Coronavirus abgesagte ITB entfällt in diesem Jahr für MS Sans Souci der Aufenthalt in Berlin. Da aber viele Gäste seit langem die eintägige Tour bis Magdeburg gebucht hatten, ging es auf die Reise in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt. Und am nächsten Tag zurück. Am 14. März dann fährt MS Sans Souci gen Berlin, um von Berlin-Tegel aus die Reise über die Oder nach Breslau anzutreten.

Von Mukrena aus bis zur Oder, Havel, Elbe und Ost- oder Nordsee Foto: Weirauch
Von Mukrena aus bis zur Oder, Havel, Elbe und Ost- oder Nordsee Foto: Weirauch
Schafe auf dem Saaledeich hinter Alsleben Foto: Weirauch
Schafe auf dem Saaledeich hinter Alsleben Foto: Weirauch
In der Ferne grüßt Schloss Plötzkau Foto: Weirauch
In der Ferne grüßt Schloss Plötzkau Foto: Weirauch
Links und rechts der Saale grüßen kleine Dörfer Foto: Weirauch

Nach Alsleben ist Bernburg die nächste Station. Ich hatte ja 2019 Bernburg kurz besucht und nun erlebte ich die altehrwürdige Residenzstadt vom Wasser aus. Überall standen Menschen am Ufer und auf den Brücken. Die Signale aus dem lauten Typhon lockten zudem Schaulustige an das Saaleufer  und auf die Brücken. Die lokalen Medien hatten vorab informiert, dass der Flusskreuzer an diesem Tag die altehrwürdige Stadt passiert. Bernburglive berichtete aktuell. Hier ein sehenswertes Video, wie MS Sans Souci aus der Schleuse fährt. 

Majestätisch ragt Schloss Bernburg hoch über der Saale Foto: Weirauch
Majestätisch ragt Schloss Bernburg hoch über der Saale Foto: Weirauch
MS San Souci verlässt die Schleuse Bernburg Foto: Weirauch
MS Sans Souci verlässt die Schleuse Bernburg Foto: Weirauch
Bootsmann Alex vertäut das Schiff in der Schleuse Bernburg Foto: Weirauch
Bootsmann Alex vertäut das Schiff in der Schleuse Bernburg Foto: Weirauch
Blick auf Orangerie, Gymnasium und den Eulenspiegelturm von Bernburg Foto:Weirauch
Blick auf Orangerie, Gymnasium und den Eulenspiegelturm von Bernburg Foto:Weirauch

Auch in Calbe wurde das schwimmende Hotel freudig begrüßt. Überall gab es freundliche Hallo-Rufe. Und es gab eine Menge an beiden Ufern zu sehen, nicht nur eine einzigartige Auenlandschaft, sondern kleine Dörfer und stolze Kirchen.

Schleuse Calbe MS Sans souci
Die Schleuse Calbe wurde 2017 erneuert Foto: Weirauch
MS Sans souci
Am Fähranleger Groß Roseburg Foto: Weirauch
Fähre über die Saale Foto: Weirauch
Fähre über die Saale Foto: Weirauch
Manfred Fabich
Senior-Kapitän: Manfred Fabich Foto: Weirauch

In Barby dann mündete die Saale in die Elbe und MS Sans Souci hatte bis Magdeburg eine breitere Fahrrinne als in der Saale zuvor. Denn gerade zwischen Calbe und Barby schlängelt sich die Saale in mehreren langen Windungen durch die imposante Landschaft. Je nach Wasserstand und Windrichtung ist dann das ganze Können des Kapitäns gefragt.

MS Sans souci
Auf dem Bild sieht man, wie verschlungen die Saale von Calbe Richtung Saalemündung verläuft Foto: Weirauch

Peter Grunewald gehört zu den Befürwortern des rund 7,5 Kilometer langen Saale-Seitenkanals des zwischen Calbe und Barby gelegenen Ortes Tornitz. Jahrelang engagierte er sich im Saale-Bündnis dafür. Derzeit stehen die Chancen für die Realisierung schlecht. Auch der Kanal könnte zur Belebung des Gütertransportes auf der Saale zwischen Halle und Magdeburg beitragen.  Zumindest der Wassersport würde an Attraktivität gewinnen. An diesem Samstag ist der Wasserstand recht hoch, wie es bei Niedrigwasser hier zugeht, mag ich mir nicht vorzustellen.

Peter Grunewald beißt die Zähne zusammen. Man spürt, dass er so manche Entwicklungen auf deutschen Wasserstraßen verbesserungswürdig findet. So kritisierte er jüngst in einem Interview mit Dr. Peer Schmidt-Walter (hier nachzulesen) die ewigen Reparaturen von Schleusen und die damit verbundenen Sperrungen für die Berufsschiffahrt. Auch der teilweise schlechte Zustand der Kanäle ist ihm ein Dorn im Auge, wie er gegenüber Schmidt-Walter berichtete. Andere Länder, wie beispielsweise die Niederlande, sind da besser aufgestellt. Grunewald spricht aus Erfahrung, hat er doch den Beruf des Binnenschiffers von der Pike auf gelernt. Er befuhr  alle großen Flüsse Europas, bis er sich 2007 mit dem Kauf der MS Sans Souci einen Traum erfüllte und eigener Reeder wurde. Mittlerweile war er mit der Sans Souci u.a. in Hamburg, Amsterdam, Kiel, Prag, Stralsund Stettin, Demmin  und in Vitte auf Hiddensee. Die Liste lässt sich fortsetzen..

Das legendäre Schiffshotel bei Schönebeck Foto: Weirauch
Das legendäre Schiffshotel bei Schönebeck Foto: Weirauch
MS Sans souci
In Schönebeck an der Elbe wird fleißig gebaut Foto: Weirauch

Wohin die Reisen in diesem Jahr führen, könnt ihr hier lesen.  Rund 30 Flusskreuzfahrten mit jeweils 70 – 75 Passagiere wird die 20-köpfige Crew bis Ende November absolviert haben. Einige Mitarbeiter konnte ich auf meiner Kurz-Kreuzfahrt über Saale und Elbe kennenlernen. Es sind freundliche und engagierte  Menschen dort an Bord um den 53-jährigen Kapitän.

MS Sans souci
Kapitän Grunewald kann sich auf seine Crew verlassen: hier mit Leona und Petr Foto: Weirauch
Ms Sans Souci
Juliane Gerlich ist die charmante Hoteldirektorin Foto: Weirauch

In seiner schmucken Uniform begeisterte der einstige Junge aus der kleinen Schifferstadt Mukrena nicht nur die mitreisenden Damen. Seine Autorität sollte gehört werden in den entsprechenden Gremien des Salzlandkreises und der Landesregierung.

Lehrmeister und schüler: die Kapitäne Manfred Fabich und Peter Grunewald Foto: Weirauch
Lehrmeister und Schüler: die Kapitäne Manfred Fabich und Peter Grunewald Foto: Weirauch

Für mich ist Kapitän Peter Grunewald ein Botschafter seiner Heimat und MS Sans Souci ein einzigartiges Juwel in der Welt der Schifffahrt. Wenn er einmal auf der Reise von Hamburg nach Prag in Potsdam Station macht, dann werde ich ihm mein Potsdamer Lieblingsschloss zeigen. Schloss Sanssouci, in dessen Nähe ich mehr als 40 Jahre meines Lebens verbrachte.

Fazit: Die Schiffsfahrt auf Saale und Elbe ließ nicht nur Kindheitserinnerungen in mir lebendig werden, ich lernte auch neue Freunde kennen, die die Liebe zum Fluss und zur Schifffahrt verbindet.

Der Wassertourismus auf der Saale könnte gut mit den vielen Sehenswürdigkeiten und technischen Denkmalen am Fluss vernetzt werden. Auch sollte der Saaleradweg besser ausgeschildert werden. Ich habe den Eindruck er fristet im Vergleich zum  übermächtigen Quotenbringers Elberadweg ein Schattendasein. Auf der Thüringer Seite und bis Naumburg in Sachsen-Anhalt ist der Saaleradweg flussbegleitend perfekt ausgeschildert. Zwischen Bernburg, Nienburg, Calbe und Barby führt er oftmals weit weg vom Fluss. So der Eindruck von mitfahrenden Radonneuren.

Die Elbbrücke hinter Schönebeck
Die Elbbrücke hinter Schönebeck Foto: Weirauch
Der Magdeburger Domfelsen mit dem Dom Foto: Weirauch
Der Magdeburger Domfelsen mit dem Dom Foto: Weirauch

 

MS Sans souci
Auf dem Smartphone lässt sich die Fahrt verfolgen Foto: Weirauch
Kapitän Peter Grunewald am Außensteuerstand Foto: Weirauch
Magdeburg erreicht: Kapitän Peter Grunewald, wie immer hochkonzentriert am Außensteuerstand Foto: Weirauch
Moderne Liegestühle und Sitzmöbel laden auf dem Oberdeck ein Foto: Weirauch
Moderne Liegestühle und Sitzmöbel laden auf dem Oberdeck ein Foto: Weirauch

Und wer einmal mit der MS Sans Souci eine mehrtägige Kreuzfahrt erleben möchte, der kann hier buchen: www.plantours-partner.de · www.dertour.de

Blick in eine Kabine der MS Sans Souci Foto: Weirauch
Blick in eine Kabine der MS Sans Souci Foto: Weirauch
Die Rezeption auf der MS Sans Souci Foto: Weirauch
Die Rezeption auf der MS Sans Souci Foto: Weirauch

Hier geht es zur Homepage von MS Sans Souci.

MS SANS SOUCI
Baujahr: 2000 in Grave/Niederlande als EUROPA; 2007/08 modernisiert und in SANS SOUCI umgetauft; Renovierung: 2014; Länge: 82 m; Breite: 9,50 m; Tiefgang (maximal): 1,60 m; Vermessung: 1000 Tonnen; Antrieb: 2 x 600 PS (Neumotorisierung 2012); Crew: 25; Passagiere: 82 (maximal); Passagierdecks: 2 + Sonnendeck; 41 Außenkabinen (13 qm) mit nicht zu öffnenden Panoramafenstern; Sauna: 1 (gegen Gebühr); Treppenlift zwischen Haupt- und Panoramadeck; 1 Restaurant (1 Essenszeit); Bar: 1; Boutique: 1; Unterhaltung: TV mit Videoempfang, Bibliothek, Tanzmusik; Preis/Nacht: 211 Euro (durchschnittlich); Heimathafen: Peissen/Saale; Flagge: deutsch. www.ms-sanssouci.de · Buchungen: www.plantours-partner.de · www.dertour.de

Der Autor dankt Kapitän und Schiffseigner Peter Grunewald und dem Schiffahrt- und Reisejournalisten Dr. Peer Schmidt-Walter (Stralsund) für die Unterstützung und hilfreiche Tipps.

MS Sans souci

 

Hier geht es zum Saaleradweg.

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