Reise

Fürst Pücklers Romanze mit Machbuba

Machbuba um 1840Machbuba (um 1825-1840) Gemälde (Ausschnitt), Öl auf Leinwand, Künstler unbekannt, um 1840; Foto: Thomas Goethe, 1993; Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Der geniale Parkgestalter Fürst Hermann von Pückler-Muskau war auch Pascha, Playboy und Visionär. Fürst Pückler (1785–1871), dem ab heute in der Bundeskunsthalle Bonn eine große Ausstellung gewidmet ist, hinterließ nicht nur die Parkanlagen von Bad Muskau, Branitz und Babelsberg. Um ihn ranken sich auch amüsante Geschichten. So habe er ein glückliches Händchen bei den Damen gehabt, heißt es immer wieder. Berühmt wurde vor allem die Beziehung von Fürst Hermann von Pückler-Muskau zu Machbuba. Die minderjährige Sklavin hatte er 1837 in Kairo gekauft.

Georges François Louis Jacquemot Hermann Fürst von Pückler-Muskau um 1838 Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz
Georges François Louis Jacquemot: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, um 1838 Foto: Bundeskunsthall Bonn

Die Machbuba -Darstellerin von Bad Muskau

Unlängst traf ich Babett Donnelly, die derzeit wohl beste Kennerin der Machbuba-Geschichte, zufällig am Grab der Machbuba auf dem kleinen Friedhof an der Jakobskirche von Bad Muskau. Frau Donnelly erzählte recht anschaulich über die teils tragische Geschichte der Machbuba.

Machbuba-Darstellerin Babett Donnelly
Machbuba-Darstellerin Babett Donnelly, Foto: Donnelly

Ich bat sie, dies aufzuschreiben. Lest selbst: „Mehr Frauen als Don Juan und Jupiter zusammen soll er gehabt haben. Und seine Begeisterung galt nicht nur Damenröcken. Beim Anblick eines Schotten im Rock „mit bloßen Schenkeln“, erzählt Pückler in „Briefe eines Verstorbenen“, habe er ihn „angestaunt, wie ein Wunder von Pracht und Schönheit“. Dabei schrieb er im wahrsten Sinne des Wortes seine Liebesgeschichten zumeist tatsächlich nur mit Federkiel und Tinte auf Bögen aus Papier. Romantisch und leidenschaftlich waren seine zahllosen Briefe an die Damenwelt, die ihm vor allem deshalb so zu Füßen lag. Wollte eine der Damen jedoch den Worten Taten folgen lassen, nahm der Fürst nicht selten seine Füße in die Hand und macht sich aus dem Staub.

Pücklers “Herzensschnucke” Lucie

Nur einer Frau blieb er zeitlebens ungebrochen zugetan. Seiner Frau , Lucie zu Pückler-Muskau, Tochter des Staatskanzlers Hardenberg. Sie war Pücklers „Herzensschnucke“, die ihren „Lou“,so sein Spitzname, nahm, wie er nun einmal war, ob nun Lupus oder Filou. Die glückliche Ehe des Fürstenpaares hielt trotz der Frauengeschichten und überdauerte selbst die einvernehmliche Scheidung aus finanziellen Motiven. Die Beiden blieben auch nach der Trennung vereint, bis der Tod sie schließlich schied. So schrieb Pückler einst poetisch: „[…] bleibt seiner Schnucke treu der Lou bis Gott ihm schließt die Augen zu.“

Babett Donnelly als Lucie
Babett Donnelly als Lucie, Foto: Donnelly

Der Fürst und seine Geliebte

Nur vor einer Sache konnte Lucie ihre Augen nicht verschlossen halten. Als der 52-jährige Fürst ihr freudig ein ganz besonderes Reisesouvenir präsentierte. Auf seiner mehrjährigen Orientreise hatte er sich in Kairo eine junge abessinische Sklavin gekauft und brachte diese schlussendlich gegen Lucies Willen mit nach Muskau. Diese reagierte empört und appellierte vorab per Brief an seinen gesunden Menschenverstand. Selbst konnte sie „die türkische Sitte“ nicht mit sich vereinbart finden. Doch alles Aufbegehren half nichts. Wenn Frauen Kammerdiener haben dürften, so Pücklers Argument, bestünde er auf das Recht einer Kammerfrau. Ihr brächte er ebenfalls einen „Mohren“ zur eigenen Verfügung. Aber die lebenserfahrene Fürstin ließ sich von derartigen Beschwichtigungen nicht beeindrucken. Sie ahnte, dass das junge Mädchen mehr sein musste, als eine simple Bedienstete. Bald schon klagte sie „Warum bin ich nicht jung und aus Abessinien?“.

Machbuba (um 1825-1840) Gemälde (Ausschnitt), Öl auf Leinwand, Künstler unbekannt, um 1840; Foto: Thomas Goethe, 1993; Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz
Machbuba (um 1825-1840) Gemälde (Ausschnitt), Öl auf Leinwand, Künstler unbekannt, um 1840; Foto: Thomas Goethe, 1993; Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Als der Parkgestalter und Weltreisende im Jahr 1837 die junge Bilillee auf dem Bazar entdeckte, war diese gerade einmal etwa 11 Jahre. Dennoch war er augenblicklich verzaubert von dieser Venus in schwarzer Manier. Makelloser Wuchs, Zähne wie aufgereihte Perlen, kupferfarbene Haut lediglich mit einem zarten Tuch bedeckt, muteten an, wie ein Traum aus 1001 Nacht. Ohne zu feilschen erkaufte der Fürst die Freiheit des Mädchens, die er ihr großzügig schenken wollte. Und mochte man seinen Worten Glauben schenken, diente sie ihm aus Dankbarkeit darüber ganz freiwillig. Von da an war sie seine Reisegefährtin. Auf Mehemed Alis Dahabia befahren sie gemeinsam den Nil.

Aus Bilillee wurde Machbuba

Bilillee wurde zu Pücklers „Machbuba“, was auf Arabisch „mein Liebling“ bedeutet. Pückler wollte die junge Wilde formen und bilden, will ihr Lehrer und Vater sein. Er unterrichtete sie in Lesen, Schreiben und Italienisch. Machbuba führte ihm die Haushaltung und Reisekasse und pflegte den erkrankten Fürsten fürsorglich.

Doch auf der Reise nach Europa wurde Machbuba selbst schwer krank. Einige Zeit verbrachten die Beiden in Budapest und Wien. Um Machbuba in die Wiener Gesellschaft einzuführen, dichtete ihr Pückler das Märchen einer geraubten Stammesfürstentochter an, welche er erretten konnte. Der Wiener Hof war bald ebenso entzückt von dem liebenswerten Mädchen, wie alle anderen, die sie noch kennenlernen durften.

 Wie ein exotischer Vogel im goldenen Käfig

Nur Fürstin Lucie zeigte sich kalt. In Muskau verweist sie die immer kränker werdende Machbuba aus dem Schloss in die entfernter gelegene Rosenvilla im Badepark. Dort blieb sie, wie ein exotischer Vogel im goldenen Käfig. Die Fürstin hingegen entfloh nach Berlin und beorderte ihren Gatten häufig zu sich, so dass er wenig Gelegenheit hatte, Zeit mit seinem lieben Mädchen zu verbringen.

Auch als sich Machbubas Zustand rapide verschlechterte, war Lou bei seiner Schnucke. In Berlin bereiteten sie seinen Geburtstag vor, während das ausgezehrte Kind in Muskau am 27.10.1840 seinen letzten Atemzug aushauchte.

Besuch am Grab von Machbuba

Die feierliche Bestattung mit Fackelzug und Kinderchor gestalteten die Muskauer Bürger. Fürst Pückler kam, wie so oft, zu spät und war untröstlich. Einige Nächte lang besuchte er Machbubas Grab auf dem kleinen Friedhof der Jakobskirche in der Hoffnung auf ein Zeichen aus dem Jenseits. Als einmal ein unerklärlicher Windstoß die Blüte einer Blume seine Wange berühren ließ, deutete der Trauernde dies als letzten tröstlichen Kuss seines geliebten Sonnenkindes. Das Grab ist bis heute erhalten und zugänglich. Auf dem zementierten Erdhügel durch, den sich eine Wüstenschlange schlängelt, liegt symbolisch ein gebrochenes Herz und erinnert an Machbubas unerfüllten letzten Wunsch, ihren geliebten Abu noch einmal zu sehen.“

Grab von Machbuba in Bad Muskau
Grab von Machbuba in Bad Muskau

Besucher Bad Muskaus können auf Wunsch an ihrem Grab persönlich mit Machbuba plaudern oder sich von Fürstin Lucie, alias Babett Donnelly,  die Parkanlagen zeigen lassen. Selbst einen Dudelsack spielenden echten Schotten im Kilt können sie, wie einst Pückler, gern bestaunen.

Jimmy Donnelly mit Dudelsack, Foto: Donnelly
Jimmy Donnelly mit Dudelsack, Foto: Donnelly

Das Ehepaar Babett und Jimmy Donnelly bieten in ihrem „Red Rose Cottage“ neben dem alten Friedhof Erlebnisführungen, Whisky-Nights, Live-Musik und vieles mehr an. Auch Freunde des „Dark Tourism“ kommen hier auf ihre Kosten, denn im Cottage starten auch sogenannte „Ghost Walks“ ganz nach britischem Vorbild, und beleuchten die dunkle Seite der Kleinstadt „Bad“ Muskau. Natürlich geht es dann auch zum Grab der Machbuba.

Am Grab von Machbuba, von links: Machbuba (Babett Donnelly), Fürst Pückler (Sven Hülsebus), und Katrin Moschner, Parkführerin der Stiftung Foto: Donnelly
Am Grab von Machbuba, von links: Machbuba (Babett Donnelly), Fürst Pückler (Sven Hülsebus), und Katrin Moschner, Parkführerin der Stiftung Foto: Donnelly

Babett Donnelley unternimmt in Bad Muskau sowie im mehr als 700 Hektar großen Park von Bad Muskau Erlebnisführungen. Sie begleitete Gäste und Gruppen als Fürstin Lucie, Nachtwächterin, Machbuba und andere Persönlichkeiten.

Blick vom Schloss auf den Muskauer Park
Blick vom Schloss auf den Muskauer Park

Im Kulturhotel Fürst-Pückler-Park kann ein Pückler-Dinner-Abend gebucht werden, der von Reisegruppen gut angenommen wird. Auch das Thema Hochzeit ist ein Großes in Park und Schloss. Dazu bietet das engagierte Ehepaar besondere Führungen an, für die Gäste der Gesellschaft oder auch mit dem Brautpaar oder den JunggesellInnenabschied. Jimmy Donnelly, ein Glasgower Musiker, begleitet die Zeremonie passend zum britischen Park als sogenannter Hochzeitspiper, mit dem schottischen Dudelsack.

Dass Neue Schloss von Bad Muskau
Dass Neue Schloss von Bad Muskau

Nicht alles ist ausschließlich nur auf Muskau zugeschnitten. In und auch außerhalb der Region veranstalten die Donnellys kulturelle Whisky-Abende. Die “Brave Whisky Nights” verbinden die Elemente einer klassischen Verkostung mit Wissenwertem, schottischem Humor und traditioneller Musik. In Muskau kann man hierzu das Cottage der Familie auch in kleiner Runde besuchen.

Hier geht es zu meinem Beitrag über Schloss und Park in  Bad Muskau

Hier weitere Informationen zu Machbuba und Familie Donnelly: www.red-rose-cottage.jimdo.com

Facebooktwittermail
error: Content is protected !!