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Neuruppin: fontane.200/Autor

Neuruppin Fontane

Mit Fahrrad und Sexappeal

Warum zu Ostern nicht auf Fontanes Spuren wandeln? Das zurzeit quirlige Neuruppin lädt zu einem Osterspaziergang geradezu ein. Überhaupt bietet der Landkreis Ostprignitz-Ruppin zu Ostern ein Kopf-an-Kopf-Rennen kultureller Höhepunkte. Die Eröffnung der Landesgartenschau in Wittstock und die Leitausstellung Fontane 200./Autor in Neuruppin locken sicher viele Besucher an.

Originelle “Köstlichkeiten”

Einfachraus.eu zog es zunächst nach Neuruppin. Auf dem Wege in das Museum zur gerade eröffneten Fontane-Ausstellung fallen uns schon originelle „Köstlichkeiten“ auf. Unweit des berühmten Fontane-Denkmals lädt ein Imbiss zum „Fontane-Döner“ ein.

Auf der Karl-Marx-Straße weiter Richtung Innenstadt, nach dem immer wieder gerühmten Eisladen eine Querstraße links, lenken uns zunächst diverse in luftiger Höhe flatternde Dessous in Richtung Museum.

Dort angekommen empfängt uns ein älterer Fahrradfahrer mit den Worten: „Nach Beinen und Lenden – gibt es nun etwas für den Kopf.“ Wobei das eine das andere ja nicht ausschließen muss – wir glauben, Fontane hätte die „kulturelle Vielfalt“ im Vorfeld einer „Sehenswürdigkeit“ gefallen.

Museum aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Wer wie wir das einst überladene, dunkel daherkommende, wenig einladende Museum aus früheren Zeiten kennt, wird überrascht sein ob der neuen Wirkung des Hauses nach jahrelanger Sanierung und Erweiterung.

Freundliche Begrüßung durch Sylvia Gramoll und Antje Probst

Freundliche Begrüßung durch Sylvia Gramoll und Antje ProbstVon außen und innen leuchtend hell, freundliche Empfangsdamen, ein großer Frühlingsstrauß nimmt gleichsam den Frühling von außen mit in das 1791 erbaute klassizistische Bürgerhaus. Wobei die große Glasfront im preisgekrönten Anbau jederzeit Blicke in den restaurierten „Kräutergarten“ zulässt. Hier hätten wir uns gern mit einem Kaffee vor unserem Ausstellungsrundgang gestärkt.

Das luftige große Entree des Museums bietet genügend Platz für den Kassenbereich, Garderoben und den in vielen Museen zu findenden Souvenir-Shops. Die Fülle der Neuerscheinungen, obwohl nur als Auswahl vorgestellt, an „Fontane-Literatur“ fällt auf. Alle Facetten des „Fontane-Lebens und seines schriftstellerischen Werks“ scheinen neu erforscht worden zu sein, oder in erweiterten Auflagen zum 200. Geburtstag wieder aufgelegt worden zu sein. Die Auswahl ist groß, da fällt es schwer, eine Entscheidung zu treffen. Wir zögern diese hinaus. Eine „Fontane-Socke“ – ähnlich der „Luther-Socke“ im vergangenen Lutherjahr – haben wir im Souvenir-Shop nicht entdecken können. Obwohl diese im Fontane-Jahr vielleicht sogar angebracht wäre. Denn ob der vielen angebotenen Veranstaltungen im Land Brandenburg, kämen schon einige „..zig Wanderkilometer“ zusammen, die zu einem häufigen „Socken-Wechsel“ führen könnten. Nun gut, Fontane soll ja auch weniger gewandert sein, als bisher angenommen. Und heute ist man im Land Brandenburg auch besser mit einem eigenen Fortbewegungsgefährt unterwegs, als sich auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlassen.

„fontane.200/Autor – Die Leitausstellung

Vorweg – es ist eine anspruchsvolle Ausstellung, in der das geschriebene und gedruckte Wort Fontanes im Mittelpunkt stehen. Der Besucher muss viel Zeit mitbringen, am besten ist, man kommt mehrmals in die Ausstellung. Am besten, man nimmt sich jedes der drei Kapitel gesondert vor. Gut ist, wenn man einige Vorkenntnisse aus Fontanes Leben und Werk mitbringt.

Das dürfte nicht allzu schwer sein, denn der Roman „Effi Briest“ und  das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ sind heute noch präsent in den Schulen. Es gibt in der Ausstellung viel zu lesen, viel anzuschauen, einiges zu hören sowie viel zu kombinieren.

Drei Kapitel der Ausstellung

Die Phantasie jedes Besuchers ist gefragt. In den drei Kapiteln der Ausstellung – „Schreiben.Fontanes Kopf“, “Texten. Fontanes Erfindungen“ und „Mixen.Fontanes Wörter“ – begegnet dem Besucher Fontane auf unterhaltsame Weise: als Wortsampler, Schreibdenker und Textprogrammierer.

Das Zeitalter der Computertechnik war noch nicht angebrochen; teures Papier (deshalb die dichtbeschriebenen – auch mal horizontal und vertikal übereinander -Tagebuchseiten), Feder und Bleistift, Schere und der Brockhaus waren treue Begleiter im Fontane-Schaffensprozess. Und natürlich immer das Wort – ob geschrieben, gesprochen, gedruckt. Kommunikation – ohne das schnelle world-wide-web – war für Fontane sehr wichtig.

Zu den Attraktionen der Schau gehören zweifellos die 67 überlieferten Notizbücher Theodor Fontanes. Diese bibliophilen Kostbarkeiten werden erstmals in Gänze auf einem Riesentisch in der Ausstellung präsentiert. Als Unterlage dienen Stöße von Papier. Der akribischen Arbeit von Dr. Gabriele Radecke, die an der Theodor-Fontane-Arbeitsstelle der Georg-August-Universität Göttingen,
Seminar für Deutsche Philologie, eine digitale Edition der Notizbücher vorbereitet, ist dies zu verdanken.

Gleich daneben zu erleben, ist eine digitale Schreibwerkstatt, an der der Besucher mittels optischer und farblicher Überlagerungen Einblick in Fontanes diffizile Schreibkunst erhält. Transkriptionen der Fontane-Schriften erleichtern das Lesen. Mit der Schere schnitt Fontane Textstellen auseinander und fügte sie an passender Stelle im Manuskript wieder ein. Aus Papierknappheit beschrieb er jeden noch so kleinen Rand des kostbaren Papiers.  Auf Schreibmaschine bzw. Computer musste er noch verzichten.

 

Uns kommt die Sentenz Fontanes „Reisen in der Mark ist alles andere als billig“ in den Sinn. Diese bezieht sich auf die schlechten Transportmöglichkeiten zu seiner Zeit, die einen schnellen Austausch mit Verlegern, anderen Autoren, der helfenden Familie u.a. wohl im Wege standen. Gegen alle Widrigkeiten hat Fontane ein Gesamtwerk hinterlassen, das bis heute in aller Welt gelesen wird. Obwohl es manchmal biedere Züge zu tragen scheint, ist es durch alle Zeiten modern geblieben.

Gelb überstrahlt alles

Die Ausstellung nähert sich Fontanes Schaffen auf unkonventionelle Art, lässt den Besucher über die Romanfiguren aus „Effi Briest“ in den Roman „eintreten“, „Wort-Spiele“ entwickeln. So werden u. a. schlaglichhaft die Eigenschaften von Effi, Briest, Innstetten, der Magd oder auch Rollo vorgestellt. Das macht Spaß, als Besucher so in ein Ausstellungskonzept einbezogen zu werden. Im Liegestuhl kann man sich eine Pause gönnen und im Roman nachlesen …

Die farbliche Grundgestaltung der Ausstellung lässt depressive Phasen nicht zu, das strahlende Gelb unterstützt den Ausstellungsbesucher bei seinen Entdeckungen – ähnlich wie einen Wanderer im Frühling bei seinen Entdeckungen in der Natur. Langeweile kommt nicht auf, der Besucher muss sich einlassen auf das Konzept. Und kommt dann vielleicht auf den besonderen „Fontane-Sound“, den die Kuratorin der Ausstellung, die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Heike Gfrereis, den Besuchern nahebringen möchte.

Wort(er)findungen als Leitmotiv

Das Leitmotiv der Leitausstellung sind Fontanes Wort(er)findungen, die in Neuruppin das Museum und die ganze Stadt bespielen: Zweihundertmal, von der „Abschreckungstheorie“ und den „Menschheits-Beglückungs-Spekulationen“ bis zur „Weltverbesserungsleidenschaft“ und den „Zärtlichkeitsallüren“.

„Das gelbe Band“ zieht sich durch Neuruppin, macht die Stadt bunter. Und kündigt zugleich aus dem Rahmenprogramm zur Leitausstellung weitere Höhepunkte an.

Ausblick zum Fontanejahr

Wer in der Zwischenzeit fußlahm geworden ist, kann weitere Veranstaltungen und Informationen auf: www.fontane-200.de und www.museum-neuruppin.de abrufen.

Unsere Stippvisite in Neuruppin hat uns neugierig gemacht. Weitere Besuche werden folgen. Ein Spaziergang zu den „Fontane-Stätten“ lockt uns ebenso wie ein „Speed-Dating mit Literaturwissenschaftlern und Fontane-Experten am 26. Mai 2019, 14 Uhr, im Fontane-Museum Neuruppin. Es geht um Fragen zu ununtersuchten, ungesagten und unverständlichen Themen der Leitausstellung. Und wer möchte, kann sich unter „Word&Play! – Entwickle dein eigenes Game!“ zum Gamecamps anmelden.

Der Bogen schließt sich. Einen neuen Fontane-Band haben wir nicht gekauft. Einige haben wir hier bereits besprochen.

Beim Spaziergang durch Neuruppin erhielten wir eine neue Inspiration, die wir auch gern in der Leitausstellung erhalten hätten. Die Themenkarte “In der Welt Fontanes – Unterwegs in Brandenburg” (terrapress Verlag Berlin zusammen mit Kulturland Brandenburg) ist ganz nach unserem Geschmack. Kurz und knapp informiert sie über das Themenjahr 2019: Fontane vom Sockel geholt. Ein Zeitstrahl verbindet Lebensstationen mit den Daten aus seinem literarischen Schaffen. Erfrischend und originell, wie viele Informationen in einer noch handlichen Themenkarte untergebracht wurden.  Sie ist zugleich Reisebegleiter als Brandenburg-App und stellt Fontane als Mensch und Wanderer, Apotheker, Gesellschaftskritiker, Namensspender, Humorist, Reiseschriftsteller, Ehemann, Kunstliebhaber, Gartenkenner, Hobbyhistoriker, Journalist, Theaterkritiker, Plauderer auf Reisen, als Briefschreiber, Beobachter, Genießer, Preußenversteher, literarischer Erfinder vor.

Und macht uns u.a. auf einen Spaziergang auf den Spuren Theodor Fontanes in Neuruppin aufmerksam. Diese Themenkarte hätten wir gern in der Ausstellung gesehen. Infos über die jeweiligen Ausstellungsorte sind in der Themenkarte im Taschenbuchformat inklusiv. Für den Fontane-Liebhaber könnte sie eine originelle Osterüberraschung sein, die ihn über das Jahr hinaus zu weiteren wichtigen Fontanestätten führen wird.

Und da gibt es sehr viele. Auf der informativen Seite Fontane-200.de sind alle Ausstellungen und Veranstaltungen aufgelistet.

Auch heute ist das Geburtshaus Fontanes noch eine Apotheke. Foto: Weirauch
Auch heute ist im Geburtshaus Fontanes noch eine Apotheke

Informationen

Ausstellungsdauer: 31. März – 30. Dezember 2019

Ort: Museum Neuruppin
August-Bebel-Straße 14/15, 16816 Fontanestadt Neuruppin
Tel. 03391 3555100
E-Mail: info@museum-neuruppin.de
www.museum-neuruppin.de

Öffnungszeiten: Mo, Do-So, Feiertag 10-18 Uhr, Mi 10-19 Uhr, Di geschlossen
Eintritt: 8,50 Euro, erm. 6 Euro
Freier Eintritt bis 18 Jahre und Mi 17-19 Uhr
Kombikarte Leitausstellung Neuruppin und Sonderausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam (HBPG): 12 Euro, erm. 8 Euro

 


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https://www.einfachraus.eu/eine-spurensuche-zur-familie-fontane-in-neuruppin/

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https://www.einfachraus.eu/auf-den-spuren-von-fontane/

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https://www.einfachraus.eu/herr-von-ribbeck-auf-ribbeck-im-havelland/

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