Zum Grab von Theodor Fontane

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus. Theodor Fontane wird am 30. Dezember des kommenden Jahres 200 Jahre alt. Der wandernde „märkischste“ aller Dichter Brandenburgs wird 2019 noch mehr in aller Munde sein als bisher. Ausstellungen, neue Publikationen, touristische Angebote zu Orten, an denen Fontane gelebt oder die er besucht hat, sowie wissenschaftliche Tagungen  werden die Aufmerksamkeit auf den 1819 in Neuruppin Geborenen lenken. Unlängst wurde die Seite fontane200 freigeschaltet.

Während wir in den letzten Jahren immer wieder mal Fontaneorte besucht haben, u.a. natürlich zu Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, bitten wir diesmal uns zu folgen auf dem Weg zum Grab von Theodor Fontane.

Bei unserer Fontane-Spurensuche fanden wir in unserem Fotoarchiv eine Aufnahme seines Grabes, das wir Anfang der 90er Jahre beim Besuch auf dem Französischen Friedhof in Berlin gemacht hatten. Auch Wikipedia verweist heute noch auf den alten Grabstein. Dieses Foto unterscheidet sich von neueren Abbildungen der Grabstätte, die wir jetzt im Internet fanden.

Unsere Neugierde wurde noch größer, als wir Hinweise auf eine vor einigen Jahren auf dem Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde eingerichtete Gedenkstätte für Theodor Fontane fanden.

Wie kommt man zu Fontanes Grab ?

Doch wo befindet sich dieser Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde genau ? Es gibt zwei Wege. Mit der S 1 bis zum S-Bahnhof Humboldthain, dann nach rechts in die Grenzstraße, dann rechts in die Gartenstraße, an der Humboldthainschule vorbei und dann durch die Gartenstraße unter dem rostigen Brückenkonstrukt der Liesenbrücke hindurch linkerhand in die Liesenstraße. Vorbei am Mauerrest Ecke Liesen-/Gartenstraße gelangten wir zu dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde in der Liesenstraße 7.

Mauerreste an der Liesenstraße Foto: Weirauch
Mauerreste an der Liesenstraße Foto: Weirauch

Er liegt direkt neben dem Friedhof der Berliner Domgemeinde. Ein anderer Weg führt vom Bahnhof Friedrichstraße mit der U-Bahn bis zum U-Bahnhof Schwartzkopfstraße und dann einige hundert Meter die Chausseestraße entlang und rechts in die Liesenstraße. Zu DDR-Zeiten war der Weg über die U-Bahn versperrt, man kam, so Heinz Knobloch, über einen Weg von der Wöhlertstraße aus zu den drei Friedhöfen. Der vierte Friedhof an der Liesenstraße lag damals hinter der Mauer.

Zum Grab von Theodor Fontane

Der Eingang zum Kirchhof der Französisch – Reformierten Gemeinde befindet sich direkt gegenüber dem Haus Nr. 12 in der Liesenstraße. Das Grab ist leicht zu finden. Anders als es der Berliner Feuilletonist Heinz Knobloch bei seinem Besuch noch zu Mauerzeiten erlebte. Wie alle anderen Grabstätten der Friedhöfe konnte auch das Grab Fontanes bis 1989 nur mit Passierschein besichtigt werden.

Ein Schild  „Zum Theodor-Fontane-Grab“ führt uns an den Grabstätten des Schriftstellers Peter Hacks (1928-2003), des Malers Arno Mohr (1910-2001) und des Begründers der Stenografie Leopold Alexander Friedrich Arends (1817-1882) zum Familiengrab der Fontanes.

In Sichtnähe befindet sich das Grab des Schriftstellers Peter Hacks Weirauch
In Sichtnähe befindet sich das Grab des Schriftstellers Peter Hacks, Foto: Weirauch

Vorweg ein Hinweis von Bernd Philipp, der 2003 über seinen Besuch am Grab Fontanes  in der Berliner Morgenpost folgendes vermerkte:  „Die Gräber des großen Romanciers aus Neuruppin und seiner Frau lagen auf jenem Teil des Friedhofs, der vom alliierten Bombenhagel zerstört und anschließend umgepflügt wurde. Eine absurde Vorstellung: Der Dichter (1819 – 1898) als spätes Opfer des Zweiten Weltkrieges.“ Später dann setzte die Berliner Mauer, die Teile des Friedhofs zerstörte und unbenutzbar machte, dem Areal zu. Spuren sind heute noch sichtbar.

Eiserne Ketten, gehalten von 8 Pfosten, umzäunen zwei schwarz-glänzende Grabsteine mit goldenen Initialen (Theodor Fontane Geb. 30. December 1819, Gest. 20. September 1898 und Emilie Fontane Geb. Rouanet-Kummer, Geb. 14. November 1824, Gest. 18. Februar 1902) und einen mit Efeu bepflanzten Grabhügel.

Die Fontane-Grabstätte, Foto: Weirauch, 2018

Das mag Ende des 19. Jahrhunderts modische bürgerliche Sepulkralkultur gewesen sein. Aber Fontane, so empfinden wir es heute, muss sich hier eingeschlossen fühlen. Für ihn, der die Weite der märkischen Landschaft in seinen Wanderungen beschrieb, hätten wir uns eher eine freie Grabstelle auf der Wiese vorgestellt, in einem „weiten Feld“ sozusagen.

In guter Gesellschaft: Leopold F. Arends Foto: Weirauch
In guter Gesellschaft: Leopold F. Arends, Foto: Weirauch, 2018

Fontanes Lebens- und Schaffenswege

Aber welche Persönlichkeit hat in der Nähe seines Grabes eine eigene Ausstellung?  Im Herbst 2010 wurde auf dem Kirchhof  eine Theodor-Fontane-Gedenkstätte eingeweiht. Die Gestaltung der Kapelle zur Gedenkstätte erfolgte mit der Stiftung Stadtmuseum, der Französischen Kirche zu Berlin und der Theodor-Fontane Gesellschaft. Das Vorhaben wurde aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert. Auf der Rückwand des Raumes befindet sich ein lebensgroßes Foto von Theodor Fontane (Denkmal im Berliner Tiergarten), der uns scheinbar einlädt, hier einige seiner Lebensstationen näher kennenzulernen.

Blick in die Ausstellung in der Fontane - Gedenkstätte, Foto: Weirauch
Blick in die Ausstellung in der Fontane – Gedenkstätte, Foto: Weirauch

Diese Form des in Erinnerungbleibens dürfte ihm gefallen. Leider gibt die Ausstellung keine Hinweise auf die Umgestaltung der Fontane-Grabstelle. Eine Frage ist noch offen: Wo ist die alte Grabplatte abgeblieben?

Öffnungszeiten der Fontane-Gedenkstätte

Fontane wird uns weiter beschäftigen

Seines „Standes Apotheker“, aber von frühester Jugend Gedichte, später Gesellschaftsromane schreibend, ist er überzeugt davon, dass von diesen manches bleiben wird. John Maynard (1885), Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (1889) mögen das bezeugen. Vor allem die Ballade des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland kennen viele von uns.

„Der Stechlin, sein Altershauptwerk und letzter Roman, dessen Druck er nicht mehr erlebte, bleibt in Erinnerung durch die oft zitierten Worte: „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.“

Die ersten Anregungen zu den „Wanderungen durch die Mark“ sind Fontane auf seinen „Streifereien in der Fremde“ gekommen. „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.“ Diese Worte, Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben, haben an Aktualität nichts verloren. 1862 erschien der erste Band der gesammelten Feuilletons under dem Titel „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (später die Grafschaft Ruppin), ab 1863 folgen „Das Oderland“, „Barnim-Lebus“, „Havelland“ und weitere Bände. Noch heute sind sie für viele Fontane-Freunde Impulsgeber für Wanderungen durch die märkische Landschaft. Wo immer er etwas Bemerkenswertes zu finden hoffte, reiste Fontane hin. Die Ausstellung gibt viele Anregungen.

Wandern wir also weiter

… nach Neuruppin

Hier das Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch
Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch

Hier unser Beitrag über die Spurensuche in Neuruppin. Lasst Euch überraschen.

… dann zum Stahnsdorfer Südwestkirchhof

Grabstätte der Familie Theodor jr.(1856-1933) und Martha Fontane (1868-1934) auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdort, 2012
Grabstätte der Familie Theodor jr.(1856-1933) und Martha Fontane (1868-1934) auf dem Südwestkirchhof, Foto: Weirauch, 2012

Theodor Fontane jr. schrieb zum 200-jährigen Geburtstag der Französisch-reformierten Gemeinde zu Berlin am 29. Oktober 1885 ein Festspiel. Sein Vater verfasste dazu einen Prolog:
„Zweihundert Jahre, daß wir hier zu Land
Ein Obdach fanden, Freistatt für den Glauben,
Und Zuflucht vor Bedrängnis der Gewissen.
Ein hochgemuter Fürst, so frei wie fromm,
Empfing uns hier, und wie der Fürst des Landes
Empfing uns auch sein Volk …

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet.

Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der empfehlenswerten Seite  http://fontanes-wanderungen.de/

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