Reise

Besuch in Matera – Kulturhauptstadt 2019

Matera (51)

Provinz Matera

Die Provinz Matera ist uns vor allem durch das Buch von Carlo Levi „Christus kam nur bis Eboli“ und dessen Verfilmung (1978) von Francesco Rosi bekannt geworden. Durch die Ernennung ihrer gleichnamigen Hauptstadt zur Kulturhauptstadt Europa 2019 genießt sie gerade große internationale Aufmerksamkeit. Aber Matera genoss schon vor der Ernennung zur Kulturhauptstadt internationale Anziehungskraft. Nicht nur seine literarische Bekanntheit, sondern auch die kunsthistorisch spektakulären frühchristlichen Fresken in mehr als 150 Felsenkirchen, die sich auf das Stadtzentrum und einen weitläufigen Kultur- und Naturpark befinden, ziehen zu allen Jahreszeiten Touristen an.

Größte Touristenattraktion der europäischen Kulturhauptstadt 2019 ist das Stadtviertel Sassi, das nicht zuletzt wegen seiner von uralten Fresken erleuchteten Grottenkirchen seit 1993 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht.

Der Dom von Matera thront über der Höhlenstadt, Foto: Weirauch
Der Dom von Matera thront über der Höhlenstadt, Foto: Weirauch

Der imposante Dom steht auf einem Felsen und markiert etwa die Grenze zwischen dem Sasso Barisano im Nord- und dem Sasso Caveoso im Südosten der Civita, wie der historische Stadtkern von Matera auch bezeichnet wird. Infolge des enormen Bevölkerungszuwachses weitete sich die Besiedlung allmählich auf die beiden karstigen Ufer des Torrente Gravina am Fuß der Stadtmauern aus. Nachdem zunächst die Grotten „ausgehoben“ und mit Leben erfüllt worden waren, baute man um sie herum feste Häuser, darunter einige imposante Palazzi und Kirchen. Langsam entwickelte sich das bereits seit dem 13. Jahrhundert „Sassi“ genannte Stadtviertel, das sich später zu einem Elendsviertel entwickeln sollte. Seit dem 18. Jahrhundert wohnten hier vornehmlich die unteren bäuerlichen Bevölkerungsschichten unter prekären hygienischen Bedingungen. Durch Carlo Levis Buch „Christus kam nur bis Eboli“ rückten 1945 die damals ca. 15000 Bewohner der Sassi in das Licht der Öffentlichkeit. Die soziale Frage der Sassibewohner rückte auch auf nationalpolitischer Ebene in den Blickpunkt. In zwei Aussiedlungswellen in den 1950er und 1960er Jahren wurde die Bevölkerung zum Teil gegen ihren Willen in die neu gebauten nahen Stadtviertel transferiert bzw. zwangsumgesiedelt. Seit den späten 1990er Jahren werden die halb verfallenen Häuser und eingebrochenen Grottenwohnungen nach und nach restauriert und modernisiert.

Blick in eine Höhlenwohnung, heute Teil der Thymius Residence, Foto: Weirauch
Blick in eine Höhlenwohnung, heute Teil der Thymius Residence, Foto: Weirauch

Volkskunde- und Kunstmuseen, stylische Büros wie die des Vorbereitungskomitees der Kulturhauptstadt z. B., Ateliers und Geschäfte, Cafe´s und Restaurants, schicke Hotels und Hunderte mehr oder minder wohnliche B&Bs fanden hier ihre Unterkunft und wandelten inzwischen das „Monument der Armut“ zum kulturell und gastronomisch florierenden „In-Viertel“, in dem es sich gut leben lässt. Zur Zeit stört noch der Baulärm ein wenig, denn man möchte noch so viel wie möglich zum Kulturhauptstadtjahr fertig bekommen. Dann sind vielleicht auch die vielen Baukräne verschwunden und der Blick auf die Berghänge mit ihren Wohnhöhlen wieder frei.

Blick auf die Höhlenwohnungen und die Schlucht von Matera, Foto: Weirauch
Blick auf die Höhlenwohnungen und die Schlucht der Gravina di Matera, Foto: Weirauch

Mehrere Felsenkirchen mit farbigen Fresken aus dem 9. bis 14. Jahrhundert haben sich bis heute erhalten. Mehr als 100 weitere sakrale Kleinodien sind im unmittelbar angrenzenden Parco Archeologico Storico Naturale delle Chiese Reupestri del Materano zu finden. Oberhalb der Sassi liegt auf einem Hochplateau der erst seit dem 17. Jahrhundert gewachsene, wegen seiner großzügigen Plätze und quirlig belebten Einkaufs- und Flaniermeilen recht urban anmutende neuere Teil der Stadt (Piano).

Die ehemalige Agrar- und Handelsstadt erfuhr in den 1960er Jahren durch die Ansiedlung von Betrieben der Lebensmittel-, Eisenbahnbedarf- und Möbelproduktion und die Auswirkungen der Industrialisierung des nahen Basento-Tals einen wirtschaftlichen Strukturwandel. Die Auswirkungen der Umsiedlung und Schließung großer Produktionszweige in den letzten Jahrzehnten konnten durch die wachsende touristische Attraktivität etwas abgefedert werden. Hoffen wir, dass große Regisseure auch weiterhin Interesse an der Stadt der Sassi haben. Und dass das Jahr 2019 Matera nicht nur kurzfristigen Boom bringt, sondern nachhaltiges Interesse an der Stadt und ihrer Menschen hinterlässt.

Weitere Infos: Kulturhauptstadtbüro 2019

Fondazione Matera Basilikata 2019

Palazotto Casale

Via Madonna della VirtuMatera City Tour:iter mit dem Taxi bis Matera (120 Euro)

Internet: www.matera-basilikata2019.it

Matera City Tour

1,5-stündige englisch geführte Touren (15 Euro/Person) im offenen Paroramakleinbus durch die Sassi und in „überdachten“ Bussen zu Zielen außerhalb der Stadt.

Via R. Scotellaro 4,

Tel. 0835 240404

www.materacitytour.it

Touri-Info Matera

Piazza Vittorio Veneto 39

0835 68054

Informationen zu allen touristischen Fragen rund um Matera gibt es unter

www.sassiweb.it

www.visitmatera.it

Empfehlenswert Hotel Thymus

Das team der Thymus Residenz in Matera, Foto: Weirauch
Das team der Thymus Residenz in Matera, Foto: Weirauch

Sehenswürdigkeiten

Museo Laboratorio della Civilta`Contadina

Via S. Giovanni Vecchio 60 (Eingang über Via Florentini)

Tel. 0835
www.museolaboratorio.it

Das Museum liegt im Sasso Barisano und gibt Einblicke in die bäuerlichen Arbeits- und Wohnverhältnisse sowie lokalen Handwerkstraditionen.

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