Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Der schöne Brandenburgische Sommerherbst lädt zu Wanderungen im Havelland ein. Mit einem guten Freund aus Kassel an unserer Seite und die Theodor Fontanes berühmte Ballade “Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” (1889) im Rucksack begaben wir uns am Wochenende auf unsere Entdeckungsreise. Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Kommt man von Potsdam/Berlin auf der B5 nach Ribbeck, zwingt gegenwärtig eine Baustelle alle Motorisierten in der Ortslage Ribbeck an der Ampel zum Anhalten. Für uns ein Moment, der die neugierige Erwartungshaltung auf den wohl bekanntesten Fontaneort im Havelland und darüber hinaus in gute Laune versetzte. Die Baustelle wird nächstes Jahr zum Fontane-200-Jubiläum schon Geschichte sein, aber die am Ortseingang heruntergekommene Fontane-Gaststätte wohl nicht. Kein schöner Anblick, aber wir sehen es positiv, denn es kann nur besser werden.

Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Nur wenigen Meter weiter strahlt uns ein Kleinod an, das uns in seinen Bann zieht. Wir möchten sofort anhalten und fotografieren und in das Schloss hineingehen. Doch zunächst muss ein Parkplatz her, und auch hier eine Baustelle …

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus … Sind am Wochenende bereits jetzt viele Besucher unterwegs, wird Ribbeck im kommenden Jahr sicher einer der attraktivsten Besuchermagnete sein. Und wer von außerhalb kommt und unweit des berühmten Birnbaumes des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland übernachten möchte, kann das auch. Allerdings muss er Glück haben, denn die erste Ferienwohnung “Fuchs und Hase” wird mit Sicherheit langfristig ausgebucht sein.  Durch das riesengroße Panoramafenster der Ferienwohnung aus kann kann der Gast weit in das Havelland blicken.

Ein  “Festspielhaus” für Ribbeck

Nebenan ist die denkmalgeschützte Gutsscheune auch bereits aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger übergab jetzt an den Kulturvereins Ribbeck ein Zuwendungsbescheides über 214.000 Euro. Das Geld kommt aus dem Förderprogramm für ländliche Entwicklung. Die Gutscheune soll künftig ein zentraler Ort für Kulturveranstaltungen, Tourismus und regionalen Austausch entwickelt werden. Ein ambitioniertes Vorhaben für die ehemalige Gutsscheune, die mit einer Gesamtlänge von 75 Metern und 14 Meter Höhe ungefähr so lang ist wie Kirche und Schloss Ribbeck zusammen.

Die Gutsscheune wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut, Foto: Weirauch
Die Gutsscheune wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut, Foto: Weirauch

Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unter Hans Georg Karl Friedrich Ernst von Ribbeck als Teil des neuen Wirtschaftshofes in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut und diente damals zur Unterbringung der Ernte des gesamten Dorfes. Schon in ihrem maroden Zustand bietet die Scheune nicht nur Baufachleuten einen imposanten Anblick. Auch die Geschichte ihrer Nutzung lässt sich an ihrer Außenhaut ablesen. Im südlichen Bereich der Scheune wurde  nach dem 2. Weltkrieg ein Bauernhaus integriert, das noch heute bewohnt ist. Doch der größere Teil der Scheune stand seit Jahren leer und verfiel immer mehr. Nun stehen die Erneuerung des Dachtragwerks und die etwa 800 Quadratmeter umfassende Dacheindeckung im Vordergrund der Restaurierungsarbeiten. Arbeiten am Mauerwerk, der Einbau einer Elektroanlage sowie Sanitäranlagen sind eingeschlossen. Schon taucht die Vision eines Festspielortes auf. Wer den großen Zulauf der vergangenen Ribbecker Sommernächte in den vergangenen Jahren miterlebt hat, weiß, dass diese Vision kein Traum bleiben muss.

Zumal die Gutsscheune künftig auch für Märkte, Ausstellungen und Projektarbeiten genutzt werden soll. So wird das kleine Ribbeck zu einem lebendigen Ort, der für Jung und Alt etwas zu bieten hat. Dank des seit Jahren im Ort engagierten Architekten-Ehepaares Arndt und Sonja Herrmann kann es mit dem Ausbau der Scheune weitergehen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Familien von Ribbeck und Hermann unterstützen das Projekt finanziell.

Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch
Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch

Die Ribbecks auf Ribbeck

Das sehen auch Beate und Christian von Ribbeck, die Nachfahren des legendären alten Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Nur dort, wo die Menschen Visionen für ihren Ort entwickeln, bleibt er lebendiger Anziehungspunkt, macht es Spaß, wiederzukommen. Seit rund eineinhalb Jahren leben Beate und Christian  nun in Ribbeck. christian ist der Neffe von Friedrich Carl. Beide unterstützen ihren Onkel Friedrich-Carl von Ribbeck, der 1998mit seiner Frau Ute  in seinen Heimatort zurückkam. Er baute mit seiner Frau den ehemaligen Kutschpferdestall zu ihrem Wohnhaus aus. Auch in die alte Brennerei wurde wiederbelebt, u.a. mit der Birnen-Essig-Herstellung.

Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch
Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch

Über allen thront auf dem Schornstein der Brennerei alljährlich ein Storchenpaar, ein reizvoller Anblick und wenn man Glück hat, dann kann man die Störche auch klappern hören … “Klappern” für die Manufaktur und ihre Produkte, in Ribbeck läuft alles Hand in Hand.

Herr von Ribbeck im Havelland
Friedrich-Carl von Ribbeck vor einem Birnbaum an der Brennerei Foto: Weirauch

Besuch im Waschhaus bei der Tortenfee

Ein Besuch in Ribbeck lohnt sich immer. Auf das Handwerk einer Waschfrau wird der Gast in einem Café aufmerksam gemacht. Marina Wesche sagt selbst: “Mein Name ist Programm.” Ein Café und Hofladen ziehen die Gäste  in das “Alte Waschhaus”.  Seit 2008 bleibt kaum ein Stuhl leer zwischen den Wäscheleinen mit historischen handgewebten und gestickten Deckchen, Schürzen und Leibwäsche sowie alten Waschzubern und Waschzubehör. Und die selbstgemachten Birnentorten finden immer neue Genießer.

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläums ihres Cafés erscheint ihr erstes Kinderbuch “Greta und die Birnentiere” (ISBN 978-3-00-057632-4). Ein Buch über die Katze Greta, die im Dorf Ribbeck seit 2016 lebt und statt der Flöhe “Birnentiere” hat. Die Katze möchte den Jungen Max in das Land der Birnentiere locken. Und so beginnt ein (birn)-tastisches Abenteuer, das Fantasie mit wahren Gegebenheiten verwebt. Vielleicht begegnet der ein oder andere kleine oder große Gast der Katze Greta in Ribbeck. Denn seit Marina Wesche in der Alten Wäscherei “wescht”, ist wohl auch die Katze an ihrer Seite.

"Waschfrau" Marina Wesche hat ein Buch über "Greta und die Birnentiere" geschrieben, Foto. Weirauch
“Waschfrau” Marina Wesche hat ein Buch über “Greta und die Birnentiere” geschrieben, Foto. Weirauch

Auch wir genießen bei Sonnenschein vor dem “Wesche”Café bei einer guten Tasse Kaffee die legendäre Birnentorte. Selbstgebacken in den unterschiedlichsten Variationen lassen wir hier mit dem Blick auf Kirche und Birnbaum direkt gegenüber die Seele baumeln. Frau Wesche macht uns mit Beate und Christian von Ribbeck bekannt. Und nun kommen wir ins “Fontanisieren”.

Der berühmte Birnbaum

Die Gruft ihres berühmten Vorfahren, der den Kindern Birnen schenkte, gibt es tatsächlich. Man kann sie bei der Besichtigung der Kirche in Augenschein nehmen. Zumindest auf das Gewölbe kann der Besucher vom Treppenaufgang zur Ausstellung schauen. Dort ist auch der konservierte Birnbaumstumpf des Birnbaumes, der 1911 durch einen Sturm gebrochen wurde, zu sehen. Aber ein Birnbaum wird wohl kaum aus einem Eichensarg gesprossen sein, wie es Fontane in seiner Ballade beschreibt.

Der “neue” Birnbaum an der Kirche trägt reichlich Früchte, Foto: Weirauch

“Das ist eine Legende”, so der Nachfahre derer von Ribbecks auf Ribbeck im Havelland. Eine sehr schöne Legende, wie wir finden. Fontane hat mit seinem Gedicht den Bewohnern eine tolle Marketingidee in die Wiege gelegt. Die Birne macht in allen Varianten, ob als Torte, Essig, Likör, Marmelade und vielem mehr den kleinen Ort zum besonderen kulinarischen Erlebnis. Wer die Gastronomie in Brandenburg kennt, der weiß das sehr zu schätzen.

Der legendäre Baumstumpf in der Kirche von Ribbeck, Foto: D.Weirauch

Birnengarten am Schloss

Alle Bundesländer haben einen Eirnbaum gegenüber dem Schloss gepflanzt. Sie tragen jedes Jahr mehr Früchte:

Und nun bekommen wir von der Familie von Ribbeck zum Abschluss unserer kurzweiligen Unterhaltung noch einen Tipp, der uns neugierig macht auf ein weiteres Kleinod im Havelland. Christian von Ribbeck empfiehlt uns, die Kirche in Ketzür zu besuchen, wo sich eines der schönsten Gedächtnismale Brandenburgs befindet. Ein nächstes Ziel für unsere Erkundungstour.

Eigentlich wollten wir uns noch Birnenlikör und Birnenessig aus der Ribbeckschen Brennerei mitnehmen. Doch die Brennerei wurde gerade für ein Fest dekoriert, da wollten wir nicht stören.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Die Liköre aus dem Hause von Ribbeck Foto: Weirauch

Und so haben wir für unseren nächsten Besuch einen Anlass … immer samstags und sonntags (wenn nicht gerade die Brennerei für Veranstaltungen vermietet ist) kann man die Produkte in der Brennerei käuflich erwerben. Und vielleicht hat man Glück und trifft Herrn und Frau von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland … Wir freuen uns jedenfalls auf eine nāchste Begegnung.

Informationen zu Ribbeck

Anfahrt: Mit dem Auto: B5 nach Ribbeck, mit der Bahn: RB 10 und 14 oder RE 2 bis Nauen. Von dort Buis 661 bis Ribbeck (unbedingt vorher in den Fahrplan schauen) oder mit dem Rad auf dem Havelland-Radweg (ca. 10 Kilometer).

Brennerei: Online-Shop und Informationen zur Familiengeschichte unter www.vonribbeck.de

Altes Waschhaus: Café und Hofladen, Am Birnbaum 6, Ribbeck, geöffnet Do-So 11-17 Uhr

www.waschhaus-ribbeck.de

Schloss Ribbeck: Museum, Trauzimmer und Restaurant, Theodor-Fontane-Straße 10, Ribbeck, Museum täglich geöffnet 10-17 Uhr, Restaurant 11-18 Uhr

www.schlossribbeck.de

Hier geht es bald weiter zu Havelland-Tourismus und weiteren Tipps zu Fontane.

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

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