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Zu Otto nach Magdeburg: Ottonianum

Magdeburg (2)Landesarchäologe Professor Dr. Harald Meller begutachtet die 3-D-Nachbildung der Bronzetumba von Erzbischof Ernst von Sachsen, Foto: Weirauch

Schon am Hauptbahnhof in Magdeburg empfängt mich der Hinweis auf das heute eröffnete Dommuseum Ottonianum. Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten hinüber zum Magdeburger Dom. Vorbei am Hundertwasserhaus. Bislang habe ich ein Dommuseum in Magdeburg vermisst. Nun endlich hat es eröffnet. Auf geht`s:  Zu Otto nach Magdeburg

Denn kaum eine andere Stadt in Deutschland ist so intensiv mit der Geschichte des frühen Mittelalters verbunden wie Magdeburg. In unmittelbarer Nähe zum Dom befindet sich das Ottonianum. Es ist in einer Schalterhalle von 1923 eingebaut worden. Das Gebäude der einstigen Reichsbank und späteren DDR-Staatsbank stand lange leer und beherbergt jetzt ein innovatives Museum der mittelalterlichen Kunst- und Kulturgeschichte.

Das in der einstigen Reichbank untergebrachte neue Ottonianum befindet in einer Achse mit dem Magdeburger Dom, Foto: Weirauch
Das in der einstigen Reichbank untergebrachte neue Ottonianum befindet in einer Achse mit dem Magdeburger Dom, Foto: Weirauch

Es  wurde  vom  Züricher  Architekturbüro  Kobler  Holzer konzipiert. Tristan Kobler schafft  offene, lichtdurchflutete Ausstellungsräume, die ein direktes Gegenüber mit dem nur wenige Meter entfernten Magdeburger Dom erzeugen. Das Raumkonzept nimmt mit mehr als 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche  direkten  Bezug  auf  die  Achse  des  gotischen  Doms. In  starker Wechselwirkung hierzu stehen die beiden Schatzkammern, in denen prachtvolle, antike Goldbrokatstoffe und Beigaben aus den Erzbischofsgräbern effektvoll inszeniert werden.

Präsentiert werden drei Themenkomplexe des europäischen Mittelalters: Kaiser Otto der Große und die Königin Editha, das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen in und am Dom. Im Vordergrund der Schau steht natürlich die Bedeutung Ottos des Großen und sein Nachwirken in Magdeburg, das er 968 zum Erzbistum erklären ließ.

Landesarchäologe Professor Dr. Harald Meller begutachtet die 3-D-Nachbildung der Bronzetumba von Erzbischof Ernst von Sachsen, Foto: Weirauchine 3D-Plastik, Foto: Weirauch
Landesarchäologe Professor Dr. Harald Meller begutachtet die 3-D-Nachbildung der Bronzetumba von Erzbischof Ernst von Sachsen, Foto: Weirauch

Zu den originalen Ausstellungsobjekten  gehören die spektakulären Funde der Dom- und Domplatzgrabungen, der Bleisarg der Königin Editha, mittelmeerische Stoffe aus der Bestattung der Königin Editha, kostbare Beigaben aus den Gräbern der Erzbischöfe Wichmann von Seeburg und Otto von Hessen.

Gabriele Köster, die als Direktorin des Kulturhistorischen Museums auch für das Ottonianum verantwortlich ist, lobt das Zusammenwirken  mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Archäologie, die das Museumsprojekt auf die Beine stellten. Mit dem Ottonianum  ist nun rund um das Domareal  ein Museums-Quartier entstanden. Dazu gehören das Kulturhistorische  Museum, das Museum für Naturkunde und das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.

Der Magdeburger Dom ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte und die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden, Foto: Weirauch
Der Magdeburger Dom ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte und die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden, Foto: Weirauch
Die Ernstkapelle zwischen den Türmen des Magdeburger Domes ist mit einem 1498 kunstvoll geschmiedeten Gitter abgetrennt, Foto: Weirauch
Die Ernstkapelle zwischen den Türmen des Magdeburger Domes ist mit einem 1498 kunstvoll geschmiedeten Gitter abgetrennt, Foto: Weirauch
Der Steinsarg Ottos I. im Chor des Domes zu Magdeburg, Foto: Weirauch
Der Steinsarg Ottos I. im Chor des Domes zu Magdeburg, Foto: Weirauch
Die Kanzel des Magdeburger Domes zählt zu den bedeutendsten Renaissancekunstwerken in Deutschland, Foto: Weirauch
Die Kanzel des Magdeburger Domes zählt zu den bedeutendsten Renaissancekunstwerken in Deutschland, Foto: Weirauch

Dieses Museumsquartier gehört zu den Diamanten, die die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt für ihre bevorstehende Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 einbringen will. Neben Magdeburg bewerben sich auch Dresden, Chemnitz, Nürnberg, Hildesheim, Hannover und Koblenz um die Ausrichtung als Kulturhaupstadt 2015.

Im Inneren nimmt das Tageslichtmuseum mit hellem Boden und matt-schwarzem Ausstellungsdesign die Hauptachse des Domes auf. Daran entlang orientiert sich die stark multimediale Ausstellung. Videos und Animationen verdeutlichen die Entwicklung der Stadt Magdeburg und die Entstehung des Domes. Hörstationen etwa mit Dichtkunst sollen das Mittelalter ebenfalls deutlich werden lassen. Dazwischen finden sich Original-Exponate; vom Bleisarg Edithas, der ersten Gemahlin Ottos des Großen bis zu einem winzig kleinen goldenen Löwenköpfchen aus einem Grab im Mittelschiff des Domes. Ein großflächiger Aushub verschiedener Erdschichten aus dem Domplatz macht die Arbeit der Archäologen und ihre Funde deutlich.

Löwenköpfchen, zu sehen im Dommuseum Magdeburg _Kuhn-Dom_JLipták
Löwenköpfchen, zu sehen im Dommuseum Magdeburg _Kuhn-Dom_JLipták

Der Dom Magdeburg wird laut der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt jährlich von rund 200 000 Menschen besucht, im Ottonianum werden etwa 50 000 Besucher pro Jahr erwartet. Das Museum ist ein Anziehungspunkt, der den Kulturtourismus in Magdeburg noch attraktiver werden lassen soll. So die Hoffnung der Landesregierung.

Die freundlichen Damen im Museumsladen helfen bei der Auswahl eines Souvenirs, Foto: Weirauch
Die freundlichen Damen im Museumsladen helfen bei der Auswahl eines Souvenirs, Foto: Weirauch

Hinter dem Tresor aus einstigen Reichbanktagen befindet sich jetzt das Lager für den Museumsladen, Foto. Weirauch
Hinter dem Tresor aus einstigen Reichbanktagen befindet sich jetzt das Lager für den Museumsladen, Foto. Weirauch

Die Bauarbeiten am Magdeburger Hauptbahnhof (Straßenbahn und Autoverkehrsanbindung bis Ende 2019 unterbrochen) deuten darauf hin, dass Magdeburg auch die Infrastruktur kräftig erneuert.Der Stadtumbau ist kräftig vorangekommen seit meinem letzten Besuch. Auch die Kneipen- und Barszene am Hasselbachplatz hat kräftig zugelegt.

Es ist zu wünschen, dass die Stadt, die im 2. Weltkrieg zu einem Großteil zerstört wurde, überregional mehr Aufmerksamkeit bekommt. Mit dem Dommuseum Ottonianum ist hier ein Museumsprojekt umgesetzt worden, dass europaweit nicht nur bei Mittelalterexperten für Beachtung sorgen wird. Im Maritim Hotel waren am Morgen meines Besuches jede Menge Chinesen zu Gast, die vor ihrer nächsten Station Quedlinburg, den Dom und das neue Museum Ottonianum besuchen wollten.

Informationen Ottonianum

  • Service- und Besucherinformationen
  • Geöffnet: täglich: 10-17 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene: 7,50, ermäßigt: 5 Euro
  • Tel.: 0391 63601-401,
  • Homepage:www.dommuseum-ottonianum.de

Im Foyer gibt es ein Museumsladen sowie das Museumscafé „ Café Editha“ mit direktem  Blick auf den Magdeburger Dom.

Was man in Magdeburg noch sehen sollte (Auswahl)

Hundertwasser hat bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 an den Plänen des Magdeburger Hunderwasserhauses gearbeitet, Foto: Weirauch
Die “Grüne Zitadelle”. Hundertwasser hat bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 an den Plänen des Magdeburger Hunderwasserhauses gearbeitet, Foto: Weirauch
von-Guericke-Straße 68–73, nur wenige Meter vom Magdeburger Dom entfernt, Foto: Weirauch
Das Kulturhistorische Museum Magdeburg befindet sich in der Otto-von-Guericke-Straße 68–73, nur wenige Meter vom Magdeburger Dom entfernt, Foto: Weirauch
Der Magdeburger Reiter im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ist ein Reiterstandbild, das um 1240 entstand. Es gilt als das früheste lebensgroße rundplastische Reiterstandbild der mittelalterlichen Skulptur und gehört zu den erstrangigen Werken der europäischen Kunstgeschichte, Foto: Weirauch
Der Magdeburger Reiter im Kulturhistorischen Museum Magdeburg gilt als das früheste lebensgroße rundplastische Reiterstandbild und gehört zu den erstrangigen Werken der europäischen Kunstgeschichte, Foto: Weirauch
Das Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen zählt zu den bedeutendsten romanischen Anlagen in Deutschland. Hier haben das städtisches Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und die Konzerthalle ihr Domizil, Foto: Weirauch
Das Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen zählt zu den bedeutendsten romanischen Anlagen in Deutschland. Hier haben das städtisches Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und die Konzerthalle ihr Domizil, Foto: Weirauch
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