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Wieder mehr Großtrappen seit 40 Jahren

Grosstrappen

Die Bestände der Großtrappen nehmen zu. Im zehnten Jahr in Folge. Das geht aus einer Information des Fördervereins Großtrappenschutz hervor. Es ist in der Tat eine großartige Nachricht. Panorama Grosstrappen HavellandInsgesamt 347 Großtrappen leben wieder in Deutschland. So viele Großtrappen gab es laut Vereinsvorsitzenden Marcus Borchert zuletzt vor 40 Jahren. Die Zählung der Großtrappen erfolgte zeitgleich in den Einstandsgebieten der Großtrappen in den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt

347 Großtrappen wurden gezählt

Bei der traditionellen Synchronzählung vor dem Beginn der Balzzeit zählte der Förderverein Großtrappenschutz e.V. in diesem Jahr insgesamt 347 Großtrappen. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Zuwachs 10 Tiere. Seit den Tiefstwerten Mitte der 1990er Jahre hat sich der Bestand damit sogar versechsfacht und befindet sich nun auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren!Grosstrappe.Havelland

So viele Großtrappen 40 Jahren nicht mehr

1995 gab es nur 56 Großtrappen. Der Niedergang scheinbar unausweichlich. Dass es heute überhaupt noch Großtrappen in Deutschland gibt, ist den gemeinsamen Bemühungen engagierter Artenschützer, Landwirte, Landeigentümer, und Landnutzer, der Jägerschaft sowie den Naturschutzbehörden und Vogelschutzwarten zu verdanken.

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Ein Beobachtungsturm im Havelländischen Luch Foto: Weirauch

Großtrappe Havelland BalzenSchutz für den Märkischen Strauß

Brandenburg war einst eine Hochburg der Großtrappen in Deutschland. Das ist auch der Grund für den Spitznamen „Märkischer Strauß“. Während die Oberschicht die Vögel früher aus jagdlicher und kulinarischer Sicht schätzte, klagten Bauern, dass sich Großtrappen an ihren Gemüsekulturen gütlich taten. Mit Genehmigung des preußischen Königs Friedrich II. gingen die Märker deshalb ab 1753 daran, die Großtrappen zu vertreiben. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts mussten Schulkinder Trappeneier auf den Feldern sammeln. 1939 lebten in den Grenzen der Mark Brandenburg noch etwa 3.400 Trappen. Das war mehr als die Hälfte der damals in Deutschland heimischen Tiere. In den folgenden Jahrzehnten sanken dann die Bestände rapide.

Landwirte als Partner

Ein erstes Schutzprogramm startete schon zu DDR-Zeiten, in den 70-Jahren, als es noch weit über tausend Großtrappen gab. Es musste sich jedoch auf ausgewählte Gebiete konzentrieren. Dies waren das Havelländische Luch, die Belziger Landschaftswiesen und grenzübergreifend mit dem heutigen Sachsen-Anhalt das zwischen Genthin und Ziesar gelegen Fiener Bruch.

Einer der schwersten flugfähigen Vögel

Die Großtrappe ist einer der schwersten flugfähigen Vögel der Erde und eine der seltensten einheimischen Brutvogelarten. Sie gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht und ist weltweit gefährdet. Noch vor 150 Jahren war diese beeindruckende Vogelart in weiten Teilen des norddeutschen Tieflands bis hin zu den Mittelgebirgsrändern verbreitet. Als Kulturfolger besiedelt sie in Deutschland ausschließlich landwirtschaftlich genutzte, offene Landschaften. Durch die zunehmende Intensivierung der Landnutzung verlor die Großtrappe seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts fast ihren gesamten Lebensraum in Deutschland. Heute kommt sie nur noch in kleinen Gebieten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt vor.Grosstrappen-Havelland (11)

Die Erholung des Großtrappenbestands in den vergangenen 25 Jahren ist auf intensive Schutzmaßnahmen zurückzuführen, die vom Förderverein Großtrappenschutz e.V. koordiniert und in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und Vogelschutzwarten der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Landwirtschaftsbetrieben und der Jägerschaft durchgeführt werden.

Großtrappen HavellandDer Vorsitzende des Fördervereins Marcus Borchert sagt dazu: „Das Schutzprojekt Großtrappe zeigt, dass es durch die gemeinsamen Anstrengungen von privatem und staatlichem Naturschutz, Landwirtschaft und Jägerschaft gelingen kann, großartige Erfolge zu erzielen. Die umgesetzten Schutzmaßnahmen kommen dabei übrigens nicht nur der Großtrappe zugute. Sie helfen vielen Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten der Agrarlandschaft und erhöhen damit die Biodiversität in den Großtrappengebieten.“

Großtrappen garantieren hohe Biodiversität

Dreh- und Angelpunkt des erfolgreichen Großtrappenschutzes ist die Wiederherstellung der verloren gegangener Lebensräume. Großtrappen sind auf störungsarme Bereiche angewiesen. Während der Aufzucht der Küken und Jungvögel sind hohe Insektendichten überlebenswichtig. Perfekte Bedingungen für viele andere Vogelarten, Insekten, Kleintiere und selten gewordene Pflanzen. Jeder, der schon einmal die Schutzgebiete besucht hat, kann sich darüber selbst ein Bild machen, welche Artenvielfalt in den Schutzgebieten herrscht. Vergrößern und optimieren der Lebensräume ist der Schlüssel für das Überleben der Großtrappen in Deutschland
Borchert aber auch: „Die durchweg sehr gute Entwicklung des Großtrappenbestandes in Deutschland darf uns nicht vergessen lassen, dass ein Großteil der ehemaligen Lebensräume verschwunden ist. Dort wo früher Großtrappen vorkamen, bestimmen heute monotone Ackerflächen, Siedlungen, Windparks oder Hochspannungsleitungen das Bild.“ Auch liegengelassenes Bindegarn gehört ebenso zu den Feinden der Großtrappen, wie sogenannte Beutegreife (Füchse oder Waschbären), die regelmäßig die Gelege ausrauben.Grosstrappe Havelland
Deswegen ist es unerlässlich, die vorhanden Lebensräume weiter zu optimieren und im besten Falle neue Einstandsgebiete zu entwickeln. Marcus Borchert: „ Im Vogelschutzgebiet “Zerbster Land” in Sachsen-Anhalt arbeiten wir daran, ein viertes Einstandsgebiet für Großtrappen in Deutschland schaffen.“

Dafür wurde eine Spendenseite eingerichtet.

Adresse Förderverein:  Förderverein Großtrappenschutz e.V. Buckower Dorfstrasse 34 14715 Nennhausen

www.grosstrappe.de

Weitere Informationen über die schwersten flugfähigen Vögel findet ihr hier auf einfachraus.euGrosstrappe Havelland