Reise

Entdeckt: Weinort Bürgstadt in Churfranken

D2C1EF7D-B470-42F8-96E0-E2EC3AC5E937Winzer Burkhard Hench in seinem Weinberg

Mainland Miltenberg – Churfranken, auch Churfranken genannt, umfasst das Gebiet von dreiundzwanzig Kommunen zwischen Wertheim und Aschaffenburg. Direkt am Main gelegen, bietet die Region bekannte Weinlagen, ausgedehnte Wandermöglichkeiten im Odenwald und Spessart und historische Ortschaften mit den für die Region typischen Fachwerkhäusern. Durch die zentrale Lage Churfrankens sind Ausflüge nach Aschaffenburg, Frankfurt a. Main und Heidelberg möglich.

Wir möchten aber während unserer „K(Chur)frankentour“ lieber in den idyllischen kleinen Städten Bürgstadt, Miltenberg und Klingenberg den Berliner Großstadtalltag für ein paar Tage vergessen.

Natur, Weinbau und Tradition in Bürgstadt

Gasthof zum Adler
Gasthof zum Adler

Als wir in Bürgstadt ankommen, ist es schon später Nachmittag. Unkompliziert können wir im Hotel Adler einchecken. Freundlich empfiehlt man uns, doch erstmal eine Pause mit einer kleinen Erfrischung einzulegen. Unsere Bleibe für vier Nächte mit Balkon und Blick in den grünen Garten lässt uns in eine andere Welt eintauchen. Die Stille, das satte Grün – nichts ist davon zu spüren, dass Bürgstadt sich gerade auf ein Wochenend-Hoffest aller Vereine vorbereitet.

Nach einer kurzen Pause zieht es uns in das Stadtzentrum. Der Slogan Churfrankens „Leben Sie langsam“ ermuntert uns an diesem Abend zu einem kleinen Spaziergang vorbei an der alten um 1300 erbauten Pfarrkirche und der um 950 erbauten Martinskapelle mit ihrer weitbekannten Ausmalung – einer in 40 Medaillons dargestellten Bilderbibel zu machen.  Über die Freudenberger Straße mit den vielen kleinen Winzerhöfen gelangen zum wunderschönen historischen Rathaus (erbaut 1590/92).

Blick in die Martinskapelle

Nicht umsonst trägt Bürgstadt den Beinamen Weinstadt. Fast jedes Haus ziert ein Weinstock. Sehr hübsch und reizvoll.

Churfrankenvinothek in Bürgstadt

Churfrankenvinothek
Churfrankenvinothek
Thomas Michel kennt sich bestens mit Weinen und Kultur aus, Foto: Weirauch
Thomas Michel kennt sich bestens mit Weinen und Kultur aus, Foto: Weirauch

Gegenüber lädt die Churfrankenvinothek zum Verweilen ein. Wir beginnen unsere Erholungsreise mit einer „Wein-Kur“. Bürgstadt ist geprägt vom Weinbau und bekannt vor allem für seinen hervorragenden „Roten“. In der gemeindeeigenen Churfrankenvinothek, in der Weine aus Bürgstadt, aber auch der gesamten Region verkostet und gekauft werden können, probieren wir einen 2018er Ortega aus dem Bio-Weingut Burkhard Hench in Bürgstadt. Dieser leichte Sommerwein passt zum Sommerabend in einer kleinen Stadt mit viel Natur, Weinbau und Tradition.

Aus dem Weingut Stich probieren wir dann noch den 2015er Silvaner „Großes Holz“, sehr trocken, mundet uns aber sehr gut. Woran liegt es bloß, dass die Weine in den Urlaubsorten immer gut munden, sobald man zu Haus ist, aber an Geschmack verlieren? Liegt es an der im Urlaub gewonnenen Entschleunigung und der damit einhergehenden Konzentration auf die verschiedensten Genüsse? Auf jeden Fall stimmen uns die Weine und der leckere vegetarische Flammkuchen sehr gut auf die kommenden Ereignisse der nächsten Tage ein.

Elektrotankstelle vor der Churfrankenvinothek

Wo gutes Essen und guter Wein harmonieren

Ein Ort guter Gastfreundschaft: Landhotel Adler

Im Adler Landhotel erfahren wir am nächsten Tag zur Mittagszeit, wie gut Winzer und Koch nicht nur in der Nachbarschaft zusammenleben, sondern auch die Produkte ihrer Handwerke zu einem köstlichen Menü problemlos zusammenführen können, ja sich sogar dabei ergänzen. So gab es zur hausgebeizten Lachsforelle auf Gurkenspaghetti auf Sauerrahm einen trockenen 2018er Silvaner aus dem BioWeingut Hech.

Zum Bürgstadter Roastbeef, Salsa, auf würzigem asiatischen Kopfsalat gibt es einen mit Gold ausgezeichneten Rosé (Domina Regent), der die scharfen Gewürze des Essens sehr gut zurücknimmt. Zum Schnittlauch-Ravioli mit Pfifferlingen auf einer Parmesanmolke gab es einen eleganten Rotwein (2016er Spätburgunder). Und zum leichten Milchreis-Panna-Cotta, Beeren und Erdbeersorbet empfiehlt der erfahrene Winzer Burkhard Hech eine Beerenauslese vom Pinot Noir. Diesen schmackhaften Gaumen-„Kur“-Teil werden wir so schnell nicht vergessen. Auch nicht die Sprüche des Winzers: „Ein guter Wein muss mindestens so viel kosten wie das Hauptgericht, 10 bis 15 Euro“. Oder angesprochen auf die Süße eines Weines: „Ein Wein wird aus Trauben hergestellt und nicht aus Bananen.“

Weingut Hench in Bürgstadt

Gut gestärkt mit vorzüglichem Essen und charmanten Weinen führt uns Burkhard Hench im Anschluss noch zu seinem Weinberg. Nachweislich existiert der Winzerhof seit 1563 in Bürgstadt. Damals war der Weinbau fester Bestandteil im gemischt-landwirtschaftlichen Betrieb. Seit dieser Zeit ist der Hof immer in Familienbesitz. Der dreifache Familienvater baut biologisch-dynamischen Wein an, das Weingut ist seit 2013 EU-biozertifiziert. Zuvor wurde der Betrieb erweitert und 1996 ein neuer Weinkeller gebaut, der an den alten Gewölbekeller angrenzt.

Das Weingut Hench in Bürgstadt
Das Weingut Hench in Bürgstadt

Nach Anmeldung ist auch eine Besichtigung möglich. Zur Zeit kümmern sich zwei Generationen um das Weingut. Und natürlich – zu jedem Manne gehört auch eine starke Frau – , Burkhard wird von seiner Frau Helene tatkräftig unterstützt. Wann die Trauben durch die vielen fleißigen Helfer von Hand geerntet werden, entscheiden die Winzer nach Aroma und Geschmack. Rotweine werden auf der Maische vergoren und reifen in Eichenfässern. Die Weine erhalten die nötige Zeit und Ruhe, sich auf der Hefe zu entwickeln. So finden sie zu ihrer eigenen Harmonie. Frische Weißweine aus Edelstahltanks gibt es im Weingut Hench auch.

Während der Führung in seinen Weinbergen im Terrior des Centgrafenbergs und Hundsrück mit ihren kunstvollen Trockenmauern aus Buntsandstein erzählt Burkhard Hench, dass für die Winzer die aufmerksame Beobachtung des Ökosystems Weinberg besonders wichtig ist: Düngung und Pflanzenschutz, soweit es notwendig ist, biologisch-dynamisch zu gewährleisten; mit Leguminosenanbau und Wildkräutern in den Rebanlagen die Vielfalt zu pflegen und mit Kräutertee und Pflanzenauszügen die Gesundheit der Reben beeinflussen.

Winzer Burkhard Hench in seinem Weinberg

„So nehmen wir unsere Aufgabe wahr, fruchtbaren Boden und Biodiversität möglich sein zu lassen.“ Und das schmeckt man den Weinen auch an.

Fränkischer Rotweinweg

Wir wandern aus Zeitgründen nur ein Stück auf dem Fränkischen Rotwein Wanderweg. Er ist etwa 70 Kilometer lang und leicht in Etappen durch Churfranken, die Genießerregion am Main, zwischen Odenwald und Spessart, zu erwandern. Die Wanderung auf dem Fränkischen Rotwein Wanderweg ist einfach zu planen und zu jeder Jahreszeit durchzuführen. Auf der Churfranken-Homepage ist eine digitale interaktive Karte verfügbar, die jede einzelne Etappe und ihre Sehenswürdigkeiten in Wort und Bild umfassend beschreibt.

Auch der gedruckte Wanderführer „Der Fränkische Rotwein Wanderweg“ kann im Vorfeld einer Reise beim Touristenverband Churfranken bestellt werden. Übrigens die 6. Etappe führt durch die Top Rotwein Lagen Churfrankens in Bürgstadt. Hier wächst der mit 100 Punkte von Gault Millau ausgezeichnete Spätburgunder in den Lagen Centgrafenberg und Hundsrück.

Churfränkischer Höhenflug in Mainbullau

Bescherten uns das Essen und die Weine schon einen kulinarischen Höhenflug, erlebten wir am Nachmittag einen weiteren churfränkischen Höhepunkt: Es ging im wahrsten Sinne hoch hinaus auf den Flugplatz Mainbullau. Nachdem wir vorab die Weinberge per Pedes erkundet hatten, ging es nun mit einem Rundflug über Churfranken weiter. Wir wechselten die Perspektive, aus der Vogelschau gab es die Gelegenheit zu wunder- und eindrucksvollen Blicken auf die grünen Terrassensteillagen der Weinberge und auf die Mainschleife mit Fotomotiven auf die romantische Stadt Miltenberg.

Mit vielen spektakulären Fotos und weiteren Sehenswürdigkeiten für den nächsten Tag ging es wieder auf die Erde zurück. Peter Duffeck, langjähriger, erfahrener Pilot und Fluglehrer, hatte Spaß daran, den „Landratten“ die Höhenluft mit ihren Aus- und Weitblicken nahezubringen. Leider geht alles, was Spaß macht, viel zu schnell vorüber. – Aber wir wollen ja wiederkommen!

Blick auf Miltenberg in Churfranken
Blick auf Miltenberg in Churfranken
Die Mainschleife bei Miltenberg © Churfranken e. V. / Mainblende
Die Mainschleife bei Miltenberg © Churfranken e. V. / Mainblende

Häckerwirtschaft Stich in Bürgstadt

Am Abend geht es zurück in Bayerns Genussort Bürgstadt. Die Häckerwirtschaft des Weingutes Stich „Im Löwen“, ehemals Gasthaus „Zum Löwen“, erwartet uns. Um 1900 aus gelben Klinkersteinen und mit Verzierungen aus rotem Sandstein gebaut, wurde das Gasthaus in den vergangenen Jahren behutsam restauriert. Die Familienmitglieder Stich stammen aus Winzerfamilien, in denen die Gastronomie und das Holzküferhandwerk über Generationen praktiziert wurden.

Seit 25 Jahren lenkt die Familie Stich – einschließlich ihrer beiden Söhne – die Geschicke des Weinguts. Als gelernte Winzer und Weinbautechniker bezeichnen sie sich selbst als „Überzeugungstäter für alles, was dem Wein und seinem Genuss zuträglich ist.” – Und die Gäste lieben ihren Wein und das gute Essen in der Häckerwirtschaft. Es ist an diesem Abend rappelvoll, nur eine frühzeitige Reservierung sorgte für freie Plätze. Schneller und aufmerksamer Service durch den Chef und seine Mitarbeiter/innen, sehr gute lokale und regionale Küche sowie qualitätsvolle Charakterweine und Gespräche in angenehmer Runde ließen den Abend sehr kurzweilig werden. Wildbratwurst mit Sauerkraut, dazu den Spätburgunder „Großes Holz“ – sehr zu empfehlen.

Häckerwirtschaft? – Für uns ein neues Wort. In manchen deutschen Gegenden heißen die Gastwirtschaften auch Strauß- oder Besenwirtschaften. Im Maintal und Churfranken sowie im Spessart und Odenwald sind die Häckerwirtschaften vielerorts saisonal anzutreffen. Mit bodenständiger Küche sowie mit Hausmacher-Spezialitäten und vorzüglichen Weinen aus Eigenanbau werden die Gäste in den Häckerwirtschaften verwöhnt.

Wiederkehrende Events in Bürgstadt

Glücklich und weinselig beendeten wir unseren „K(Ch)urtag“ im Genussort Bürgstadt, der noch vielmehr zu bieten hat. Fast legendär ist die Bürgstadter Weinkulturnacht am 2. Samstag im Juni. Oder das Straßen- und Hoffest der Bürgstadter Vereine am 2. Wochenende im Juli, jeweils von Freitag bis Montag.

Tourismusgemeinschaft Miltenberg-Bürgstadt-Kleinheubach
Engelplatz 69, 63897 Miltenberg
Tel. 09371 404119
tourismus@miltenberg.info
www.buergstadt.info

Churfrankenvinothek
Hauptstraße 2, 63927 Bürgstadt
Tel. 09371 9488679
www.churfrankenvinothek.de

Adler Landhotel
Hauptstraße 30, 63927 Bürgstadt
Tel. 09371 97880
inof@adler-landhotel.de, www.adler-landhotel.de

Weingut Hench
Burkhard Hench
Hauptstraße 32, 63927 Bürgstadt
Tel. 09371 5752
info@weingut-hench.de, www.weingut-hench.de

Häckerwirtschaft Weingut Stich „Im Löwen“
Freudenberger Straße 73, 63927 Bürgstadt
Tel. 09371 5705
info@weingut-stich.de
www.weingut-stich.de

Empfehlenswertes Restaurant und Hotel Weinhaus Stern
Hauptstraße 23, 63927 Bürgstadt

Ein gastfreundliches Haus Hotel Stern in Bürgstadt
Ein gastfreundliches Haus Hotel Stern in Bürgstadt

Unsere Reise wurde unterstützt durch:

Mainland Miltenberg – Churfranken e.V.
Hauptstraße 57, 63897 Miltenberg
Tel. +49 (0)93716606975
www.churfranken.de

Wir danken ganz besonders Brigitte Duffeck und Julia Klüpfel für die sehr gute Organisation.

Wie kommt man nach Churfranken ?

Mit dem Auto über die A3 von Würzburg kommend, Ausfahrt Wertheim, dann am Main entlang, über die A81, Ausfahrt Osterburken, über Buchen und Walldürn über die A3 von Frankfurt, Ausfahrt Stockstadt, über die ausgebaute B469 aus Richtung Süden über die A5 oder A67 bzw. von Norden kommend über die A45 auf die A3, Ausfahrt Stockstadt, dann über die ausgebaute B469. Mit der Deutschen Bahn zum ICE-Bahnhof Aschaffenburg. Von hier aus gibt es Anschluss nach Miltenberg und zu vielen weiteren der 19 Ortschaften Churfrankens. Infos über VAB (Verkehrsgemeinschaft am Bayerischen Untermain) www.vab-info.de

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Bayerns Genussort Klingenberg am Main

 

 

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