Wörlitz

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Ausflugstipp: Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Wörlitz - Mitteldeutscher Verlag

So eine Ballung von Weltkulturerbe ist  weltweit einmalig. Bauhaus Dessau, Gartenreich Dessau Wörlitz und Lutherstätten in Wittenberg. Gleich drei UNESCO-Welterbestätten liegen unmittelbar nebeneinander. Ausflugstipp: Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Einzigartige Kulturlandschaft an der Elbe

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist eine europaweit bedeutende Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt, 100 Kilometer von Berlin und 70 Kilometer von Leipzig entfernt. Das weitgehend nach englischem Vorbild angelegte Gartenreich zwischen der Bauhausstadt Dessau und der Lutherstadt Wittenberg umfasst eine Fläche von 142 Quadratkilometern entlang der Elbe im Biosphärenreservat Mittelelbe.

Seekonzert im Wörlitzer Park© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Seekonzert im Wörlitzer Park© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Zum Gartenreich gehören die Schlösser und Parks Luisium, Georgium, Mosigkau, Großkühnau, Leiner Berg, Sieglitzer Berg, Oranienbaum und Wörlitz. Zur Eintragung in das Weltkulturerbe erklärte die UNESCO im Jahr 2000: „Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der  Aufklärung in einer Landschaftsgestaltung, die Kunst, Erziehung  und Wirtschaft harmonisch miteinander verbindet.“

Eiserne Brücke im Schlosspark Wörlitz
Eiserne Brücke im Schlosspark Wörlitz Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Wörlitzer Park ist Herzstück

Der Wörlitzer Park ist das Herzstück des Gartenreiches. Schöpfer war Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. „Vater Franz“, wie der Fürst heute noch genannt wird, lehnte den Barockgarten ab und suchte für seine Gartenschöpfung Vorbilder, die sich an der Natur orientierten.

Blick aus dem Schloss Wörlitz, Foto: D.Weirauch
Blick aus dem Schloss Wörlitz, Foto: D.Weirauch

Vorwiegend englische Elemente flossen in seinen Park ein: offen und transparent sollte das Areal sein. Jahre später „kopierte“ der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm II. für den Neuen Garten in Potsdam die Wörlitzer Anlagen.

Einzigartig in Europa

Der Wörlitzer Park galt als frühester und größter Landschaftsgarten nach englischem Muster auf dem europäischen Kontinent.

Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.
Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Schloss Wörlitz – England und Antike in einem Haus

Schloss Wörlitz, der Gründungsbau des deutschen Klassizismus, wurde für den Fürsten Franz nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff errichtet. Es enthält die originale Inneneinrichtung vom Ende des 18. Jahrhunderts und beherbergt kostbare Sammlungen antiker Plastiken, Gemälde und Gefäße aus der Produktion der berühmten Wedgwood-Manufaktur.

Schloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent
Schloss Wörlitz – der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent, Foto: D.Weirauch
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Das Gotische Haus in den Wörlitzer Anlagen

Das Gotische Haus birgt im Inneren eine einmalige Sammlung mit Glasgemälden vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert sowie eine bemerkenswerte neugotische Ausstattung. Es war das „Liebensnest“ des Fürsten Franz mit der Gärtnerstochter Louise Schoch.

Bibliothek im Gotischen Haus im Wörlitzer Park,

Oranienbaum – Ein kleines Stück Holland und China

Oranienbaum, nur acht Kilometer von Wörlitz entfernt,  ist ein auf geometrischem Grundriss errichtetes Ensemble aus Stadt, Schloss und Park und zudem ein in Deutschland seltenes Beispiel für eine weitgehend niederländisch geprägte Barockanlage.

Chinesisches Haus im Park Oranienbaum, Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Nickfigur im Chinesischen Haus Oranienbaum, Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Henriette Catharina, Fürstin von Anhalt-Dessau und geborene Prinzessin von Oranien-Nassau hatte eine kleine Ansiedlung als Ort für ihren Sommersitz ausgewählt und ihm zuvor den Namen Oranienbaum verliehen.

Ausflugstipp: Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Oranienbaum ist Teil der  überregionalen Oranierroute. Stationen sind neben Oranienburg auch Stolberg im Harz und das niederländische Schloss Het Loo.

Mosigkau – Perle des Rokoko

Das nur wenige Kilometer westlich des Dessauer Stadtzentrums gelegene Rokoko-Schloss Mosigkau wurde von Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau von 1752 bis 1755 als Sommerresidenz erbaut. Das heute liebevoll als das kleine Sanssouci bezeichnete Haus kann zwar nicht mit der Glanzentfaltung des Potsdamer Vorbildes konkurrieren, von seinem ländlichen Charme und seiner Anmut geht allerdings ein unvergleichlicher Reiz aus. Trotz der überlieferten Sittsam- und Sparsamkeit der Bauherrin galt die Sommerresidenz bereits zu ihren Lebzeiten als Ort für muntere Geselligkeit. Schloss und Garten waren für höfische Vergnügungen wie Spiel, Tanz und Konversation einfach wie geschaffen. Nach dem Tod der Besitzerin wurde es entsprechend ihren Wünschen in ein „Hochadeliges Damenstift“ umgewandelt, das bis zu seiner Schließung durch die  Bodenreform im Jahr 1945 insgesamt 46 ledigen adeligen Damen Heimstatt war.

Schloss Mosigkau, Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Die Schlossanlage Mosigkau gehört zu den wenigen noch heute weitgehend erhalten gebliebenen Rokokoensembles. Die Anlage wurde von 1752 bis 1757 für die Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau (1715–1780) ganz nach ihren Vorstellungen und Wünschen errichtet und diente ihr 23 Jahre lang als Aufenthaltsort in den wärmeren Monaten. Die Lieblingstochter des Alten Dessauers verfügte, dass nach ihrem Ableben in ihrem Sommerschloss ein Hochadeliges Fräuleinstift eingerichtet wird. Dazu hinterließ sie äußerst detaillierte Angaben, die nachweislich eingehalten wurden.

Stiftsdamenwohnung in Mosigkau© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Stiftsdamenwohnung in Mosigkau© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Den Höhepunkt der Gesamtanlage bildet der Galeriesaal im Corps de Logis. Der Raum enthält in vertieften Wandfeldern in einer in Deutschland einzigartigen barocken lückenlosen Hängung bedeutende Gemälde hauptsächlich flämischer und holländischer Meister.

© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Luisium – Ein privates Refugium für die Fürstin

Der klassizistische Landsitz der Fürstin Louise von Anhalt-Dessau gilt als das Meisterwerk Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorffs. Heute erscheint es als die idyllischste der zwischen Dessau und Wörlitz gelegenen Anlagen. Fürst Franz ließ das kleine Landhaus „Luisium“ durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff  von 1774 bis 1778 für seine Gattin als privaten Wohnsitz erbauen. Franz hatte seiner zehn Jahre jüngeren Frau das Haus und die Hälfte des so genannten Vogelherds aus Anlass ihres 30. Geburtstags geschenkt. Die Ehe der beiden stand unter keinem so guten Stern, obwohl sich beide sehr darum bemühten. Die preußische Prinzessin Louise, Nichte von Preußenkönig Friedrich II.,  und Cousine des Fürsten Franz, war auf Betreiben des Preußenkönigs vierzehnjährig mit ihrem Cousin verlobt worden. Trotzdem reißen gegenseitige Achtung und Respekt füreinander nie ab. Louise bleibt eine wichtige Partnerin, übernimmt in Abwesenheit ihres Gatten die Überwachung der Bau- und Gartenarbeiten. In den warmen Monaten zieht sie sich jedoch in ihr Refugium, das nach ihr benannt wurde, zurück.

Das Luisium in Dessau, Foto: IMG Sachsen-Anhalt mbH
Das Luisium in Dessau, Foto: IMG Sachsen-Anhalt mbH

Fürst Franz bleibt die Liebe zum bezaubernden Luisium erhalten. In seiner späten Lebenszeit zog er sich in das Luisium zurück, wo er auch verstarb.Die kleinen Räume und Kabinette des bezaubernden Landhauses mit ihren feinen Stuckdekorationen und Wandgemälden sind weitgehend original ausgestattet.

Großkühnau – Ein Weinberg in der Elbaue

Das Schloss, im Westen von Dessau gelegen,war 1780 für den Prinzen Albert von Anhalt-Dessau, dem Bruder des Fürsten Franz, fertig gestellt worden. Vom Besitzer wurde es schlicht „Haus” genannt und war zu seiner Zeit sehr einfach und solide eingerichtet.

Der Landschaftsgarten von Kühnau bildet sowohl zeitlich als auch räumlich den Abschluss des Gartenreiches. Malerisch am See neben der Kirche befindet sich das Kühnauer Schloss.

Im Inneren des Schlosses wurde, bis auf den mit Dekorationsmalerei ausgestatteten Festsaal im ersten Obergeschoss, auf jeglichen künstlerischen Schmuck verzichtet. Seit Januar 1998 ist das Schloss das Domizil der Hauptverwaltung der Kulturstiftung Dessau Wörlitz.

Georgium – Ein weitläufiger Landschaftsgarten

Das Georgium ist neben den Wörlitzer Anlagen der kunsthistorisch bedeutendste Landschaftspark englischen Stils im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Er wurde von Prinz Johann Georg, dem jüngeren Bruder des Fürsten Franz geschaffen und nach ihm benannt.

Der Park am Sieglitzer Berg

Nach 1777 ließ Fürst Franz im Ellbogen westlich des alten Fischerdorfes Vockerode, später vor allem durch sein Kraftwerk bekannt, einen Waldpark anlegen. Er liegt auf einer vom Hochwasser freien Anhöhe und umfasst etwa 25 Hektar. In der Entstehungszeit wurde der Park als „geordnete Wildnis“ beschrieben. Genau diese Wirkung soll beabsichtigt gewesen ein.

Geniale Aufklärungsideen

Wie keine andere Landschaft reflektiert das Gartenreich Wörlitz die Bildungsideale der Aufklärung. Das Landesverschönerungsprogramm des Fürsten begründete die bis heute andauernde anhaltende überregionale Würdigung. Sehenswert sind aber nicht nur die Schlösser und Parkanlagen, sondern auch die Kirchen und Kleinarchitekturen, darunter als Ferienwohnungen nutzbare Wallwachhäuser, die in die Auenlandschaft eingebettet sind. Auf engstem Raum ist so im Wörlitzer Gartenreich Kulturgeschichte, von Barock über Rokoko bis hin zum Klassizismus erlebbar. Die Einheit aus Natur und Kunst, Ökologie und Ökonomie hält getreu dem Fürstenmotto „Schönes mit dem Angenehmen zu verbinden“ bis heute für jedermann etwas bereit.

Informationen zum Weltkulturerbe Gartenreich mit Wörlitz

  • Info:| www.gartenreich.com
  • Buchtipp: Erhard Hirsch: Dessau-Wörlitz, Aufklärung und Frühklassik, Kulturreisen in Sachsen-Anhalt, Band 5, Verlag Stekovics, 16,80 EUR
  • Blick auf die Insel Stein im Wörlitzer Park
    Blick auf die Insel Stein im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch

     

  • im Mitteldeutschen Verlag erschien im März 2017 zum Schloss Wörlitz der profunde Band:
  • Kulturstiftung DessauWörlitz (Hg.)
    Schloss Wörlitz
    Architektur, Interieur, Sammlungen, Bewohner
    Architecture, Interior, Collections, Residents
    deutsch/englisch
    256 S., geb., 220 × 280 mm, s/w- und Farbabb.
    ISBN 978-3-95462-770-7


  • Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff (1736–1800) ist der Begründer der klassizistischen Baukunst in Deutschland. Unter dem Eindruck von Reisen durch Italien und England an der Seite seines Fürsten Leopold II. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) entwarf er für diesen das „Fürstlich Anhalt-Dessauische Landhaus zu Wörlitz“. Während der nur vierjährigen Bauzeit hielt sich Erdmannsdorff ein knappes Jahr in Rom auf, sandte Entwürfe nach Dessau und tätigte für die Innenausstattung Kunstankäufe. Im März 1773 konnte der Fürst seinen Gästen das modernste Schloss des europäischen Festlandes präsentieren. Das Außergewöhnliche ist seine programmatisch klassizistische Ausstattung mit einem Bestand an bedeutenden Gemälden, Antiken und an Kunsthandwerk wie Keramiken von Wedgwood oder Bronzestatuetten von Giacomo Zoffoli (1731–1785).
    2017 wird die Restaurierung von Schloss Wörlitz, der Perle des deutschen Klassizismus, weitgehend abgeschlossen sein, so dass die Besucher dann das fast vollständig erhaltene originale Interieur im neuen Glanz erleben können. Der aus diesem Anlass erscheinende reich bebilderte Band führt den Leser mit stimmungsvollen Fotografien und kenntnisreichen Beiträgen auf einer persönlichen Erkundungstour durch das »Landhaus«.
    Mit Beiträgen von Ingo Pfeifer, Uwe Quilitzsch, Wolfgang Savelsberg, Kristina Schlansky und Annette Scholtka.

Empfehlenswerte Übernachtung

  • „Zum Hauenden Schwein“
  • Erdmannsdorffstrasse 69
  • 06785 Oranienbaum-Wörlitz
  • Telefon: 03 49 05 / 30 19 0
  • Telefax: 03 49 05 / 30 71 7
  • Website: www.zumhauendenschwein.de
  • E-Mail: anfrage@zumhauendenschwein.de
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Ausstellung zu Winckelmann im Schloss zu Wörlitz

Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687).Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687). Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Blick in die Winckelmann-Ausstellung© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Blick in die Winckelmann-Ausstellung© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Das Jahr 2017 verbindet zwei, für die Geschichte der Antikenrezeption und des Klassizismus wichtige Jubiläen – den 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann, der Vater der Archäologie und Kunstgeschichte, und den 200. Todestag seines Schülers und Bauherren des Wörlitzer Schlosses, des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau.

Schloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent
Schloss Wörlitz – der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent, Foto: D.Weirauch

Für die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ist dies Anlass, die engen Beziehungen des Dessauer Fürsten zu Winckelmann, vor allem aber dessen Einfluss auf die Ausstattung des Wörlitzer Schlosses in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und in einer Ausstellung näher zu beleuchten. Kurator der Ausstellung ist Dr. Ingo Pfeifer, KsDW-Abteilung Schlösser und Sammlungen.

Der Dessauer Fürst hatte sich im Dezember 1765 erstmals bei Johann Joachim Winckelmann in Rom vorgestellt. Dieses Treffen, über das der Gelehrte im Anschluss ausführlich berichtete, mündete in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis und einer freundschaftlichen Beziehung, als deren gebautes Monument man das Wörlitzer Schloss bezeichnen kann.

Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.
Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Über mehrere Monate hinweg führte Winckelmann den Fürsten sowie seine Begleiter, darunter den späteren Architekten des Schlosses, Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, als Antiquario nobile durch die antiken Stätten und Sammlungen in Rom.

Der Autor eines Tagebuches der Reise, der aus dem anhaltinischen Sandersleben stammende Hofmeister Georg Heinrich von Berenhorst, notierte dazu: „Unserer Neugier entgeht nichts, und unsere Anstrengung trägt umso mehr Früchte, als wir das Altertum unter der Leitung des berühmten Abbé Winckelmann, der Unterbibliothekar im Vatikan ist, studieren.“

Beeindruckt von diesen Erfahrungen begannen Fürst Franz und von Erdmannsdorff kurz nach der Rückkehr von dieser Grand Tour mit den ersten Planungen für ein neues „Landhaus zu Wörlitz“, das in seiner architektonischen Neuartigkeit wegweisend werden sollte.

Schloss Wörlitz, © Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Schloss Wörlitz, © Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Der von Erdmannsdorff entwickelte neue klassizistische Stil erwuchs ganz im Winckelmann’schen Sinne – „durch Nachahmung der Alten unnachahmlich zu werden“. Winckelmanns früher Tod mag zusätzlich dazu beigetragen haben, das ein halbes Jahr später begonnene neue Schloss in Wörlitz verstärkt an seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ästhetischen Postulaten auszurichten. Zahlreiche Elemente in der Schlossausstattung wie Plastiken, Reliefs und Wandmalereien beziehen sich auf die in seinen berühmten und vielbeachteten Büchern beschriebenen antiken Werke.

In der Ausstellung im sogenannten “Haus der Fürstin”, gleich neben der Kirche von Wörlitz,  informieren Gemälde, Plastiken, Bücher, Grafiken und Handschriften über die engen Beziehungen zwischen Winckelmann und seinen Dessauer Freunden. Sein Einfluss auf die Gestaltung des Wörlitzer Schlosses wird hier wissenschaftlich präsentiert. Ein besonderes Denkmal der Verbundenheit ist das von Anton v. Maron für den Fürsten gemalte Bildnis Johann Joachim Winckelmanns, welches einst im Dessauer Schloss hing. Dieses und eine weitere Version aus Weimar werden hier nebeneinander zu bewundern sein.

Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687).
Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687). Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Bildnis Johann Joachim Winckelmann, Schloss Wörlitz, Wandmalerei in der Bibliothek (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, ohne Inv. Nr.). Johann Fischer (Lebensdaten unbekannt)
Bildnis Johann Joachim Winckelmann, Schloss Wörlitz, Wandmalerei in der Bibliothek (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, ohne Inv. Nr.). Johann Fischer (Lebensdaten unbekannt) Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Das Schloss selbst hat in diesem Jahr ebenfalls eine große Neuerung zu bieten: Erstmals nach vielen Jahrzehnten können seine Besucherinnen und Besucher wieder alle Etagen, vom Keller bis hinauf zum Belvedere, komplett eingerichtet besichtigen. Dabei werden ihre Blicke besonders auf die Ausstattungsdetails gelenkt, die direkten Bezug zum berühmten Winckelmann haben.

Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Wörlitz Wohnzimmer Erbprinz Friedrich
Wörlitz Wohnzimmer Erbprinz Friedrich Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Wohnzimmer des Prinzen Hans Jürge v. Anhalt-Dessau Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Schlafzimmer des Prinzen Albert von Anhalt-Dessau Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Informationen zur Ausstellung und Wörlitz

  • geöffnet: Di – So, Feiertage 10 bis 18 Uhr
  • Eintritt: 6, ermäßigt 5 Euro,
  • Ort: Haus der Fürstin, Landschaftspark Wörlitz, 06785 Oranienbaum-Wörlitz/ OT Wörlitz
  • Tel.:  +49 (0) 34905 – 4090; E-Mail : Schloss-woerlitz@ksdw.de
  • Info:| www.gartenreich.com
  • Freundeskreis: | www.gartenreich.info
  • Touristinfo: | woerlitz-information.de
  • Biosphärenreservat: | www.mittelelbe.com
  • Welterbe: | www.luther-bauhaus-gartenreich.de/
  • Katalog: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (Hg.), Revolution des Geschmacks. Winckelmann, Fürst Franz von Anhalt-Dessau und das Schloss zu Wörlitz, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2017, 128 S., 17,95 Euro

 

 

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Gotisches Haus Wörlitz

WörlitzGotisches Haus im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch

Das Gotische Haus im Gartenreich Dessau-Wörlitz, etwa eine Autostunde von Berlin entfernt, zählt zu den frühesten und besterhaltenen neogotischen Gebäuden in Europa. Als Vorbild diente der englische Landsitz Strawberry Hill, den der Fürst Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) bei seinem Besuch im Jahr 1764 kennengelernt hatte. Gotisches Haus Wörlitz – wo Fürst Franz mit der Gärtnerstochter lebte

Gärtnerwohnung und Fürstensitz

Das Gotische Haus wurde ab 1773 erbaut und bis 1813 mehrfach erweitert. Architekt war Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf, der viele Bauwerke im Gartenreich und in Dessau erbaut hat. Im Inneren birgt das Gotische Haus eine einmalige Sammlung mit herausragenden, hauptsächlich aus der Schweiz stammenden Glasgemälden vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert. Berühmt ist es auch für seine bemerkenswerte neugotische Ausstattung.

Cranach-Gemälde und Glasfenster

Anfangs als Gärtnerwohnung vorgesehen, enthielt das Haus mit dem sogenannten Kirchensaal bereits einen programmatisch auf das Mittelalter ausgerichteten Raum. Ab 1785 wurde das Gebäude in mehreren Etappen erweitert. Altdeutsche Gemälde u. a. von Lucas Cranach d.Ä. und dessen Sohn sowie zahlreiche historische Bildnisse, Waffen und kunsthandwerkliche Objekte schufen im Gotischen Haus eine Atmosphäre, die den Geist des ausgehenden Mittelalters atmen sollte.

Gotisches Haus im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch
Gotisches Haus im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch

Im Sommer 2015 werden  im Gotischen Haus anlässlich des 500. Geburtstages von Lucas Cranch d.J. erstmals Gemälde des Meisters aus Dessau nach Wörlitz zurückkehren. die Kriegsverluste werden durch Kopien ersetzt. Auch in Wittenberg und in Eisenach wird es Ausstellungen zum Schaffen von Lucas Cranach dem Jüngeren geben.

Privates Refugium für Fürst Franz

Das Haus diente auch als privates Refugium des Fürsten, in dem er gemeinsam mit seiner zweiten Frau Luise Schoch, der Tochter seines Hofgärtners, und den drei gemeinsamen Kindern wohnen konnte.

Das Gotische Haus wurde in den letzten Jahren schrittweise restauriert. Die wieder zugängliche Obstkammer, die von Fürst Franz als Bibliothek und Arbeitszimmer genutzt wurde und in der später 200 originalgetreu nachgebildete Wachsfrüchte aufbewahrt wurden, zeigt die originale Situation wie zu Lebzeiten des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau.

  • Gotisches Haus – Informationen
  • Geöffnet: April bis Oktober
  • Besichtigung nur mit Führungen, April und Oktober:Sa, So, Feiertage: 11 und 16 Uhr; Mai bis September: Di–Fr: 11 und 16 Uhr;  Sa, So, Feiertage: 11, 12,15,16 Uhr
  • Eintritt: 6 Euro
  • Gotisches Haus im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch
    Gotisches Haus im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch
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Danke: Schnelle Hilfe auf dem Elberadweg

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Von Dessau aus bis Wittenberg ist der Elberadweg, wie zuvor im Biospärenresevat um Vockerode,  sehr idyllisch. Der Radweg verläuft mitten durch das Gartenreich Dessau-Wörlitz mit seinen Schlössern und Landschaftsparks, wie Georgium, Luisium und den Wörlitzer Anlagen.

Schloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent
Schloss Wörlitz – der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent

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Wir sind am Samstag in Wörlitz eingestiegen, nachdem uns die freundliche Dame in der Touristinformation Wörlitz die Alternativroute des Radweges in Richtung Lutherstadt Wittenberg empfahl. Zurück wollten wir dann die Route über Coswig und dann dort mit der Gierfähre über die Elbe setzen.

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Die Insel Stein im Wörlitzer Gartenreich, Foto: D.Weirauch

Auf dem Alternativen Elberadweg entdeckt
Auf dem Alternativen Elberadweg entdeckt
Jüdische Synagoge in Wörlitz
Jüdische Synagoge in Wörlitz

Etwa auf halber Strecke, schon weit hinter dem Wörlitzer Gartenreich, hatten wir Pech und blieben liegen: Plattfuß.

Schnelle Hilfe von Radfahrern kam

Und wir hatten kein Flickzeug, ebenso keinen Ersatzschlauch dabei. Tage zuvor war unsere Satteltasche mit sämtlichen Utensilien (und Sattel) gestohlen worden. Neues zu kaufen – ja wir hatten nichts dabei auf dieser Tour.

Was nun ? Umkehren und das Rad nach Wörlitz zurück schieben, wo unser Auto stand ?

Alternativer Elberadweg - kurz vor Wittenberg, Foto: D.Weirauch
Alternativer Elberadweg – kurz vor Wittenberg, Foto: D.Weirauch

Doch es dauerte keine fünf Minuten und schon nahte Hilfe. Ein freundliches Ehepaar bot uns an, den Reifen zu flicken. Aber unser  Schlauch war zu kaputt und so bekamen wir ihren Ersatzschlauch.  Noch vom Elberadweg aus telefonierten wir mit der Firma M & B Fahrradladen in Wittenberg. Doch das Geschäft war schon zu. Die nette Verkäuferin hatte aber eine Idee: sie hinterlegte einen passenden Ersatzschlauch für unsere Helfer in der Nähe ihres Ladens. Das fanden wir toll.

Denn die Helfer, sie befuhren den Elberadweg bereits von Cuxhaven, wollten weiter bis Schmilka.

Elberadweg von Wörlitz nach Wittenberg: Limes Wachhaus
Elberadweg von Wörlitz nach Wittenberg: Limes Wachhaus

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Als wir „Anfänger“ dann Lutherstadt Wittenberg erreicht hatten, sahen wir sogar einen Schlauchomaten

Schlauchomat gegenüber der Wittenberg-Information
Schlauchomat schräg gegenüber der Wittenberg-Information und der Schlosskirche

gegenüber der Schlosskirche. Natürlich kauften wir, aus Schaden wird man bekanntlich klug, dort unseren Ersatzschlauch. Und sind von nun an bestens gerüstet für die Fortsetzung unserer Tour.

Herzlichen Dank an die freundlichen Helfer, die aus Berlin/Potsdam kamen, und an die Dame von B & B Fahrradladen in Wittenberg  (Coswiger Straße 21.)

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Und wir schauten uns dann in Wittenberg um, besuchten die frisch renovierte Schlosskirche und den Töpfermarkt. Besonders staunten wir über den Cranachaltar in der Stadtkirche. Überall waren Radler unterwegs, denn in Wittenberg wandelt man überall auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten wie Martin Luther, Philip Melanchthon, Johannes Buggenhagen, Georg Spalatin  und Lucas Cranach.

Hier geht es zur tollen Webseite des Elberadweges mit der Tour von Dessau-Rosslau bis nach Elster.

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Bei Luther angekommen und eine Pause gemacht auf dem Marktplatz von Wittenberg. Macht Lust zum Verweilen.

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Übrigens kann man gut speisen und lecker Bier trinken (auch Radler) im Brauhaus zu Wittenberg. Es gibt einen lauschigen Innenhof.

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Tipp: geführte Touren auf dem Elberadweg bietet u.a. Aaugustustours aus Dresden, hier geht es zur Webseite: https://www.augustustours.de/de/radreisen/elberadweg/dessau-bad-schandau-radtour.html

 

 

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Schau zu Lady Hamilton

Schloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen KontinentSchloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent, Foto: D.Weirauch

Berühmter geht kaum noch: Lady  Emma Hamilton (1765–1815), die englische Lebedame und zeitweilige Geliebte von Lord Nelson wurde in Filmen, in einer Operette von Eduard Künneke und in einem Roman von Alexandre Dumas verewigt. Eine Rose sowie eine Apfelsorte tragen ihren Namen.

Lady Hamilton als Muse der Tanzkunst, Foto: Kulturstiftung WörlitzDessau
Lady Hamilton als Muse der Tanzkunst, Foto: Kulturstiftung WörlitzDessau

Viele über die Zeit und Emma Hamilton selbst kann man derzeit in einer, ja wie ich meine, spektakulären Ausstellung im Schloss Wörlitz im Gartenreich (zwischen Dessau und Lutherstadt Wittenberg gelegen), erfahren.

Der Titel: „Lady Hamilton. Eros und Attitüde. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit“ .

Emma Lady Hamilton war eine der berühmtesten und umstrittensten Frauengestalten der Goethezeit. 1765 unter dem Namen Emma Hart als Tochter eines Hufschmieds in der Nähe von Manchester geboren, kam sie nach einer problematischen Jugend 1786 ins Haus von Sir William Hamilton, dem britischen Botschafter in Neapel.

Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Sie wird zunächst die Geliebte, später die Ehefrau des 35 Jahre älteren Mannes, der wegen seiner Antikensammlungen und vulkanologischen Forschungen am Vesuv in ganz Europa bekannt und ein Anlaufpunkt für alle Grand-Touristen in Neapel war. Das waren meist Adlige, die nach Schulzeit und Studium ein oder auch zwei Jahre um die Welt reisten. Italien war fast immer dabei.

Emma Lady Hamilton als Mittelpunkt der Ausstellung

Ihr Aufstieg von der Tochter eines armen Handwerkers zur Ehefrau eines Botschafters, die Körperlichkeit ihrer legendären sogenannten  Attitüden und ihr späteres Liebesverhältnis mit Lord Nelson machten sie für viele zur Skandalperson. Dank ihrer Fähigkeit, sich auf unterschiedlichen Parketts geschmeidig in Szene zu setzen, fand Lady Hamilton schnell Anschluss an die kosmopolitischen Kreise um ihren Ehemann und machte dabei die Bekanntschaft mit bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit.

Hamiltons einstige Residenz im Palazzo Sessa – heute Sitz des Goethe-Instituts in Neapel – war ebenso wie seine Villa am Meer, die er nach seiner Gefährtin „Villa Emma“ genannt hatte, Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Hauptstadt des Königreichs Neapel und Treffpunkt der zahlreichen durchreisenden Fremden.

Moritz Götze im Schloss Wörlitz
Moritz Götze im Schloss Wörlitz

Berühmt waren Hamiltons Abendgesellschaften, bei denen die schöne Emma entweder als Sängerin oder, griechisch gewandet, in sogenannten „Attitüden“ auftrat, theatralen Repräsentationen weiblicher Rollen aus der antiken Mythologie. Emma präsentierte sie entweder als Ausdruckstanz oder in der Form sogenannter Tableaux vivants, lebender Bilder. Nach der Legalisierung ihrer Beziehung zu Sir William in London 1791 gewann Lady Hamilton zunehmend Einfluss am neapolitanischen Hof.

Liaison mit dem englischen Admiral Horatio Nelson

Ihr Ruf nahm nachhaltigen Schaden, als sie 1798 eine Liaison mit dem englischen Admiral Horatio Nelson einging und fortan in einer ménage a trois mit ihm und Hamilton lebte. Nach der Abberufung von Hamilton als britischer Botschafter im Jahr 1800 kehrten die Hamiltons und Lord Nelson nach London zurück. Dort angekommen, verdüstert sich das Schicksal von Lady Emma, wie sie auch genannt wurde.

Nach der heimlichen Geburt ihrer Tochter Horatia 1805 werden das Dreiecksverhältnis in der Öffentlichkeit zunehmend skandalisiert und die Hamiltons auf Kupferstichen und Lithographien Objekte des Spottes. Davon zeugen bislang noch nie gezeigte Dokumente in der Schau.

Ebenso schnell wie ihr gesellschaftlicher Aufstieg vollzog sich der sozialee Abstieg: 1815 starb Emma Lady Hamilton einsam und verarmt an der französischen Kanalküste in Calais im Exil. Ihr Grab gibt es nicht mehr.

Emma Hamilton© Kulturstiftung DessauWörlitz,
Emma Hamilton© Kulturstiftung DessauWörlitz,

Ihre Bedeutung für Kunst und Kultur um 1800

Auch im Fürstentum Anhalt-Dessau war sie keine Unbekannte. Im Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ihr Name vor allem mit dem auf der Insel Stein errichteten klassizistischen Nachbau der „Villa Emma“ in Neapel verbunden. Die Villa Hamilton in Wörlitz gilt als  Freundschaftsmonument des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau für den mit ihm geistig verbundenen Sir William Hamilton. Der an der neapolitanischen Küste gelegene Originalbau war 1766 Ziel der Reisegruppe um den Fürsten Franz, der sich dann rund 20 Jahre entschloss, seinen Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff mit einem Nachbau zu beauftragen.

1788 entstand so am östlichen Ende der Wörlitzer Anlagen eine verkleinerte Nachbildung der Golfküste mit der künstlichen Felseninsel „Stein“, zu deren Höhepunkten eine Kopie der Villa „Emma“ und des Vesuvs zählen.

Villa Hamilton - die nachgebaute Villa Emma
Villa Hamilton – die nachgebaute Villa Emma

Goethe bewunderte Lady Hamilton

Emma Lady Hamilton erlangte durch ihre sagenumwobenen Attitüden großen Ruhm. Einer der ersten von vielen Bewunderern ihrer Kunst war Johann Wolfgang von Goethe. Anliegen der Ausstellung ist es daher auch, die Begegnungen zahlreicher bedeutender Zeitgenossen mit ihr nachzuzeichnen.

Die Ausstellung in Wörlitz ist die einzige in Deutschland, die sich dem Leben und Wirken dieser in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Frau widmet.

In England wird dieser femme fatale Ende des Jahres eine Ausstellung in National Maritime Museum in London gewidmet.

Lady Emmas mimisches Talent hat nicht nur damals viele zeitgenössische Maler inspiriert, sondern veranlasst bis heute Künstler, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die in Kooperation mit der Casa di Goethe Rom entwickelte Ausstellung, die bereits in Rom zu sehen war, wurde  um zahlreiche weitere Exponate des Hallenser Künstlerehepaares Grita und Moritz Götze sowie des Berliner Aktionskünstlers Kain Karawahn bereichert und wird bis zum 18. September 2016 im Schloss Wörlitz gezeigt.

Das Schloss Wörlitz

Das Schloss ist 1769 bis 1773 unter dem Fürsten und späteren Herzog Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) errichtet worden. Der Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) schuf mit dem „Landhaus“ den Gründungsbau des deutschen Klassizismus; das bekannteste Bauwerk im UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz.

SchlossWörlitz, © Kulturstiftung DessauWörlitz, Bildarchiv
SchlossWörlitz, © Kulturstiftung DessauWörlitz, Bildarchiv
Blick auf die Insel Stein mit Villa Hamilton im Wörlitzer Park
Blick auf die Insel Stein mit Villa Hamilton im Wörlitzer Park
Blick auf die Insel Stein im Wörlitzer Park
Blick auf die Insel Stein im Wörlitzer Park

Informationen zur  Ausstellung

  • Dauer: bis 18. September 2016.
  • Öffnungszeiten: Di–So, Feiertage 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17:00 Uhr
  • Eintritt: Ticket 1: Ausstellung 6,00 € (ermäßigt 5,00 €)
  • Ticket 2: Ausstellung, Führung Erdgeschoss Schloss Wörlitz und Insel Stein 14,00 €
  • Adresse:  Schloss Wörlitz, 06785 Oranienbaum-Wörlitz
  • T +49 (0) 3 49 05-40 90, F +49 (0) 3 49 05-40 93 0
  • Internet: www.gartenreich.com
  • Mail. schloss-woerlitz@ksdw.de

Katalogband: Begleitbuch LADY HAMILTON. Eros & Attitude. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit im Michael Imhof Verlag Petersberg, 29,90 Euro (in der Ausstellung erhältlich)

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