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Reise

UNESCO-Welterbe Silberschaubergwerk Tarnowitz

Tarnowitz (19)

20useums- und Erlebnisbergwerke gehören für Männer zu den touristischen Highlights eines jeden Urlaubs. Ein Bergwerk zu besuchen und dann noch eine Seilfahrt mitzumachen und anschließend mit einem kräftigen Glück auf ! dem Bergmannsgruß, begrüßt zu werden, das ist so wie einmal auf einer Dampflok oder im Cockpit des Bernina-Express mitzufahren. Aber eine unterirdische Bootsfahrt in einem vor über 200 Jahren zur Entwässerung eines Silberbergwerkes angelegten unterirdischen Stollen zu erleben, das ist so ziemlich das Größte, was man als Technikfreak erleben kann. In  der polnischen Woijewodschaft Schlesien ist das möglich. Während eines Besuches des etwa eine Stunde von Katowice (Kattowitz) entfernten Silberschaubergwerkes  Tarnowitz konnte ich zudem das jüngste von 15 UNESCO-Welterbestätten Polens erleben. Und war begeistert.  Das im letzten Jahr verliehene UNESCO-Siegel unterstreicht zugleich die Einmaligkeit des Bergwerkes von Tarnowitz. Lest hier, was ich erlebt habe: UNESCO-Welterbe Silberschaubergwerk Tarnowitz (Tarnowskie Góry)

Gute Einführung und multimedial

Wenngleich die Ausschilderung des Bergwerkes noch etwas verbesserungsbedürftig ist, einmal dort angekommen, will man so schnell nicht wieder weg. Viel hatte ich schon über den schlesischen Bergbau gehört,. Von Preußenkönig Friedrich dem Großen, der neben dem Mansfelder Kupferbergbau  – wo 1785 auf der Preußischen Hoheit in Burgörner (heute Hettstedt in Sachsen-Anhalt) die erste Deutsche Dampfmaschine nach Wattschen Vorbild zur Hebung der Grubenwässer installiert wurde, vor allem sich um Schlesien als neue Rüstkammer kümmerte. Alle Größen der damaligen Zeit waren zudem in Tarnowoitz: Bergmaumister Heynitz, Graf von Reden, und natürlich Johann Wolfgang von Goethe. Tarnowitz gilt als 2. Standort für eine Dampfmaschine im damaligen Preußen.

die Führerin begleitet die Gäste auch in das Bergwerk, sie spricht deutsch, Foto: Weirauch
Die Führerin begleitet die Gäste auch in das Bergwerk, sie spricht deutsch, Foto: Weirauch

Seilfahrt in den Schacht

Die rund eineinhalbstündige Führung durch das Bergwerk beginnt mit einer gekonnten multimedialen Einführung im Gebäude der einstigen Hängebank. Videos und Hörstationen sowie Schaubilder führen ein in die Zeit um 1785, als das später als “schlesisches Ruhrgebiet” bezeichnete Gelände um Tarnowitz Zabrze (Beuthen) und Katowice eine erste wirtschaftliche Blütezeit erlebte. Man erfährt, wie damals Silber-, Blei- und Zinkerze abgebaut und auf welche Art und Weise die weitverzweigten unterirdischen Stollensysteme entwässert wurden. Eine besondere Attraktion ist das Funktionsbild (multimedial) der ersten Dampfmaschine auf dem heute polnischen Boden. Die Führerin meinte, diese Maschine arbeitete nach dem Newcomen-Prinzip. Da muß ich mal meine Kenntnisse aus dem Physikunterricht abrufen.

Auf jeden Fall wird diese Geschichte der wichtigen Innovation im schlesischen Bergbau eindrucksvoll präsentiert. Ich habe mir in den letzten Jahren einige Bergwerke angesehen, auch das Mansfeld-Museum in Hettstedt. Dort gibt es zwar seit 1985 den originalgetreuen Nachbau der ersten Dampfmaschine in Preußen zu bestaunen, auch in Funktion. Aber die museale Präsentation lässt in Mansfeld sehr zu wünschen übrig. Auch in Hettstedt gibt es mit dem 30 Kilometer langen Schlüsselstollen ein einzigartiges Entwässerungssystem aus der Blütezeit des Bergbaus. Auch dort träumen Technikenthusiasten immer wieder mal davon, mit Kähnen die engen unterirdischen Hohlräume zu befahren.

15 Jahre bis zum UNESCO – Welterbe

Der große Unterschied zu Tarnowitz ist, dass die polnischen Denkmalpfleger und Tourismusexperten begriffen, was man an dem Schatz der Altvorderen hat. Sie haben die Hinterlassenschaften gehoben, aufbereitet und präsentiert und letztlich vor den Augen des gestrengen UNESCO-Welterbekomitee bestanden. 15 Jahre hat dieser ganze Bewerbungsprozeß, so erfuhr ich, gedauert. Glückwunsch !

Eine stimmungsvolle Beleuchtung der Räume in der Ausstellung sorgt für eine besondere Atmosphäre. Die Touristen, die mit einem Reiseführer wandern, können u.a. frühere Werkzeuge, Spülvorrichtungen, Lampen sehen, die im Bergwerk benutzt wurden. Zu den Exponaten gehören auch die Kübel, mit denen das abgebaute Material hochtransportiert wurde und die tragbaren Toiletten. Und man erfährt recht eindrucksvoll eine Menge über die schwere Arbeit der Bergleute.

Von der Hängebank in den Schacht

Wir befahren also die Grube, es geht mit einer Seilfahrt auf über 40 Meter. Unten erwartet uns der Anschläger mit drei  Glockenschlägen und es geht los. Feucht und gleichbleibend 11 Grad sind  es hier unten. Für Touristen wurden die Wege befestigt, denn es ist streckenweise rutschig. Wasser tropft von den Wänden. Die Länge der Strecke beträgt 1740 Meter (270 Meter davon fahren wir mit kleinen Booten). Die Gestalt der Strecke erinnert an ein Dreieck und verbindet die drei frühere Schachtanlagen “Engel”, “Schlange” und “Glückauf”. Der „Staszica”-Gang führt zur ersten Kammer, der „Silberkammer”mit einer Fläche von rund 500 Quadratmeter. Sie befindet sich noch im ursprünglichen Zustand, mit dem rekonstruierten Arbeitsplatz eines Bergmanns.

Die Wege sind nachträglich betoniert, ein jeder kann sie langgehen, foto: Weirauch
Die Wege sind nachträglich betoniert, ein jeder kann sie langgehen, foto: Weirauch

Während einer außergewöhnlichen Wanderung beobachten wie die Ausbruchstellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind hautnah dran den den früheren Arbeitsplätzen und Werkzeugen  der Hauer, Treckejungen oder Steiger. Un wer Glück hat, der kan in den unterirdischen Gängen den Berggeist antreffen, man nennt ihn “den Schatzmeister”.

Nachgebildete Arbeitsszene im Stollen mit Holzausbau, Foto: Weirauch
Nachgebildete Arbeitsszene im Stollen mit Holzausbau, Foto: Weirauch

Im Berg grummelt es

Mich hat fasziniert, dass per Lautsprecher eine Sprengung oder die Arbeit der einzelnen Gewerke erlebbar wurden. Museumspädagogisch ist das Bergwerk auch für Kinder und Jugendliche sehr gut erlebbar. Und Platzangst braucht auch kein Besucher zu haben. Mit nunmehr über 60 Jahren und diversen Rückenproblemen kam sogar ich durch den engen Stollen. Man sollte sich dabei aber Zeit nehmen. Und in den Berg hineinhören….

Dampfmaschinen-Freilichtmuseum

Nach einem herzlichen Glückauf ! gelangten wir wieder an die Oberfläche. Und wen Technik interessiert, der kann im Freigelände eine der wohl größten Dampfmaschinen-Sammlungen Europas erleben. Aber auch Straßenwalze, Zugkran, Lokomobile, zahlreiche Dampflokomotiven, Stromaggregate, Dampfpumpen und Hebevorrichtungen sind eindrucksvoll im Freibereich präsentiert.

Zum Schluss wird bewußt, dass ohne die Einführung der modernen Dampftechnik das einstige schlesische Bergbaurevier von Tarnowitz und darüberhinaus nicht denkbar gewesen wäre. Tarnowitz war demnach der Ursprung, das Silicon Valley der frühindistriellen Bergbaugeschichte.

Schwarze Forelle-Stollen

Diese Tour empfehle ich auch zu machen. Dazu reichte meine Zeit leider nicht. Der sogenannte Schwarze Forelle-Stollen ist die längste unteridrische touristische Strecke in Polen, die mit den Boot befahren wird. Sie ist ein Teil des Tiefen Stollens “Fryderyk2, mit dem auch derzeit das Bergwerk entwässert wird. Der einstieg in den Stollen ist wenig spektakulär, eher mystisch. Man klettert in die Tiefe (die Leitern werden Fahrten genannt) und gelangt zu den booten. Dann befährt man eine 600 Meter lange Strecke (im Pendelverkehr), die mit Karbidlampen beleuchtet ist. Der Reiseführer treibt die Boote an, indem er sich von den Wänden des Stollens abstößt (die Wände werden hier als Seitenstöße bezeichnet). Gleichzeitig erzählt der Reiseführer interessante Geschichten über die früheren Zeiten des Bergbauwesens. Auch hier herrscht in den unterirdischen Gängen ein spezifisches Mikroklima – hohe Luftfeuchtigkeit und konstante Temperatur von 10 Grad Celsius.

Das Silberbergwerk Tarnowitz gehört zur Europäischen Route der Industriekultur. hier geht es zum Link.

Informationen zum UNESCO-Welterbe Silberschaubergwerk Tarnowitz

  • Adresse: Silberschaubergwerk
    Szczesc Boze Straße 81, 42-600 Tarnowitz
    Internet: www.kopalniasrebra.pl
    E-Mail: bort@kopalniasrebra.pl
    Parken: Repecka Straße und Sniadeckiego Straße
  • Entfernung zu anderen Städten: Tarnowitz liegt etwa 25 Kilometer nördlich von Kattowitz und rund 170 Kilometer südöstlich von Breslau.

mit Bahn: nur am Wochenende fährt die Museumseisenbahn von Zabrze nach Tarnowitz

Informationen auch bei: Heimatfreundenverein der Region um Tarnowitz
Gliwicka Straße 2, 42-600 Tarnowitz

Hier geht es zu weiteren Sehenswürdigkeiten in Polen.

Best AgerReise

UNESCO-Welterbe: Im Führerstand des Bernina Express

Bernina (7)Der Blick auf das Armaturenbrett mit den vielen Knöpfen, Instrumenten und Anzeigetafel hat nun gar nichts mit dem einer Dampflok gemein, Foto: Weirauch

Wie wohl jeder Junge träumte ich als Kind davon, einmal Lokführer zu werden. Staunend sah ich den schnaufenden Dampflokomotiven zu, die durch meinen kleinen Heimatort fuhren. Auch nach dem Zeitalter der Dampfloks blieb die Faszination für die Eisenbahn. Als Pendler, der ich täglich mit Zügen unterwegs bin, weiß ich auch um die Mühen der Lokführer. Nun also erlebte ich im September 2018 während einer Fahrt mit dem  Bernina-Express der Rhätischen Bahn so ziemlich das Größte, was ein Hobbyeisenbahnerherz erfahren kann. Die vom Bernina Express befahrenen Strecken Albulabahn und Berninabahn wurden im Sommer 2008 in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen. Gleichbedeutend mit dem Kölner Dom, dem Tempel Abu Simbel in Ägypten, Schloss Sanssouci in Potsdam oder der Völklinger Hütte im Saarland. Weltweit stehen nur drei Bahnen auf der UNESCO Welterbeliste: Die Semmering Bahn in Österreich, die Gebirgsbahnen Darjeeling Himalayan Railways in Indien sowie die „Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina“.

Der Bernina Express ist stets ein begehrtes Fotomotiv. Foto: Weirauch

Bahnhofsvorplatz in in Tirano: hier trifft die Berninabahn auf die Normalspurstrecke der staatlichen italienischen Ferrovia Alta Valtellina. Foto: Weirauch

Eis und Pizza in Tirano

Bevor ich also die Position vom Fahrgast 2. Klasse in Mitfahrer im Cockpit wechsle, ist noch Zeit, um das italienische Grenzstädtchen Tirano kennenzulernen. Eine nette Begegnung hatten wir im Eisladen „Lollipopp“ direkt am Bahnhof , wo wir von zwei sehr freundlichen Verkäuferinnen bedient wurden.

Mit Bernhard Willen im Cockpit

Nun also bestieg ich den Führerstand des modernen Triebwagens und wurde von Lokführer Bernhard Willen herzlich begrüßt. Der 49-Jährige ist seit 19 Jahren bei der Rhätischen Bahn und nimmt mich mit auf die Reise von den italienischen Palmen bis hinauf nach Pontresina.Viele Zeit zum Kennelernen haben wir nicht, denn es geht gleich los und der Lokführer muss aufmerksam sein, es gilt Signale zu beachten und die Strecke im Blick zu behalten. Das eine oder andere mal fährt der Zug wie eine Straßenbahn durch die Orte.

Ich erfahre während der eineinhalb Stunden eine Menge und bin beeindruckt. Die Tour in Zahlen:  55 Tunnel, 196 Brücken und Steigungen von bis zu 70 Promille meistert der Triebwagen mit den angehängten zehn Wagen mit Leichtigkeit. Auf 2.253 Meter über Null thront Ospicio Bernina. Die Strecke von Tirano über Valposchiavo nach Thusis gehört zum UNESCO Welterbe. Die Bernina-Bahn gilt als eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt. Sie kommt ohne Zahnrad den Berg hinauf. Mit Blick auf das mächtige Bernina-Massiv kurvt der Zug von 2253 Meter Höhe wieder hinab ins Puschlav und über den berühmten Kreisviadukt geht es von Brusio bis nach Tirano.

Ein stets freundlicher Zugführer, der sein Wissen gern an die Gäste weitergibt, ist auch Martin, Foto: Weirauch
Martin ist ein stets freundlicher Zugführer, der sein Wissen gern an die Gäste weitergibt. Foto: Weirauch

Von Tirano zur Alp Grüm

Erster Höhepunkt der Fahrt ist die Ausfahrt vom Doppelbahnhof  Tirano mit geschätzten 15 Stundenkilometern. Wie eine Straßenbahn  fahren wir durch die Stadt über den Platz vor der Wallfahrtskirche Madonna di Tirano. Nachdem wir Tirano verlassen haben, beginnt unsere Reise durch eine beeindruckende Landschaft.

Hinaus aus Tirano gen Alpen nach Pontresina ... Foto: Weirauch
Hinaus aus Tirano gen Alpen nach Pontresina … Foto: Weirauch

Hier vorne im Führerstand hat man einen guten Blick nach links und rechts und kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn sich immer wieder neue Blicke auf Berge oder  Schluchten auftun. Spektakuläre Viadukte und Kehrtunnel wechseln sich ab mit den wunderschön glitzernden Gletschern.

In den kurzen Pausen, wo wir auf einen Gegenzug der Rhätischen Bahn warten, erzählt Lokführer Bernhard, den ich Berni nennen darf, über die Besonderheiten am Rande der Strecke. Etwa, dass bis vor einigen Jahren kurz hinter Tirano noch ein Grenztor die schweizerische und italienische Grenze markierte. Und das dieses Tor nach dem Durchfahren des letzten Zuges geschlossen wurde. Die Schweiz gehört bekanntlich nicht zur EU.

Der Blick auf das Armaturenbrett mit den vielen Knöpfen, Instrumenten und Anzeigetafel hat nun gar nichts mit dem einer Dampflok gemein, Foto: Weirauch
Der Blick auf das Armaturenbrett mit den vielen Knöpfen, Instrumenten und Anzeigetafeln hat nun gar nichts mit dem einer Dampflok gemein. Foto: Weirauch

Natürlich frage ich, ob es auch einen sogenannten Totmannknopf gibt. In der Tat: wenn der Treibfahrzeugführer nichts bewegt, dann ertönt alle  800 Meter ein Signal und der Lokführer muss den Kopf betätigen. Sonst stoppt der Zug. Bestätigt werden muss auch das doppelte gelbe Licht bei der Einfahrt in einen Bahnhof. Es signalisiert, dass hier ein Gegenzug abzuwarten ist. Das kommt häufiger vor, schließlich ist die Strecke eingleisig.

Volle Konzentration ist gefragt bei der Durchfahrt an Bahnhöfen oder Baustellen, Foto: Weirauch
Volle Konzentration ist gefragt bei der Durchfahrt an Bahnhöfen oder Baustellen, Foto: Weirauch

Zu den normalen Personenzügen, die das Engadin mit Poschiavo und dem italienischen Tirano im Stundentakt verbinden, kommen noch der Bernina-Express und verschiedene Regio Züge der Rhätischen Bahn.

Ich fühle mich im siebten Himmel. Während die hinter mir in den Waggons sitzenden Gäste die vorbeiziehende Landschaft durch die sauberen Panoramascheiben bestaunen und den fachkundigen und originellen Erläuterungen von Zugführer Martin lauschen, erfahre ich hier vorn aus 1. Hand Infos zu den Besonderheiten der Strecke. Etwa, warum diese oder jene Brücke gerade dort gebaut wurde oder was es mit der legendären Dampfschneeschleuder auf sich hat.

Bernhard Willen, der selbst ein passionierter Eisenbahnfan ist (es gibt kaum eine Eisenbahn in Europa, die er nicht kennt) gibt immer wieder Tipps, damit ich im rechten Augenblick auf den Auslöser meiner Kamera drücke. Etwa, wenn Marke von 2.253 Meter Höhe über dem Meer erreicht wird. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Dabei sehe ich auch die Bauarbeiten an den Tunneln und Brücken, die notwendig sind, um die Schmalspurbahn intakt zu halten. Da der Abschnitt bis ins Puschlav besonders stark von Schneeverwehungen betroffen ist, wurden ab der südlichen Staumauer des Lago Bianco zahlreiche Kunstbauten eingerichtet. Bernhard Willen weist auf die 140 Meter lange Scala-Galerie hin, ebenso auf den fast 200 Meter langen Scala-Tunnel. Weitere Bauwerke,  die vor Lawinen schützen sollen, sind die sogenannte Sassal Mason-Galerie und der 54 Meter lange Drago-Tunnel.

UNESCO-Botschafter

Berni, wie ihn seine Freunde auch nennen, ist stolz, dass die Bernina und Albula Linie der Rhätischen Bahn seit 10 Jahren auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen. Für mich ist der Lokführer, dessen Vater ein bekannter Schweizer Eisenbahnfotograf war, in diesen Stunden wie ein UNESCO-Botschafter. Denn diese technischen Höchstleistungen, die einst von Menschen erschaffen wurden, leben auch heute nur vom Engagement begeisterter Menschen. Weiteres Highlight unserer Fahrt ist das berühmteste Bauwerk der Bahn, das Kreisviadukt von Brusio. Das gerade Gleisstück davor wurde im Winter 2008/2009 in 120 Tagen um 15 Meter verschoben, weil der Hang daneben ins Rutschen geraten war. Nach dem Neubaustück kommt die offene 360-Grad-Kehre, die meist von Fotografen umlagert ist.

Rhaetische BahnBerninaExpressFoto: Rhaetische Bahn
Das Kreisviadukt von Brusio, Höhepunkt einer jeden Reise. Foto: Rhaetische Bahn

Die Strecke über Albula und Bernina gilt wegen der Bautechnik und Linienführung bis heute als eine der spektakulärsten Pionierleistungen der Welt. Ein Grund: Die Züge kriechen über dem türkisschillernden Lago Bianco so hoch wie nirgendwo sonst in Europa.

Links weist Bernhard Willen auf ein Schild hin: die Europäische Wasserscheide. Der südliche Abfluss geht bei Tirano in die Adda, die bei Cremona in den Po mündet und dieser in die Adria. Der nördliche Abfluss fließt bei Samedan in den Inn und von dort über die Donau ins Schwarze Meer, also ebenfalls nach Süden.

Lokführer Bernhard Willen während einer kurzen Pause in Ospicio Bernina, Foto: Weirauch
Lokführer Bernhard Willen während einer kurzen Pause in Ospicio Bernina. Foto: Weirauch

Es sind diese atemberaubenden  Bilder und kundigen Erklärungen, die eine Reise mit dem Bernina Express unvergesslich machen. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Links folgt der Gletschergarten, dann der Morteratsch-Gletscher und schon kommt die Diavolezza in den Blick.

Ein Gletscherlehrpfad erklärt an 20 Stationen Wissenwertes zum Gletscherrückgang des Morteratsch, Foto: Weirauch
Ein Gletscherlehrpfad erklärt an 20 Stationen Wissenwertes zum Gletscherrückgang des Morteratsch. Foto: Weirauch

Die Stationen Bernina Diavolezza und Bernina Lagalb sind Ausgangspunkte von Berg- beziehungsweise Seilbahnen.

Ankunft in Pontresina

Bald ist Pontresina ist erreicht.

Bernhard Willen erklärt hier die Besonderheit des Bahnhofs von Pontresina. Hier treffen die beiden unterschiedlichen Stromsysteme der Rhätischen Bahn zusammen. Die Züge, die von Samedan, also aus dem Unterengadin oder über den Albula-Pass kommen, fahren mit 11.000 Volt Wechselstrom und enden auf Gleis 1 bis 3. Der Bernina-Bahn stehen die übrigen Gleise zur Verfügung.  Das war vor Jahren noch wichtig, die heutigen für den Bernina Express zum einsatzkommenden dreiteiligen Gelenktriebwagen der Firma Stadler können in beiden Stromsystemen der Rhätischen Bahn fahren und machen den sonst notwendigen Lokwechsel für den Bernina-Express von Chur oder Davos nach Tirano überflüssig.

Ich verabschiede mich von einem erfahrenen und begeisterten Lokführer. Bevor ich es vergesse. Bernd Willen geht auch gern während seines kurzen Aufenthaltes in Tirano in das am Bahnhofsvorplatz befindliche Eiscafe „Lollipopp“. Welch ein Zufall, drei Stunden zuvor hätten wir uns dort auf ein Eis treffen können.

Hier ein Gespräch mit Lokführer Bernhard Willen von der Rhätischen Bahn.

Die Reise wurde unterstützt von der Rhätischen Bahn. Vielen Dank!

Weitere Informationen und Buchung: www.rhb.ch/de/erlebniswelt-bahn/fuehrerstandsfahrt

Reise

UNESCO – Welterbe: Die Höhle Domica

slowakei - domica (11)

Die Höhle Domica gehört seit 1995 zum UNESCO Weltkulturerbe. Nicht nur Höhlenforscher sollten sie besuchen. Das unterirdische Areal, auf dem südwestlichen Rand des Plateaus „Slilická planina“ im Slowakischen Karst gelegen, wird dank ihrer schönen Tropfsteine zu den schönsten Höhlen der Slowakei gerechnet. Sie stellt viele der bisher von mir besuchten Höhlen (wie die Baumanns- oder die Hermannshöhle im Harz) schon wegen ihrer schieren Größe in den Schatten. Das UNESCO-Zetrifikat wurde für mehrere Karsthöhlen vergeben, darunter sind auch  Höhlen des Aggteleker Karstes in Ungarn. Neben den Höhlen zählen u.a. die Burg Zips und technische Denkmäler der Bergbaustadt Banska Stiavnicazu den UNESCO-Denkmälern.

Blick auf den Eingang der Höhle Domica in der Region Kosice
Blick auf den Eingang der Höhle Domica in der Region Kosice

Der Eingang in die Höhe befindet sich am südlichen Fuß des Hügels „Čertova diera“ in einer Höhe von 339 Meter. Die Höhle ist mit der Höhle Baradla in Ungarn verbunden, das unterirdische Labyrinth hat eine Gesamtlänge von 25 Kilometer. Auf dem Gebiet der Slowakei befinden sich mehr als 5.300 Meter unterirdischer Gänge. Die Höhe ist als nationales Naturdenkmal geschützt.

Zur Besichtigung sollte man sich einer Führung anschließen. Leider werden nur Stationen bedient und Lautsprecher angeschaltet. Die individuellen Erläuterungen eines Höhlenführers, wie beispielsweise in der Grotte Zinsulusa in Apulien, habe ich vermisst.

Der Entdeckungseingang liegt ungefähr 50 Meter über dem Eingangsbereich. Es ist ein 14 Meter tiefe Schlucht, über die der Entdecker Ján Majko am 3. Oktober 1926 das erste Mal die unterirdischen Räume erreichte.


Im Faltblatt zur Höhle, lesen wir unter anderem: “Charakteristisch für die Domica-Höhle  sind große pagodenförmige Stalgmite und einzigartige Schilder und Trommeln, die in keiner anderen Höhle in solcher Menge vorkommen wie gerade hier. Es gibt hier auch Sinterwasserfälle, Vorhänge und unikale Sinterdämme. Domica ist auch eine bedeutende archäologische Lokalität der jüngeren Steinzeit, des Neolithikums. Hier wurden verschiedene Gegenstände aus Stein und Knochen und eine Menge von keramischen Fragmenten gefunden. Die Höhle bietet die Zuflucht für manche Gattungen der Höhlenlebewesen.”

Hier wurden 16 Fledermausgattungen gezählt.
Die Lufttemperatur liegt um 10 Grad Celsius, die relative Luftfeuchte beträgt mehr als 90 Prozent. In der Höhle ist es streng verboten, die Steine oder Verzierungen zu berühren und zu beschädigen, die Höhel zu verunreinigen und elektrische Einrichtungen zu berühren.

Hier einige Stationen:

Samsonove sípy (Samsons Säulen)
sind die mächtigsten Gebilde des Höhlensystems. Ihr Alter wird auf 350.000 Jahre geschätzt. Die verschiedene Farbigkeit der Gebilde ist durch Eisen- und Manganbeimischungen verursacht. Bemerkenswert ist der sogenannte 24 Meter hohe Höhlenkamin.

Majkov dóm (Majkos Dom)
Er ist der höchste unterirdische Raum in der Höhle, nach dem Entdecker genannt. Rechts vom Gehweg ist das Flussbett mit dem Entdeckungseingang, durch den Ján Majko das erst Mal die unterirdischen Räume erreichte. Die Dicke des Kalkmassivs bis zu der Oberfläche beträgt ca. 100 Meter. Die charakteristischen Gebilde dieses Doms sind: Jaskynné záclony (Höhlenvorhänge), Zakuklenec (Der Verkappte) und Kazatelnica (Der Predigtstuhl).

Die Besichtigung der Höhle führt an den Kaskaden, die Römische Bäder genannt werden, weiter. Ähnlich wie die Tropfsteinverzierung bestehen sie aus Kalziumkarbonat, das aus dem Wasser des unterirdischen Flusses Styx ausfällte. Interesant: Von diesem Ort aus bis zur Landesgrenze zwischen der Slowakei und Ungarn sind es rund 1600 Meter.

Dóm Mystérií (Der Mysteriendom)
Terrassenförmige Szenen wurden von den Menschen der sogenannten „bukovohorská“ Kultur geschaffen. Man fand hier auch einen unikaten Abdruck eines groben Gewebes im Ton und andere Befunde. An den Wänden des Heiligen Gangs befinden sich Linien und einfache Kohlenzeichnungen aus der Zeit des Neolithikums.

Dóm indických pagod (Der Dom indischer Pagoden)
Dieser Dom ist der schönste Teil der Höhle, nach den in der Höhlenmitte wachsenden Stalagmiten genannt. Ein dunkler Haufen, der sich hier befindet, ist der Fledermauskot, der sogenannte Fuano. In der Höhle überwintert eine Menge von Fledermäusen.  In den weiteren Höhlenteilen gibt es Gebilde, die sogenannten Schilder und Trommeln, die eine Rarität der Höhle Domica sind. Die Schilder sind kreisförmige oder ovale Gebilde.

Palmový háj (Der Palmenhain)
In dem Raum befinden sich viele Stalagnate, die an schlanke Palmenstämme erinnern. Auf der rechten Seite des Gehsteigs ist ein Gebilde, das „Rozkvitnutý strom“ (Der aufgeblühte Baum) genannt wird. Die Baumkrone ist durch erbsenförmige Vorstöße, die sogenannten Pisolithen gebildet.

Koncertná sieň (Der Konzertsaal)
Er zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Akustik aus. An der Saaldecke sind schildförmige Gebilde zu erklennen. In der Mitte des Raums befindet sich die sogenannte gotische Säule. In einem anderen Teil rechts vom Gehweg erkennen wir einen  Urwald mit vielen Tropfsteingebilden verschiedener Dicke und Form.

Informationen

Internet: www.ssj.sk
E-Mail: domica@ssj.sk

Wichtig: Das Fotografieren und das Filmen sind nur nach der Bezahlung einer Gebühr möglich.

Die Recherche in der Region Kosice, in Kosice und in Tokaj wurde unterstützt von der Tourismus-Vertretung der Slowakischen Republik. Vielen Dank.

 

Reise

Luxemburg mit Panoramaaufzug und Seilbahn erleben

Luxemburg Stadt (6)

2018 zeigte sich die Stadt Luxemburg von einer bisher verborgenen Seite. Seit Dezember 2017 verkehrt die modernste Straßenbahn Europas entlang der beeindruckenden Avenue Kennedy hinauf auf den Kirchberg. Sie verbindet die ebenfalls neue Standseilbahn „Pfaffenthal-Kirchberg“ mit der Unterstadt von Luxemburg. Ab hier schwebt ein Panoramaaufzug entlang der von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützten Festungsmauern in Richtung Oberstadt. Luxemburg entdeckt sich damit neu, aus völlig unerwarteter Perspektive.

Einstieg in die Straßenbahn ist die Station „Luxexpo“ am Kreisverkehr Serra im Stadtteil Kirchberg. Die erlebnisreiche Panoramatour beginnt am Fuße der Monumental-Skulptur von Richard Serra. Die in Glas und Stahl errichtete Haltestelle ist ein Kunstwerk des Landschaftsarchitekten Peter Latz. Die Bahn führt durch eine Freiluft-Galerie der bedeutendsten Namen zeitgenössischer Architektur. Vorbei geht die Fahrt an Julian Opie’s Skulptur, „Walking in the city“, entlang beeindruckender Bauten von Richard Meier vom Architekturbüro Diener&Diener. Besonders auffällig ist die Fassade in Metallgeflecht des Luxemburger Architekten François Valentiny. Er hatte bereits die Aufmerksamkeit mit seinem Entwurf zum Bau des Luxemburger Pavillons für die Weltausstellung in Shanghai erregt.

Die nächste Haltestelle befindet sich am Eingang zur Nationalbibliothek der für ihre aufregenden Bauten bekannten Architekten Bolles+Wilson & WW. Nächste Station ist der Zentralpark. In der sehr organisch gezeichneten „Coque“, ein in Spannbeton ausgeführter Bau Roger Tailliberts, finden meist die größten Sport- und Kulturevents Luxemburgs statt.

Wie europäisch ist Luxemburg ? Im Viertel Kirchberg sind rund 10.000 Europabeamte in unterschiedlichen Behörden beschäftigt. Das Europaviertel wird von den „Goldbarren“ des Europäischen Gerichtshofs überragt. Die Gebäude sind ein Werk des französischen Architekten Dominique Perrault.

Für den Sitz der Europäischen Investitionsbank zeichnet Sir Denys Lasdun, einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsmoderne, verantwortlich. Der Name der folgenden Haltestelle „MUDAM–Philharmonie“ ist Programm. Luxemburgs berühmtes Konzerthaus Philharmonie ist ein Meisterwerk des Architekten Christian de Portzamparc.

Futuristischer Bau: Die Philharmonie auf dem Kirchberg © - / D.Weirauch
Futuristischer Bau: Die Philharmonie auf dem Kirchberg © – / D.Weirauch

Im daneben liegenden Stadtpark „Trois Glands“, lädt das Mudam – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean zur Entdeckung zeitgenössischer Kunst ein. Der Bau stellt einen kühnen Entwurf des Stararchitekten Ieoh Ming Pei dar.

Kirchberg Luxemburg, MUDAM, Museum Blick in das Museum für Moderne Kunst (MUDAM). Architekt des Musée d’art moderne Grand-Duc Jean ist Starchitekt Ieoh Ming Pei © - / D.Weirauch

Kirchberg Luxemburg, MUDAM, Museum
Blick in das Museum für Moderne Kunst (MUDAM). Architekt des Musée d’art moderne Grand-Duc Jean ist Starchitekt Ieoh Ming Pei © – / D.Weirauch

Das daran angrenzende pädagogisch sehr spannende Festungsmuseum „Musée Dräi Eechelen“ ist in einer ehemaligen Befestigungsanlage untergebracht.

Letzter Halt der Trambahn ist „Pfaffenthal-Kirchberg“. Hier erfolgt der Einstieg in die Standseilbahn nach der Unterstadt Pfaffenthal. 40 Meter führt die Bahn in die Tiefe und zeigt wie malerisch aber auch topografisch schwierig die Lage der ehemaligen Festungsstadt ist.

Mit einem Schlag fühlt sich der Besucher in die Zeit zurückversetzt, steht mitten im Zentrum des Unesco-Weltkulturerbes.

Nach Überqueren der Alzette-Brücke erfolgt eine Fahrt in der Panoramakabine der Verbindung „Pfaffenthal-Oberstadt“. Die 71 Meter Höhenunterschiede werden in Windeseile überwunden. Die Aussicht ist atemberaubend. Die Oberstadt ist das historische Zentrum der Stadt, mit zahlreichen Museen, Luxusboutiquen und Warenhäusern.

Doch damit nicht genug, seit Herbst 2017 führt eine Seilbrücke (154 Meter) unterhalb der Adolfbrücke hindurch. Der in Luxemburger Stein von 900 bis 1903 errichtete Brückenbogen gehörte damals zu den größten weltweit. Kaum sichtbar zieht sich nun die Fahrrad- und Fußgängerbrücke unter der Brückendecke hindurch. Das zeitgenössische Bauwerk erschließt die Unesco-geschützte Festungsanlage und verleiht dem Bauwerk ein Hauch zeitgenössischer Frische. Die „neue“ Aussicht auf das Petrusstal, den Place de la Constitution und die Kathedrale ist beeindruckend.

Laut einer Umfrage des Magazins GEO ist Luxemburgs Hauptstadt die zweitentspannteste „Metropole“ der Welt: „Die Hauptstadt des kleinen Staates sticht alle anderen Städte bei der mentalen Gesundheit ihrer Einwohner. Das könnte an den vielen Grünflächen, der guten sozialen Absicherung und der geringen Bevölkerungsdichte liegen, die Luxemburg aufweist“.

Einfachraus.eu hat hier einige Sehenswürdigkeiten zu Luxemburg vorgestellt:

+ Grab des Hauptmann von Köpenick

+ Warum man Luxemburg besuchen sollte

+ Luxemburg – die Puppenstube Europas

Tipp für die Umgebung von Luxemburg: Burg Beaufort.

+ die kleine Stadt Echternach.

Weitere Informationen zur Hauptstadt von Luxemburg findet ihr hier. www.visitluxembourg.com/de/regionen/luxemburg-hauptstadt

Hier einige Tipps für einen Aufenthalt am Wochenende.

ReiseSchlösser und Burgen

Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Fürstenloge, die Ränge und die Decke Foto: Achim BunzMarkgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Fürstenloge, die Ränge und die Decke Foto: Achim Bunz

Richard Wagner und Bayreuth wäre wohl nicht zustande gekommen, wenn es nicht das Markgräfliche Opernhaus im Zentrum der Residenzstadt gegeben hätte. Obwohl das Markgräfliche Opernhaus für Wagners Zwecke zu klein war, war er von der Stadt Bayreuth begeistert und wählte  Bayreuth als Festspielort. Zur  Grundsteinlegung seines Festspielhauses auf dem Grünen Hügel dirigierte Wagner am 22. Mai 1872 Beethovens 9. Sinfonie im Markgräflichen Opernhaus. Heute ein weiterer Teil der Serie Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

Markgräfliches Opernhaus

Mittlerweile ist das Festspielhaus von Wagner berühmter als das Markgräfliche Opernhaus. Das ändert sich gerade. Denn seit  2012 gehört das unter Markgräfin Wilhelmine, einer Schwester Friedrich des Großen, errichtete Markgräfliche Opernhaus zum UNESCO-Weltkulturerbe und steht damit auf einer Stufe mit Schloss Sanssouci, dem Taj Mahal oder der Chinesischen Mauer.  Die preußische Prinzessin gilt als eine der bedeutendsten Frauengestalten im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Sie machte aus Bayreuth eine strahlende Kulturmetropole. Ihr Lieblingsprojekt und zugleich prächtigster Spielort war das Markgräfliche Opernhaus.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild Foto: Achim Bunz

Besuchermagnet

Seit April 2018 ist das Markgräfliche Opernhaus schlichtweg der Besuchermagnet in Bayreuth.  Nach sechs Jahren aufwendiger Restaurierung und Sanierung hieß es im April 2018 „Vorhang auf“ für das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth. Aus aller Welt kommen die Besucher, berichtet  Dr. Thomas Rainer von der Bayerischen Schlösserverwaltung bei unserem Besuch im Rahmen unserer Tour entlang der Burgenstraße.

Freut sich über mehr Besucher: Der Pressesprecher von Bayreuth Tourismus, Foto: Weirauch
Freut sich über mehr Besucher: Frank Nicklas, Pressesprecher von Bayreuth Tourismus, Foto: Weirauch

Festarchitektur

„Das Markgräfliche Opernhaus gilt als das besterhaltene Beispiel eines freistehenden barocken Hoftheaters.“  Vorbild waren die größten Opernhäuser der Zeit in Wien, Venedig oder Dresden. Der Zuschauerraum gehört zu den spektakulärsten Schöpfungen der europäischen Festarchitektur des Barock. Ein Opernhaus für die Hochzeit der Tochter Die Entstehungsgeschichte hört sich spannend an.Treibende Kraft hinter dem Ausnahmeprojekt war die musik- und theaterbegeisterte Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (1709-1758). Anlass der Errichtung war die 1748 mit großem Aufwand gefeierte Hochzeit ihrer einzigen Tochter, Elisabeth Friederike Sophie, mit Herzog Carl Eugen von Württemberg. Als Architekt des neuen Opernhauses wurde der führende Theaterarchitekt der Zeit, der zuvor für den Wiener Kaiserhof tätige Italiener Giuseppe Galli Bibiena verpflichtet. Die Bauaufsicht vor Ort übernahm sein Sohn Carlo Galli Bibiena, der bis zum Tod der Markgräfin zahlreiche Bühnenbildentwürfe und Festdekorationen schuf.

Logenhaus im Gebäude

Ich habe in den letzten Jahren schon verschiedene Schlosstheater besucht (u.a. im Neuen Palais in Potsdam, auf Schloss Großkochberg bei Weimar, Meiningen oder im Schloss Friedenstein in Gotha). Jedes dieser Theater ist ein Kunstwerk für sich. Das Markgräfliche Opernhaus folgt dem Typus des italienischen Logentheaters. Das aus Holz und Leinwand gefertigte, vollständig erhaltene Logenhaus ist als selbsttragende Konstruktion in die steinerne Gebäudehülle eingestellt. Von aussen sieht es relativ einfachaus, fügt sich in die Straßenfront gut ein. Dr. Rainer berichtet, dass der Innenausbau des Theaters in an heutigen Maßstäben gemessen recht kurzer Zeit erfolgte. „Mit zum Teil vorgefertigten und außerhalb der Baustelle bemalten hölzernen Architekturgliedern und gefassten Skulpturen.“ In weniger als vier Jahren Bauzeit entstand von 1744 bis 1748 dieses Meisterwerk barocker Festarchitektur.

Originale Farbigkeit

2018, bei unserem Besuch Ende Mai, konnten wir die ursprüngliche Farbigkeit des Logenhauses erleben. Mit zahlreichen illusionistischen Effekten erzeugt die barocke Malerei ein überwältigendes Raumerlebnis.

Zuschauerraum und Bühne bilden eine Einheit. Dem großen, von Säulen gerahmten Bühnenportal steht an der Rückseite des Zuschauerraums die Fürstenloge gegenüber. Wie an der Bühnenfront dient auch hier das Skulpturenensemble der Lobpreisung des Markgrafenpaares.  Das Besondere ist der Originalzustand. Lediglich der originale Bühnenvorhang fehlt. Dr. Rainer: ”  Der ursprüngliche Vorhang des Markgräflichen Opernhauses wurde nicht, wie es in einer oft erzählte Legende heißt, von Napoleon geraubt. Er ging bereits vor der Zeit der französischen Besatzung zu Grunde. Napoleon – obwohl er zweimal in Bayreuth war – hat das Markgräfliche Opernhaus wahrscheinlich nie von Innen gesehen.”

Blick zur Bühne des Markgräfliches Opernhaus Bayreuth mit neu rekonstruiertem Bühnenbild Foto: K.Weirauch
Blick zur Bühne des Markgräfliches Opernhaus Bayreuth mit neu rekonstruiertem Bühnenbild Foto: K.Weirauch

Auf eine Besonderheit macht Dr. Rainer aufmerksam: „Die Fürstenloge wurde fast nie vom Markgrafenpaar genutzt. In der Mitte der ersten Reihe standen goldene Sessel, von denen aus das Geschehen auf der Bühne aus geringerer Entfernung beobachtet werden konnte.“

Im Gespräch mit einfachraus.eu spricht Kunsthistoriker Dr. Thomas Rainer über die Bedeutung des Markgräflichen Opernhauses zu Bayreuth.

So überdauerte das Markgräfliche Opernhaus die wirren der Zeit. Experten sehen das Markgräfliche Opernhaus als einzige Spielstätte, an der die Kunstgattung “Opera seria” als Repräsentationsform des politischen Systems des Absolutismus authentisch erlebt werden kann. Übrigens ist die Akustik die gleiche, wie vor 270 Jahren. Mag es draussen noch so laut sein. Im Innern hörten wir keine Nebengeräusche. Ein genialer Bau, der zu Recht zu dem Besten, was es weltweit gibt, gehört.

Praktische Informationen Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

  • Adresse: Opernstraße 14
  • 95444 Bayreuth
  • Telefon 0921 75969-22
  • Im Internet www.bayreuth-wilhelmine.de
  • geöffnet:
  • April-September: 9-18 Uhr
  • Oktober-März: 10-16 Uhr
  • täglich geöffnet
  • Eintrittspreise 2018
  • 8,- Euro regulär
  • 7,- Euro ermäßigt
  • Kombikarte
  • (Neues Schloss/ Markgräfliches Opernhaus)
  • 12,- Euro regulär
  • 10,- Euro ermäßigt

Museumsshop: www.kulturgut.de

nächstgelegene Bushaltestelle: Luitpoldplatz

Parkmöglichkeiten: Parkmöglichkeiten rund um die Bayreuther Innenstadt zu finden unter www.bayreuth.de.

Tipp:

Das Markgräfliche Opernhaus ist Teil der  “Europastraße Historische Theater”

Hier weitere Sehenswürdigkeiten in Bayreuth, wie dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel.

Hier geht es zur Seite von Frankentourismus.

Reise

Panoramafahrt auf UNESCO Welterbestrecke

08_Glacier Express_Rheinschlucht -® Rh+ñtische BahnDer Glacier Express passiert die Rheinschlucht ® Rhätische Bahn

Im neuen Jahr erweitert die Rhätische Bahn ihr Portfolio um eine außergewöhnliche Tagesfahrt. Auf der Gotthard-Bernina-Rundreise erleben Fahrgäste seit dem 15. Februar 2018 eine atemberaubende Panoramafahrt. Sie verläuft entlang der schönsten Streckenabschnitte, die das Schweizer Schienennetz zu bieten hat. Hier die Informationen zur Panoramafahrt auf der UNESCO Welterbestrecke

Nach der Abfahrt in Zürich führt die eintägige Rundreise vorbei am Vierwaldstättersee durch den Gotthard-Basistunnel. Auf einer Strecke von 57 Kilometern von Erstfeld nach Bodio ist der längste Eisenbahntunnel der Welt die schnellste Verbindung in den mediterranen Süden. Der nächste Halt ist Lugano im italienischen Kanton Tessin. Dort steigen die Fahrgäste in den komfortablen Bernina Express Bus um, der sie bis nach Tirano bringt. Die sonnige Piazza der Stadt lädt zu einer entspannten Mittagspause ein, bevor es mit dem Bernina Express nach Chur geht.

Höchstgelegene Bahnstation

Im weiteren Streckenverlauf, den die UNESCO im Jahr 2008 zum Welterbe ernannte, schlängelt sich der Zug durch die eindrucksvolle Gebirgswelt von Albula und Bernina. Während der spektakulären Alpenüberquerung genießen Fahrgäste dank der großen Panoramafenster uneingeschränkte Sicht auf die Schweizer Alpen. Vorbei an tiefen Schluchten passiert der Bernina Express das Valposchiavo. Auf 2.253 Metern Höhe erreicht er schließlich Ospizio Bernina, die höchstgelegene Bahnstation im Netz der Rhätischen Bahn.

Silvesterrundfahrt ® Rhätische Bahn
Silvesterrundfahrt ® Rhätische Bahn

Steigung von 70 Prozent

Auf dem Weg nach oben erwartet die Reisenden bei Brusio der brückenbautechnische Höhepunkt der Berninalinie: Auf der Fahrt über das sich um 360 Grad windende Kreisviadukt meistert der Zug die Steigung von 70 Prozent. Durch das malerische Albulatal geht es weiter zum nächsten Highlight der Rundreise, dem 136 Meter langen Landwasserviadukt bei Filisur. Er mündet direkt in einen Bergtunnel und ist das weltweit bekannte Wahrzeichen der Rhätischen Bahn.

In Chur angekommen, steigen die Fahrgäste in den Erste-Klasse-Panoramawagen der Schweizerischen Bundesbahnen um. Reisende mit Fahrkarten der zweiten Klasse erhalten auf diesem Teil der Strecke ein Upgrade in die erste Klasse. Mit Blick auf den Walen- und Zürichsee läuft der Zug am Ende der Rundreise wieder im Startbahnhof Zürich ein.

Die eintägige Gotthard-Bernina-Rundreise ist bereits ab 83 Franken vom 15. Februar 2018 bis zum 25. November 2018 zu folgenden Zeiten buchbar:

  • –         15.02.2018 – 01.04.2018: Donnerstag bis Sonntag
  • –         02.04.2018 – 28.10.2018: täglich
  • –         01.11.2018 – 25.11.2018: Donnerstag bis Sonntag

Tipp: Reisende, die zwei oder mehr Tage zur Verfügung haben, kombinieren die Gotthard-Bernina-Rundreise mit dem Gotthard Panorama Express. Neben einer Schifffahrt mit einem Dampf- oder Motorschiff über den Vierwaldstättersee erwartet sie eine zusätzliche Panoramafahrt. Die mehrtägige Erlebnisreise ist vom 21. April 2018 bis zum 14. Oktober 2018 jeweils von Dienstag bis Sonntag buchbar.

Über die Rhätische Bahn:

Mit ihren traditionsreichen Gebirgsstrecken bietet die Rhätische Bahn bereits seit 1889 eine Reihe von außergewöhnlichen Bahnerlebnissen in der schweizerischen Region Graubünden. Der Betrieb startete anfänglich mit einer Strecke von Landquart bis Klosters und umfasst heute ein insgesamt 384 Kilometer langes Bahnnetz inmitten des Hochgebirges – ein Teil der Linien zählt seit 2008 zum UNESCO-Welterbe. Mit dem Bernina Express und dem Glacier Express verfügt die Rhätische Bahn über Marken, die weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt sind. Informationen und Buchung unter www.rhb.ch.

Hier weitere Beiträge und Informationen zur Rhätischen Bahn.

 

 

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