Thüringen

Schlösser und Burgen

Wartburg: Wo Martin Luther das Neue Testament übersetzte

Wartburg (13)Die Wartburg - Essenz deutscher Geschichte, Foto: D.Weirauch

Vor allem mit dem Namen Martin Luther ist die Wartburg verbunden. Doch sie ist weitaus mehr. Die Wartburg ist nicht nur eine mittelalterliche Burg schlechthin, sondern Zeuge deutscher Geschichte und zählt seit 1999 zum UNESCO Welterbe. Die über 900 jährige weltbekannte Wartburg thront von weitem sichtbar über der Stadt Eisenach. Der Sage nach soll Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Gründung der Wartburg mit den folgenden Worten verkündet haben: „Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!“

Aufgang zur Wartburg in Eisenach
Aufgang zur Wartburg in Eisenach

Wo ist der Tintenfleck ?

Um 1200 gehörte sie zu den Zentren der höfischen Kultur. Das Museum der Festung erzählt über die höfische Kunst des Mittelalters, das Leben und Wirken der heiligen Elisabeth, Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, das Fest der deutschen Burschenschaften und Richard Wagners romantische Oper „Tannhäuser“.

Innenhof der Wartburg,foto: D.Weirauch
Innenhof der Wartburg

Die Stube in der Burgvogtei, der authentische Wohn- und Arbeitsraum des Reformators Martin Luthers von Mai 1521 bis März des Folgejahres ist seit Jahrhunderten Ziel unzähliger „Pilger“. Mit jährlich 350.000 Besuchern ist die Wartburg in Eisenach heute die meistbesuchte Lutherstätte weltweit.
Ein knappes Jahr lang schützten ihre dicken Mauern den Reformator Martin Luther, als er nach dem Wormser Reichstag (1521), geächtet und unter Kirchenbann stehend, das Neue Testament ins Deutsche übertrug. Damit legte er das Fundament für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Die Lutherstube ist seit Jahrhunderten Ziel unzähliger Pilger aus der ganzen Welt.

Der Raum gilt als Geburtsstätte der Lutherbibel und unserer modernen Sprache. Natürlich ranken sich auch Legenden um die Wartburg, wie wir bei einer Führung erfahren.

Hier übersetzte Luther das Neue Testament, Foto: D.Weirauch
Hier übersetzte Luther die Bibel,  Foto: D.Weirauch

Martin Luther, der als Junker Jörg getarnt auf der Wartburg lebte, soll, als er sich zum Übersetzen der Bibel auf der Wartburg aufhielt, eines Nachts vom Teufel belästigt worden sein und mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben. Ein Tintenfleck soll an der Wand entstanden sein. Vergangene Generationen wollen den Fleck noch gesehen haben. „Ob dieser Tintenfleck, der heute fehlt, wirklich aus der Zeit von Martin Luther stammte, darf bezweifelt werden, da anzunehmen ist, dass der Fleck später oft nachgebessert wurde“, so der Wartburgguide.

Museum der Wartburg

Auf die Wartburg gelangt man von Eisenach entweder zu Fuß oder mit dem Auto. Die restlichen 400 Meter vom Besucherparkplatz aus muß man allerdings laufen, kann aber auch ein Shuttle nutzen. Der Rundgang beginnt im Hauptgebäude der mittelalterlichen Burg, dem Palas.

Wartburg (12)

Der Palas wurde zwischen 1155 und 1180 erbaut und gehört zu den besterhaltenen Profanbauten der Spätromanik diesseits der Alpen und ganz sicher zu den schönsten. Wehrhaftigkeit nach außen hin, offene Arkadengänge nach der Hofseite, ursprünglich etwa 200 Säulen mit meisterhaften Kapitellen und reicher bauplastischer Schmuck entsprachen dem landesherrschaftlichen Anspruch, Macht und Stellung im Reich zu zeigen.

Schätze aus mittelalterlicher Zeit, wie ein gotisches Aquamanile oder ein reich geschmücktes Reliquienkästchen erwarten den Besucher ebenso wie der einzigartige Dürerschrank, weltberühmte Werke Lucas Cranachs d. Ä. oder die Bestecksammlung des Freiherrn Gottfried von und zu Egloffstein.

Sprichworte aus Luthers Feder
Sprichworte aus Luthers Feder

Mehrmals im Jahr laden Sonderausstellungen auf die Wartburg ein. Das Museum der Wartburg befindet sich vor allem in den Räumen der Neuen Kemenate und der sogenannten Dirnitz. Von dort gelangt der Besucher über einen mittelalterlichen Wehrgang in die Vogtei, in der die berühmte Lutherstube zu besichtigen ist. Vorsicht: im davorliegenden Wehrgang sollten große Leute den Kopf einziehen.

Heilige Elisabeth

Ausführlich wird auch über die ungarische Königstochter Elisabeth, Frau (seit 1227 als Witwe) des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen, berichtet, die auf der Wartburg, lebte. Als ihr Gemahl bei einem Kreuzzug ums Leben kam, widmete sich Elisabeth ganz einem Leben in Armut und im Dienst an den Armen und Kranken. Im Jahr 1906 wurde ein mittelalterliches Gewölbe im Palas der Wartburg als Geschenk Kaiser Wilhelm II. neu gestaltet und trägt seitdem den Namen Elisabeth-Kemenate. Der Raum ist vollständig mit Glasmosaiksteinchen besetzt, die Szenen aufs dem Leben der Heiligen Elisabeth darstellen.

Eindrucksvoller Konzertsaal

Die Wartburg zählt zu den bekanntesten Konzertsälen Thüringens, wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat die Akustik des Gebäudes, sie ist auch das Werk von Franz Liszt, der im Auftrag des Weimarer Herzoghauses sein musikalisches Können und Fachwissen bei der Ausgestaltung des Festsaales beim Ausbau des Palas zum Konzertsaal einbrachte.

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Richard Wagner Wartburg

Die Wartburg – seit 1999 UNESCO Welterbe – verdankt ihre weltweite Bedeutung nicht nur Martin Luther und der heiligen Elisabeth sondern auch Richard Wagner und seiner großen romantischen Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“. Denn die als „Wartburgkrieg“ betitelte Dichtung vom Wettstreit berühmter Sänger am Hof des Thüringer Landgrafen Hermann fand Eingang in mittelalterliche Liederhandschriften und Chroniken, erlebte aber ihre Renaissance noch einmal in der Romantik.

Der Sängerkrieg auf der Wartburg, Fresko von Moritz von Schwindt im Palas der Wartburg
Der Sängerkrieg auf der Wartburg, Fresko von Moritz von Schwindt im Palas der Wartburg

Die weitaus größte Wirkung der zu dieser Zeit entstandenen Werke erzielte dabei unumstritten Richard Wagners Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“, von deren Siegeszug auch die Veste über Eisenach profitiert hat.

Vier Begegnungen Richard Wagners mit der Wartburg sind nachweisbar, wobei die erste im April 1842 von ihm selbst als „symbolischer Vorgang“ empfunden wurde – „so dünkte es mich eine weissagungsvolle Beziehung, daß ich die so geschicht- und mythenreiche Wartburg zum ersten Mal leibhaftig vor mir sah…“ . Der Eindruck der Wartburg, die Wagner „ungemein warm“ anregte und die Gegebenheiten der Landschaft prägten sich ihm sofort als wirkungsvolle Szenerie für seinen „Tannhäuser“ ein. Und heute gibt es wohl kaum einen stimmungsvolleren Ort, um Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ zu erleben, als den Originalschauplatz.

Die Wartburg - Essenz deutscher Geschichte, Foto: D.Weirauch
Die Wartburg – Essenz deutscher Geschichte, Foto: D.Weirauch

In den Jahren 1912 bis 1914 entstand nach einem Entwurf des Architekten Bodo Ebhardt der Wartburg-Gasthof. Daran schließt sich das heutige Wartburghotel an. Ludwig II. von Bayern nahm übrigens die Wartburg als Vorbild für sein im Allgäu gelegenes Schloss Neuschwanstein. Das Schloss und die Burg ähneln sich nicht nur aus einigen Blickwinkeln in der Silhouette, auch der Festsaal wurde für das Schloss des bayerischen Königs nachgeahmt. Immer, wenn ich die Wartburg besuche, auch im Winter (dann ist es recht ruhig in den Räumlichkeiten), dann steige ich auf die Aussichtsplattform des Bergfriedes, von dem sich ein weiter Blick über den Thüringer Wald und hinab nach Eisenach.

Blick von der Wartburg auf das Burschenschaftsdenkmal, Foto: D.Weirauch
Blick von der Wartburg auf das Burschenschaftsdenkmal, Foto: D.Weirauch
  • Infos zur Wartburg
  • Geöffnet: | täglich Nov. bis März: 9 – 15.30 Uhr, Schließung des Burgtores: 17 UhrGeöffnet: | April-Okt. 8.30 bis 17 Uhr (letzte Führung 17 Uhr, Schließung des Burgtores 20Eintritt: | Erwachsene 9 Euro, Ermäßigung 7 bzw. 5 EuroTelefon: | 03691/2500
  • Internet: | www.wartburg.de
  • Thüringeninfo: | www.thueringen-tourismus.de
  • Stadtinfo: | https://www.eisenach.de
Reise

Weimars Buchtempel: Anna-Amalia-Bibliothek

Der Besuch in der berühmten Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar hat etwas Erhabenes. Neben der Klosterbibliothek des Benediktinerstiftes Admont sowie der Klosterbibliothek von St. Gallen gehört sie zu den berühmtesten Büchertempeln. Weimars Buchtempel: Anna-Amalia-Bibliothek

Pantheon deutscher Klassik in Weimar

Bereits seit dem 18. Jahrhundert hatte die Bibliothek einen einzigartigen Ruf in Europa. Den Ruhm verdankt sie ihren fürstlichen Förderern Wilhelm Ernst, Anna Amalia und Carl August ebenso wie ihren Bibliothekaren. Der bedeutendste war wohl Johann Wolfgang von Goethe. Er stand von 1797 bis 1832 der Bibliothek vor. Goethe gab der Bibliothek einem moderne Ordnung, sorgte für den systematischen Ausbau der Bestände und schuf damit Grundlagen für den Aufschwung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. An den Wänden hängen bekannte Gemälde, auf Konsolen stehen die Büsten derjenigen, die das klassische Weimar prägten. 2004 zerstörte ein Feuer große Teile des Gebäudes

Weimars Buchtempel: Anna-Amalia-Bibliothek

Durch den verheerenden Brand vom 2. September 2004 ist die Herzogin Anna Amalia Bibliothek Bibliothek ins allgemeine Bewusstsein gerückt. Ursache für den furchtbaren Brand war eine defekte Elektrokabelverbindung. Der Brand hat das Bibliotheksgebäude, das Grüne Schloss mit dem Rokokosaal stark in Mitleidenschaft gezogen und zur Vernichtung von 35 Kunstwerken und 50.000 Büchern einschließlich vieler Musikalien geführt sowie weitere 62.000 Bände zum Teil schwer beschädigt. Ganz Deutschland spendete für die Restaurierung. Die zahlreichen Spenden flossen vor allem in den Wiederaufbau des Buchbestandes.

Bereits Wiedereröffnung nach drei Jahren

Am 24. Oktober 2007, dem Geburtstag ihrer Namenspatronin, wurde das Historische Gebäude der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wieder eröffnet. Die völlig verbrannte 2. Galerie des Rokokosaals wurde nicht in der alten Form rekonstruiert, sondern als Sonderlesesaal umgebaut. An diesem Ort können Handschriften, Inkunabeln, Musikalien, Landkarten, Globen sowie Teile der Sondersammlungen, die besondere Benutzungsbedingungen verlangen, studiert werden.

Herzstück der Bibliothek in Weimar

Der berühmte Rokokosaal kann jeden Tag von maximal 290 Personen besucht werden. Deshalb ist eine Anmeldung erforderlich. Um möglichst vielen Gästen einen individuellen Besuch zu ermöglichen, steht der größte Teil der Besichtigungszeit Einzelbesuchern zur Verfügung. Diese erhalten mit ihrer Eintrittskarte einen Audioguide. Bevor man in den Rokokosaal gelangt, werden in einigen Räumen umfangreiche Informationen zur Geschichte der Bibliothek, ihrer Förderer und zum Brand sowie Wiederaufbau vermittelt.

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte mit Schwerpunkt auf der deutschen Literatur der Zeit um 1800. Sie bewahrt literarische Zeugnisse vom 9. bis zum 21. Jahrhundert als Quellen der Kulturgeschichte und der Forschung auf. Das historische Bibliotheksgebäude gehört seit 1998 zusammen mit anderen Weimarer Stätten der deutschen Klassik, wie Goethes Wohnhaus zum Weltkulturerbe der Unesco. Zum Welterbe gehören neben demWohnhaus von Goethe am Frauenplan außerdem Schillers Wohnhaus, die Herderstätten (Stadtkirche, Herderhaus und Altes Gymnasium), das Stadtschloss, das Wittumspalais, der Park an der Ilm (mit Römischem Haus, Goethes Garten und Gartenhaus), der Schlosspark Belvedere mit Schloss und Orangerie, Schloss und Schlosspark Ettersburg, Schloss und Schlosspark Tiefurt sowie die Fürstengruft mit dem Historischen Friedhof.

Die Recherche in Weimar wurde unterstützt von der Thüringer Tourismus GmbH und Weimar Tourismus.

Hier finden Sie weitere Tipps zu Reisen in Thüringen.

  • Kartenbestellung: | Tel: 03643-5454-01 oder -02
  • E-Mail: | tourist-info@weimar.de oder info@klassik-stiftung.de
  • Info:| www.klassik-stiftung.de
  • geöffnet: | tgl., ausser Montag, von 9.30 – 14.30 Uhr
  • Weimarinfo: | https://www.weimar.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/
  • Buchtipp: | Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek nach dem Brand in neuem Glanz, Otto Meissners Verlag

 

Schlösser und Burgen

Deutsches Burgenmuseum in Thüringen

Burgen strahlen eine unglaubliche Faszination aus. Ob Ruine oder bewohnte Anlage: Mehr als 25.000 Burgen existieren noch heute in den deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas. Doch kaum jemand weiß, was eine Burg tatsächlich ausmacht. Deutsches Burgenmuseum in Thüringen. In den vergangenen Monaten habe ich hier immer wieder mal eine meiner Lieblingsburgen, wie die Burg Falkenstein im Harz, auf dem Portal einfachraus.eu  vorgestellt. Auch entlang der Burgenstraße habe ich zahlreiche sehenswerte Burgen entdeckt. Vorgestellt habe ich die Burg Altena im Sauerland. Aber wo kann man mehr über Burgen in ihrer Gedamtheit erfahren, lautete meist die Frage.

Das ist ab 8. September auf der Burg Heldburg in Thüringen

Veste Heldburg aus der Luft, Foto: Nürnberger Versicherung
Veste Heldburg aus der Luft, Foto: Nürnberger Versicherung

möglich. Dort im südlichsten Zipfel von Thüringen eröffnet Deutsche Burgemuseum.

ReiseSchlösser und Burgen

Treffurt – idyllischeFachwerkstadt an der Werra

Treffurt (35)

Treffurt im nordwestlichen Wartburg-Kreis, dicht an der Grenze zu Hessen gelegen, gehört zu den kleinen Orten, die nach 1989 aufgeblüht sind. Ein Kurzurlaub dorthin lohnt sich in jeder Jahreszeit. Bis nach Eschwege in Hessen sind es nur wenige Kilometer. Auch Mühlhausen und den Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich kann man in einer halben Stunde mit dem Auto erreichen.

Der Normannstein thront über Treffurt

Von Eisenach kommend, wo die Creuzburg (die Stätte des bekannten Rosenwunders der Heiligen Elisabeth) über dem gleichnamigen Fachwerkstädtchen in der Nähe von Eisenach thront, führt eine Radroute durch den malerischen, etwa 20 Kilometer langen Durchbruch der Werra, den der Fluss einst in die Kalksteinfelsen grub. Von weitem weist die imposante Burg Normannstein den Weg nach Treffurt. Der Name der Fachwerkstadt leitet sich übrigens ab von Dreifurt bzw. Treyfurt. Die mittelalterliche, überwiegend romanische Burganlage wurde ab dem 9. Jahrhundert als Warte zum Schutz der drei Werrafurten erbaut. Im großen Viereckturm der Burg Normannstein lohnt ein Besuch der Ausstellung Werraburgen, die von April – Oktober täglich geöffnet ist. Auf der Burg laden eine liebevoll geführte Ausflugsgaststätte und Ferienwohnungen ein.

Bis 1989 im Grenzgebiet

Heute ist unvorstellbar, dass der schmucke Ort bis 1990 nur mit lange vorher beantragtem Passierschein betreten werden konnte, zwei Kilometer waren es bis zum nächsten Dorf in Hessen. Treffurt lag in der fünf Kilometer breiten Sperrzone des DDR-Grenzregimes. An die Grenze erinnern im Westschiff der St. Bonifatius-Kirche die vom Erfurter Metallkünstler Helmut Griese aus Streckmetall und Stacheldraht der ehemaligen Grenzbefestigungsanlagen angefertigten eindrucksvollen Metallbilder. Der am Rande des Ortes gelegene Kirschenhain durfte mehr als 30 Jahre von den Besitzern nur unter Aufsicht von schwerbewaffneten Grenzsoldaten betreten werden. An den ehemaligen Grenzverlauf zwischen Großburschla, Treffurt und Wendehausen erinnert der Heimatverein Wendehausen auf dem einstigen Führungsturm „Katharinenberg“. Gleich daneben wurde eine sogenannte „Agentenschleuse“ rekonstruiert. Im nahen Ort Ifta erinnert eindrucksvoll ein riesiges Baumkreuz aus Eschen und Linden an die Zeit der deutsch-deutschen Teilung. Seit 1990 entsteht zwischen dem thüringischen Ifta und dem hessischen Nachbarort Netra eine Allee entlang der B 7 als Zeichen des Friedens. Jedes Jahr werden im November von Mitgliedern des BUND neue Bäume gepflanzt.

Werralauf und Werra-Radweg

Treffurt ist auch bekannt durch den traditionellen Werralauf: Einmal jährlich treffen sich Sportbegeisterte aus ganz Deutschland zum Lauf für ein sauberes Werratal. Bürgerinitiativen fordern seit Jahren, dass die von der Kali GmbH K + S in die Werra eingeleiteten Salzabwasser aus der Kaliproduktion deutlich vermindert werden, damit in der Werra wieder Fische leben können.

Touristisch erschlossen wird Treffurt durch die Deutsche Fachwerkstraße, den Werra-Radweg und den Barbarossa-Weg. Ein Spaziergang durch den Ort bietet viele Überraschungen. Am Markt steht das Renaissance-Rathaus, erbaut um 1550. Neben dem mächtigen Fachwerkturm über dem doppelten Treppenaufgang verschwinden die Seitenflügel des Gebäudes fast.

Ohrfeigenhaus

Vom Marktplatz geht es bei einem Spaziergang die Rathausstraße hinauf zum 1608 erbauten „Ohrfeigenhaus“ gegenüber der Touristeninformation. Seinen Namen hat es von folgender Begebenheit: Der Amtmann Bley hatte bei seinem fürstlichen Vorgesetzten angefragt, ob er sich im städtischen Wald ein paar Bäume zum Bau eines bescheidenen Häuschens schlagen dürfe. Er bekam die Genehmigung, baute aber ein großes Haus. Als sein Vorgesetzter zu Besuch nach Treffurt kam und den Protzbau sah, soll er dem Amtmann wegen seiner Lüge eine schallende Ohrfeige verpasst haben.

Zigarren namens Jägerstolz und Sprachlos

In der Gründerzeit, als Treffurt einen Bahnanschluss bekam, blühte die Industrie auf. Selbst Zigarren wurden hergestellt. Das ursprüngliche Fabrikgebäude in der Nähe des Marktes, in dem bis zur Wende produziert wurde, beherbergt heute das Bürgerhaus. Die zu DDR-Zeiten in Treffurt hergestellten Zigarren hießen Jägerstolz, Hansagold oder Sprachlos. Die Sprachlos-Zigarren genossen zu DDR-Zeiten keinen guten Ruf, was Anlass zu Wortspielen gab. Auch heute noch werden in Treffurt, in einem am Rande des Ortes gelegenen Betrieb, Zigarren hergestellt, vom Dannemann-Konzern.

Treffurt hat von der Wende profitiert

Vom Bürgerhaus läuft man weiter in westliche Richtung zum Trott’schen Hof. In dem direkt an der Stadtmauer stehenden schmucken Gebäude befindet sich der Kindergarten. „Treffurt hat von der Wende profitiert. Es gehen schon viele junge Leute weg, aber die Stadt versucht, ihren Teil dazu beizutragen, junge Familien zu fördern“, sagt der Bürgermeister Michael Reinz. Aus einem Ort im Grenzgebiet am Ende der Welt wurde ein lebendiges Städtchen im Herzen des vereinigten Deutschland.

Geburtsort von Egon Bahr

Beim Rundgang durch seinen Heimatort zeigt Reinz auch das Geburtshaus des SPD-Politikers Egon Bahr. Der „politische Weichensteller“ der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde 1922 in Treffurt geboren. Sein Vater war ein beliebter Lehrer, in seiner Zeit auch Vorsitzender des Männerchores „Liedertafel“. Auch für den in Treffurt lebenenden Unternehmer Günter Oßwald ist Egon Bahr so etwas wie ein Vorbild. Schmiedemeister Oßwald  (www.federn-osswald.de) erinnert sich gern an die Besuche des Politikers nach 1990 in Treffurt. Im Sommer 2004 wurde die Geburtsstraße Bahrs am Rande des Städtchens nach Egon Bahr benannt.

Die Recherche in Hessen und Thüringen wurde unterstützt von der Thüringer Tourismus GmbH und der Hessen Agentur.

Informationen zu Treffurt

  • Anfahrt über A 38 bis Abfahrt Mühlhausen
    Infos: Touristinformation Treffurt, Puschkinstraße 3, 99830 Treffurt
    Tel. 036923 51541
    www.treffurt.de
    Burg Normannstein: www.normannstein.de

 

Reise

Unterwegs auf dem Lutherweg in Thüringen

Lutherweg-P1900771Unterwegs auf dem Lutherweg, Foto: d.Weirauch

2017 ist Lutherjahr. 500 Jahre Reformation. In Thüringen, in Sachsen, In Hessen, auch im Land Brandenburg wurden in den letzten Jahren sogenannte Lutherwege ausgewiesen.

Hier übersetzte Luther das Neue Testament, Foto: D.Weirauch
Hier übersetzte Luther das Neue Testament, Foto: D.Weirauch

Ich bin schon einmal den Lutherweg in Thüringen gewandert. In einzelnen Etappen. Die schönsten Stationen stelle ich hier vor.

„Gehen, schauen, beten, zur Ruhe kommen“

Reise

Theaterstadt Meiningen

„Es gibt viele Meinungen – aber nur ein Meiningen.“

so soll  Richard Wagner von der thüringischen Stadt geschwärmt haben.

Was für ein Theater es dort gibt, haben wir erlebt. Nicht nur der Bau in der „Theaterstadt Meiningen“ macht von sich Reden. Auch der „Inhalt“. Grandios.

Hier einige Fotos. Die Reise ins Thüringische lohnt. Eine tolle Stadt zudem.

Mein Tipp:  Nicht nur zur Wartburg und nach Eisenach pilgern, wenige Kilometer weiter: die Überraschung. Und wie immer, wenn wir in thüringischen Landen unterwegs sind: freundliche Gastgeber, eine grundsolide Küche und mit der Bratwurstapp immer den leckeren Thüringer Bratwurststand in der nähe.

Wir haben gesehen: „Abai“. Eine Oper , die eigentlich auch in Berlin gezeigt werden müsste.

 

Die Oper „Abai“ erzählt die Geschichte des jungen kasachischen Liebespaars Ajdar und Azar, das unter den rigiden muslimischen Moralvorstellungen seiner Heimat zu leiden hat – und die Geschichte des berühmten Dichters Abai, der die beiden zu schützen versucht. Ajdar und Azar werden wegen ihrer verbotenen Liebe an den Pranger gestellt. Abai kann in letzter Sekunde eine Lynchjustiz verhindern und fordert einen fairen Prozess für das Paar, das schließlich freigesprochen wird und heiraten darf. Abai hat sich mit seinen Bemühungen um eine moderne und aufgeklärte Weltsicht allerdings viele Feinde gemacht – und bei der Hochzeitsfeier verüben Verschwörer auf ihn einen Anschlag, der ein Menschleben fordert.

 

Der Name Abai hat für die Kasachen  eine ähnliche Bedeutung wie Johann Wolfgang von Goethe für die Deutschen. Er war Dichter, Philosoph, Komponist, Aufklärer und eine bedeutende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.

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