Salento

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Besuch im Salento in Apulien: rund um Melendugno

Apulien Melendugno

Der Tag des Heiligen Josef wird einmal im Jahr in Giurdignano bei Otranto gefeiert. Darüber habe ich hier berichtet. Aber es gibt so viele andere Sehenswürdigkeiten in seiner Umgebung zu sehen, dass es lohnt, von hier aus auf Entdeckungsreise zu gehen.

Ich liebe das Meer. Sylt zum Fasten, Rügen zum Kreidefelsen anschauen, Wangerooge, um mit Inga dem Wattwurm auf die Spur zu kommen, Heiligendamm, um mit dem Rad nach Kühlungsborn zu fahren und eine Tour mit der Dampflock zu unternehmen. Und nun Melendugno – nur wenige Kilometer von Giurdignano entfernt und schon ist man wohl an den schönsten Orten der Adria.

Hier das blaue Meer mit dem kristallklaren Wasser, Sonne, Segelschiffe, deren Segel der Wind fast auf die Wasseroberfläche drückt. Auch hier verschmilzt das Meer mit dem Horizont. Ich spüre die Unendlichkeit, von der ich nicht genug bekommen kann. Wieder Orte im Salento, die mich nicht loslassen werden.

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Die Top Five in Apulien

Apulien - Melendugno (158)

Ganz unten im Absatz des Stiefel von Italien liegt Apulien, auch Salento genannt. Dort führte uns die Reise im April 2019 hin. Überall gibt es heute viel authentisches Italien-Flair.  Apulien ist uraltes Kulturland. Es hat eine reiche Geschichte: Von Illyrern und Griechen besiedelt, von den Römern, Byzantinern und Normannen erobert, wurde der Salento im Mittelalter unter den Staufern zur Kulturbrücke zwischen Abend- und Morgenland. Die originellen Trulli, die normannischen Dome und die Kastelle der Staufer sind dafür beeindruckende Zeugnisse. Und man kann in kurzer Zeit zwischen den traumhaften Küsten des Adriatischen und den Ionischen Meeres hin- und herreisen.

Hier nun unsere top Five für Apulien:

Historiker und Stadtführer Francesco erläutert die Sehenswürdigkeiten von Melendungo Foto: Weirauch
Historiker und Stadtführer Francesco erläutert die Sehenswürdigkeiten von Melendungo Foto: Weirauch

Es gibt eine Menge zu sehen. Aber womit anfangen ?

Melendugno, Caprarica de Lecce, Ceglie Messapi, die bezaubernde Stadt Castro oder auch der Freizeitpark Kalos und das Archeodrome des Salento. Der Absatz des italienischen Stiefels entpuppt sich als aufregende und aufstrebende Region rund um die mondäne Barockmetropole Lecce. Natur- wie Kulturliebhaber kommen im Salento, der Heimat der Tarantella-Musik, zu jeder Jahreszeit auf ihre Kosten. In Apulien heißt der Tanz übrigens Pizzica. Der Name stammt vom italienischen Wort „pizzicare“ ab, das „stechen“ oder „beißen“ bedeutet. Von den fünf kleinen Orten der Gemeine Melendugno liegt die Küste stets in bequemer Reichweite. Besuchen sollte man auch die Provinzhauptstadt Lecce sowie Otranto, Ostuni und Gallipoli. Dafür reichen vier Tage dann nicht. Wir fahren wieder einmal dorthin.

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Apulien für Insider: Ostuni und Polignano a Mare

Ostuni (65)

Wie ein Traum aus Tausend-und-einer-Nacht wirkt die von grünen Olivenhainen umgebene Stadt Ostuni, die sich auf drei Hügeln aus der Ebene erhebt. Weiße Terrassenhäuser mit Innenhöfen steile Treppen und enge Gassen, die sich den Berg hinauf winden, prägen die Altstadt. Mittendrin begeistert die spätgotische Kathedrale (15. Jahrhundert) Santa Maria Assunta mit ihrer geschwungenen Fassade, die eine 24-strahlige Fensterrose ziert. Exquisite Eleganz zeichnet auch die Loggia des nahen Bischofspalastes Palazzo Vescoville (18. Jahrhundert) aus.

Ostuni (65)

Wer das erste Mal in Ostuni ist, wird es vielleicht ähnlich schwer haben wie wir, unser Quartier zu finden. Nahe am Markt gelegen, dennoch schwer zu finden. Das auf und ab in den kleinen Gässchen wird nach einer gewissen Zeit immer schwieriger, noch dazu, wenn das Gepäck dabei ist. Nachfragen in Geschäften oder bei einer Männergruppe in den belebten Straßen, führten uns auch nicht zum Ziel. Bis wir auf einen jungen Mann stießen, der uns mittels Handy zum Ziel führte. Wir hatten zwar google Maps installiert, aber irgendwie klappte es dann nicht. Er kannte sich aus. Des Rätsels Lösung: die Hausnummern waren entgegengesetzt nach geraden und ungeraden Zahlen angegeben.Wir bedankten uns mit einer Weinflasche und waren total überrascht, als sich herausstellte, dass wir den besten Weinkenner der Stadt vor uns hatten. Er lud uns für den Abend in seine Bar  ein. Schöner kann ein erlebnisreicher Tag nicht beendet werden.

Polignac Apulien

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Apulien in Berlin: Sonniges Salento

ApulienKunstwerk der Natur: Felsentor im Salento

Die Präsentation der Sehenswürdigkeiten des Salento gehörte zu den Höhepunkten meines Besuches auf der ITB in Berlin 2019. Neben  vielen Gesprächen auf der Internationalen Tourismusbörse auf dem Messegelände bildete der traditionelle Apulien-Abend im „Antillo“ in Berlin-Kreuzberg ein besonderes Erlebnis. Zum einen traf ich dort viele Apulienfans unter meinen Journalisten- und Blogger-Kollegen, zum anderen – und das war das Wichtigste – erfuhr ich jede Menge Neues über diesen schönen Landstrich im Süden von Apulien. Schwerpunkt waren an diesem Abend im vollbesetzten Antillo die Orte Otranto, Melendungno und Gallipoli. Initiiert wurde die Präsentation von der engagierten Carmen Mancarella, Chefredakteurin der Zeitschrift für Tourismus und Kultur des Mittelmeers “Spiagge” (www.mediterraneantourism.it).  Sie gilt mittlerweile als Botschafterin Apuliens. Die Veranstaltung fand zum fünften Mal in Berlin statt.

Carmen Mancarella präsentiert Köstlichkeiten ihrer Heimat
Carmen Mancarella präsentiert Köstlichkeiten ihrer Heimat
17 Hektar bewirtschaftet das Weingut Cantina Petrelli, Foto: Kärstin Weirauch
17 Hektar bewirtschaftet das Weingut Cantina Petrelli, Foto: Kärstin Weirauch
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Besuch in Matera – Kulturhauptstadt 2019

Matera (51)

Provinz Matera

Die Provinz Matera ist uns vor allem durch das Buch von Carlo Levi „Christus kam nur bis Eboli“ und dessen Verfilmung (1978) von Francesco Rosi bekannt geworden. Durch die Ernennung ihrer gleichnamigen Hauptstadt zur Kulturhauptstadt Europa 2019 genießt sie gerade große internationale Aufmerksamkeit. Aber Matera genoss schon vor der Ernennung zur Kulturhauptstadt internationale Anziehungskraft. Nicht nur seine literarische Bekanntheit, sondern auch die kunsthistorisch spektakulären frühchristlichen Fresken in mehr als 150 Felsenkirchen, die sich auf das Stadtzentrum und einen weitläufigen Kultur- und Naturpark befinden, ziehen zu allen Jahreszeiten Touristen an.

Größte Touristenattraktion der europäischen Kulturhauptstadt 2019 ist das Stadtviertel Sassi, das nicht zuletzt wegen seiner von uralten Fresken erleuchteten Grottenkirchen seit 1993 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht.

Der Dom von Matera thront über der Höhlenstadt, Foto: Weirauch
Der Dom von Matera thront über der Höhlenstadt, Foto: Weirauch

Der imposante Dom steht auf einem Felsen und markiert etwa die Grenze zwischen dem Sasso Barisano im Nord- und dem Sasso Caveoso im Südosten der Civita, wie der historische Stadtkern von Matera auch bezeichnet wird. Infolge des enormen Bevölkerungszuwachses weitete sich die Besiedlung allmählich auf die beiden karstigen Ufer des Torrente Gravina am Fuß der Stadtmauern aus. Nachdem zunächst die Grotten „ausgehoben“ und mit Leben erfüllt worden waren, baute man um sie herum feste Häuser, darunter einige imposante Palazzi und Kirchen. Langsam entwickelte sich das bereits seit dem 13. Jahrhundert „Sassi“ genannte Stadtviertel, das sich später zu einem Elendsviertel entwickeln sollte. Seit dem 18. Jahrhundert wohnten hier vornehmlich die unteren bäuerlichen Bevölkerungsschichten unter prekären hygienischen Bedingungen. Durch Carlo Levis Buch „Christus kam nur bis Eboli“ rückten 1945 die damals ca. 15000 Bewohner der Sassi in das Licht der Öffentlichkeit. Die soziale Frage der Sassibewohner rückte auch auf nationalpolitischer Ebene in den Blickpunkt. In zwei Aussiedlungswellen in den 1950er und 1960er Jahren wurde die Bevölkerung zum Teil gegen ihren Willen in die neu gebauten nahen Stadtviertel transferiert bzw. zwangsumgesiedelt. Seit den späten 1990er Jahren werden die halb verfallenen Häuser und eingebrochenen Grottenwohnungen nach und nach restauriert und modernisiert.

Blick in eine Höhlenwohnung, heute Teil der Thymius Residence, Foto: Weirauch
Blick in eine Höhlenwohnung, heute Teil der Thymius Residence, Foto: Weirauch

Volkskunde- und Kunstmuseen, stylische Büros wie die des Vorbereitungskomitees der Kulturhauptstadt z. B., Ateliers und Geschäfte, Cafe´s und Restaurants, schicke Hotels und Hunderte mehr oder minder wohnliche B&Bs fanden hier ihre Unterkunft und wandelten inzwischen das „Monument der Armut“ zum kulturell und gastronomisch florierenden „In-Viertel“, in dem es sich gut leben lässt. Zur Zeit stört noch der Baulärm ein wenig, denn man möchte noch so viel wie möglich zum Kulturhauptstadtjahr fertig bekommen. Dann sind vielleicht auch die vielen Baukräne verschwunden und der Blick auf die Berghänge mit ihren Wohnhöhlen wieder frei.

Blick auf die Höhlenwohnungen und die Schlucht von Matera, Foto: Weirauch
Blick auf die Höhlenwohnungen und die Schlucht der Gravina di Matera, Foto: Weirauch

Mehrere Felsenkirchen mit farbigen Fresken aus dem 9. bis 14. Jahrhundert haben sich bis heute erhalten. Mehr als 100 weitere sakrale Kleinodien sind im unmittelbar angrenzenden Parco Archeologico Storico Naturale delle Chiese Reupestri del Materano zu finden. Oberhalb der Sassi liegt auf einem Hochplateau der erst seit dem 17. Jahrhundert gewachsene, wegen seiner großzügigen Plätze und quirlig belebten Einkaufs- und Flaniermeilen recht urban anmutende neuere Teil der Stadt (Piano).

Die ehemalige Agrar- und Handelsstadt erfuhr in den 1960er Jahren durch die Ansiedlung von Betrieben der Lebensmittel-, Eisenbahnbedarf- und Möbelproduktion und die Auswirkungen der Industrialisierung des nahen Basento-Tals einen wirtschaftlichen Strukturwandel. Die Auswirkungen der Umsiedlung und Schließung großer Produktionszweige in den letzten Jahrzehnten konnten durch die wachsende touristische Attraktivität etwas abgefedert werden. Hoffen wir, dass große Regisseure auch weiterhin Interesse an der Stadt der Sassi haben. Und dass das Jahr 2019 Matera nicht nur kurzfristigen Boom bringt, sondern nachhaltiges Interesse an der Stadt und ihrer Menschen hinterlässt.

Weitere Infos: Kulturhauptstadtbüro 2019

Fondazione Matera Basilikata 2019

Palazotto Casale

Via Madonna della VirtuMatera City Tour:iter mit dem Taxi bis Matera (120 Euro)

Internet: www.matera-basilikata2019.it

Matera City Tour

1,5-stündige englisch geführte Touren (15 Euro/Person) im offenen Paroramakleinbus durch die Sassi und in „überdachten“ Bussen zu Zielen außerhalb der Stadt.

Via R. Scotellaro 4,

Tel. 0835 240404

www.materacitytour.it

Touri-Info Matera

Piazza Vittorio Veneto 39

0835 68054

Informationen zu allen touristischen Fragen rund um Matera gibt es unter

www.sassiweb.it

www.visitmatera.it

Empfehlenswert Hotel Thymus

Das team der Thymus Residenz in Matera, Foto: Weirauch
Das team der Thymus Residenz in Matera, Foto: Weirauch

Sehenswürdigkeiten

Museo Laboratorio della Civilta`Contadina

Via S. Giovanni Vecchio 60 (Eingang über Via Florentini)

Tel. 0835
www.museolaboratorio.it

Das Museum liegt im Sasso Barisano und gibt Einblicke in die bäuerlichen Arbeits- und Wohnverhältnisse sowie lokalen Handwerkstraditionen.

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Highlights für Apulien

Apulien April 18 (52)

Ausgangspunkt unserer Reise ist Bari

Die Metropole Apuliens, wo die meisten Flieger landen (im sommer auch in Brindisi) ist die modernste und wohlhabendste Stadt Süditaliens. Der breite Corso Vittorio Emanuele durchschneidet die Stadt wie eine Grenze, jenseits derer zwei Epochen zu liegen scheinen. Auf der Meerseite die weiße, arabisch anmutende Altstadt mit engen Gässchen, schmalen Häusern und Torbögen, auf der anderen Seite das neue Bari mit neoklassizistischen Häuserfassaden, Banken, Luxushotels und Nobelgeschäften. Zentrales Bauwerk ist die ab 1089 errichtete Wallfahrtskirche San Nicola, die Grabstätte des Heiligen Nikolaus. Am 8. Mai wird alljährlich die Statue des Heiligen auf’s Meer hinausgefahren, am Abend wieder zurückgebracht und in einer Prozession durch die Stadt getragen.

Zwei weitere wichtige Hafenstädte und Industriezentren Apuliens sind Taranto (Tarent) und Brindisi. In Taranto bewahrt das Museo Nazionale Vasen, Schmuck, Werkzeuge und Münzen aus seiner großen Vergangenheit als spartanische Kolonialstadt. Brindisi, Endpunkt der Via Appia, ist heute noch durch den Fährverkehr Italiens Tor nach Griechenland.

Besuch in Lecce

Die Provinzhauptstadt des Salento, mehr als eine Autostunde von Bari entfernt, brachte eine eigenwillige Blüte des Barocks hervor: den überschwänglichen Stil des Barocco Leccese, der viele Kirchen und Klöster ziert. Ende April 2018 besuchten wir von unserem gastlichen Übernachtungsort Capricica die Lecce aus die Provinzhauptstadt Lecce und waren begeistert. Mitten im Salento bezaubert die quirlige Universitätsstadt Lecce (95.000 Einwohner) mit kunstvoll verzierten Barockpalästen und -kirchen. Der weiche gelbliche Tuffstein, Pietra Leccese, aus der Gegend ermöglichte besonders verschnörkelte Formen. Das Straßenbild prägen vornehmlich junge Menschen. Immerhin beuchen rund 29000 Studenten die Universitádel Salento in Lecce. Eine lebendige Gastro-, Kultur- und Musikszene sorgt für Abwechslung, sowohl in der Altstadt als auch östlich davon im modernen Geschäftsviertel rund um die zentrale Piazza Manzini. Schon zu Zeiten der Römer leistete sich die damals Lupiae genannte Stadt im 1. Jahrhundert n. Chr. zwei Theater für Tausende Zuschauer. Als Handeslzentrum des Salento wurde Lecce unter den Byzantinern im 9. Jahrhundertvon der Hafenstadt Otranto abgelöst. Erst nach dem Überfall der Türken auf Otranto im Jahr 1480 erlebte Lecce wieder einen Aufschwung. Im Schutz der von Karl V. von Anjou verstärkten Befestigungsanlagen konnte sich im 16. Jahrhundert der Stil des Barocco Leccese an Kirchen- und Palastneubauten in aller Pracht entfalten.

Sehenswürdigkeiten in Lecce:

  • Piazza del Duomo

Den barocken Festsaal der Stadt bildet die Piazza Duomo, gerahmt von Dom, Bischofspalast und Pristerseminar. Überragt wird der Platz vom 72 Meter hohen Glockenturm des Duomo di Santa Maria dell’Assunta aus dem 17. Jahrhundert von Giuseppe Zimbalo.

Geschäftiges Treiben in der Altstadt von Lecce Foto: K. Weirauch
Geschäftiges Treiben in der Altstadt von Lecce
  • Teatro Romano

Auch heute ist das römische Theater, das für 5000 Zuschauer errichtet wurde, ein beliebter Spielort für Konzerte und Theqateraufführungen. Die römische Unterhaltungskultur erläutert das benachbarte Museo des Teatro Romano u. a. mit bei Ausgrabungen entdeckten antiken Masken.

Den barocken Festssaal der Stadt bildet die Piazza Duomo Foto: Kärstin Weirauch
Den barocken Festssaal der Stadt bildet die Piazza Duomo Foto: Kärstin Weirauch
  • Piazza Sant’Oronzo

Die Colonna di Sant’Oronzo kennzeichnet den Dreh- und Angelpunkt des städtischen Lebens. Auf der antiken Säule hat eine Statue des Stadtpatrons, der heilige Oronzo, einen überragenden Platz gefunden. Daneben zieht die luftig elegante Loggia des Palazzo del Sedile (1582)alle Blicke auf sich. Die einstige Stadtratsresidenz wird als Touristeninfo und Ausstellungshalle von Gästen aus aller Welt frequentiert. Heute nicht mehr gefragt sind Gladiatoren- und Tierkämpfe, mit denen das am Rande des Platzes zur Hälte freigelwgte Anfiteatro Romano einst bis zu 25000 Zuschauer in den Bann zog.

  • Basilica di Santa Croce und Convento del Celestini

Das opulente Gotteshaus, im 16./17. Jahrhundert erbaut von Gabriele Riccardi, Antonio Zimbalo, Cesare Penna und Giuseppe Zimbalo, gilt als Inbegriff des Barocco Leccese. Fantasievoll überzogen die Baumeister die zweigeschossige Fassade mit Putten, Grotesken, Blättern, Früchten und Tieren, gebändigt nur von Pilastern, Simsen, Balustraden und Rundfenstern. Drei Portale führen ins Innere mit einem San Francesco di Paola geweihten Altar, für den Anntonio Zimbalo zwölf Reliefs zur Heiligenvita schuf.

 

  • Castello Carlo V.

Das gewaltige Kastell (16. Jahrhundert), eine quadratische Anlage mit runden Eckbastionen, beherbergt das Museo della Cartapesta. Es zeigt die für die publikumswirsam inszenierten Prozessionen der Gegenreformation benötigten Heiligenfiguren. Mangels Holz in der baumlosen Umgebung wurden sie in akribischer Feinarbeit aus Papiermaschee modeliert.

Ostuni – die weiße Stadt

Wie ein Traum aus Tausendundeiner Nacht wirkt die von grünen Olivenhainen umgebene Stadt Ostuni, die sich auf drei Hügeln aus der Ebene eerhebt. Weiße Terrassenhäuser mit Innenhöfen, steile Treppen und enge Gassen, die sich den Berg hinaufwinden, prägen die Altstadt. Mittendrin begeister die spätgotische Kathedrale (15. Jahrhundert) Santa Maria Assunta mit ihrer geschwungenen Fassade, die eine 24-strahlige Fensterrose ziert. Exquisite Eleganz zeichnet auch die Loggia des nahen Beschofspalastes Palazzo Vescovile (18. Jahrhundert) aus.

Otranto

Die östlichste Gemeinde Italiens schmiegt sich auf eine ins Meer ragenden Felszunge. Mächtige Mauern und das beeindruckende Castello di Otranto schützen die Hafenstadt. Mit Naturstein gepflasterte Gassen führen zur Cattedrale di Santa Maria Annunziata aus dem 11. Jahrhundert, deren Boden ein vollständig erhaltenes Mosaik mit einem riesigen Lebensbaum bedeckt. Das von einem Priester namens Pantaleone 1163-65 geschaffene Bildwerk wächst aus der “Hölle” im Eingangsbereich, personifiziert u.a. durch den Griechen Alexander den Großen, bis in den “Himmel” im Chorbereich, den Tierkreiszeichen und Kirchenväter versinnbildlichen.

Die Mosaikfelder zu beiden Seiten des Stammes zeigen Episoden des Alten Testaments, mythologische Darstellungen und bäuerliche Alltagsszenen. Die Cappella del Martiri birgt Reliquiare mit den sterblichen Überresten jener 800 Christen, die nach der Eroberung Otrantos durch die muslimischen Türken 1480 geköpft wurden, weil sie ihrem Glauben nicht abschören wollten. In der Krypta, deren Gewölbe auf 48 Säulen ruht, wurden spätantike, byzantinische und hochmittelalterliche, teils fantasievoll mit Tieren und Menschen verzierte Kapitell wiederverwendet.

Otranto

Galatina

Die Kleinstadt mitten im sonnenverwöhnten Salento war schon in der Antike für ihren Weinbau bekannt. Den passenden Rahmen für ein Gläschen samtigen Galatina Rosso bietet die von Barockpalästen und -kirchen geprägte Altstadt, etwa an der Piazza San Pietro mit der herrlichen Fassade der Kirche SS. Pietro e Paolo. Nahebei fasziniert in der Kirche Santa Maria Caterina d’Alessandria (14. Jahrhundert) ein Freskenzyklus (15. Jahrhundert) mit Szenen aus Altem und Neuem Testament. Beeindruckend sind Schöpfungsgeschichte und Apokalypse sowie Geschichten aus dem Leben Marias und der heiligen Katharina.

Gallipolli

Die schöne Stadt (griech. Kalè polis) wurde als griechische Kolonie gegründet. Wie eine Festung liegt die nur durch eine Straße mit dem Festland verbundene Altstadt im Meer. Vom imposanten Castello aus ist es nicht weit zur Kathedrale Sant’Agata (17. Jahrhundert), die mit einer Fassade im üppigen Lecceser Barock und Gemälden der Salento-Schule des 17./18. Jahrhunderts auftrumpft. Gassen winden sich vorbei an weißen Häusern mit blumengeschmückten Innenhöfen zu den massiven Ufermauern. Hier verwöhnen Restaurants ihre Gäste mit der speziellen Fischsuppe Zuppa die pesce alla gallipolina und fantastischen Aussichten.

Sonnenuntergang im Hafen von GallipoliSonnenuntergang im Hafen von Gallipoli

Wann ist die beste Reisezeit ?

Das Klima in Apulien ist mediterran mit trockenen, sehr heißen Sommern und milden Wintern. Für Kulturreisen bieten sich das  Frühjahr oder die Herbstmonate an.Im Januiart udn Februar war uich ebenfalls schon dort, viele Geschäfte inj den kleinen Orten sind geschlossen, das Angebot an Museen und Piezzerias lassen  die Zeit nicht lang werden. die warm und weitgehend sonnig sind. Im Frühling ist die Vegetation noch frische, es grünt und blüht. Angenehme Badetemperaturen herrschen im Adriatischen und Ionischen Meer von Mai bis Oktober.

Öffnungszeiten von Attraktionen

Kirchen und Geschäfte sind meist über Mittag 12 – 15 oder 13 – 16 geschlossen. In den Badeorten sind die Läden im Sommer bis spät abends geöffnet. Museen sind meist montags geschlossen.

Essen in Apulien

Apuliens einfache Bauernküche profitiert vom Reichtum des Adratischen und Ionischen Meeres sowie hochwertigem Olivenöl. Im sonnen- und meerverwöhnten Süden Italiens setzt die Küche Apuliens einige überraschende Akzente. Weizen, Wein und Oliven bilden die Basis der Landwirtschaft und damit der weitgehend bäuerlich geprägten Küche. Zu den allgegenwärtigen Tomaten, die hier besonders süß schmecken, kommen unbekanntere Gemüsesorten. Traditionell gibt es auch wild wachsenden wie Fenchel, Zichorien oder Karden. Und so wird aus einem einfachen Pastagericht wie Orecciette con cime di rapa, den typischen ohrenförmigen Nudeln mit Stängelkohl, eine kleine kulinarische Entdeckung. Gerne werden auch Hülsenfürchte, die getrocknet lange haltbar sind, gegessen, etwa Ciceri e tria, gebratene Nudeln mit Kichererbsen.

Genauso können Fave e cicoria, zu Püree verkochte Sauerbohnen mit Zichorie, eine Offenbarung sein. Für das gewisse Etwas sorgen neben gutem Weißbrot, für das Altamura bekannt ist, einige Tropfen des goldründen und leicht bitteren Olivenöls.

Lebenselixier Olivenöl

Die knorrigen teils Tausende Jahre alten Olivenbäume wachsen vor allem im Salento auf großen Flächen. Zahlreiche Masserie, die großen befestigten Landgüter, sind stolz auf ihre eigene Ölmühle. Ihre mächtigen Mauern konnten im 16./17. Jahrhundert zwar vor feindlichen Eroberern wie den Türken schützen, helfen aber nicht gegen das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa).

Nicht nur in Italien begehrt ist das Olivenöl von der Azienda Agricola Foto: Weirauch
Nicht nur in Italien begehrt ist das Olivenöl von der Azienda Agricola Foto: Weirauch

Terra e Mare

Mit Olivenöl konservierte Auberginen oder Artischocken sind als Antipasti der ideale Auftakt für eine apulische Mahlzeit, gefolgt von einem Nudelgericht als primo piatto. Für den zweiten Gang (secondo piatto) wählt man Fisch oder Fleichs, als Spezialität gelten Lammragout (cutturidde) und -innereien (gnumareddi). Man sollte an der Küste unbedingt Crudo di Mare probieren, z. B. in Castro: Frische rohe Meeresfrüchte wie Mies- (cozze), Herz- (noci) und Venusmuscheln (vongole), Seeigel (ricci), Tintenfisch (polpo) mit ein paar Spritzern Zitrone sind ein Hochgenuss.

Primitivo und andere Weine

Zum guten Essen gehören auch in Apulien vorzügliche DOC-Weine. Bekannt sind die kräftigen, vollen Rotweine aus Rebsorten wie Primitivo um Bari und Taranto oder Nero di Troia um Foggia  und Brindisi sowie Negroamaro im Salento. Doch heiße Sommer und Fischspezialitäten verlangen nach Weißwein.

17 Hektar bewirtschaftet das Weingut Cantina Petrelli
17 Hektar bewirtschaftet das Weingut Cantina Petrelli, Foto: Kärstin Weirauch

Geschätzt werden Verdeca und Bianco Locorotondo aus dem Valle d’Itria. Beliebt sind auch Roséweine, wie der um Brindisi, Lecce und Taranto produzierte Terra d’Otranto Rosato. Ansonsten werden Trauben gern mit anderen Früchten (frutta) zum Dessert gereicht. Denn unter der Sonne Süditaliens gedeihen auch köstliche Feigen und Orangen.

Empfehlenswerter Reiseführer
Apulien

Andreas Haller: Michael Müller Verlag, 420 Seiten + her­aus­nehm­bare Karte (1:450.000), farbig, 194 Fotos
ISBN 978-3-95654-410-1

21,90 EUR (D)
Buch: 9. Auflage 2018
E-Book: 9. Auflage 2018

Empfehlenswerter Reiseführer von Andreas Haller zu Apulien
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