Sachsen-Anhalt

1 Stunde wegReise

Stadtmauer und Türme prägen Tangermünde

Tangermünde (124)

Tangermünde, etwa 70 Kilometer von Magdeburg entfernt, gehört zu jenen Städten, die sich ihr mittelalterlich anmutendes Stadtbild bis heute weitgehend bewahrt haben. Deshalb waren wir auch schon desöfteren dort. Die Stadt hat einfach flair. Schon von weiten kann man die gewaltige Stadtbefestigung mit den zahlreichen Türmen sehen. Kommt man näher, ob mit Schiff oder dem Rad (der Elberadweg führt an der Stadt vorbei), so spiegelt sich bei Sonne  das kräftige Backsteinrot der Stadtmauer im Wasser des Flusses. Stadtmauer und Türme prägen Tangermünde. Theodor Fontane war oft in Tangermünde, er recherchierte hier zu seinem Roman “Grete Minde”.

Tangermünde – wo der Tanger in die Elbe

Auf einer Hochfläche über der Mündung des Tanger in die Elbe liegen die alte Burg und die vor etwa 800 Jahren in ihrem Schutze entstandene Stadt Tangermünde mit vielen denkmalgerecht sanierten Fachwerkhäusern. Sie wird überragt vom 87 Meter hohen Nordturm der St. Stephanskirche. Es scheint gar so, als ob sich all die anderen Türme und Fachwerkhäuser um diesen Kirchturm versammeln. Die Stadtmauer, erbaut aus wohl in die Millionen gehenden Ziegelsteinen, bildet mit ihren original erhaltenen Toren, etwa der Rossfurt, den eindrucksvollen Rahmen für die oberhalb liegenden historischen Gassen und Plätze der Stadt Tangermünde.

Gebäude am Schloss Tangermünde
Gebäude am Schloss Tangermünde

Tangermünde war Reichsburg

Tangermünde war einst sehr wichtig. Im 10. und 11. Jahrhundert hatte die Stadt den Status einer Reichsburg und sicherte die deutsche Reichsgrenze zur Elbe hin. Erstmalig erwähnte der in Merseburg residierende Bischof Thietmar im Jahre 1009 in seiner berühmten Chronik die Stadt Tangermünde. Geschichte wurde hier geschrieben, denn im September 1373 hielt Kaiser Karl IV. Einzug in die Burg. Von hier aus herrschte Kaiser Karl im 14. Jahrhundert über weite Teile Europas. Karl IV., gern auch als Kaufmann unter den Kaisern bezeichnet, mehrte seinen Reichtum vor allem durch eine rege Handelstätigkeit. Über die Hansestadt Tangermünde versprach er sich gewinnbringende Beziehungen zum mächtigen Städtebund. Tangermünde war bis zum Tod des Kaisers im Jahr 1378 eine Nebenresidenz zum Prager Hradschin.

Burg als Hohenzollernsitz

Das Kaiserschloss wurde 1640 von schwedischen Truppen gebrandschatzt. Kurfürst Friedrich III., der spätere Preußenkönig Friedrich I., erbaute um 1700 die Burg auf dem Burgberg von Tangermünde. So friedlich, wie die Tangermünder mit Kaiser Karl IV. gelebt hatten, gestaltete sich das Verhältnis zu den Hohenzollern nicht. Darüber informiert das recht aussagefähige Burgmuseum, gleich neben dem Schlosshotel auf dem Gelände der einstigen Burg. Schließlich verlegte Kurfürst Johann Cicero seine Residenz im Jahre 1488 nach Berlin – Cölln.

Blick in eine Straße in Tangermünde, Foto: Weirauch
Blick in eine Straße in Tangermünde, Foto: Weirauch

Spaziergang durch die Stadt

Wer die Stadt Tangermünde erkundet, sollte über das Tourismus-Büro am Markt (gegenüber neben dem spätgotischen Rathaus) eine Stadtführung buchen. Die Stadtführer, einige von ihnen begleiten die Gäste auch in historischen Kostümen, lenken den Blick auf die schönen Fachwerkhäuser in der Kirchstraße. Und auf zahllose Hausinschriften und kunstvoll verzierte Tordurchfahrten. Berichtet wird auch über die verheerende Feuersbrunst von 1617, der ein Großteil der Stadt zum Opfer fiel. Und vom grausamen Schicksal der Grete Minde (Schriftsteller  Theodor Fontane setzte ihr ein literarisches Denkmal). Die Halbwaise wurde fälschlicherweise als Brandstifterin hingerichtet. An sie erinnert ein Denkmal am Rathaus.

Zecherei in einstiger Nikolaikirche in Tangermünde
Zecherei in einstiger Nikolaikirche in Tangermünde

Tangermündes originelles Hotel

Tritt man aus der Stadtkirche St. Stephan, wo jeden Sonnabend ab 16.30 Uhr zur Orgelvesper eingeladen wird, so befindet man sich in einer Art guten Stube der Stadt. Wir stehen vor dem restaurierten Stadtbrunnen und gleich gegenüber stehen die Exempelstuben, eines der ungewöhnlichsten Hotels in Tangermünde und eines der originellsten Hotels, die ich je besucht habe. Sämtliche der 18 Themenzimmer nehmen Bezug auf historische Szenen aus der Stadtgeschichte.

So können die Gäste in liebevoll eingerichteten Räumen mit Namen wie Kaiser-Karl-Gemach, Zuckermeyer, Wallensteins Lager, Königin-Luise-Salon, Grete Mindes Brandruine, Fontanes Bibliothek übernachten. Kein Zimmer gleicht dem anderen. In Wallensteins Lager kann man sich beispielsweise in die Zeit der rauen Sitten des Lagerlebens im 17. Jahrhundert zurückversetzen.

Blick auf die Stadtmauer mit Schlosshotel, Foto: D.Weirauch
Blick auf die Stadtmauer mit Schlosshotel, Foto: D.Weirauch

Kuschlige Cafés und urige Kneipen

Und wandert man anschließend die Lange Straße entlang, bleibt man immer wieder an interessanten Gebäuden stehen. Es gibt kleine Cafés und liebevoll gestaltete Geschäfte. Darunter die  Töpferei von Angelika Otto und das kleine Atelier der Malerin Rieke Schmieder. Auch ein Versand für Ostprodukte befindet sich in der Langen Straße. In der einstigen St.-Nikolai-Kirche betreibt Tiemo Schönwald die „Zecherei“. Hier wird deftig, wie im Mittelalter üblich, getrunken und gegessen.

Schmucke Häuserzeile in Tangermünde, Foto: D.Weirauch
Schmucke Häuserzeile in Tangermünde, Foto: D.Weirauch

Höhepunkt des rund zweistündigen Stadtrundganges ist dann das Neustädter Tor. Über der Tordurchfahrt prangen zahlreiche Wappen, darunter der Preußische Königsadler und das Stadtwappen von Tangermünde.

Erhaltenes Stadtbild von Tangermünde

Die Bauten der zurückliegenden Jahrhunderte und die Stadtmauer mussten der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industriealisierung nicht weichen. Das Industriegebiet entstand im Norden der Stadt, in der Nähe der heutigen Autobrücke. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ nur wenige Spuren. So konnte Tangermünde sein ursprüngliches Stadtbild bis in die heutige Zeit bewahren. Zu DDR-Zeiten verfiel viel Bausubstanz, doch nach 1990 wurde mit Fördermitteln und privatem Engagement das einzigartige Stadtbild restauriert.

  • Tangermünde – Informationen
  • Stadtinfo Tangermünde: Tangermünder Tourismus Büro,
  • Regine Schönberg, Markt 2, 39590 Tangermünde, Tel.: 039322/22393
  • Internet: www.tourismus-tangermuende.de
  • Hanse-Kontor/ Tangermünder Tourismus Marketing, Kirchstraße 13, 39590 Tangermünde, Tel.: 039322 2935 und 22642, Internet:https://www.tangermuendeinformation.de
  • Altmarkinfo: Altmarktourismus, Marktstraße 13, 39590 Tangermünde
  • Tel.: 039322/3460 Internet: www.altmarktourismus.de

1 Stunde wegReise

Ausflugstipp: Dessau-Roßlau

Bauhausgebäude in DessauBauhausgebäude in Dessau

Kunstvolle Musik und klare Formen

Hier ein Ausflugstipp, den wir gern an Euch weitergeben wollen. Wir wandeln  in Dessau-Roßlau auf den Spuren großer Persönlichkeiten und entdecken Sie das kulturelle Erbe von Bauhaus-Architekt Walter Gropius und Komponist Kurt Weill. Doch nicht nur kulturell fasziniert die Gegend von Dessau-Roßlau. Die idyllische Elbauenlandschaft oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz laden Sie zu einem unvergesslichen Ausflug in die Natur ein.

Meisterhaus in Dessau
Meisterhaus in Dessau

Ihr Weg in eines der Zentren des UNESCO-Weltkulturerbes führt uns über den Berliner Hauptbahnhof. Wir nehmen dort den RE7 und erreichen Sie nach etwa anderthalb Stunden Fahrt durch den schönen Fläming Dessau-Roßlau. Zwischen dem 27. Februar und 15. März begrüßt die Stadt mit dem Kurt-Weill-Fest. Knapp 40 über die ganze Stadt verteilte Veranstaltungen würdigen in dieser Zeit den 1900 in Dessau geborenen Komponisten. Erleben Sie den klangvollen Auftakt der Feierlichkeiten und besuchen wir das Eröffnungskonzert am 27. Februar um 19 Uhr im Anhaltischen Theater, zu dem wir vom Hauptbahnhof in fünf Gehminuten gelangen. Wer einen kurzen Ausflug in die Umgebung plant oder an mehreren Veranstaltungen teilnehmen möchte, kann sich am Hauptbahnhof ein Fahrrad leihen.

Auf dem Weg zum Dessauer Bauhaus