Potsdam

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250 Jahre Alexander von Humboldt und Potsdam

potsdamGeschichte-cover

Seit fünf Jahren hat Potsdam wieder eine Humboldtstraße. Wer zum alten Markt und dem Palast Barberini will, der kommt unweigerlich durch die Humboldtstraße. Die Humboldtstraße existierte bis zum Abriss des Potsdamer stadtschlosss schon einmal, verschwand dann und erinnert heute wieder an die berühmten Brüder. Wilhelm von Humboldt wurde in Potsdam geboren, Alexander in Berlin. In diesem Jahr wird der 250. Geburtstag Alexander von Humboldts weltweit begangen. Potsdam hält sich mit einer Ehrung derzeit noch zurück, obwohl Alexander von Humboldt Ehrenbürger der Stadt Potsdam ist.

BücherReise

Fontane in Brandenburg. Bilder und Geschichten

Fontane in Brandenburg Bilder und GeschichtenCover des lesenswerten Katalogbandes, Foto: VBB

Nun also Fontane in Brandenburg. Bilder und Geschichten im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Obwohl Fontane offenbar nicht wollte, durch „die gesamte deutsche Presse“ auf ein bestimmtes Metier festgenagelt zu werden. An Wilhelm Friedrich schreibt er am 19. Januar 1883: „Es ist das Bequemste. Mein Metier besteht darin bis in alle Ewigkeit hinein, ‚märkische Wanderungen‘ zu schreiben. Alles andre wird nur gnädig mit in den Kauf genommen.“ Dieses im Auszug wiedergegebene Zitat steht auf der hinteren inneren Umschlagseite des zur Ausstellung fontane.200/Brandenburg – Bilder und Geschichten erschienenden Buches, das Christiane Barz im Auftrag der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH herausgibt. Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane (1819–1898) machen rund 300 zum Teil noch nie öffentlich gezeigte Exponate diese Bilder und Geschichten anschaulich. Die Ausstellung ist noch bis  Dezember 2019 in der Gewölbehalle des einstigen Kutschpferdestalles am Neuen Markt in Potsdam zu sehen.

Blick in die Ausstellung, Foto: Lorenz Kienzle
Blick in die Ausstellung, Foto: Lorenz Kienzle
1 Stunde wegPotsdamTipps

Tierische Westernaction im Filmpark

Filmpark Babelsberg

Die neue Western-Show „Tierisch verdreht“ feierte jetzt Premiere. Die muntere, geistreiche Verspottung des Wilden Westen, von Schauspieler und Stuntman René Schobeß familienfreundlich erdacht, verbindet tierischen Spaß mit Klamauk und Stunts. Die Filmtierschule Harsch, seit Jahren dabei, trainierte Vierbeiner und Federtiere für die anspruchsvollen Outdoor-Szenen.

Potsdam

Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso

Barberini

Picassos Spätwerk im Museum Barberini

Und wieder ein Highlight im Potsdamer Museum Barberini. Im letzten Jahr waren wir in Paris und sahen auf dem Montmartre ein Atelier von Picasso. Viel wussten wir schon über den Maler. Nun die neue die Schau “Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso.” im Museum Barberini.  Erinnern wir uns: Pablo Picasso (1881–1973) gilt als Erneuerer der Kunst im 20. Jahrhundert. In Malerei, Skulptur, Graphik und Keramik hat er neue Maßstäbe gesetzt. Weniger bekannt ist sein spätes Werk aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens. Es steht jetzt im Mittelpunkt der vom ersten Tag an vielbeachteten Ausstellung Museum Barberini in Potsdam.

1 Stunde wegBest Ager

Vegane SauberKunst

SauberKunst-18 (4)

Ein Täfelchen Seife als Belohnung …

Auf unseren Spuren durch Berlin und Brandenburg sind wir immer auf der Suche nach etwas Neuem. Bei strahlendem Sonnenschein waren wir sonntags im Berliner Nikolaiviertel unterwegs. Ein grün leuchtendes Logo an der Hauswand und wohlriechende Düfte kamen uns bekannt vor und zogen uns in den Laden. Außen verbreitete der Sonnenschein gute Laune, innen strahlten gleichfalls die weißen Regalmöbel, in denen die bunten Seifen wie kleine Kunstwerke drapiert waren.

Und es roch soooo gut. Nein, wir täuschten uns nicht. Es war ein SauberKunstladen, in den wir eingekehrt waren. Nur nicht auf der Insel Werder bei Potsdam – wo wir sonst immer unsere Seifen kauften – sondern in Berlins Nikolaiviertel, schräg gegenüber vom Roten Rathaus. Aber wie in Werder auch hier eine äußerst freundliche und kompetente Verkäuferin.

Vegane SauberKunst

Eben ‚SauberKunst – für Körper und Seele‘, irgendwie scheint das Verkaufsprodukt auch bei seinen Verkäuferinnen gute Laune zu verströmen.

Stefanie Höhne von der Seifenmanufaktur Sauberkunst auf der Insel Werder/Havel foto: Weirauch
Stefanie Höhne von der Seifenmanufaktur Sauberkunst auf der Insel Werder/Havel. Foto: Weirauch

Woher kommt Sauberkunst ?

Unsere Neugier war geweckt. Die Frage stand im Raum: Wo werden die herrlichen Seifen, die in Duft, Farbe und Form so erfrischend und heilsam (100 Prozent vegan) wirken, überhaupt hergestellt? Die junge Verkäuferin lud uns in die Manufaktur nach Groß Kreutz ein. Wir sollten uns nur vorher anmelden. Schon bei unserer ersten Nachfrage per Mail konnten wir einen Termin vereinbaren. Und so gelangten wir nach Groß Kreutz (Potsdam – Mittelmark). In unmittelbarer Nachbarschaft zum einstigen Gutshaus des Ortes (1765 bis 1767 von Carl Botho Gottfried von Hacken errichtet), liegt die „SauberKunst – Manufaktur“. Das Gutshaus kannten wir von früheren Besuchen, erinnert es in seiner Architektur doch an Schloss Sanssouci, gegenwärtig wird es restauriert.

Zu Besuch bei SauberKunst

SauberKunst hat sein Domizil ganz in der Nähe. Der ehemalige Hof, in dem die „SauberKunst“-Manufaktur wirkt, hat nicht weniger Charme. Bevor hier die kleinen duftenden Kunstwerke für Körper und Seele hergestellt werden konnten, musste die junge Geschäftsführerin Annett Förster das Gehöft als Produktionsstätte umbauen. Mit Unterstützung ihrer Familie und viel Elan entstand ein funktionierendes Anwesen, in dem heute  27 „SauberKünstler-innen“ ihrer Arbeit nachgehen. Auch wenn man in der Nähe vom Groß Kreutzer „Schloss Sanssouci“ sein Gewerbe betreibt, „ohne Sorge“ wird nicht alles zu bewältigen gewesen sein.

Die Chefin erzählt:

Ähnlich wie der preußische König Friedrich II. behält auch die Geschäftsführerin Annett Förster alles in einer Hand: Verarbeitung der hochwertigen veganen Produkte, umweltfreundliche Verpackung sowie moderner Vertrieb (über einen Shop auf www.SauberKunst). Die steigende, auch internationale, Nachfrage bestätigt ihr Konzept.

Annett Förster, die SauberKunst - Chefin Foto: Weirauch
Annett Förster, die SauberKunst – Chefin. Foto: Weirauch

Vegane SauberKunst Blick in die Siedeküche

In der gläsernen Manufaktur werden Seifen, Deos und Cremes ausschließlich auf pflanzlicher Basis hergestellt, für alle Hauttypen und auch Allergiker gut verträglich. Hinter einer großen Glasscheibe konnten wir den Prozess des Seifensiedens beobachten.

Die Seifenmasse wird in die Formen gegossen Foto: Weirauch
Die Seifenmasse wird in die Formen eingebracht. Foto: Weirauch
Kunstvoll verziert Tina die gegossene Seifenmasse Foto: Weirauch
Kunstvoll verziert Tina die gegossene Seifenmasse. Foto: Weirauch

Vegane SauberKunst Vier Wochen Reifezeit

Fast wie im Käsekeller kam ich mir vor. Auch ein Blick in das Lager, wo die Seifen rund vier Wochen „reifen“ (vergleichbar dem Reifen von Käse), wurde uns gewährt. Es ist eine richtige Manufaktur. Eingepackt und etikettiert wird  wie auch das Schneiden der Seifenstücke –  von Hand.

 

Blick in das Lager von SauberKunst Foto: Weirauch
Blick in das Lager von SauberKunst. Foto: Weirauch

Vegane SauberKunst Shop in Potsdam

Unlängst eröffnete ein weiterer Shop vonVegane SauberKunst. Neben der Bundeshauptstadt, lädt dann auch in der Landeshauptstadt Potsdam im Atrium in der Dortustraße ein weiteres SauberKunst-Geschäft zum Schnuppern und Einkaufen ein. Ein besonderes Angebot an diesem Tag: das Einhornglitzergedöns-Shampoon.

Wegen der aufwändigen Herstellung wird es nur zu besonderen Anlässen hergestellt und verkauft.

Nochmal die Chefin: Wie kam es überhaupt zur SauberKunst? Die ausgebildete Heilpraktikerin machte sich die Sorgen ihrer ehemaligen Patienten zu eigen. Immer öfter fragten Patienten nach Pflegeprodukten für ihre Haut, immer öfter riet sie ihnen, Produkte aus natürlichen Rohstoffen zu verwenden. Bis Annett Förster den Entschluss fasste, zur „SeifenKünstlerin“ umzusatteln, das Hobby zum Beruf zu machen. Bereut hat sie es bis heute nicht.

Das Team von SauberKunst Foto: Sauberkunst
Das Team von SauberKunst. Foto: Sauberkunst

Ein junges Team unterstützt sie dabei, ihre Ideen umzusetzen. Die handgefertigten Körperpflegeprodukte sind zertifiziert und unterliegen strengen Kontrollen. Bis zu 5000 Liter Öle (beispielsweise Kokos-, Oliven-, Reiskeim-, Aprikosenkern- oder Rizinusöl) werden jährlich verarbeitet. Das Bio-Öl kommt zumeist aus Griechenland. Weitere Bestandteile sind u.a. Kokosmilch, Shea- und Kakaobutter, Bio-Kaffee und Bio-Kakao. Hinzu kommen diverse ätherische Öle und Seifenpigmente. Alle Zutaten sind zumeist Bio-Produkte.

Vegane SauberKunst

Sanddorn-Früchte kommen aus der Firma von Christina Berger aus dem nahen Petzow, die Säfte aus der Mosterei Ketzür im Havelland. Einmal im Jahr wird alles kontrolliert durch die Lebensmittelüberwachung.

Handarbeit auch beim Zuschneiden der Seifenstücke Foto: Weirauch
Handarbeit auch beim Zuschneiden der Seifenstücke. Foto: Weirauch
Jedes Stück Seife wird per Hand etikettiert. Foto: Weirauch
Jedes Stück Seife wird per Hand etikettiert. Foto: Weirauch

Originelle Namen weisen auf den Duft bzw. dessen Wirkung hin: Grapefruit Rose, Espresso Orange, Kirsch- und Apfelblüte, Karma, Atlantis, Meertau, Salzperle, Samtweich, Sensibelchen, Luxusweib oder Drachenherz. Die meisten Namen stammen von den Mitarbeitern, aber auch Kundenwünsche werden aufgenommen. Überhaupt steht Kreativität, wie soll es anders sein, ganz oben.

Vegane SauberKunst

Seife muss reifen und durchtrocknen – rund vier Wochen nach dem Ansetzen des Seifensudes kommen die Erzeugnisse in den Verkauf. So freuen wir uns demnächst auf den Frühling mit „Mohna-Lisa“, eine Sanddornseife, die ihren Namen nach der Mohnblüte erhält. Wieder ein schönes Farbenspiel: gelb, grün, rot und schwarz. Zu Ostern wird der Erdbeer-Rhabarber-Duft die Sinne anregen und einstimmen auf das berühmte Baumblütenfest in Werder.

Auch feste Shampoos sind immer mehr gefragt. Diese werden in einer Dependance im Ort Kloster Lehnin, wo fünf Mitarbeiter tätig sind, hergestellt.

Die kleinen Kunstwerke sind im Gebrauch ergiebig und auf Reisen unproblematisch, können beispielsweise in jede Handtasche verstaut werden und kommen ob ihres Aggregatzustandes durch jede Taschenkontrolle. Dazu bietet die Seifenmanufaktur auch passend die naturbelassenen Seifenablagen aus Luffa an.

Aber auch die Männer kommen nicht zu kurz. Natürlich können sie auch „ihre“ Körperschmeichler für den jeweiligen Hauttyp wählen. Rasierseifen wie z. B. “Hopfen und Malz” sind sehr hautverträglich. Angerührt werden sie mit Bier aus der Potsdamer Braumanufaktur.

Und wer sich bei den vielen Produkten nicht entscheiden kann, die SauberKunst-Verkäuferinnen helfen gern weiter, gute Laune ist inbegriffen. Da macht der Einfkauf Spaß und ist gleichsam Erholung für die Seele – in brandenburgischen Geschäften nicht immer zu erwarten. Für den Sommer plant Annett Förster ein kleines veganes Sommerfest und lädt zu einem Tag der offenen Tür in ihre Manufaktur ein.

Vegane SauberKunst

Und wer es nicht schafft, in Groß Kreutz, Werder, Potsdam oder Berlin in einen SauberKunst-Laden zu schauen, der kann die engagierte 39-jährige Chefin und einige ihrer Mitarbeiter auf Messen in Frankfurt a. M., Paris, Köln oder Mailand antreffen. „Die Nachfrage wächst, wir bekommen immer mehr Aufträge aus Europa und Übersee“, so ihre Antwort.

Oder man geht einfach auf die online-Portale der SauberKunst – Filialen.

Aber am schönsten und erholsamsten ist ein Besuch im Geschäft … Den Tante Emma-Laden aus Kindheitstagen gibt es nicht mehr, aber das Gefühl in einem SauberKunst-Laden ist ähnlich. Nach dem Einkauf: ein Bonbon (Täfelchen Seife) als Belohnung inclusive …

Katrin Erdmann gehört zu den SauberKunst – Verkäuferinnen in Werder auf der Insel. Foto: Weirauch
Katrin Erdmann gehört zu den SauberKunst – Verkäuferinnen in Werder auf der Insel. Foto: Weirauch

Weitere Informationen zu Vegane SauberKunst

zu finden unter

www.sauberkunst.de

Hier ein Beitrag über die schöne Inselstadt von Werder. Dort befindet sich “unser” SauberKunst Laden.

 

FontanePotsdam

Theodor Fontane kommt zurück nach Uetz

Fährhaus Uetz (16)Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

Was hat denn dieser Fontane mit unserem Dorf zu tun? Das fragten sich Ende des Jahres 2017 einige Uetzer (ein Ortsteil im Norden der Landeshauptstadt Potsdam) missmutig. Die Aufregung um die Planung des Fontanejahrs 2019 konnten sie überhaupt nicht nachvollziehen. Schon gar nicht so weit im Voraus. Von denen, die etwas mehr über die blumigen Beschreibungen des Ortes in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg wussten, kam ebenfalls ein Schulterzucken. Schaut euch dieses Dorf doch mal an! Was ist heute davon übrig geblieben ?

Tolles Konzept zu Fontanes 200. Geburtstag

Die Romantik ist fort, vor allem weil täglich Tausende Autos und LKW auf der Autobahn A10 am südlichen Rand des Dorfes vorbeirauschen. Der große Damm zerschneidet die Landschaft. Von der Hundert Meter breiten Wublitz, die Fontane in seinen Erzählungen beschreibt, ist schon lang nichts mehr zu sehen. Kaum vorstellbar, dass ein Fährmann dort den Dichter über ein Wasser geschippert haben soll. Neben der Lärmbelastung durch die Autobahn wurmt die Uetzer unter anderem, dass der Sandweg Richtung Marquardt Siedlung besonders für Fahrradfahrer schwer befahrbar ist. Seit langem kämpft das Dorf um einen Spielplatz. Etliche Varianten wurden durchgespielt. Eine konkrete Lösung ist nicht in Sicht. Sichere Straßen und Einfahrten, eine Querungshilfe über die Durchgangsstraße, Verkehrsberuhigung, die Straßenentwässerung, die unklare Zukunft des Gutshauses… all das sind Themen, welche die Uetzer bewegen.

Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Die Idee von Henry Sawade

Wer denkt da schon daran, den 200. Geburtstag des alten Fontane zu zelebrieren? Ein Dorfbewohner tut es. Er setzt sich schon von Hause aus mit der Geschichte des kleinen Dorfes Uetz auseinander. Es handelt sich um den Besitzer und Restaurator des Uetzer Fährhauses, den Künstler Henry Sawade. Henry Sawade war es, der Anfang 2018 die Dorfbewohner zusammenrief. Einige unter ihnen hatten erkannt: Dieses Fontanejahr – irgendwas steckt da drin, irgendwas müssen wir machen. Für Sawade bestand die Herausforderung gerade darin: „Es liegen Welten zwischen Fontanes Uetz und dem Uetz, wie es heute ist.“ Vielleicht lässt sich genau dazu etwas machen? Vielleicht gibt das Jubiläumsjahr einen Anstoß dafür, dass sich etwas tut im Dorf?

DARAUS WURDE EIN KONZEPT

Zur Dorfversammlung kamen erstaunlich viele Leute. Sie brachten überraschend viele und sehr kreative Ideen mit. Henry Sawade entwickelte daraus gemeinsam mit dem Ortsbeirat ein schlüssiges Konzept. Im Vorwort dazu heißt es: „Um zu verstehen, was wir eigentlich wollen oder uns für die Zukunft wünschen, haben wir uns entschlossen, diesen Reisenden namens Fontane zu hinterfragen, zu würdigen, zu feiern, aber auch, um dem modernen Verkehr, der Ignoranz und dem Zerstören von Landschaft, von Jahrhunderte alten Orten und der ihnen innewohnenden Geschichte etwas entgegen zu setzen. Fontane kann in diesem Projekt ein Initial werden, Zustände zu hinterfragen, aber auch Lösungsschritte einzuleiten. Getreu dem Fontane-Zitat: ‚Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen‘, möchten wir uns an den Feierlichkeiten beteiligen.“

Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz
Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz

Am 19. Mai gehts los

Konkret planen die Uetzer drei Veranstaltungen. Die Eröffnung soll am 19. Mai, die Hauptveranstaltung am 8. September stattfinden. Das Abschlussfest wollen sie dann im späteren Herbst feiern. Das geplante Programm ist sehr vielfältig. Die einzelnen Aktionen sind gut aufeinander abgestimmt. Orgel- und Kammermusik aus der Zeit Fontanes um 1880/90 soll zu Beginn in der Uetzer Kirche erklingen. Die Alleebäume am Knüppeldamm sollen gepflegt und fehlende Bäume nachgepflanzt werden. Ein experimentelles Kunstprojekt soll an der Straße durch das Moor den Weg nach Uetz weisen und die Gäste begrüßen. Da Verkehr in Uetz ein großes Thema ist – zu Fontanes Zeiten und heute -, möchte Uetz die Brandenburger Verkehrsministerin Kathrin Schneider einladen, aus Fontanes Reisebeschreibungen vorzulesen.

Fotoarchiv: Henry Sawade (Potsdan OT Uetz)

Unter dem Motto „Spurensuche“ wollen die Uetzer ihre Beziehung zu Fontane und seiner Zeit erforschen: Wie hat sich der Ort seit seinem Besuch verändert? Wo kann man Spuren finden? Gibt es Zeitzeugnisse, mit denen sich Veränderungen gegenüber Fontanes Beschreibung dokumentieren lassen? Wie lebte Uetz zur Zeit Fontanes? Die Ergebnisse dieser Forschung sollen ausgestellt werden.

Wie reizend sind,

du schönes Dörfchen Ütz,

Heut‘ deiner Gärten Äpfelblütenreiser,

Dein gotisch Kirchlein,

deiner Fischer Kietz,

Dein Pfarrgehöfte,

deine Bauernhäuser…

Die Pferde sind zur Rückfahrt angespannt,

Vom Felde treibt der Kuhhirt durch die Gassen.

Du schönster Ort

im ganzen Havelland,

Wer könnte je

dich ungerührt verlassen!

Theodor Fontane,  aus „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, dritter Teil: „Havelland“ (1880)

Highlight ist schon jetzt die geplante Theateraufführung, inszeniert und gespielt von den Uetzern selbst. Eine Ur-Ur-Ur-Enkelin Fontanes, Königin Luise mit ihrem Hofstaat, der Fährmann, die Dorfbewohner und Fontane selbst treten auf. Große gesprayte Bilder sollen die Schönheit des Dorfes zur damaligen Zeit in Erinnerung rufen, zum Beispiel auf dem Mühlenberg. Sehr spannend ist auch die Idee der Silence Disco: Mit Kopfhörern kann man erleben, wie es damals war, als noch keine Autobahn ständig im Hintergrund rauschte. Neben all diesen Projekten soll natürlich auch richtig gefeiert werden, mit Live-Bands, Speis und Trank und einem zünftigen Dorfball am Abschlusstag.

Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch
Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch

Die Idee aus Uetz sprach sich in den Nachbardörfern herum. Peter Roggenbuck, Ortsvorsteher aus Marquardt, war begeistert und bot seine Unterstützung an. Der Verein Historisches Paretz nahm Kontakt auf und könnte zum Beispiel eine Kutsche für das Bühnenbild zur Verfügung stellen. Hier ergeben sich neue, lebendige Beziehungen zwischen den Dörfern. Vielleicht hat sie Fontane damals auf ähnliche Art erfahren.

Der Anspruch ist hoch

„Fontanes Texte halten den Brandenburgern einen Spiegel vor: Schaut her, so schön war es früher einmal. In den letzten Jahren wurden viele der kulturellen Orte zerstört. Was hat jeder einzelne mit seiner kulturellen Verantwortung gemacht?“ fragt Henry Sawade. „Geschichtliches Bewusstsein ist kaum noch vorhanden. Das soll unser Konzept zum Fontanejahr ändern. Aus dem Dorf selbst heraus!“ Fontane ist der Aufhänger.

„Mir geht es um den Ort, historisch und heute“, bekräftigt Sawade: „Ziel ist, dass für den Ort etwas bleibt.“ Eins haben die Uetzer schon geschafft: Sie sind näher zusammen gerückt.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Die Finanzierung

Vielleicht kann ein Teil der Ausgaben, etwa für Material, Technik und die Bands, durch die Einnahmen bei den Festen wieder eingespielt werden. Insgesamt bedarf es allerdings einer ordentlichen Summe Geld, um ein so großes Projekt zu stemmen. Der entsprechende Förderantrag liegt dem Fachbereich Kultur der Stadt Potsdam vor. Bisher hat Uetz keinerlei Rückmeldung erhalten. Erst im Februar soll das Auswahlverfahren gelaufen sein. Erst dann werden die Uetzer erfahren, ob sie ihre tollen Pläne in die Tat umsetzen, ob sie also Fontane und ihr Dorf feiern können im Fontanejahr 2019. Das ist spät, möglicherweise zu spät für die nötige, aufwendige Vorbereitung. Man denke zum Beispiel an die Theaterproben, das Buchen der Bands und das Gewinnen von Sponsoren.

Bleibt allein die Hoffnung, dass die Entscheidungsträger in der Stadt das ausgefeilte Konzept erkennen und unterstützen. Die Bewohner des Potsdamer Ortsteils Uetz stehen jedenfalls in den Startlöchern.

Susanna Krüger ist Mitarbeiterin des Potsdamer, ein monatlich erscheinendes Magazin der Havelregion.

Nur zwei Kilometer von Uetz entfernt liegt Paretz, folgen Sie uns also auf Fontanes Spuren weiter zu Königin Luises Sommeridyll in Paretz. 

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