Lausitz

Reise

Kalk, Computer, Hüte und ein Meisterwerk: Industriekultur in Brandenburg

Brikettfabrik Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn

Industrie als Urlaubsabenteuer: Das ist Thema des Touristischen Netzwerks Industriekultur in Brandenburg (TNIB). Mit 20 sehr unterschiedlichen Erlebnisorten – vom Museum bis zum Tagebau – bietet die junge Arbeitsgemeinschaft vielfältige und eindrucksvolle Begegnungen mit einer bis heute prägenden Identität. Jetzt präsentiert das Netzwerk vier neue Mitglieder: den Museumspark Rüdersdorf, das Schiffshebewerk Niederfinow, das Stadt- und Industriemuseum Guben sowie das ZCOM Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda. Damit wächst der Zusammenschluss auf 24 Mitglieder.

Was man in Brandenburg sehen sollte

Reise

Lausitzer Seenland mit dem Fahrrad entdecken

"Eiserner Nagel" als Landmarke am Senftenberger See Foto: Weirauch

Wir werden die Sommer- und Herbstferien 2020 wohl im eigenen Land verbringen. Eine gute Gelegenheit, neue Ecken kennenzulernen, zum Beispiel das Lausitzer Seenland. Es ist eines der jüngsten Urlaubsziele in Deutschland – und ein kleines Paradies für radelnde Familien. Die letzten Jahre waren wir von einfachraus.de nicht dort. Es wird also Zeit ………….

Glasklare Seen, kilometerlange, gepflegte Sandstrände und moderne Häfen: Man braucht mittlerweile viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass das Lausitzer Seenland vor einigen Jahrzehnten noch Braunkohlerevier war. Heute ist die Region zwischen Berlin und Dresden ein beliebtes Nahreiseziel für Großstadtflüchter und Genussradler. 1900 Radtourenkilometer führen um Seen, durch Naturschutzgebiete und an erstaunlichen Orten der Industriekultur vorbei. Die Wege sind breit, flach, asphaltiert und autofrei. Perfekt für Familien. Der Tourismusverband stellt die kinderfreundlichsten See- und Fernrundwege vor.

Radtour um den Senftenberger See: 17 Kilometer

Reise

Osterreiten in der Lausitz

OsterreitenBornitz (25)Osterreiter in der Lausitz, Foto: D.Weirauch

Das Osterreiten ist der bekannteste Brauch der katholischen Sorben in der Oberlausitz. Betend und singend ziehen Pferde und Reiter über die Straßen und Feldwege nahe der sächsischen Städte Bautzen, Kamenz, Hoyerswerda und Ostritz. Osterreiten in der Lausitz

Osterreiten in der Lausitz

In zehn Prozessionen tragen etwa 1.600 festlich gekleidete Osterreiter im Gehrock und Zylinder auf geschmückten Pferden die frohe Botschaft der Auferstehung Christi in die Nachbarkirchgemeinde. Sie führen in ihrer Prozession Kirchenfahnen, das Kreuz und die Statue des Auferstandenen Jesus Christus mit. Die Straßen werden von Tausenden Zuschauern gesäumt. Und es gibt eine Menge zu Bestaunen. Das Pferdegeschirr ist silber- oder muschelbesetzt, die rote Satteldecke oftmals mit einem Osterlamm bestickt. Sorbische Kirchenlieder singend und traditionelle Gebete sprechend, verkünden die Osterreiter die Auferstehung. Aus dem ursprünglichen Winteraustreiben ist nunmehr das Überbringen der frohen Osterbotschaft geworden. Die erste urkundliche Erwähnung dieses unter den katholischen Sorben verbreiteten Brauchs datiert aus dem Jahr 1490. Zwischen den bei Hoyerswerda gelegenen Orten Wittichenau und Ralbitz findet das Osterreiten seit 1540 ununterbrochen statt. In Bautzen gibt es nach Unterbrechung zu DDR-Zeiten seit 1993 wieder das Osterreiten. An den Vorbereitungen dafür nehmen fast alle Dorfbewohner teil.

Osterreiten bedarf langer Vorbereitung

Bereits Tage vor dem Ostersonntag haben fleißige Helfer und Reiter alle Hände voll zu tun. Wer kein eigenes Pferd besitzt, muss sich eines „borgen“, das Reiten erlernen und das Pferd an sich gewöhnen. Zur österlichen Vorbereitung gehört auch, das Zaumzeug und den Sattel  zu putzen und polieren.

Ansehenswert die Berichte des MDR zum Osterreiten in der Lausitz.

Osterreiter in der Lausitz
Osterreiter in der Lausitz

Der Osterbogen und das Kreuz werden mit grünem Laub umwickelt und geschmückt, die Hoffnungssträußchen werden gebunden. Bereits ab Karfreitag werden die Pferde, die meisten sind ausgeliehen, eingeritten und geputzt.

Osterreiter dürfen sich nicht begegnen

Akribisch wird die Route der Reiter festgelegt, denn jeder Prozessionszug, der aus mehreren Hundert Reitern und Pferden bestehen kann, darf dabei den anderen traditionell nicht kreuzen. Zudem sind die Prozessionsstrecken bewusst so gelegt, dass es ermöglicht wird, in so vielen Orten wie möglich die Botschaft zu verkünden.

OsterreitenBornitz (52)

Vor Beginn der Prozession wird gemeinsam der Ostergottesdienst gefeiert, danach umreiten die Osterreiter die Heimatkirche, werden gesegnet und begeben sich auf den Weg, die frohe Botschaft in Form von traditionellen Kirchenliedern ins Land zu tragen. Kurz vor Ausritt und teilweise auch zwischen den besuchten Dörfern wird laut gebetet. Nach dreistündigem Ritt werden die Reiter im Zielort verköstigt. Vor dem Heimritt gegen 15 Uhr wird gemeinsam vor dem Friedhof oder in der Kirche gebetet und die Reiter werden ebenfalls vom Pfarrer gesegnet.

Osterreiter vor der Silhouette von Bautzen, Foto: D.Weirauch
Osterreiter vor der Silhouette von Bautzen, Foto: D.Weirauch

Wo man Osterreiter trifft ?

Ostersonntag reisen zehntausende Besucher in die Oberlausitz, die mit zahlreichen, meist sorbischen Bräuchen wie Osterreiter-Prozessionen, kunstvollem Eierverzieren oder dem Eierschieben, eines der Zentren des Osterfestes ist. Wie vielerorts werden auch in den Dörfern Osterfeuer abgebrannt.

Osterreiter in der Lausitz
Osterreiter in der Lausitz sämtliche Fotos: D.Weirauch

Gegenwärtig gibt es in der katholischen Oberlausitz vier  Prozessionspaare mit und eine Prozession ohne Gegenbesuch. Die traditionellen Routen verlaufen zwischen den Orten Ralbitz nach Wittichenau, von Crostwitz in das Zisterzienserkloster St. Marienstern von Panschwitz-Kuckau, von Radibor nach Storcha, von Nebelschütz nach Ostro sowie von Bautzen nach Radibor und zurück.

Hier weitere Infos 

Osterreiten Panschwitz – Kuckau

Unter dem Link findet ihr  Zeiten, wann die Osterreiter wo und wann losreiten bzw. zurückkommen.

PotsdamReise

Zu neuen Ufern: Radfahren im Lausitzer Seenland

Radfahren und Skaten auf Seerundweg Foto Tourismusverband Lausitzer Seenland - Nada QuenzelRadfahren und Skaten auf Seerundweg Foto Tourismusverband Lausitzer Seenland - Nada Quenzel

Zu neuen Ufern: Radfahren im Lausitzer Seenland Vom Tagebaurevier zum Wasserparadies: Die Landschaft des Lausitzer Seenlandes zwischen Berlin und Dresden vollzieht eine spektakuläre Metamorphose. Radfahrern bieten sich auf leichten Touren unterschiedlicher Länge immer wieder spannende Ein- und Ausblicke. Das Lausitzer Seenland ist kein gewöhnliches Radreiseziel. Es ist eine Landschaft im Wandel. Wer die Region zwischen Berlin und Dresden erkundet, kann derzeit noch alle Phasen der Rekultivierung einer einstigen Tagebauregion erleben: vom aktiven Tagebau bis zur idyllischen Seenlandschaft mit Jachthafen und hellen Badestränden.

Wie man die Lausitz per Rad erkunden sollte

Reise

Lausitzer Impressionen: Technikgeschichte und Nervenkitzel

Museumsleiterin Mechthild Passek in der Brikettfabrik Museumsleiterin Mechthild Passek in der Brikettfabrik "Louise", Foto: D.Horn
Dampfbetriebene Brikettpresse in der Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn
Dampfbetriebene Brikettpresse in der Brikettfabrik “Louise”,Foto: D.Horn

Die Lausitz bietet viele Überraschungen. Dazu gehören einzigartige Attraktionen mit Superlativen. Etwa die älteste Brikettfabrik Europs, die “Louise” in Domsdorf (Uebigau-Wahrenbrück)  im Elbe-Elster-Kreis oder 40 km weiter entfernt der “Liegende Eiffelturm,” die Abraumförderbrücke F 60. Die Lausitz hat mehrere sehens- und erlebenswerte Stationen der Industriekultur. Dort, im Schatten des Stahlkoloss, werden auch atemberaubende Touren mit dem Jeep durch unwegsames Gelände, die an eine Mondlandschaft erinnert, angeboten. Und, was ich bislang noch gar nicht wußte, es gibt dort einen “Kleinen Spreewald”.

Bücher

Die Lebenswelt des Fürsten von Pückler-Muskau

Welch ein Buch ? möchte man ausrufen. „Park und Schloss Branitz“ von Gert Streidt, dem kundigen Kenner. Und die stimmungsvollen Fotos von Hans Bach.

Ja, der soeben in der Edition Braus Verlag Berlin erschienene opulente Band „Park und Schloss Branitz“ eignet sich dafür, den Lieben unter den Weihnachtsbaum gelegt zu werden.

Seepyramide Branitz, Foto: K. Weber, Stiftung Fürst-Pückler-Museum
Seepyramide Branitz, Foto: K. Weber, Stiftung Fürst-Pückler-Museum

Spaziergang durch Branitz

Oder jetzt schon drin geblättert und einen Spaziergang durch den nun herbstlichen Park am Rande von Cottbus geplant. Das Buch macht Lust darauf.

Höhepunkt des Branitz-Besuches ist aber der Spaziergang im Park. Dieser erscheint zu den verschiedenen Jahreszeiten wie ein Naturwunder. Tatsächlich wurde er aber von Pückler bis ins kleinste Detail geplant. Neben dem inneren Kernbereich mit dem spätbarocken Schloss und den berühmten Pyramiden gehört auch der kaum bekannte Außenpark zum Gesamtensemble. Als „gestaltete Feldflur“ bezog Pückler dort die land- und forstwirtschaftlichen Flächen der direkten Umgebung in seine Anlage mit ein.

Elegante Seen und Wasserläufe

Der Park Branitz bei Cottbus mit seinen elegant geführten Seen und Wasserläufen, fein geschwungenen Erdmodellierungen und den meisterhaft gestalteten Gehölzkompositionen stellt ein Meisterwerk der Landschaftsgartenkunst dar. Es ist das Lebenswerk des Gartengestalters Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871), der zu den größten europäischen Gartenkünstlern zählt. Er stand im Austausch mit den Geistesgrößen seiner Zeit und unternahm Reisen bis nach England und in den Orient. Der im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegte Park und die beiden einzigartigen Erdpyramiden sind Reminiszenzen an seine Reiseerfahrungen. Neben dem Park ist auch das Schloss einen Besuch wert, das mit seinem originalgetreuen Interieur den Besucher in die Lebens- und Gedankenwelt Fürst Pücklers entführt.

Branitz

Er war Gartenkünstler, Schriftsteller und Unternehmer. Von Herrmann Fürst von Pückler-Muskau stammt auch ein Großteil des Parkes Babelsberg gegenüber der Glienicker Brücke in Potsdam.

Bedeutender Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts

Branitz zählt als Ensemble zu den bedeutendsten Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht, überraschen den Besucher im Park immer neue Landschaftsbilder. Die beiden Erdpyramiden sind die Wahrzeichen des Parks. Sie vermitteln einen Eindruck von Ewigkeit. In der Wasserpyramide, dem Tumulus, sind der Fürst und seine Frau Lucie beigesetzt. Derzeit wird die Wasserpyramide restauriert. Neugierig wie Journalisten sind, schon jetzt die Frage: wie sieht es in ihrem Inneren aus? Gibt es von Pückler wirklich keine Überreste mehr, wie er es wünschte.

Vorerst aber begeben wir uns auf einen Spaziergang durch den Branitzer Park. Dank des Sehnsucht erzeugenden Bandes von Gert Streidt und Hans Bach.

Info:

Gerts Streidt/Hans Bach:

Park und Schloss Branitz: Die Lebenswelt des Fürsten von Pückler-Muskau, Braus Verlag, 29.95 Euro , mit prächtigen Fotografien

Die Macher

Gert Streidt war in verschiedenen Aufgabenbereichen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten leitend tätig, bevor er das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam aufbaute. Seit 2008 ist er Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz.

Hans Bach, Diplom-Fotodesigner, lebt und arbeitet seit 1994 in Potsdam als freischaffender Architekturfotograf mit den Schwerpunkten Architektur- und Landschaftsfotografie. Regelmäßige Publikationen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Denkmalpflege Brandenburg u. Potsdam, Museen, Architekturbüros. Veröffentlichung zahlreicher Bildbände, „Park Sanssouci“ erschien 2012.