Havelland

1 Stunde wegBücherFontane

Fontane: Von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche

Bornstedter FriedhofVerwunschen: Grab neben Heinrich Wilhelm Wagenführer

Kirchtürme als Orientierungspunkte …

Die Abbildung auf der Umschlagseite zog mich als erstes in ihren Bann. Auf unseren Fahrten – per Rad oder mit dem Auto – durch das Havelland zog uns die Kirche in Bagow immer in ihren Bann. Das in der Sonne leuchtende Kreuz auf der Kirchturmspitze, das rote Ziegeldach des Kirchenschiffes, die gelb blühenden Rapsfelder, das satte Grün der Bäume … kommt die Kirche mit ihrem Umfeld in unseren Blick, ist es nicht nicht mehr weit, bis wir zu Haus sind. Auch als Kind waren Kirchtürme wichtige Orientierungspunkte für mich, etwa wenn wir als Jugendliche nach der Schule mit dem Fahrrad von Pritzwalk über Steffenshagen, Triglitz, manchmal mit einem Abstecher nach Laaske, Richtung Putlitz fuhren. Die hohen Kirchtürme wiesen uns den Weg. Auf dem Kirchplatz traf man sich am Abend im Freundeskreis.

Blick auf die Dorfkirche von Bagow
Blick auf die Dorfkirche von Bagow
1 Stunde wegFontane

Sieben Schönheiten im Havelland entdeckt

07F8A40C-EA94-4D57-81B2-6A80480490B8

Wer in der Mark reisen will, der muß zunächst Liebe zu „Land und Leuten“ mitbringen, mindestens keine Voreingenommenheit. Er muß den guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch krittliche Vergleiche totzumachen.

Der Reisende in der Mark muß sich ferner mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen. Es gibt gröbliche Augen, die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen, um befriedigt zu sein. Diese mögen zu Hause bleiben. Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen. „Auch die häßlichste“ – sagt das Sprichwort – „hat immer noch sieben Schönheiten.“ Ganz so ist es mit dem „Lande zwischen Oder und Elbe“; wenige Punkte sind so arm, daß sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muß sie nur zu finden verstehn. Wer das Auge dafür hat, der wag es und reise. … Das Beste aber, dem du begegnen wirst, das werden die Menschen sein, vorausgesetzt, daß du dich darauf verstehst, das rechte Wort für den „gemeinen Mann“ zu finden. (Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Die Grafschaft Ruppin, Auszug)

Einfach raus – es ist soweit, der Frühling lockt uns ins Havelland. Fontane im Sinn – sieben Schönheiten wollen wir heute finden. 6.45 Uhr starten wir.

1 Stunde weg

Karls: Neue Wassererlebniswelt

17D78D97-4A7F-4FF7-98E2-047D92D47446

Die neue Erlebniswelt bereitet Vorfreude auf den Sommer: Mit Karls „Sause-Land” eröffnete jetzt eine große Wassererlebniswelt in Karls Erlebnis-Dorf Elstal. Karls gehört neben Filmpark Babelsberg und Tropical Islands zu den größten Freizeitattraktionen in der Region Berlin-Brandenburg. Ostern wird es sicher richtig voll dort am Rande von Berlin…

Foto: D. Horn
Tipps

Die Erdbeerernte kann kommen

Ulrike Dahl  Personal und Karls Akademie, Foto: WeiraucheitetUlrike Dahl Personal und Karls Akademie, Foto: Weiraucheitet

„Die Erbeerernte bei uns beginnt in 60 Tagen.“ Ulrike Dahl, die mit ihrem Bruder die deutschlandweit aufgestellten Karls Erlebnisdörfer managt, hatte bis Montagnachmittag mehr als 50 Bewerber kennengelernt.

„Gerade sind zwei junge Männer aus Eritrea bei mir gewesen. Der eine spricht schon perfekt deutsch. Sie wollen eine Vollzeitstelle, “ sagt die Personalchefin. „Ich bin optimistisch, dass wir bis zum Abend alle 100 ausgeschriebenen Stellen besetzt haben werden.“ Schüler und Studenten, aber auch viele Ältere seien unter den Bewerbern im Alter von 17 bis 77 Jahren.

Neben einer kostenlosen Fahrt mit der K2-Achterbahn erhielten potenzielle Neu-Karlsianer Einblicke in verschiedene Tätigkeiten im größten Familienausflugsziel der Region Berlin-Brandenburg. Zudem informierte Karls Personalteam über Mitarbeiterbenefits wie Sonn- und Feiertagszuschläge, eine minutengenaue Abrechnung, personalisierte Kreditkarten, kostenlose Schulungen in der eigenen Karls Akademie, Möglichkeiten eines Fahrrad-Leasings und attraktive Mitarbeiterrabatte.

Rund 100 Vollzeit-, Teilzeit und Aushilfsstellen sind aktuell zu vergeben. Die Vielfalt der Arbeitsangebote ist dabei so abwechslungsreich wie das Unternehmen selbst und reicht vom Fahrgeschäftsdesigner über Bäcker und Bonbon-Künstler bis zum Erdbeerverkäufer oder Mitarbeiter in der neuen Erlebniswelt „Plansch-Land“, die im April 2019 eröffnet.

Für jeden absolvierten Kurs erhalten die Mitarbeiter bei Karls Anstecker, Foto: Weirauch
Für jeden absolvierten Kurs erhalten die Mitarbeiter bei Karls Anstecker, Foto: Weirauch

Weitere Informationen, Karls Adresse und aktuelle Stellenangebote gibt es unter www.karls.de/jobs.

Hier weitere Beiträge zu den Attraktionen von Karls auf einfachraus.eu

 

Karls in Elstal werden zum Erlebnis-Resort

+https://www.einfachraus.eu/es-wird-noch-suesser-in-karls-erlebnis-dorf/

 

Achterbahn und Kartoffelchip.

FontanePotsdam

Theodor Fontane kommt zurück nach Uetz

Fährhaus Uetz (16)Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

Was hat denn dieser Fontane mit unserem Dorf zu tun? Das fragten sich Ende des Jahres 2017 einige Uetzer (ein Ortsteil im Norden der Landeshauptstadt Potsdam) missmutig. Die Aufregung um die Planung des Fontanejahrs 2019 konnten sie überhaupt nicht nachvollziehen. Schon gar nicht so weit im Voraus. Von denen, die etwas mehr über die blumigen Beschreibungen des Ortes in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg wussten, kam ebenfalls ein Schulterzucken. Schaut euch dieses Dorf doch mal an! Was ist heute davon übrig geblieben ?

Tolles Konzept zu Fontanes 200. Geburtstag

Die Romantik ist fort, vor allem weil täglich Tausende Autos und LKW auf der Autobahn A10 am südlichen Rand des Dorfes vorbeirauschen. Der große Damm zerschneidet die Landschaft. Von der Hundert Meter breiten Wublitz, die Fontane in seinen Erzählungen beschreibt, ist schon lang nichts mehr zu sehen. Kaum vorstellbar, dass ein Fährmann dort den Dichter über ein Wasser geschippert haben soll. Neben der Lärmbelastung durch die Autobahn wurmt die Uetzer unter anderem, dass der Sandweg Richtung Marquardt Siedlung besonders für Fahrradfahrer schwer befahrbar ist. Seit langem kämpft das Dorf um einen Spielplatz. Etliche Varianten wurden durchgespielt. Eine konkrete Lösung ist nicht in Sicht. Sichere Straßen und Einfahrten, eine Querungshilfe über die Durchgangsstraße, Verkehrsberuhigung, die Straßenentwässerung, die unklare Zukunft des Gutshauses… all das sind Themen, welche die Uetzer bewegen.

Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Die Idee von Henry Sawade

Wer denkt da schon daran, den 200. Geburtstag des alten Fontane zu zelebrieren? Ein Dorfbewohner tut es. Er setzt sich schon von Hause aus mit der Geschichte des kleinen Dorfes Uetz auseinander. Es handelt sich um den Besitzer und Restaurator des Uetzer Fährhauses, den Künstler Henry Sawade. Henry Sawade war es, der Anfang 2018 die Dorfbewohner zusammenrief. Einige unter ihnen hatten erkannt: Dieses Fontanejahr – irgendwas steckt da drin, irgendwas müssen wir machen. Für Sawade bestand die Herausforderung gerade darin: „Es liegen Welten zwischen Fontanes Uetz und dem Uetz, wie es heute ist.“ Vielleicht lässt sich genau dazu etwas machen? Vielleicht gibt das Jubiläumsjahr einen Anstoß dafür, dass sich etwas tut im Dorf?

DARAUS WURDE EIN KONZEPT

Zur Dorfversammlung kamen erstaunlich viele Leute. Sie brachten überraschend viele und sehr kreative Ideen mit. Henry Sawade entwickelte daraus gemeinsam mit dem Ortsbeirat ein schlüssiges Konzept. Im Vorwort dazu heißt es: „Um zu verstehen, was wir eigentlich wollen oder uns für die Zukunft wünschen, haben wir uns entschlossen, diesen Reisenden namens Fontane zu hinterfragen, zu würdigen, zu feiern, aber auch, um dem modernen Verkehr, der Ignoranz und dem Zerstören von Landschaft, von Jahrhunderte alten Orten und der ihnen innewohnenden Geschichte etwas entgegen zu setzen. Fontane kann in diesem Projekt ein Initial werden, Zustände zu hinterfragen, aber auch Lösungsschritte einzuleiten. Getreu dem Fontane-Zitat: ‚Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen‘, möchten wir uns an den Feierlichkeiten beteiligen.“

Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz
Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz

Am 19. Mai gehts los

Konkret planen die Uetzer drei Veranstaltungen. Die Eröffnung soll am 19. Mai, die Hauptveranstaltung am 8. September stattfinden. Das Abschlussfest wollen sie dann im späteren Herbst feiern. Das geplante Programm ist sehr vielfältig. Die einzelnen Aktionen sind gut aufeinander abgestimmt. Orgel- und Kammermusik aus der Zeit Fontanes um 1880/90 soll zu Beginn in der Uetzer Kirche erklingen. Die Alleebäume am Knüppeldamm sollen gepflegt und fehlende Bäume nachgepflanzt werden. Ein experimentelles Kunstprojekt soll an der Straße durch das Moor den Weg nach Uetz weisen und die Gäste begrüßen. Da Verkehr in Uetz ein großes Thema ist – zu Fontanes Zeiten und heute -, möchte Uetz die Brandenburger Verkehrsministerin Kathrin Schneider einladen, aus Fontanes Reisebeschreibungen vorzulesen.

Fotoarchiv: Henry Sawade (Potsdan OT Uetz)

Unter dem Motto „Spurensuche“ wollen die Uetzer ihre Beziehung zu Fontane und seiner Zeit erforschen: Wie hat sich der Ort seit seinem Besuch verändert? Wo kann man Spuren finden? Gibt es Zeitzeugnisse, mit denen sich Veränderungen gegenüber Fontanes Beschreibung dokumentieren lassen? Wie lebte Uetz zur Zeit Fontanes? Die Ergebnisse dieser Forschung sollen ausgestellt werden.

Wie reizend sind,

du schönes Dörfchen Ütz,

Heut‘ deiner Gärten Äpfelblütenreiser,

Dein gotisch Kirchlein,

deiner Fischer Kietz,

Dein Pfarrgehöfte,

deine Bauernhäuser…

Die Pferde sind zur Rückfahrt angespannt,

Vom Felde treibt der Kuhhirt durch die Gassen.

Du schönster Ort

im ganzen Havelland,

Wer könnte je

dich ungerührt verlassen!

Theodor Fontane,  aus „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, dritter Teil: „Havelland“ (1880)

Highlight ist schon jetzt die geplante Theateraufführung, inszeniert und gespielt von den Uetzern selbst. Eine Ur-Ur-Ur-Enkelin Fontanes, Königin Luise mit ihrem Hofstaat, der Fährmann, die Dorfbewohner und Fontane selbst treten auf. Große gesprayte Bilder sollen die Schönheit des Dorfes zur damaligen Zeit in Erinnerung rufen, zum Beispiel auf dem Mühlenberg. Sehr spannend ist auch die Idee der Silence Disco: Mit Kopfhörern kann man erleben, wie es damals war, als noch keine Autobahn ständig im Hintergrund rauschte. Neben all diesen Projekten soll natürlich auch richtig gefeiert werden, mit Live-Bands, Speis und Trank und einem zünftigen Dorfball am Abschlusstag.

Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch
Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch

Die Idee aus Uetz sprach sich in den Nachbardörfern herum. Peter Roggenbuck, Ortsvorsteher aus Marquardt, war begeistert und bot seine Unterstützung an. Der Verein Historisches Paretz nahm Kontakt auf und könnte zum Beispiel eine Kutsche für das Bühnenbild zur Verfügung stellen. Hier ergeben sich neue, lebendige Beziehungen zwischen den Dörfern. Vielleicht hat sie Fontane damals auf ähnliche Art erfahren.

Der Anspruch ist hoch

„Fontanes Texte halten den Brandenburgern einen Spiegel vor: Schaut her, so schön war es früher einmal. In den letzten Jahren wurden viele der kulturellen Orte zerstört. Was hat jeder einzelne mit seiner kulturellen Verantwortung gemacht?“ fragt Henry Sawade. „Geschichtliches Bewusstsein ist kaum noch vorhanden. Das soll unser Konzept zum Fontanejahr ändern. Aus dem Dorf selbst heraus!“ Fontane ist der Aufhänger.

„Mir geht es um den Ort, historisch und heute“, bekräftigt Sawade: „Ziel ist, dass für den Ort etwas bleibt.“ Eins haben die Uetzer schon geschafft: Sie sind näher zusammen gerückt.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Die Finanzierung

Vielleicht kann ein Teil der Ausgaben, etwa für Material, Technik und die Bands, durch die Einnahmen bei den Festen wieder eingespielt werden. Insgesamt bedarf es allerdings einer ordentlichen Summe Geld, um ein so großes Projekt zu stemmen. Der entsprechende Förderantrag liegt dem Fachbereich Kultur der Stadt Potsdam vor. Bisher hat Uetz keinerlei Rückmeldung erhalten. Erst im Februar soll das Auswahlverfahren gelaufen sein. Erst dann werden die Uetzer erfahren, ob sie ihre tollen Pläne in die Tat umsetzen, ob sie also Fontane und ihr Dorf feiern können im Fontanejahr 2019. Das ist spät, möglicherweise zu spät für die nötige, aufwendige Vorbereitung. Man denke zum Beispiel an die Theaterproben, das Buchen der Bands und das Gewinnen von Sponsoren.

Bleibt allein die Hoffnung, dass die Entscheidungsträger in der Stadt das ausgefeilte Konzept erkennen und unterstützen. Die Bewohner des Potsdamer Ortsteils Uetz stehen jedenfalls in den Startlöchern.

Susanna Krüger ist Mitarbeiterin des Potsdamer, ein monatlich erscheinendes Magazin der Havelregion.

Nur zwei Kilometer von Uetz entfernt liegt Paretz, folgen Sie uns also auf Fontanes Spuren weiter zu Königin Luises Sommeridyll in Paretz. 

1 Stunde wegBücherFontane

Nennhausen im Fontane200 – Kalender

nennhausenSchloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch

Heuer ist Es ist Fontanejahr. Und es gibt einige tolle Kalender.  So auch  „Fontane200“, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. Ein Kalendenderblatt beschäftigt sich mit Nennhausen und Effi Briest. Wie lesen: ” Im havelländischen Nennhausen kreuzen sich die Wege der Musen und Grazien der Mark. Der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué (1777 – 1843) hatte hier ab 1803 mit Caroline von Rochow, geborene Briest, gelebt. Für beide war es die zweite Heirat. Caroline Fouqué, die 1773 in Berlin geboren wurde und auch eine sehr produktive Autorin war, starb auf Schloss Nennhausen 1831. Für den biografischen Hintergrund seiner berühmtesten Romanheldin, Effi Briest, bediente sich Fontane der Familiengeschichte der havelländischen Briest: Im 8. Kapitel des Romans sagt Effi: „Ich bin eine geborene Briest und stamme von dem Briest ab, der am Tag vor der Fehrbelliner Schlacht den Überfall von Rathenow ausführte, wovon Sie vielleicht einmal gehört haben.“ Dieser Jakob Friedrich von Briest (1695 – 1768) war der Ururgroßvater von Caroline Fouqué. In der Ausgabe der „Wanderungen“ mit den Oderland-Kapiteln aus dem Jahr 1863 erwähnt Fontane: „Die Portraits in Wilkendorf sind zum Teil aus der alten, nunmehr ausgestorbenen Briestschen Familie. Der letzte Sproß der Familie, eine Tochter, war an Friedrich de la Motte Fouqué vermählt. (Landrat von Briest, auf Nennhausen im Havelland, bekannt durch den klugen Beistand, den er der Armee des Großen Kurfürsten erst bei der Überrumpelung von Rathenow und dann später auf ihrem Marsche nach Fehrbellin leistete.)“

Es ist eine Geschichte nach dem Leben

Schloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch
Schloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch

Bei der Arbeit an der Fragment gebliebenen Schrift „Das Ländchen Friesack und die Bredows“ hatte sich Fontane ebenfalls mit Nennhausen beschäftigt: „Von 1694 an besaß die Familie von Briest das Gut, bis es 1822 beim Erlöschen des Mannesstammes an die Rochows kam.“ Leider hatte Fontane dieses Nennhausen-Kapitel nur als Skizze hinterlassen, obwohl er sich nachweislich über Jahre und sogar bis in seine letzten Lebenstage immer wieder mit seiner havelländischen Materialsammlung befasste.

In „Effi Briest“ verfremdete und veränderte der Autor trotz mancher Hinweise und Bezüge auf reale Orte viele Details. Zwar gibt es kein Hohen-Cremmen, wo das Gut der Familie und später Efiis Grab lokalisiert wird, aber immerhin gibt Fontane einige Fingerzeige, wo es denn zu suchen wäre. So tragen die Briefe aus Hohen-Cremmen den Friesacker Stempel – dort ist also die nächste Post (Kapitel 22). Nauen und Rathenow werden als gut erreichbare Orte erwähnt. Kremmen selbst scheidet übrigens wegen der zu großen Entfernung aus.

Schon bald nach Veröffentlichung des Romans „Effi Briest“ zwischen Oktober 1894 und März 1895 in der Zeitschrift „Deutschen Rundschau“, der im Oktober 1895 mit Datum 1896 die Buchausgabe folgte, hatte sich herumgesprochen, dass sich der Autor auch bei seinen Romanfiguren von einer in den höheren Berliner Kreisen als Skandal empfundenen Affäre hatte inspirieren lassen: „Es ist eine Geschichte nach dem Leben, und die Heldin lebt noch“, gab Fontane in einem Brief an Marie Uhse am 13. November 1895 zu erkennen.

Die nicht genannte Heldin war Elisabeth von Plotho (1853 – 1952), die mit Armand Léon von Ardenne (1848 – 1919) verheiratet wurde. Ihre Liebesbeziehung mit dem Juristen und Sportpädagogen Emil Ferdinand Hartwich (1843 – 1886) war Stadtgespräch. Armand von Ardenne hatte – wie im Buch – seinen Nebenbuhler im Duell so schwer verletzt, dass dieser kurz danach starb.

Elisabeth von Ardenne wurde 98

In der Realität übertraf Elisabeth von Ardenne in ihrem Freiheitsdrang sogar noch ihr literarisches Alter Ego: Sie blieb weiter eine starke Frau, konnte wieder Kontakt zu ihren Kindern aufnehmen, wurde Krankenpflegerin, arbeitete in diesem Beruf, lernte mit 60 Skifahren und setzte sich mit 80 zum ersten Mal auf ein Fahrrad. Sie starb nicht wie Effi an Herzensleid, sondern mit 98 Jahren am 5. Februar 1952 in Lindau am Bodensee.

Ihr Urnengrab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Wegen der hohen Pflegekosten hatten die Ardennes 1996 das Erbbegräbnis gekündigt und die Grabplatte Elisabeths an den Familienbesitz in Dresden geholt. Nach zahlreichen Protesten vieler Fontane-Freunde und Leser der „Effi Briest“ konnte die Friedhofsverwaltung mit der Anlage eines Ehrengrabs für Elisabeth die Familie überzeugen, den Stein ein Jahr später wieder nach Stahnsdorf zurückzubringen. Bis heute legen Friedhofsbesucher Blumen auf ihr Grab.

hre letzte Ruhestätte fand Elisabeth von Ardenne (Effi Briest) auf dem Stahnsdorfer Südwest-Kirchhof, Foto: K.Weirauch
Ihre letzte Ruhestätte fand Elisabeth von Ardenne (Effi Briest) auf dem Stahnsdorfer Südwest-Kirchhof, Foto: K.Weirauch

In Fontanes Roman ist Nennhausen/Hohen-Cremmen Effis Kindheitsparadies und ein beschaulicher Alterssitz der älteren Briests – unter den Fouqués war es ein Treffpunkt der geistigen Welt. Das Schriftstellerpaar empfing hier vor allem in den Sommermonaten zahlreiche  Gäste, darunter viele bekannte Namen wie Adelbert von Chamisso (1781 – 1838), Joseph von Eichendorff (1788 – 1857), E. T. A. Hoffmann (1776 – 1822), Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), August Wilhelm Schlegel (1767 – 1845), oder auch Karl August Varnhagen von Ense (1785 – 1858) und seine Frau Rahel Varnhagen (1771 – 1833).

Berühmter Park von Nennhausen

Allerdings war dies nicht das dann 1860 im neogotischen Stil umgebaute Schloss, dessen Dachstuhl 1983 ausbrannte und nur notdürftig repariert wurde. Trotz der Nutzung zu DDR-Zeiten waren Schloss und Park bis zum Mauerfall in einem vernachlässigten Zustand. Seit der Übernahme durch Alexander und Benita von Stechow im Jahr 1996 erfolgte mit Millionenaufwand eine denkmalgerechte Instandhaltung. Zu rund zehn Veranstaltungen kommen jedes Jahr Kulturliebhaber in das Herrenhaus. Die Havelländischen Musikfestspiele organisieren Konzerte. Zu Lesungen wird regelmäßig geladen. Auch das Land hat sich in Nennhausen – wie bei vielen alten Schlösser und Herrenhäuser – engagiert. Aus dem Programm für Ländliche Entwicklung erhielt der Förderverein Schloss und Landschaftspark Nennhausen e.V. für den Ausbau des Teichhauses im Park mit einer Ferienwohnung im Dachgeschoss 33770 Euro aus EU- und Landesmitteln bei einer Gesamtinvestition in Höhe von 95.770 Euro. Ebenfall für das Teichhaus – für  den Ausbau von Veranstaltungsräumen für Seminare, Konzerte sowie zur Nutzung als Standesamt für den Amtsbereich Nennhausen – stellte das Brandenburger Agrarministerium 105200 Euro bei Gesamtausgaben in Höhe von 147000 Euro zur Verfügung. Zum Privatbesitz der Stechows gehört seit 1997 auch der Park, den Phillip August von Briest um 1780 im englischen Stil gestaltet hat. Er ist dennoch ganzjährig öffentlich zugänglich und gilt als einer der frühesten Landschaftsparks in Brandenburg.

Vielleicht trifft man ja hier, im Nebel der Geschichte, zwischen den alten Bäumen, auf Effi Briest: „Am liebsten aber hatte sie wie früher auf dem durch die Luft fliegenden Schaukelbrett gestanden und in dem Gefühl ‚jetzt stürz ich‘ etwas eigentümlich Prickelndes, einen Schauer süßer Gefahr empfunden.“

Kalenderblatt aus „Fontane200“, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Kooperation, Henning-von-Tresckow-Straße 2 – 13, 14467 Potsdam

www.mlul.brandenburg.de

Hier weitere Texte zur Spurensuche Theodor Fontane, heute: Wo Effi Briest wirklich lebte.

 

 

 

error: Content is protected !!