Harz

Reise

Von der Steinernen Renne zum Brocken

Auf dem Brocken

Bisher kannten wir nur den Aufstieg zum Brocken von Schierke, Torfhaus oder Ilsenburg, den legendären Heinrich-Heine- oder den Goetheweg. Dank der tollen innovativen Webseite Jensunterwegs kennen wir nun auch den abwechlungsreichen Weg vom Waldgasthaus “Steinerne Renne” über den Höllenstieg zum Brockenbett und dann weiter zum mit 1141 Metern höchsten Berg Norddeutschlands. Der Wanderweg lohnt.

Der Berg ruft

Als Ausgangspunkt wählten wir das Waldhotel “Steinerne Renne”, hinter Wernigerode-Hasserode tief im Wald gelegen. Das traditionsreiche Hotel ist in recht gutem Zustand. Von unserem Zimmer hatten wir einen tollen Blick auf den Wasserfall, das Rauschen begleitete uns in den Schlaf.

Leider sind die Wirtsleute mit Wandertipps recht zurückhaltend. Sie erzählen dem Gast schon bei der Begrüßung, dass sie jeden Tag 17 Stunden arbeiten müssen und keine Zeit zum Wandern haben. Schade, etwas mehr Gastfreundschaft hätten wir uns gewünscht. Auch die Küche ist verbesserungsbedürftig.

Leider wurden die bei holidaycheck von anderen Reisenden abgegebenen kritischen Bewertungen zum Service und der Küche in dem Hotel bestätigt. Schade. Aber der Harzer ist von jeher etwas spröde, vielleicht tauen die Menschen bei einem längeren  Ferienaufenthalt etwas auf. Liebenswürdigkeit auf dem zweiten Blick, wie man so sagt. Eine Überraschung hingegen war das Sektfrühstück anlässlich meines Geburtstages. Das verdient Anerkennung.

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Ein Tipp. Vielleicht sollte die Pächterin der “Steinernen Renne” statt weißem Krankenhauskittel einfach traditionelle Harzer Tracht tragen. Die Gäste wären begeistert, denn das Gasthaus könnte unter den besten 3 im Harz firmieren. Es sind immer die sogenannten Kleinigkeiten….

Sehenswert ist hingegen die kleine Ausstellung mit Modelleisenbahnen (vornehmlich Lokomotiven)  im Gastraum. Sie zeichnet den Gastwirt als Hobbyeisenbahner aus. Dafür begleiteten uns bei der Wanderung am nächsten Morgen die Pfiffe der Dampflok der Brockenbahn bis zum Gipfel. Wir stiegen über den bei Wandereren zu Unrecht gefürchteten Höllenstieg durch den Nationalpark Harz bis nach oben….

Reise

Ilsenburg im Harz

Harzalt-155Blick auf Ilsenburg, vom Brocken aus, Foto: D.Weirauch

Von Ilsenburg, der romantischen Kleinstadt am Fuße des Brockens, nur 25 Kilometer von Goslar entfernt gelegen, hatten wir in der Harzreise Heinrich Heines gelesen. Aber das sich heute in dem altehrwürdigen Gasthaus “Zu den Rothen Forellen” eines der wenigen Fünf-Sterne-Hotels in Sachsen-Anhalt verbirgt und mit Rene Bobzin bis vor kurzem der derzeit beste Koch Sachsen-Anhalts am Herd steht, keineswegs vermutet. “Besuchen Sie unbedingt das Ilsetal”, hatte Jörg Steinhäuser den Besuchern am Abend zuvor in der täglich neu aufs Zimmer gelegten “Forellenpost” empfohlen. Steinhäuser ist Chef des Hotels, das seit zehn Jahren im 1803 vom Fürsten zu Stolberg-Wernigerode als “Rothe Forelle” errichteten Gebäude eingerichtet ist. Und er hatte nicht zuviel versprochen. Eine Entdeckungsreise.

Am schmucken Rathaus vorbei führt der Weg zum einstigen Benediktinerkloster auf dem Berg. Der im 11. Jahrhundert errichtete und derzeit sorgsam restaurierte Gebäudekomplex gilt als wichtige Station der Straße der Romanik.

Blick auf Ilsenburg, vom Brocken aus, Foto: D.Weirauch
Blick auf Ilsenburg, vom Brocken aus, Foto: D.Weirauch

Die Reste des in Deutschland einzigartigen Gips-Estrichfußbodens mit wertvollen Inkrustrationen bereiten Historikern noch heute Kopfzerbrechen. Das benachbarte, um 1862 errichtete neoromanische Schloß steht derzeit leer. Rettung ist aber in Sicht. Der Weg führt weiter an dem von den Künstlern Elise und Georg Heinrich Crola im 19. Jahrhundert der Stadt gestifteten Wohnsitz vorbei, viele Berühmtheiten waren zu Gast in der Künstlerkolonie.

Am Nationalparkhaus beginnen geführte Wanderungen entlang des 230 Kilometer umfassenden Wanderwegenetzes rund um die kleine Stadt. Wir haben “Heinrich Heine” im Gepäck und folgen dessen Empfehlung. Kräftig begrüßt uns “Prinzessin Ilse” mit einem glucksenden und freudigen Dahinplätschern. Bei einem Abstecher auf den 150 Meter über dem Flüßchen steil aufragenden Ilsestein, wo die “Prinzessin Ilse” der Sage nach gewohnt haben soll, finden sich noch erkennbare Reste der Burg der Schutzvögte des Klosters. Das auch aus dem Tal sichtbare, gußeiserne 15 Zoll hohe Kreuz wurde 1814 zum Gedenken an die in den Befreiungskriegen Gefallenen von Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode aufgestellt. Der Blick vom Ilsestein zum knapp zehn Kilometer Luftlinie entfernten Brockenmassiv ist atemberaubend.

Blick vom Aussichtsreich auf den Brocken, Foto: Plumbohms
Blick vom Aussichtsreich auf den Brocken, Foto: Plumbohms

Aufstieg zum Brocken

Bei Eingeweihten gilt der Aufstieg zum Brocken als Geheimtip. Alle Lebensräume vom Harzrand bis zur Brockenkuppe können ohne den brockentypischen Rummel erlebt werden. Linkerhand ist die Ilse greif- und hörbar, flankiert von prächtigen Rotbuchen. Ab und an entdecken wir knorrige Traubeneichen, darunter Gräser, Moose und Flechten. War da nicht ein Feuersalamander, der sich im Unterholz verkroch? Solche Überraschungen gibt es. Schon hören wir die Ilsefälle, ein Naturschauspiel, von dem Heinrich Heine schwärmte. “Es ist unbeschreibbar, mit welcher Fröhlichkeit, Naivität und Anmut die Ilse sich hinunterstürzt über die abenteuerlich gebildeten Felsstücke, die sich in ihrem Lauf finden, so daß das Wasser hier wild empor zischt oder schäumend überläuft. Wir wandern der plätschernden Ilse folgend zurück ins Tal. Wie einst auch Christian Andersen, der in “Schattenbilder einer Reise” Ilsenburg ein Denkmal setzt, kehren auch wir in das gastliche, heute zur noblen Vereinigung Relais & Châteaux gehörende Landhaus ein. Wie Zar Peter der Große, der 1697 in der Fürst Stolberg Hütte die Kunst des Eisengießens studierte und während seines Aufenthaltes in den “Rothen Forellen” nächtigte.

Der Brocken ist mit 1.141 Metern Höhe der höchste Berg im Harz und in ganz Norddeutschland

Die große Auswahl an Weinen zeugt von Kennerschaft des Restaurantleiters Holger Steffmann, der mit einem 2002er Jahrgang eines Weißburgunder Spätlese vom heimischen Weingut Kirmann in Westerhausen bei Quedlinburg einen Volltreffer landete.

Informationen zu Ilsenburg

Anreise: A 2 bis Braunschweig und dann auf die A 395, über das Dreieck Vienenburg nach Ilsenburg. Mit der Bahn per ICE bis Braunschweig und weiter mit dem Regio bis Ilsenburg.

Hoteltipp: Landhaus “Zu den Rothen Forellen”, Herbstangebot: Vier Übernachtungen inkl. drei Drei-Gang-Menüs für 440 Euro pro Person. Marktplatz 2, 38871 Ilsenburg,  Tel. 039452/93 93, Fax: 039452/93 99, www.rotheforelle.de

Auskunft: Nationalpark-Information Ilsenburg, Tel. 039452/894 94

Tourist-Info Ilsenburg, Tel. 039452/194 33, www.ilsenburg-tourismus.de

Reise

Brockenbahn: Mit Dampf im Kessel auf schmaler Spur

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Einer Erlebnisfahrt in die Natur kommt eine Fahrt mit der schnaufenden Brockenbahn gleich. Sie erinnert an Kindheitstage. Ich war gerade fünf Jahre alt, als meine Eltern mich mit auf den den höchsten Berg des Harzes nahmen. Nach der Grenzziehung 1961 war die Strecke tabu, die Brockenbahn hatte ihren Betrieb eingestellt.

Brockenbahn verkehrt wieder seit 1992

Seit Juli 1992 verkehren Züge auch wieder auf den wetterumtosten Brocken, dem mit 1141 Metern höchsten Gipfel Norddeutschlands. Das ist ein schönes Stück Arbeit für die rund 700 PS starken Dampfrösser. Sie kommen als reine Adhäsionsbahnen (Reibungsbahnen) ohne Zahnräder oder ähnliche Hilfsmittel aus. Von Wernigerode oder Nordhausen aus kann man mit der Harzquerbahn bis zum Bahnhof Drei Annen Hohne fahren. Von dort aus geht es dann in fast einstündiger Fahrt durch tiefe Wälder und mehrere Serpentinen hinauf zum Brocken. Nächster Bahnhof ist Schierke auf 685 Metern Höhe, bevor nach fast 20 Kilometern auf 1125 Metern der Bahnhof Brocken erreicht wird. Die Reisenden erleben bei der Anfahrt ein überwältigendes Panorama des Nationalparks Hochharz.

Auch im Winter ist eine Bahnfahrt im schneereichen Oberharz von besonderem Reiz. Dem Reisenden bieten sich tiefverschneite Tannenwälder, schneeverwehte Hochflächen, und bei klarer Bergluft am Brocken lässt sich ein phantastischer Ausblick ins weite Land genießen. Das Brockenplateau bietet mit Hexenklause im Brockenhotel und den Ausstellungen im Brockenhaus Abwechslung für den mehrstündigen Aufenthalt.

Auf dem Brocken

Erste Fahrt war im Jahr 1899

Der erste Zug fuhr bereits 1899 auf den Brocken. In der Regel bedienen derzeit sieben Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) aus den 1950er Jahren den fahrplanmäßigen Zugbetrieb im ganzen Jahr. Von besonderer Kostbarkeit sind die acht historischen Dampfloks. Die älteste, eine Malletlok, stammt aus dem Jahr 1897. Eine andere Lok wurde 1939 gebaut.

Auch im Winter auf den Brocken

Im Winter fahren zum Brocken maximal sechs Zugpaare am Tag. Davon werden vier von und nach Wernigerode durchgebunden. Im Sommer ist der Verkehr auf täglich elf Zugpaare verdichtet. Der schnellste Zug benötigt 49 Minuten zum Gipfel. Die Harzer Schmalspurbahnen mit Sitz in Wernigerode betreiben das mit 140 Kilometern längste zusammenhängende Schmalspurstreckennetz in Deutschland. Mehr als 1,2 Millionen Gäste sind jährlich mit den teilweise historischen Dampfzügen unterwegs. Wanderer freuen sich über den Anblick der altmodischen Bahn, die immer wieder laut pfeifend ihre Durchfahrt ankündigt.

Mit der Harzquerbahn unterwegs
Mit der Harzquerbahn unterwegs

Brockenbahn – Verbindungen

Verbindungen gibt es im Schnitt etwa einmal pro Stunde ab Wernigerode (Stationen: Wernigerode Westerntor, Wernigerode Hochschule Harz, Wernigerode – Hasserode, Steinerne Renne, Drei Annen Hohne, Schierke, Brocken), Fahrplan der Harzer Schmalspurbahnen (gültig bis 1. November 2015) unter dem blau unterlegten Link.

Informationen zur Brockenbahn:

  • Fahrkarten:  Brockentarif (gilt von allen Stationen der HSB): einfache Fahrt 24, Hin- und Rückfahrt 37 Euro, Kinder bis 11 J. 12/18,50 Euro (Stand: Juli 2015), Sitzplatzreservierung für Gruppen ab 10 Personen: Tel. 03943/558153 oder kundenservice@hsb-wr.de
  • Brockenbahn und Harzer Schmalspurbahnen im Internet: www.hsb-wr.de

Hier finden Sie weitere Reisetipps für den Harz

Blick vom Brocken auf Wernigerode, Foto: D.Weirauchp
Blick vom Brocken auf Wernigerode, Foto: D.Weirauch

Die Bahnfahrt auf den Brocken ist ein Muss für viele Bahn-Fans. Jährlich bringt die Harzer Schmalspurbahn Tausende Harz-Gäste, Urlauber und Wanderer auf den höchsten Gipfel des Landes Sachsen-Anhalt. Wenn es das Wetter zulässt, ziehen die mit Kohle befeuerten Dampfloks das ganze Jahr über die Waggons den Berg hinauf. Im Frühling warten Sonderfahrten auf die Reisenden. Die beliebten Osterhasenzüge starten am 20. und 21. April. 219).

www.hsb-wr.de

 

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