Grimmheimat

Reise

Botschafter für die Ahle Wurscht: Rolf Schott aus Melsungen

FuldaRadweg (18)Rolf Schotts zweites Berufsleben für die Ahle Wurscht, Foto: Weirauch

Lebenslanges Lernen – für Fleischermeister keine leeren Worte. Selbstbestimmt nimmt  Rolf Schott  mit 52 Jahren eine Lehre als Metzger in Angriff. Bezeichnet sich selbst als ältesten Lehrling Hessens. Wer lernt, bleibt jung, erst recht, wenn man weiß, wofür man lernt. Rolf Schott  ist der Schwiegersohn der traditionsreichen Melsunger Fleischerei Willi Ross in der Fritzlarer Straße 15 in Melsungen. Ich lernte ihn unlängst während einer Radtour auf dem Fulda-Radweg R 1 kennen. Es war spannend, was der frühere Bankmanager über die Ahle Wurscht (auch Ahle Worscht) erzählt hat. Von ihm wird man künftig hören, wenn es um die Köstlichkeit in der Grimmheimat Nordhessen geht. Mit seinem Entschluss, den Betrieb seiner Schwiegereltern weiterzuführen, ist auch in Melsungen und Umgebung die Ahle Wurscht als über die Region weit bekanntes Markenzeichen Hessens gesichert.

Präsentieren die Ahle Wurscht: Bianca und Rolf Schott, Foto: Fleischerei Ross
Präsentieren die Ahle Wurscht: Bianca und Rolf Schott, Foto: Fleischerei Ross

Im August 2018 bestand der Seiteneinsteiger die Meisterprüfung als Lehrgangsbester. Rolf Schott sagt: “Darüber freue ich mich sehr und kann sagen, dass die Prüfung für mich den gleich hohen Stellenwert hat wie mein Diplom als Bankbetriebswirt 20 Jahre zuvor.”

Rolf Schotts zweites Berufsleben für die Ahle Wurscht, Foto: Weirauch
Rolf Schotts zweites Berufsleben für die Ahle Wurscht, Foto: Weirauch

Zur Geschichte der Ahlen Wurscht gibt es eine kleine Broschüre (Gerhard Schneider-Rose: Nordhessische Ahle Wurscht – Portrait einer Rohwurstspezialität (Hrsg. Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht e.V) Großalmerode-Weißenbach 2015). Daraus will ich hier gern zitieren. Experten bescheinigen der  Ahle Worscht ebensolchen  Kultstatus wie dem berühmten Serranoschinken.

Wälder, Wiesen und kleinräumige Felder prägen die nordhessische Region. In der eher dünn besiedelten Wald- und Ackerbauregion hat die Industrialisierung erst spät ihre Spuren hinterlassen. Die Selbstversorgung mit Obst, Gemüse, Fleisch und Brot hat lange den Lebensalltag der Nordhessen geprägt. Gemüsegärten, Streuobstwiesen, Backhäuser, Schweineställe und Wurschtekammern sind bis heute Zeugen dieser umfassenden Selbstversorgung der nordhessischen Haushalte von Bauern und Bürgern.

Die Versorgung mit Fleisch in Nordhessen auch in den Städten im Wesentlichen bis ins 20. Jahrhundert hinein auf der Hausschlachtung. Nur zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Taufen wurde frisches Fleisch gekauft. Stadtbürger erhielten meist die Schlachtschweine von Bauern aus der Verwandtschaft oder vom Landwirt des Vertrauens aus der Region.

Auch die Brüder Grimm versorgten sich auf diese Weise mit Wurst, Speck und Fett. Das Metzgerhandwerk war für die Versorgung mit frischen Fleisch- und Wurstwaren in den Städten zuständig, während die Dauerware zuhause produziert wurde. Die Selbstversorgung hatte neben dem negativen Aspekt des hohen Arbeitsaufwandes die positiven Seiten eines hohen Qualitätsbewusstseins, die Bewahrung von Traditionen und eines großen Wissens um die Ernährung.

Bianca Schott bei e einer Präsentation von Ahle Wurscht auf der Fulda, Foto: Weirauch
Bianca Schott bei e einer Präsentation von Ahle Wurscht auf der Fulda, Foto: Weirauch

Edelprodukt Ahle Wurscht

In der Hausschlachtung in Nordhessen wurden am Schlachttag neben den „Edelprodukten“ Ahle Wurscht und Beinschinken eine ganze Palette von Erzeugnissen hergestellt: Leber- und Blutwurst, Sülze oder Schwartenmagen, Weckewerk, Fleisch-, Wurst- und Speckfett gehörten zu den Lebensmitteln, die die Fleisch und Fettversorgung des Haushalts übers Jahr sicherstellten.

Was heißt eigentlich Ahl ?

Für eingefleischte Nordhessen hängt viel daran, die perfekte Ahle Wurscht im Haus zu haben. Touristen denken beim Wort „ahl“ an Fisch, im nordhessischen Dialekt steht es aber für „alt“ im Sinne von lange gereift und lange haltbar. Die Hausschlachtung war in Nordhessen fest in den Jahresablauf eingebunden. Für eine gute Reifung der Ahlen Wurscht ist in den ersten Wochen ein kühles und feuchtes Klima unabdingbar. Deshalb sind die kalten Herbst- und Wintermonate die traditionellen Schlachtemonate. Die unterschiedlichen dicken und dichten Wursthüllen sorgen dafür, dass das ganz Jahr über immer genussreife Ahle Würschte zur Verfügung stehen.

„Dürre Runde, Feldkieker, Schlacke“

Rolf Schott erläuterte uns die unterschiedlichen Wurtsorten. Die traditionelle Ahle Wurscht gibt es in unterschiedlichen natürlichen Wursthüllen mit verschiedenen Formen, Durchmessern (Kalibern) und Dichtigkeiten, die unterschiedlich lange Reifezeiten der Würste bedingen. Die dünnste Ahle Wurscht ist die rund zusammen gebundene „Dürre Runde“. Sie ist nach 4-6 Wochen Reifezeit die als erste genussreife Ahle Wurscht. Gerade verlaufende Wurstformen werden als „Stracke“ („gerade“) bezeichnet, sie gibt es in unterschiedlichen Längen und Kalibern bis zu einem Durchmesser von 80 Millimetern. In der Kälberblase oder in Keulenform geklebten Därmen wird die Ahle Wurscht als „Feldkieker“, „Birne“ oder „Herkuleskeule“ bezeichnet.  „Wir exportieren unsere Wurst regelmäßig sogar nach Hongkong“, sagt Rolf Schott.

Die Größe und damit die Reifezeit der Keulen ist nicht einheitlich. Bei der „Schlacke“ wird die Wurstmasse in den etwas unförmigen Enddarm des Schweines gefüllt. Durch den dickwandigen Darm mit Fetteinlagerungen bleibt die Wurst auch nach etlichen Monaten noch mürbe und gilt deshalb vielen als besondere edle Form der Wurscht. Die „Schlacke“ wurde früher am längsten aufbewahrt. Dank der modernen Kühlung und Klimaführung kann die „Ahle Wurscht“ heute ganzjährig hergestellt werden.

Für die Ahle Wurscht wird traditionell nur das Fleisch schwerer Wurstschweine verarbeitet, da nur dies die erforderliche Reife mitbringt. Die überlieferte Regel besagt, dass ein Wurstschwein die Weihnachtsglocken mindestens zweimal gehört haben soll. Bereits einen Tag vor der Schlachtung werden die Schweine vom Bauernhof aus der Region zum Schlachthaus gebracht, damit sie am nächsten Morgen ungestresst geschlachtet werden können. Der Metzger stellt nach der Schlachtung  innerhalb weniger Stunden, auch „Warmverarbeitung“ genannt, das Wurstbrät her. Diese Form der Verarbeitung ist wichtig für die mürbe Konsistenz, das Schnittbild und den fleischigen Geschmack der Ahlen Wurscht. In der heutigen Fleischindustrie wird die Warmverarbeitung kaum mehr angewandt.

Welche Gewürze kommen hinein ?

Traditionelle Gewürze sind: Salz, frisch gemahlener Pfeffer, frischer Knoblauch (oft zuvor in Korn oder Rum eingelegt), etwas Haushaltszucker und Salpeter für die Umrötung. Je nach Region und individuellem Geschmack kommen noch Piment, Muskat, Nelke, Kümmel oder Senfkörner dazu. Das grobe Wurstbrät wird nun mit der Füllmaschine fest und frei von Hohlräumen in Naturdarm gefüllt. An den Enden wird die Wurst verknotet oder mit einem Metallclip verschlossen. Der Metallclip kann das Produktionsdatum und die Chargennummer dokumentieren.

Nach dem Befüllen werden die Wurschte auf langen Holzstangen aufgehängt. Sie dürfen sich untereinander nicht berühren, damit sie gleichmäßig trocknen können. Sind die Würschte außen trocken, werden sie für die Reifung der Rohwurscht in die Wurschtekammer gehängt.

Luftgetrocknete Wurscht

Ohne Räucherung gereifte Ahle Wurscht wird als „luftgetrocknet“ bezeichnet. Meist wird die Ahle Wurscht zum Schutz vor Schimmelbefall mit einer leichten Räucherung unterzogen. In der traditionellen Herstellung, in der auf Reifebeschleunigern verzichtet wird, verliert die Ahle Wurscht während der Reifung 40 Prozent ihres Gewichts.

Ahle Wurscht reift in kühlen, luftigen und in den ersten Wochen sehr feuchten Räumen. Ideal dafür geeignet sind Wurschtekammern mit Lehmwänden. Luftfeuchtigkeit und Temperatur müssen so gesteuert werden, dass die ‚Wurst äußerlich nicht zu schnell trocknet und dann von innen hohl werden kann. Schimmelbefall muss abgewaschen oder abgebürstet werden. Eine lange gereifte Ahle Wurscht verliert nicht nur an Gewicht, sie macht bis zum Verkauf immer wieder Arbeit. Dies schlägt sich auch im Preis nieder.

So genießt man Ahle Wurscht am besten

Ahle Wurscht isst man am besten „aus der Faust“ mit einem kräftigen Bauernbrot. Man schneidet ein ordentliches Stück von der Wurst ab und genießt den mürben Biss und den harmonischen fleischigen Geschmack mit pfeffrigen Noten.  Der mürbe Biss ist ein typisches Merkmal der traditionellen Herstellung, die grobe Textur regt zum Kauen und damit zur vollen Geschmacksentfaltung an. Passende Getränke sind leichte herbe Biere, klare Schnäpse oder kühles Leitungswasser. Nordhessen trinken aber auch gerne Bohnenkaffee zu ihrer Ahlen Wurscht, nicht zu stark und ohne Milch und Zucker.

Touristen empfiehlt Rolf Schott nur gut ausgereifte Würste mit nach Hause zu nehmen. Sie verträgt höhere Temperaturen und kann sogar offen hängend in der Küche aufbewahrt werden. Bewährt haben sich das Einwickeln der Wurst in Papier und ihre Lagerung im Gemüsefach. Folien und Plastikverpackungen umgehend von der Ahle Wurscht entfernen, weil sie sonst schwitzt und schimmelt. Übrigens erhielt Ahle Wurscht aus der Fleischerei Ross bei den 3. Nordhessischen Ahle Wurscht Meisterschaften im März 2018 insgesamt drei Goldmedaillen.

Die Fleischerei Willi Ross befindet sich in der Innenstadt der schönen Fachwerkstadt Melsungen. Hier geht es direkt zur Fleischerei.

Buchtipp:

  • Gerhard Schneider-Rose: Nordhessische Ahle Wurscht – Portrait einer Rohwurstspezialität (Hrsg. Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht e.V) Großalmerode-Weißenbach 2015, Bebra-Verlag
  • Heinrich Keim: Nordhessische Ahle Worscht. Ein Wurst mit Kultstatus, Gudensberg-Gleichen 2005, Wartberg Verlag.
  • Ahle Wurscht – Das europäische Schmeckerwöhlerchen der Grimm-Heimat Nordhessen, Melsungen 2011, Verlag J. Neumann-Neudamm

Wichtige Adressen rund um die Ahle Wurscht

Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht e.V.
Weißenbachstraße 1, 37247 Großalmerode-Weißenbach
www.nordhessische-ahle-wurscht.de

Slow Food Nordhessen
https://www.slowfood.de/slow_food_vor_ort/nordhessen/

Arche des Geschmacks von Slow Food
https://www.slowfood.de/biodiversitaet/arche_des_geschmacks/

Adresse der Fleischerei Willi Ross
Fritzlarer Straße 15
34212 Melsungen

E-Mail info@fleischerei-ross.de
Shop: fleischerei-ross.de

Das macht Einkaufen Spaß: Bianca und Rolf Schott mit der Ahlen Wurscht, Foto: Fleischerei Ross
Das macht Einkaufen Spaß: Bianca und Rolf Schott mit der Ahlen Wurscht, Foto: Fleischerei Ross
Der Bartenwetzer von Melsungen ist auch ein Experte für Köstlichkeiten aus der Grimmheimat. Foto: Weirauch

Weitere Informationen hier zur

GrimmHeimat Nordhessen: Ständeplatz 13, 34117 Kassel, Tel: 0561/97062 248, www.grimmheimat.de

Die Recherche am Diemelradweg wurde unterstützt von der Grimmheimat Nordhessen. 

Hier geht es zur Jausenstation am Hohen Meißner, ebenfalls eine sehr gute Adresse für die Ahle Wurscht in der Grimmheimat.

Reise

Edersee-Atlantis

Ederseeatlantis (52)

Edersee-Atlantis ? Gehört hatten wir schon einmal davon. Aber gesehen bisher nicht. An diesem Wochenende nun waren wir unterwegs und schauten uns die Brücke von Asel an. Der freundliche Mitarbeiter am Telefon von Edersee Touristic gab uns den Tipp bis Asel Süd zu fahren und uns dort einen Parkplatz suchen?

Die Bilder sprechen für sich. Seit Wochen ist die Brücke von Asel wieder zu sehen, aufgetaucht aus den Fluten der Talsperre.  Noch im Juli war nix zu sehen. Die Wasserknappheit dieses Sommers half nach. Die lang andauernde Trockenheit hat den Füllstand der Edertalsperre wieder auf ein Viertel sinken lassen, so dass die Edersee-Ruinen wieder zum Vorschein kommen. Die alte Aseler Brücke ist komplett zu sehen, die Überreste des Dorfs Berich sind trockenen Fußes zu erreichen.

Die Talsperre wurde zwischen 1908 und 1914 gebaut, um Wasser für die Weser und den Mittellandkanal bereitzuhalten. Die Pegelstände am Edersee sind ein Dauerstreitthema. 25.000 Liter Wasser pro Sekunde wurden zuletzt aus dem Stausee in Nordhessen abgelassen, um die Schifffahrt auf der Weser zu sichern. Deswegen und aufgrund des trockenen Wetters leerte sich der Edersee in diesem Jahr extrem schnell. Wie ein Gastwirt in Waldeck erzählte, wird derzeit nur noch so viel Wasser abgelassen, wie auch Wasser in den Edersee hineinfließt und das ist verdammt wenig.

Hier seht ihr den aktuellen Pegelstand. Derzeit werden, auch mit Rücksicht auf die vielen Fische im Edersee, nur 3 Kubikmeter pro Sekunde abgegeben.

Für den Tourismus um den Edersee bedeutet der niedrige Wasserstand wirtschaftliche Verluste. Vor allem betroffen sind die vielen Segelsportler. Auf dem Edersee dürfen nur Segelboote und Elektroboote verkehren.Blick auf ein Fahrgastschiff im Edersee, Foto: Weirauch

Blick auf ein Fahrgastschiff im Edersee, Foto: WeirauchBei unserem Besuch hatten die Parkplatzbetreiber viel zu tun und natürlich der Verkäufer des mobilen Eisladens an der Aseler Brücke. „Ich bin zufrieden.“ sagte er. Am Vortag war bereits 18 Uhr kein Eis mehr in den Behältern. “Warum nicht mehr mobile Verkaufsstände hier vor Ort sind, das verstehe wer wolle,” meinte ein aus Kassel angereister Gast.  Auch wir hatten den Eindruck, das Ederse-Atlantis noch mehr von den Touristikern und Gastwirten genutzt werden könne. Warum an den Wochenenden nicht die Ederseestraße als Einbahnstraße ausschildern und das Parken auf den Seitenstreifen zuzulassen? Auch wären Sichtschneisen empfehlenswert, damit auch Radfahrer ab und an mal anhalten können und den sich leerenden Stausee anschauen können.

Jüngst versteigert wurde das Terrassenhotel am Edersee, Foto. Weirauch
Jüngst versteigert wurde das Terrassenhotel am Edersee, Foto. Weirauch

Mittlerweile hat auch das Terrassenhotel an der Ederseetalsperre einen neuen Käufer gefunden. Das Hotel wurde Mitte September von einer Berliner Firma ersteigert, für über eine Million Euro.

Staumauer reguliert Wasserstand der Weser

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im westlichen Quellgebiet der Weser die Eder und die Diemel aufgestaut, um mit Hilfe von Talsperren den Wasserstand auf der Oberweser und im Mittellandkanal zu regulieren. Am 25. August 1914 wurde die Mauer im Tal der Eder mit 47 Meter Höhe und einer Breite von 400 Metern eingeweiht. Seither stauen sich westlich der Mauer auf 27 Kilometer Länge bis zu 199,3 Millionen Kubikmeter Zuschusswasser für den Mittellandkanal und zur Niedrigwasseraufhöhung der Oberweser.

Mittlerweile ist der 1.050 Hektar große Edersee, auch das „blaue“ Auge des Waldecker Landes genannt, ein  beliebtes Naherholungsgebiet, das an seinen Ufern über zahlreiche Campingplätze, zwei Jugendherbergen, kleine Hotels und Pensionen Cafés, Gaststätten und Restaurants verfügt. Waas allerdings derzeit nicht auseichendvorhanden ist sind Parkplätze, denn die meisten Edersee-Atlantis Zuschauer kommen mit Auto oder Motorrad. Viele wissen nicht, dass es vom direkt am Edersee gelegenen Nationalparkbahnhof Vöhl-Herzhausen gute Zugverbindungen nach Kassel gibt.Ein Bild aus besseren Tagen, als der Edersee noch Vollstau hatte, Foto: Weirauch

Seit einigen Jahren allerdings sinkt der Wasserpegel rapide, auch bedingt durch sonnenreiche Sommer. Dann leidet der Tourismus. Die sinkenden Pegel sind am Edersee ein Politikum. 27.000 Liter Wasser werden normalerweise  pro Sekunde aus dem Stausee abgelassen, um die Schifffahrt auf der Oberweser zu sichern. Wenig Wasser in der Talsperre schadet der Ferienregion mit 700.000 Übernachtungen und drei bis vier Millionen Tagesgästen jährlich. Rund 30 Millionen Euro Einbußen gab es nachinformationen der HNA im Jahr 2017 durch die Trockenheit. Mit einer Petition hatten die Edersee-Anrainer damals versucht, etwas zu ändern. Bei unserem Besuch Mitte Oktober 2018 war nur Schulterzucken der Gastronomen zu erleben. Eine Wirtin sagte laknonisch: “Wir haben jetzt sowieso Saisonende.” Das in einigen Bundesländern noch bis Anfang November Herbstferien sind interessierte sie nicht.

Nebenan der Nationalpark Kellerwald

Direkt am Edersee befindet sich der Nationalpark Kellerwald-Edersee, der jüngste der 15 Nationalparks in Deutschland. Auf etwa 5.700 Hektar erstreckt sich einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Mitteleuropas, der sich unter dem Schutz der UNESCO befindet – vergleichbar dem Nationalpark Jasmund und dem Grumsiner Forst in Brandenburg.

Wie kam es zu den Ruinen?

Doch der Reihe nach: durch den Bau der Sperrmauer mussten die drei im Edertal liegenden Dörfer Asel, Berich und Bringhausen verlegt werden. Bringhausen wurde abgetragen und in unmittelbarer Nähe – an einer höher gelegenen Stelle oberhalb des neu entstehenden Edersees – wieder aufgebaut.

An der ehemaligen Dorfstelle Berich (an der Ederseetalsperre gelegen) gibt es Informationen zum Edersee-Atlantis, Foto. Weirauch
An der ehemaligen Dorfstelle Berich (an der Ederseetalsperre gelegen) gibt es Informationen zum Edersee-Atlantis, Foto. Weirauch

Reste der Dorfstelle Berich, wie der Knüppelhof, werden von Freizeitarchäologen gesichert, Foto. Weirauch
Reste der Dorfstelle Berich, wie der Knüppelhof, werden von Freizeitarchäologen gesichert, Foto. Weirauch

Ähnlich war die Vorgehensweise der Aseler. Auf einem Bergrücken, nördlich des ursprünglichen Ortes, errichteten sie den neuen Ortsteil Asel und am gegenüber liegenden Ufer des künftigen Sees Asel-Süd. Der Ort Berich wurde von seinen Bewohnern komplett abgetragen und entstand neu und nennt sich seitdem “Neu”-Berich.

Unser Tipp: Gästekarte MeineCardPlus

Erwähnenswert ist unbedingt, dass viele Attraktionen am Edersee kostenlos mit der MeineCardPlus besucht werden können.  Die MeineCardPlus erhält man bei über 140 Gastgebern geschenkt, darunter nicht nur Hotels, auch Pensionen und Ferienwohnungen. so kann man damit auch gut die öffentlichen verkehrsmittel für die Anfahrt zum Edersee und Nationalpark Kellerwald nutzen.

Hoch über dem Edersee thront Schloss Waldeck, Foto: Weirauch
Hoch über dem Edersee thront Schloss Waldeck, Foto: Weirauch
Blick auf die Edersee-Talsperre bei Niedrigwasser wie Mitte Oktober 2018, Foto: Weirauch
Blick auf die Edersee-Talsperre bei Niedrigwasser wie Mitte Oktober 2018, Foto: Weirauch

Nützliche Tipps zum Edersee

Anfahrt mit dem Auto: B252 bis Herzhausen, B 485 bis Edertal, dann am Affolderner See vorbei; Bahnhöfe: Vöhl – Herzhausen und Waldeck, oder direkt bis Asel-Süd,

Weitere Infos: Edersee Touristic: GmbH, Hemfurther Straße 14, 34549 Edertal-Affoldern, Tel. 05623 – 99980, Im Internet: Edersee.com

Nationalpark Zentrum Kellerwald-Edersee: Weg zur Wildnis 1, 34516 Vöhl-Herzhausen, Telefon: 05635 992781, www.NationalparkZentrum-Kellerwald.de, Geöffnet: April bis Oktober tgl. von 10 bis 18 Uhr, November bis März: 10 – 16.30 Uhr

Übernachten, u.a.: Flair Hotel Werbetal, Uferstr. 28, 34513 Walbeck, Tel.:  05634/9796-0Mail, Mail: info@hotel-werbetal.de,

Gut essen:  Fischerhütte Edersee, Strandweg 9, 34549 Edertal-Rehbach, Tel.: 056234177, Mail: info@fischerhuette-edersee.de

GrimmHeimat Nordhessen: Ständeplatz 13, 34117 Kassel, Tel: 0561/97062 248, www.grimmheimat.de

Zu Edersee-Atlantis geht es hier.

Gut ausgeschilder sind die Wege im Nationalpark Kellerwald - Edersee
Gut ausgeschilder sind die Wege im Nationalpark Kellerwald – Edersee

Hier weitere Beiträge zu weiteren Sehenswürdigkeiten in der Grimmheimat Nordhessen und zu der Hessischen Spezialität, der Ahle Wurscht.

Reise

Radfahren um den Edersee

Edersee (77)
Blick auf die freigelegte Brücke von Asel, Foto: Edersee Touristic
Blick auf die freigelegte Brücke von Asel, Foto: Edersee Touristic

Der Edersee ist ein Eldorado für Freizeit- und Urlaubsvergnügen. Rund um den 27 Kilometer langen Edersee kann man erlebnisreiche Tage erleben. Er gilt als eine der schönsten und größten Stauseen Europas. Hoch über dem See thront das trutzige Schloss Waldeck. Über den Eder – Radweg kann man den See erreichen und umrunden. Eine spannende Erlebnisreise mit vielen Attraktionen und Überraschungen..

Ein Paradies für Wassersportler ist der Edersee in der Grimmheimat. Foto: Weirauch
Ein Paradies für Wassersportler ist der Edersee in der Grimmheimat. Foto: Weirauch

Edersee – das Freizeitparadies

Am besten erschließt sich die Landschaft während einer Fahrt mit den Fahrgastschiffen oder während einer Rad-Rundtour rund um den See. Schätzungsweise 60 Kilometer sind es, wenn man den See komplett umrunden will. Zwei Fähren ermöglichen zwischendurch das Abkürzen. Fjordartige Buchten umrahmt von tiefgrünen Wäldern, 23 Grad Wassertemperatur im Hochsommer. Wir sind an der Staumauer der Edertalsperre eingestiegen (kamen über den Ederseebahn-Radweg) von Korbach her und fuhren bis nach Vöhl-Herzhausen (Nationalparkbahnhof).

Hoch oben über dem Edersee thront Schloss Waldeck, Foto: Weirauch
Hoch oben über dem Edersee thront Schloss Waldeck, Foto: Weirauch

Der Edersee ist weit über Hessen hinaus berühmt für seine Kuschelbuchten und flachen Uferübergänge. Perfekt für Badegäste: der Sandstrand im kleinen Ort Rehbach. Zum Sonnenuntergang geht’s dann zu Nico in die “Fischerhütte”: Bei Meeresfrüchten und Weißwein sitzt man hier herrlich und schaut auf den glitzernden See. Im Vordergrund die Marina mit den Elektrobooten. Denn Benzin- oder Diesel ist auf dem 11,8 Quadratkilometer großen See verboten.

Blick auf ein Fahrgastschiff im Edersee, Foto: Weirauch
Blick auf ein Fahrgastschiff im Edersee, Foto: Weirauch
Seit Wochen ein Touristenziel: die aufgetauchte Brücke von Asel, Foto: Weirauch
Seit Wochen ein Touristenziel: die aufgetauchte Brücke von Asel, Foto: Weirauch
Blick auf die freigelegte Brücke von Asel, Foto: Edersee Touristic
Blick auf die freigelegte Brücke von Asel, Foto: Edersee Touristic

Ein Besuch der Ederstaumauer mit dem angrenzenden Aquapark ist ein absolutes Muss. Auf der Krone der Staumauer befindet sich eine Touristinformation der Edersee-Touristic GmbH. Dort erfährt man viel über die Geschichte des Edersees.

Manche sprechen gar bei der Höhe von 47 Metern und der Breite von 400 Metern, die die Talsperreenmauer misst, von einem Geniestück der Ingenieurkunst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im westlichen Quellgebiet der Weser die Eder und die Diemel aufgestaut, um mit Hilfe von Talsperren den Wasserstand auf der Oberweser und im Mittellandkanal zu regulieren. Das funktioniert auch heute noch. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. wollte die Ederstaumauer  am 25. August 1914 offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Doch wegen des damals ausgerufenen Kriegszustandes kam der Kaiser nicht. Seitdem dient die Talsperre der Niedrigwasser-Aufhöhung der Oberweser, verhinderte ungezählte Hochwasser an Eder, Fulda und Weser und zudem wird mit der Wasserkraft in Turbinen am Fuße der Staumauer Strom erzeugt. Am 17. Mai 1943 riss eine Bombe der britischen Armee ein riesiges Loch in die Sperrmauer. Durch die Flutwelle starben 68 Menschen, 213 Gebäude und zahlreiche Brücken wurden zerstört. Auch die Ernten waren vernichtet. Der Wiederaufbau der Sperrmauer begann noch im selben Jahr.

Mittlerweile ist der 1050 Hektar große Edersee, auch das “blaue” Auge des Waldecker Landes genannt, ein  beliebtes Naherholungsgebiet, das an seinen Ufern über zahlreiche Campingplätze, zwei Jugendherbergen, kleine Hotels und Pensionen Cafés, Gaststätten und Restaurants verfügt.

Nationalpark Kellerwald-Edersee

Direkt am Edersee befindet sich der Nationalpark Kellerwald-Edersee, der jüngste der 15 Nationalparks in Deutschland. Auf etwa 5.700 Hektar erstreckt sich neben dem Nationalpark Jasmund und dem Grumsiner Forst in Brandenburg einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Mitteleuropas, der sich unter dem Schutz der UNESCO befindet.

Routen mit herrlichen Ausblicken auf die Wald- und Seenlandschaft führen durch den Nationalpark, der mit unberührtem Urwald lockt, und den angrenzenden Naturpark. Die alten Rotbuchenwälder sind auf dem 70 Kilometer langen Urwaldsteig und dem 156 Kilometer langen Rundwanderweg Kellerwaldsteig zu erkunden.

Nationalpark Kellerwald - Edersee
Gut ausgeschilder sind die Wege im Nationalpark Kellerwald – Edersee Foto: Weirauch

Und immer wieder schimmert der Edersee durch die Kronenwipfel und lädt mit seiner ausgezeichneten Wasserqualität zu einem erfrischenden Abstecher ein. Der 70 Kilometer lange, markierte Urwaldsteig kann in mehreren Tagesetappen erwandert werden. Auch der TreeTopWalk Edersee bietet spektakuläre Ausblicke auf den Edersee.

Waschbären stammen vom Edersee

Übrigens setzten 1934 hessische Jäger die ersten Waschbären-Pärchen Mitteleuropas am Edersee aus. Von dort aus wanderte der aus Nordamerika stammende nachtaktive Allesfresser nach Westeuropa.

Kirchen – Radweg an der Eder

Der erste Kirchen-Radweg in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck verbindet seit Mai 2018 vierzehn Kirchen des Kirchenkreises Eder auf einer Gesamtstrecke von 110 Kilometer. Der bislang in Hessen erste Kirchen – Radweg  führt einmal um den Edersee herum und geht dann von der Staumauer in östlicher Richtung entlang der Eder bis in dne kleinen Ort Mandern (Bad Wildungen).In den Kirchen kann der Radfahrer oder auch der Wanderer  digital Wissen zur Geschichte der Kirche abrufen, erläutert Claus Günther, der Geschäftsführer der Edersee touristic GmbH.Durch die Ausstattung der Kirchen mit einem multimedialen, barrierearmen Informationssystem können Besucherinnen und Besucher in die Geschichte der Kirche und des Ortes eintauchen, Andachten und Musikstücken lauschen, Rätsel lösen oder Tipps für die Weiterfahrt erhalten.

Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee touristik, Foto: D.Weirauch
Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee touristik, Foto: D.Weirauch

Weitere Informationen rund um den Edersee

Fahradverleih von Heinrich Müller, hier die Seite des engagierten e-bike Verleihers.

Edersee-Atlantis

Bedingt durch den Bau der Sperrmauer mussten die drei im Edertal liegenden Dörfer Asel, Berich und Bringhausen verlegt werden. Bringhausen wurde abgetragen und in unmittelbarer Nähe – an einer höher gelegenen Stelle oberhalb des neu entstehenden Edersees – wieder aufgebaut. Ähnlich war die Vorgehensweise der Aseler. Auf einem Bergrücken, nördlich des ursprünglichen Ortes, errichteten sie den neuen Ortsteil Asel und am gegenüber liegenden Ufer des künftigen Sees Asel-Süd.

Zweil gelbe Bojen weisen im Sommer 2018 auf die unter der Wasseroberfläche befindliche Brücke von Asel hin. Foto: D.Weirauch
Zweil gelbe Bojen weisen im Sommer 2018 auf die unter der Wasseroberfläche befindliche Brücke von Asel hin. Foto: D.Weirauch

Der Ort Berich wurde von seinen Bewohnern komplett abgetragen und entstand in der Nähe von Bad Arolsen völlig neu und nennt sich seitdem sehr zutreffend “Neu”-Berich.Hier steht eine Menge über die 100-jährige Geschichte der Edertalsperre.
Noch heute kann man bei niedrigem Wasserstand im Edersee die Reste der alten Siedlungen, das “Edersee-Atlantis“ besichtigen (etwa die Aseler Brücke, Teile der mit Betondecken versehenen alten Friedhöfe etc. sowie ein Modell der Talsperre).

Blick auf die freigelegte Brücke von Asel, Foto: Edersee Touristic
Blick auf die freigelegte Brücke von Asel, Foto: Edersee Touristic

Die folgende Tabelle gibt Auskunft, bei welchem Wasserstand die einzelnen Bauwerke auftauchen.

Gästekarte MeineCardPlus

Erwähnenswert ist unbedingt, dass viele Attraktionen am Edersee kostenlos mit der MeineCardPlus besucht werden können.  Die MeineCardPlus erhält man bei über 140 Gastgebern geschenkt, darunter nicht nur Hotels, auch Pensionen und Ferienwohnungen

Kostenlos mit Bus und Bahn und noch viel mehr

Mit der MeineCardPlus kann man nicht nur kostenlos mit Bussen und Bahnen des Nordhessischen Verkehrsverbundes (beispielsweise auch der Kurhessenbahn) fahren, sondern kommt kostenlos in zahlreiche Attraktionen hinein. Dazu zählen beispielsweise das Nationalparkzentrum des Nationalparks Kellerwald – Edersee, der Baumkronenweg und der WildtierPark.

Die MeineCardPlus-Gastgeber schenken, das ist fast noch nicht allgegenwärtig in Deutschland, ihren Gästen die Gästekarte „MeineCardPlus“ und damit den komplett freien Eintritt in über 120 Freizeiteinrichtungen (Mehr Infos unter www.meinecardplus.de).

Nützliche Tipps zum Edersee

Was ist die GrimmHeimat NordHessen ?

Die GrimmHeimat NordHessen ist eine stetig wachsende Urlaubsregion. Von Bad Karlshafen im Norden bis Bad Hersfeld im Süden, von Eschwege im Osten bis Willingen im Westen reicht das Gebiet, das fünf nordhessische Landkreise und die kreisfreie Stadt Kassel einschließt. Die Region versteht sich als Heimat der Brüder Grimm, denn die beiden Sprachgelehrten haben hier den größten Teil ihres Lebens verbracht und ihre weltberühmten Märchen gesammelt. Die sanfte, waldreiche Mittelgebirgsregion mit ihren zahlreichen Flüssen und Seen, den romantischen Schlössern und Burgen und den zauberhaften Fachwerkstätten ist mit über 1.200 Kilometern an zertifizierten Wanderwegen und vielen erstklassigen Bahn- und Flussradwegen (u.a. Ederbahnweg) ein Paradies für Aktivurlauber und Naturliebhaber. Mit ihrer Lage im Herzen Deutschlands ist die GrimmHeimat NordHessen ein ideales Reiseziel für Kurzurlauber.

GrimmHeimat Nordhessen: Ständeplatz 13, 34117 Kassel, Tel: 0561/97062 248, www.grimmheimat.de

Die Recherche am Edersee wurde unterstützt von der Grimmheimat Nordhessen.

Vielen Dank.

Tipps

Im Morgennebel auf dem Edersee

Von Mai bis September über den EderseeVon Mai bis September über den Edersee mit der Fähre

 

 

Karl Sucks initiierte die Fähre zwischen Rehbach und Scheid
Karl Sucks initiierte die Aktion, Foto: D.Weirauch

Im Morgennebel des Edersees mit dem Boot lautlos zum Nationalpark übersetzen. Erleben, wie Hessens einziger Nationalpark Kellerwald-Edersee erwacht. Flora und Fauna unter fachkundiger Begleitung eines Rangers beobachten und ganz eintauchen in die berührende Morgenstille des Waldes und des Sees.

Im Morgennebel auf dem Edersee

Anschließend gemeinsam das wohlverdiente Frühstück mit regionalen Spezialitäten genießen. Dieses besondere Erlebnis bietet der Nationalpark Kellerwald-Edersee an insgesamt sechs Terminen im Mai und Juni 2017, jeweils von 5.00 bis 11.00 Uhr. Kosten pro Person 30 Euro inklusive Frühstück.

Nationalpark Kellerwald - Edersee
Stille Buchten, ideal für Angler und Ruhesuchende Foto: D.Weirauch

www.nationalpark-kellerwald-edersee.de

  • Was ist die GrimmHeimat NordHessen ?

    Die GrimmHeimat NordHessen ist eine Urlaubsregion mit jährlich rund 7,4 Millionen Übernachtungs- und 40 Millionen Tagesgästen. Von Bad Karlshafen im Norden bis Bad Hersfeld im Süden, von Eschwege im Osten bis Willingen im Westen reicht das Gebiet, das fünf nordhessische Landkreise und die kreisfreie Stadt Kassel einschließt. Die Region versteht sich als Heimat der Brüder Grimm, denn die beiden Sprachgelehrten haben hier den größten Teil ihres Lebens verbracht und ihre weltberühmten Märchen gesammelt. Die sanfte, waldreiche Mittelgebirgsregion mit ihren zahlreichen Flüssen und Seen, den romantischen Schlössern und Burgen und den zauberhaften Fachwerkstätten ist mit über 1.200 Kilometern an zertifizierten Wanderwegen und vielen erstklassigen Bahn- und Flussradwegen ein Paradies für Aktivurlauber und Naturliebhaber. Mit ihrer Lage im Herzen Deutschlands ist die GrimmHeimat NordHessen ein ideales Reiseziel für Kurzurlauber.

    GrimmHeimat Nordhessen: Ständeplatz 13, 34117 Kassel, Tel: 0561/97062 248, www.grimmheimat.de

Hier weitere Empfehlungen für eine Reise in die Grimmheimat Nordhessen.

+ Bad Wildungen

+ Rund um den Edersee

+ Bad Wildungen

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Schlosshotel Waldeck

Mit einem traumhaften Blick über den Edersee und den Kellerwald lockt das Schloss Waldeck, das als Wahrzeichen der Region gilt. Eheschließungen sind im Standesamt der Burg möglich. Das Hotel Schloss Waldeck gehört zu den Perlen der GrimmHeimat NordHessen, ist also einer der herausragenden Gastgeber der Region.

Schloss Waldeck
Potsdam

Kulturführer „Hessen – Pionierland der Reformation“

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Wie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, so steht auch in Nord- und Mittelhessen das Jahr 2017 ganz im Zeichen der Reformation. Denn in dieser Region hat Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen vor 500 Jahren als einer der ersten die Ideen Martin Luthers in die Tat umgesetzt. „Es gibt in der Region Kassel-Marburg eine ganze Reihe von Orten, deren Namen mit wichtigen Entwicklungsschritten im Verlauf der Reformation verknüpft sind“, erklärte Holger Schach, Geschäftsführer der Regionalmanagement Nordhessen GmbH. Als Beispiele nannte er die Städte Marburg, Homberg (Efze), Ziegenhain und Kassel sowie die Klöster Haina und Merxhausen.

Mit der Publikation eines handlichen Kultur- und Geschichtsführers eröffnet das Regionalmanagement Nordhessen im März 2017 eine Kampagne, die die einstige Landgrafschaft Hessen als „Pionierland der Reformation“ vorstellt.

Das Territorium umfasste vorwiegend Nord- und Mittelhessen sowie kleinere Gebiete in Südhessen, es war jedoch nur knapp halb so groß wie das heutige Bundesland Hessen. „Nicht nur für die Bewohner der Region, sondern auch für Gäste von außerhalb hat gerade im Jubiläumsjahr 2017 ein Besuch in den Reformationsorten Nord- und Mittelhessens einen hohen Reiz“, so Regionalmanager Schach weiter.

Was dort im Einzelnen vor 500 Jahren geschah, wird in dem reich illustrierten Kulturführer „Hessen – Pionierland der Reformation“ auf knapp 100 Seiten umrissen. Verfasser ist der Journalist und Autor Klaus Brill, der lange für die Süddeutsche Zeitung tätig war und jetzt in Nordhessen lebt. Im Zentrum seiner Darstellung steht die Persönlichkeit des Landgrafen Philipp des Großmütigen (1504-1567), der einer der wichtigsten politischen Führer der Protestanten in Deutschland war. „Ihm verdankt die Reformation viel, obwohl gerade er es war, der sie auch in höchste Gefahr brachte“, erklärt dazu Martin Hein, Bischof der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, in einem Geleitwort.

„Darum lohnt sich im Jubiläumsjahr 2017 der Blick zurück auf die Entwicklung in Hessen: Wie in einem Brennglas kann man hier alle Aspekte der Reformation in einem relativ geschlossenen Territorium erkennen“, schreibt der Bischof weiter.

„Landgraf Philipp war im Auf und Ab des Reformationsprozesses ein sehr wichtiger, wenn auch sehr eigenwilliger Verbündeter Martin Luthers und der erbittertste Gegenspieler von Kaiser Karl V., dem Führer des katholischen Lagers“, sagt auch der Autor Klaus Brill. „Philipp war der bedeutendste aller hessischen Landgrafen und er war europaweit vernetzt. Seine schillernden  Widersprüche sowie seine spektakulären Erfolge und Niederlagen machen ihn zu einer der faszinierendsten Persönlichkeiten seiner Epoche in Deutschland.“

Den Anstoß zur Einführung der Reformation gab Landgraf Philipp im Oktober 1526, als er Ritter, Klerus und Städte seines Territoriums zu einer Versammlung nach Homberg (Efze) einlud. Dieses Treffen ging als erste evangelische Synode in Hessen und als eine der ersten der Welt in die Geschichte ein. Die dort erörterten Ideen hatten nach dem Urteil des preußischen Historikers Leopold von Ranke „eine unermessliche, welthistorische Wichtigkeit“.

1527 hob Philipp als erster Landesherr sämtliche Klöster auf. Ihre Einkünfte wurden teilweise für die im selben Jahr gegründete Universität Marburg verwendet, die erste evangelische Hochschule der Welt. Die Klöster Haina und Merxhausen wurden 1533 in Spitäler für Arme und Kranke vom Land umgewandelt. Eine weitere hessische Pioniertat waren die „Erfindung“ der Konfirmation und die Einführung des Amtes der Kirchenältesten, die 1539 auf einer geheimen Theologenkonferenz in der Festung Ziegenhain beschlossen wurden. Ein epochales Ereignis war zudem das Marburger Religionsgespräch im Jahr 1529, bei dem Landgraf Philipp vergeblich versuchte, die Aufspaltung der Protestanten in eine lutherische und eine reformierte Richtung zu verhindern.

Als weitere Orte der Reformation in Hessen werden in dem Kultur- und Geschichtsführer unter anderen auch Frankenberg (Eder) und Bad Hersfeld präsentiert. In Frankenberg lebte und wirkte als „Bildhauer der Reformation“ der Formenschneider Philipp Soldan (ca. 1500-1570), der auf eisernen Ofenplatten die Botschaften der Reformation vermittelte. Im einstigen Benediktiner-Kloster Hersfeld war 1521 auf der Rückreise vom Reichstag in Worms der Reformator Martin Luther zu Gast und hielt eine Predigt.

Nicht zuletzt wird in dem Büchlein auch die thüringische Kleinstadt Schmalkalden porträtiert, die damals zur Landgrafschaft Hessen gehörte und kirchlich bis heute der Landeskirche Kurhessen-Waldeck zugeordnet ist. Nach diesem Ort sind der Schmalkaldische Bund, die damals von Landgraf Philipp mitbegründete Militärallianz der Protestanten, und der Schmalkaldische Krieg benannt.

Informationen zum Buch:

Hessen – Pionierland der Reformation, Ein Kultur- und Geschichtsführer von Klaus Brill; mit Fotos von Katharina Jaeger; Herausgeber: Regionalmanagement Nordhessen GmbH, Verlag: Evangelischer Medienverband Kassel GmbH,  Kassel 2017; Preis: 12,95 Euro

Was ist die GrimmHeimat NordHessen ?

Die GrimmHeimat NordHessen ist eine Urlaubsregion mit jährlich rund 7,4 Millionen Übernachtungs- und 40 Millionen Tagesgästen. Von Bad Karlshafen im Norden bis Bad Hersfeld im Süden, von Eschwege im Osten bis Willingen im Westen reicht das Gebiet, das fünf nordhessische Landkreise und die kreisfreie Stadt Kassel einschließt. Die Region versteht sich als Heimat der Brüder Grimm, denn die beiden Sprachgelehrten haben hier den größten Teil ihres Lebens verbracht und ihre weltberühmten Märchen gesammelt. Die sanfte, waldreiche Mittelgebirgsregion mit ihren zahlreichen Flüssen und Seen, den romantischen Schlössern und Burgen und den zauberhaften Fachwerkstätten ist mit über 1.200 Kilometern an zertifizierten Wanderwegen und vielen erstklassigen Bahn- und Flussradwegen ein Paradies für Aktivurlauber und Naturliebhaber. Mit ihrer Lage im Herzen Deutschlands ist die GrimmHeimat NordHessen ein ideales Reiseziel für Kurzurlauber.

GrimmHeimat Nordhessen: Ständeplatz 13, 34117 Kassel, Tel: 0561/97062 248, www.grimmheimat.de

 

Reise

Homberg/Efze: Wo die Reformation beschlossen wurde

Homberg-Efze (16). Im Oktober 1526 fand hier die weltweit erste evangelische Synode statt – ein Meilenstein in der Reformationsgeschichte. I

Vor fast 500 Jahren wurde in Homberg/Efze, einem Fachwerk-Kleinod, die Reformation für ganz Hessen beschlossen. Der reihe nach.  In der mächtigen Marienkirche inmitten Jahrhunderte alten und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern fand 1529 die erste evangelische Synode der Welt statt. Heute trägt die romantische Fachwerkstadt Homberg/Efze voller Stolz den Titel „Reformationsstadt Hessen“.

). Jahrhundertealte Fachwerkhäuser gruppieren sich um die erste Reformationskirche Hessens auf dem romantischen Marktplatz.Foto: D.Weirauch
). Jahrhundertealte Fachwerkhäuser gruppieren sich um die erste Reformationskirche Hessens auf dem romantischen Marktplatz.Foto: D.Weirauch

Besucher können in Homberg auf den Spuren der Reformation wandeln, mit dem Türmer in den Turm der Marienkirche aufsteigen und dort die Türmerwohnung besichtigen. Nach einer Stärkung in einer rustikalen Gastwirtschaft empfiehlt sich der Aufstieg zur Burgruine Homburg mit einem fantastischen Ausblick weit über die Stadt.

  • Themenführung „Reformation – eine Idee geht um die Welt“
  • Themenführung mit Stadtführer in historischer Gewandung durch Homberg (Efze), einschließlich Stadtkirche St. Marien.
  • Dauer etwa 1,5 Stunden.
  • Ausgangspunkt der Führung ist das Landgraf Philipp-Denkmal auf dem Marktplatz
  • Preis:
  • 10 Personen 35 Euro
  • 11 bis 25 Personen 45 Euro
  • Infos/Kontakt

Knüll Touristik e.V.:

Marktplatz 19
34576 Homberg (Efze)
Tel: +49 (0)5681 939161
touristinfo@homberg-efze.eu
www.knuelltouristik.de

 

Was ist die GrimmHeimat NordHessen ?

Die GrimmHeimat NordHessen ist eine Urlaubsregion mit jährlich rund 7,4 Millionen Übernachtungs- und 40 Millionen Tagesgästen. Von Bad Karlshafen im Norden bis Bad Hersfeld im Süden, von Eschwege im Osten bis Willingen im Westen reicht das Gebiet, das fünf nordhessische Landkreise und die kreisfreie Stadt Kassel einschließt. Die Region versteht sich als Heimat der Brüder Grimm, denn die beiden Sprachgelehrten haben hier den größten Teil ihres Lebens verbracht und ihre weltberühmten Märchen gesammelt. Die sanfte, waldreiche Mittelgebirgsregion mit ihren zahlreichen Flüssen und Seen, den romantischen Schlössern und Burgen und den zauberhaften Fachwerkstätten ist mit über 1.200 Kilometern an zertifizierten Wanderwegen und vielen erstklassigen Bahn- und Flussradwegen ein Paradies für Aktivurlauber und Naturliebhaber. Mit ihrer Lage im Herzen Deutschlands ist die GrimmHeimat NordHessen ein ideales Reiseziel für Kurzurlauber.

www.grimmheimat.de