Fontane

BücherFontane

Im Blickpunkt: Fontanes Frauen

Effi Briest (3)Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch

Auf dem Literatur- und Kulturmarkt gibt es bereits seit geraumer Zeit Bewegung. Neue Publikationen, Konferenzen, Events werden durch Verlage, PR-Agenturen und Tourismus-Agenturen angekündigt. Selbst Playmobil hat nach dem Erfolg mit der “Luther-Figur” eine “Fontane-Figur” in den Verkauf gebracht. Und auch der Konzeptkünstler Otmar Hörl macht mit der Großfigur des märkischen Dichters auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam. Für mehrere hundert Euro ist der “Fontane” käuflich zu erwerben. Fontane in allen Facetten, gespannt darf man sein, ob es in Anlehnung an die “Luther-Socken” auch noch “Fontane-Socken” geben wird?  … es ist ein weites Feld …

Da ist es doch erfreulich, dass das Jubliäum für viele Verlage Anlass ist, Autoren zu Wort kommen zu lassen, die sich intensiv mit dem wohl bekanntesten brandenburgischen Dichter beschäftigt haben. Mit „Fontanes fünf Schlösser“ (be.bra Verlag) gelang Robert Rauh und Erik Lorenz im letzten Jahr der Einstieg in die neue Fontane-Rezeption.

Potsdam

Rheinsberg – eine Spurensuche

Rheinsberg (1)

Es ist Samstag,  die Sonne scheint, wieder zieht es uns hinaus, um auf Fontane-Spurensuche zu wandeln. Über die Autobahn wollen wir nach Rheinsberg im Landkreis Ostprignitz-Ruppin   gelangen. Die vielen Baustellen auf der A10 bis zur Abfahrt Neuruppin helfen uns, zu entschleunigen. Wir nutzen die Zeit, um in unserem Reiseführer uns auf unseren Zielort Rheinsaberg (Mark) einzulesen. Und nebenbei freuen wir uns auf ein Frühstück, vielleicht mit dem Blick auf das Schloss Rheinsberg?

Rheinsberg hat ein Verkehrsproblem

Kurz vor 9 Uhr erreichen wir das kleine Städtchen  Rheinsberg, suchen nach einem Parkplatz, den wir gut ausgeschildert nahe der Mühlenstraße finden. Es kann losgehen mit unserer Stippvisite. Über die Mühlengasse wollen wir in die Stadt gelangen. Dabei werden unsere Blicke auf Schilder und Transparente an den Häusern gelenkt, die auf ein Verkehrsproblem in Rheinsberg aufmerksam machen.

Schwerlastverkehr durch die enge Mühlenstraße macht nicht nur die Häuser kaputt, die Risse sind deutlich zu sehen, vor allem auch die Einwohner leiden täglich. Am Wochenende sind zwar die LKW aus dem Straßenverkehr verschwunden, dafür kommen aber die vielen Touristen – meist mit dem Auto. Man kann der Stadt nur wünschen, dass eine Lösung gefunden wird. Da das Problem nicht erst seit gestern auftritt, ist das aber wohl nicht zu erwarten. Kaum vorstellbar, wie es hier bei Starkregen oder im Winter aussieht und mit Baumstämmen beladene Schwerlasttransporter durch die enge Straße donnern.

Das Problem einer Umgehungsstraße werde schon seit rund 20 Jahren zwischen der Stadt Rheinsberg und dem Land Brandenburg diskutiert. Auch um die Instandsetzung der Mühlenstraße gehe es immer wieder. Für ein würdiges Entree zu einer so pittoresken Stadt wie Rheinsberg es nun einmal ist, taugt die Mühlenstraße mit ihren vielen Schildern nicht. Wir merken: hier wehren sich Bürger und wollen auf Phantomschmerzen aufmerksam machen.So entsteht Politikverdrossenheit.

Im Gespräch mit Betroffenen erfuhren wir, dass die Stadtpolitik heillos verstritten ist. Anfang des Jahres kam mit Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) ein junger Bürgermeister ins Amt. Auf ihm liegen nun alle Hoffnungen. Denn Rheinsberg hat noch mehr Probleme als die Mühlenstraße. Dazu gehören ein halbfertiges Rathaus und die immer wieder eingeforderten Radwege. An einem Radwegekonzept arbeitet man seit langem.

Es kann so einfach sein

Wir fragen uns, warum man nicht mehr Parkplätze ean den Zugängen des Städtchen anlegt und dann mit Wägelchen oder Bimmelbahn – wie in anderen Städten auch – die Touristen in die Innenstadt befördert.  Es gibt zwar einen Parkplatz gegenüber dem Schloßpark. Aber da parkt kaum jemand für 8 Euro Tagessatz. Alle wollen in die Stadt und vor allem durch die Stadt hindurch. Denn die großen Hotels, wie das Maritim – Hafendorf, befinden sich am Rheinsberger See am anderen Ende von Rheinsberg. Auch Pferdefuhrwerke könnten diese Aufgabe übernehmen. Denn es gibt solche im Ort. Noch stehen zwei auf dem Triangelplatz  vor dem Schloss. Angesichts des schier überbordenen Verkehrs scheinen die Touristen auf eine Fahrt zu verzichten. In der prallen Sonne stehen die ausgemergelt wirkenden Tiere in zwei Gespannen mit ihren Fuhrleuten. Der Mann im Blaumann, die Frau in schwarzer Hose, sie warten auf Gäste. Kein herzliches Willkommen, keine Aufsteller, wohin die Fahrt überhaupt geht und wie teuer die Kutshcfahrt wird – alles wirkt wenig einladend. Mit  Wien oder Salzburg ist das nicht zu vergleichen. Es kann so einfach sein…

Im Ratskeller speiste Fontane

Nun gut, wir wollten frühstücken, der Ratskeller hatte noch geschlossen, allerdings zog uns die Speisekarte in den Schaukästen auch nicht sonderlich an. Vier A4 Seiten mit Magneten befestigt hingen kraftlos, zum Teil auch schon verblichen in den Kästen. auf dem schwarzen Aufsteller vor der Gaststätte konnten man lesen, dass „Spargel aus“ ist, die Spinnweben an der Tür und der Markise waren auch nicht sehr einladend.

Wir fragten einen Rheinsberger, der uns mit einer Einkaufstasche entgegenkam, wo man schnell und gut frühstücken könne. Er empfahl uns die Fleischerei Endler, direkt der Kirche gegenüberliegend. Ein guter Tipp, wir bekamen zwei Pott Kaffee und belegte Brötchen, alles frisch angefertigt, deshalb dauerte es etwas länger. Störte uns und die anderen wartenden Gäste aber nicht, vor der Fleischerei konnte man an Tischen sein „Frühstück“ genießen – mit Blick auf die Kirche. Der war allerdings eingeschränkt – Händler mit Kleidung – wie überall in brandenburgischen Städten zu finden – boten ihre Ware feil.

Warum kein Wochenmarkt mit Obst und Gemüse aus der Umgebung? Auch ein Blick in die Kirche war uns nicht möglich, wir hätten uns vorher anmelden müssen – Personalmangel auch hier.  woanders kann man auch während der Bauarbeiten, die derzeit in Rheinsberg ophl statttfinden, hineinschauen können: durch eine geöffnete Tür.

Nicht sehr einladend präsentiert sich am Samstag der Platz vor der Kirche, kein regionaler Händler bietet Obst oder Gemüse an, Foto: Weirauch
Nicht sehr einladend präsentiert sich am Samstag der Platz vor der Kirche, kein regionaler Händler bietet Obst oder Gemüse an, Foto: Weirauch

Also ging es weiter auf unserer Spurensuche … vielleicht können wir ja erstmal über eine kleine Schiffsfahrt die Gegend vom Wasser aus genießen? Da würde uns auch der Verkehr nicht stören, der die Besucher Rheinsbergs daran hindert, am Marktplatz die Straße zu überqueren, um über das Schlossareal zum Schiffsanleger zu gelangen.

Dem Berliner Jürgen Graf ist es u.a. zu verdanken, das Kronprinz Friedrich wieder vor dem Schlosseingang steht, Foto: Weirauch
Dem Berliner Jürgen Graf ist es u.a. zu verdanken, das Kronprinz Friedrich wieder vor dem Schlosseingang steht, Foto: Weirauch

Das Standbild von Friedrich II. steht zwar mittig auf dem Triangelplatz, scheint die Besucher förmlich in das Schloss ziehen zu wollen, allein der durchfließende Autoverkehr schien das verhindern zu wollen. Es dauert eine weile, bevor man über die Straße gelangt. Wie schön wäre doch ein verkehrsberuhigte Stadt Rheinsberg ?

Schifffahrt auf dem Grienericksee

Schließlich waren wir an der Anlegestelle für Fahrgastschiffe, hübsche holzgeschnitzte Figuren schmücken das Ufer, Bänke laden zum Verweilen und Träumen ein, der Blick auf den Rheinsberger See beruhigt, eine Schifffahrt bei dem wunderbaren Wetter wäre schön, wir möchten aber an Deck den Ausblick genießen, leider war jeder Platz belegt. Andere Anbieter waren an der Anlegestelle nicht zu finden, also ging es am Wasser zurück in den Park. In Rheinsberg muß man sich eben vorher anmelden, so begehrt ist die Reederei Halbeck.

Stark frequentiert sind die Schiffe der Reederei Halbeck, Foto: K.Weirauch
Stark frequentiert sind die Schiffe der Reederei Halbeck, Foto: K.Weirauch

Endlich kamen wir zum Schloss

Musik lockte uns aus der Ferne. Am Schlosstheater vorbei gelangten wir zum Schloss. Im Innenhof probten jungen Musiker für das Abendkonzert. Eine kleine Überraschung, auch für eine Schulanfängerin mit ihren Gästen, die die Treppen zum Innenhof hinaufstiegen.

Blick in den Innenhof von Schloss Rheinsberg, Foto: Weirauch
Blick in den Innenhof von Schloss Rheinsberg, Foto: Weirauch
Der Start in das Schulleben mit Musik in traumhafter Umgebung – ein Augenblick, der sicher unvergesslich bei allen Beteiligten bleibt.
Der Start in das Schulleben mit Musik in traumhafter Umgebung – ein Augenblick, der sicher unvergesslich bei allen Beteiligten bleibt, Foto: Weirauch

Schloss Rheinsberg war ursprünglich eine befestigte Burg an der Nordgrenze der Mark Brandenburg, später ein Renaissanceschloss des Landadels. 1734 kaufte es der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. samt umliegenden Ländereien für seinen Sohn, den Kronerben Friedrich. 1736 zog Friedrich mit seiner zwangsweise Angetrauten  Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern ein. Der Kronprinz verbrachte seine glücklichsten Jahre auf einer Baustelle. Sein Jugendfreund, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ließ in nur drei Jahren Bauzeit das Ensemble in seiner heutigen Form entstehen. Der zur Seeseite hin vielgliedrige Bau mit den den südlichen und nördlichen Gebäudeflügel abschließenden Türmen macht Schloss Rheinsberg so unverwechselbar.

Im Kavaliershaus neben dem Schlosstheater residiert u.a. die Musikakademie, Foto: Weirauch

Seine wirkliche Blüte erlebte Schloss Rheinsberg erst unter dem 14 Jahre jüngeren Bruder Heinrich des Kronprinzen. 1752 übernahm dieser das Schloss und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr  1802. In jenen Jahren wurde Rheinsberg zu einem Anziehungspunkt für die feine Gesellschaft aus ganz Europa. Hier zeigte sich, was Mode war, in Literatur, Musik, Theater. Mittendrin Prinz Heinrich als Impressario eine galanten Hofes. Das Schloss und vor allem der Park, so wie wir sie heute erleben können, haben in dieser Zeit ihre Vollendung gefunden.

Wo Prinz Heinrich ruht

Unweit des Schlosses, in der Nähe des Heckentheaters befindet sich die Grabstätte von Prinz Heinrich, die er selbst entworfen hat: eine Pyramide mit abgebrochener Spitze, versehen mit einer Bronzetafel mit Inschrift in französischer Sprache: „Lob oder Tadel berühren den nicht mehr, der in der Ewigkeit ruht. Aber die süße Hoffnung verschönt die letzten Augenblicke dessen, der seine Pflichten erfüllte … Sie begleitet mich im Sterben.“

Einen Blickfang – wie vom Schloss Sanssouci auf den Ruinenburg – gibt es auch vom Schloss Rheinsberg aus auf den direkt gegenüberliegenden Obelisk. Prinz Heinrich widmete ihn den „vergessenen Helden“ des Siebenjährigen Krieges. Fontane bezeichnete diesen Obelisk als „die vielleicht größte Sehenswürdigkeit Rheinsbergs“. Heinrich wollte nicht nur seinem Bruder Friedrich Wilhelm (1722-1758), der 1744 als Thronfolger des kinderlosen Friedrich bestimmt worden war, nach taktischen Fehlern als General im Siebenjährigen Krieg unehrenhaft aus der Armee verstoßen wurde und mit nur 36 Jahren kurz darauf auf Schloss Oranienburg verstarb, vor dem Vergessen bewahren. Die Ehrung gilt auch weiteren Offizieren.

Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, Foto: Weirauch
Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, Foto: Weirauch

Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, die an jeweils ein Schicksal in dem mörderischen Krieg erinnern. Nicht genannt wird sein Bruder Friedrich (1712-1786), König (ab 1740) und oberster Heerführer. Mit dem letzten Satz der Ehrung für den General von Zieten gibt es einen weiteren Seitenhieb den Bruder. Der Text für General Hans Joachim  von Zieten (1699-1786) lautet in der Übersetzung Fontanes so: „General von Zieten erreichte ein ebenso glückliches wie ehrenvolles Alter. Er siegte in jedem Gefechte. Sein kriegerischer Scharfblick, vereinigt mit einer heroischen Tapferkeit, sicherte ihm den glücklichen Ausgang jedes Kampfes. Aber was ihn über alle erhob, waren seine Redlichkeit, seine Uneigennützigkeit und seine Verachtung aller derer, welche auf Kosten der unterdrückten Völker sich bereicherten.“

In seinen “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” setzte Theodor Fontane der Stadt Rheinsberg ein literarisches Denkmal. Später machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zur charmanten Erfüllung unbeschwerter Liebe. Auch heute kann sich kaum ein Besucher dem Charme des Ortes entziehen.

Auf dem Rückweg zum Auto führt uns unser Weg vorbei an der Tourist-Information. Wir wollen noch erkunden, welche Veranstaltungen im Fontane-Jahr 2019 geplant sind. Leider konnte man uns keine Auskunft geben, wir erhielten aber ein gedrucktes Programm mit geplanten Veranstaltungen im Fontane-Jahr im Land Brandenburg. Beim Durchblättern fanden wir dann auch Programmhinweise für Rheinsberg. Fontane ist ja noch weit weg…

Auch unsere Rückfahrt sorgte für Entschleunigung. Richtung Lindow mussten wir am Rande von Rheinsberg am unbeschrankten Bahnübergang wegen des roten Signals und des nicht enden wollenden Signals warten. Sehr lange, ein Zug kam nicht, dafür kamen sowohl von der Gegenseite als auch von unserer Seite Autos, die bei rot über die Gleise fuhren. Gefährlich … Was war los?

Die Niederbarnimer Bahn hat Probleme mit der automatischen Schaltung. Erst ein Anruf brachte die Lösung. Auf dem Fahrrad kam eine männliche Person, die das Signal ausschalten konnte. Es soll schon desöfteren zu solchen Staus gekommen sein.

Informationen zu Rheinsberg

Tourist-Information
Remise am Schloss/Mühlenstraße 15a, 16831 Rheinsberg
Tel. 033931 34940
www.tourist-information-rheinsberg.de
Öffnungszeiten: 1. April – 31. Oktober: Mo-Do 10-17 Uhr, Fr-Sa 10-18 Uhr, So und Feiertag 10-16 Uhr
1. November – 31. März: Mo-Do 10-16 Uhr, Fr 10-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So und Feiertag geschlossen

Gasthof und Fleischerei Endler
Mühlenstraße 14, 16831 Rheinsberg
Tel. 033931 2079
www.gasthof-endler.de

Weiterführende Literatur
Joachim Nölte: Seenland Ruppin – Ein Wegbegleiter. Edition Terra. Berlin 2016

Potsdam

Bornstedter Friedhof: Letzte Ruhe für Potsdams Prominenz

Bornstedter FriedhofCampanile und Eingang zum Bornstedter Friedhof, Foto: Weirauch

Der Bornstedter Friedhof ist weit über die Stadt Potsdam hinaus bekannt. Er gilt als einer der schönsten und verwunschensten Friedhöfe in der Umgebung von Berlin. Der Schriftsteller Theodor Fontane bezeichnete den Bornstedter Friedhof als “Rückwand von Sanssouci” und schrieb: “Was in Sanssouci stirbt, wird in Bornstedt begraben.”Bornstedter Friedhof: Letzte Ruhe für Potsdams Prominenz

Bornstedter f,20129 (11)

Persius erbaute die Kirche

Theodor Fontane besuchte 1869 den Friedhof und fand noch die traditionelle Obst- und Grasnutzung durch den Küster vor. Erst zehn Jahre später wurde diese Nutzung beendet. Der heutige Zustand geht auf die Wiederbelegung ab 1897 und eine Umgestaltung in den Jahren 1911 und 1912 zurück.Wunderschön angelegt und gut gepflegt ist der Kirchhof, der nur 300 Meter vom Schloss Sanssouci entfernt liegt. Ein Spaziergang beginnt an der Kirche, die 1842-43 auf Wunsch von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. vom Architekten Friedrich Ludwig Persius (auch er liegt auf dem Friedhof) mit einem freistehenden Campanile in italienischem Stil ergänzt wurde. Später brachten die Baumeister August Stüler und Reinhold Persius das Gotteshaus in den heutigen Zustand.

Im Innern findet sich das Grab des Freiherrn Jakob Paul Gundling (1673-1731). Der kunstfeindliche Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. hatte Gundling, der Präsident der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin war, in einem Fass begraben lassen. Der Grabstein kann besichtigt werden. Die Kirche bietet so manche Überraschung. So erinnert die Kronprinzenloge in der Kirche an Kronprinz Friedrich Wilhelm, den “99-Tage-Kaiser”, der das gegenüberliegende Krongut Bornstedt mit seiner Frau iktoria bewohnte.

Spaziergang über den Bornstedter Friedhof

Bei einem Spaziergang über den schon 1599 erstmals erwähnten Bornstedter Friedhof treffen wir heute auf die Ruhestätten von preußischen Prinzen, Generalän, Offizieren, Kammerherren und Kammerdienern, Geheimen Räten, Hofärzten, Gartenarchitekten und Hofbaumeistern. Auf den einzelnen Teilen des Bornstedter Friedhofs ruhen mehr als 500 bedeutende Persönlichkeiten. Fontane nennt in seinen „Wanderungen“ auch das Grab des 1690 in Neuwied geborenen Heinrich Wilhelm Wagenführer: „Heinrich Wilhelm Wagenführer, geboren zu Neuwied 1690. Theodor Fontane erwähnt es nach einem Besuch im Jahr 1869 in seinen berühmten „Wanderungen“. Er schreibt: „Ein alter Ulmenbaum … hat sein Wurzelgeäst derart über den Grabstein hingezogen, dass es aussieht, als läge eine Riesenhand über dem Stein und mühe sich, diesen an seiner Grabesstelle festzuhalten. Gespenstisch am hellen, lichten Tag!“ Er wurde vom Rhein an die Havel verschlagen, wie es scheint zu seinem Glück. Der Grabstein nennt ihn mit Unbefangenheit „einen vornehmen Kauf- und Handelsmann zu Potsdam“. Wagenführer verdiente sich sein Brot zunächst als einer der “Langen Kerls” im Leibbataillon des Soldatenkönigs. Später war er als Weinhändler erfolgreich.

Privatfriedhof der Hofgärtner

Wenige Schritte weiter gelangen wir auf den Familienfriedhof der Sellos, der, wie Fontane schreibt, “Hofgärtner in Bataillonen” vereint. Dort ruht auch der Garten- und Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenné (1789-1886), Schöpfer von mehr als 50 Parkanlagen, unter einem schlichten Marmorkreuz.

Bornstedter f,20129 (18)

Auf dem historischen Teil des Friedhofs in Potsdam entdecken wir die Gräber des „Müllers von Sanssouci“, Carl Friedrich Vogel (1736-1802) und von Henri Alexandre de Catt (1725-1795, er war Vorleser und Privatsekretär Friedrich des Großen). Aufwendig restauriert wurde das schmiedeeiserne Umfassungsgitter am Grab des Landschaftsmalers Samuel Rösel (1769-1843). Lauter berühmte Namen sind auf den Grabsteinen zu lesen. Etwa die der Architekten Heinrich-Ludwig Manger (1728-1790) und Friedrich Ludwig Persius (1802-1845).

Grab für den Kunstsammler und Mäzän Karl-H. Bröhan
Grab für den Kunstsammler und Mäzen Karl-H. Bröhan

Ebenso fand Henry Wood (1849-1925), amerikanischer Goethe-Forscher und Initiator der Quäker-Speisung für hungernde deutsche Kinder nach dem 1. Weltkrieg, auf dem kirchlichen Friedhof seine letzte Ruhe. Hinter dem Friedhof für die Hofgärtner, dem sogenannten Sello-Friedhof, entdecken wir das Grab von Anni von Gottberg (1885-1958). Sie war engagiertes Mitglied der Bekennenden Kirche im Kampf gegen das NS-Regime.

Siegward Sprottes Grabanlage

Hinter einem der wenigen Mausoleen sehen wir schon von weitem das Grab von Siegward Sprotte (1913 – 2004). Der in Bornstedt geborene Maler lebte viele Jahre in Kampen auf Sylt. Schräg gegenüber ruht der Luftfahrtpionier Werner-Alfred Pietschker (1887-1911), ein Enkel von Werner von Siemens. Auch Ludwig Justi (1876-1957), langjähriger Direktor der Nationalgalerie Berlin, ist auf dem Friedhof begraben. Justi wohnte in der nahen Orangerie im Park Sanssouci.

Bornstedter f,20129 (34)

Grabstätte der Familie Joop

Rechtsherum kommen wir zur Familiengrabstätte der Familie Joop. Der Engel auf dem Grab des Vaters von Modedesigner Wolfgang Joop sorgte 2012 für Aufregung. Wolfgang Joop will mit dieser Plastik, die bisher seinen Garten am Heiligen See in Potsdam schmückte, seinen Vater Gerhard (1914 – 2007) ehren. Die Figur, die die Besucher so aufregte, zeigt die Metamorphose des Menschen: Der Kopf eines jungen Mannes geht über in den Körper eines alten Menschen. An den Armen wachsen ihm Flügel: bereit, zum Himmel zu fliegen. Doch zwischen den Beinen war das männliche Geschlecht zu sehen – Unbekannte schlugen es unlängst ab.

Bornstedter f,20129 (38)

Gleich in der Nähe wurde im Jahr 2007 Prinz Wilhelm Karl von Preußen (1922-2007), Enkel des letzten deutschen Kaisers und langjähriger Herrenmeister des Johanniterordens, bestattet.

Campanile und Eingang zum Bornstedter Friedhof
Campanile und Eingang zum Bornstedter Friedhof

Die Evangelische Kirchengemeinde, der Verein „Freunde des Bornstedter Friedhofs“ sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bemühen sich um den Erhalt der Gräber auf dem Bornstedter Friedhof.

  • Bornstedter Friedhof – Informationen
  • Anfahrt: Tram ab Potsdam Hbf. mit „Krongut-Linie“ bis Endhaltestelle Kirschallee, von dort 7 Minuten zu Fuß in die Ribbeckstraße. Pkw: Ausschilderung Krongut“ folgen, öffentlicher Parkplatz direkt an der Potsdamer Str. (B 273), dann Richtung Krongut, gegenüber ist der Eingang zum Bornstedter Friedhof
  • Adresse: Bornstedter Friedhof, Ribbeckstraße, 14469 Potsdam, Tel: 0331-0331520568
  • Öffnungszeiten: tgl. 7 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit
  • Führungen über den Friedhof: April bis Oktober, jeweils am 1. Samstag im Monat, Treffpunkt: 14.30 Uhr an der Kirche, anmelden im Gemeindebüro, Tel.: 0331- 520568
  • Bornstedter Friedhof im Internet: www.bornstedter-friedhof.de

Hier ein Buch über den Bornstedter Friedhof.

Potsdam

Karl Foerster Stauden in Bornim

Karl Foerster Garten Potsdam

Herbstbesuch bei Karl Foerster.  Sein Garten und Haus sind ein Mekka für Gartenfreunde. Zumal es in der benachbarten Gärtnerei jede Menge Pflanzen gibt.  Und Tipps gratis dazu. 1910 erwarb Karl Foerster in Potsdam-Bornim, nördlich von Park Sanssouci, ein 5.000 Quadratmeter großes Areal. Die Gegend gehörte zu der von Peter Josef Lenné verschönerten Landschaft um Potsdam. 1911 wurde das Wohnhaus im Landhausstil errichtet und bis 1912 entstanden auf dem ehemaligen Ackergelände ein Schaugarten und eine Anzuchts- und Versuchsfläche für Stauden. Hier testete Foerster viele seiner Züchtungen auf ihre Widerstandsfähigkeit und Frosthärte. Der Garten und das Wohnhaus stehen seit 1981 unter Denkmalschutz. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Potsdam 2001, wurde der Garten in enger Zusammenarbeit von Marianne Foerster und dem Berliner Gartenarchitekt Martin Heisig, der von 1957-1960 eine Gärtnerlehre bei Karl Foerster absolvierte, wieder instand gesetzt und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht.

Mit nur einem Besuch erschließt sich der Reichtum, den wir Karl Foerster verdanken, sicherlich nicht. Deshalb lohnt es sich durchaus, die Anlage zu den verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen.

Karl Foerster legte stets großen Wert darauf, dass sein Bornimer Garten jedem interessierten Besucher offen stand. Marianne Foerster, die im März 2010 verstarb, führte diese Tradition bis zu ihrem Tode fort.

Bereits im Jahr 2001 wurde durch den Stifter Wolfgang Behr die Marianne Foerster-Stiftung gegründet, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn treuhänderisch verwaltet wird. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals werden Pflege und Erhaltung des Anwesens gefördert.Mehr Informationen über den Karl-Foerster-Garten gibt es hier: www.denkmalschutz.de/foerstergarten.html

Übrigen sind Zustifter willkommen.Nun wird der Wissenschaftliche Beirat der Marianne Foerster-Stiftung gemeinsam mit dem Testamentsvollstrecker zunächst Lösungen insbesondere für die denkmalgerechte Bewahrung von Haus und Inventar erarbeiten. In einigen Räumen des Obergeschosses soll ein fachkundiger Bewohner einziehen. Der für das Leben und Werk von Karl und Marianne Foerster wichtige Erdgeschossbereich soll sorgsam dokumentiert, inventarisiert und soweit möglich in der überkommenen Gestalt bewahrt bleiben. Zu besonderen Anlässen sollen diese Räume auch interessierten Besuchern zugänglich sein.

Da das Anwesen außen wie innen restaurierungsbedürftig ist, will die Marianne Foerster Stiftung und ihr Wissenschaftlicher Beirat in den kommenden Jahren die Bemühungen intensivieren, Mittel für die würdevolle Erhaltung des Gebäudes einzuwerben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die fachliche und finanzielle Unterhaltung des bedeutendsten Privatgartens Potsdams.

error: Content is protected !!