Bauhaus

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Brandenburg ein Bauhausland ?

Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Glasgang im Innern, Foto: Eberle & EisfeldBauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Glasgang im Innern, Foto: Eberle & Eisfeld

Kulturland Brandenburg. Fontaneland Brandenburg. Pferdeland Brandenburg, Seenland Brandenburg. Es kann so einfach sein – Land! Nun also auch noch Bauhausland. „Brandenburg ist Bauhaus-Land!“ So sagte heute die Brandenburger Kulturministerin Martina Münch anlässlich des Eröffnungsfestivals zu ‘100 Jahre Bauhaus‘ in Berlin. Irgendwie will ich das nicht glauben, bisher waren Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen für mich jene Länder, die ich mit dem –Bauhaus verortet habe. Aber Brandenburg ? Bis auf die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau gibt es keine berühmten Bauhausstätten in Brandenburg?

Oder doch ? 

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Tag des offenen Denkmals: Bundesschule Bernau

foyer-speisesaalBauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Blick in das foyer/speisesaa,l, Foto: Eberle & Eisfeld

Am Bahnhof von Bernau flattern Fahnen im Wind. Sie sollen auf das Unesco-Weltkulturerbe Baudenkmal Bundesschule Bernau in der nur sechs Kilometer von Berlin entfernten Stadt aufmerksam machen.  Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals kann das zwischen 1928 und 1930 errichtete Architekturensemble der Bauhausarchitekten Hannes Meyer und Hans Wittwer besichtigtet werden. Das Baudenkmal Bundesschule Bernau zählt zu den bedeutendsten Baudenkmalen der europäischen Moderne. Vor zwei Monaten erst wurde der einzigartige Gebäudekomplex  der ehemaligen Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes auf die Welterbeliste gesetzt. In Brandenburg finden sich eindrucksvolle Beispiele moderner Architektur, wie der Einsteinturm in Potsdam und die Hutfabrik in Luckenwalde von Erich Mendelsohn, die Häuser Riehl, Urbig und Mosler von Mies van der Rohe in Potsdam-Neubabelsberg, die unter Beteiligung von Walter Gropius entstandene Kupferhaus-Siedlung in Eberswalde-Finow und vor allem die zwischen 1928 und 1930 fertiggestellte Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB-Schule) in Bernau. Die Schule zählt neben den Laubenganghäusern in Dessau zu den einzigen erhaltenen Bauten, die von der Bauabteilung des Bauhauses unter Federführung des zweiten Bauhaus-Direktors Hannes Meyer realisiert worden sind. In Vorbereitung des Bauhaus-Jubiläums soll die Aufenthalts- und Nutzungsqualität der ADGB-Schule durch eine neue Gestaltung der Außenanlagen aufgewertet werden.

Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Blick auf das Internatsgebäude, Foto: Eberle & Eisfeld
Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Blick auf das Internatsgebäude, Foto: Eberle & Eisfeld

Bernauer sind stolz auf Unesco-Welterbe

Wen ich dieser Tage bei meinem Besuch in Bernau auch fragte: einhellig sind die Bernauer, dass sie nun in einem Atemzug mit Schloss Sanssouci, dem Kölner Dom oder der Stadt Bamberg genannt werden. Unesco-Welterbe, das hat einen guten Ruf. Lockt sicher auch internationale Gäste in die Stadt mit ihren rund 35.000 Einwohnern.

Noch muß man sich durch den Busfahrplan quälen, um zum Mayer-Wittwer-campus, der Richtung Wandlitz liegt, zu kommen. Oder man nimmt vom Bahnhof ein Taxi, das kostet allerdings rund 17 Euro. Ein Besucherzentrum soll recht bald entstehen.

Ist man erst einmal dort, so  gibt es einiges zu bestaunen. Bauhaus-Direktor Hannes Meyer und sein Partner Hans Wittwer schufen von 1928 bis 1930 im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in einem Forst den mehrteiligen Schul- und Internatskomplex Bundesschule. Die Gebäude sind ockerfarben, im Außenbereich entstanden ein Freibad und ein Sportplatz.

Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Glasgang im Innern, Foto: Eberle & Eisfeld
Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Glasgang im Innern, Foto: Eberle & Eisfeld

Mehrere Teile des Gebäudekomplexes sind durch den Verbindungsflur wie an einer Schnur aneinandergereiht. Das historische Schul- und Internats-Areal wirkt dadurch aufgelockert.

Tag des offenen Denkmals: Bundesschule Bernau

Der bereits bestehende Bauhaus-Weltkulturerbe-Eintrag ist um Bernau und die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau erweitert worden, es handelt sich also nicht um einen völlig neuen Eintrag. Bisher gehören in Weimar die ehemalige Kunstschule, die ehemalige Kunstgewerbeschule und das Haus am Horn dazu. In Dessau sind es das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser. Die Bauhaus-Architektur gilt als Grundstein der Moderne. Der Bauhaus-Gedanke steht für Funktionalität und klare Linien sowie für eine neue Form des Wohnens.

Dr. Peter Steininger vom Förderverein Baudenkmal Bundesschule Bernau sieht für Bernau als eine „logische Folge“. Während Dessau die Bauhaus-Ausbildungsstätte gewesen sei, sei Bernau das Produkt. „Hier konnte man zeigen, was Bauhaus heißt“, sagt er.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände als Gewerkschaftshochschule des FDGB weitergeführt, wie der Dr. Steiniger erläutert. „Es geriet auch bei Bernauern zum Teil in Vergessenheit“, sagt Steininger. Nun wurde der versunkene Schatz allseits bekannt.

Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Blick in das foyer/speisesaa,l, Foto: Eberle & Eisfeld
Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau: Blick in das foyer/speisesaa,l, Foto: Eberle & Eisfeld

Bei der Führung erläutert der Experte, was die Verbindung von Form und Funktion bedeutet. Zum Beispiel gibt es in der Aula nur Oberfenster. „Die Teilnehmer im Raum sollten nicht von der Umgebung abgelenkt werden“, sagt Steininger. Dagegen ist genau daneben der imposante Speisesaal ganz anders konzipiert: Eine riesige Glasfront gewährt den Blick ins Grüne. In den angrenzenden Gebäudeteilen waren Wohnungen für die Lernenden untergebracht. Heute nutzt die Handwerkskammer Berlin das Areal als Internat.

Baudenkmal Bundesschule Bernau

Hannes-Meyer-Campus 9 | Geöffnet: 10.30-14 Uhr | Führungen

Hier nähere Informationen zur Bundesschule Bernau

Im August fand eine internationale Sommerschule in der Bundesschule Bernau statt. Hier der Link.

1 Stunde wegReise

Ausflugstipp: Dessau-Roßlau

Bauhausgebäude in DessauBauhausgebäude in Dessau

Kunstvolle Musik und klare Formen

Hier ein Ausflugstipp, den wir gern an Euch weitergeben wollen. Wir wandeln  in Dessau-Roßlau auf den Spuren großer Persönlichkeiten und entdecken Sie das kulturelle Erbe von Bauhaus-Architekt Walter Gropius und Komponist Kurt Weill. Doch nicht nur kulturell fasziniert die Gegend von Dessau-Roßlau. Die idyllische Elbauenlandschaft oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz laden Sie zu einem unvergesslichen Ausflug in die Natur ein.

Meisterhaus in Dessau
Meisterhaus in Dessau

Ihr Weg in eines der Zentren des UNESCO-Weltkulturerbes führt uns über den Berliner Hauptbahnhof. Wir nehmen dort den RE7 und erreichen Sie nach etwa anderthalb Stunden Fahrt durch den schönen Fläming Dessau-Roßlau. Zwischen dem 27. Februar und 15. März begrüßt die Stadt mit dem Kurt-Weill-Fest. Knapp 40 über die ganze Stadt verteilte Veranstaltungen würdigen in dieser Zeit den 1900 in Dessau geborenen Komponisten. Erleben Sie den klangvollen Auftakt der Feierlichkeiten und besuchen wir das Eröffnungskonzert am 27. Februar um 19 Uhr im Anhaltischen Theater, zu dem wir vom Hauptbahnhof in fünf Gehminuten gelangen. Wer einen kurzen Ausflug in die Umgebung plant oder an mehreren Veranstaltungen teilnehmen möchte, kann sich am Hauptbahnhof ein Fahrrad leihen. Ob zu Fuß oder per Rad: Das berühmte Bauhaus Dessau erreichen wir in nur wenigen Minuten vom Hauptbahnhof.

Blick auf einen Teil des Bauhauses in Dessau, Foto: Weirauch
Blick auf einen Teil des Bauhauses in Dessau, Foto: Weirauch

Foto: Weirauch

Das Bauhaus Dessau, das in den 20er Jahren nach Plänen von Walter Gropius entstanden ist, bietet uns nicht nur Raum für einmalige Klangerlebnisse. Es ist auch ein idealer Platz, um in die Welt der Architektur einzutauchen. Wir erfahren bei einem Rundgang mehr über die Hochschule für Gestaltung und ihren entscheidenden Einfluss auf Bauweise, Kultur und Kunst des 20. Jahrhunderts.

Die früheren Wohn- und Wirkungsstätten der prägenden Persönlichkeiten des Bauhausstils finden wir in der 500 Meter entfernten Ebertallee 59 bis 71 – Teil der von Gropius entworfenen Siedlung mit den faszinierenden Meisterhäusern. Die Siedlung gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist nach ihrer Sanierung erstmals seit fast 70 Jahren wieder komplett. Die Häuser und das sehenswerte Konsumgebäude im Ortsteil Törten können Sie auch mit dem Kombiticket für 13 Euro besichtigen.

Als weitere Aktivität planen wir eine Radtour ein. Vom Bauhaus Dessau in der Gropiusallee radeln wir in nur vier Minuten zum Beckerbruch Park. Auf dem Weg dorthin führt eine Teilstrecke der rot ausgeschilderten Gartenreichtour „Fürst Franz“ zum Schloss Mosigkau.

Wir besichtigen die Rokokoperle auf eigene Faust oder melden uns für eine Schloss- und Gartenführung an. Freuen dürfen wir uns auf den Galeriesaal, in dem wir Gemälde flämischer und niederländischer Meister erwarten. Wer es sportlicher mag, kann mit dem Fahrrad die 68 Kilometer lange Gartenreichtour zurücklegen und auf dieser Route die Elbauenlandschaft und das Gartenreich Dessau-Wörlitz erkunden.

Eine bequemere Möglichkeit, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Gartenreich zu besuchen, bietet die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn. Sie fährt unter anderem am Dessauer Hauptbahnhof ab, von dem wir auch ganz komfortabel mit dem RE 7 wieder nach Berlin fahren können.

Schloss Mosigkau, Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

 

hier geht es zu weiteren stadtionen des Dessau – Wörlitzer Gartenreiches.

Weitere Informationen

Ausgangspunkt: z. B. ab Berlin Hbf
Verkehrsmittel: RE 7
Reisezeit: ca. 1 Stunde 30 Minuten
Taktfrequenz: stündlich, am Wochenende alle 2 Stunden
Ticket-Tipp: Mit dem Brandenburg-Berlin-Ticket fahren Sie und bis zu 4 Mitfahrer für nur 29 Euro. Auf der Linie des RE 7 gilt das Ticket sogar bis nach Dessau Hbf. Zum Brandenburg-Berlin-Ticket können Sie die Fahrradtageskarte Nahverkehr für 5 Euro nutzen. Die Kapazitäten für die Fahrradmitnahme sind begrenzt.

 

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