Bauhaus

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Quedlinburg – Sehenswerte Schau zu Lyonel Feininger

QuedlinburgMichael Freitag ist der Chef der Feininger-Galerie in Quedlinburg , Foto: Weirauch

Die Ausstellung wurde bereits beendet. 

Eine sehenswerte Ausstellung ist derzeit in der Feiniger Galerie in Quedlinburg zu sehen. Die Ausstellung unternimmt erstmals den Versuch, den künstlerischen Aufbruch der Moderne am Beispiel einer Künstlerfamilie sichtbar zu machen. Erinnern wir uns: s der Maler und Bauhaus-Meister Lyonel Feininger in die USA zurückkehrte, weil seine Werke von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert worden waren, übergab er einige seiner Arbeiten an den Quedlinburger Kunstsammler Dr. Hermann Klumpp, der sie in seiner Heimatstadt Quedlinburg verborgen hielt. Etwa 40 Exponaten sind heute in der Lyonel-Feininger-Galerie zu sehen.

Die Schau in der Feininger-Galerie in Quedlinburg nimmt die musisch-künstlerisch hoch begabte Familie in den Blick. So wird beispielsweise gezeigt, welchen Anteil Gattin Julia am Erfolg des späteren Bauhaus-Meisters hatte. Galerie-Direktor Michael Freitag recherchierte, bei eBay ersteigerte er Fotos von Feiningers Tochter Lore aus erster Ehe. Arbeiten von ihr sind erstmals zu sehen, im großen “Familienbild”.

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Gropius konnte nicht einmal zeichnen – von der Uni geflogen

Bauhausgebäude in DessauBauhausgebäude in Dessau

2019: Hundert Jahre Bauhaus

Sie glaubten, in Weimar – dieser Stadt aufgeschlossener Klassik – endlich in künstlerischer wie auch gesellschaftlicher Weise so leben und arbeiten zu können, wie sie es sich wünschten – nicht gegängelt, vielleicht auch ein wenig zügellos. Außerdem hatte einer von ihnen, Walter Gropius, sehr private Bindungen an die Stadt Goethes, Schillers, Bachs und Händels, denn hier wirkte sein Freund Henry van de Velde als Direktor der Staatlichen Kunstgewerbeschule. Über ihn auch hatte Gropius einflussreiche großherzogliche Beamte kennen gelernt. Verlockend war auch das Wort „staatlich“ im Namen der Hochschule, denn damit war sie finanziell gesichert – der Staat zahlte ja.

Gropius konnte nicht einmal zeichnen – von der Uni geflogen

Weimar aber war auch anderweitig noch verheißungsvoll für die Künstler einer Moderne, wie sie das 1918 zusammengebrochene Kaiserreich nicht erlaubt hätte. Mit Weimar wurde auch deshalb absolute künstlerische Freiheit verbunden, weil hier Deutschlands erste wahrhaft demokratische Verfassung beschlossen und verkündet wurde und weil Weimar zeitweise – für einige Monate – Sitz der Nationalversammlung und Regierung war, die dem revolutionären und vom Bürgerkrieg bedrohten Berlin den Rücken gekehrt hatten.

Warum heißt das Bauhaus überhaupt Bauhaus ?

Warum diese neue Schule in Weimar „Bauhaus“ genannt wurde, konnte nie wirklich und überzeugend geklärt werden. Eine sehr plausible Version: Der Name soll an die Bauhütten des Mittelalters erinnern, in der alle handwerklichen Richtungen  zusammenarbeiteten. Im Weimarer Bauhaus waren tatsächlich alle Künste vertreten – die Architektur eines Hauses wie auch dessen Einrichtung und die dazu erforderlichen Gewerbe und Handwerksbetriebe.

Im April 1919 wird Walter Gropius Direktor des Bauhaus Weimar, obwohl ihm – und das allein schon ist einmalig in einer solchen Karriere – entscheidende Talente dafür fehlen. So kann er beispielsweise nicht einmal zeichnen. Aber: Er kommt, wie es so schön heißt, „aus geordneten Verhältnissen“: Sein Vater ist Geheimrat, sein Großvater vielfach dekorierter preußischer Staatsrat, Großonkel Martin Gropius brilliert als bekannter und erfolgreicher Architekt.

Genau das will auch Walter Gropius werden. Er beginnt in Berlin das Studium der Architektur, obwohl er – es sei wiederholt! – nicht einmal zeichnen kann. Deshalb auch bricht er dieses Studium ab, aber dank privater Mauscheleien und „Unter-der-Hand-Szenarien“ und mit Hilfe des Großonkels findet er eine Anstellung im angesehenen Berliner Architekturbüro Behrens. Da trifft er Talente und Größen wie Mies van der Rohe und Le Corbusier und wird regelrecht zum Filou: Er vermittelt diesen seine Ideen, deren Vielfalt wahrhaftig sensationell ist und lässt sie auf diese gewagte Weise realisieren. Besser: Er „erzählt“ sein Vorhaben, seinen Plan, und er lässt das die anderen zeichnerisch und architektonisch ausführen. Er sprach damals von sich als „Faktotum“, was der Architekturhistoriker und Präsident der Bayerischen Akademie der Künste Winfried Nerdinger als „Unfähigkeit, auch nur das Einfachste auf Papier zu bringen“ analysiert. Gropius hat seine Schwächen nie kaschiert, hat zu ihnen gestanden. Er verwendete wohl deshalb auch oft das Wort „Team“, wenn er von seinem Arbeiten sprach. Einige Biographen sind sich sicher: Hätte er das Studium in Berlin nicht von sich aus beendet, wäre er von der Uni geflogen. Dieses absolute „Nicht-Talent“ soll trotz allem eine  bemerkenswerte und weltweit anerkannte, wenn auch nicht unumstrittene Architektenkarriere geradezu „hinlegen“. 1910 macht er sich als Industriedesigner und Architekt selbstständig,  aber immer – zeitlebens! – ist er auf die Hilfe und Unterstützung zeichnerisch begabter Mitarbeiter angewiesen. „Team“-Arbeit eben.

Im  Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) diente er als Unteroffizier der Reserve. Ab 1919  war er in Berlin „Revoluzzer“, Mitglied etwa im kommunistisch dominierten „Arbeitsrat für Kunst“. Diese Gruppe löste sich 1921 auf. Zuvor noch – 1919 – wurde Gropius auf  Vorschlag Henry van de Veldes dessen Nachfolger als Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar. Er änderte diesen Namen um in „Staatliches Bauhaus Weimar“ und versammelte um sich die führenden  Architekten dieser Zeit – allesamt, darf konstatiert werden, „Revoluzzer“. Und das auf jedem Gebiet – in der Politik, ihrer Kunst, ihrem Lebenswandel, letzteres  bis hin zur freien Liebe in stetig wechselnden Gruppen. Gropius etwa begann eine Liaison mit Alma, der Frau des weltberühmten Komponisten Gustav Mahler. Es folgt eine mehrjähriger Epoche der Leidenschaften und Liebe, der Eifersucht und des Fremdgehens. Nach Mahlers Tod heiratet Alma Gropius – der setzt sein zügelloses Dasein fort.

Das konnte im beschaulichen, verbeamteten, stur konservativen Weimar nicht lange gut gehen. Nicht nur die Bevölkerung entwickelte eine regelrechte Feindschaft gegen das Bauhaus und seine avantgardistischen Künstler – bei der Landtagswahlen 1924 siegten die Konservativen. Am 2. Weihnachtsfeiertage kündigte Gropius deshalb an, seine Schule in Weimar zu schließen. Mehrere Städte, auch Köln und Frankfurt/Main, bewarben sich um das aus Weimar vertriebene Bauhaus. Doch Gropius und Anhang wollten nicht in eine Metropole – deshalb erhielt das übersichtlichere und gemütlichere Dessau den Zuschlag.

Dessau und das Bauhaus

In 15 Monaten enstand das Bauhaus in Dessau

Nach nur 15 Monaten Bauzeit – Berlins Großflugplatz BER und sein Schlossneubau kommen einem in den Sinn – wird das Dessauer Bauhaus-Gebäude Weihnachten 1926 eröffnet.

Das wieder aufgebaute Direktorenhaus in Dessau, Foto: Weirauch
Das wiederaufgebaute Direktorenhaus in Dessau, Foto: Weirauch

Danach tritt Gropius zurück, er will sich in Berlin ausschließlich seiner Architektur widmen. Nachfolger wird er Schweizer Kommunist Hannes Meyer, der dieser Gesinnung wegen 1930 von der Stadt Dessau entlassen wird. Jetzt übernimmt Ludwig Mies van der Rohe. 1931 gewinnen die Nazis die Dessauer Lokalwahlen. Deshalb zieht das Bauhaus als „Privatinstitut“ nach Berlin-Steglitz. Die Nazis lassen nicht locker. Nachdem die Gestapo (Hitlers Geheime Staatspolizei) im Frühjahr 1933 einige Dutzend  Studenten verhaftet, löst sich die Schule selbst auf. Viele Dozenten und Studenten emigrieren.

Gropius geht zunächst nach England, 1937 dann in die USA. An der Harvard University wird er Professor für Architektur. In seinen letzten Lebensjahren ist er häufig in Deutschland. In Berlin etwa errichtet er im Rahmen der HINTERBAU  im Hansaviertel 1957 einen neungeschossigen  Wohnblock, dessen konkave Südfront und  das offene Erdgeschoss als typischer Beispiel einer „späten Moderne“ gelten. Im Süden Berlins – Neukölln – verwirklicht er seine schon in Weimar mit dem „Haus am Horn“ praktizierte Plattenbauweise in größtmöglichen Stil: Hier entsteht zwischen 1961 und 1975 die Gropiusstadt, ein Stadtteil mit 18 500 Wohnungen für rund 40 000 Menschen. 90 Prozent davon sind Sozialwohnungen. Noch während der nach ihm benannte Stadtteil im Bau ist, stirbt Gropius im Juli 1969 in den USA.

Seine „Hinterlassenschaften“ sind Legion. Vielfach weltweit bekannte Gropius-Ikone, wie etwa das Pan Am-Gebäude in New York, 60 Stockwerke hoch, einst mit Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach – Direktverbindungen zu den Flughäfen der Stadt am Hudson.

Dieser Walter Gropius war schon ein Genie – sogar ein extrem geniales. Hier ein weiterer Beitrag von Wolfgang Will auf einfachraus.eu.

Buchtipp zum Bauhaus

Was ist „das Bauhaus“? Warum beeinflusste diese Kunstschule das Design, die Architektur und das moderne Leben so immens? 50 pointierte Antworten erzählen von den Bauhäuslern – von Selbstversorgern, Visionären, Experimentierversessenen und Partylöwen. Von bahnbrechender Architektur und unschlagbarem Design. Sie erzählen auch, wie sich das Bauhaus in Deutschland, Israel und den USA weiterentwickelte. Die Illustrationen von Halina Kirschner geben dem Buch eine unverwechselbare Ästhetik.

Gesine Bahr (Text) / Halina Kirschner (Illustration): Das ist das Bauhaus! 50 Fragen – 50 Antworten (E. A. Seemann), 19,95 Euro

Hier weitere Beiträge zum Bauhausjubiläum 2019 auf einfachraus.eu

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Ein Schwimmbad unter dem Kirchsaal

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Überraschend: Magdeburg und die Moderne

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Moderne in Sachsen-Anhalt

Reise

10 Mal Moderne gucken in Sachsen

Wachsmann Niesky

Wohnblock, Ziegelbau und Kirche:

Stadtrundfahrt zu den Orten der Klassischen Moderne in Leipzig mit Rundling und Konsumzentrale im Stadtteil Plagwitz

Führung durch Versöhnungskirche Leipzig mit Turmaufstieg

Info: Versöhnungskirche
Franz-Mehring-Straße 44/Viertelsweg, 04157 Leipzig
www.versoehnungs-gemeinde.de

Die Vesöhnungskirche in Leipzig – Gohlis
1 Stunde weg

Fontane und Bauhaus: Jubiläen auf der Spur

Einsteinturm Potsdam

Anlässlich der diesjährigen Jubiläen „200 Jahre Fontane“ und „100 Jahre Bauhaus“ hat der Berliner Verlag terra press seiner Serie von Themenkarten zwei weitere hinzugefügt.

Die eine Themenkarte lädt ein, sich in die Welt Theodor Fontanes zu begeben und dabei dem Schriftsteller auch als Mensch näherzukommen. Die andere wirbt für einen Besuch in Dessau und anderen Stätten der architektonischen Moderne in Sachsen-Anhalt. Alle in den Karten vorgestellten Ziele befinden sich entlang der Bahnstrecken in Brandenburg bzw. Sachsen-Anhalt.

Das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Bauhaus spielt derzeit in Sachsen-Anhalt eine besondere Rolle. Denn in Dessau erlebte die Design-Schule ihren Höhepunkt, bevor sie von den Nazis erst angefeindet und dann aufgelöst wurde. Mit der Eröffnung eines neuen Bauhaus-Museums am 8. September in der Dessauer Innenstadt steht ein besonderes Ereignis bevor.

Aber auch in anderen Städten Sachsen-Anhalts wird mit Ausstellungen an die Moderne im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erinnert. Eine von der Magdeburger Landesregierung in Auftrag gegebene Themenkarte bietet einen Überblick über die Ereignisse zum Jubiläum in diesem Jahr und weist auf Bauhaus-Architektur entlang wichtiger Bahnstrecken zwischen Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt hin. Sie wird an die Reisenden in den Regionalexpress-Zügen RE7 (nach Dessau), RE3 (nach Lutherstadt-Wittenberg) und RE1 (nach Magdeburg) verteilt. Eine englischsprachige Fassung wird den ankommenden Fluggästen am Flughafen Schönefeld sowie an vielbesuchten Touristinformationen in Berlin und Brandenburg angeboten. Die bisher einmal jährlich erscheinenden Themenkarten mit unterschiedlichsten Inhalten erfreuen sich bei Ausflüglern in Brandenburg und Berlin bereits großer Beliebtheit. Die Jubiläen 100 Jahre Bauhaus und 200 Jahre Fontane sorgten erstmals für zwei Karten in einem Jahr.

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Moderne in Sachsen-Anhalt

Bauhausgebäude in DessauBauhausgebäude in Dessau

Dessau ist das Herz des Bauhauses – nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele authentische Bauwerke der bekannten Architektur- und Design-Künstler: Das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser und die Siedlung Dessau-Törten – jeder Bau ist für sich ein architektonischer Prototyp der Moderne. Zum Jubiläum werden sie erstmals zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammengefügt. Der Besucher erfährt, wie experimentell, radikal und utopisch die Bauhäusler dachten, wenn es um Architektur als angewandte Gestaltung für ein neues, modernes Leben ging.

Meisterhaus in Dessau
Meisterhaus in Dessau, Foto: Weirauch
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Auf den Spuren des Bauhauses in Wrocław

Das Scharoun LedigenheimEhemaliges Ledigenhaus von Hans Scharoun in Wrocław. Foto: Thomas Arns

Während man in Deutschland den 100. Geburtstag des Bauhauses feiert, lohnt sich auch der Blick ins Nachbarland Polen. Denn dort sind bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Bauwerke entstanden, die den Geist des Bauhauses verströmen. Als Mekka der klassischen Moderne gilt die niederschlesische Metropole Wrocław (Breslau). Auch dort begeht man dieses Jahr einen runden Geburtstag. Vor 90 Jahren, am 15. Juni 1929, wurde die Ausstellung „Wohnung und Werkraum“ eröffnet. Das damals unweit der weltberühmten Jahrhunderthalle entstandene Ensemble zieht bis heute Architekturinteressierte an.

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