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Südwestkirchhof in Stahnsdorf zeigt Modell einstigen Bahnhofs

Verwaltungsgebäude SWKVerwaltungsgebäude des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf, ©Weirauch

Vor mehr als 100 Jahren fuhr der so genannte Witwenexpress im 20 Minuten Takt von Wannsee nach Stahnsdorf. Nach einer Investition von 2,5 Millionen Reichsmark und im Auftrag der Berliner Stadtsynode nahm 1913 die Friedhofsbahn ihren Betrieb auf. Sie verband den neuen Zentralfriedhof mit 21 Kirchengemeinden im Berliner Südwesten. Ab 1929 fuhr die S-Bahn elektrifiziert und verkehrte im 20 Minutentakt bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1961 und dem Bau der Berliner Mauer zwischen ihrem Endbahnhof gegenüber dem Haupteingang am Rudolf Breitscheid Platz und dem Bahnhof Berlin Wannsee.

Blick von den Gleisen auf den Bahnhof in Stahnsdorf, Archiv Ihlefeld
Blick von den Gleisen auf den Bahnhof in Stahnsdorf, ©Archiv Ihlefeld

Die gute Anbindung des Kirchhofs war für die damalige Zeit sensationell und gehörte zum Konzept der zentralen Begräbnisstätte. Für den breiten Publikumsverkehr wäre Stahnsdorf zur damaligen Zeit ohne die Friedhofsbahn schwer zu erreichen gewesen. Die Bahn machte den Friedhof binnen kurzer Zeit zu einer beliebten Begräbnisstätte und Ausflugsziel der Berliner. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs musste die Friedhofsbahn auf ihrem Weg nach Berlin plötzlich eine Grenze überqueren. Da der Südwestkirchhof im unmittelbaren Grenzgebiet lag, erschwerten Grenzkontrollen den Zugang für Besucher bis zur Unmöglichkeit. Nach einigen Jahren wurde die S-Bahn ganz stillgelegt und die Gleisanlagen demontiert. 1976 verschwand die S-Bahn-Verbindung nach Berlin endgültig aus den Augen, als das repräsentative Bahnhofsgebäude gesprengt wurde. Heute erinnern nur noch die verfallenen Brücken und Unterführungen an den Weg der alten S-Bahnlinie zwischen Berlin und dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall: keine öffentliche Verkehrsanbindung zum Südwestkirchhof

Modell der Gleisanlage
Modell des Bahnhof in der Friedhofsverwaltung zu sehen, ©Archiv Ihlefeld

Engagierte Modellbauer aus Stahnsdorf haben die Gleisanlage einschließlich Bahnsteig, Unterführungen und Bahnhofsgebäude in minutiöser Kleinstarbeit nachgebildet. Das Modell steht nun als Leihgabe in dem Bauhaus Gebäude der Friedhofsverwaltung. Es erinnert an eine Verkehrsanbindung, die auch nach über 100 Jahren zwingend gebraucht wird, jedoch im 21. Jahrhundert scheinbar nicht mehr realisierbar ist. Das sehenswerte Modell ist bis Ende November sowie am Totensonntag (24. November) in der Friedhofsverwaltung zu besichtigen.

Öffnungszeiten der Friedhofsverwaltung
Montag, Mittwoch von 8 – 13 Uhr
Dienstag und Donnerstag von 8 – 16 Uhr

Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V. 
Bahnhofstraße 2, 14532 Stahnsdorf
Tel. 0179 3793503, 03329 614106
www.suedwestkirchhof.de

Presseinformation: Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V.,
Ansprechpartner: Olaf Ihlefeldt

Die norwegische Stabkapelle auf dem Südwestkirchhof, Foto: Weirauch
Die norwegische Stabkapelle auf dem Südwestkirchhof, Foto: Weirauch

Hier einige Impressionen

Hier weitere Beiträge zu einem der größten und berühmtesten Friedhöfe in Deutschland:

Auf Stahnsdorfer Südwestkirchhof: Sprachgenie Emil Krebs

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