Reise

Streifzüge durchs „Winterwanderland“ Murnau

Fußgängerzone Murnau im Winter c: Touriinfo Murnau/ Beni HacklFußgängerzone Murnau c : Tourist-Info Murnau/Beni Hackl

Von herzlosen Drachen über schwelgende Regenten bis zu inspirierten
Künstlern: Murnaus Themenwege faszinieren besonders im Winter.

Anfangs waren es vor allem die „Sommerfrischler“, die der Enge und Hitze der Großstadt entfliehen wollten: Denn als 1879 die Eisenbahnlinie München-Murnau eröffnete, etablierte sich der Markt am Staffelsee schnell als perfektes, sommerliches Naherholungsziel für die Münchner Bohème. Könige, Literaten und Maler fanden im lebendigen Ortskern und der lieblichen Natur Erholung und vor allem Inspiration. Inzwischen hat sich die kreative Marktgemeinde zur beliebten Ganzjahres-Destination weiterentwickelt. Gut zu bewältigende Themenwanderwegen durch die hügelige Voralpenlandschaft laden heutige Besucher dazu ein, die Faszination der illustren Murnau-Fans auf Schritt und Tritt nachzuempfinden. Besonders reizvoll sind diese ausgedehnten Spaziergänge an sonnigen Wintertagen, wenn sich bei knackig-klarer Sicht die verschneiten Gipfel des Wettersteingebirges am Horizont abzeichnen. Spezielle Hotelarrangements versüßen den Aufenthalt außerhalb der Hauptreisezeit zusätzlich. www.murnau.de

Königsweg: Open-Air-Museum mit traumhafter Aussicht 

Spätabends meist, nachdem er seine Schlösser am Starnberger See besucht hatte, der Kutschweg bis in die geliebten Berge aber zu beschwerlich schien, kehrte König Ludwig II. in Murnau ein: im Hotel Post, das noch heute am Obermarkt Gäste beherbergt. Auf die schlechten Zähne des Monarchen Rücksicht nehmend kredenzten ihm August Bayerlacher und Frau zwar gute bayerische Kost, doch, so will es die Legende, püriert. Gern ließ der Märchenkönig seinen Blick von einem nahe gelegenen Aussichtshügel aus über den Staffelsee schweifen und entwarf im Geiste auf der Insel Wörth ein Mini-Versailles. Die Besitzer verweigerten den Verkauf der Insel, Ludwig kehrte Murnau den Rücken. Posthalter Bayerlacher aber blieb ihm treu und ließ 1894, sechs Jahre nach Ludwigs Tod, Bayerns erstes Ehrendenkmal für den „Kini“ erbauen. Es steht direkt vor dem heutigen Kultur- und Tagungszentrum (KTM) und ist die erste Station des Naturlehrpfads „Königsweg“. Der schlängelt sich über vier Kilometer durch den Ort und über die Ludwigshöhe, führt zum Staffelsee und endet nach zwei Stunden wieder am „Kini“. 17 Infotafeln und zwei Pavillons machen aus dem Weg ein Open-Air-Museum, das unterhaltsam über die Ortsgeschichte informiert.

Murnauer Moos Winter c Simon Bauer
Murnauer Moos Winter c: Tourist-Info Murnau/ Simon Bauer

Wer beim Museumsbesuch auch gern ein Dach überm Kopf hat, wählt die Pauschale des Hotels Post „Kunst im Blauen Land erleben“. Drei Nächte mit Frühstück inkl. Eintritt in Schloßmuseum und Münterhaus gibt‘s im November und Dezember ab 233 Euro pro Person.

Blick auf das Murnauer Schloss Foto: Weirauch

Drachenstich-Rundweg am Moos entlang

Mit sechs Kilometern Länge ist der Drachenstich-Rundweg konditionell vielleicht der forderndste, aber sicher der landschaftlich schönste Themenweg, führt er doch in weiten Teilen am Murnauer Moos entlang. Start- und Endpunkt der dreistündigen Wanderung ist wieder das KTM. Ob Gelbbauchunke oder Turmfalke, ob Knabenkraut oder Karlszepter: Die 42 Quadratkilometer große, aus Wiesen, Wald sowie Hoch- und Tiefmooren bestehende Ebene, die von Estergebirge, Wettersteinmassiv und Ammergebirge gerahmt wird, ist das artenreichste und ursprünglichste Moor nördlich der Alpen und Heimat vieler vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Wer dem Drachenstichweg folgt, erreicht bald einen Höhenrücken, vor dem sich das Moos bis fast nach Garmisch ausdehnt. Jetzt heißt es: Innehalten und Staunen, wenn der Blick bis zu den verschneiten Bergspitzen geht. In der Natur zur Ruhe kommen ist auch die Devise im nahe gelegenen Fünf-Sterne Hotel Alpenhof. Für erholungssuchende Paare wird das Arrangement „Zeit zu Zweit mit Champagner und Candle-Light-Dinner die richtige Wahl sein. Weniger romantisch ist übrigens die namensgebende Legende des Rundwegs: Der Murnauer Lindwurm soll nämlich am Drachenstich, einem kleinen Wasserfall, arme Jungfrauen verspeist haben.

Murnauer Moos Winter c Simon Bauer
Murnauer Moos Winter c: Tourist-Info Murnau/ Simon Bauer

Horváth-Rundweg: „Gegen die Dummheit und die Lüge“

Ich habe nur zwei Dinge, gegen die ich schreibe, das ist die Dummheit und die Lüge. Und zwei, wofür ich eintrete, das ist die Vernunft und die Aufrichtigkeit.“ So schrieb Ödön von Horváth 1932, ein Jahr, bevor er Murnau verließ und die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen. Zehn Jahren lang hatte der Markt dem ungarisch-deutschen Autor als Inspirationsquell und als Reibungsfläche gedient. In Horváths kreativster Schaffenszeit entstanden z.B. die Komödie „Zur schönen Aussicht“ und der Roman „Jugend ohne Gott“. Ihr starker Wiedererkennungswert war für die Murnauer nicht immer schmeichelhaft, das Verhältnis zum Dichter, der ihnen gar arg aufs Maul schaute, ambivalent. Dennoch widmet sich heute ein 3,3 Kilometer langer Rundweg dem Dramatiker.

Horvath, Bruder Lajos und Mutter Maria vor Murnauer Villa, um 1925 c Schlossmuseum Murnau, Bildarchiv
Horvath, Bruder Lajos und Mutter Maria vor Murnauer Villa, um 1925 c Schlossmuseum Murnau, Bildarchiv

Nach dem Start am Rathaus und einem Bummel durch den von eigentümergeführten Geschäften gesäumten Unter- und Obermarkt passiert der Besucher das Griesbräu, wo schon zu Horváths Zeiten Bier gebraut wurde. Heuer im Advent macht das Hotel seinen Gästen ein besonderes Angebot: Zwei Übernachtungen mit Frühstück inkl. Glühbier an der Jagdhütte im Innenhof sind von 27. November bis 24. Dezember ab 125 Euro pro Person buchbar.

Kunstspaziergang zur Wiege des „Blauen Reiter“

Im August 1908 zog es auch Wassily Kandinsky und Gabriele Münter nach Murnau. Wie sehr es das Künstlerpaar inspirierte, erklärt Münter so: „Ich habe da nach einer kurzen Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht – vom Naturabmalen zum Fühlen eines Inhalts, zum Abstrahieren – zum Geben eines Extraktes.“ Folgerichtig liegt die Wiege des „Blauen Reiter“ und damit ein bedeutender Bestandteil des Deutschen Expressionismus in Murnau. Genauer: im Münter-Haus in der Kottmüller-Allee. Durch diese vor 150 Jahren angelegte Eichenallee führt heute der Kunstspaziergang, der die bedeutenden Werke an ihren Originalschauplätzen zeigt. So können die Motive an Ort und Stelle mit der Realität abgeglichen werden. Dank der Dauerausstellung im Schloßmuseum lässt sich der Schritt vom „Naturabmalen“ zum Expressionismus, den Münter und Weggefährten in Murnau machten, detaillierter nachvollziehen.

Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, macht noch einen Abstecher ins Hotel Angerbräu, das die Galerie „Blaue Burg“ und damit wechselnde Ausstellungen lokaler Künstler beherbergt. Die noch bis März gültige Pauschale „Winterzauber“ wendet sich an Urlauber, die das Blaue Land rund um Murnau erkunden wollen, wenn Schnee und Frost es zum „Weißen Land“ gewandelt haben. Wanderstöcke und -karten sind im Preis von 220 Euro pro Person für drei Nächte im Doppelzimmer ebenso inkludiert wie ein Vier-Gang-Gourmet-Menü.

Infos zur Region:

Tourist Information Murnau, Untermarkt 13, 82418 Murnau a. Staffelsee,

Tel.: 08841/476-240, touristinfo@murnau.de, www.murnau.de

Links zu den Themenwanderwegen:

www.dasblaueland.de/Touren/Wanderung-Koenigsweg-in-Murnau-am-Staffelsee

www.dasblaueland.de/Touren/Wanderung-Drachenstich-Rundweg

www.dasblaueland.de/Touren/Themenweg-Der-Horvath-Rundweg

www.dasblaueland.de/Touren/Themenweg-Kunstspaziergang-in-Murnau-Muenter-und-Kandinsky-auf-der-Spur

Links Hotel-Arrangements:

https://hotel-post-murnau.de/de/hotel-murnau-angebote-details/133

www.alpenhof-murnau.com/zimmer/arrangements.html

https://griesbraeu.de/de/hotel-murnau/detail/234

www.alpenhof-murnau.com/zimmer/arrangements.html

Hier ein weiterer Beitrag von Susanne Böllert

Der Herzogstand – Inspiration zwischen zwei Seen