Autotester: Moritz & Weirauch

Renault Koleos: Der französische Komfort-SUV

Die zweite Generation vom Renault Koleos soll den glücklosen Vorgänger vergessen machen. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Der SUV ist halb Franzose, halb Japaner und wird in Südkorea gebaut. Den soliden Unterbau hat der Koleos vom Nissan X-Trail spendiert bekommen und die Karosserie stammt aus dem Hause Renault.
Zum Test stand ein Renault Koleos ENERGY dCi 175 4WD mit manueller Sechsgang-Schaltung in der Intens-Ausstattung zur Verfügung.

❏ Karosserie – Renault Koleos

Renault Koleos Foto: Renault
Der Renault Koleos hat in der Länge zugelegt     Foto: Renault

Der Renault Koleos wurde gegenüber seinem Vorgänger in die Länge gezogen, wirkt jetzt richtig groß und auch deutlich schicker. Die Karosserie streckt sich auf 4,67 Meter. In der Breite kommt er auf 1,84 Meter und in der Höhe misst der Franzose 1,67 Meter. Der Radstand von 2,71 Metern lässt großzügige Platzverhältnisse erwarten.

Sehr auffällig in der Front sind die riesigen Leuchtsicheln neben den serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfern. Serienmäßig sind auch die dunkel getönten hinteren Seitenscheiben und die Heckscheibe. Zwischen neun Karosseriefarben kann sich der Koleos-Kunde entscheiden.

Renault Koleos Foto: Renault
Renault Koleos: Große Leuchtsicheln als Tagfahrlichter       Foto: Renault

Die Dachlinie fällt ab der B-Säule leicht ab und die Fenster haben eine Chromeinfassung. Der Renault Koleos wirkt vom Design her sehr Mainstream. Und gerade das wollten die Franzosen mit ihrem SUV erreichen und nicht mit Extravaganz hervorstechen. Den SUV-Charakter sollen laut Renault die weit ausgestellten Radläufe betonen. Die Design-Neuausrichtung der Marke Renault ist jetzt auch beim Koleos Nummer zwei angekommen.

Renault Koleos Foto: Renault
Renault Koleos mit auffälligen Rückleuchten      Foto: Renault

Das Koleos-Heck betonen die extravagant designten und zweigeteilten Rückleuchten. Markentypisch werden diese Richtung Renault-Logo geführt. Und wie man es heute von vielen Autos kennt, steht der Modellname mittig in großen Lettern auf der Klappe. Die Heckscheibe fällt klein aus, genauso die Fläche, die der Heckwischer bearbeitet. Die zwei verchromten Auspuffblenden sind beim Franzosen-SUV leider nur ein Fake.

❏ Kofferraum – Renault Koleos

Die Heckklappe in der Test-Ausstattung Intens lässt sich nur manuell öffnen. Gegen Aufpreis geht das auch elektrisch und mit Fußsensor. Für Menschen ab 1,90 Meter könnte die Klappe höher aufschwingen. Bei aufgestellten Rücksitzlehnen passen beim 5-sitzigen Franzosen 498 Liter in den Kofferraum. Maximal verträgt der Koleos 515 Kilogramm an Zuladung. Die Ladekante von gut 75 Zentimetern macht das Beladen des Kofferraums nicht gerade einfach. Die Ladekantenhöhe ist teilweise auch den 21 Zentimetern Bodenfreiheit geschuldet.

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Eine Durchladeluke gibt es für den Renault Koleos nicht     Foto: Renault

Die Sitzlehnen lassen sich im Verhältnis 60:40 und nur von innen umklappen. Dann erhöht sich das Fassungsvermögen im Gepäckabteil auf bis zu 1.706 Liter. Das ist ausreichend für die normale Urlaubstour, im Vergleich zur Konkurrenz aber nur Mittelmaß. Zumal auch die Variabilät des Renault Koleos nicht gerade zu seinen Stärken zählt.

Es gibt zwar einen doppelten Ladeboden, aber eine verschiebbare Rückbank oder stufenlos verstellbare Rücksitzlehnen sucht man vergebens. Ein vorklappbarer Beifahrersitz? Negativ. An den Haken kann der Renault Koleos eine gebremste Anhängelast von zwei Tonnen und ungebremst von 750 Kilogramm nehmen.

❏ Innenraum + Ausstattung

Der Einstieg gelingt beim Renault Koleos SUV-typisch einfach. Alle vier Türen haben einen großen Öffnungswinkel. Das Platzangebot auf der bequemen Bestuhlung fällt dank des langen Radstands für alle Passagiere großzügig aus. Die Beinfreiheit auf der hinteren Sitzreihe und das Raumgefühl lassen keine Wünsche offen. 1.100 Euro kostet das Panorama-Glas-Schiebedachs extra. Die Geldausgabe lohnt sich, denn es lockert die Atmosphäre im Koleos-Innenraum deutlich auf.

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Schickes Cockpit mit gelungenem Materialmix im Renault Koleos        Foto: Renault

Der Innenspiegel mit dem dahinterliegenden, klobigen Kamerakasten empfand ich als störend. Beides beeinträchtigt eine optimale Sicht durch die Frontscheibe. Und der Blick Richtung C-Säule bietet auch nicht gerade eine Panoramaaussicht. Zum Glück hat der Koleos serienmäßig eine Rückfahrkamera und rundum Park-Piepser, um mögliche Rempler zu vermeiden.

Das Interieur im Renault Koleos ist richtig hübsch geworden, auch wenn es keinen Anspruch auf Premium hat. Es kommen nicht überall Hochwertige Materialien zum Einsatz, trotzdem ist der Mix gelungen – für das Auge und die Haptik. Und die Verarbeitung des Testwagens ist frei von jeglicher Kritik. An reichlich Ablagen wurde beim Koleos natürlich auch gedacht.

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Überschaubare Anzeigen im Renault Koleos      Foto: Renault

Drei Ausstattungslinien sind für den Renault Koleos lieferbar: Life, Intens und Initiale Paris. In der getesteten Intens-Variante ist der Renault Koleos von Hause aus schon richtig gut ausgestattet: Multimediasystem inklusive Navigation, 8,7-Zoll-Touchscreen (Basis hat 7-Zoll), Digital-Radio, 2-Zonen-Klimaautomatik, Schlüsselloses Zugangssystem, vier USB-Buchsen, Ambientebeleuchtung, Innenspiegel automatisch abblendend usw.

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Einige Schalter sind im Renault Koleos schlecht platziert       Foto: Renault

Die Funktionaltät des Cockpits ist nicht immer optimal. Wie im Nissan X-Trail sind im Renault Koleos einige Schalter links neben dem Lenkrad schlecht zu erreichen. Bei der Bedienung des Touchscreens und seinen Untermenüs ist Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Und der Bedienungssatellit rechts hinter dem Lenkrad ist eine fummlige Angelegenheit. Dagegen sollte das Bose Surround-System mit zwölf Lautsprechern und Subwoofer (sitzt in der Reserveradmulde) für 1.100 Euro eine Überlegung wert sein.

❏ Assistenzsysteme – Renault Koleos

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Renault Koleos im leichten Gelände: Mit Allrad kein Problem      Foto: Renault

Renault hat dem Koleos von Hause aus schon einige Assistenzsysteme mitgegeben: Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtassistent, Front-Kollisionswarner, Tot-Winkel-Warner und Licht- und Regensensor sind serienmäßig. Und wem das an Assistenten nicht reicht, der kann in der Aufpreisliste noch einiges ankreuzen. Ein teilautonomer Fahrassistent ist für den Renault Koleos nicht vorgesehen.

Motor + Fahrleistung

Renault bietet für den Koleos in Deutschland nur zwei Diesel-Motoren an. Beide ohne SCR-Kat erreichen sie die Euro 6B-Norm. Es gibt einen 1,6 Liter-Motor mit 130 PS und den 2,0 Liter-Motor mit 177 PS. Letzterer war auch im Testwagen verbaut. Der Reihenvierzylinder erreicht eine maximale Leistung von 177 PS bei 3.750 U/min. Sein maximales Drehmoment von 380 Newtonmetern liegt bei 2.000 U/min an. In 10,7 Sekunden beschleunigt der gut 1,7 Tonnen schwere Renault Koleos auf 100 km/h und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 202 km/h.

Renault Koleos Foto: Renault
Stärkster Motor im Renault Koleos ist der 2,0 Liter-Diesel mit 177 PS     Foto: Renault

Wer einen sportlichen Fahrstil bevorzugt, ist mit dieser Motorisierung und dem Renault Koleos überhaupt falsch beraten. Der Franzose ist mehr für die komfortable Gangart gebaut und insgesamt etwas weicher abgestimmt. Das Fahrwerk und die leichtgängige Lenkung unterstreichen dieses sanfte Wesen des SUVs. Die sechs Gänge lassen sich leicht durch die Gasse schieben und der Allrad-Antrieb erledigt seine Aufgabe sehr ordentlich.

In erster Linie ist der Allrad-Antrieb dafür da, dass beim Beschleunigen das Drehmoment von 380 Newtonmetern perfekt auf die Straße gebracht wird. Nassen und leicht schneebedeckten Asphalt meisterte der Test-Koleos ohne Traktionsprobleme. Und auch für den leichten Geländeeinsatz kann man den Renault Koleos einsetzen. Sein eigentliches Metier liegt mehr auf langen, flachen Strecken, die man bequem und unspektakulär bewältigen möchte. Der Verbrauch im Stadtverkehr lag laut Anzeige bei 6,8 Litern Diesel.

❏ Fazit + Preis vom Nissan X-Trail

Der Renault Koleos in der getesteten “Intens”-Ausstattungslinie überzeugt mit seinem großzügigen Platzangebot für die Insassen. Serienmäßig hat er an Ausstattung und Assistenzsystemen eine ganze Menge an Bord. Der Fahrkomfort überzeugt genauso wie die solide Technik. Gegenüber seinem Vorgänger hat der Koleos in allen Disziplinen deutlich zugelegt. Einige Schwächen (Funktionalität und Variabilität) müssen die Franzosen noch abstellen, dann kann der Koleos ganz vorne mitfahren.

Natürlich lassen sich die Franzosen ihren SUV ordentlich bezahlen. Der Testwagen mit 177 PS-Motor, manueller Sechsgang-Schaltung und Allradantrieb kostete 38.050 in der Grundausstattung. Mit ein paar zusätzlichen Extras kann man auch die 45.000 Euro erreichen.

Der Testwagen wurde von Renault zur Verfügung gestellt.

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