Reise

Quedlinburg – Sehenswerte Schau zu Lyonel Feininger

Quedlinburg

Eine sehenswerte Ausstellung ist derzeit in der Feiniger Galerie in Quedlinburg zu sehen. Die Ausstellung unternimmt erstmals den Versuch, den künstlerischen Aufbruch der Moderne am Beispiel eineQuedlinburg – Sehenswerte Schau zu Lyonel Feiningerr Künstlerfamilie sichtbar zu machen. Erinnern wir uns: s der Maler und Bauhaus-Meister Lyonel Feininger in die USA zurückkehrte, weil seine Werke von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert worden waren, übergab er einige seiner Arbeiten an den Quedlinburger Kunstsammler Dr. Hermann Klumpp, der sie in seiner Heimatstadt Quedlinburg verborgen hielt. Etwa 40 Exponaten sind heute in der Lyonel-Feininger-Galerie zu sehen.

Die Schau in der Feininger-Galerie in Quedlinburg nimmt die musisch-künstlerisch hoch begabte Familie in den Blick. So wird beispielsweise gezeigt, welchen Anteil Gattin Julia am Erfolg des späteren Bauhaus-Meisters hatte. Galerie-Direktor Michael Freitag recherchierte, bei eBay ersteigerte er Fotos von Feiningers Tochter Lore aus erster Ehe. Arbeiten von ihr sind erstmals zu sehen, im großen “Familienbild”.

Michael Freitag ist der Chef der Feininger-Galerie in Quedlinburg , Foto: Weirauch

1905 lernt Lyonel Feininger mit Julia Berg (geb. Lilienfeld) die Liebe seines Lebens kennen. Er begegnet ihr im Juli während eines Urlaubs an der Ostsee – im August schon sind beide entschlossen, einen gemeinsamen Aufbruch zu wagen. Die Zeichnungen im „Erinnerungsalbum 1905“ belegen dieses Hochgefühl. Lyonel wird von Julia darin bestärkt, seine Karriere als Karikaturist aufzugeben und sich als freier Künstler durchzusetzen. Julia ist für den Herbst 1905 in der Großherzoglichen Kunstschule Weimar eingeschrieben und auf dem Sprung, selbst Künstlerin werden. Ab 1906 beginnt Lyonel, in stetigem Austausch mit Julia, druckgrafische Techniken in sein Schaffen zu integrieren. 1907 entstehen seine ersten Gemälde. Die Aktstudien von Julia, das Porträt Suse Hornbostel und Karikaturen, die im Pariser Satiremagazin „Le Témoin“ veröffentlicht werden, bezeugen die Ernsthaftigkeit ihrer Kunstambitionen, zugleich aber auch, was Julia für die Familie und für den Erfolg ihres Mannes aufzugeben bereit war.

Lyonel Feininger gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Klassischen Moderne. Der Weg dahin ist lang. Seinen Durchbruch erlebt er erst 1913 in Herwarth Waldens berühmtem „Herbstsalon“ Er ist bereits 48 Jahre alt, als er 1919 zum Meister am Bauhaus berufen wird und sich neben Paul Klee und Wassily Kandinsky positioniert. Zehn Jahre später erhält er vom Magistrat in Halle/Saale den ehrenvollen Auftrag für ein Stadtporträt. Bis 1931 entstehen 11 Gemälde, 29 Zeichnungen und eine Vielzahl von Fotografien, die Feininger zur kompositorischen Klärung von Einzelmotiven heranzieht. Die Retrospektiven anlässlich seines 60. Geburtstages im Museum Folkwang Essen und im Kronprinzenpalais Berlin würdigen den Halle-Zyklus als sein Hauptwerk. „Der Dom in Halle“ strahlt daraus hervor wie die Essenz einer 25 Jahre währenden Suche, an deren Anfang die Ermutigung seiner Frau Julia stand.

Kinderhand und Bildprinzip

Das einzigartige Holzschnittwerk von Lyonel Feininger umfasst über 300 Drucke. Die meisten davon entstehen zwischen 1918 und 1920. Neben dem Erfindungsreichtum der Motive verblüfft vor allem die Radikalisierung der Bildsprache. Die Zeichnungen seiner Söhne spielen dabei eine inspirierende Rolle. Kinder erreichen sofort, wonach die damalige Avantgarde sucht – eine von Vorwissen unverdorbene Wahrnehmung der Welt. Kinder zeichnen nie „richtig“ im Sinne einer korrekten Wiedergabe. Sie begnügen sich mit dem, was ein Motiv in ihren Augen „vollständig“ macht. Fluchtpunkt und Tiefenraum sind artifizielle Konstruktionen, die für sie keinen Sinn haben. Kinder denken konsequent in der Fläche und bevorzugen die Bedeutungsperspektive. Darum zeichnen sie das Wichtige groß und das Nebensächliche klein. Zum Vorschein kommt das Paradox einer gegenständlichen Naturferne. Sie ist künstlerisch genau das, was Feininger die „neue Weltperspektive“ nannte. Ihr Ziel ist, die konkrete Form des Gesehenen in der abstrakten Bildgesetzlichkeit zu klären.

Die Feiningers und die Fotografie am Bauhaus

Die Frage, ob die Fotografie als neues Bildmedium auch neue Möglichkeiten für die Kunst erschließt, wird zu einem folgenreichen Thema für die gesamte Familie Feininger. Vor allem Lyonel ringt mit dem Problem, wie die Fotografie neben den gezeichneten „Naturnotizen“ die Konzeption seiner Gemälde bereichern könnte. Die Intensität der Suche belegt sein Archiv, das 500 Abzüge und 18000 Negative umfasst. Bekannt sind vor allem die Aufnahmen, die zwischen 1928 und 1931 in Dessau und in Halle/Saale entstehen. Sein ältester Sohn Andreas beginnt 1925 fotografisch zu experimentieren. Er richtet im Dessauer Meisterhaus sein erstes Labor ein, das auch von Lyonel, Laurence und Lux Feininger genutzt wird. Dessen Bauhaus-Fotografien, die zwischen 1926 und 1931 entstehen, gehören heute zu den meist zitierten Dokumenten über die Geschichte des Bauhauses in Dessau. Die Fotografien des Vaters stehen hinter der Kühnheit, mit der die Söhne das Medium für sich erschließen, nicht zurück, auch wenn er über ihren Rang für sein Schaffen skeptisch bleibt. Lux fotografiert neben seiner Malerei bis Ende der 1960er Jahre auch in den USA weiter. Andreas, der sich der Fotografie ganz verschriebt, wird Weltruhm erlangen.

„Die Feinigers – ein Familienbild am Bauhaus“

Bezieht man Lyonels Erltern ein, sie waren professionelle Musiker, sind die Feiningers eine Künstlerfamilie in drei Generationen. Anlass genug, die Moderne einmal aus der Perspektive des Privaten zu betrachten. Tatsächlich ist Feininger ja nicht einfach der Ausnahmekünstler, der einsam seinen Weg verfolgt. Er ist auch ein Sohn und ein Vater, der mit der Mutter seiner Kinder eine Ehe führt, die das Leben aller Beteiligten prägt. Hier setzt die Ausstellung an: Der Meister des Bauhauses wird zum Referenzpunkt bisher nie ausgestellter Werke, die als Familiengeschichte eine eigene Kunstgeschichte schreiben. Sie erinnert daran, dass eine Epoche reicher ist als ihre Glanzleistungen. Meisterwerke entstehen in einem Milieu vielfältiger Einflüsse, zu denen auch die Widerstände und Stabilisierungsfaktoren des persönlichen Umfelds gehören. Was die Nachwelt als Bauhausutopie bejubelt, wird ohne Kenntnis dieser existenziellen Einsprüche weder verständlich noch glaubwürdig.

zu sehen sind u.a. Werke von:
Lyonel Feininger (1871-1956): Zeichner, Maler, Komponist
Julia Feininger (1880-1970): Malerin, Familienmanagerin
Eleonore (Lore) Feininger (1901-1991): Fotografin
Andreas Feininger (1906-1999): Fotograf
Laurence Feininger (1909-1976): Musikhistoriker
Theodore Lux Feininger (1910-2011): Fotograf, Maler
Gertrud Wysse Hägg-Feininger (1912-2006): Designerin

Ausstellungsdauer: 25. Mai bis 2. September 2019

„rot, gelb, blau. Das Bauhaus für Kinder“

Die interaktive Ausstellung „rot, gelb, blau. Das Bauhaus für Kinder“ richtet sich an Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie steht unter dem Motto: Das Bauhaus war eine Schule!.

In einzelnen Stationen kann man experimentieren und sich ausprobieren. Meister des Bauhauses stehen Pate für die Inhalte der einzelnen Exponate. So können die Besucher Bilder von Lyonel Feininger nachempfinden und auch Formen selber zusammenstellen, Licht, Farbe und Schatten erleben in einer Station von László Moholy-Nagy, groß zeichnen wie Johannes Itten, sich verkleiden und tanzen wie die Figuren von Oskar Schlemmer, weben wie Gunta Stölzl.

Blick in einen der Ausstellungsräume, Foto: Weirauch

Metallstäbe biegen wie Marcel Breuer und Mart Stam und die Form eines Stahlrohrstuhles mit einem „elektrischen Draht“ nachspüren. Im Büro von Walter Gropius werden Meisterhäuser im Maßstab gebaut, auch kann man Materialien am Bauhaus erspüren und in der Druckerei eine Schablonenschrift a lá Joost Schmidt kreativ einsetzen. An einer Hörstation können die Besucher anhand kindgerechter Geschichten mehr über die Akteure am Bauhaus und die Exponate in der Ausstellung erfahren.

Die Exponate und die Ausstellung wurden konzipiert, gestaltet und umgesetzt von 14 Studierenden des Fachs Spiel und Lerndesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle unter deer Leitung von KM Stefanie Kretschmer und Prof. Karin Schmidt-Ruhland. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt der Lyonel-Feininger-Galerie mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

Ausstellungsdauer: 25. Mai bis 13. Oktober 2019

Lyonel-Feininger-Galerie
Museum für grafische Künste
Schlossberg 11, 06484 Quedlinburg
Tel. +49 3946 689593829

Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
www.kulturstiftung-st.de
www.feininger-galerie.de

Die Recherche wurde unterstützt durch IMG Sachsen-Anhalt-

Themenkarte zum Bauhausjubiläum

Das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Bauhaus spielt derzeit in Sachsen-Anhalt eine besondere Rolle. Denn in Dessau erlebte die Design-Schule ihren Höhepunkt, bevor sie von den Nazis erst angefeindet und dann aufgelöst wurde. Mit der Eröffnung eines neuen Bauhaus-Museums am 8. September in der Dessauer Innenstadt steht ein besonderes Ereignis bevor. Aber auch in anderen Städten Sachsen-Anhalts wird mit Ausstellungen an die Moderne im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erinnert. Eine von der Magdeburger Landesregierung in Auftrag gegebene Themenkarte bietet einen Überblick über die Ereignisse zum Jubiläum in diesem Jahr und weist auf Bauhaus-Architektur entlang wichtiger Bahnstrecken zwischen Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt hin. Sie wird an die Reisenden in den Regionalexpress-Zügen RE7 (nach Dessau), RE3 (nach Lutherstadt-Wittenberg) und RE1 (nach Magdeburg) verteilt. Eine englischsprachige Fassung wird den ankommenden Fluggästen am Flughafen Schönefeld sowie an vielbesuchten Touristinformationen in Berlin und Brandenburg angeboten. Die bisher einmal jährlich erscheinenden Themenkarten mit unterschiedlichsten Inhalten erfreuen sich bei Ausflüglern in Brandenburg und Berlin bereits großer Beliebtheit. Die Jubiläen 100 Jahre Bauhaus und 200 Jahre Fontane sorgten erstmals für zwei Karten in einem Jahr.

 

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