Autotester: Moritz & Weirauch

Probefahrt mit einem Tesla Model S 100 D

Tesla Model S 100 D  Foto: F. MoritzTesla Model S 100 D Foto: F. Moritz

Lange vor den meisten Mitkonkurrenten wagte der Multimilliardär und Unternehmer Elon Musk beim Automobilbau den Sprung ins Elektrozeitalter. 2004 investierte er in die US-amerikanische Firma Tesla und führte verschiedene Modelle zur Serienreife. Heute verdient Tesla mit seinen Elektroautos Geld. Tesla verkauft in den USA mittlerweile mehr Autos als Mercedes. Der Test mit einem Tesla Model S 100 D soll klären, was das Elektroauto kann.

Tesla kann schon lange Elektro. Das Tesla-Premiummodell Model S kam 2012 auf den Markt und erhielt 2016 ein Facelift. Neben optischen Veränderungen wurde über die Jahre vor allem die Akkuleistung und die Software verbessert.

❏ Tesla Model S 100 D: Karosserie

Der Tesla Model S streckt sich auf 4,98 Meter in die Länge und 1,96 Meter in die Breite. Mit Außenspiegel kommt er auf 2,19 Meter. Der Radstand von 2,96 Meter lässt großzügige Platzverhältnisse erwarten. Die Bodenfreiheit kann beim Tesla zwischen 11,6 und 16 Zentimeter in der Höhe verstellt werden.

Tesla Model S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D: Chromstreben um die rahmenlosen Scheiben     Foto: F. Moritz

Bei den Karosseriefarben hat der Kunde die Auswahl zwischen Solid Black, Midnight Silver und Deep Blue Metallic (jeweils 1.700 Euro), Pearl White (2.400 Euro) und Red-Multi Coad (2.900 Euro). Die 19-Zoll-Felgen in Silber sind serienmäßig und für die 21-Zoll Sonic-Carbon-Felgen werden 4.700 Euro fällig.

Tesla bietet sein Model S in Deutschland in drei Leistungsstufen an. Einmal mit 75 kWh-Batterie (75 D) und mit einem 100 kWh-Akku (100 D). Beide Varianten verfügen über einen Dualmotor-Allradantrieb. Das Spitzenmodell vom Tesla S ist der P 100 D mit einem 100-kWh-Akku mit Performance-Allradantrieb und einem Beschleunigungs-Upgrade. Der katapultiert das Auto in 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Tesla lässt seine Akkus in den USA fertigen und liegt bei den Produktionskosten weit unter seinen Mitbewerbern.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D: Ein Kabinen-Trolley passt locker vorne rein       Foto: F. Moritz

Der Tesla S Model D bietet eine Standardausstattung an, zu der auch das Premium-Upgradepaket und das Komfort-Paket gehören. Beide kann man nicht abwählen. Nur die verbesserte Autopilot-Funktion für 6.000 Euro ist frei wählbar.

An der Front fällt auf, das der Tesla keinen herkömmlichen Kühlergrill mehr hat. Zwischen den LED-Scheinwerfern mit dreistufigem Kurvenlicht sitzt eine dezente Chromspange mit integriertem Tesla-Logo. Auch die Nebelscheinwerfer über dem Spoiler sind bei Tesla in LED-Technik.

Unter der Fronthaube sitzt ein Motor, doch der ist so tief auf der Vorderachse verbaut, dass man ihn nicht sieht und es noch für einen kleinen Kofferraum a lá Porsche reicht. Die Batterie beim Tesla S ist am Unterboden befestigt und soll sich komplett in 90 Sekunden wechseln lassen.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D: Der Stromanschluss sitzt versteckt in der Rückleuchte      Foto: F. Moritz

Die Stromklappe beim Tesla S ist ein Reflektor in der Rückleuchte. Zum Aufladen gibt es mehrere Möglichkeiten, auf die ich noch später eingehen werde. Nur soviel. Seit Sommer 2018 kann man an den Supercharger-Stationen von Tesla nur noch maximal 400 kWh pro Jahr gratis zapfen. Danach kostet es Geld. Die ersten Tesla S-Fahrer konnten noch lebenslang die Supercharger kostenlos nutzen.

Tesla Model S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D     Foto: F. Moritz

Der Heck-Spoiler wurde beim Tesla S in die Kofferraumklappe integriert. Die Voll-LED-Rückleuchten werden von einer Chromspange mit dem Tesla-Schriftzug verbunden. Die dritte Bremsleuchte ziert in voller Breite die Oberkante des Heckfensters. Leider habe ich bei Regen einen Heckscheibenwischer vermisst, denn es sammelt sich reichlich Wasser auf der Scheibe.

❏ Tesla Model S 100 D: Kofferraum

Der Stauraum hinter der elektrischen Heckklappe im Tesla S beträgt 745 Liter (vorne und hinten zusammen sind es 894 Liter). Die Ladekante ist 69 Zentimeter hoch und danach geht es 14 Zentimeter abwärts auf den Ladeboden. Darunter befindet sich noch ein Fach für Ladekabel oder Kleinkram. Die Sitzlehnen können im Verhältnis 60:40 manuell nur von innen umgeklappt werden. Eine ebene Ladefläche entsteht dann nicht.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Spartanisch ausgestattet ist der Kofferruam im Tesla Model S 100 D       Foto: F. Moritz

Tesla hat mit seinem Model S vieles richtig und anders gemacht. Aber auch an manchen Stellen gespart. Im Kofferraum gibt es zum Beispiel weder Taschenhaken, noch Verzurrösen, keine 12-Volt-Dose und auch keine Durchlademöglichkeit. Ein Ersatzreifen oder ein Reifen-Reparatur-Set hatte der Testwagen auch nicht an Bord. Und die Materialqualität vom Sichtschutz im Kofferraum ist fernab von Premium.

❏ Tesla S: Innenraum + Ausstattung

Wenn die Türgriffe des Tesla Model S 100 D elektrisch aus der Versenkung auftauchen, beginnt die Show. Die weit öffnenden Türen mit den rahmenlosen Scheiben geben den Weg in eine neue automobile Welt frei.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D     Foto: F. Moritz

Für den Innenraum im Tesla Model S 100 D stehen drei Farbkombinationen zur Verfügung. Das Interieur des Testwagens bestand aus weißen Sitzen, dunklen Eschenholz-Dekorelementen, schwarzem Armaturenbrett und dunklem Dachhimmel. In Verbindung mit der Karosseriefarbe (Deep Blue Metallic) sieht diese Kombination richtig schick aus.

Allerdings sollten die lieben Kleinen auf den Rücksitzen den Umgang mit Schokolade, Eis und Cola beherrschen, sonst werden die weißen Bezüge schnell zum Albtraum vom Mama und Papa.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D    Foto: F. Moritz

Für einen amerikanischen Autohersteller hat sich sich Tesla viel Mühe mit den Materialien gegeben. Obwohl an der einen oder anderen Stelle auch Hartplastik zum Einsatz kommt, dominiert das Glattleder den Innenraum. Beim Testwagen waren die Verkleidungen an der A- und C-Säule nicht perfekt eingepasst. Insgesamt empfand ich aber die Verarbeitungsqualität beim Interieur sehr ordentlich.

In der zweiten Reihe genießen Erwachsene bis etwa 1,85 Meter akzeptable Kopf- und Beinfreiheit, trotz des Panoramadachs. Auf der niedrig angebrachten Sitzbank sitzt man ordentlich, aber für eine Luxuslimousine nicht unbedingt komfortabel.

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Tesla Model S 100 D: Wenigstens Dosenhalter gibt es im Fond     Foto: F. Moritz

Auch im Fond wurde beim Tesla S noch nicht zu 100 Prozent zu Ende gedacht. Zum Beispiel gibt es hier keine Mittelarmlehne, keine Haken für eine Jacke und auch keine Ablagemöglichkeiten. Von den komplett fehlenden Haltegriffen am Dach ganz zu schweigen. Gut, zwei ausklappbare Dosenhalter und USB-Buchsen zwischen den Vordersitzen sind immerhin vorhanden. Und natürlich Isofix-Halterungen.

Auch wenn Elon Musk Ablagemöglichkeiten suboptimal findet, mir fehlen sie im Tesla. Übrigens würde eine schöne große Uhr – vielleicht sogar analog – dem Tesla-Innenraum gut tun.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D: Über den 17-Zoll-Screen laufen fast alle Funktionen       Foto: F. Moritz

Auf dem Fahrerplatz wird dann der große technische Unterschied zu einem “herkömmlichen” Auto so richtig deutlich. Es gibt im Tesla Model S nur noch sehr wenige Knöpfe am Lenkrad. Ansonsten findet die gesamte Bedienung über den 17-Zoll-Touchscreen statt. Die Vordersitze lassen sich elektrisch verstellen, wie auch die Lordosen- und Kopfstützen und das Lenkrad. Der Schalthebel (Made by Daimler) befindet sich rechts am Lenkradstock.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D      Foto: F. Moritz

Der Rundumblick vom Fahrersitz aus ist übersichtlich und im Zusammenspiel mit der Rückfahrkamera und den Piepsern wird einparken auch nicht zum großen Problem mit dem fast 5 Meter langen Auto. Hinter dem Lenkrad sitzt beim Tesla die digitale Anzeige. Dort können für den Fahrer wichtige Informationen eingeblendet werden. Drehzahlmesser und Kühlanzeige gibt es natürlich nicht mehr. Dafür wird z.B. die Geschwindigkeit, Fahrstufe, Navi oder auch der Energieverbrauch eingeblendet. Ein Head-Up-Display bietet Tesla nicht an.

Der 17-Zoll-Screen ist die Schaltzentrale des Tesla Model S und er bietet Informationen ohne Ende. Hier wird über Menüs und Untermenüs das Auto konfiguriert. Ob Federung, persönliche Profile, Sicherheit, Auto-Pilot, Navi, Bertriebsanleitung, Telefon, Ladestationen und vieles andere mehr kann auf dem Display ausgewählt werden.

Tesla S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D: Die Türverkleidung ist schick designt, hat aber keine Ablage     Foto: F. Moritz

Um die gesamten Möglichkeiten des Systems zu verstehen und auch bedienen zu können, benötigt man schon einige Zeit. Der häufige Blick und Griff zum großen Monitor lenkt zumindest am Anfang doch stark vom Verkehr ab. Hier sollte die Sprachsteuerung noch mehr Unterstützung leisten.

Sehr angenehm empfand ich die Heizung im Tesla Model S. Bei den zur Zeit niedrigen Temperaturen, heizt das Auto vom Start weg den Innenraum auf. Auch wenn es Akku-Leistung kostet, man gewöhnt sich schnell an den Komfort. Beim Thema Fahrerassistenzsysteme bietet Tesla serienmäßig alles Notwendige an.

❏ Tesla Model S: Motor + Fahrleistung

Der getestete Tesla Model S 100 D hat einen 100-kWh-Akku und Dual-Motor-Allradantrieb. Das bedeutet, dass jeweils ein Elektromotor an der Vorder- und Hinterachse das Drehmoment der Räder separat steuert. Dadurch erreichte der Testwagen auf  jedem Untergrund eine hervorragende Traktion. Was natürlich auch bei der Beschleunigung Vorteile bringt. Der Tesla hat ein Leergewicht von über 2,2 Tonnen. Das sollte man wissen, bevor man dieses Elektromonster herausfordert.

Tesla Model S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D      Foto: F. Moritz

Ein Tesla Model S wird nicht per Schlüssel oder Knopf gestartet. Nein, man tritt auf das Bremspedal und die Fahrbereitschaft ist gegeben. Jetzt noch den Hebel auf Drive stellen und das Auto surrt los. Lautlos und emissionsfrei – man gewöhnt sich schnell daran. Der Stop-and-Go-Verkehr in der täglichen Rush-Hour wird so zur leisen Angelegenheit.

Und dann will man auch wissen wie der Tesla beschleunigt. Der Testwagen schafft es in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h mit einem Drehmoment von 660 Newtonmeter und 422 PS. Und die liegen immer an, was das leise Beschleunigen zum bleibenden Erlebnis macht. Bei 250 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Tesla Model S 100 D Foto: F. Moritz
Der “Autoschlüssel” vom Tesla Model S 100 D      Foto: F. Moritz

Zum Bremsen wird der Fuß eigentlich nur vom Elektropedal genommen. Durch die Rekuperation, also die Rückgewinnung der Energie für den Akku, bremst der Tesla schon recht stark ab. Die Rekuperationsstärke kann leider nur am Monitor verändert werden, was während der Fahrt nicht so günstig ist. Wenn man den Dreh raus hat, wird das eigentliche Bremspedal viel weniger genutzt, als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Tesla gibt eine NEFZ-Reichweite von 632 Kilometer an – theoretisch. Die Reichweite hängt bei einem Elektroauto aber von vielen Faktoren ab. Wer mit einem Tesla auf der Autobahn mit mehr als 100 km/h unterwegs ist, der zahlt die Zeche mit vielen Standzeiten an der Ladesäule. Auch kalte Außentemperaturen und die Nutzung von Sitzheizung und anderen Stromfressern, lassen die Akkuleistung schneller sinken. Auf der Testfahrt waren gut 400 Kilometer Reichweite ohne nachladen möglich. Tesla gewährt auf die Batterie und die Antriebseinheit acht Jahre Garantie bei unbegrenzter Laufleistung.

Tesla Model S 100 D Foto: F. Moritz
Tesla Model S 100 D: Schöne Seiten-Silhouette      Foto: F. Moritz

Der Wendekreis beträgt beim Tesla Model S 100 D 11,3 Meter und damit lässt er sich noch handlich bewegen. Überhaupt fährt sich ein Elektroauto auch nicht viel anders als ein “herkömmliches” Auto. Die Lenkung beim Tesla könnte mehr Rückmeldung geben und verstellbare Dämpfer würden den Fahrkomfort verbessern. Der Wagen ist für meinen Geschmack straff abgestimmt. Durch die am Unterboden verbauten Akkus liegt der Tesla satt auf der Straße. Was beim Geradeauslauf von Vorteil ist, zeigt sich in spitzen Kehren als kleiner Nachteil.

Der Tesla Model S 100 D hat zwei Ladekabel an Bord. Eins ist für die Supercharger und eins (mit Adapter) für die Haushaltssteckdose und für Starkstrom. Ende September 2018 gab es weltweit 1.344 Supercharger-Stationen mit 11.041 Ladeplätzen. An einer 120 kW-Ladestation soll der Tesla in 20 Minuten wieder zur Hälfte aufgeladen sein. An einer Schnellladebuchse mit 22 kW soll es vier Stunden dauern. Schließt man ihn zuhause an die Steckdose an, vergehen mehr als 40 Stunden. Das kann nicht die Zukunft sein und schreckt Interessierte noch von einem Kauf ab.

❏ Tesla Model S: Fazit + Preis

Elektromobilität ist eine interessante Alternative zu Verbrennungsmotoren und Tesla ist in seinem Segment noch konkurrenzlos. Voraussetzung für die Anschaffung eines Elektroautos sollte (neben dem Kleingeld) eine eigene Ladestation sein und eine Reichweite der Akkus, die den persönlichen Ansprüchen gerecht werden. Der Tesla Model S 100 D bietet Technik, die man so in Großserie noch nicht kannte. Die Verarbeitung und die Materialqualität ist für ein amerikanisches Auto auf einem hohen Niveau. Es bleibt aber auch noch Luft nach oben.

Wie der Tesla beschleunigt ist sehr beeindruckend. Er lässt sich für seine Größe noch recht handlich bewegen und bietet großen Nutzwert. Der Testwagen kostete 109.400 Euro und Tesla gewährt vier Jahre Garantie.

Der Testwagen Tesla Model S 100 D wurde von Tesla zur Verfügung gestellt.

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