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Hotel VILLINO am Bodensee

Eingangsbereich vom Hotel-VILLINO     Foto: F. MoritzEingangsbereich vom Hotel-VILLINO Foto: F. Moritz

Das einzigartige Hotel VILLINO nahe dem Bodensee, feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Oberhalb von Lindau gelegen, bietet es dem Gast ein ganz besonderes Flair und sehr liebevolle Gastgeber.
1991 kaufte Familie Fischer die ehemalige Schreinerei und machte aus ihr ein wahres Schätzchen. Im April 1992 eröffnete das VILLINO auf einem 3.000 Quadratmetern großen Grundstück mit 12 kleinen Zimmern und 9 Tischen im Restaurant.

Einfahrt zum Hotel-VILLINO Foto: F. Moritz
Einfahrt zum Hotel-VILLINO     Foto: F. Moritz

Vor einigen Jahren waren wir auf der Durchreise am Bodensee und wollten spontan die Küche im Hotel VILLINO kennenlernen. Leider war eine Gesellschaft im Haus und somit blieb für uns die Küche kalt. Diesmal gingen wir “professioneller” vor und reservierten Tisch und Zimmer. Jetzt also ein längerer Aufenthalt und die Möglichkeit alles in Ruhe zu entdecken.

Um es vorweg zu nehmen. Das Hotel VILLINO ist für mich in der Bodensee-Region das exquisiteste Haus am Platze mit einem Top-Service-Team, welches man als Gast nicht mehr missen möchte.

Eingangsbereich vom Hotel-VILLINO Foto: F. Moritz
Eingangsbereich vom Hotel VILLINO     Foto: F. Moritz

1995/96 begann Familie Fischer mit dem ersten Hotel-Anbau und erweiterte sukzessive die Zimmerkapazitäten auf die heutige Anzahl. Alle Zimmer wurden im mediterranen Landhausstil gestaltet und erhielten ihre individuelle Note durch die Handschrift der Familie Fischer. Man muss sich hier einfach wohlfühlen, denn es wurde wirklich auf jedes noch so kleine Detail geachtet. Auf Chichi haben Sonja und Alisa Fischer zum Glück verzichtet.

Zu dieser Zeit wurde auch der Garten angelegt – eine Freude für die Sinne und zum Entspannen. Im italienischen bedeutet das Wort “VILLINO” soviel wie “kleines, einfaches Haus im Grünen” – was bei diesem Anwesen aber mehr als untertrieben ist.

❏ Ankunft im Hotel VILLINO

Das Fünf-Sterne Hotel VILLINO ist Mitglied in der Hotelvereinigung Relais & Châteaux und umfasst mittlerweile ein Areal von 12.000 Quadratmetern. Es liegt in einer Parkanlage mit einem wunderschönen, nach italienischem Muster gestalteten Garten. Das VILLINO besteht aus mehreren Gebäuden, wodurch es nicht nur Zimmer mit verschiedenen Größen, sondern auch in alle Himmelsrichtungen gibt. Parkplätze sind in ausreichender Zahl gleich vor dem Hotel vorhanden.

Alisa Fischer sorgt sich liebevoll um jeden Gast im VILLINO Foto: F. Moritz
Alisa Fischer ist eine der beiden charmanten Hausherrinnen     Foto: F. Moritz

Beim Betreten des Empfangsbereichs fallen einem sofort die vielen, kleinen Details und die herzliche Atmosphäre auf. Um das Gepäck kümmert sich das Personal und die Formalitäten werden nicht hinter einem schnöden Tresen erledigt, sondern an einem antiken Schreibtisch und in Ledersesseln.  Die Lobby strahlt schon sehr viel Charme aus, und macht Lust mehr im VILLINO zu entdecken. Für das Wohl der Gäste sind 40 Angestellte im Hotel zuständig. Und das sie ihren Job gut machen, belegen die vielen Stammgäste aus der Schweiz, Österreich und natürlich auch aus Deutschland.

So eindrucksvoll das Ambiente ist und so angenehm die Zimmer auch sein mögen – sie sind nur der äußere Rahmen für die Seele des Hotels: den Service. Und der wird im Hotel VILLINO ganz auf die individuellen Wünsche des Gastes abgestimmt.

VILLINO - Stilvolle Gastlichkeit in allen Räumen Foto: F. Moritz
Kleines Kaminzimmer gleich neben der Lobby     Foto: F. Moritz

❏ Die Zimmer im Hotel VILLINO

Insgesamt verfügt das Hotel VILLINO über 21 Doppelzimmer, Junior-Suiten und Suiten, die eine Größe zwischen 18 und 120 Quadratmetern aufweisen. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Namen (z.B. Lago, Bellavista, Mondo, Azzuro oder Terra) von Familie Fischer bekommen und nicht nur eine simple Nummer. Allen Zimmern gemein ist die Ausstattung. Neben Boxspringbetten, Flatscreen, Minibar, Kühlschrank, WLAN und Safe, haben alle Zimmer auch einen Balkon.

Junior-Suite im VILLINO Foto: F. Moritz
Viel Platz bietet die Junior-Suite im Hotel VILLINO     Foto: F. Moritz

Eine Junior-Suite im VILLINO verwöhnt mit viel Liebe zum Detail Foto: F. MoritzIn den großen Boxspringbetten schläft es sich hervorragend    Foto: F. Moritz

VILLINO - Alle Zimmer und Bäder sind individuell eingerichtet Foto: F. MoritzAuch die Bäder folgen dem Einrichtungsstil im Hotel VILLINO   Foto: F. Moritz

❏ Wellness im VILLINO

Im VILLINO kann der Gast natürlich auch seinen Körper verwöhnen lassen, und in der über 400 Quadratmeter großen Wellness- und Beauty-Oase Kraft für Geist und Seele auftanken. Die Saunalandschaft bietet eine klassische finnische Sauna, ein römisches Dampfbad, das Solebad, das Sanarium und den Ruheraum “SILENCIO” mit kuscheligen Betten zum Entspannen und eigener Terrasse.

Spa-Bereich im VILLINO Foto: F. Moritz
Sauna- und Ruhebereich im VILLINO-SPA     Fotos: F. Moritz

D Foto: F. Moritz

Das professionelle Wellness-Team mit seinen geübten Händen bietet auch eine Vielzahl von Massagen und Massage-Ritualen für Sie und Ihn an. Ob eine 100-minütige “Polynesia” mit Mahana-Massage mit warmen Sandstempeln, oder vielleicht der 90 Minuten dauernde “Honig-Ingwertraum, ein Ganzkörperpeeling auf der Hamamliege und einer ausgleichenden Massage mit Honig-Ingwer-Öl, entscheiden Sie selbst. Tages- oder Abend Make up sind ebenfalls im Angebot, wie wohltuende Gesichtsbehandlungen. Probieren Sie es einfach aus.

❏ Gartenträume im VILLINO

Den Garten können die Gäste des VILLINO nutzen, und das sollten sie auch tun. Wer sich nur ein wenig für Gärten und deren Gestaltung interessiert, dem wird hier sein Herz aufgehen.

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz

Der wunderschöne Garten vom VILLINO Foto: F. Moritz
Der wunderschöne Garten vom Hotel VILLINO       Fotos: F. Moritz

❏ Essen und Trinken im VILLINO

Und ist der Garten im Hotel VILLINO noch so schön, das Wellness-Angebot groß und die Zimmer sehr einladend – die Liebe zu einem Hotel geht erst mal durch den Magen. Und letzterer wird in diesem Haus wahrlich verwöhnt. Küchenchef und Herr über Töpfe und Pfannen ist seit 2017 Toni Neumann. Er und sein 10-köpfiges Team bieten leichte und raffinierte italo-asiatische Küche, wobei überwiegend Produkte genutzt werden, die die Region hergibt. Und diese Küche ist dem Guide Michelin einen Stern und dem Gault-Millau immerhin 16 Punkte wert.

50 Sitzplätze im Restaurant verteilen sich auf zwei Wintergärten und ein mediterran anmutender Innenhof bietet in den Sommermonaten Platz für weitere 30 Personen. Als sehr angenehm empfand ich, dass die Tische einen gewissen Abstand zueinander hatten und die Atmosphäre während des Essens nicht so steif und gekünstelt war. Edle, weiße Tischwäsche sind genauso selbstverständlich wie frische Blumen und Kerzen.

Das Restaurant hat sieben Tage in der Woche ab 18 Uhr geöffnet und Reservierungen sind erwünscht. Ansonsten kann es Ihnen wie uns vor einigen Jahren ergehen (siehe weiter oben).

VILLINO - Teilansicht vom Restaurant Foto: F. Moritz
Das Restaurant im Hotel VILLINO     Foto: F. Moritz

Den stilvollen Rahmen des Restaurants kann der Gast auch bei der Einnahme des Frühstücks genießen. Als Besonderheit bietet das VILLINO hier nur ein kleines Buffet an. Alles anderes kann á la carte bestellt werden und wird von der Küche schnell und frisch zubereitet. Das kompetente Personal von Restaurantchef Rainer Hörmann ist flink und aufmerksam gegenüber dem Gast. Man fühlt sich sehr wohl und umhegt.

VILLINO - Teilansicht vom Restaurant Foto: F. Moritz
Kleines Frühstücks-Buffet     Foto: F. Moritz

Küchenchef Toni Neumann versteht es neben den geschmacklichen Komponenten auch das Auge des Gastes mit seinen Kreationen zu verwöhnen. Als Beispiel möchte ich da nur das Ei-Süppchen mit Trüffel und das Spanferkel nennen. Neben den exquisiten Speisen von Toni Neumann hält Sommelier Rainer Hörmann überraschende und anspruchsvolle Weine bereit. Das er wahre Freude an seinem Beruf hat, erlebten wir während einer begleitenden Weinreise zum Essen. Seine Empfehlungen waren ehrlich und nicht übertrieben angepriesen. Die Weinpflege war perfekt. Und der spanische Weißwein aus der Region Galicien war übrigens großartig!

VILLINO-Weinkeller - Das Reich von Sommelier Rainer Hörmann Foto: F. Moritz
Weinkeller – “Das Reich von Rainer Hörmann”     Foto: F. Moritz

Eine Führung in den Weinkeller, dem “Reich des Rainer Hörmann”, veranschaulichte mir die Vielfältigkeit der Weine. 850 Positionen stehen auf der Weinkarte und die Hauptanbaugebiete sind Deutschland, Italien und Frankreich. Es werden aber auch globale Spitzenweine kredenzt. Hier unten können Weinproben genommen werden und wer möchte, kann gleich das ganze Haus mieten.

Es gäbe noch viel zu berichten vom Hotel VILLINO. Vielleicht noch der Hinweis, dass seit 25 Jahren Arrangements für die Festspiele in Bregenz vom Haus aus angeboten werden. Vom Shuttle zum Hafen, die Überfahrt zur Seebühne mit dem Schiff, die Karten (vom 19. Juli bis 20. August 2017 wird Carmen von Georges Bizet aufgeführt) und natürlich auch für kulinarische Höhepunkte wird gesorgt.

Informationen:
VILLINO
Hotel-Restaurant-Wellness
Hoyerberg 34
88131 Lindau/Bodensee
Telefon: +49 83 82 93 45-0
info@villino.de
www.villino.de

1 Stunde weg

Ausflugstipp: Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Wörlitz - Mitteldeutscher Verlag

So eine Ballung von Weltkulturerbe ist  weltweit einmalig. Bauhaus Dessau, Gartenreich Dessau Wörlitz und Lutherstätten in Wittenberg. Gleich drei UNESCO-Welterbestätten liegen unmittelbar nebeneinander. Ausflugstipp: Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Einzigartige Kulturlandschaft an der Elbe

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist eine europaweit bedeutende Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt, 100 Kilometer von Berlin und 70 Kilometer von Leipzig entfernt. Das weitgehend nach englischem Vorbild angelegte Gartenreich zwischen der Bauhausstadt Dessau und der Lutherstadt Wittenberg umfasst eine Fläche von 142 Quadratkilometern entlang der Elbe im Biosphärenreservat Mittelelbe.

Seekonzert im Wörlitzer Park© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Seekonzert im Wörlitzer Park© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Zum Gartenreich gehören die Schlösser und Parks Luisium, Georgium, Mosigkau, Großkühnau, Leiner Berg, Sieglitzer Berg, Oranienbaum und Wörlitz. Zur Eintragung in das Weltkulturerbe erklärte die UNESCO im Jahr 2000: „Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der  Aufklärung in einer Landschaftsgestaltung, die Kunst, Erziehung  und Wirtschaft harmonisch miteinander verbindet.“

Eiserne Brücke im Schlosspark Wörlitz
Eiserne Brücke im Schlosspark Wörlitz Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Wörlitzer Park ist Herzstück

Der Wörlitzer Park ist das Herzstück des Gartenreiches. Schöpfer war Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. „Vater Franz“, wie der Fürst heute noch genannt wird, lehnte den Barockgarten ab und suchte für seine Gartenschöpfung Vorbilder, die sich an der Natur orientierten.

Blick aus dem Schloss Wörlitz, Foto: D.Weirauch
Blick aus dem Schloss Wörlitz, Foto: D.Weirauch

Vorwiegend englische Elemente flossen in seinen Park ein: offen und transparent sollte das Areal sein. Jahre später „kopierte“ der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm II. für den Neuen Garten in Potsdam die Wörlitzer Anlagen.

Einzigartig in Europa

Der Wörlitzer Park galt als frühester und größter Landschaftsgarten nach englischem Muster auf dem europäischen Kontinent.

Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.
Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Schloss Wörlitz – England und Antike in einem Haus

Schloss Wörlitz, der Gründungsbau des deutschen Klassizismus, wurde für den Fürsten Franz nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff errichtet. Es enthält die originale Inneneinrichtung vom Ende des 18. Jahrhunderts und beherbergt kostbare Sammlungen antiker Plastiken, Gemälde und Gefäße aus der Produktion der berühmten Wedgwood-Manufaktur.

Schloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent
Schloss Wörlitz – der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent, Foto: D.Weirauch
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Das Gotische Haus in den Wörlitzer Anlagen

Das Gotische Haus birgt im Inneren eine einmalige Sammlung mit Glasgemälden vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert sowie eine bemerkenswerte neugotische Ausstattung. Es war das „Liebensnest“ des Fürsten Franz mit der Gärtnerstochter Louise Schoch.

Bibliothek im Gotischen Haus im Wörlitzer Park,

Oranienbaum – Ein kleines Stück Holland und China

Oranienbaum, nur acht Kilometer von Wörlitz entfernt,  ist ein auf geometrischem Grundriss errichtetes Ensemble aus Stadt, Schloss und Park und zudem ein in Deutschland seltenes Beispiel für eine weitgehend niederländisch geprägte Barockanlage.

Chinesisches Haus im Park Oranienbaum, Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Nickfigur im Chinesischen Haus Oranienbaum, Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Henriette Catharina, Fürstin von Anhalt-Dessau und geborene Prinzessin von Oranien-Nassau hatte eine kleine Ansiedlung als Ort für ihren Sommersitz ausgewählt und ihm zuvor den Namen Oranienbaum verliehen.

Ausflugstipp: Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Oranienbaum ist Teil der  überregionalen Oranierroute. Stationen sind neben Oranienburg auch Stolberg im Harz und das niederländische Schloss Het Loo.

Mosigkau – Perle des Rokoko

Das nur wenige Kilometer westlich des Dessauer Stadtzentrums gelegene Rokoko-Schloss Mosigkau wurde von Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau von 1752 bis 1755 als Sommerresidenz erbaut. Das heute liebevoll als das kleine Sanssouci bezeichnete Haus kann zwar nicht mit der Glanzentfaltung des Potsdamer Vorbildes konkurrieren, von seinem ländlichen Charme und seiner Anmut geht allerdings ein unvergleichlicher Reiz aus. Trotz der überlieferten Sittsam- und Sparsamkeit der Bauherrin galt die Sommerresidenz bereits zu ihren Lebzeiten als Ort für muntere Geselligkeit. Schloss und Garten waren für höfische Vergnügungen wie Spiel, Tanz und Konversation einfach wie geschaffen. Nach dem Tod der Besitzerin wurde es entsprechend ihren Wünschen in ein „Hochadeliges Damenstift“ umgewandelt, das bis zu seiner Schließung durch die  Bodenreform im Jahr 1945 insgesamt 46 ledigen adeligen Damen Heimstatt war.

Schloss Mosigkau, Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Die Schlossanlage Mosigkau gehört zu den wenigen noch heute weitgehend erhalten gebliebenen Rokokoensembles. Die Anlage wurde von 1752 bis 1757 für die Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau (1715–1780) ganz nach ihren Vorstellungen und Wünschen errichtet und diente ihr 23 Jahre lang als Aufenthaltsort in den wärmeren Monaten. Die Lieblingstochter des Alten Dessauers verfügte, dass nach ihrem Ableben in ihrem Sommerschloss ein Hochadeliges Fräuleinstift eingerichtet wird. Dazu hinterließ sie äußerst detaillierte Angaben, die nachweislich eingehalten wurden.

Stiftsdamenwohnung in Mosigkau© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Stiftsdamenwohnung in Mosigkau© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Den Höhepunkt der Gesamtanlage bildet der Galeriesaal im Corps de Logis. Der Raum enthält in vertieften Wandfeldern in einer in Deutschland einzigartigen barocken lückenlosen Hängung bedeutende Gemälde hauptsächlich flämischer und holländischer Meister.

© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Luisium – Ein privates Refugium für die Fürstin

Der klassizistische Landsitz der Fürstin Louise von Anhalt-Dessau gilt als das Meisterwerk Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorffs. Heute erscheint es als die idyllischste der zwischen Dessau und Wörlitz gelegenen Anlagen. Fürst Franz ließ das kleine Landhaus „Luisium“ durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff  von 1774 bis 1778 für seine Gattin als privaten Wohnsitz erbauen. Franz hatte seiner zehn Jahre jüngeren Frau das Haus und die Hälfte des so genannten Vogelherds aus Anlass ihres 30. Geburtstags geschenkt. Die Ehe der beiden stand unter keinem so guten Stern, obwohl sich beide sehr darum bemühten. Die preußische Prinzessin Louise, Nichte von Preußenkönig Friedrich II.,  und Cousine des Fürsten Franz, war auf Betreiben des Preußenkönigs vierzehnjährig mit ihrem Cousin verlobt worden. Trotzdem reißen gegenseitige Achtung und Respekt füreinander nie ab. Louise bleibt eine wichtige Partnerin, übernimmt in Abwesenheit ihres Gatten die Überwachung der Bau- und Gartenarbeiten. In den warmen Monaten zieht sie sich jedoch in ihr Refugium, das nach ihr benannt wurde, zurück.

Das Luisium in Dessau, Foto: IMG Sachsen-Anhalt mbH
Das Luisium in Dessau, Foto: IMG Sachsen-Anhalt mbH

Fürst Franz bleibt die Liebe zum bezaubernden Luisium erhalten. In seiner späten Lebenszeit zog er sich in das Luisium zurück, wo er auch verstarb.Die kleinen Räume und Kabinette des bezaubernden Landhauses mit ihren feinen Stuckdekorationen und Wandgemälden sind weitgehend original ausgestattet.

Großkühnau – Ein Weinberg in der Elbaue

Das Schloss, im Westen von Dessau gelegen,war 1780 für den Prinzen Albert von Anhalt-Dessau, dem Bruder des Fürsten Franz, fertig gestellt worden. Vom Besitzer wurde es schlicht „Haus” genannt und war zu seiner Zeit sehr einfach und solide eingerichtet.

Der Landschaftsgarten von Kühnau bildet sowohl zeitlich als auch räumlich den Abschluss des Gartenreiches. Malerisch am See neben der Kirche befindet sich das Kühnauer Schloss.

Im Inneren des Schlosses wurde, bis auf den mit Dekorationsmalerei ausgestatteten Festsaal im ersten Obergeschoss, auf jeglichen künstlerischen Schmuck verzichtet. Seit Januar 1998 ist das Schloss das Domizil der Hauptverwaltung der Kulturstiftung Dessau Wörlitz.

Georgium – Ein weitläufiger Landschaftsgarten

Das Georgium ist neben den Wörlitzer Anlagen der kunsthistorisch bedeutendste Landschaftspark englischen Stils im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Er wurde von Prinz Johann Georg, dem jüngeren Bruder des Fürsten Franz geschaffen und nach ihm benannt.

Der Park am Sieglitzer Berg

Nach 1777 ließ Fürst Franz im Ellbogen westlich des alten Fischerdorfes Vockerode, später vor allem durch sein Kraftwerk bekannt, einen Waldpark anlegen. Er liegt auf einer vom Hochwasser freien Anhöhe und umfasst etwa 25 Hektar. In der Entstehungszeit wurde der Park als „geordnete Wildnis“ beschrieben. Genau diese Wirkung soll beabsichtigt gewesen ein.

Geniale Aufklärungsideen

Wie keine andere Landschaft reflektiert das Gartenreich Wörlitz die Bildungsideale der Aufklärung. Das Landesverschönerungsprogramm des Fürsten begründete die bis heute andauernde anhaltende überregionale Würdigung. Sehenswert sind aber nicht nur die Schlösser und Parkanlagen, sondern auch die Kirchen und Kleinarchitekturen, darunter als Ferienwohnungen nutzbare Wallwachhäuser, die in die Auenlandschaft eingebettet sind. Auf engstem Raum ist so im Wörlitzer Gartenreich Kulturgeschichte, von Barock über Rokoko bis hin zum Klassizismus erlebbar. Die Einheit aus Natur und Kunst, Ökologie und Ökonomie hält getreu dem Fürstenmotto „Schönes mit dem Angenehmen zu verbinden“ bis heute für jedermann etwas bereit.

Informationen zum Weltkulturerbe Gartenreich mit Wörlitz

  • Info:| www.gartenreich.com
  • Buchtipp: Erhard Hirsch: Dessau-Wörlitz, Aufklärung und Frühklassik, Kulturreisen in Sachsen-Anhalt, Band 5, Verlag Stekovics, 16,80 EUR
  • Blick auf die Insel Stein im Wörlitzer Park
    Blick auf die Insel Stein im Wörlitzer Park Foto: D.Weirauch

     

  • im Mitteldeutschen Verlag erschien im März 2017 zum Schloss Wörlitz der profunde Band:
  • Kulturstiftung DessauWörlitz (Hg.)
    Schloss Wörlitz
    Architektur, Interieur, Sammlungen, Bewohner
    Architecture, Interior, Collections, Residents
    deutsch/englisch
    256 S., geb., 220 × 280 mm, s/w- und Farbabb.
    ISBN 978-3-95462-770-7


  • Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff (1736–1800) ist der Begründer der klassizistischen Baukunst in Deutschland. Unter dem Eindruck von Reisen durch Italien und England an der Seite seines Fürsten Leopold II. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) entwarf er für diesen das „Fürstlich Anhalt-Dessauische Landhaus zu Wörlitz“. Während der nur vierjährigen Bauzeit hielt sich Erdmannsdorff ein knappes Jahr in Rom auf, sandte Entwürfe nach Dessau und tätigte für die Innenausstattung Kunstankäufe. Im März 1773 konnte der Fürst seinen Gästen das modernste Schloss des europäischen Festlandes präsentieren. Das Außergewöhnliche ist seine programmatisch klassizistische Ausstattung mit einem Bestand an bedeutenden Gemälden, Antiken und an Kunsthandwerk wie Keramiken von Wedgwood oder Bronzestatuetten von Giacomo Zoffoli (1731–1785).
    2017 wird die Restaurierung von Schloss Wörlitz, der Perle des deutschen Klassizismus, weitgehend abgeschlossen sein, so dass die Besucher dann das fast vollständig erhaltene originale Interieur im neuen Glanz erleben können. Der aus diesem Anlass erscheinende reich bebilderte Band führt den Leser mit stimmungsvollen Fotografien und kenntnisreichen Beiträgen auf einer persönlichen Erkundungstour durch das »Landhaus«.
    Mit Beiträgen von Ingo Pfeifer, Uwe Quilitzsch, Wolfgang Savelsberg, Kristina Schlansky und Annette Scholtka.

Empfehlenswerte Übernachtung

  • „Zum Hauenden Schwein“
  • Erdmannsdorffstrasse 69
  • 06785 Oranienbaum-Wörlitz
  • Telefon: 03 49 05 / 30 19 0
  • Telefax: 03 49 05 / 30 71 7
  • Website: www.zumhauendenschwein.de
  • E-Mail: anfrage@zumhauendenschwein.de
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Gastfreundschaft und Wandern: “50plus Hotel” Bergland Obsteig in Tirol

Stätte gediegener Gastlichkeit: Hotel Bergland Obsteig. Foto: D.WeirauchStätte gediegener Gastlichkeit: Hotel Bergland Obsteig. Foto: D.Weirauch

Zweierlei habe ich bei meinem Besuch im “50plus-Hotel” Bergland in Obsteig gelernt: 1. Ja, es gibt sie noch die vielgerühmten Familienbetriebe mit hervorragender Gastlichkeit. 2. Hoteliers müssen sich jeden Tag aufs Neue beweisen und versuchen, dabei ihrer Tradition treu zu bleiben. Gastfreundschaft und Wandernim 50plus Hotel Bergland Obsteig in Tirol.

Gastfreundschaft und Wandern: “50plus Hotel” Bergland Obsteig in Tirol

Ein Haus mit vielen Stammgästen

Ein Großteil der  Gäste kommt bereits seit vielen Jahren in das Tiroler “Hotel Bergland” in Obsteig am Mieminger Sonnenplateau. So kann es passieren, dass beim morgendlichen Frühstück die Chefin des Hauses Edith Stierschneider einer Besucherin Glückwünsche zum Geburtstag überbringt. Ein andermal werden Gäste dafür geehrt, dass sie bereits das 5., 10. oder bereits das 30. Mal das gastfreundliche Hotel für einen Wander- oder Winterurlaub gebucht haben. Oder das 60-jährige spanische Ehepaar Cardona, das nach 40 Jahren an den Ort ihrer Hochzeitsreise zurückgekehrt ist und im Hotel die damalige Hotelrechnung und das Hotelprospekt als Beweis vorzeigen. „Sie brachten sogar ein Foto mit, wo ich als kleiner Junge mit Lederhosen drauf zu sehen bin“, berichtet amüsiert Hotelier Franz Stierschneider.

Es sind immer die Geschichten, die ein Hotel lebenswert machen. Und davon kann Familie Stierschneider viele erzählen. Bruder Peter Stierschneider zeigt Fotos aus der Zeit der großen Erweiterung des Hotels in den 80er und 90er Jahren. Bereits die Großeltern hatten das Anwesen inmitten einer faszinierenden Bergwelt im Jahr 1970 gekauft und zu einer weithin gerühmten Stätte Tiroler Gastlichkeit entwickelt. Später bauten die Eltern das “Landhaus” (12 Zimmer) in unmittelbarer Nähe des Hotels Bergland. Im Hotel selbst gibt es 33 Zimmer, der Speisesaal bietet bis zu 80 Gästen Platz.

Aber auch wer von Natur und viel Sonne so verwöhnt ist, wie das zu den “50plus Hotels” gehörende Tiroler Hotel “Bergland” am Mieminger Sonnenplateau, hat nicht jeden Tag ein volles Haus.„Die Zeiten sind schwieriger geworden“, sagt Seniorchefin Edith Stierschneider und verweist auf weniger Busreisende und den auch im Tiroler Gastgewerbe spürbaren Arbeitskräftemangel.

Oberkellner Martin und die Hotelchefin Edith Stierschneider verstehen sich gut. Foto: D.Weirauch
Oberkellner Martin und die Hotelchefin Edith Stierschneider verstehen sich gut. Foto: D.Weirauch

Oberkellner Martin gehört mit mehr als 25 Dienstjahren quasi zum Inventar und lobt das gute Klima im Haus. Das haben auch wir bei unserem Besuch gespürt. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wird im “50plus Hotel” Bergland in Obsteig groß geschrieben.

Umso mehr beweist sich die Familie als stabiles Rückgrat für  Gastlichkeit und Verlässlichkeit. Neben den Söhnen Peter (u.a. zuständig für Rezeption und Büromanagement) und Franz (zertifizierter Wanderführer, Rad-sowie-E-Bike-Verleih, Gästebetreuung), arbeitet auch Schwiegertochter Manuela (Frau vom Franz) mit im Hotel. So begegnet man beim Frühstück im hellen Speisesaal jeden Tag einem anderen Mitglied der Stierschneider-Familie. Das macht eben auch die vielgelobte familiäre Atmosphäre eines “50plus Hotels” aus.  Die Küche des Hotels ist gutbürgerlich. Auf individuelle Wünsche geht der Küchenchef gern ein.

Die Brüder Peter und Franz Stierschneider am Eingang zum Landhaus. Forto: D.Weirauch
Die Brüder Peter und Franz Stierschneider am Eingang zum Landhaus. Forto: D.Weirauch

Es sind die Kleinigkeiten, die nicht mehr überall Normalität sind. Kaum  angekommen werden die Koffer in das Zimmer gebracht. Es ist Vorfreude auf Gastfreundschaft und Wandern: “50plus Hotel” Bergland Obsteig in Tirol.

Schon beim Aufwachen sind die nahen Berge zu sehen. Foto: D.Weirauch
Schon beim Aufwachen sind die nahen Berge zu sehen. Foto: D.Weirauch

„Ruhen Sie sich erst einmal aus und kommen Sie an, dann sehen wir weiter,“ so die Worte von Gastgeber Peter Stierschneider. Wenig später gibt er fachkundig Tipps für eine kleine Kennenlernwanderung in die nähere Umgebung.

Peter Stierschneider vom Hotel Bergland in Obsteig erklärt Wanderziele. Foto: D.Weirauch
Peter Stierschneider vom Hotel Bergland in Obsteig erklärt Wanderziele. Foto: D.Weirauch

GästeCard für Sonnenplateau

Mit der Welcome Card Tourismusvereins Sonnenplateau Mieming und Tirol Mitte geht es alsbald auch los, beginnen die schönsten Wanderwege auf dem Mieminger Sonnenplateau doch gleich gegenüber dem Hotel Bergland. Nein, wir wollen nicht gleich hoch zum Simmering, aber drei Stunden waren es dann, die wir leicht bergauf und bergab, inmitten prächtiger Lärchenwälder und lichten Wiesen vorbei an einem plätschernden Bach entlang wanderten. Im Winter können unweit vom Hotel in einer Skischule Anfänger die ersten Schritte lernen. Das ist eben Gastfreundschaft und Wandern: “50plus Hotel” Bergland Obsteig in Tirol.

Wandern auf dem Jakobsweg

Obsteig ist die westlichste Gemeinde des Mieminger Sonnenplateaus, oberhalb des Oberinntals. Es liegt am Fuß der Mieminger Kette. Von unserem Zimmer haben wir einen wunderbaren Blick auf die Gebirgswelt. Das 50plus Hotel Bergland Obsteig ist Ausgangspunkt vieler Wandermöglichkeiten.

Der Ort mit rund 1500 Einwohnern hat einige Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören unter anderem die privat genutzte Burg Klamm und die katholische Kirche St. Josef. Auch säumen mehrere kleine Kapellen den von uns begangenen und sehr gut ausgeschilderten „Sonnenplateau Rundwanderweg“, der über den österreichischen Jakobsweg und das Netzwerk „Sinnwege“ überregional vermarktet wird.

Die Kirche von Obsteig in Tirol. Foto: D.Weirauch
Die Kirche St. Josef in Obsteig in Tirol. Foto: D.Weirauch

Zum Ausruhen laden Bänke an markanten Aussichtspunkten ein. In der Gegend um Obsteig findet sich dicht beieinander alles was die Alpen attraktiv macht: Gipfel aus schroffem Kalk für den fotogenen Hintergrund, wunderschöne Almwiesen, typische Almhütten und klare Gebirgsbäche. Die Lärchenwiesen der Region stehen unter Landschaftsschutz.

Nach anstrengender Wanderung ins Hallenbad

Der Wellnessbereich des Vier-Sterne-Hotels Bergland bietet ausser den Saunen ein für Hotels dieser Größenordnung erstaunlich komfportables Hallenbad mit Gegenstromanlage und Whirpoolbank.

Lichtdurchflutet ist das Hallenbad im Hotel Bergland in Obsteig. Foto: D.Weirauch
Lichtdurchflutet ist das Hallenbad im Hotel Bergland in Obsteig. Foto: D.Weirauch

Wer will, der kann sich zudem mit Bädern oder Packungen mit Tiroler Berg-Heu, Nachtkerzenölbad, Fango oder Algenbad sowie entspannenden Massagen verwöhnen lassen.

Mit dem E-Bike auf dem Sonnenplateau

Das Wanderwegenetz ist umfangreich. Peter Stierschneider hat eine Menge Tipps parat. Und Bruder Franz, zertifizierter Wanderführer und  Experte für die Rad- und E-Bike-Touren, führt oftmals Gruppen, die gern mit der Alpinskischule Innsbruck (ASI) oder Busgesellschaften in das direkt an der Fernverkehrsstraße (Richtung Fernpass) gelegene Hotel kommen, durch die Bergwelt. Zahlreiche positive Eintragungen auf Hotelbewertungsportalen zeigen: hier sind Wanderprofis daheim.

Franz Stierschneider verleiht an seine Gäste E-Bikes und führt Wandertouren durch. Foto: D.Weirauch

 

Foto: Innsbruck Tourismus

Gutbürgerliche Küche zu fairen Preisen

Ob Jause oder Abendessen, im Hotel Bergland gibt die Küchencrew ihr Bestes. Zum Abendmenü gehören unter anderem Thunfischcocktail, Rinderkraftsuppe mit Fadennudeln, Nürnberger Rostbraten oder Käsetaschen. Zu Jause sind beispielsweise Schweizer Wurstsalat (7 Euro), hausgemachte Sülze in Essig und Öl (7 Euro), Südtiroler Bauernspeck mit Brot und Butter(9 Euro) und andere Spezialitäten im Angebot. Auch Frühstücksgäste von außerhalb sind willkommen. Ein kleines Frühstück kostet 6,80 Euro, ein großes Frühstück zwölf Euro.

Beeindruckende Panoramablicke

Gäste, die nicht allein die schöne Umgebung erkunden wollen, lassen sich von Franz Stierschneider führen. Er kennt alle Aussichtsplattformen, die verwunschenen Wanderwege mit Einkehrmöglichkeiten auf den Almen, den  Klettersteig und diverse alpine Steige. Von dort gibt es  beeindruckende Panoramablicke über die Berglandschaft. Wie heißt es im Prospekt des Tourismusverbandes doch so schön: „Vom Genusswanderer bis zum Alpinist lässt Obsteig jedes Bergsteigerherz höher schlagen.“ Franz erhält viel Lob für seine qualitätsvollen Wanderungen. Manche der Gäste sind bereits weit über 70 Jahre und jedesmal begeistert, wie die beiden Damen aus Heidelberg, die wir kennenlernten.

Foto: Innsbruck Tourismus

Zu jeder Jahreszeit ist es in Obsteig schön. Aber im Herbst locken die brennenden Lärchen Naturliebhaber noch einmal viele Gäste an, schwärmt Peter Stierschneider.

Hohe Qualität und neue Ideen

Beständigkeit ist gut, aber die Ansprüche der Gäste ändern sich ständig. Familie Stierschneider stellt sich den Wünschen der Gäste, in dem seit den 80er Jahren ein Wellnessbereich mit Schwimmbad und Sauna nach den Wanderungen zum Entspannen einladen. Aber auch die vielfach geäußerten  Wünsche nach geänderter Fortbewegung finden Gehör bei den Hoteliers. So hat Franz Stierschneider einen E-Bike-Verleih aufgebaut. An verschiedenen Orten des Mieminger Sonnenplateaus können die Batterien für die Räder aufgeladen werden.

Und eine weitere Idee, so haben wir bei unserem Besuch erfahren, ist in der Umsetzung: Fastenwandern. Fasten liegt seit Jahren im Trend und das zum Hotel gehörende Landhaus bietet nach unseren eigenen Fasten-Erfahrungen zusammen mit der Natur um Obsteig ideale Voraussetzungen.

Das Landhaus in unmittelbarere Nähe des Hotel “Bergland. Foto: D.Weirauch

Eine Reise wert: Obsteig im Winter

Wintergenießer erleben pures Schneevergnügen beim Langlaufen auf 60 Kilometer bestens präparierten Loipen, bei Schneeschuh- und Winterwanderungen (auch geführt), Skitouren oder beim Rodeln. Der Ski Experte im “50plus Hotel” Bergland ist Peter. Das Familienskigebiet Grünberg ist Luftlinie etwa 500 Meter vom Hotel entfernt.

Gastfreundschaft und Wandern: “50plus Hotel” Bergland Obsteig in Tirol

Das Mieminger Sonnenplateau

Was sofort ins Auge fällt: die fast endlose Weite der Wiesen und Felder, von denen sich die charakteristischen kleinen Heustadel wie dunkle Punkte abheben, zahllose flache Wege, die Berge stets im Blick und zurückhaltend zugleich. Sind wir in Tirol? Ja, das Mieminger Plateau gehört sicher zu den anmutigsten Landschaften Tirols und ist eben wegen seiner Weite, der idealen Höhenlage (zwischen 850 und 1.000 Meter)  und der intensiven Sonneneinstrahlung nicht nur als Naherholungsgebiet der Innsbrucker (Innsbruck ist etwa 50 Kilometer von Obsteig entfernt) ausgesprochen beliebt.

Foto: Innsbruck Tourismus

Von Telfs und Mötz her führen wahrscheinlich schon seit der Römerzeit bedeutende Transitrouten wie die „Via Claudia Augusta“, was durch einen undatierten Meilenstein bei Holzleiten belegt ist, über das Plateau zum Fernpass und weiter nach Augsburg.

TV-Serie Bergdoktor

Über das Fernsehen bekannt ist die Region des Sonnenplateau auch als Filmkulisse für die erfolgreichen TV-Serie „Der Bergdoktor“. Das fiktive Bergdorf Sonnenstein der in den 1990erJahren für Sat.1 gedrehten 88-teiligen Serie (wurde auch im ZDF ausgestrahlt) ist das Dorf Wildermieming, rund 7 Kilometer von Obsteig entfernt. Das extra für die Serie neu gebaute Bergdoktorhaus wird von Wanderern gern angesteuert.

Informationen zu den zum Verein “50Plus Hotels” gehörenden Tiroler Hotel “Bergland” am Mieminger Sonnenplateau

Reiseführer:  MARCO POLO Reiseführer Tirol, von Andreas Lexer  (Autor), Uwe Schwinghammer (Bearbeitung) inklusive kostenloser Touren-App & Update-Service Taschenbuch, 12,9 Euro

Wie kommt man hin ?

Mit dem Auto:  Anfahrt aus Deutschland über die Fernpaßroute Bundesstraße 314 und 189 bis Nassereith, weiter nach Obsteig.

Ausflugsziele in der Umgebung von Obsteig:

Innsbruck

Kloster Stams

Erlebnispark Area 47

hier Informationen zur Region Sonnenplateau & Tirol Mitte

Die WelcomeCard bietet für die Region Sonnenplateau und Innsbruck sehr viele Vergünstigungen, hier eine Übersicht.

Empfehlenswert sind auch die Alpenkräutertage auf dem Sonnenplateau. Hier dazu einige Infos.

Die Recherche im Hotel Bergland Obsteig und in der Region wurde unterstützt vom Verein “50plus Hotels”. Vielen Dank.

 

Gut ausgeschildert präsentiert sich das Familienhotel. Foto: D.Weirauch

 

Schlösser und Burgen

Wartburg: Wo Martin Luther das Neue Testament übersetzte

Wartburg (13)Die Wartburg - Essenz deutscher Geschichte, Foto: D.Weirauch

Vor allem mit dem Namen Martin Luther ist die Wartburg verbunden. Doch sie ist weitaus mehr. Die Wartburg ist nicht nur eine mittelalterliche Burg schlechthin, sondern Zeuge deutscher Geschichte und zählt seit 1999 zum UNESCO Welterbe. Die über 900 jährige weltbekannte Wartburg thront von weitem sichtbar über der Stadt Eisenach. Der Sage nach soll Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Gründung der Wartburg mit den folgenden Worten verkündet haben: „Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!“

Aufgang zur Wartburg in Eisenach
Aufgang zur Wartburg in Eisenach

Um 1200 gehörte sie zu den Zentren der höfischen Kultur. Das Museum der Festung erzählt über die höfische Kunst des Mittelalters, das Leben und Wirken der heiligen Elisabeth, Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, das Fest der deutschen Burschenschaften und Richard Wagners romantische Oper „Tannhäuser“.

Innenhof der Wartburg,foto: D.Weirauch
Innenhof der Wartburg,foto: D.Weirauch

Wo ist der Tintenfleck ?

Die Stube in der Burgvogtei, der authentische Wohn- und Arbeitsraum des Reformators Martin Luthers von Mai 1521 bis März des Folgejahres ist seit Jahrhunderten Ziel unzähliger „Pilger“.

Mit jährlich 350.000 Besuchern ist die Wartburg in Eisenach heute die meistbesuchte Lutherstätte weltweit.
Ein knappes Jahr lang schützten ihre dicken Mauern den Reformator Martin Luther, als er nach dem Wormser Reichstag (1521), geächtet und unter Kirchenbann stehend, das Neue Testament ins Deutsche übertrug. Damit legte er das Fundament für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Die Lutherstube ist seit Jahrhunderten Ziel unzähliger Pilger aus der ganzen Welt.

Wartburg (10)

Der Raum gilt als Geburtsstätte der Lutherbibel und unserer modernen Sprache. Natürlich ranken sich auch Legenden um die Wartburg, wie wir bei einer Führung erfahren.

Hier übersetzte Luther das Neue Testament, Foto: D.Weirauch
Hier übersetzte Luther die Bibel,  Foto: D.Weirauch

Martin Luther, der als Junker Jörg getarnt auf der Wartburg lebte, soll, als er sich zum Übersetzen der Bibel auf der Wartburg aufhielt, eines Nachts vom Teufel belästigt worden sein und mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben. Ein Tintenfleck soll an der Wand entstanden sein. Vergangene Generationen wollen den Fleck noch gesehen haben. „Ob dieser Tintenfleck, der heute fehlt, wirklich aus der Zeit von Martin Luther stammte, darf bezweifelt werden, da anzunehmen ist, dass der Fleck später oft nachgebessert wurde“, so der Wartburgguide.

Museum der Wartburg

Auf die Wartburg gelangt man von Eisenach entweder zu Fuß oder mit dem Auto. Die restlichen 400 Meter vom Besucherparkplatz aus muß man allerdings laufen, kann aber auch ein Shuttle nutzen. Der Rundgang beginnt im Hauptgebäude der mittelalterlichen Burg, dem Palas.

Wartburg (12)

Der Palas wurde zwischen 1155 und 1180 erbaut und gehört zu den besterhaltenen Profanbauten der Spätromanik diesseits der Alpen und ganz sicher zu den schönsten. Wehrhaftigkeit nach außen hin, offene Arkadengänge nach der Hofseite, ursprünglich etwa 200 Säulen mit meisterhaften Kapitellen und reicher bauplastischer Schmuck entsprachen dem landesherrschaftlichen Anspruch, Macht und Stellung im Reich zu zeigen.

Schätze aus mittelalterlicher Zeit, wie ein gotisches Aquamanile oder ein reich geschmücktes Reliquienkästchen erwarten den Besucher ebenso wie der einzigartige Dürerschrank, weltberühmte Werke Lucas Cranachs d. Ä. oder die Bestecksammlung des Freiherrn Gottfried von und zu Egloffstein.

Sprichworte aus Luthers Feder
Sprichworte aus Luthers Feder, Sonderschau 2016, Foto: D. Weirauch
Sprichworte aus Luthers Feder
Sprichworte aus Luthers Feder

 

Mehrmals im Jahr laden Sonderausstellungen auf die Wartburg ein.

Das Museum der Wartburg befindet sich vor allem in den Räumen der Neuen Kemenate und der sogenannten Dirnitz. Von dort gelangt der Besucher über einen mittelalterlichen Wehrgang in die Vogtei, in der die berühmte Lutherstube zu besichtigen ist. Vorsicht: im davorliegenden Wehrgang sollten große Leute den Kopf einziehen.

Heilige Elisabeth

Ausführlich wird auch über die ungarische Königstochter Elisabeth, Frau (seit 1227 als Witwe) des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen, berichtet, die auf der Wartburg, lebte. Als ihr Gemahl bei einem Kreuzzug ums Leben kam, widmete sich Elisabeth ganz einem Leben in Armut und im Dienst an den Armen und Kranken. Im Jahr 1906 wurde ein mittelalterliches Gewölbe im Palas der Wartburg als Geschenk Kaiser Wilhelm II. neu gestaltet und trägt seitdem den Namen Elisabeth-Kemenate. Der Raum ist vollständig mit Glasmosaiksteinchen besetzt, die Szenen aufs dem Leben der Heiligen Elisabeth darstellen.

Eindrucksvoller Konzertsaal

Die Wartburg zählt zu den bekanntesten Konzertsälen Thüringens, wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat die Akustik des Gebäudes, sie ist auch das Werk von Franz Liszt, der im Auftrag des Weimarer Herzoghauses sein musikalisches Können und Fachwissen bei der Ausgestaltung des Festsaales beim Ausbau des Palas zum Konzertsaal einbrachte.

Wartburg (6)

Richard Wagner und die Wartburg

Die Wartburg – seit 1999 UNESCO Welterbe – verdankt ihre weltweite Bedeutung nicht nur Martin Luther und der heiligen Elisabeth sondern auch Richard Wagner und seiner großen romantischen Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“. Denn die als „Wartburgkrieg“ betitelte Dichtung vom Wettstreit berühmter Sänger am Hof des Thüringer Landgrafen Hermann fand Eingang in mittelalterliche Liederhandschriften und Chroniken, erlebte aber ihre Renaissance noch einmal in der Romantik.

Der Sängerkrieg auf der Wartburg, Fresko von Moritz von Schwindt im Palas der Wartburg
Der Sängerkrieg auf der Wartburg, Fresko von Moritz von Schwindt im Palas der Wartburg

Die weitaus größte Wirkung der zu dieser Zeit entstandenen Werke erzielte dabei unumstritten Richard Wagners Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“, von deren Siegeszug auch die Veste über Eisenach profitiert hat.

Vier Begegnungen Richard Wagners mit der Wartburg sind nachweisbar, wobei die erste im April 1842 von ihm selbst als „symbolischer Vorgang“ empfunden wurde – „so dünkte es mich eine weissagungsvolle Beziehung, daß ich die so geschicht- und mythenreiche Wartburg zum ersten Mal leibhaftig vor mir sah…“ . Der Eindruck der Wartburg, die Wagner „ungemein warm“ anregte und die Gegebenheiten der Landschaft prägten sich ihm sofort als wirkungsvolle Szenerie für seinen „Tannhäuser“ ein. Und heute gibt es wohl kaum einen stimmungsvolleren Ort, um Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ zu erleben, als den Originalschauplatz.

Die Wartburg - Essenz deutscher Geschichte, Foto: D.Weirauch
Die Wartburg – Essenz deutscher Geschichte, Foto: D.Weirauch

In den Jahren 1912 bis 1914 entstand nach einem Entwurf des Architekten Bodo Ebhardt der Wartburg-Gasthof. Daran schließt sich das heutige Wartburghotel an. Hier ein Bericht von Frank Moritz über das Romantikhotel auf der Wartburg.

Ludwig II. von Bayern nahm übrigens die Wartburg als Vorbild für sein im Allgäu gelegenes Schloss Neuschwanstein. Das Schloss und die Burg ähneln sich nicht nur aus einigen Blickwinkeln in der Silhouette, auch der Festsaal wurde für das Schloss des bayerischen Königs nachgeahmt. Immer, wenn ich die Wartburg besuche, auch im Winter (dann ist es recht ruhig in den Räumlichkeiten), dann steige ich auf die Aussichtsplattform des Bergfriedes, von dem sich ein weiter Blick über den Thüringer Wald und hinab nach Eisenach.

  • Infos zur Wartburg
  • Geöffnet: | täglich Nov. bis März: 9 – 15.30 Uhr, Schließung des Burgtores: 17 UhrGeöffnet: | April-Okt. 8.30 bis 17 Uhr (letzte Führung 17 Uhr, Schließung des Burgtores 20Eintritt: | Erwachsene 9 Euro, Ermäßigung 7 bzw. 5 EuroTelefon: | 03691/2500
  • Internet: | www.wartburg.de
  • Thüringeninfo: | www.thueringen-tourismus.de
  • Stadtinfo: | https://www.eisenach.de
Blick hinüber zum Burschenschaftsdenkmal von Eisenach, Foto: D. Weirauch
Blick hinüber zum Burschenschaftsdenkmal von Eisenach, Foto: D. Weirauch
1 Stunde wegReiseSchlösser und Burgen

Ausstellung zu Winckelmann im Schloss zu Wörlitz

Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687).Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687). Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Blick in die Winckelmann-Ausstellung© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Blick in die Winckelmann-Ausstellung© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Das Jahr 2017 verbindet zwei, für die Geschichte der Antikenrezeption und des Klassizismus wichtige Jubiläen – den 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann, der Vater der Archäologie und Kunstgeschichte, und den 200. Todestag seines Schülers und Bauherren des Wörlitzer Schlosses, des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau.

Schloss Wörlitz - der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent
Schloss Wörlitz – der erste klassizistische Bau auf dem europäischen Kontinent, Foto: D.Weirauch

Für die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ist dies Anlass, die engen Beziehungen des Dessauer Fürsten zu Winckelmann, vor allem aber dessen Einfluss auf die Ausstattung des Wörlitzer Schlosses in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und in einer Ausstellung näher zu beleuchten. Kurator der Ausstellung ist Dr. Ingo Pfeifer, KsDW-Abteilung Schlösser und Sammlungen.

Der Dessauer Fürst hatte sich im Dezember 1765 erstmals bei Johann Joachim Winckelmann in Rom vorgestellt. Dieses Treffen, über das der Gelehrte im Anschluss ausführlich berichtete, mündete in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis und einer freundschaftlichen Beziehung, als deren gebautes Monument man das Wörlitzer Schloss bezeichnen kann.

Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.
Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Kopie von Wilhelm Hartkopf nach dem Original von Anton von Maron aus dem Jahre 1766.Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Über mehrere Monate hinweg führte Winckelmann den Fürsten sowie seine Begleiter, darunter den späteren Architekten des Schlosses, Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, als Antiquario nobile durch die antiken Stätten und Sammlungen in Rom.

Der Autor eines Tagebuches der Reise, der aus dem anhaltinischen Sandersleben stammende Hofmeister Georg Heinrich von Berenhorst, notierte dazu: „Unserer Neugier entgeht nichts, und unsere Anstrengung trägt umso mehr Früchte, als wir das Altertum unter der Leitung des berühmten Abbé Winckelmann, der Unterbibliothekar im Vatikan ist, studieren.“

Beeindruckt von diesen Erfahrungen begannen Fürst Franz und von Erdmannsdorff kurz nach der Rückkehr von dieser Grand Tour mit den ersten Planungen für ein neues „Landhaus zu Wörlitz“, das in seiner architektonischen Neuartigkeit wegweisend werden sollte.

Schloss Wörlitz, © Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Schloss Wörlitz, © Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Der von Erdmannsdorff entwickelte neue klassizistische Stil erwuchs ganz im Winckelmann’schen Sinne – „durch Nachahmung der Alten unnachahmlich zu werden“. Winckelmanns früher Tod mag zusätzlich dazu beigetragen haben, das ein halbes Jahr später begonnene neue Schloss in Wörlitz verstärkt an seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ästhetischen Postulaten auszurichten. Zahlreiche Elemente in der Schlossausstattung wie Plastiken, Reliefs und Wandmalereien beziehen sich auf die in seinen berühmten und vielbeachteten Büchern beschriebenen antiken Werke.

In der Ausstellung im sogenannten “Haus der Fürstin”, gleich neben der Kirche von Wörlitz,  informieren Gemälde, Plastiken, Bücher, Grafiken und Handschriften über die engen Beziehungen zwischen Winckelmann und seinen Dessauer Freunden. Sein Einfluss auf die Gestaltung des Wörlitzer Schlosses wird hier wissenschaftlich präsentiert. Ein besonderes Denkmal der Verbundenheit ist das von Anton v. Maron für den Fürsten gemalte Bildnis Johann Joachim Winckelmanns, welches einst im Dessauer Schloss hing. Dieses und eine weitere Version aus Weimar werden hier nebeneinander zu bewundern sein.

Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687).
Anton v. Maron (1731-1808), Bildnis Johann Joachim Winckelmann. Öl auf Leinwand, 1768/69 (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Inv. Nr. I-687). Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Bildnis Johann Joachim Winckelmann, Schloss Wörlitz, Wandmalerei in der Bibliothek (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, ohne Inv. Nr.). Johann Fischer (Lebensdaten unbekannt)
Bildnis Johann Joachim Winckelmann, Schloss Wörlitz, Wandmalerei in der Bibliothek (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, ohne Inv. Nr.). Johann Fischer (Lebensdaten unbekannt) Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Das Schloss selbst hat in diesem Jahr ebenfalls eine große Neuerung zu bieten: Erstmals nach vielen Jahrzehnten können seine Besucherinnen und Besucher wieder alle Etagen, vom Keller bis hinauf zum Belvedere, komplett eingerichtet besichtigen. Dabei werden ihre Blicke besonders auf die Ausstattungsdetails gelenkt, die direkten Bezug zum berühmten Winckelmann haben.

Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,
Wörlitz Wohnzimmer Erbprinz Friedrich
Wörlitz Wohnzimmer Erbprinz Friedrich Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Wohnzimmer des Prinzen Hans Jürge v. Anhalt-Dessau Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf
Schlafzimmer des Prinzen Albert von Anhalt-Dessau Copyright © Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Informationen zur Ausstellung und Wörlitz

  • geöffnet: Di – So, Feiertage 10 bis 18 Uhr
  • Eintritt: 6, ermäßigt 5 Euro,
  • Ort: Haus der Fürstin, Landschaftspark Wörlitz, 06785 Oranienbaum-Wörlitz/ OT Wörlitz
  • Tel.:  +49 (0) 34905 – 4090; E-Mail : Schloss-woerlitz@ksdw.de
  • Info:| www.gartenreich.com
  • Freundeskreis: | www.gartenreich.info
  • Touristinfo: | woerlitz-information.de
  • Biosphärenreservat: | www.mittelelbe.com
  • Welterbe: | www.luther-bauhaus-gartenreich.de/
  • Katalog: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (Hg.), Revolution des Geschmacks. Winckelmann, Fürst Franz von Anhalt-Dessau und das Schloss zu Wörlitz, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2017, 128 S., 17,95 Euro

 

 

1 Stunde wegReise

Luther – Tetzel – Radweg: Kloster Zinna

Freigelegte Freskenmalerei im Kloster Zinna, Foto: WeirauchFreigelegte Freskenmalerei im Kloster Zinna, Foto: Weirauch

Nur eine gute Autostunde südlich von Berlin, direkt an der B 101 Richtung Jüterbog, liegt Kloster Zinna. Namensgeber des Ortes ist das vom Magdeburger Erzbischof im Jahr 1170 gegründete Zisterziensterkloster. In der Landschaft des Niederen Fläming  legen Klosterkirche und Klostergebäude Zeugnis vom Wirken der Zisterzienser. Auf dem Luther – Tetzel – Radweg: Kloster Zinna

Kloster Zinna gehörte auch Rüdersdorf

Im Museum des Klosters im Abtshaus erfährt der Besucher, wie weit der Grundbesitz des Klosters einst reichte: bis nach Rüdersdorf östlich von Berlin. Der Rüdersdorfer Kalkstein begründete jenen Reichtum, der sich noch immer in den prachtvollen Abteigebäuden von Kloster Zinna zeigt. 1285 kaufte das Kloster sogar die Stadt Luckenwalde nebst den umliegenden Dörfern. Ein Modell des Klosters lässt die Dimension der einst viel größeren  Anlage erahnen. Sehenswert sind die bei Restaurierungsarbeiten in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gefundenen hochgotischen Heiligenfiguren in der Abtskapelle. Sie gestatten Einblicke in das Weltbild der Mitglieder eines mittelalterlichen Mönchsordens.

Wohl bekommts: Zinnaer Klosterbruder

Im einstigen Siechenhaus von Kloster Zinna befindet sich die Schaumanufaktur für den  „Zinnaer Klosterbruder“, ein legendärer Kräuterlikör, der mit dem Erwerb einer Eintrittskarte für das Museum verkostet werden darf. Man kann förmlich die Kräuteressenzen riechen, während man die kupferne Brennblase bei ihrer Arbeit betrachtet.

Hier wird der Zinnaer Klosterbruder angemischt, Foto: D.Weirauch
Hier wird der Zinnaer Klosterbruder angemischt, Foto: D.Weirauch

Nach der Reformation kam das Aus

Durch die unmittelbare Nähe zu Jüterbog und Wittenberg breiteten sich die Lehren Martin Luthers auch in Kloster Zinna aus. 1553 verließen die letzten Mönche das Kloster. Das Kloster wurde säkularisiert und es folgten Jahre der Stagnation.

 Friedrich der Große gründete Webersiedlung

Erst Friedrich der Große belebte die Gegend. 1764 gründete er in Kloster Zinna eine Webersiedlung. Damit belebte er den direkt an der Grenze zu Sachsen liegenden Ort. Spinner und Weber sollten angeworben und zu guten Konditionen angesiedelt werden. An den Preußenkönig erinnert ein Denkmal auf dem Marktplatz, dem heutigen König-Friedrich-Platz.

 

In einem alten Manufakturgebäude von 1776,  wenige Schritte weiter, wurde eine Handweberei als Museum eingerichtet. Es zeigt alte Handwebstühle aus dem 19. Jahrhundert und Textilkunst mit praktischen Vorführungen. Die Ausstellung wurde 2014 komplett neu erarbeitet.  Einbezogen ist auch die Entwicklung des kleinen Ortes, der mit der preußischen Manufaktur-Stadt Luckenwalde und der einst sächsischen Tuchmacherstadt Jüterbog gleich von zwei Konkurrenten bedrängt war. Nach 1815, als Jüterbog auch preußisch wurde und die Zollgrenze an der Nuthe-Brücke fiel, kamen zu den rund 120 Zinnaer Webern noch  150 Jüterboger dazu, für deren Ware keine Nachfrage mehr bestand. Trotzdem gab es bis 1934 eine Weber-Innung und bis 1991 die Weberei als Lebenserwerb im kleinen Ort Kloster Zinna.

Fläming-Skate hinter Kloster Zinna

Direkt an Kloster Zinna führt der Fläming-Skate vorbei.  Ohne Unterbrechung führen rund 190 Kilometer Inline-Wege mit feinem und speziell für das Skaten ausgelegtem Asphalt durch traditionsreiche und geschichtsträchtige Landschaften.

Einkehr im Alten Forsthaus

Gut speisen kann man im historischen Ambiente der ehemaligen Oberförsterei im Hotel und Restaurant “Alte Försterei“ am König-Friedrich-Platz 7.

Alte Försterei Kloster Zinna, Foto: Weirauch
Alte Försterei Kloster Zinna, Foto: Weirauch

 

Empfehlenswert ist auch die „Grafschaft Kloster Zinna“, die sich einem im  Jahr 1764 als Etablissement des Grafen von Heinze erbauten Rokokohaus befindet. Heute ist es eine Skaterpension sowie Seminarhaus.

Kloster-Zinna – Infos

  • Klostermuseum
  • Am Kloster 6
  • 14913 Kloster Zinna
  • Telefon 03372 439505
  • www: https://www.museum-kloster-zinna.de
  • Webhaus Kloster Zinna (Webermuseum)
  • Berliner Straße 72
  • 14913 Jüterbog OT Kloster Zinna
  • Tel.:  03372 – 439505
  • Geöffnet: Die. bis So: 10 bis 17 Uhr
  • Eintritt für beide Museen: 4, ermäßigt 2,50 Euro,
  • Tourismusverband Fläming e.V.
  • 14547 Beelitz
  • Tel.: 033204-62870
  • www: https://www.reiseregion-flaeming.de,
  • www: https://www.flaeming-tourismus.de

Im Zeichen von 500 Jahre Reformation 2017 steht das Radreiseprogramm des Oldenburger Radreiseveranstalters “ Die Landpartie Radeln und Reisen.“ Anlässlich des Reformationsjubiläums hat der Aktivreiseveranstalter zwei neue Touren für seine kulturinteressierten Reisenden aufgelegt: Die einwöchige individuelle Reise „Auf Luthers Spuren – 500 Jahre Reformation zwischen Berlin und Leipzig“ und die einwöchige geführte Radreise „Sächsische Flussfahrt – Auf Luthers Spuren“ mit Start am 11. Juni 2017.

fahrrad

Das Reiseangebot zum Thema Luther bei der Landpartie Radeln und Reisen ist ab sofort buchbar unter
https://www.dielandpartie.de/radreise-deutschland-elbe-luth… (geführte Luther-Radreise) und https://www.dielandpartie.de/radreise-luther-berlin-leipzig… (individuelle Luther-Radreise)

Nächste Station ist Lutherstadt Wittenberg.

Individuelle Anfahrt:

Kloster Zinna liegt 60 km südlich von Berlin an der B101; 4 km vor Jüterbog; das Romantik Hotel Alte Försterei liegt in der Ortsmitte am achteckigen Markt.

Anfahrt aus Berlin:

B101 aus Berlin Marienfelde –Richtung Luckenwalde / Jüterbog – Kloster Zinna

Anfahrt aus Hamburg/Hannover:

Am Dreieck Havelland auf den Berliner Ring (A10) Richtung Potsdam/Leipzig/Nürnberg. Am Dreieck Potsdam auf der A10 bleiben Richtung Frankfurt/Oder. Abfahrt (14) Ludwigsfelde Ost – B101 Richtung Luckenwalde / Jüterbog – Kloster Zinna

Anfahrt aus Süddeutschland/Leipzig:

A9 Richtung Berlin – Ausfahrt (5) Niemegk – B102 nach Treuenbrietzen – Jüterbog – B101 Richtung Luckenwalde – Kloster Zinna

Anfahrt aus Dresden:

A13 Abfahrt (9) Lübbnau/Luckau; Landstraße nach Luckau – B102 Dahme – Jüterbog – B101 Richtung Luckenwalde – Kloster Zinna

Anreise per Bahn:

Bahnhof Jüterbog (4,5 km entfernt); Regionalexpress 4; stündliche Verbindung Jüterbog – Flughafen Schönefeld – Berlin. Interregio-Haltepunkt zu diversen Städten Deutschlands.