Reise

Ilsenburg im Harz

Harzalt-155Blick auf Ilsenburg, vom Brocken aus, Foto: D.Weirauch

Von Ilsenburg, der romantischen Kleinstadt am Fuße des Brockens, nur 25 Kilometer von Goslar entfernt gelegen, hatten wir in der Harzreise Heinrich Heines gelesen. Aber das sich heute in dem altehrwürdigen Gasthaus “Zu den Rothen Forellen” eines der wenigen Fünf-Sterne-Hotels in Sachsen-Anhalt verbirgt und mit Rene Bobzin bis vor kurzem der derzeit beste Koch Sachsen-Anhalts am Herd steht, keineswegs vermutet. “Besuchen Sie unbedingt das Ilsetal”, hatte Jörg Steinhäuser den Besuchern am Abend zuvor in der täglich neu aufs Zimmer gelegten “Forellenpost” empfohlen. Steinhäuser ist Chef des Hotels, das seit zehn Jahren im 1803 vom Fürsten zu Stolberg-Wernigerode als “Rothe Forelle” errichteten Gebäude eingerichtet ist. Und er hatte nicht zuviel versprochen. Eine Entdeckungsreise.

Am schmucken Rathaus vorbei führt der Weg zum einstigen Benediktinerkloster auf dem Berg. Der im 11. Jahrhundert errichtete und derzeit sorgsam restaurierte Gebäudekomplex gilt als wichtige Station der Straße der Romanik.

Blick auf Ilsenburg, vom Brocken aus, Foto: D.Weirauch
Blick auf Ilsenburg, vom Brocken aus, Foto: D.Weirauch

Die Reste des in Deutschland einzigartigen Gips-Estrichfußbodens mit wertvollen Inkrustrationen bereiten Historikern noch heute Kopfzerbrechen. Das benachbarte, um 1862 errichtete neoromanische Schloß steht derzeit leer. Rettung ist aber in Sicht. Der Weg führt weiter an dem von den Künstlern Elise und Georg Heinrich Crola im 19. Jahrhundert der Stadt gestifteten Wohnsitz vorbei, viele Berühmtheiten waren zu Gast in der Künstlerkolonie.

Am Nationalparkhaus beginnen geführte Wanderungen entlang des 230 Kilometer umfassenden Wanderwegenetzes rund um die kleine Stadt. Wir haben “Heinrich Heine” im Gepäck und folgen dessen Empfehlung. Kräftig begrüßt uns “Prinzessin Ilse” mit einem glucksenden und freudigen Dahinplätschern. Bei einem Abstecher auf den 150 Meter über dem Flüßchen steil aufragenden Ilsestein, wo die “Prinzessin Ilse” der Sage nach gewohnt haben soll, finden sich noch erkennbare Reste der Burg der Schutzvögte des Klosters. Das auch aus dem Tal sichtbare, gußeiserne 15 Zoll hohe Kreuz wurde 1814 zum Gedenken an die in den Befreiungskriegen Gefallenen von Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode aufgestellt. Der Blick vom Ilsestein zum knapp zehn Kilometer Luftlinie entfernten Brockenmassiv ist atemberaubend.

Blick vom Aussichtsreich auf den Brocken, Foto: Plumbohms
Blick vom Aussichtsreich auf den Brocken, Foto: Plumbohms

Aufstieg zum Brocken

Bei Eingeweihten gilt der Aufstieg zum Brocken als Geheimtip. Alle Lebensräume vom Harzrand bis zur Brockenkuppe können ohne den brockentypischen Rummel erlebt werden. Linkerhand ist die Ilse greif- und hörbar, flankiert von prächtigen Rotbuchen. Ab und an entdecken wir knorrige Traubeneichen, darunter Gräser, Moose und Flechten. War da nicht ein Feuersalamander, der sich im Unterholz verkroch? Solche Überraschungen gibt es. Schon hören wir die Ilsefälle, ein Naturschauspiel, von dem Heinrich Heine schwärmte. “Es ist unbeschreibbar, mit welcher Fröhlichkeit, Naivität und Anmut die Ilse sich hinunterstürzt über die abenteuerlich gebildeten Felsstücke, die sich in ihrem Lauf finden, so daß das Wasser hier wild empor zischt oder schäumend überläuft. Wir wandern der plätschernden Ilse folgend zurück ins Tal. Wie einst auch Christian Andersen, der in “Schattenbilder einer Reise” Ilsenburg ein Denkmal setzt, kehren auch wir in das gastliche, heute zur noblen Vereinigung Relais & Châteaux gehörende Landhaus ein. Wie Zar Peter der Große, der 1697 in der Fürst Stolberg Hütte die Kunst des Eisengießens studierte und während seines Aufenthaltes in den “Rothen Forellen” nächtigte.

Der Brocken ist mit 1.141 Metern Höhe der höchste Berg im Harz und in ganz Norddeutschland

Die große Auswahl an Weinen zeugt von Kennerschaft des Restaurantleiters Holger Steffmann, der mit einem 2002er Jahrgang eines Weißburgunder Spätlese vom heimischen Weingut Kirmann in Westerhausen bei Quedlinburg einen Volltreffer landete.

Informationen zu Ilsenburg

Anreise: A 2 bis Braunschweig und dann auf die A 395, über das Dreieck Vienenburg nach Ilsenburg. Mit der Bahn per ICE bis Braunschweig und weiter mit dem Regio bis Ilsenburg.

Hoteltipp: Landhaus “Zu den Rothen Forellen”, Herbstangebot: Vier Übernachtungen inkl. drei Drei-Gang-Menüs für 440 Euro pro Person. Marktplatz 2, 38871 Ilsenburg,  Tel. 039452/93 93, Fax: 039452/93 99, www.rotheforelle.de

Auskunft: Nationalpark-Information Ilsenburg, Tel. 039452/894 94

Tourist-Info Ilsenburg, Tel. 039452/194 33, www.ilsenburg-tourismus.de

Reise

Dampfspektakel in Mildenberg

Könen ist gefragt beim Dampfpflügen in Friedersdorf bei Seelow. Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in LandshutEin Ungetüm aus Stahl beim Dampfpflügen in Friedersdorf bei Seelow. Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in Landshut Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in

Eine Veranstaltung, die kaum zu toppen ist. Das war das 14. Dampfspektakel am Wochenende im Zigeleipark von Mildenberg bei Zehdenick (OHV). Diese Bilder sprechen für sich.

Alles stimmte, das Wetter, die in der Sonne blitzenden Dampfmaschinen, die gute Laune der Aussteller und viele freudig strahlende Gesichter angesichts der fauchenden und vor sich hin stampfenden großen und kleinen Dampfmaschinen.

Attraktionen waren die Dampf-Feuerwehr aus den Niederlanden, das Sägewerk sowie die Dampf-Loren-Eisenbahn. Neben der traditionellen Parade der Dampfmaschinen im ehemals größten Ziegeleirevier Europas gab es den ganzen Tag über Vorführungen.

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Am 10. und 11. August ist Treckertreff

Im August sehen wir sicher viele Gäste beim Treckertreffen wieder. Das Dampfspektakel hat alle Chancen den mittel- und süddeutschen Treffen dieser Art den Rang ablaufen. Zumindest im Mansfeldmuseum von Hettstedt, einst von meinem Freund Dietmar Carstens für Dampfmodelle aus vielen Ländern initiiert,  sah es in den vergangenen Jahren recht mau aus. Aber Mildenberg, Dresden und Alt Schwerin spielen mittlerweile ganz oben mit. Technik Trumpf aus Opas Tagen ist wieder im Kommen.

Potsdam

Molina ist da

Mühle im FlämingMühle im Fläming

Pfingstmontag ist Mühlentag

Heute erhielt ich „Molina“ und bin begeistert. Molina ist das lateinische Wort für Mühle. Historische Mühlen und ihre Bewahrer stehen dann auch im Mittelpunkt der Zeitschrift „Molina – Mühlen und Menschen“, die soeben im Berliner terrapress-Verlag erstmalig erschienen ist. Herausgegeben wird das A4-Heft von zwei ausgewiesenen Mühlenexperten: Philipp Oppermann, tätig im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn, und Torsten Rüdinger, Müller der Historischen Mühle Potsdam-Sanssouci.

Sanssouci

So treffe ich dann auch auf alte Mühlen-Bekannte in dem ambitioniert gestalteten Heft, neben der Sanssouci-Mühle werden bispielsweise die Mühle von Berlin-Marzahn und die Jungfernmühle in Berlin-Buckow vorgestellt. Auch die Dreifach-Windmühle von Straupitz, wo das berühmte Leinöl nach alter Tradition erzeigt wird, im Spreewald ist dabei.

Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist die Frage: Können die Mühlen des vorindustriellen Zeitalters gleichzeitig Denkmale und Produktionsbetriebe sein? In einer Zeit, da natürliche, unbelastete Lebensmittel immer mehr nachgefragt sind, werden auch traditionelle Herstellungsverfahren zunehmend wiederentdeckt. „Molina“ befragt Praktiker, Wissenschaftler, Denkmalschützer und andere nach ihrer Meinung zur Zukunft des „produzierenden Denkmals“.

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Deutschlandweit erste Publikation: Molina

Eine wichtige und vor allem lange erwartete Publikation ist das. Auf den 66 Seiten des Heftes werden Menschen vorgestellt, die sich für den Erhalt gefährdeter Mühlen einsetzen, Mühlen werden als bewahrenswertes Kulturerbe präsentiert und es geht um die Aussichten auf eine Europäische Kulturstraße der Mühlen. Es gibt aber auch praktische Tipps rund um die Mühlentechnik, Mühlenprodukte und neu erschienene Mühlen-Bücher. Das reich bebilderte Heft soll dazu beitragen, die Faszination, die historische Wind-, Wasser-, Dampf- und Elektromühlen ausüben, auch für künftige Generationen zu bewahren

„Molina“ wendet sich sowohl an Fachleute wie auch an interessierte Laien. Sie erscheint vorerst einmal im Jahr im Berliner Verlag terra press und Beide sind die Autoren der im gleichen Verlag erschienenen „Kleinen Mühlenkunde“. „Molina“ kostet 9,80 Euro und ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu haben, kann aber auch über den Shop des Verlages unter www.terrapress.de bestellet werden. Der Mühlentag zu Pfingsten

Klappern gehört hier noch zum Handwerk

Deutschlandweit haben Pfingstmontag über 1.000 Mühlen geöffnet, darunter auch viele historische Wind- und Wassermühlen, und warten auf interessierte Besucher. Für die Region Berlin-Brandenburg koordiniert die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V. den Mühlentag. Es können insgesamt 73 Mühlen an 70 Standorten besucht werden – in Berlin 8 Mühlen und in Brandenburg 65. Nicht nur in Niedersachen gibt es eine Mühlenstrasse, auch in Brandenburg reihen sich in manchen Gegenden, wie im Fläming, Mühlen eng aneinander.

Viele Gastgeber bieten nicht nur die traditionellen Besichtigungen und Führungen an, sondern locken mit Kulturprogrammen und Mühlenfesten.

Unterschiedliche Programme sind zu erleben – von fachkundigen Führungen über technische Vorführungen bis hin zu kleinen Festen an der Mühle, beispielsweise an der Bockwindmühle von Willi Schwetzke in Paretz bei Potsdam. Auch die Wassermühle in Plessa (Elbe-Elster) ist sehenswert.

 

 

Mühle in Paretz am Ortsausgang
Mühle in Paretz am Ortsausgang

Viele der Mühlen, wie die Historische Mühle am Schloss Sanssouci in Potsdam,  öffnen traditionell seit Jahren an diesem Tag.  Es gibt aber auch neue Teilnehmer zu entdecken. Zu ihnen gehören  die Mühle Tornow im Landkreis Oberhavel oder die Mühle Hornow im Landkreis Spree-Neiße. In Triglitz bei Putlitz  (Prignitz)  hat die Familie Koebe eine völlig zerfallene Wassermühle vor dem endgültigen Verschwinden gerettet und liebevoll restauriert. Ähnlich ist es bei der Mühle Tornow nahe Fürstenberg/Havel. Dort hat die Familie Schneider eine gelungene Nachnutzung der still liegenden Wassermühle gefunden. Heute lässt es sich im historischen Ambiente gut speisen und übernachten. Die Mühle in Hornow (Spree-Neiße) ist ein besonderes Exemplar – im Kern eine Bockwindmühle, die zu einer Motormühle umgerüstet wurde. Daher wird man die Windmühlenflügel vergeblich suchen. Der Mühlenverein und die Eigentümerin Irene Nitzschke haben sich dem überkommenen Erbe der ehemaligen Getreidemühle angenommen und insbesondere im vergangenen Jahr mit hohem Eigenengagement und einigen Fördermitteln die bauliche Hülle der Mühle sanieren können. Die Bockwindmühle in Bamme im Havelland zählt zu den ältesten in Brandenburg.  Hier muß der Verein noch viel klappern, um die vom Sturm vor einigen Jahren zerstörte Mühle wieder herzurichten.

Auch die Bockwindmühle in Vehlefanz, Landkreis Oberhavel, und die Scheunenwindmühle von Saalow sind wieder dabei. Ebenso die Holländer Windmühle von Straupitz (Spreewald), Europas letzte Windmühle mit drei produzierenden Müllereigewerken unter einem Dach: Mahlen, Sägen und Öl.  Dort erklärt der kundige Müller auch, wie das typische Klappergeräusch in den Mühlen zustande kommt. Das vom Vierknack verursachte Rütteln des Rüttelschuhs verursacht das vielzitierte “Klappern der Mühle”. Eine Attraktion auch die Bekemühle in Dannenwalde, hinter Kyritz gelegen.  Zwischen 10 und 18 Uhr erwarten Ute und Frank Martens zahlreiche Gäste.

Die große Paltrockmühle der Familie Melior in Langerwisch (Potsdam-Mittelmark) ist weithin sichtbar – besonders wenn sich die Flügel drehen.  Jörg-Peter Melior oder sein Sohn Peter erklären gern den Besuchern das Innenleben und wie der Weg vom Korn zum Mehl funktioniert.  Die daneben stehende kleine Windmühle ist nicht ganz so alt, aber nicht weniger interessant. Das Miniaturexemplar einer Bockwindmühle im Maßstab 1:4 wurde 1938 in Paretz bei Ketzin für den Sohn des damaligen Müllermeisters  erbaut.

 

Lohnenswert auch ein Besuch in der Salvey-Mühle in Gartz/Geestow im unteren Odertal. Im Naturpark „Uckermärkische Seen“ und im Naturschutzgebiet „Stromtal“ liegt die Wassermühle Gollmitz, mittlerweile genießt die liebevoll restaurierte Mühle Kultstatus ob ihres kulturellen Freizeitangebotes.

Noch Mitte des 19. Jh. gab es in der damaligen Provinz Brandenburg z.B. 1.141 Getreide-Wassermühlen und 2.198 Getreide-Bockwindmühlen, aber auch 381 Ölmühlen und 110 Lohmühlen. Die Dampfkraft hatte zu dieser Zeit erst in 57 Mühlen Einzug gehalten. „Heute zählen wir etwas über 1.000 Einträge im Standortverzeichnis des Mühlenarchivs der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.“ berichtet Torsten Rüdinger von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg.

In Brandenburg gibt es noch 27 gewerbliche Mühlen, in denen heute noch Getreide verarbeitet wird, so u.a. in Müllrose,  Bensdorf und die Mühle Wolter in  Buchow-Karpzow (zwischen Falkenrehde und  Wustermark) . Zwei von ihnen, die Obermühle in Gottsdorf und die Mühle Paulick in Müschen sind  bereits am Mühlentag zu besichtigen. Für die nächsten Jahre wünscht sich Rüdinger, dass der Mühlentag nicht nur auf die historischen Mühlen beschränkt bleibt, sondern die gewerblichen Betriebe diesen Tag auch für sich entdecken.

Strom wird u.a. erzeugt in der Kathfelder Mühle in Pritzwalk und in der Perleberger Stadtmühle.  Andreas Plagemann, der Besitzer der Kathfelder Mühle an der Dömnitz, liefert 60.000 Kilowattstunden pro Jahr an die Pritzwalker Stadtwerke.  Auf vier Etagen der Mühle erhält der Besucher Einblick in die Vergangenheit und Gegenwart der Prignitzer Mühlenlandschaft. Auch im benachbarten Wolfshagen soll demnächst mit Wasserkraft der Stepenitz Strom erzeugt werden. So will es ein Förderverein.

Informationen zu allen am 18. Deutschen Mühlentag geöffneten Mühlen gibt es auf  der Homepage der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.   in der Rubrik “Mühlentag”. Dort kann das Teilnehmerverzeichnis mit allen Informationen als Datei herunter geladen werden. Eine von der edition terra gemeinsam mit der Mühlenvereinigung herausgegebene Landkarte verzeichnet zudem einen Großteil der interssantesten Mühlen im Land.

Reise

Dampfeisenbahnen im Harz

BrockenbahnNeubaulok der Brockenbahn, Foto: Weirauch
Mit der Harzquerbahn unterwegs
Mit der Harzquerbahn unterwegs, Foto: D.Weirauch

Eine Fahrt mit einer der Harzer Schmalspurbahnen ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Die Bähnchen mit den historischen Dampfloks fahren so langsam, dass man die Aussicht richtig genießen kann. Eine besondere Gaudi ist es, auf der Plattform hinter dem letzten Waggon zu stehen und die Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen. Die Bahnen schnaufen und quietschen, manchmal ertönt ein Pfeifen, wenn sie eine Straße, wie in Wernigerode am Westerntor, kreuzen. Und immer wieder lassen die uralten Lokomotiven dichte Rauchschwaden ab. Kein Wunder, dass die Zahl der Schmalspurbahn-Fans groß ist. “Pufferküsser” werden die Fans der alten Technik gern genannt.

Dampflok der HSB
Dampflok der HSB

Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) in Wernigerode ist die größte unter den kleinen Bahnen in Deutschland. 140 Kilometer lang ist das  Streckennetz im Harz. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten über die Harzer Bahnen;

 140 Kilometer Streckennetz

Das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen führt insgesamt durch zwei Landkreise und zwei Bundesländer (Sachsen-Anhalt und Thüringen). Dabei überwinden die Stahlrösser vom tiefsten Punkt in Quedlinburg, 120 Meter über Null, bis zum höchstgelegenen Bahnhof, dem Brockenbahnhof, über 1000 Höhenmeter. Meist sind übers Jahr sieben Dampfloks aus den 50er Jahren laut Fahrplan im Einsatz. Mit den Zügen von Harz-Quer,- Selketal- und Brockenbahn, die mehr als 400 Brücken und Durchlässe über- bzw. durchfahren, erkunden mehr als 1,1 Millionen Gäste jährlich den Harz.

Sa kommt sie: die Dampflok, fast 60 Jahre alt. Foto: Weirauch
Sa kommt sie: die Dampflok, fast 60 Jahre alt. Foto: Weirauch

Dampflok von 1897

Dazu kommen, oft bei Sonderfahrten zu sehen, acht historische Dampfloks. Die älteste, eine Malletlok, stammt aus dem Jahr 1897. Kein deutsches Eisenbahnunternehmen setzt mehr Dampflokomotiven ein als die Harzer Schmalspurbahnen. Unter den anderen Fahrzeugen ist der Triebwagen T3 der ehemaligen Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahngesellschaft das älteste betriebsfähige dieselelektrische Eisenbahnfahrzeug Deutschlands. Das Gesamtensemble der HSB steht bereits seit 1972 unter Denkmalschutz. Es ist ein lebendiges Zeugnis für Eisenbahntechnik und Ingenieurkunst.

Wer sich für das Innenleben der Lokomotiven interessiert, dem sei ein Besuch des Bahnbetriebswerkes Westerntor in Wernigerode empfohlen. Dort wird die Technik der Bahnen von engagierten und äußerst fachkundigen Mitarbeitern instandgesetzt. Das Werk liegt direkt am Bahnhof Wernigerode-Westerntor und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Dabei geht es auch durch die 70 Meter lange Werkstatthalle. Immer freitags (außer an Feiertagen) und in den Ferien auch mittwochs um 13.45 Uhr starten die Führungen, bei denen man den Bahnen und ihrer historischen Technik sehr nahe kommt. Beitrag: 5, Kinder bis 11 Jahre 3 Euro. Die Teilnehmer erfahren auch viel über die Geschichte der Harzer Schmalspurbahnen.

40 Bahnhöfe

Die Dampfloks der Brockenbahn, der Selketalbahn und der Harzquerbahn fahren täglich nach einem Fahrplan durch den Harz. Dabei werden über 40 Bahnhöfe und Haltestellen im Harz und auf dem Brocken angefahren.

Am 7. August 1887 fuhr der erste Zug der Selketalbahn von Gernrode nach Mägdesprung. Zehn Jahre später wurde zwischen Nordhausen und Ilfeld die Strecke der Harzquerbahn freigegeben und 1899 fuhren erstmals Dampfzüge auf den Brocken. Ab 1961 war mit den Brockenfahrten für fast 40 Jahre Schluss.

Hoch auf den Brocken

Seit Juli 1992 verkehren Züge auch wieder auf den Brocken, dem mit 1141 Metern höchsten Gipfel Norddeutschlands. Die Fahrt ist spannend, nicht nur für Eisenbahnfreunde.

Von Wernigerode oder Nordhausen aus kann man mit der Harzquerbahn bis zum Bahnhof Drei Annen Hohne fahren. Von dort aus geht es dann in fast einstündiger Fahrt durch tiefe Wälder und mehrere Serpentinen hinauf zum Brocken. Nächster Bahnhof ist Schierke auf 685 Metern Höhe, bevor nach fast 20 Kilometern der Bahnhof Brocken erreicht wird.

Die 700 PS starken Dampfrösser leisten dabei Schwerstarbeit. Denn die Loks kommen als reine Adhäsionsbahnen (Reibungsbahnen) ohne Zahnräder oder ähnliche Hilfsmittel aus. Der schnellste Zug benötigt 49 Minuten zum Gipfel.

 Zur Brocken-Rockoper

Seit 2006 sind die Harzer Schmalspurbahnen auch im Event-Bereich aktiv. Highlight ist dabei das Musik-Spektakel „Faust – Die Rockoper auf dem Brocken“ (Infos, Tickets und Termine unter dem blau unterlegten Link). Bei dem Event werden die Zuschauer mit thematischen Sonderzügen, die selbst schon ein besonderes Erlebnis sind, zum Aufführungsort befördert.

Reizvolles Erlebnis: eine Winterfahrt

Auch im Winter ist eine Bahnfahrt im schneereichen Oberharz von besonderem Reiz. Dem Reisenden bieten sich tiefverschneite Tannenwälder, schneeverwehte Hochflächen, und bei klarer Bergluft am Brocken lässt sich ein phantastischer Ausblick ins weite Land genießen. Das Brockenplateau bietet mit Hexenklause im Brockenhotel und den Ausstellungen im Brockenhaus Abwechslung für den mehrstündigen Aufenthalt. Für die Brockenstrecke gilt ein einheitlicher Fahrpreis: Egal von welcher Station die Fahrt auf den Brocken startet, kostet die einfache Fahrt für einen Erwachsenen 24 Euro und die Hin- und Rückfahrt 37 Euro. Kinder von 6 bis 11 Jahren bezahlen auf der Brockenstrecke die Hälfte und jüngere Kinder sind von der Zahlung befreit.

Ehrenlokführer

Wie bei der Mansfelder Bergwerksbahn oder dem Rasenden Roland auf der Insel Rügen können Interessierte auch bei den Harzer Schmalspurbahnen mit den Dampfloks mitfahren. Aus anfänglichen Führerstandsmitfahrten sind mittlerweile begehrte Events geworden. Eine 13 Tage dauernde Ausbildung zum Ehrenlokführer kostet 1299 Euro. Der Schnupperkurs für drei Tage kann für 399 Euro gebucht werden. Ein Dampftag auf der Selketalbahn kostet 149 Euro. Infos finden Sie auf der Seite www.hsb-wr.de. Viele der Ehrenlokführer sind so begeistert, dass sie immer wieder zu Fahrten in den Harz zurückkehren Mittlerweile gibt es eine bundesweit gut vernetzte Vereinigung der Ehrenlokführer.

Harzer Schmalspurbahnen – Informationen

HSB im Internet: www.hsb-wr.de (mit Infos über Streckennetz und Fahrzeiten)

Telefoninfo: 03943/ 558-0

Eisenbahnnostalgie: www.bahnnostalgie-deutschland.de/taegliche_fahrten/

HSB: weltweit einmalig

Mit  25 Dampflokomotiven, davon derzeit sechzehn betriebsfähigen, wird die HSB dabei die weltweit letzte „Hochburg“ bilden und dadurch noch intensiver als bislang eine Botschafterrolle für die Harzregion übernehmen.

Anreise in die Orte des Nationalparks auch mit Fahrtziel Natur. Einen Hoteltipp (in Bad Harzburg) finden Sie hier: Das Plumbohms.

Hier weitere Tipps für den Harz.

Hier meine Brockenwanderung.

1 Stunde wegFontane

Fontanes Wanderschuh

Fontane - 2018 (4)

Fontanes Wanderschuh

von Josef Grütter

 Bevor du wandern gehst,

 nach Schuhwerk dich umsiehst,

 damit das Wandern Freude macht

 nicht nur, wenn die Sonne lacht.

 Du suchst nach einem Schuh zum Wandern

 von einem Orte nach dem andern

 und nicht zum Tanzen

 wie einst die Hofschranzen

 sie trugen mit Verzierung und fein.

 Zum Wandern muß er grober sein,

 weil in der Natur du begegnest Strukturen:

 Sand, Stein, Wasser, Gras und Klee auf den Fluren.

 Und für all diesen Bodenbelag

 der Wanderer seinen Schuh geeignet mag.

 

Idylle im Schlosspark
Idylle im Schlosspark von Marquardt, Foto: Dieter Weirauch

 

Ich denke mal, um solche Gedanken

 tat Theodor Fontanes Geist sich ranken,

 bevor er sich aufmachte

 und nachdenklich dachte:

 „Heute beginn ich mit den Wanderungen durch die Mark,

 betrachte die Landschaft, die Menschen, auch ihren Sarg,

 frage nach diesem und jenem spontan,

 wie ich´s schon immer getan,

 auch wenn ich nicht war im Lande der Slawen,

 die ehemals weit verbreitet hier waren.

 Doch bevor ich mich aufmache z. B. in den Barnim,

 muß ich zunächst zum Schuster hin,

 damit ich mir lasse anpassen

 Wanderschuh mit rechten Maßen,

 dass leichten Fußes ich gehe und beschwingt,

 während in den Lüften die Lerche singt.

 Nicht drücken soll mich das Leder am Fuß,

 damit ich mich nicht quälen muß

 schon nach wenigen Meilen

 und zur Erholung dann lange verweilen.

 Denn dann käme ich nicht voran in den Landen

 und meine Betrachtungen würden versanden

 unter der märkischen Kiefer, in märkischem Sand,

 bevor ich überhaupt den Anfang fand.“

 

Theo Fontanes Wanderstock, Foto: Josef Grütter

So könnte er haben gedacht,

bevor er sich aufgemacht.

Ich glaube gar es gibt einen Beweis dafür,

der steht vor eines Museums Tür.

Du siehst hier einen altehrwürdigen Wanderschuh.

Nicht irgendeinen, Fontane gehörte dazu.

Das glaubst du nicht?

Dieser Schuh hat ein Gesicht.

Er ist nicht von heute, eher sehr alt.

Man sieht auch seine Nähe zum Wald.

Ein bißchen vermoost, rissig das Leder,

also sehr alt; das sieht doch ein jeder.

Warum ich ihn dem Fontane zueigne und keinem andern:

Weil mündlich es ist überliefert, man sagt,

Fontane habe in Berlin einen Schuster gefragt,

ob er ihm könne machen einen Wanderschlappen,

er wolle lange wandern auf Schusters Rappen.

Der Schuster, mit langer Tradition,

kannte den Fontane schon.

Wußte, wenn der geht auf Tour,

hilft bestes Schuhwerk nur.

Das ist auch der Grund, warum sein Schuh ist erhalten,

was nicht selbstverständlich ist bei so alten.

Auch findet man neben dem Moos

märkischen Sand auf der Sohle. Das ist als Beweis doch famos!

Also als Fan von Fontane habe ich keinen Zweifel.

Märkischen Sand findest du nicht in der Eifel!

Was aber ich gern wissen würde,

mir Kopfzerbrechen macht,

weil doch beim Paar zwei Schuhe werden gemacht:

Wo ist der zweite Schuh verblieben?

Ist er bei einer Rast zurückgeblieben?

Das kann doch nicht sein:

Er lief nie mit einem Schuh allein!

Er hätte es doch gemerkt sofort nach Fortsetzung der Tour,

 dass er trägt einen Schuh nur.

 Er ist also verlorengegangen nach der letzten Wanderung.

 Und ich habe dazu nur eine vage Vermutung:

 Er zog sie aus und gab einzeln sie her.

 So fanden sie zueinander nie mehr.

 Wenn also jemand auch nur eine Ahnung hat,

 wo des zweiten Schuhes Ruhestatt,

 melde er sich schnell.

 Ich bin sofort zur Stell´,

 hole ihn ab und stelle ihn zu dem ersten,

 könnte dann vor Freude bersten

 und sehe ihn wieder wandern durch die Mark,

 durch manchen prächtigen Lennéschen Park.

 Marquardt, den 11. Januar 2013

 

J. G.                                                                                        

                                           

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen  mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Robert Rauh und Erik Lorenz fulminantes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+ Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

 

 

 

 

Fontane

Fontanes Wanderstock

Theo  Fontanes WanderstockTheo Fontanes Wanderstock, Foto: Josef Grütter

Josef Grütter schickte  mir auch  folgendes Gedicht zum Wanderstock von Theodor Fontane.

Fontanes Wanderstock

Übrigens ist der Wanderschuh derzeit in Radebeul zu sehen. Vielleicht findet sich noch mehr zum großen Wanderer.

Fontanes Wanderstock

Hier steht Fontanes Wanderstock.

Anderswo hängt sein Rock.

Der Stock, den du hier kannst sehen,

mit diesem könnt´st heute noch gehen

zum Beispiel durchs Ländchen Friesack.

Schnür nur dein Ränzel und pack,

 was du brauchst für eine Wanderung

längs Fontanes Berichterstattung

über diese Region.

Ich kenne sie schon!

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