Reise

Brockenbahn: Mit Dampf im Kessel auf schmaler Spur

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Einer Erlebnisfahrt in die Natur kommt eine Fahrt mit der schnaufenden Brockenbahn gleich. Sie erinnert an Kindheitstage. Ich war gerade fünf Jahre alt, als meine Eltern mich mit auf den den höchsten Berg des Harzes nahmen. Nach der Grenzziehung 1961 war die Strecke tabu, die Brockenbahn hatte ihren Betrieb eingestellt.

Brockenbahn verkehrt wieder seit 1992

Seit Juli 1992 verkehren Züge auch wieder auf den wetterumtosten Brocken, dem mit 1141 Metern höchsten Gipfel Norddeutschlands. Das ist ein schönes Stück Arbeit für die rund 700 PS starken Dampfrösser. Sie kommen als reine Adhäsionsbahnen (Reibungsbahnen) ohne Zahnräder oder ähnliche Hilfsmittel aus. Von Wernigerode oder Nordhausen aus kann man mit der Harzquerbahn bis zum Bahnhof Drei Annen Hohne fahren. Von dort aus geht es dann in fast einstündiger Fahrt durch tiefe Wälder und mehrere Serpentinen hinauf zum Brocken. Nächster Bahnhof ist Schierke auf 685 Metern Höhe, bevor nach fast 20 Kilometern auf 1125 Metern der Bahnhof Brocken erreicht wird. Die Reisenden erleben bei der Anfahrt ein überwältigendes Panorama des Nationalparks Hochharz.

Auch im Winter ist eine Bahnfahrt im schneereichen Oberharz von besonderem Reiz. Dem Reisenden bieten sich tiefverschneite Tannenwälder, schneeverwehte Hochflächen, und bei klarer Bergluft am Brocken lässt sich ein phantastischer Ausblick ins weite Land genießen. Das Brockenplateau bietet mit Hexenklause im Brockenhotel und den Ausstellungen im Brockenhaus Abwechslung für den mehrstündigen Aufenthalt.

Auf dem Brocken

Erste Fahrt war im Jahr 1899

Der erste Zug fuhr bereits 1899 auf den Brocken. In der Regel bedienen derzeit sieben Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) aus den 1950er Jahren den fahrplanmäßigen Zugbetrieb im ganzen Jahr. Von besonderer Kostbarkeit sind die acht historischen Dampfloks. Die älteste, eine Malletlok, stammt aus dem Jahr 1897. Eine andere Lok wurde 1939 gebaut.

Auch im Winter auf den Brocken

Im Winter fahren zum Brocken maximal sechs Zugpaare am Tag. Davon werden vier von und nach Wernigerode durchgebunden. Im Sommer ist der Verkehr auf täglich elf Zugpaare verdichtet. Der schnellste Zug benötigt 49 Minuten zum Gipfel. Die Harzer Schmalspurbahnen mit Sitz in Wernigerode betreiben das mit 140 Kilometern längste zusammenhängende Schmalspurstreckennetz in Deutschland. Mehr als 1,2 Millionen Gäste sind jährlich mit den teilweise historischen Dampfzügen unterwegs. Wanderer freuen sich über den Anblick der altmodischen Bahn, die immer wieder laut pfeifend ihre Durchfahrt ankündigt.

Mit der Harzquerbahn unterwegs
Mit der Harzquerbahn unterwegs

Brockenbahn – Verbindungen

Verbindungen gibt es im Schnitt etwa einmal pro Stunde ab Wernigerode (Stationen: Wernigerode Westerntor, Wernigerode Hochschule Harz, Wernigerode – Hasserode, Steinerne Renne, Drei Annen Hohne, Schierke, Brocken), Fahrplan der Harzer Schmalspurbahnen (gültig bis 1. November 2015) unter dem blau unterlegten Link.

Informationen zur Brockenbahn:

  • Fahrkarten:  Brockentarif (gilt von allen Stationen der HSB): einfache Fahrt 24, Hin- und Rückfahrt 37 Euro, Kinder bis 11 J. 12/18,50 Euro (Stand: Juli 2015), Sitzplatzreservierung für Gruppen ab 10 Personen: Tel. 03943/558153 oder kundenservice@hsb-wr.de
  • Brockenbahn und Harzer Schmalspurbahnen im Internet: www.hsb-wr.de

Hier finden Sie weitere Reisetipps für den Harz

Blick vom Brocken auf Wernigerode, Foto: D.Weirauchp
Blick vom Brocken auf Wernigerode, Foto: D.Weirauch

Die Bahnfahrt auf den Brocken ist ein Muss für viele Bahn-Fans. Jährlich bringt die Harzer Schmalspurbahn Tausende Harz-Gäste, Urlauber und Wanderer auf den höchsten Gipfel des Landes Sachsen-Anhalt. Wenn es das Wetter zulässt, ziehen die mit Kohle befeuerten Dampfloks das ganze Jahr über die Waggons den Berg hinauf. Im Frühling warten Sonderfahrten auf die Reisenden. Die beliebten Osterhasenzüge starten am 20. und 21. April. 219).

www.hsb-wr.de

 

Potsdam

Bornstedter Friedhof: Letzte Ruhe für Potsdams Prominenz

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Der Bornstedter Friedhof ist weit über die Stadt Potsdam hinaus bekannt. Er gilt als einer der schönsten und verwunschensten Friedhöfe in der Umgebung von Berlin. Der Schriftsteller Theodor Fontane bezeichnete den Bornstedter Friedhof als “Rückwand von Sanssouci” und schrieb: “Was in Sanssouci stirbt, wird in Bornstedt begraben.”Bornstedter Friedhof: Letzte Ruhe für Potsdams Prominenz

Persius erbaute die Kirche

Theodor Fontane besuchte 1869 den Friedhof und fand noch die traditionelle Obst- und Grasnutzung durch den Küster vor. Erst zehn Jahre später wurde diese Nutzung beendet. Der heutige Zustand geht auf die Wiederbelegung ab 1897 und eine Umgestaltung in den Jahren 1911 und 1912 zurück.Wunderschön angelegt und gut gepflegt ist der Kirchhof, der nur 300 Meter vom Schloss Sanssouci entfernt liegt. Ein Spaziergang beginnt an der Kirche, die 1842-43 auf Wunsch von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. vom Architekten Friedrich Ludwig Persius (auch er liegt auf dem Friedhof) mit einem freistehenden Campanile in italienischem Stil ergänzt wurde. Später brachten die Baumeister August Stüler und Reinhold Persius das Gotteshaus in den heutigen Zustand. Im Innern findet sich das Grab des Freiherrn Jakob Paul Gundling (1673-1731). Der kunstfeindliche Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. hatte Gundling, der Präsident der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin war, in einem Fass begraben lassen. Der Grabstein kann besichtigt werden. Die Kirche bietet so manche Überraschung. So erinnert die Kronprinzenloge in der Kirche an Kronprinz Friedrich Wilhelm, den “99-Tage-Kaiser”, der das gegenüberliegende Krongut Bornstedt mit seiner Frau iktoria bewohnte.

Spaziergang über den Bornstedter Friedhof

Bei einem Spaziergang über den schon 1599 erstmals erwähnten Bornstedter Friedhof treffen wir heute auf die Ruhestätten von preußischen Prinzen, Generalän, Offizieren, Kammerherren und Kammerdienern, Geheimen Räten, Hofärzten, Gartenarchitekten und Hofbaumeistern. Auf den einzelnen Teilen des Bornstedter Friedhofs ruhen mehr als 500 bedeutende Persönlichkeiten. Fontane nennt in seinen „Wanderungen“ auch das Grab des 1690 in Neuwied geborenen Heinrich Wilhelm Wagenführer: „Heinrich Wilhelm Wagenführer, geboren zu Neuwied 1690. Theodor Fontane erwähnt es nach einem Besuch im Jahr 1869 in seinen berühmten „Wanderungen“. Er schreibt: „Ein alter Ulmenbaum … hat sein Wurzelgeäst derart über den Grabstein hingezogen, dass es aussieht, als läge eine Riesenhand über dem Stein und mühe sich, diesen an seiner Grabesstelle festzuhalten. Gespenstisch am hellen, lichten Tag!“ Er wurde vom Rhein an die Havel verschlagen, wie es scheint zu seinem Glück.

Der Grabstein nennt ihn mit Unbefangenheit „einen vornehmen Kauf- und Handelsmann zu Potsdam“. Wagenführer verdiente sich sein Brot zunächst als einer der “Langen Kerls” im Leibbataillon des Soldatenkönigs. Später war er als Weinhändler erfolgreich.

Privatfriedhof der Hofgärtner

Wenige Schritte weiter gelangen wir auf den Familienfriedhof der Sellos, der, wie Fontane schreibt, “Hofgärtner in Bataillonen” vereint. Dort ruht auch der Garten- und Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenné (1789-1886), Schöpfer von mehr als 50 Parkanlagen, unter einem schlichten Marmorkreuz.

Auf dem historischen Teil des Friedhofs in Potsdam entdecken wir die Gräber des „Müllers von Sanssouci“, Carl Friedrich Vogel (1736-1802) und von Henri Alexandre de Catt (1725-1795, er war Vorleser und Privatsekretär Friedrich des Großen). Aufwendig restauriert wurde das schmiedeeiserne Umfassungsgitter am Grab des Landschaftsmalers Samuel Rösel (1769-1843). Lauter berühmte Namen sind auf den Grabsteinen zu lesen. Etwa die der Architekten Heinrich-Ludwig Manger (1728-1790) und Friedrich Ludwig Persius (1802-1845).

Ebenso fand Henry Wood (1849-1925), amerikanischer Goethe-Forscher und Initiator der Quäker-Speisung für hungernde deutsche Kinder nach dem 1. Weltkrieg, auf dem kirchlichen Friedhof seine letzte Ruhe. Hinter dem Friedhof für die Hofgärtner, dem sogenannten Sello-Friedhof, entdecken wir das Grab von Anni von Gottberg (1885-1958). Sie war engagiertes Mitglied der Bekennenden Kirche im Kampf gegen das NS-Regime.

Siegward Sprottes Grabanlage

Hinter einem der wenigen Mausoleen sehen wir schon von weitem das Grab von Siegward Sprotte (1913 – 2004). Der in Bornstedt geborene Maler lebte viele Jahre in Kampen auf Sylt. Schräg gegenüber ruht der Luftfahrtpionier Werner-Alfred Pietschker (1887-1911), ein Enkel von Werner von Siemens. Auch Ludwig Justi (1876-1957), langjähriger Direktor der Nationalgalerie Berlin, ist auf dem Friedhof begraben. Justi wohnte in der nahen Orangerie im Park Sanssouci.

Grabstätte der Familie Joop

Rechtsherum kommen wir zur Familiengrabstätte der Familie Joop. Der Engel auf dem Grab des Vaters von Modedesigner Wolfgang Joop sorgte 2012 für Aufregung. Wolfgang Joop will mit dieser Plastik, die bisher seinen Garten am Heiligen See in Potsdam schmückte, seinen Vater Gerhard (1914 – 2007) ehren. Die Figur, die die Besucher so aufregte, zeigt die Metamorphose des Menschen: Der Kopf eines jungen Mannes geht über in den Körper eines alten Menschen. An den Armen wachsen ihm Flügel: bereit, zum Himmel zu fliegen. Doch zwischen den Beinen war das männliche Geschlecht zu sehen – Unbekannte schlugen es unlängst ab.

Der Engel auf dem Grab der Familie Joop © / D.Weirauch
Der Engel auf dem Grab der Familie Joop ©  D.Weirauch

Gleich in der Nähe wurde im Jahr 2007 Prinz Wilhelm Karl von Preußen (1922-2007), Enkel des letzten deutschen Kaisers und langjähriger Herrenmeister des Johanniterordens, bestattet.

Bornstedter Friedhof Potsdam

  • Bornstedter Friedhof – Informationen
  • Anfahrt: Tram ab Potsdam Hbf. mit „Krongut-Linie“ bis Endhaltestelle Kirschallee, von dort 7 Minuten zu Fuß in die Ribbeckstraße. Pkw: Ausschilderung Krongut“ folgen, öffentlicher Parkplatz direkt an der Potsdamer Str. (B 273), dann Richtung Krongut, gegenüber ist der Eingang zum Bornstedter Friedhof
  • Adresse: Bornstedter Friedhof, Ribbeckstraße, 14469 Potsdam, Tel: 0331-0331520568
  • Öffnungszeiten: tgl. 7 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit
  • Führungen über den Friedhof: April bis Oktober, jeweils am 1. Samstag im Monat, Treffpunkt: 14.30 Uhr an der Kirche, anmelden im Gemeindebüro, Tel.: 0331- 520568
  • Bornstedter Friedhof im Internet: www.bornstedter-friedhof.de

Hier ein Buch über den Bornstedter Friedhof.

Hier ein weiterer “Promifriedhof” im Umland von Berlin

Ein besonderes Refugium: Stahnsdorfer Südwestkirchhof

 

Reise

Theaterstadt Meiningen

„Es gibt viele Meinungen – aber nur ein Meiningen.“

so soll  Richard Wagner von der thüringischen Stadt geschwärmt haben.

Was für ein Theater es dort gibt, haben wir erlebt. Nicht nur der Bau in der „Theaterstadt Meiningen“ macht von sich Reden. Auch der „Inhalt“. Grandios.

Hier einige Fotos. Die Reise ins Thüringische lohnt. Eine tolle Stadt zudem.

Mein Tipp:  Nicht nur zur Wartburg und nach Eisenach pilgern, wenige Kilometer weiter: die Überraschung. Und wie immer, wenn wir in thüringischen Landen unterwegs sind: freundliche Gastgeber, eine grundsolide Küche und mit der Bratwurstapp immer den leckeren Thüringer Bratwurststand in der nähe.

Wir haben gesehen: „Abai“. Eine Oper , die eigentlich auch in Berlin gezeigt werden müsste.

 

Die Oper „Abai“ erzählt die Geschichte des jungen kasachischen Liebespaars Ajdar und Azar, das unter den rigiden muslimischen Moralvorstellungen seiner Heimat zu leiden hat – und die Geschichte des berühmten Dichters Abai, der die beiden zu schützen versucht. Ajdar und Azar werden wegen ihrer verbotenen Liebe an den Pranger gestellt. Abai kann in letzter Sekunde eine Lynchjustiz verhindern und fordert einen fairen Prozess für das Paar, das schließlich freigesprochen wird und heiraten darf. Abai hat sich mit seinen Bemühungen um eine moderne und aufgeklärte Weltsicht allerdings viele Feinde gemacht – und bei der Hochzeitsfeier verüben Verschwörer auf ihn einen Anschlag, der ein Menschleben fordert.

 

Der Name Abai hat für die Kasachen  eine ähnliche Bedeutung wie Johann Wolfgang von Goethe für die Deutschen. Er war Dichter, Philosoph, Komponist, Aufklärer und eine bedeutende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.

Schlösser und Burgen

Schloss Altdöbern

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Eine lohnenswerte Ausstellung habe ich im einst sächsischen Altdöbern bei Calau in der Lausitz entdeckt. Nicht weit von der Autobahn Berlin – Dresden entfernt.

„Ein Licht in der gelehrten Welt – Altdöbern: Ein Zentrum der Kunst- und Kulturgeschichte im 18. Jahrhundert” im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2012 “Kommt zur Vernunft! Friedrich der Zweite von Preuszen”.

Die Besichtigung  einiger historischen Räume von Schloss Altdöbern wird mit einer Ausstellung begleitet – eine Kooperation der Gemeinde Altdöbern und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Thema sind neben der Baugeschichte des Schlosses, seiner Ausstattung durch Dresdner Hofkünstler und dem Park die Biografie Carl Heinrich von Heinekens sowie Neuigkeiten zum sächsisch-preußischen Kulturtransfer.
Noch bis 14. Okt. 2012, Öffnungszeiten: Sa und So 10 bis 18 Uhr, Schloss und Park Altdöbern, Informationen: Tel. 0331/5 81 60 und www.kulturland-brandenburg.de.

Und Kaffee und Kuchen gibt es bei einer charmanten Gartenfee gleich nebenan.

Nachdem das historische Gewächshaus und die zugehörigen Gärten jahrzehntelang verfielen, wurden sie durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz nach historischem Vorbild wieder hergestellt. Heute ist die barocke Gestaltung wieder erlebbar und alle Raum- und Gebäudebeziehungen wiederhergestellt. Die Orangerie wird von der couragierten Sonja Wettig als Café, Hofladen und Verkaufsgewächshaus genutzt. Die Wiedergewinnung dieses einzigartigen Kulturdenkmals fördert den Kulturtourismus.

Der zwischen Orangerie und Gärtnereihaus befindliche Gartenbereich ist wieder als Schaugarten mit Stauden- und Sommerblumenbepflanzung angelegt. So ist die barocke Gestaltung wieder erkennbar, die Raum- und Gebäudebeziehungen wieder hergestellt.

Die Nutzung als Café, Hofladen und Verkaufsgewächshaus gilt als Initialzündung für das ebenfalls in Wiederherstellung befindliche Schloss und die weiteren Nebengebäude.

Schloss Altdöbern ist eines von 15 Schlössern und Herrenhäusern in Brandenburg, die die Brandenburgische Schlösser GmbH in den letzten 16 Jahren gesichert und saniert hat. Diese Denkmale sind zwar nicht immer mit den mit den Preußischen Königsschlössern vergleichbar, doch prägen sie baugeschichtlich und künstlerisch die Landschaften Brandenburgs.  Ja, und noch etwas erlebte ich dort.
Die Parkanlage des Schlosses wird von der Altdöberner Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege betreut. Die Jugendlichen, die hier ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, erhalten bei ihrem ganzjährigen Einsatz im Freien einen unmittelbaren Eindruck von der Vielfalt gartendenkmalpflegerischer Aufgaben. In sechs über das Jahr verteilten Seminarwochen studieren sie zudem neben der Bedeutung des europäischen Kulturerbes die Besonderheiten dieser Form der Denkmalpflege. Und sie verstehen zu feiern mit den Jugendlichen vor Ort. Eine tolle Gemeinschaft .

Literaturtipp: sehr gut beschrieben ist Schloss Altdöbern im Band “Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Brandenburg”, herausgegeben vom “Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark“. Das Buch erschien im L & H Verlag und kostet  24,80 Euro. Ebenso hat der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark (in der Deutschen Gesellschaft)  in der sogenannten Grauen Reihe eine Monographie zu dem Schloss herausgebracht.  Diese ist gegen eine Spende beim Freundeskreis erhältlich.

Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark
in der Deutschen Gesellschaft e. V.
Voßstr. 22
10117 Berlin
Tel. (030) 88 412 266
Fax (030) 88 412 223
E-Mail: freundeskreis@deutsche-gesellschaft-ev.de

Bürozeiten: Montag bis Freitag: 10:00 – 15:00 Uhr

Potsdam

Villen in Potsdam

PotsdamStadthaus in Potsdam Foto: Weirauch

 Auf so ein Buch habe nicht nur ich schon lange gewartet. „Königsschloss, Damenstift, Fabrikantenvilla – von Häusern und Menschen in Potsdam“ ist der Titel eines Buches, das Geschichten über Villen und Häuser in Potsdam erzählt. Sehr lebendig hat Journalistenkollegin Karin Markert dort Episoden zusammengetragen, die man bislang so noch nicht kannte. Die Historie von 24 Gebäuden und ihrer Bewohner hat sie aufgeschrieben. Vorgestellt werden beispielsweise die Häuser von Genossenschaftsgründer Hermann Schulze-Delitzsch, der in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 67 wohnte, oder  die Villa von Oberhofmeister Ernst von Mirbach am Neuen Garten. Das Buch liest sich spannend. So weiß man jetzt, warum die gegenüber dem Stadthaus befindliche Villa der Berliner Unternehmerin Ira Schwarz so lange leer steht und warum die „Gartenträume“ nicht mehr öffnen. Hoffnung macht sie auf ein Gartencafe.

Potsdam
Cafe Heider am Nauener Tor, Foto: Weirauch

Interessante Details weiß die Autorin über die Villa Quandt in der Virchowstraße 1 am Griebnitzsee zu berichten. Darin lebte ab 1920 der Großindustrielle Günther Quandt mit seiner zweiten Frau Magda. Die Frau heiratete nach der Scheidung 1929 den späteren Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Auch die Geschichte des Hauses am Johann-Strauß-Platz 11 erzählt die Journalistin. Dort schrieb der aus Dresden stammende Schriftsteller Erich Kästner 1942 das Drehbuch für den UFA-Film „Münchhausen“. Sein Pseudonym war Berthold Bürger, denn Kästner hatte in Nazideutschland Schreibverbot Unterschlupf gab ihm in dieser Zeit die Schauspielererin Brigitte Horney. Auch die Babelsberger Domizile von Richard Tauber und Marikka Rökk werden vorgestellt.

Detailreich schilde

Luisenplatz in Potsdam Foto: Weirauch
Luisenplatz in Potsdam Foto: Weirauch

rt die Autorin das Engagement ihres verstorbenen Mannes Dr. Kurt Markert, der sich seit Mitte der 80er Jahre für die Rettung von Schloss Lindstedt am Rande Potsdams einsetzte. Vorfahren von Loriot, Vicco von Bülow, gehörte einst das Haus. Sie hat völlig Recht, wenn sie bedauernd über den jetzigen zustand des Hauses schreibt: „Das Haus hat seine Seele verloren.“ Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vermietet es ab und an, aber ein klares Konzept fehlt nach wie vor für dieses kulturhistorische Kleinod.

Karin Markert: Königsschloss, Damenstift, Fabrikantenvilla – von Häusern und Menschen in Potsdam.137 Seiten, 14,90 Euro, gibt es in „Internationales Buch“, Potsdam, Brandenburger Str. 41/42, Tel. (0331) 291496, Das Buch kostet 14,90 Euro.