Potsdam

Barnim. Ein Wegbegleiter

2015-08-14-SHW Niederfinow Oberer VorhafenDas neue Schiffshebewerk in Niederfinow, foto: WSNB

Passend zu Weihnachten und als Vorgriff auf viele Ausflüge im Frühjahr. Endlich ein Wegbegleiter, um den Barnim zu erkunden.

Was ist denn der Barnim ?

Doch was ist überhaupt der Barnim. Der Landstrich oberhalb Berlins hat sehr viel zu bieten: Wälder und Seen in anmutiger Landschaft, reizvolle Orte mit spannenden Geschichten und interessante Menschen. Gerade die Berliner haben allen Grund, ein Hohelied auf den Barnim zu singen – sie fahren hin um zu baden, zu wandern, zu radeln, viele haben dort ihr Wochenenddomizil. Und dennoch sagt kaum ein Berliner: „Ich fahre in den Barnim.“

Nein, es heißt: Ich fahr’ in die Schorfheide, zum Schiffshebewerk nach Niederfinow, nach Lanke, an den Werbellinsee oder zum Kloster Chorin. Der Barnim lässt sich nun mal landschaftlich nicht über einen Kamm scheren. Der von Joachim Nölte im Verlag Edition Terra recherchierte und verfasste Reiseführer „Barnim. Ein Wegbegleiter“ lässt die Vielfalt des Barnim sprechen – ausführlich, unterhaltsam, informativ. Er lädt dazu ein, diese Region, die manche vielleicht schon mit einem „kennen wir längst“ abgehakt haben, neu oder noch einmal zu entdecken.

Ausflugsziele und historische Stadtkerne im Barnim

Es werden Ausflugsziele, Stadtkerne und Sehenswürdigkeiten vorgestellt. Tourenbeschreibungen, Serviceinformationen, Anekdoten, Orientierungskarten und zahlreiche Fotos lassen ein lebendiges Bild der Landschaft vor den Toren Berlins entstehen. Stadtrundgänge führen durch Bernau, Joachimsthal, Eberswalde, Templin, Angermünde und Bad Freienwalde.

Das UNESCO geschützte Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und der Naturpark Barnim sind nur zwei der unberührten Naturschönheiten im 700 Kilometer Rad- und über 1.000 Kilometer langen Wanderwegenetz der Region. Zu Wasser erkunden die Besucher den Barnim auf mehr als 100 Kilometer langen Wasserwegen. Kulturbegeisterte Besucher beeindrucken die alten Feld- und Backsteinbauten, die markanten Kirchen, Klöster und Schlösser. Ja, im Barnim gibt es ein Pendant zum Stahnsdorfer Südwestkirchhof: der Ahrensfelder Ostfriedhof. Kaum bekannt, von den Berlinern nie angenommen. Jetzt ein risieger Park im Osten Berlins. Imposante Industriedenkmale bezeugen die spannende Geschichte der Gegend. Der Reiseführer weckt die Neugierde und Lust, im Barnim auf Entdeckungstour zu gehen. Fazit: der Barnim.Wegbegleiter bietet Überraschungen in Hülle und Fülle. Denn Barnim ist überraschend anders.

 

 Joachim Nölte: Barnim. Ein Wegbegleiter. Edition Terra, 14,80 Euro

Potsdam

Reiseführer: Die Havel

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Über die Elbe gibt es einen fulminanten Band. Nun auch über die Havel. Manfred Reschke, bekannt als Verfasser der 66-Seen-Wanderung (Trescher),  hat jetzt eine aktualisierte Auflage des Reiseführers „Die Havel“ vorgelegt. Ein lohnenswertes Buch. Auf ihrem Weg von der Quelle in Mecklenburg durch Berlin, Potsdam und Brandenburg an der Havel bis zur Mündung in die Elbe durchfließt oder bildet sie mehr als 50 Seen. Diese einzigartige Wasserlandschaft eröffnet vor allem Wassersportlern zahlreiche Möglichkeiten. Aber auch von einem der vielen Ausflugsschiffe, den Dampfern, lassen sich die schönen Aussichten auf Gewässer und Uferlandschaften genießen. Fahrradtouristen können die den Fluss auf dem Havelradweg entdecken, und für Wanderer sind verschiedene reizvolle Routen gegeben.

Schiffsgeschichten und Havellauf

Die gut ausgebaute Infrastruktur der Region erlaubt sowohl mehrtägige Boots-, Rad- oder Wandertouren als auch einzelne Ausflüge zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten per Bahn, Bus oder Pkw. Denn neben der schönen Landschaft locken auch Kulturdenkmäler wie Dorfkirchen, Gutshäuser und Schlösser an die Ufer der Havel. Vorgestellt werden natürlich die Städte der BUGA 2015, u.a. Havelberg und Brandenburg.

Dieser Reiseführer von Manfred Reschke beschreibt alle Regionen und Städte an der Havel und gibt zahlreiche Tipps für (Wasser-)Wanderer und Radfahrer sowie Hinweise zu barrierefreien Strecken am Fluss, zu Einkehrmöglichkeiten, Unterkünften, Badestellen und Museen.

Neben vielen Ortsgeshcichten und Begebenheiten am Rande des Flusses beschreibt Manfred Reschke kenntnisreich die Geschichte verschiedener Schiffe am Havellauf. Im Kapitel „Schiffe erzählen Geschichte“ spürt er dem oft originellen Namen der Schiffe nach. Dazu gehören die „Royal Louise“, die seit 2004 wieder als Nachbau auf der Havel unterwegs ist, oder der in Zehdenick ankernde Frachtkahn „Carola“. Ausführlich wird die Geschichte von „Hertha“ erzählt, die einst Namensgeber für den gleichnamigen Berliner Fußballklub war. Die Berliner Klassiker „Feengrotte“ und „Kohlhase“ werden vorgestellt. Vermisst habe ich die Dampfschiffe „Nordstern“ (Eigner ist Lothar Bischoff aus Brandenburg/Havel) und „Gustav“ von der Potsdamer Reederei Haveldampfschiffahrt. Auch hätte ich mir ein frischeres Layout (mit mehr Untertiteln) gewünscht.

Info:

Die Havel, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage 2014, 300 Seiten, 215 Farbfotos und historische Abbildungen, 22 Stadtpläne und Übersichtskarten, Preis: 14,95 Euro

Trescher-Verlag im Internet: www.trescher-verlag.de

Reise

Prignitz lockt mit Knieperkohl!

knieper-1024x788-kopieDas typische Gericht mit Knieperkohl aus der Prignitz, Foto: TV Prignitz

Mit dem Herbst kommt die Zeit der Kohlgerichte. In der Prignitz, einer der schönsten und urtümlichsten Naturlandschaften Deutschlands, ist aber Kohl nicht einfach nur Kohl. Hier kommt ab Mitte November der „Knieperkohl“ auf die Teller. Diese deftige, schmackhafte und zugleich gesunde regionale Spezialität hat eine lange Historie und gilt als Prignitzer „Nationalgericht“.

 In diesem Jahr fand in der Knieperkohlproduktion ein Generationenwechsel statt: Sabine Schneider, die größte Knieperproduzentin der Region, hat das traditionelle Handwerk an ihre Nachfolgerin Jeannine Groth übergeben.

Knieper von Jeannine Groth, Foto: Mediennkontor
Knieper von Jeannine Groth, Foto: Mediennkontor
Knieper aus der Prignitz
Knieper aus der Prignitz, Foto: D. Weirauch
Knieper aus der Prignitz, Foto: D. Weirauch

Info

Wer Knieper nicht in einem Prignitzer Restaurant, sondern in den eigenen vier Wänden genießen möchte, kann frischen Knieperkohl beispielsweise direkt bei Jeannine Groth (Dorfstraße 37, 16945 Kümmernitztal OT Preddöhl, Tel. 033986 / 504896 oder 0171 / 3297083, E-Mail: jeannine.groth@freenet.de) oder online unter www.knieperkohl-hofladen.de kaufen.

Knieperstadt Pritzwalk, Foto: Tourismusverband Prignitz
Knieperstadt Pritzwalk, Foto: Tourismusverband Prignitz

 

Hier gibt es Informationen zur Prignitz.

Was und wo: Prignitz

Die zwischen Berlin und Hamburg liegende Prignitz besitzt eine der schönsten und urtümlichsten Naturlandschaften Deutschlands. An Elbe und Stepenitz können hier Gäste die einmalige Landschaft auf ganz besondere Art und Weise erfahren. Die naturbelassene Flusslandschaft des UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg mit ihren verträumten Dörfern, historischen Städten und altehrwürdigen Kirchen, Schlössern und Burgen machen den ganz besonderen Reiz dieser Reiseregion aus.

Weitere Informationen:

  • Tourismusverband Prignitz e.V.
  • Großer Markt 4
  • 19348 Perleberg
  • Tel: +49 (0) 3876/ 30 74 19 20
  • Fax: +49 (0) 3876/ 30 74 19 29
  • Mail: info@dieprignitz.de
  • Internet:  www.dieprignitz.de
  • Hier geht es zu weiteren Sehenswürdgkeiten in der Prignitz.
Reise

Luxemburg: Wo der Hauptmann von Köpenick begraben ist

Grab von Wilhelm Vogt, Hauptmann von KöpenickGrab von Wilhelm Vogt, Hauptmann von Köpenick

Unter den Friedhöfen in Luxemburg wird der Liebfrauenfriedhof (Notre Dame)  von deutschen Touristen am meisten besucht. Denn dort fand der legendäre Hauptmann von Köpenick seine letzte Ruhestätte.

Grab Hauptmann von Köpenick

Bekannt wurde Schuster Wilhelm Voigt  am 16. Oktober 1906, als er verkleidet als preußischer Hauptmann  im Rathaus von Berlin-Köpenick den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse beschlagnahmte.

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Nach der Entlassung aus dem Gefängnis verbrachte Wilhelm Voigt die zwölf letzten Jahre seines Lebens in der Stadt Luxemburg. Er arbeitete in Luxemburg als Kellner und Schuster, er trat aber auch als „Hauptmann“ im Zirkus auf und verkaufte Autogrammkarten.

Luxemburg: Wo der Hauptmann von Köpenick begraben ist

 Auf dem Liebfrauenfriedhof in Luxemburg (Stadt) fand er seine letzte Ruhe. Das Grab des 1849 (nicht wie auf dem Grabstein steht: 1850) geborenen Voigt gehört heute zu den Sehenswürdigkeiten in der Stadt Luxemburg.

Grabstein mit falschem Geburtsjahr

Historiker fanden heraus, dass nach seinem Tod am 3. Januar 1922 zuerst das städtische Armenbüro die Kosten für die Grabstelle übernahm.  1942 lief die Konzession für das Grab ab, wurde jedoch 1944 von einem anonymen Spender um weitere 30 Jahre verlängert.

1961 richtete der Zirkus Sarrasani die ramponierte Grabstelle wieder her und versah sie mit einer Marmorplatte, die allerdings das falsche Geburtsjahr 1850 zeigte. Sie wurde später gegen einen Gedenkstein ausgetauscht, wiederum mit dem falschen Geburtsjahr.

Als 1974 sollte das Grab endgültig aufgelöst werden sollte, gab es Proteste und die Stadtverwaltung Luxemburg übernahm die Kosten für eine Dauergrabstelle.

Grab von Wilhelm Vogt, Hauptmann von Köpenick
Grab von Wilhelm Vogt, Hauptmann von Köpenick, Foto: D. Weirauch

Die Gedenkplatte zeigt eine Pickelhaube und die Aufschrift „HAUPTMANN VON KOEPENICK“. Darunter steht in kleinerer Schrift „Wilhelm Voigt 1850–1922“. Die Stadt Berlin wollte 1999 das Grab in die Bundeshaupstadt umbetten.

Luxemburg lehnte ab. so kommen imer wieder mal Gäste aus Deutschland zum Liebfrauenfriedhof, um dem legendären Hauptmann von Köpenick zu gedenken. Sie legen dann klingende Münzen auf den Grabstein. Das Geld wird für den Unterhalt der Grabstelle verwendet. Das Haus, in dem er bis zu seinem Tode wohnte, steht heute nicht mehr.

Des Hauptmanns Grab ist nicht leicht zu finden

Da es auf dem Liebfrauenfriedhof keinen Hinweis auf das Grab von Voigt gibt, ist man auf die Tipps von Ortskundigen angewiesen. Ich hatte Glück, die Galeristin im Hotel Simoncini in der rue Notre Dame, kannte das Grab und seine Geschichte und so war es nicht schwer, mit einem Taxi dorthin zu gelangen.

Mein Tipp: Man nimmt den linken Eingang zum Friedhof, von der Hauptstraße  (der Allee de Resistants et des deportes) abgehend, dann kommt man zum Gräberfeld an der Friedhofsmauer und findet nach wenigen Schritten das Grab.

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Mit dem Bus Nr. 3 kann man aus Richtung Innenstadt  nach “Glacies” fahren und steigt die vierte Station direkt Friedhof Cimetiere Notre-Dame (Liebfrauenfriedhof) aus.

Hier finden Sie weitere Tipps zu Luxemburg

Info | https://www.visitluxembourg.com/de

Stadt | http://www.lcto.lu/de

Homepage | https://www.lcto.lu/de/ansicht/worship/liebfrauenfriedhof

Hier Tipps für einen Besuch in Luxemburg.

1 Stunde wegSchlösser und Burgen

Kompendium zu Schlössern, Guts- und Herrenhäusern in Brandenburg

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Was für ein Kompendium. Oder soll ich “Der Reisinger” dazu sagen, wie es ein Kollege vorschlug.

Schloss Wustrau im Winter, Foto: D. Weirauch
Schloss Wustrau im Winter, Foto: D. Weirauch

Einst war “Der Duncker” das Nachschlagewerk für Schlösser in der Mark.

Kompendium zu Schlössern, Guts- und Herrenhäusern in Brandenburg

Künftig wird es  der zweibändige Band von Ingrid Reisinger mit dem Titel “Bekannte, unbekannte und vergessene Herren- und Gutshäuser im Land Brandenburg” sein.

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Wer immr etwas über die reiche Schlösserlandschaft Brandenburgs wissen will, kommt an den beiden Bänden nicht mehr vorbei.

Ob informationen zu  Lübbenau, Doberlug, Marquardt, Paretz,

Schloss Neuhardenberg, Foto: D.Weirauch
Schloss Neuhardenberg, Foto: D.Weirauch

Neuhardenberg, Wolfshagen, Groß Behnitz, Ribbeck, Wustrau, Altdöbern, oder wie die vielen Denkmale auch heißen. In den zwei Bänden wird der Wissensdurst gestillt.

Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch
Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch

887 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser wurden besucht

1 Stunde weg

Der Fischer auf dem Beetzsee

Mit dem Fischer auf dem Beetzsee

Ein Fischer, der nicht angelt? Denn ein Fischer fischt mit Geräten, beispielsweise mit Reusen oder Schleppnetzen. Eine Angel gehört nicht zu seinen Utensilien. „Das wäre mir zu langweilig“, sagt Fischermeister Jürgen Hafa lachend schon am frühen Morgen als wir mit dem Boot raus auf den Beetzsee im Norden der Stadt Brandenburg fuhren.

Der Fischer auf dem Beetzsee

Jürgen Hafa ist einer der wenigen Berufsfischer am 18 Kilometer langen Beetzsee. Es ist jener See, wo der Legende nach Fritze Bollmann, der Barbier aus Brandenburg, einst beim Angeln ins Wasser fiel.

Jürgen Hafa ist seit fast 40 Jahren Fischer und bewirtschaftet von Päwesin aus rund 300 Hektar Gewässer, darunter einige kleinere Seen in der Umgebung – wie den Groß Behnitzer See am Landgut der ehemaligen Industriellenfamilie Borsig, heute das Landgut Stober. Mähdrescher- und Trecker-Erlebnisfahrten sowie diverse Bergwerkstouren liegen hinter mir, warum nicht mal mit einem Fischereimeister hinaus auf den Beetzsee und ihm bei seinem Tagewerk zuschauen?

Seit einiger Zeit ist meine Familie Kunde bei Hafas Lebensgefährtin Grit Dietze auf dem Wochenmarkt in Potsdam am Bassinplatz. Bei Wind und Wetter ist sie in ihrem Verkaufswagen jeweils donnerstags und samstags anzutreffen und verkauft z. B. je nach Fang geräucherte Aale und Zander, aber auch leckere Fischbrötchen und Fischbuletten. Da lag es nahe zu fragen, ob es möglich sei, den Fischer auf seiner Fangtour zu begleiten? Ohne zu zögern erhielt ich mit freundlichem Lächeln die Antwort: „Kein Problem“. Ein Termin ist schnell und unkompliziert vereinbart und für einen Obolus von 15 Euro pro Person (incl. leckerem Räucherfisch-Frühstück in idyllischer Fischernetzumgebung) geht es früh los. Da macht es auch nichts, wenn es ein bisschen nieselt, schließlich muss der Fischer bei jedem Wetter raus und nach seinen Reusen sehen.

Mit dem Fischer auf dem Beetzsee

Jürgen Hafa, in Thüringen geboren und im Norden Brandenburgs aufgewachsen, hat den Beruf von der Pike auf gelernt bei einem Fischer am Scharmützelsee. Seit den 70er Jahren ist er einer von mehreren Fischern auf dem Beetzsee. Vor der Wende im Genossenschaftsbetrieb als angestellter und seit fast 25 Jahren als selbstständiger Fischer. In der Fischerinnung vertritt er heute im Vorstand seine Kollegen.

Immer weniger Fische

Mit Fischerei allein lässt sich allerdings heute nicht mehr viel Geld verdienen. Der Ertrag der Fischerei hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Der oftmals niedrige Wasserstand der Seen bereitet den Fischern Sorgen. Aale gelangen zu wenig aus der Elbe in die Havel, schuld daran sind Staudämme und Wehre. Auch hat der Beetzsee trotz des vielen Regens im Sommer 2014 fast einen Meter niedrigeren Wasserstand. Das Wasser wird über Wehre reguliert. „Da sind wir Fischer das letzte Glied in der Kette“, bedauert Hafa. So kurios es klingen mag, auch die Sauberkeit der Seen trägt zu weniger Fischbesatz bei. Vor 30 Jahren waren die Seen noch mit Nährstoffen übersättigt, nach der Wende wurden die Äcker weniger gedüngt und die Orte erhielten eine Kläranlage. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Vor 20 Jahren holten der Fischer 2000 Kilogramm Aale aus dem See, heute sind es 500 Kilogramm. „Früher dominierten Aale und Hechte, heute gibt es mehr Zander und Schleie“, erzählt Hafa, während der Außenborder leise tuckert und das flache Fischerboot von Reuse zu Reuse gleitet.

Mit dem Fischer auf dem Beetzsee
Mit dem Fischer auf dem Beetzsee

Meist sind die Reusen heute leer, nur wenige Fische haben sich darin verirrt. Sie sind zudem auch noch klein, so dass sie der Fischer wieder in das Wasser zurücksetzt. Unterwegs lässt sich Jürgen Hafa von einem Angler den Angel- und den Fischereischein zeigen. „Angler sind unsere Partner, wir verkaufen die Angelkarten an sie. Vom Erlös können wir wiederum den Einsatz von Jungfischen finanzieren.“ Für 150.000 Euro setzen die sechs Beetzseefischer pro Jahr Fische ein.

Grau- und Silberreiher

Auf unserer Fahrt, vorbei an Bollmannsruh und der Lünow-Insel begegnen wir Grau- und Silberreiher. Plötzlich ist auch der von Jürgen Hafa angekündigte Fischadler in der Luft zu sehen. Majestätisch zieht er seine Runden und hält Ausschau nach Beute, um plötzlich blitzschnell nach unten zu stürzen und einen Fisch aus dem See zu holen. Das zaubert auch dem Fischer ein Lächeln in sein wettergegerbtes Gesicht. Ernst wird er, als er über andere – menschliche Räuber – spricht, die ihm kürzlich einen Fang samt Helder aus dem Wasser stahlen. Der Schaden war groß … der Fischer schweigt, er schaut auf das Wasser, fast ist es so, als wenn die Wellen seinen Zorn davon tragen…

Trotz aller Sorgen findet Jürgen Hafa auf dem Wasser seine Ruhe und Kraft für seine schwere Arbeit.

Aale und Zander aus dem Beetzsee

Wenn auch die heutige morgendliche Ausbeute schlecht war, verliert der fast 60jährige Fischer seine gute Laune nicht. Einige Aale und Zander bringt er schließlich mit in den kleinen Hafen. Ein Hecht, den isst er am liebsten, ist heute nicht im Fang. Auch ein Karpfen ging diesmal nicht ins Netz – obwohl er gern noch einmal – wie vor einigen Jahren – einen 34 Kilogramm schweren Fisch aus dem Wasser holen würde.

Mit dem Fischer auf dem Beetzsee

Donnerstag und Samstag auf dem Wochenmarkt in Potsdam

Bis nach Bayern liefert der Fischer seinen Fang. Vor allem aber warten die Kunden in Potsdam und in Brandenburg an der Havel sehnsüchtig auf seinen frischen Fisch. Wenn man Glück hat, trifft man das sympathische Paar gemeinsam im Verkaufswagen an.

Verkaufswagen Fischerei Hafa auf dem Bassinplatz in Potsdam: zu jeder Jahreszeit dicht umlagert, Foto: D.Weirauch
Verkaufswagen Fischerei Hafa auf dem Bassinplatz in Potsdam: zu jeder Jahreszeit dicht umlagert, Foto: D.Weirauch

Wo gibt es die Fische vom Fischer noch ?

Am Freitagvormittag steht der Verkaufswagen in der Wilhelmsdorfer Straße in der Stadt Brandenburg.

  • Adresse:
  • Fischermeister Jürgen Hafa
  • Bahnhofstraße 15
  • 14478 Päwesin bei Brandenburg
  • Tel. 01624960179
  • E-Mail: j.hafa@gmx.de
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