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Besuch im größten Bunker Berlins

Unter den noch erhaltenen Bunkern in Berlin gilt der Hochbunker Heckeshorn auf dem Gelände des DRK-Blutspendedienstes als Exot. “Mit seinen sechs Ebenen ister der stabilste und größte Berlins”, sagt Reiner Janick. Er gehörte 1997 zu den Gründern des Vereins Berliner Unterwelten und kennt alle wichtigen Bunker in der Stadt und im Umland. In Berlin gibt es noch 250 bis 300 intakte oder teilweise zugeschüttete Anlagen. Rund 1000 gab es im Zweiten Weltkrieg.

Unlängst führte Janick durch den Koloss in Heckeshorn mit vier Meter dicken Wänden und Decken. Die Besucher waren erstaunt sein: In dem 20 Meter hohen sowie breiten und 70 Meter langen Bauwerk kann innerhalb von 48 Stunden ein komplettes Krankenhaus in Betrieb genommen werden. Alle Anlagen sind intakt. Der Verein hat vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf den Auftrag erhalten, die Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.

Dafür dürfen die Bunkerexperten in der von 1941 bis 1943 nach Plänen des Zehlendorfer Architekten Eduard Jobst Siedler gebauten Anlage Führungen anbieten. Sie diente dem Stab der Luftflotte Mitte – ab 1944 “Luftflotte Reich” – als Befehlsstand, weiß Janick. “Von hier aus wurde die gesamte Luftverteidigung in einem Umkreis von 200 Kilometern geleitet. Auch wurden die Befehle, wann genau die Sirenen zu heulen hatten, gegeben. Später verschanzte sich der Wehrmachtsführungsstab auf seiner Flucht von Wünsdorf in Richtung Flensburg für kurze Zeit im Bunker. Es soll auch Überlegungen gegeben haben, Hitler dort unterzubringen. “Es existiert kaum ein so spannender Ort wie dieser, der bis in die Neuzeit funktioniert,” sagt Historiker Janick. Während der Berlin-Blockade 1948/49 nutzte die Landespostdirektion den Bunker als Sendestelle für die drahtlosen Fernsprechverbindungen mit West-Deutschland. Später war dort die Radio-Sendestation des “Rias”-Vorläufers “Dias”. Nach Fertigstellung des Sendemastes auf dem Schäferberg wurden einige Räume für die Pathologie der benachbarten Lungenfachklinik Heckeshorn genutzt.

Besuch im größten Bunker Berlins

Für rund acht Millionen D-Mark wurde der Bunker ab 1986 komplett umgebaut. Seine neue Zweckbestimmung: ein Notkrankenhaus für 600 Personen. Das Krankenhaus sollte im “Ernstfall” 407 Patienten, 120 Ärzte und Pfleger aufnehmen. Noch vier Jahre nach dem Fall der Mauer war das Krankenhaus einsatzbereit. 2001 erfolgte dann der Rückbau. Die komplette medizinische Ausstattung wurde an ehemalige Gegner im Kalten Krieg verschenkt. Allerdings, so Janick, unterliegt die Anlage noch heute der sogenannten Zivilschutzbindung. Im Bunker befinden sich heute neben den vier Operationssälen und der Röntgenabteilung auch zahlreiche Bettenräume sowie zwei Notstromaggregate, eine große Luftschutzanlage, die Wasserversorgung mit Tiefbrunnen sowie ein Aufzug und Großküche. Im Vergleich zu den übrigen 22 Zivilschutzanlagen Berlins, die eine maximale Aufenthaltsdauer von bis zu 14 Tagen gewährleisten, soll der Hochbunker 40 Tage sicher sein.

Reiner Janick möchte mit dem Verein Berliner Unterwelten dieses einmalige Gebäudeensemble der Öffentlichkeit zugänglich machen. Sein Wunsch ist, dass der Ernstfall – terroristische Anschläge, Giftgaskatastrophen, Flugzeugabstürze oder andere große Unglücke – niemals eintritt.

Potsdam

Karl Foerster Stauden

Karl Foerster Garten Potsdam

Herbstbesuch bei Karl Foerster.  Sein Garten und Haus sind ein Mekka für Gartenfreunde. Zumal es in der benachbarten Gärtnerei jede Menge Pflanzen gibt.  Und Tipps gratis dazu. 1910 erwarb Karl Foerster in Potsdam-Bornim, nördlich von Park Sanssouci, ein 5.000 Quadratmeter großes Areal. Die Gegend gehörte zu der von Peter Josef Lenné verschönerten Landschaft um Potsdam. 1911 wurde das Wohnhaus im Landhausstil errichtet und bis 1912 entstanden auf dem ehemaligen Ackergelände ein Schaugarten und eine Anzuchts- und Versuchsfläche für Stauden. Hier testete Foerster viele seiner Züchtungen auf ihre Widerstandsfähigkeit und Frosthärte. Der Garten und das Wohnhaus stehen seit 1981 unter Denkmalschutz. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Potsdam 2001, wurde der Garten in enger Zusammenarbeit von Marianne Foerster und dem Berliner Gartenarchitekt Martin Heisig, der von 1957-1960 eine Gärtnerlehre bei Karl Foerster absolvierte, wieder instand gesetzt und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht.

Mit nur einem Besuch erschließt sich der Reichtum, den wir Karl Foerster verdanken, sicherlich nicht. Deshalb lohnt es sich durchaus, die Anlage zu den verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen.

Karl Foerster legte stets großen Wert darauf, dass sein Bornimer Garten jedem interessierten Besucher offen stand. Marianne Foerster, die im März 2010 verstarb, führte diese Tradition bis zu ihrem Tode fort.

Bereits im Jahr 2001 wurde durch den Stifter Wolfgang Behr die Marianne Foerster-Stiftung gegründet, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn treuhänderisch verwaltet wird. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals werden Pflege und Erhaltung des Anwesens gefördert.Mehr Informationen über den Karl-Foerster-Garten gibt es hier: www.denkmalschutz.de/foerstergarten.html

Übrigen sind Zustifter willkommen.Nun wird der Wissenschaftliche Beirat der Marianne Foerster-Stiftung gemeinsam mit dem Testamentsvollstrecker zunächst Lösungen insbesondere für die denkmalgerechte Bewahrung von Haus und Inventar erarbeiten. In einigen Räumen des Obergeschosses soll ein fachkundiger Bewohner einziehen. Der für das Leben und Werk von Karl und Marianne Foerster wichtige Erdgeschossbereich soll sorgsam dokumentiert, inventarisiert und soweit möglich in der überkommenen Gestalt bewahrt bleiben. Zu besonderen Anlässen sollen diese Räume auch interessierten Besuchern zugänglich sein.

Da das Anwesen außen wie innen restaurierungsbedürftig ist, will die Marianne Foerster Stiftung und ihr Wissenschaftlicher Beirat in den kommenden Jahren die Bemühungen intensivieren, Mittel für die würdevolle Erhaltung des Gebäudes einzuwerben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die fachliche und finanzielle Unterhaltung des bedeutendsten Privatgartens Potsdams.

1 Stunde wegFontaneSchlösser und Burgen

Ausflugstipp: Schloss Paretz

paretzSchloss Paretz im Havelland, D.Weirauch

Seit zehn Jahren gibt es das Schlossmuseum in Paretz, dem lieblichen kleinen Dorf im Havelland, gleich hinter Potsdam gelegen. Von Berlin sind es eine knappe Autostunde. Die königlichen Wohnräume des Erdgeschosses mit ihren Möbeln, Gemälden, Grafiken und den berühmten Paretzer Papiertapeten waren vor zehn Jahren im Schloss Paretz  erstmals seit Jahrzehnten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Hier der Ausflugstipp: Schloss Paretz.

Schloss Paretz im Havelland
Schloss Paretz im Havelland

Anlässlich des 10jährigen “Schlossgeburtstages”  gibt es  am 30. Oktober vielfältige Aktionen, kann im Schloss und Ort Paretz Neues entdeckt und Altvertrautem wieder begegnet werden.  Das Schloss Paretz kann an diesem Tag entweder individuell oder im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die Schlossführung “Was gibt’s da noch im Schloss zu sehen ?” bietet Gelegenheit, auch Bereiche des Hauses kennen zu lernen, die dem Publikum sonst verschlossen bleiben.

“Amouren bei Hofe”

Die Theater-Führung “Amouren bei Hofe” entführt in die Zeit vor 200 Jahren und macht mit den Sitten und Gepflogenheiten des höfischen Lebens  am Schloss Paretz vertraut.

Kastellan Matthias Marr von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg, und Susanne Weber von der von der Stuttgarter Kaufhauserbin Helga Breuninger initiierten Stiftung Paretz geleiten Gäste durch den Ort und zeigen, wie inmitten des von dem Berliner Stararchitekten David Gilly geplanten und umgesetzten Musterdorfes heute  Altes und Neues aufeinander treffen.

Kinderführung   “Eingezwängt und trotzdem frei”

Für die kleinen Gäste von Schloss Paretz steht die Kinderführung   “Eingezwängt und trotzdem frei” auf dem Programm, bei der sich Mädchen und Jungen im Alter von 5–12 Jahren kostümieren können.

Übrigens findet sich ein umfangreicher von mir geschriebener Beitrag über das bürgerschaftliche Engagement der verschiedenen Stifter, so Ruth Cornelsen für die Schloßtapeten, oder auch der Stifter für den Eiskeller und das Pumpenhaus in der Berliner Morgenpost.

Die Stifterin aus Stuttgart

Bedauerlich ist, dass es wegen des Engagement von Frau Breuninger in dem Dorf bei Potsdam zu Dissonanzen  mit der  alteingesessenen Dorfbevölkerung kommt, wie der Beitrag in der MAZ Havelland aufzeigt.

Ausflugstipp: Schloss Paretz

Eines ist jedoch klar: nur von Luft und Liebe allein kann so ein Museumsdorf  nicht erhalten werden.  Und Arbeitsplätze in der früheren LPG oder dem Volkseigenen Gut gibt es längst nicht mehr. Da bleibt vor allem das Tourismusgewerbe: Pensionen und Gastronomie.  Und einige historische Gebäude, gerade in Schlossnähe, brauchen dringend mehr als eine Auffrischungskur. Der graue trostlose DDR-Kratzputz und der Zahn der Zeit nagen an der Bausubstanz, etwa dem Schüttboden und früheren Amtshaus.

Paretz ist heute ein Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel. Es ist mit seiner unberührten Natur und seiner vielfältigen Tierwelt ein reizvolles Ausflugsziel des Landes Brandenburg und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen, Wander-, Rad- oder Bootstouren auf der Havel ein.

Auf dem Königsweg von Potsdam nach Paretz

Paretz hat mehr Glück als das benachbarte Marquardt, übrigens beide Orte waren zu Lebzeiten von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, durch einen Luisen-Weg entlang der Wublitz miteinander verbunden. In Marquardt hält seit Anfang der 90er Jahre ein Immobilienbesitzer aus München das Schloss fest in seinem Portfolio. Immer wieder bietet er es zum Verkauf an, nichts passiert. Das Schloss, einst als Kempinski-Hotel des feinen Berlins in den 20er und 30er Jahren eine Topadresse, verkommt.

Schloss Paretz im Havelland
Schloss Paretz im Havelland

Und Berliner und Touristen aus aller Herren Länder sollten in Paretz als Freunde und nicht als Eindringlinge begrüßt werden. Zu wünschen wäre auch, dass wie in den 20er Jahren wieder mehr Gaststätten für das leibliche Wohl der Gäste sorgen.

Storchenhof der Familie Hipp

Mit dem gastfreundlichen Storchenhof hat Claudia Hipp und ihr Team bereits einen guten Anfang gemacht. Auch das Schülercafe in der von der Stiftung Paretz aufwendig sanierten Kulturscheune kann, wenn es denn mal geöffnet hat, den ersten Kaffeedurst stillen. Und endlich gibt es neben dem Storchenhof, in dem auch ein großer Seminarraum, zum Tagen gemietet werden kann und bis zu 20 Personen in schicken Zimmern wohnen können, auch wieder eine Luisen-Pension im Ort. Stilvolles Wohnen im Landhaus Luise. Einfach toll.

Und wer will, der kann sich höchstselbst mit einer kostümierten Königin (Elke Backhaus)  auf eine facettenreiche Louisen-Kult-Tour begeben.

Weitere Informationen auf der Homepage der Stiftung Paretz.

Reise

Technik aus Uropas Tagen: Dampflokomobile

Könen ist gefragt beim Dampfpflügen in Friedersdorf bei Seelow. Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in LandshutKönen ist gefragt beim Dampfpflügen in Friedersdorf bei Seelow. Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in Landshut

Es grenzt an eine Sensation, wenn die Dampflokomobile aus Bayern in den Osten Deutschlands kommen. Am 20. und 21.August können die riesigen stählernen Ungetüme bewundert werden – in Funktion versteht sich. Vor fast 10 Jahren waren die  Dampflokomobile mit ihrem 5- Schar-Kippflug das erste Mal im Oderbruch, auf Einladung von Hans-Georg von der Marwitz und dem Freundeskreis Friedersdorf.

Technik aus Uropas Tagen: Dampflokomobile

Und jetzt sind sie auf dem Gelände des Bauernhofes der technikbegeisterten Familie Berger  in Bocka , einem Ortsteil von Windischleuba in der Nähe der berühmten Skatstadt Altenburg (Thüringen).

Die Lokomobile des Agrarbildungszentrum Schönbrunn in Landshut sind der einzige voll funktionsfähige Dampfpflugzug im deutschsprachigen Raum. Der komplette Dampfzug, einst von der Firma Heucke in Gatersleben bei Aschersleben (meinem Geburtsort) hergestellt,  besteht aus den zwei Lokomobilen und dem Kipppflug. Im Einsatz stehen die beiden Lokomobile jeweils an einem Felde und der Kipppflug wird mit Seilwinden dazwischen hin und her gezogen.

dampfmobile2 Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in Landshut

Die Pflege und der Erhalt dieser einzigartigen Technik wird vom Agrarbildungszentrum und von der Landmaschinenschule mit großem Engagement betrieben. Um den Dampfzug fahren zu können sind mindestens fünf Personen notwendig, bei längerem Einsatz ist zusätzliches Personal notwendig, das Brennstoff und Wasser nachliefern. Wo auch immer die Lokomobile aus den 20er Jahren mit ihren über 20 Tonnen Eigengewicht und 250 PS Pferdestärken auch zu sehen sind, die Begeisterung ist groß.

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Foto: Agrarbildungszentrum Schönbrunn in Landshut


 

Potsdam

War Friedrich der Große schwul ?

Friedrichs Grab am Schloss Sanssouci in PotsdamFriedrichs Grab am Schloss Sanssouci in Potsdam, Foto: D. Weirauch

Ein großes Jubiläum steht bevor: Am 24. Januar 2012 jährt sich der Geburtstag Friedrichs des Großen zum 300. Mal.

Bis dahin werden viele Bücher über den Monarchen, der schon seinen Zeitgenossen viele Rätsel aufgab, erscheinen.

War Friedrich der Große schwul ?

Mit dem jetzt im Herder-Verlag erschienenen biografischen Porträt gelang dem Münchner Historiker Wolfgang Burgdorf ein fulminanter Einstieg in die populäre Darstellung des Königs.

Privatdozent Burgdorf schildert in mehr als 20 kurzweilig geschriebenen Kapiteln

(u.a.: “Die Tyrannei des Königs wird immer schlimmer“, „Madame sind korpulenter geworden“, „Das `Lust-Haus`zu Potsdam“ und „Man sieht selten solche Fürstinnen wie sie“  eindrucksvoll das Leben eines zwischen Sehnsucht und Zynismus Zerrissenen.

War Friedrich schwul?

Der Autor räumt gründlich auf mit Tabus und Halbwahrheiten über die umstrittene Homosexualität des Königs. Ständig wird darüber in diversen Foren diskutiert. Selbst Sportlehrer geben dazu ihren Kommentar ab, wie ein User auf https://www.gutefrage.net/frage/war-friedrich-der-grosse-schwulschreibt.

Im Kapitel „Seien sie moralisch, o seien sie moralisch!“ sucht  der 1962 geborene Burgdorf den Hauptgegensatz zum rabiaten Vater, dem auch Soldatenkönig genannten Friedrich Wilhelm I. u.a. in des Kronprinzen Friedrich sexueller Orientierung zu erklären. Burgdorf schreibt: „Wenn Friedrich Wilhelm während Friedrichs Küstriner Zeit wiederholt wünschte, dass sein Sohn „dem Satan aus den Klauen gerissen werden“ solle, scheint es dabei nicht allein um die Prädestinationslehre gegangen zu sein.“

Homosexualität, damals als Sodomie bezeichnet galt als schwere Sünde und wurde vielerorts, wie im benachbarten Schweden, noch mit dem Tod bestraft. Friedrich, so recherchierte Burgdorf, war mit seiner Neigung keineswegs allein. Einige seiner Standesgenossen teilten die Veranlagung: Eduard II. von England, Heinrich III. von Frankreich, Wilhelm III. von Oranien-Nassau, Statthalter der Niederlande und in Personalunion König von England, Schottland und Irland, Prinz Eugen, Friedrichs Vorbild als Heerführer, sein Bruder Prinz Heinrich oder Friedrich, der spätere König von Württemberg…..

Sachlich beschreibt Burgdorff in  chronologischer Reihenfolge u.a. die königlichen Vorleser und die „homophile Entourage“ am Hof.

Überraschend auch bisher weitgehend unbekannte Details über das manchmal nicht unkomplizierten Verhältnisses Friedrichs zu seinen Liebes-Gefährten, von Grobheiten und Verletzungen bis hin zu Selbstmorden bei Verstoß durch den König, ist da zu lesen.

Für die Friedrich-Forschung hält das janusköpfige Wesen des Königs, zu dessen Tafelrunde im Weinbergschloss Sanssouci, vor allem männliche Gäste anwesend waren, noch so manche Überraschung bereit. Auch dass der König nicht so ein Frauenhasser war, wie oft beschrieben. Er konnte, so der Biograf auch äußerst charmant sein.

Gemälde von Anton Graff, Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG
Gemälde von Anton Graff, Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG

Wolfgang Burgdorf: Friedrich der Große

Bis in die Gegenwart scheuen sich viele Geschichtswissenschaftler, die Neigung Friedrichs zu Männern zu thematisieren. Als ob ein schwuler Herrscher eine Schande wäre, als ob die Homosexualität Friedrichs seine historische Größe schrumpfen würde. Oliver Das Gupta schreibt in der Süddeutschen Zeitung u.a.: ” Der Historiker Johannes Kunisch etwa beharrt darauf, dass es “keinen ernstzunehmenden Hinweis” auf seine Homosexualität gebe. Eine gewisse Empörung ist manchen Autoren durchaus anzuermerken: “Sind heutige Schulmädchen, die sich, wie es in Mode gekommen ist, zur Begrüßung auf den Mund küssen, gleich Lesben?”, fragt der Journalist Tom Goeller in seiner Abhandlung Der Alte Fritz.” Die Diskussion geht weiter….

Ein biografisches Porträt, Herder Verlag Freiburg,  12,95 Euro, ISBN 978-3-451-06328-2, erhältlich auch bei AMAZON

 

 

Schlösser und Burgen

Schönes Schloss im Havelland: Schloss Klessen

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Am Samstag (18. Juni) öffnete Schloss und Park Klessen im Havelland ab 12 Uhr zum dritten Gartentag Tor und Tür für ein Mittsommerfest für Groß und Klein. Eine wunderbare Gelegenheit für eine Landpartie, um einfach mal die Seele baumeln lassen im farbenprächtigen Blütenmeer des Parks, beim Schlendern von Stand zu Stand, beim Schlemmen köstlicher hausgemachter Leckereien, Entspannen und Picknicken auf Kaschmirplaids, Spielen, Entdecken und Lauschen.

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Hausherrin Sabine Thiedig führte charmant und kenntnisreich  durch Ihren Garten und erklärt Stauden, Rosen und die Anlage.  Der vielbesuchte Gartentag in Schloss Klessen war Teil der Veranstaltung „Lust am Garten“ der Initiative Gartenland Brandenburg.

Mit Volldampf voraus
Sehenswert ist auch das in der einstigen Dorfschule beheimatete Spielzeugmuseum. Seit kurzem rattert dort eine technisch voll funktionstüchtige Modellbahnanlage in alter Original-Märklin-Technik, Spur 0. Die kostbare Rarität ist nicht nur zum Anschauen da. Unter fachkundiger Anleitung kann jeder selbst die Züge über die Schienen rattern lassen, die Weichen stellen und die Signalanlagen bedienen. Ganz besonders spürt das Museum der Geschichte der bedeutenden Brandenburger Fabriken nach und zeigt herausragende Beispiele historischer Spielzeuge. Orientiert am Zeitgeist und der technischen Entwicklung zeugen sie von der Phantasie und der Findigkeit ihrer Hersteller. Die Ausstellung versteht sich auch als Hommage an die Spielzeugstadt Brandenburg, so wie Ernst Paul Lehmann seinerzeit seinen Prototypen des deutschen Autofahrers „TUT-TUT” mit der Losung versah „Brandenburg voran”.

Wie kommt man hin ?

Klessen liegt im westlichen Havelland in der Nähe von Ribbeck und Friesack (B5), rund eine Stunde nordwestlich von Berlin. Genaue Anfahrt und weitere Informationen im Internet auf der Homepage.

Tipp: Der derzeit beste Reiseführer für das Havelland stammt aus der Edition terra Berlin (14,80 Euro).

Eine umfangreiche Radkarte Havelland bietet Esterbauer mit der bikeline Radkarte Havelland (GPS-tauglich mit UTM-Netz) für 6,90 Euro an.