1 Stunde wegReise

Offene Kirchen 2021 – Die Mark Brandenburg erkunden

Kirche

So vielfältig, wie uns das Coronavirus bereits seit einem Jahr in unserem Denken, Fühlen und Handeln beeinträchtigt hat, es hat aber auch etwas Positives in uns ausgelöst: Unsere Sinne sind für Erkundenswertes in der nächsten Umgebung geschärft worden. Als wir vor 10 Jahren, im März 2011, mit unserer Homepage unter dem Motto „Einfach raus“ starteten, ahnten wir nicht, wie gern wir zehn Jahre später „einfach mal raus“ in unser nahes Umfeld starten würden. In den zurückliegenden 10 Jahren haben wir uns nicht nur auf die Tipps guter Reiseführer, Freunde und Kollegen verlassen.

Offene Kirchen – liebevoller Ratgeber

Ein Magazin, herausgegeben vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, ist uns seit langer Zeit ein liebgewordener Ratgeber im „Unterwegssein“ – nicht nur im Land Brandenburg. Kirchtürme sind Landmarken für uns, sie sind Wegweiser, Baudenkmäler, kulturhistorische Orte und Geschichten- und Legendenträger. Und da wir auf unseren Erkundungstouren die Ortschaften oftmals über ihre Friedhöfe erschließen, denn sowohl die Kirchen als auch die Grabsteine sagen viel über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Gemeinde aus, gehen wir im Anschluss mit mehr „sehendes Auge“ durch’s Dorf. „Ich sehe nur, was ich weiß“, – ein weiser Rat, den uns ein guter Freund vor Jahren mit auf den Weg gab. 

 

“Offene Kirchen 2021” soeben erschienen

Zurück zum Magazin „Offene Kirchen 2021“. Noch rechtzeitig vor Ostern halten wir es in unseren Händen: mit sehr guten Beiträgen zu Kunst und Geschichte sowie zur Denkmalpflege die Kirchenlandschaft der Mark Brandenburg. Und auch das neue Heft verspricht Spannung: Im Vorwort heißt es: „Ein bisschen schauerlich geht es in einem Beitrag zu, der die Sepulkralarchäologie zum Thema hat. Das ist jene Wissenschaft, die man landläufig als Gruftforschung bezeichnet. In etlichen Dorfkirchen gibt es unterirdische Grabanlagen, die oftmals in einem beklagenswerten Zustand sind und dringend einer Restaurierung bedürfen. Die Grablege in der Nähe des Altars war seit dem 16. Jahrhundert eine Vorliebe vieler Adelsfamilien.“ Was haben Narren in Kirchen zu suchen? Wir denken dabei gleich an Jakob Gundling, den Narren des Königs Friedrich Wilhelm I., der im Schloss Königs Wusterhausen an der Tafel viel Spott und Hohn von den Günstlingen des Königs abbekam und der im Weinfass in der Kirche zu Bornstedt seine letzte Ruhestätte fand.  Auch die Bornstedter Kirche mit ihrem historischen Kirchhof wäre wieder mal einen Osterspaziergang wert. Ein ausführliches Verzeichnis aller offenen Kirchen gibt es auf der Internetseite des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg: www.altekirchen.de

Aus dem Inhaltsverzeichnis

Last, Frust oder Lust? Alte Dorfkirchen in der Diskussion

Besonders informativ fanden wir den Beitrag „Wir müssen professioneller werden“ – ein Gespräch, das der Redaktionsleiter des Magazins Bernd Janowski und sein redaktioneller Mitarbeiter Konrad Mrusek mit Frank Röger, dem Leiter des Kirchlichen Bauamtes der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), führten. Für Röger gibt es bei Dorfkirchen drei Aspekte: Der christliche Glaube am Ort, der Schutz des Denkmals und die identitätsstiftende Wirkung der Kirche für den Ort und seine Bewohner. Denn ein Kirchturm, den man schon von weitem sehe, symbolisiert Heimat selbst für Atheisten. „Doch die Baulast für die Dorfkirchen kann die Institution Kirche auf Dauer nicht schultern“, gibt Röber zu bedenken. Dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung müsse sich auch das Land Brandenburg stellen. – Schließlich stecke das meiste Kunst- und Kulturgut Brandenburgs nicht etwa in Museen, sondern in den rund 1400 Dorfkirchen.“ Röger sieht Hoffnungsschimmer für die alten Dorfkirchen, weil mit dem Trend zum home office immer mehr Menschen aufs Land zögen. Vielleicht kann durch diesen Wandel das dörfliche Leben erneuert werden und das kulturelle Erbe mehr genutzt und gepflegt werden. Andere Alternativen für die Rettung der Dorfkirchen stellt er zur Diskussion: Etwa Nutzungsverträge oder Vergabe von Erbbaurechten. Jedoch müssten zuvor genaue Regelungen getroffen werden: zum Beispiel über Veranstaltungen, die in den Gotteshäusern durchgeführt werden könnten. In bisherigen Verträgen hätten Kommunen bisher die Baulast übernommen, das Eigentum sei aber in den Händen der Kirche geblieben. Röger fordert die Pflicht zu Nutzungsabsprachen zwischen Kirchengemeinden und Kommunen. Als Beispiele dafür sieht er die Modelle für die Stadtkirchen in Frankfurt (Oder), Müncheberg oder Beelitz, wo die Kirche im Rahmen der Landesgartenschau 2022 genutzt werden wird. Kirchenverkäufe in größerem Umfange könne Röger sich nicht vorstellen. „Man kann sie nicht abgeben wie einen Gebrauchsgegenstand, Gotteshäuser darf man nicht nach rein finanziellen Kriterien beurteilen.“ Röber wirbt dafür, sich keine Denkverbote aufzuerlegen. Das britische Trust-Modell, bei dem Kirchen in eine Stiftung übergehen, sei zum Beispiel eine Alternative. 

Erkundungstipp der „Offene Kirchen 2021“?

Waldkirche Kleinwudicke zieht demnächst nach Jerchel um, Quelle: Offene Kirchen 2021

Wir werden demnächst einen kleinen Ausflug nach Kleinwudicke im Milower Land machen. Hier hat sich ein Freundeskreis gegründet, der sich eines „verrückten“ Kapellenprojektes angenommen hat. Die historisch wertvolle kleine Waldkapelle Kleinwudicke kann durch Umsetzung nach Jerchel zum einen gerettet werden, zum anderen wird sie den ehemaligen Kirchplatz in Jerchel neu beleben und dem Dorf wieder ein Gesicht geben. Als Fahrrad – und Kulturkirche kann sie in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern (Tourismusverein, Kunst- und Kulturverein Bahnitz, Musikschulen, Wichernbuchhandlung u.a. in vielfältiger Weise genutzt werden. Und die Arbeit der Kirchengemeinde kann an Farbe und Ausstrahlung gewinnen – durch neue Formate für die ganze Region und für Menschen, die eher „kirchendistanziert“ sind. 

Es lohnt sich, weiterhin mit offenen Augen durch das Land Brandenburg von Kirchturm zu Kirchturm zu ziehen – immer mit dem Magazin „Offene Kirchen“ unter’m Arm.

Mehr Informationen: www.altekirchen.de

„Offene Kirchen“ wird durch den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. herausgegeben. Postfach 024675. 10128 Berlin, altekirchen.janowski@t-online.de

  • Spendenkonto: IBAN DE94 5206 0410 0003 9113 90
  • ISBN: 978-3-928918-35-0, Berlin 2021.

Mit einer Spende kann jeder von uns die Arbeit des Vereins Alte Kirchen unterstützen, denn noch gibt es viele Kirchen im Land Brandenburg, die restaurieurungsbedürftig sind. In manchen Dörfern gibt es nur sehr kleine Gemeinden, auch fehlen oftmals  Fördervereine.

Dorfkirche Gutenpaaren Havelland Storchenrwadweg
Die Dorfkirche Gutenpaaren hinter Ketzin ist restaurierungsbedürftig

Was Föördervereine bewirken können, zeigt unser Besuch in der einstigen Wallfahrtskirche von Buckow bei Nennhausen