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Mehr als ein Buchtipp: Obere Havel. Ein Wegbegleiter

Schleusenwärter Stefan Diebetz an der eberswalder Stadtschleuse Foto: WeirauchSchleusenwärter Stefan Diebetz an der Eberswalder Stadtschleuse Foto: Weirauch

Reisen bildet – Reiselektüre auch, wenn sie gut gemacht ist, möglich alle Sinne anspricht, eine Reiseroute gut vorbereitet, dann auch begleitet und eine gute Nachbereitung bietet. Seit Jahren bieten uns die Veröffentlichungen des Terra press Verlags gute Vorlagen für unsere Reisen durch das Land Brandenburg. Viele Tipps für Sehenswürdigkeiten, Leib und Magen, attraktive Freizeitvergnügungen u.v. mehr informieren kurz und knapp über die zu besuchende Region – nicht langweilig, stets anspruchsvoll und informativ.

„Obere Havel. Ein Wegbegleiter“

Nun liegt mit „Obere Havel. Ein Wegbegleiter“ ein neuer Band vor. Er folgt der Havel von der Havelquelle über Neustrelitz, Fürstenberg/Havel, Zehdenick, Oranienburg bis an den Berliner Stadtrand. „Stille Deine Sehnsucht“ nach einem schönen Stück Natur in Verbindung mit „kultur-historischen Sehenswürdigkeiten. Nicht nur der Flussverlauf der Havel steht im Mittelpunkt, auch Radfernwege wie der Havelradweg und der Radweg Berlin-Kopenhagen sind für Radsportler interessant. Die Reise beginnt im Müritz-Nationalpark, berührt in Brandenburg die Naturparks Stechlin-Ruppiner Land und Uckermärkische Seen und streift den Naturpark Barnim. Dieser informative Wegbegleiter füllt die Lücke zwischen den Ausgaben „Seenland Ruppin“ und „Uckermark“.

terrapress Reiseführer
Cover terrapress

In Fürstenberg umfließt die Havel im Süden die Altstadt. Ein Rundgang durch die Altstadt und den Havelpark sind empfehlenswert. Der anderthalbstündige Rundkurs um den Park folgt den Seeufern und bietet immer wieder Ausblicke in die Wasserlandschaft rund um Fürstenberg. Und während einer kleinen Rast machen wir eine kleine Lesepause.

 „Wer war eigentlich Carl Ernst Hinkefuß?

Unser kleiner, ständiger Wegbegleiter erzählt uns kurzweilig über Fürstenberger Person: „Wer war eigentlich Carl Ernst Hinkefuß? Es gibt bemerkenswerte Menschen, die es trotz beachtlicher Leistungen nicht ins allgemeine Gedächtnis geschafft haben. Wer kennt in Fürstenberg schon den 1881 in Berlin geborenen Car Ernst Hinkefuß? Seine größte Leistung liegt in der Entwicklung einer zeitgemäßen Werbegrafik. Er war es, der dem rasanten industriellen Fortschritt Anfang des 20. Jahrhunderts eine moderne Werbung verpasste. Vor allem mit dem Entwerfen von Marken- und Firmenzeichen machte er sich einen Namen, so u.a. für die Junkers-Werke in Dessau und für die Amerika-Linie der HAPAG-Lloyd. Bis 1933 gab Hinkefuß selbst eine Zeitschrift heraus, die eng mit dem Bauhaus und anderen Vertretern der Moderne verbunden war. Sein Werbedesign brachte ihm bei den Nazis den Ruf des „Kulturbolschewisten“ ein. Seit 1939 lebte er zurückgezogen in Fürstenberg/Havel, wo er 1970 als kaum noch bekannter Kunstmaler starb.“

Berlin ist aus dem Kahn gebaut

Auf dem Weg von Zehdenick nach Gransee liegt der Ort Mildenberg. Um 1900 arbeiteten rund um Zehdenick rund 30 Ziegeleibetriebe, es dampfte aus über 60 Ringöfen. Jemand hat errechnet, dass im Jahr 1910 rund 6000 Arbeiter „Ziegler“ hier arbeiteten und bis zu 625 Millionen Ziegel herstellten. Nirgendwo in Europa gab es noch einmal ein derartiges Revier.

Wer war Friedrich Eduard Hoffmann?

Und auch hier finden wir im Ziegeleipark Mildenberg ein Rastplätzchen, um uns durch unseren kleinen, ständigen Wegbereiter über eine weitere bemerkenswerte Persönlichkeit zu informieren: „Wer war eigentlich Friedrich Eduard Hoffmann? Als Erfinder der Ringöfen gilt der Baumeister Friedrich Hoffmann (1818-1900). Er meldete seine Idee 1859 zum Patent an. Hoffmann gründete auf der Basis seiner Erfindung selbst eine Reihe von Ziegeleien. Als anerkannter Fachmann gab er ab 1868 die „Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung“ heraus. Im Jahr davor war er für seine Erfindung auf der Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix geehrt worden. Und trotzdem wurde ihm das Patent wieder aberkannt. Von Hoffmann stammt auch der berühmte Glindower Ziegelringofen. Dieser produziert noch heute.

Ziegelringofen Glindow Foto: Weirauch
Ziegelringofen Glindow am Glindower See bei Potsdam, Foto: Weirauch

Denn es stellte sich heraus, dass ein Maurermeister namens Arnold aus Fürstenwalde bereits 1839 einen Ringofen für das Brennen von Ziegeln konstruiert, allerdings kein Patent, angemeldet hatte. Die prunkvolle Grabanlage für Hoffmann und seine Familie auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof zeigt, dass er trotz allem nicht als armer Mann gestorben ist.“

  • Ziegeleipark Mildenberg
    Ziegelei 10, 16792 Zehdenick, OT Mildenberg
    www.ziegeleipark.de
    Öffnungszeiten: Anfang April bis Ende Oktober: 10-18 Uhr

Für Kulturentdecker, Seensucher und Waldfreunde ein sehr nützlicher, mit vielen Informationen gespickter Wegbegleiter, der im Service-Anhang nicht nur ein Orts- und Seenregister, sondern auch jede Menge Tipps für Familienausflüge mit Kindern bereit hält. Für unsere Familie darf er bei Ausflügen im Brandenburger Land nicht mehr fehlen. Dank Joachim Nölte, dessen praktischen Reiseführer mehr als Tourenempfehler sind, sie bringen so manche Details der märkischen Geschichte ans Tageslicht.

Weitere Themen sind u.a. Oranienburg, Meseberg, der Finowkanal und Neustrelitz:

Schloss Oranienburg
Schloss Oranienburg Foto: Weirauch
Schloss Meseberg Foto: Weirauch
Finowkanal Stefan Snaschel
am Finowkanal: Peter Snaschel ist Kapitän von “Onkel Peter” Foto: Weirauch

Infos zum Buch

Joachim Nölte: Obere Havel. Ein Wegbegleiter, Edition Terra, eine Marke der terra press GmbH, 1. Auflage, Berlin 2020. ISBN 978-3-942917-51-3. Preis: 16,80 Euro

Verlag im Internet: www.terra-press.de

Mit dem Band zur Oberen Havel liegt der sechste Teil der „Wegbegleiter“ durch brandenburgische Landschaften vor. Damit ist der Halbkreis im Berlin von Brandenburg an der Havel im Westen über Neuruppin im Norden bis Eberswalde im Osten komplett. Auf insgesamt fast eintausend Seiten können die Leser Ausflugstipps, Anekdoten und jede Menge Illustrationen erwarten. Der erste „Wegbegleiter“ erschien 2011 und führte durch die Uckermark. Inzwischen liegt er in der 4. Auflage vor.

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