Reise

Kulturland Brandenburg und die Reformation

Jüterbog

Sieben Stunden braucht man zu Fuß von Wittenberg bis Jüterbog. Ob Martin Luther jemals in Jüterbog war, ist nicht bekannt. Verbürgt ist aber die Auseinandersetzung zwischen dem Reformator und dem Ablassprediger Johann Tetzel. In Jüterbogs Nikolakirche kann man den Tetzelkasten, eine riesige Truhe, bestaunen.

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Der sogenannte  Tetzelkasten in der Nikolaikirche von Jüterbog.  Die Beschläge an der Truhe stammen aus dem 14. Jahrhundert.. Foto: D.Weirauch

Jüterbog geht mit “Tetzel – Ablass – Fegefeuer. Jüterbog – Stadt des Anstoßes zur Reformation” im Kulturquartier Mönchenkloster auf die Feindschaft zwischen dem Ablasprediger Johann Tetzel und dem Ablassgegner Martin Luther ein.

Neben Jüterbog ganz im Süden Brandenburgs (zu Luthers Zeiten war es sächsisch) werden weitere Orte bis zum Spätherbst Schauplätze von Ausstellungen und Veranstaltungen im Kulturlandjahr sein.

Denn im Zeichen der Reformation steht das diesjährige Programm von Kulturland Brandenburg.

500 Jahre Protestantismus haben deutliche Spuren im Land hinterlassen. Um sie zu erkennen muss man nicht religiös sein, aber ein gewisses Interesse an Geschichte ist hilfreich.IMG_5873

Blick in die Jüterboger Kirche Sankt Nikolai, Foto: D. Weirauch

Eröffnung von Kulturland in Frankfurt/Oder

Mit einer großen Schau an drei unterschiedlichen Stationen in Frankfurt beginnt das Kulturland-Jahr am 5. Mai. Denn hier an der Oder war im Mittelalter ein geistiges und kulturelles Zentrum mit großer Strahlkraft. Sprachen sich die Frankfurter in den ersten Jahren streng gegen die Reformation aus, so spielten die bereits im Mittelalter gegründete Universität Viadrina, aber auch die Stadt selbst ab 1539 eine entscheidende Rolle für die Luthersche Lehre in Brandenburg. Die Sankt Marienkirche, die Sankt Gertraud-Kirche und das Museum Viadrina zeigen die Ausstellung “Bürger, Pfarrer, Professoren” bis zum 31. Oktober und bieten Besuchern gleichzeitig die Möglichkeit, die Stadt auf dem Weg zu den einzelnen Orten zu entdecken.

Einen weiteren Schwerpunkt des Kulturlandjahrs bildet Brandenburg an der Havel mit einer Ausstellung im Dommuseum zur Wiederverwendung von Bildern und Altären nach der Reformation. Unter dem Titel “Kirche und Stadt – alles eins” wird die Geschichte der Reformation in der Brandenburger Altstadt und in der Sankt Gotthardkirche erzählt.

Ausstellung des Brandenburgisches Landeshauptarchiv und Museums Prenzlau, Foto: Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Ausstellung des Brandenburgisches Landeshauptarchiv und Museums Prenzlau, Foto: Brandenburgisches Landeshauptarchiv

Finsterwalde, Doberlug und etwas weiter nördlich auch Lübben warten mit Konzerten, Filmen und Ausstellungen auf, während Potsdam erst in der zweiten Jahreshälfte an der Reihe ist. Ab Juli zeigt das Kunsthaus Potsdam mit “Himmel und Erde Reloaded” einen installativen Raumkörper von Susanne Pomrehn. Und am 7. September wird die eröffnet die Ausstellung “Reformation und Freiheit. Luther und die Folgen für Preußen und Brandenburg” im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

In der Uckermark und in der Prignitz kann man auf den Spuren der Reformation auch zeitgenössischer Kunst begegnen. Hier gibt es ein “Artist-in-Residence”-Programm, bei dem junge Künstler vor Ort leben und arbeiten. Ein weiteres Highlight ist die Ausstellung “Sankt Luther” der Stiftung Stadtmuseum Berlin, die bereits am 31. März in der Berliner Nikolaikirche eröffnet wird.

Foto: Edition terra
Foto: Edition terra

Die Berliner Edition Terra gab eine informative Karte mit ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Reformations- und Veranstaltungsorte heraus.

Kulturland Brandenburg

Zum Jubiläumsjahr hat die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte zudem einen Bildband mit zahlreichen Aufsätzen zum Thema und Porträts heutiger Akteure der evangelischen Kirche herausgebracht. Er ist unter dem Titel “Luther und die Folgen – Reformation in Brandenburg” mit Fotos des Potsdamer Fotografen Frank Gaudlitz im Koehler & Amelang-Verlag erschienen.

Herausgeber: Herausgegeben von Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH
Luther und die Folgen, Reformation in Brandenburg, ISBN 978-3-7338-0407-7,, 192 Seiten , 100 farbige Abbildungen
Preis: 19,95 EUR

Weitere Infos unter www.kulturland-brandenburg.de

Hier findet ihr den Band zur Kulturland – Reformation 2017

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