Reise

Kleiner, feiner Pilsensee: Schwimmen (lernen) in gräflichen Gewässern

18 Strandbad Pilsensee c Kunz PR (1)Strandbad Pilsensee c Kunz PR

Maximal 17 Meter tief, überschaubare 2,5 Kilometer lang und nur einen Kilometer breit: Der Pilsensee mit seinem kräftig türkis schimmernden Wasser ist der zweitkleinste in StarnbergAmmersee. Unterhalb des Schlosses Seefeld gelegen und seit Jahrhunderten im Besitz der Grafen zu Toerring-Jettenbach steht das Gewässer bei Einheimischen, denen es am benachbarten Ammersee im Sommer schon mal zu voll wird, hoch im Kurs. Der Kiosk „Zur Wurzn“ an der Westseite ist dank der schattigen Liegewiese bei Familien beliebt. Das Strandbad Pilsensee gegenüber ist Dauerbrenner bei Stammgästen, alten und jungen, aus ganz Deutschland. Die Anwohner indes genießen Gundis selbstgemachten veganen Kuchen meist auf dem eigenen Seegrundstück. Der Campingplatz am nordöstlichen See-Ende lockt wiederum Urlauber aus Deutschland, Europa, sogar aus Neuseeland, Korea und den USA an den schönen Badesee, der mit der S-Bahn an München angebunden ist und gleichzeitig einen Ausblick bis in die Alpen beschert.

Kleiner, feiner Pilsensee:

Wir machen hier einen entspannten Oma-Opa-Urlaub mit unseren Enkelinnen“, sagt Petra (59), die im Liegestuhl unterm Sonnenschirm sitzt und den Roman zur Seite legt, in dem sie gerade schmökert. Bereits zum vierten Mal ist die Thüringer Familie mit dem Wohnwagen angereist, um auf dem Campingplatz am Pilsensee „eine glückliche Zeit zu verbringen“. „Ohne Eltern, das ist auch mal schön“, sagt Oma Petra und Enkelin Klara nickt eifrig. Das findet die Neunjährige auch mal schön. Nichts als Schwimmen, Tauchen, Stand Up Paddeln und den ganzen Tag mit den Großeltern verbummeln. Mehr brauchen die Mädchen nicht, die im flachen Wasser des Pilsensees fürs Seepferdchen und sogar fürs Bronzeabzeichen geübt haben.

Greta und der Graf

Höchstens mal einen Ausflug zum Schloss Seefeld, das direkt über ihnen auf einer Anhöhe thront und schnell zu Fuß zu erreichen ist, lassen sie sich gefallen. Da kann Oma sich die kleinen Lädchen anschauen – von inhabergeführten Boutiquen über Kunsthandwerk bis zum Programmkino ist das Angebot groß – oder es gibt ein kühles Bier für Opa im Biergarten des Bräustüberls, der einen großen Teil des sonnigen Schlosshofes einnimmt. Greta, die Kleine, liebt Geschichte, kennt sich gut aus mit der Sisi und ihrem Vetter Ludwig II., die in der Starnberger Region viel Zeit verbracht haben. Da kommt es der fünfjährigen Historikerin gerade recht, dass Schloss Seefeld so eine lange Geschichte hat. 1302 erstmals urkundlich erwähnt, ging es im 15. Jahrhundert in den Besitz der Grafen zu Toerring-Jettenbach über. Der aktuelle Schlossherr und auch Besitzer des Wörthsees sowie des Pilsensee ist Cajetan Graf zu Toerring-Jettenbach.

Von Luxusbädern bis Schlafen im Fass

Das ist sehr ungewöhnlich, dass Seen in Privatbesitz sind“, erklärt Martin Zerhoch, der seit zehn Jahren als Liegenschaftsverwalter für Toerring-Jettenbach arbeitet. Auch für den Campingplatz ist er verantwortlich. Ziemlich zu Beginn seiner Anstellung, im Jahr 2012, habe man einen Meilenstein in der Geschichte des Campings erreicht, erinnert sich der 40-Jährige. Damals ist der 20 Jahre zuvor beschlossene Bebauungsplan endlich in Kraft getreten. Seither wird investiert, modernisiert und umgebaut. Angefangen mit der Erneuerung des Strom-, Wasser- und Kanalnetzes sind die letzten großen Umbaumaßnahmen erst 2019 abgeschlossen worden. Heute stehen Urlaubern 150 Stellplätze zur Verfügung, sieben luxuriöse Chalets, zehn Schlaffässer und ein Jagdhäuschen sowie Sanitäranlagen auf Fünf-Sterne-Niveau, ein SUP- und Boote-Verleih mit SUP-(Yoga-)Kursen im Angebot.

Jahrescampen liegt im Trend

Dabei blickt der zehn Hektar große Wiesen-Platz, bei Holiday Check mit fünf Sternen bewertet und 2019 sowie 2020 als ADAC-Tipp ausgewiesen, auf eine lange Tradition zurück. „1956 waren die ersten Stellplätze hier am See dokumentiert“, erzählt Zerhoch, „doch schon vorher gab es Badebetrieb und Zeltcamping.“ Camping war die erste Urlaubsform, die die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg für sich entdeckten. Dauercamper, heute Jahrescamper genannt, prägten das Bild vieler Plätze in Deutschland. Mit über 1000 Dauerstellplätzen war der Platz am Pilsensee bis Ende der 60er Jahre der größte in Bayern. „Der jüngste Trend ist, dass unter den 350 Jahrescampern immer mehr Familien sind, die sich für 2100 Euro Jahresmiete ein eigenes, kleines Seegrundstück sichern“, sagt Zerhoch. Und die kämen sowohl aus der Region als auch beispielsweise aus Niedersachsen und Nordrheinwestfalen.

Strandbad Pilsensee: Eldorado für Vegetarier

Auch Gundi Römer kommt ursprünglich aus NRW, genauer aus Gladbach. Ein Jahr, höchstens, wollte sie damals hier in StarnbergAmmersee bleiben, Inzwischen sind es 41. Seit zehn Jahren hilft sie ihrer Tochter Saskia im Strandbad Pilsensee am Westufer aus. Mutter und Tochter betreiben aber nicht einfach einen Strandkiosk, sondern haben ihre Lebenseinstellung – vegetarisch, wenn möglich vegan, bio und immer regional –, komplett auf ihre Arbeit übertragen. Von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends servieren sie Süßkartoffelpommes mit Avocado-Dipp, Veggieburger oder den Fitnessteller mit Hummus, Quinoa, Algen und Bulgur. „Das ist unser Erfolgsrezept“, sagt die 63-Jährige. „Selbst überzeugte Fleischesser probieren hier einmal etwas anderes und sind überrascht, wie gut es schmeckt.“ Die große Wiese bis runter zum See teilen sich ältere Paare oder Familien mit jungen Kindern. „Hier ist es ruhig und gemütlich. Kein Sprungturm, keine Hüpfburg. Nur ein kleiner Spielplatz. Unsere Gäste genießen das“, weiß Gundi. Und sie, sie liebt es, diese Arbeit am See, der so sauber wie kein zweiter sei, und sowohl Münchner zum fleischlosen Genuss anziehe als auch Brautpaare, die hier ihre vegane Hochzeit feiern, und natürlich die vielen Stammgäste von nah und fern.

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Camping am Pilsensee c: Campingplatz Pilsensee, Dominik Haf/Kuntz PR

Drüben auf der Ostseite blinzelt Oma Petra in die Sonne und erzählt noch eine kleine Anekdote: „Nächstes Jahr wäre ich gerne mal mit dem Wohnwagen an die Ostsee gefahren. Aber das wollten die Mädchen nicht. Sie haben beschlossen, Leo, ihren kleinen Bruder, nächstes Jahr mitzunehmen an den Pilsensee, um ihm endlich zu zeigen, wie schön sie es hier haben.“

Weitere Infos: gwt Starnberg GmbH / Tourist Information Starnberg, Hauptstraße 1, 82319 Starnberg Tel. 08151/90 600, Fax 08151/90 60 90, www.starnbergammersee.de, touristinfo@starnbergammersee.de