Reise

Katowice: Kultur und Klima statt Kohle

Katowice (1)

Wenn am 3.Dezember die UN-Weltklimakonferenz in Katowice (auf deutsch Kattowitz) beginnt, dann werden die Teilnehmer neben dem Tagungszentrum auch eine Vielzahl von Museen, Sportzentren, Kinos, Theater und weiteren Attraktionen kennnelernen. Vor allem wird sie die lebensfrohe Stadt überraschen. Die Stadt ist für mich ein Geheimtipp. Vor Jahren noch der polnische Ruhrpott genannt, hat Katowice  mittlerweile eine erstaunliche Wandlung vollzogen. Wir waren da, um uns unter anderem das jüngste polnische UNESO-Weltkulturerbe, das Silberbergwerk Tarnowitz anzuschauen. Es befindet sich etwa eine Autostunde von Kattowitz entfernt. Hier der Bericht dazu.

Katowice liegt rund 300 Kilometer südwestlich von Warschau im Oberschlesischen Industrierevier. die Großstadt ist das  Zentrum der Metropolregion Silesia, zu der je nach Definition zwischen 2,5 und 5 Mio. Einwohner gezählt werden. Das Stadtgebiet von Katowice hat eine Fläche von mehr als 150 Quadratkilometern. Rund 40 Prozent davon sind Wälder einnehmen, weitere 20 Propzent sind Grünflächen. Damit zählt die Stadt zu den grünsten Städten Polens. Kaum zu glauben, dass vor 30 Jahren unzählige Schlote ihren Dreck in die Luft geblasen haben. Insofern tagt die Weltklimakonferenz an einem spannenden Ort.

Wenn man von Katowice spricht, dann muß man wissen, dass rings um die Stadt mehr als 50 Steinkohlenbergwerke und Großkokereien existierten. Und die Menschen lebten in der Nähe ihrer Arbeitsstätten. Deshalb besuchten wir auch zwei typische Arbeitersiedlungen.

Siedlungen der Moderne

In der Vorstadt von Katowice liegen zwei Arbeitersiedlungen: Giszowiec (dt. Gieschewald) und Nikiszowiec (dt. Nikischschacht).
Die Kolonie Giszowiec wurde 1906 bis 1910 für die Arbeiter der Grube Giesche gebaut, deren neue Schächte 1903 bis 1910 entstanden. Errichtet wurden Ein- und Zweifamilienhäuser mit Gärten, Schindeldächern und Schotterstraßen. Die Zahl der Wohnungen war jedoch nicht ausreichend. Der Unternehmensname bezog sich auf den Industriellen Georg von Giesche, der sich bereits im 18. Jahrhundert in Oberschlesien verschiedene Abbaurechte gesichert und damit den

Die Arbeitersiedlung Gieschewald mit den roten Fenstereinrahmungen
Die Arbeitersiedlung Gieschewald mit den roten Fenstereinrahmungen
Kirche im Stadtteil Gieschewald
Kirche im Stadtteil Gieschewald

Giesche-Konzern gegründet hatte. Die „Colonie Gieschewald“ wurde 1907, im Jahr des 200-jährigen Unternehmensjubiläums, gegründet.

Auf freiem Feld wurde mit dem Bau, der auf dem Reißbrett geplanten, neuen Siedlung begonnen. Das Berliner Architekturbüro Georg und Emil Zillmann lieferten den Siedlungsentwurf, der sich an örtliche Dörfer und englische Gartenstädte anlehnte (Die Bergmannssiedlung in Nickischschacht/Nikiszowiec wurde ebenfalls von ihnen entworfen).

Das Kulturhaus und Restaurant im Stadtteil Niekischacht
Das Kulturhaus und Restaurant im Stadtteil Niekischacht

Damit Gieschewald selbständig bestehen konnte, musste Gieschewald über eigene Institutionen verfügen und die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. So bildete der Marktplatz (heute: Plac pod Lipami) das Zentrum der Gemeinde und wurde mit Linden bepflanzt, die bis heute erhalten sind.

Erinnerungswand für im Bergbau und in der Kokerei verunglückte Bergleute
Erinnerungswand für im Bergbau und in der Kokerei verunglückte Bergleute

In Giszowiec wurden die Aufnahmen für den Film von Kazimierz Kutz “Perlen eines Rosenkranzes” gedreht und die Geschichte der zum Abriss bestimmten Häuser stimmte damit überein, was in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in Giszowiec passierte. Es wurde versucht, die Siedlung abzutragen und moderne Wolkenkratzer zu bauen. Zum Glück existiert ein Teil der ehemaligen Kolonie Giszowiec immer noch und das, was übrig ist, ist wirklich sehenswert. Beachtenswert sind u.a. Šlaska (Schlesischer Gasthof), Izba Slaska (Schlesische Stube), die ehemalige Bierstube “Gwarek” (heute Restaurant Pod Kasztanami), die Direktorenvilla, der Wasserturm und die Försterei.

Route der Moderne

Sehenswert die aus dreistöckigen Blockhäusern bestehende Siedlung. An der Ecke der Straßen Sklodowskiej-Curie und Kopernika befindet sich die 1931 gebaute Garnisonkirche des Heiligen Kasimirs von Litauen – das erste funktionalistische Bauwerk, das von der katholischen Kirche in Polen errichtet wurde. Übrigens: den Bauwerken im Stil der Moderne verdankt die Stadt Katowice die Bezeichnung “polnisches Chicago”.

Vom begehbaren Förderturm aus hat man einen tollen Blick über Katowice und das einem zu Füßen liegende Schlesische Museum
Vom begehbaren Förderturm aus hat man einen tollen Blick über Katowice und das einem zu Füßen liegende Schlesische Museum

Aufstrebendes Katowice

Mittlerweile zieht Katowice, aber auch der gesamte Ballungsraum, das Investmentkapital vieler ausländischer Firmen so stark wie kaum eine andere Region in Polen an. Durch neue Büro- und Geschäftsbauten, aber auch durch die fortschreitende  soegannte Tertiärisierung (laut Wikipedia) wandelt sich das Antlitz der Stadt von einer von Schwerindustrie und Bergwerken bestimmten zu einer modernen, von Informationstechnik, Wissenschaft und Forschung geprägten Kulturstadt. Insofern hat die Weltklimakonferenz den richtigen Austragungsort gewählt.

Spektakulär: Schlesisches Museum

Ein unbedingtes Muss während eines Besuches in Katowice ist das Schlesische Museum. Es befindet sich auf dem Gelände der stillgelegten Zeche Ferdinandgrube/KWK Katowice, teilweise in einem spektakulären unterirdischen Gebäudekomplex. Vom einstigen Förderturm hat man den besten Ausblick über die Stadt und die grüne Umgebung von Katowice.

Zu den Sammlungen gehören vor allem ethnologische und archäologische Exponate, die mit der Stadt und der Region Oberschlesien zusammenhängen. Außerdem befindet sich im Museum eine Gemäldegalerie der polnischen Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus ist das Museum Ort verschiedener Wanderausstellungen, die thematisch auch andere Regionen betreffen. Derzeit bereitet das Museum verschiedene Projekte zum Thema oral History vor, bei dem Einwohner zu Wort kommen und wo die Wandlung der Stadt in den zurückliegenden 50 Jahren im Mittelpunkt stehen werden.

Gastfreundlich ist das Restaurant Moodro direkt im Alten Maschinenhaus am Schlesischen Museum

Zentrum neuer Musik

Die Schlesische Philharmonie (Filharmonia Śląska) gilt als eine der wichtigsten Musikinstitutionen in Polen und ist heute die einzige Philharmonie in Polen, die mit dem Kammerorchester, dem Symphonieorchester und dem Chor drei Musikensembles besitzt. Dem wohl bekanntesten polnischen Dirigenten Grzegorz Fitelberg ist der seit 1979 alle vier Jahre stattfindende Internationale Dirigentenwettbewerb (Międzynarodowy Konkurs Dyrygentów) gewidmet.

Auch das Nationale Symphonieorchester des polnischen Rundfunks (Narodowa Orkiestra Symfoniczna Polskiego Radia) hat seinen Sitz in Katowice. Die NOSPR Konzerthalle hat 1800 Plätze und gehört zu den besten Konzertsälen Europas.

Der Spodek ist eine riesige Sport- und Veranstaltungshalle
Der Spodek ist eine riesige Sport- und Veranstaltungshalle

Stadt der Festivals

In Katowice werden jährlich viele verschiedene Festivals und andere Kulturereignisse veranstaltet. Eine der wichtigsten Veranstaltungen der Stadt und der Region ist das Rawa-Blues-Festival. Es zieht jedes Jahr viele internationale Gäste an. Ebenfalls im Kulturzentrum Spodek wird das jährliche Metalmania-Festival veranstaltet.

Stadt der Bildung und der Wissenschaft

Katowice ist nicht nur das wirtschaftliche und politische, sondern auch das kulturelle Zentrum des Oberschlesischen Industriereviers. In der Stadt gibt 20 Universitäten und hochshculen. Alle Katowicer Hochschulen zusammen bieten etwa 100.000 Studierenden einen Studienplatz an. In den letzten 15 Jahren hat sich diese Zahl mehr als vervierfacht.

Informationen zu Katowice

  • Touristen-Informationsstelle
    Katowice u. Rynek 13
    Tel. +48 32 2593808
    katowice@silesia.travel
  • Nikischacht
  • ul. Rymarska 4
    Tel. +48 32 2551
    nikiszowiec@silesia.travel
  • Hinkommen30 km vom Stadtzentrum entfernt befindet sich der Flughafen Katowice mit internationalen Linienflügen.

Weiterführende Literatur
Anna Miszta, Reiseführer Woiwodschaft Schlesien, Schlesischer Touristikverein. Katowice 2013.

Nützliche Internetlinks:

Übernachten und gut Essen im Hotel Metropol

  • Adresse: Hotel Monopol
  • 40-012 Katowice, Dworcowa 5
  • Mail: monopol@hotel.com.pl
  • Tel.: + 48 32 782 82 82

Bericht über das einzigartige Hotel hier.

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