Potsdam

Hier gehört Klappern zum Handwerk

molina_I_2013.indd

Historische Mühlen und ihre Bewahrer stehen im Mittelpunkt der neuen Zeitschrift „Molina – Mühlen und Menschen“, die soeben im Berliner terrapress-Verlag erschienen ist. Herausgegeben wird das A4-Heft von zwei ausgewiesenen Mühlenexperten: Philipp Oppermann, tätig im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn, und Torsten Rüdinger, Müller der Historischen Mühle Potsdam-Sanssouci.
So treffe ich dann auch auf alte Mühlen-Bekannte in dem ambitioniert gestalteten Heft, neben der Sanssouci-Mühle werden bispielsweise die Mühle von Berlin-Marzahn und die Jungfernmühle in Berlin-Buckow vorgestellt. Auch die Dreifach-Windmühle von Straupitz, wo das berühmte Leinöl nach alter Tradition erzeigt wird, im Spreewald ist dabei.

Deutschlandweit erste Publikation

Eine wichtige und vor allem lange erwartete Publikation ist das. Auf den 66 Seiten des Heftes werden Menschen vorgestellt, die sich für den Erhalt gefährdeter Mühlen einsetzen, Mühlen werden als bewahrenswertes Kulturerbe präsentiert und es geht um die Aussichten auf eine Europäische Kulturstraße der Mühlen. Es gibt aber auch praktische Tipps rund um die Mühlentechnik, Mühlenprodukte und neu erschienene Mühlen-Bücher. Das reich bebilderte Heft soll dazu beitragen, die Faszination, die historische Wind-, Wasser-, Dampf- und Elektromühlen ausüben, auch für künftige Generationen zu bewahren „Molina“ kostet 9,80 Euro und ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu haben, kann aber auch über den Shop des Verlages unter www.terrapress.de bestellt werden.

Klappern gehört hier noch zum Handwerk

Deutschlandweit haben Pfingstmontag über 1.000 Mühlen geöffnet. Für die Region Berlin-Brandenburg koordiniert die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V. den Mühlentag. Es können insgesamt 74 Mühlen besucht werden – in Berlin 6 Mühlen und in Brandenburg 68.

Salvey-Mühle in Gartz/Geestow im unteren Odertal

Lohnenswert auch ein Besuch in der Salvey-Mühle in Gartz/Geestow im unteren Odertal.

Bereits Kult: Wassermühle Gollmitz

Im Naturpark „Uckermärkische Seen“ und im Naturschutzgebiet „Stromtal“ liegt die Wassermühle Gollmitz, mittlerweile genießt die liebevoll restaurierte Mühle Kultstatus ob ihres kulturellen Freizeitangebotes. Noch Mitte des 19. Jh. gab es in der damaligen Provinz Brandenburg z.B. 1.141 Getreide-Wassermühlen und 2.198 Getreide-Bockwindmühlen, aber auch 381 Ölmühlen und 110 Lohmühlen. Die Dampfkraft hatte zu dieser Zeit erst in 57 Mühlen Einzug gehalten. „Heute zählen wir etwas über 1.000 Einträge im Standortverzeichnis des Mühlenarchivs der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.“ berichtet Torsten Rüdinger von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg. Dazu gehören 33 Wassermühlen, 8 Motormühlen, 19 Bockwindmühlen, 8 Holländerwindmühlen, 3 Paltrockwindmühlen, 1 Scheunenwindmühle und zwei Orte, an denen ein Mühlenneubau einer Paltrockwindmühle und einer Erdholländerwindmühle geplant sind.

Noch 27 gewerbliche Mühlen in Brandenburg

In Brandenburg gibt es noch 27 gewerbliche Mühlen, in denen heute noch Getreide verarbeitet wird, so u.a. in Müllrose, Bensdorf und die Mühle Wolter in Buchow-Karpzow (zwischen Falkenrehde und Wustermark) . Zwei von ihnen, die Obermühle in Gottsdorf und die Mühle Paulick in Müschen sind bereits am Mühlentag zu besichtigen. Für die nächsten Jahre wünscht sich Rüdinger, dass der Mühlentag nicht nur auf die historischen Mühlen beschränkt bleibt, sondern die gewerblichen Betriebe diesen Tag auch für sich entdecken.

Spreemühle Cottbus
Spreemühle Cottbus

Strom aus Mühlen

Strom wird u.a. erzeugt in der Kathfelder Mühle in Pritzwalk und in der Perleberger Stadtmühle. Andreas Plagemann, der Besitzer der Kathfelder Mühle an der Dömnitz, liefert 60.000 Kilowattstunden pro Jahr an die Pritzwalker Stadtwerke. Auf vier Etagen der Mühle erhält der Besucher Einblick in die Vergangenheit und Gegenwart der Prignitzer Mühlenlandschaft. Auch im benachbarten Wolfshagen soll demnächst mit Wasserkraft der Stepenitz Strom erzeugt werden. So will es ein Förderverein.
Die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg verweist auf zwei besondere Aktivitäten.

Gölsdorfer Mühle wird eingeweiht

Die Mühlenfreunde an der Gölsdorfer Bockwindmühle planen an diesem Tag die Wiedereinweihung nach erfolgreicher Sanierung. Die Mühle war in den letzten Jahren im Bestand akut gefährdet und baulich für den Besucherverkehr gesperrt. Über das Programm LEADER: innovatives Vorhaben zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum wurden für die Arbeiten umfangreiche Mittel zur Verfügung gestellt. An einem vergleichbaren Ziel arbeitet der Förderverein Bockwindmühle Bamme e.V. im Havelland, der sich um eine der letzten Bockwindmühlen in dieser Region kümmert. Die Mühle gehört mit zu den ältesten in Brandenburg, in der Bauteile aus dem Jahr 1701 vorhanden sind. Der Verein wird an diesem Tag das Zukunftsvorhaben darstellen.
Infos:
Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V., Historische Mühle von Sanssouci, Maulbeerallee 5 – 14469 Potsdam, Tel.: 0331/5506851, Fax: 0331/5506853
E-Mail: geschaeftsstelle@muehlenvereine-online.de, www.muehlenvereine-online.de