Potsdam

Herbstausflug: Unterwegs auf dem Bornstedter Friedhof

Bornstedt (1)

Schon Theodor Fontane beschrieb in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Grab des 1690 in Neuwied geborenen Heinrich Wilhelm Wagenführer (21. September 1690 – 9. September 1758), der wie auf der Grabplatte zu lesen ist, „…in vergnügter Ehe mit der hinter lassenen betrüb.ten Frau Witwe der Hochedlen und Hochacht.baren Frau Maria Johanna gebohrener Califice 21 Jahre gelebt und sein Alter gebracht auf 67 Jahre […] zu Potsdam den 9 ten Septem: 1758 in seinem Erlöser seelig entschlaffen …“

Bornstedter Friedhof Potsdam
Nicht leicht zu entziffern: Inschrift auf der Grabplatte von Heinrich Wilhelm Wagenführer

Eines der ältesten Soldatengräber Bornstedts

Das Grab des Heinrich Wilhelm Wagenführers ist eines der ältesten Soldatengräber Bornstedts und das einzig erhaltene Grabmal eines Soldaten der Elitetruppe des Soldatenkönigs überhaupt (Karlheinz Deisenroth, Märkische Grabgelege im höfischen Glanze. Der Bornstedter Friedhof zu Potsdam, Berlin 1997). Aus dem Bornstedter Friedhof, zwischen Kirche und Sello-Friedhof, ist es zu finden.

Bornstedter Friedhof Potsdam
Bornstedter Kirche nach Plänen von August Stüler 1855 erbaut

Ein “weinfroher” Rheinländer in Potsdam

Der aus der Grafschaft Wied stammende Wagenführer hatte in späteren Jahren eine der zahlreichen Potsdamer Weinhandlungen betrieben, deren Gerechtsame ihm am Geburtstag des Kronprinzen 1738 zusammen mit der Schenkung des Anwesens Breite Straße Nr. 28 vom König verliehen sein soll. Deisenroth: ‚Als „weinfroher Rheinländer“ wird ihm dies nach entbehrungsreicher Zeit als „Königl. Grenadier Se. Königl. Majestät in Preußen 1. Bataillons Leibregiment „im ersten Glied der Leibkompanie mit der Nummer 18 Bedürfnis gewesen sein. Wie es ihn vom Rhein an die Havel verschlug, wissen wir nicht; es wird ihm sicher nicht anders ergangen sein als seinen Kameraden, die ob ihrer Länge einem preußischen Werber in die Arme gelaufen und nach Potsdam zu den „lieben blauen Kindern“ des Soldatenkönigs geschafft worden waren.“

Bornstedter Friedhof Potsdam
Die Sandsteinvase mit einem durch Totenschädel gezogenen Tuch ziert den Sockel des Grabmals der Maria Johanna Calefice (1710-1788), Witwe des Heinrich Wagenführers, im Hintergrund die Grabplatte ihres Mannes

Beispiel für gelungene Integration

Wagenführer war über zwei Meter groß, in Anbetracht der damaligen Durchnittskörpergröße eines erwachsenen Mannes von ca. 160-165 Zentimeter eine beachtliche Länge. Wagenführer kann als Beispiel für eine gelungene Integration eines ehedem zum Solddienst Geworbenen in das städtische Gemeinwesen am Ende seiner Dienstzeit gelten. Nicht wenige Grenadiere werden bei der Auflösung ihrer Truppe nach dem Tode Friedrich Wilhelms I. in Potsdam als ihrer zweiten Heimat naturalisiert worden sein. Der Potsdamer Chronist Julius Haeckel vermerkt dazu: „Mancher Potsdamer Bürger kann seinen Ursprung auf einen der ansäßig gemachten Riesengrenadiere zurückführen. Deren Größe klingt auch hier und da im Wuchse der Bürgerschaft nach. Ja, es ist vielleicht kein Zufall, daß die Potsdamer Schulen eine Größen-Nummer der Bänke vor den anderen Schulen voraus haben.“

Zu Fontanes Zeiten bedeckten die Wurzeln einer alten Ulme die Grabplatte des Wagenführers. Fontane beklagte, dass die Inschrift auf der Grabplatte des langen Kerls „…nicht leicht zu entziffern [war], denn ein alter Ulmenbaum, der zur Seite steht, hat sein Wurzelgeäst derart über den Grabstein hingezogen, daß es aussieht, als läge eine Riesenhand über dem Stein und mühe sich diesen an seiner Grabesstelle festzuhalten.“ 1984 wurde das Wurzelgeflecht mit der Ulme beseitigt. Damals wurde auch die Oberfläche der Sandsteinplatte restauriert und die Inschrift war wieder gut lesbar.

 

Nach dem Tod der Frau von Heinrich Wilhelm Wagenführer 1788 betrieb seine Schwägerin Maria Therese Calefice die Weinhandlung weiter. Sie war die Tochter eines Gewehrfabrikanten aus Lüttich. Ihr Grabmal ziert ein aufgesetzter Säulenstumpf. Fontane konnte noch die heute stark verwitterte Inschrift lesen: “Gott und Menschen lieben, Gutes ohne Selbstssucht tun, den Freund ehren, dem Dürftigen helfen – war ihres Lebens Geschäft.”

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Grabmal der Maria Therese Calefice (1713-1795)

Mehr als 30 Jahre sind seit der Renovierung der Grabplatte des Heinrich Wilhelm Wagenführers vergangen. Die Inschrift ist bei unserem neuerlichen Spaziergang wieder nur schwer zu entziffern …

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Grabmal der Wilhelmine Erdmuthe Mahler (175 …-1776)

Ganz in der Nähe der Grabmäler der Familie Wagenführer auf dem ältesten Teil des Bornstedter Friedhofs, dem alten Kirchhof, befinden sich die Grabmale der Weinhändler-Familie Mahler. Das Grabmal der Frau Wilhelmine Erdmuthe Mahler ist sehr sinnlich. Eine Frauenfigur mit gesenkter Fackel lehnt sich an einen Säulenstumpf, der das Bildnismedaillon der Verstorbenen trägt. Die Inschrift ist wie auf vielen anderen Grabmalen des alten Kirchhofs verwittert und damit schlecht lesbar.

Hier erfahrt ihr, wer noch auf dem Bornstedter Friedhof seine letzte Ruhe fand

Bornstedter Friedhof: Letzte Ruhe für Potsdams Prominenz