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Großmutters Weisheiten sind oft die beste Medizin

BankhoferCover: Bassermann Verlag

28as kann eine Frau tun, der die Haare quasi „zu Hauff“ ausfallen, wie wird man immer-feuchte Handflächen los, was hilft bei wiederkehrenden Schwindelanfällen oder tränenden Augen, kann man Einschlaf- und Durchschlafstörungen los werden? Mit diesen und hunderten anderen, vergleichbaren Fragen befasst sich Prof. Hademar Bankhofer, Jahrgang 1941 und einer der führenden Gesundheitspublizisten Europas, in seinem neuesten Werk. Er sagt das nicht so explizit, aber im Grunde genommen läuft bei ihm alles auf eine altbekannte Erkenntnis hinaus – „Großmutters Weisheiten sind oft die beste Medizin“. Entsprechendes hat er in seinem Büchlein „Bankhofers Supermarkt-Apotheke – gesund, schön und günstig“ zusammengetragen (Bassermann Verlag/Penguin Random House, 7,99 Euro). Das ist natürlich kein Ersatz für einen Arztbesuch – aber eine Art „medizinisches Schnüffeln“ beim Einkauf kann bei vielen gesundheitlichen Alltagsproblemen lehrreich, verwunderlich und lustig sein.

Großmutters Weisheiten sind oft die beste Medizin

Verstärkter Haarausfall, so lernt man da, kann auf Eisenmangel zurückzuführen sein, wogegen eine Schnittlauchkur helfen kann. Die Empfehlung: Eine Scheibe Vollkornbrot mit wenig Butter bestreichen und darauf zwei gehäufte Esslöffel klein geschnittenen Schnittlauch verteilen. Das muss man eine Zeitlang täglich essen. Zudem kann man sich einen Haarwuchscocktail mixen – nein, der wird nicht getrunken sondern auf die Kopfhaut massiert: Dafür wird ein Eigelb mit fünf Esslöffeln Olivenöl und zehn Esslöffeln 40prozentigem Rum gemixt. Das sollte vor dem Schlafengehen einmassiert und am nächsten Morgen mit lauwarmem Brennesseltee ausgespült werden. Ratschlag: über einen längeren Zeitraum einmal pro Woche praktizieren.

Mit dem Haar übrigens befasst sich der Autor über mehrere Seiten – was tun bei dünnem Haar oder schwachem Haarwuchs, wie geht man mit brüchigen, gespaltenen Haar spitzen um, was dient als Umwelt- und Klimaschutz für das Haar? Der Autorentipp für tränende Augen: Jede Stunde die Augen mit warmem Wasser auswaschen. Eine nicht allzu reife Banane liefert den Mineralstoff Kalium und hält den Flüssigkeitshaushalt der Augen in Balance. Und/oder: Verrühren Sie einen Esslöffel Leinsamenöl in einem Glas naturtrüben Apfelsaft. Damit nimmt man Omega-3-Fettsäuren zu sich, und das sorgt für einen normalen, gesunden Tränenfilm.

Gar nicht so selten – und nicht nur bei Älteren – sind Schwindelanfälle, und das keineswegs nur bei zu schnellem Aufstehen oder beim Autoausstieg. „Holen Sie sich aus dem Supermarkt einige Naturalien“, schlägt der Ratgeber-Autor vor, „essen Sie oft Rote-Beete-Salat (Rote Rüben) oder trinken Sie Rote-Beete-Saft. Beginnen Sie den Tag mit zwei Tassen Früchtetee“.

Dieses studierenswerte Büchlein will weder Arzt noch Apotheke ersetzen, ergänzt aber medizinische Ratschläge mit dem Blick auf den Supermarkt. Es ist zudem sehr übersichtlich geordnet: Mehrere Seiten Stichworte finden sich im Anhang, etwa „Abwehrzellen“, „Dill“, Lippen“, „Senf“ oder „Stirnhöhle“ und „Füße“. Nicht minder klar und hilfreich sind am Anfang, im Inhaltsverzeichnis, die Titel der einzelnen Kapitel: „Wenn die Ohren Kummer machen“, „Wenn die Haut um Pflege bittet“, „Die Frauenbrust ist sehr sensibel“, „Gesund im Mund ist wichtig“, „Leber, Galle, Blase, Nieren mögen keine Viren“, „Schultern, Bauch und Rücken haben ihre Tücken“.  Auch der lästige Alltagsfrust wird mit Stichworten erwähnt, „Verstopfung“, „Durchfall“, „Magensäure“, „Schluckauf“ oder „Heiserkeit“. Alles dreht sich um die Mobilität unseres Körpers – also ums Wohlfühlen.

Noch etwas Historisches zum Titel „Supermarkt-Apotheke“:

Den ersten Supermarkt im heutigen Sinn gab es 1930 im New Yorker Stadtteil Queens. Er wurde in einer ehemaligen Autowerkstatt als „Preis-Abwracker“ eröffnet. Er führte die Selbstbedienung ein und präsentierte in mehreren Abteilungen ein Lebensmittel-Gesamtangebot, einschließlich Bäckerei, Fleischerei sowie Frischwaren wie Obst und Gemüse.

Viel älter ist die Apotheke. Ihr erstes Exemplar entstand im 12. Jahrhundert in Italien. Gefordert und gefördert von den Hohenstaufern, setzte sich die Idee in ganz Europa durch. Wegen der Einführung und Verwendung seltener Substanzen für Heilzwecke galten die Apotheker von Anfang an als „teuer“  – der Begriff hat sich bis heute erhalten. Apotheker war übrigens der “Wanderer der Mark” und gefeierte Romanautor Theodor Fontane.

Auch heute ist das Geburtshaus Fontanes noch eine Apotheke. Foto: Weirauch
Auch heute ist das Geburtshaus Fontanes noch eine Apotheke. Foto: Weirauch

Das letzte Wort soll der Autor haben – Hademar Bankhofer:

„Die Zutaten für die (meine) Rezepte kann man beim täglichen Einkauf im Supermarkt erstehen. Man kann sagen: Sie kommen aus der Supermarkt-Apotheke. Man hat sie daheim jederzeit greifbar. Und all die Sachen sind in den meisten Fällen vom Preis her günstig, und sie wirken. Es ist wichtig, dass wir in unserer modernen Zeit die Gesundheitsaufgaben der Supermärkte anerkennen und sie in das  große Thema Gesundheit mit einbauen: als Helfer und Unterstützer der Medizin und der Ernährungswissenschaft“.