Autotester: Moritz & Weirauch

Ford Edge ST-Line – Was kann der Ami-SUV?

Ford Edge ST-Line     Foto: F. MoritzFord Edge ST-Line Foto: F. Moritz

Seit 2007 gibt es den Ford Edge auf dem amerikanischen Markt. 2016 wurde das Oberklassen-SUV auch in Deutschland eingeführt. Zwei Jahre später erhielt er ein Facelift. Der Ford Edge trifft hierzulande auf sehr starke Konkurrenz: Audi Q7, VW Touareg, BMW X5 und Mercedes GLE. Den Edge gibt es in Deutschland ausschließlich mit Diesel-Motoren und Allradantrieb.

Mit dem Edge bietet Ford dem wachsenden SUV-Klientel in Deutschland sein Premiummodell an. Der möchte mit Reisekomfort und viel Platz bei den Kunden punkten. Ob das in der Klasse der Zwei-Tonnen-SUVs ausreicht, soll ein Test mit einem Ford Edge in ST-Line-Ausstattung klären. Den SUV gibt es in Deutschland noch in den Ausführungen vom Modelljahr 2017 und 2018 zu kaufen.

❏ Ford Edge: Karosserie

Der erste Eindruck vom Ford Edge. Ganz schön groß der SUV! Hier steht eben auch ein amerikanisches Auto. Die Karosserie-Proportionen sind nicht gerade Standardmaße auf deutschen Straßen. Optisch verzichtet der Edge auf Effekthascherei und Designexperimente. Vier Ausstattungsvarianten werden für den Spitzen-SUV von Ford angeboten: Neben Trend, Titanium und ST-Line gibt es noch die Premiumversion namens Vignale.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Ford Edge ST-Line in Chroma-Blau-Metallic     Foto: F. Moritz

Eine Karosseriefarbe (Liquid-weiß) ist beim Ford Edge gratis und sieben gibt es gegen Aufpreis. Der Testwagen hatte eine Chroma-Blau-Metallic-Lackierung (800 Euro). Die Außenlänge von 4,81 Metern und der Radstand von 2,85 Metern lassen ein üppiges Raumangebot für Passagiere und Gepäck erwarten. In der Breite schafft es der Edge auf 1,93 Meter ohne Außenspiegel (mit Spiegeln sind es 2,18 Meter!) und inklusive der Dachreling geht es 1,71 Meter in die Höhe.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Der Ford Edge ST-Line hat eine massige Front     Foto: F. Moritz

20-Zoll-Alufelgen sind in der ST-Line serienmäßig. Außer um die Nebelscheinwerfer sucht man Chromeinfassungen an der Edge-Karosserie vergebens. In der massigen Front des SUVs waren adaptive LED-Scheinwerfer verbaut, die ein ordentliches Licht auf die Straße projizieren. Sie gehören zum 1.500 Euro teuren Business-Paket, das u.a. noch einen Park-Assistenten, Abbiegelicht und LED-Tagfahrlicht beinhaltet. Unter dem Ford-Logo sitzt die Frontkamera (350 Euro) mit “SplitView”-Technologie.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Das Heck ziert ein durchgehendes Lichtband      Foto: F. Moritz
An der Heckfront fand ich das durchgehende LED-Lichtband sehr gelungen. Hinter den beiden fetten Auspuffblenden lugen die kleinen Rohre der zweiflutigen Auspuffanlage hervor. Und der Diffusor dürfte wohl nur optischen Nutzen haben. Der Tankdeckel befindet sich im hinteren linken Kotflügel und der Tank fasst 64 Liter Kraftstoff.

❏ Ford Edge: Kofferraum

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Gepäck hat ordentlich Platz im Ford Edge ST-Line       Foto: F. Moritz

Das Gepäckabteil im Ford Edge ist für die allermeisten Transportaufgaben mehr als ausreichend. Die elektrische Heckklappe kann von innen, mit dem Schlüssel, per Softtouch-Taste im Kofferraumdeckel oder auch per Fußwisch unter dem Diffusor geöffnet werden. Bis Unterkante vom Fenster hat der SUV 602 Liter Fassungsvermögen zu bieten. Die Rücksitzlehnen können im Verhältnis 60:40 per Knopfdruck aus dem Kofferraum umgeklappt werden. Dann erhöht sich das Volumen auf maximal 1.847 Liter und bis zu den Vordersitzen ergibt sich eine Ladelänge von 1,92 Meter.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Knöpfe zum Umlegen der Rücksitzlehnen und eine 12-Volt-Dose im Kofferraum      Foto: F. Moritz

Das Gepäckrollo kann sehr einfach aus der Halterung entfernt werden. Leider gibt es dafür keinen separaten Ablageplatz. Die maximale Zuladung für den 1.949 Kilogramm schweren Ford Edge beträgt 606 Kilogramm. Ein ordentlicher Wert, aber längst kein Bestwert in dieser SUV-Klasse. Die Ladekantenhöhe beträgt etwa 75 Zentimeter.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Notrad und Werkzeug im unteren Kofferraumboden     Foto: F. Moritz

Unter dem Kofferraumboden befindet sich eine zweite Ebene für das Werkzeug und ein Notrad. Diverse Ablagefächer bieten Platz für Kleinkram. Eine Durchlademöglichkeit in den Rücksitzlehnen sucht man vergebens und auch eine verschiebbare Rücksitzbank hat Ford nicht im Angebot. Wer den Ford Edge als Zugfahrzeug nutzen möchte, kann einen gebremsten Anhänger mit maximal 2.000 Kilogramm an den Haken nehmen.

❏ Ford Edge: Innenraum + Ausstattung

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Der Einstieg klappt im Ford Edge ST-Line problemlos     Foto: F. Moritz

Alle vier Türen öffnen in einem sehr großen Winkel und erleichtern dadurch den Einstieg. In der hinteren Reihe ist richtig viel Platz für die Insassen auf den bequemen Sitzen. Beim mittleren Sitz drückt die harte Lehne im Kreuz, aber wer nutzt den schon. Über dem Kopf und im Fußbereich geht es sehr luftig zu. Gut fand ich den niedrigen Mitteltunnel im Fußbereich. Die abgedunkelten Seitenscheiben können nicht komplett versenkt werden und für die zweite Reihe gibt es keine separate Temperaturregelung.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Leider keine USB-Anschlüsse im Fond     Foto: F. Moritz

Unter den beiden Lüftungsdüsen befindet sich eine 12-Volt-Dose und eine 230-Volt-Dose. Leider ist die nicht für deutsche Stecker geeignet und USB-Anschlüsse fehlen komplett. Da wird der Nachwuchs auf langen Fahrten meutern! Eine Mittelarmlehne, kleine Ablagen in den Türen und die Taschen an den Vordersitzen seien noch erwähnt. Die Isofix-Halterung ist auf den beiden Außensitzen serienmäßig vorhanden.

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Ford Edge ST-Line bietett viel Platz für Fahrer und Beifahrer     Foto: F. Moritz

Fahrer und Beifahrer thronen auf Teilledersitzen mit perforierten Bezügen. Die bequemen Sitze sind elektrisch verstellbar (mit Memoryfunktion) und beheizbar. Im unteren Bereich ist die A-Säule etwas breit geraten und behindert die Sicht nach außen. Ansonsten hat man einen guten Rundblick.

Mein Eindruck vom Cockpit und vom gesamten Ambiente? Für mich ist das Design der Kommandozentrale für einen Premium-SUV sehr einfach gehalten und löst wenig Emotionen aus. Es könnte alles etwas frischer und moderner sein. Dafür gefällt die übersichtliche Gliederung des Cockpits und die leicht verständliche Bedienung.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Die elektrische Sitzverstellung im Ford Edge ST-Line     Foto: F. Moritz

Das Interieur ist für meinen Geschmack sehr nüchtern ausgefallen und weit von Premium entfernt. Materialien wie Kunstleder und Hartplastik können einfach nicht begeistern. Da helfen auch ein paar verchromte Zierleisten nicht weiter. Die Verarbeitung geht in Ordnung und selbst auf fiesem Kopfsteinpflaster klapperte auf der Testfahrt nichts im Ford Edge.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Die vielen Striche lassen die Anzeigen im Ford Edge unruhig wirken      Foto: F. Moritz

Der Fahrer blickt auf zwei digitale Rundanzeigen für die Drehzahl und Geschwindigkeit. Dazwischen können noch Fahrzeug-Informationen eingeblendet werden. Die digitale Welt sieht heutzutage in vielen Autos anders aus, als im Ford Edge. Aber nicht jeder ist Fan von riesigen Displays. Das beheizbare Multifunktions-Lederlenkrad liegt gut in der Hand und mit ein wenig Eingewöhnung, lassen sich die nicht gerade wenigen Knöpfe intuitiv bedienen.

Ford Edge ST-Line Foto: Ford
8-Zoll Touchscreen im Ford Edge ST-Line     Foto: Ford

Der Touchscreen auf der Mittelkonsole bietet ein einfaches Layout und steuert u.a. die Funktionen von Navi, Telefon, Audio, Setup und Apple CarPlay. Die Frontkamera wird mit einem darunterliegenden Knopf eingeblendet. Für die Lautstärkeregelung des Sony Navigationssystems inklusive dem Audio-Gerät (DAB, DAB+, 12 Lautsprecher und ein Subwoofer) gibt es einen schönen großen Drehregler unter dem Touchscreen. Darum verteilen sich einige Knöpfe für die Zweizonen-Klimaautomatik, die Sitzheizung und die Frontscheibenheizung (leider nicht drahtlos).

Ablagen gibt es in den Türen, in einem Fach neben dem Lenkrad und unter der Mittelarmlehne. Zwei Getränkehalter befinden sich auf der Mittelkonsole. Ein Brillenfach im Dachhimmel. In der Ablage vor dem Schalthebel sitzen die beiden USB-Anschlüsse und im Beifahrer-Fußraum eine 12-Volt-Dose.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
Die elektrische Sitzverstellung im Ford Edge ST-Line      Foto: F. Moritz

Bei der Ausstattung bietet Ford für den Edge neben dem Totwinkel-Assistenten, einen Spurhalteassistenten, einen Abstandassistenten mit adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage, den Kollisionswarner und einen Parkassistenten an. Und auch die Verkehrsschilder erkennt der Ford Edge. Serienmäßig haben alle Edge-Modelle einen Allradantrieb, Rückfahrkamera und Parkpiepser, sowie die adaptive Lenkung.

❏ Ford Edge: Motor + Fahrleistung

Ford bietet für den Edge Modelljahr 2017 zwei 2,0-Liter-Dieselmotoren an. Den mit 180 PS im Testwagen und einen mit 210 PS. Das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern liegt bei 2.000 Umdrehungen pro Minute an. Damit reißt der Edge zwar keinen Bitumen aus der Straße, aber immerhin beschleunigt der Zwei-Tonnen-SUV in 9,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 200 km/h erreicht.

Der Ford Edge ist ideal zum Cruisen über die Landstraße. Autobahnen mit Vollgas sind nicht so sein Terrain. Mit einer Wattiefe von 45 Zentimetern und einer Bodenfreiheit von 15,2 Zentimetern, kommt der Edge auch durch leicht unwegsames Gelände. Ein Wühler ist er aber nicht. Der Wagen ist sehr gut gedämmt und nervt seine Insassen nicht mit knurrigem Motorengeräusch.

Ford Edge ST-Line Foto: F. Moritz
180 PS leistete der Motor im Testwagen    Foto: F. Moritz

Der Testwagen hatte die optionale Adaptiv-Lenkung. Sie passt die Lenkübersetzung kontinuierlich der aktuellen Geschwindigkeit an und arbeitet in einem so großen Auto wie dem Edge, sehr direkt und nur wenig Lenkeinschlag. Kurven lassen sich völlig entspannt durchfahren, auch weil die Wankneigung gering ausfällt. Wirklich gut! Beim Wendekreis von 11,9 Metern ist in der Stadt schon Augenmaß mit dem langen Ami gefragt.

Das Fahrwerk ist von der Art dynamischer Typ, ohne dabei den nötigen Komfort zu vernachlässigen. Der Ford Edge liegt schon fast satt auf der Straße. Die Wahl des Getriebes ist relativ einfach, weil es für die 180 PS-Version nur ein 6-Gang-Schaltgetriebe gibt. Beim Verbrauch genehmigte sich der Testwagen im Durchschnitt 8,3 Liter Diesel.

❏ Ford Edge: Fazit + Preis

Entspannt cruisen, auch über lange Strecken, ist die Stärke vom Ford Edge. Außerdem bietet er viel Platz für die Insassen und das Gepäck. Die serienmäßige Grundausstattung des Amis hat schon einiges zu bieten. Dazu zwei Jahre Garantie und alle 30.000 Kilometer zum Service in die Werkstatt. Das alles kostet in der günstigsten Modellvariante Trend ab 41.900 Euro. Die geteste ST-Line gibt es ab 49.100 Euro.

Allerdings zeigt er auch Schwächen wie zum Beispiel bei den verwendeten Materialien, der kleinen Motorenauswahl und bei bestimmten Detaillösungen. Seine beiden größten Probleme aber sind die Konkurrenten auf dem deutschen Markt und sein geringes Image hierzulande.

Der Testwagen Ford Edge wurde von Ford zur Verfügung gestellt.
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