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Osterreiten in der Lausitz

OsterreitenBornitz (25)Osterreiter in der Lausitz, Foto: D.Weirauch

Das Osterreiten ist der bekannteste Brauch der katholischen Sorben in der Oberlausitz. Betend und singend ziehen Pferde und Reiter über die Straßen und Feldwege nahe der sächsischen Städte Bautzen, Kamenz, Hoyerswerda und Ostritz. Osterreiten in der Lausitz

hier die Termine für 2019 in Bautzen

Osterreiten in der Lausitz

In zehn Prozessionen tragen etwa 1.600 festlich gekleidete Osterreiter im Gehrock und Zylinder auf geschmückten Pferden die frohe Botschaft der Auferstehung Christi in die Nachbarkirchgemeinde. Sie führen in ihrer Prozession Kirchenfahnen, das Kreuz und die Statue des Auferstandenen Jesus Christus mit. Die Straßen werden von Tausenden Zuschauern gesäumt. Und es gibt eine Menge zu Bestaunen. Das Pferdegeschirr ist silber- oder muschelbesetzt, die rote Satteldecke oftmals mit einem Osterlamm bestickt. Sorbische Kirchenlieder singend und traditionelle Gebete sprechend, verkünden die Osterreiter die Auferstehung. Aus dem ursprünglichen Winteraustreiben ist nunmehr das Überbringen der frohen Osterbotschaft geworden.

Die erste urkundliche Erwähnung dieses unter den katholischen Sorben verbreiteten Brauchs datiert aus dem Jahr 1490. Zwischen den bei Hoyerswerda gelegenen Orten Wittichenau und Ralbitz findet das Osterreiten seit 1540 ununterbrochen statt. In Bautzen gibt es nach Unterbrechung zu DDR-Zeiten seit 1993 wieder das Osterreiten. An den Vorbereitungen dafür nehmen fast alle Dorfbewohner teil.

Osterreiten Lange Vorbereitung

Bereits Tage vor dem Ostersonntag haben fleißige Helfer und Reiter alle Hände voll zu tun. Wer kein eigenes Pferd besitzt, muss sich eines „borgen“, das Reiten erlernen und das Pferd an sich gewöhnen. Zur österlichen Vorbereitung gehört auch, das Zaumzeug und den Sattel  zu putzen und polieren.

Osterreiter in der Lausitz
Osterreiter in der Lausitz

Der Osterbogen und das Kreuz werden mit grünem Laub umwickelt und geschmückt, die Hoffnungssträußchen werden gebunden. Bereits ab Karfreitag werden die Pferde, die meisten sind ausgeliehen, eingeritten und geputzt.

Osterreiter dürfen sich nicht begegnen

Akribisch wird die Route der Reiter festgelegt, denn jeder Prozessionszug, der aus mehreren Hundert Reitern und Pferden bestehen kann, darf dabei den anderen traditionell nicht kreuzen. Zudem sind die Prozessionsstrecken bewusst so gelegt, dass es ermöglicht wird, in so vielen Orten wie möglich die Botschaft zu verkünden.

OsterreitenBornitz (52)

Vor Beginn der Prozession wird gemeinsam der Ostergottesdienst gefeiert, danach umreiten die Osterreiter die Heimatkirche, werden gesegnet und begeben sich auf den Weg, die frohe Botschaft in Form von traditionellen Kirchenliedern ins Land zu tragen. Kurz vor Ausritt und teilweise auch zwischen den besuchten Dörfern wird laut gebetet. Nach dreistündigem Ritt werden die Reiter im Zielort verköstigt. Vor dem Heimritt gegen 15 Uhr wird gemeinsam vor dem Friedhof oder in der Kirche gebetet und die Reiter werden ebenfalls vom Pfarrer gesegnet.

Wo man Osterreiter trifft ?

Ostersonntag reisen zehntausende Besucher in die Oberlausitz, die mit zahlreichen, meist sorbischen Bräuchen wie Osterreiter-Prozessionen, kunstvollem Eierverzieren oder dem Eierschieben, eines der Zentren des Osterfestes ist. Wie vielerorts werden auch in den Dörfern Osterfeuer abgebrannt.

Osterreiter in der Lausitz
Osterreiter in der Lausitz sämtliche Fotos: D.Weirauch

Gegenwärtig gibt es in der katholischen Oberlausitz vier  Prozessionspaare mit und eine Prozession ohne Gegenbesuch. Die traditionellen Routen verlaufen zwischen den Orten Ralbitz nach Wittichenau, von Crostwitz in das Zisterzienserkloster St. Marienstern von Panschwitz-Kuckau, von Radibor nach Storcha, von Nebelschütz nach Ostro sowie von Bautzen nach Radibor und zurück.

Hier die Termine für 2019.

Osterreiten Panschwitz – Kuckau

kunstvoll verzierte Ostereier, entdeckt in Bauten, Foto: D.Weirauch

Unter dem Link findet ihr  Zeiten, wann die Osterreiter wo und wann losreiten bzw. zurückkommen.

hier die Termine für Bautzen und Umgebung 2019

Wer sind die Sorben ?

Hier die infos von der seite sorben.org:

“Die Sorben sind ein westslawisches Volk in der Lausitz. Nach der Sprache unterscheidet man Obersorben und Niedersorben (auch Wenden genannt). Die kulturellen Zentren sind Bautzen bzw. Cottbus. Einst siedelten die Vorfahren der heutigen Sorben, im Verlaufe der großen Völkerwanderung in den Jahren 600-900 n.Chr., in den Gebieten Elbe und Oder, bzw. Ostsee und Erzgebirge. Von dem kulturellen Reichtum zeugen u.a. die Stadte- und Ortsnamen in der Region. Zum Beispiel ist Dresden, der Name der Landeshauptstadt von Sachsen, vom altsorbischen Wort Dreždany ( Sumpf- oder Auwaldbewohner ) abgeleitet. Seit dem die Sorben im 10. Jahrhundert ihre Eigenständigkeit verloren haben, wurden sie mehr und mehr unterdrückt. Durch die wachsende Dominanz der deutschen Kultur und Sprache führte und führt immer mehr zum Verlust der Sorbischen Sprache und Kultur. Wie viele Sorben es noch gibt, kann niemand genau sagen. Man rechnet, dass es noch 20.000 aktiv sprechende Sorben gibt bzw. 60.000, die sagen “JA, ich bin Sorbe”. Sorbisch zählt inzwischen zu den am meisten bedrohten Sprachen, da viele Eltern ihre Sprache nicht an ihre Kinder weitergegeben. Diese Entwicklung wird mit großer Sorge verfolgt. In Zeiten, in denen Schulen geschlossen werden und kein Geld für Sorbisch-Sprachkurse und AGs in Schulen vorhanden ist, wird es mehr und mehr zum Kampf um jeden Millimeter. Die sorbische Sprache ist der entscheidende Identifikations-Faktor für die Menschen im sorbischen Siedlungsgebiet, außerdem die gelebten Bräuche und die Kultur. Für Sorben, die der Arbeit wegen in die Fremde ziehen, wird die Sprache umso wichtiger.”

Osterreiten in der Niederlausitz

Auch in diesem Jahr reiten die Oster-Boten mit ihren Buchsbaum-Kreuzen und Hoffnungssträußchen wieder durch die Niederlausitz. Die Prozession startet in Zerkwitz und führt durch die Nachbargemeinden. Wer einen der heiß begehrten Ostersträuße von den Reitern ergattern kann, kann sich glücklich schätzen! Die Gebinde sollen seinem Besitzer das ganze Jahr über Glück bringen!

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