Potsdam

Erlebbare Gartenkunst: Dr. Harri Günther zum 85.

Sanssouci-Luft (4)Sanssouci aus der Luft im Jahr 2016, Foto: D.Weirauch

Durch ihn wurde Gartenkunst erlebbar

Wenn Dr. Harri Günther aus seinem Fenster seiner Wohnung schaut, genießt er die Aussicht über die große Fontäne und die Terrassen hinauf zum Schloss Sanssouci. 33 Jahre wirkte er im Gartendirektionshaus als einer der Nachfolger des großen Gartengestalters Peter Joseph Lenné in dem er auch nach seiner Pensionierung 1994 weiter wohnt. Heute wird der einstige Sanssouci-Gartendirektor, den meine Familie auch als väterlichen Freund schätzt, 85 Jahre alt. Mit einem kleinen Empfang im Berliner Schloss Glienicke will ihn heute die Pückler-Gesellschaft ehren.

Dr. Harri Günther Foto: Jäzosch
Dr. Harri Günther Foto: Jäzosch

Dr. Günther gehört zu den Großen der Gartenkunst. Allein mehr als 120 Veröffentlichungen hat der Jubilar verfasst, darunter die „Bibliotheca hortensia“ und „Gärten der Goethezeit“. Zusammen mit Sibylle Harksen edierte er das Standardwerk, die Gartenpläne und Zeichnungen von Peter Joseph Lenné. Gibt man Dr. Günthers Namen bei Buchsuchmaschinen ein, so kommt eine erstaunliche Liste – meist nur noch antiquarisch erhältlicher – Bücher zusammen.

Obwohl der Jubilar bei vielen Veranstaltungen der Studiengemeinschaft Sanssouci oder des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte teilnimmt, ist seine Bescheidenheit fast legendär. Als Mitglied des Kuratoriums des Vereins der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten war er jahrzehntelang um den Erhalt der Schlösser und Gärten bemüht. Er hatte zunächst den Beruf eines Gärtners erlernt, dann am Institut für Garten- und Landeskultur der Humboldt-Universität Berlin studiert und promoviert. Von 1959 bis 1992 war er Gartendirektor in einem der bedeutendsten Gartenanlagen Ostdeutschlands.

Sanssouci Potsdam

1989, kurz vor Mauerfall, ehrte ihn die Bayrische Akademie der Wissenschaften mit dem Sckell-Ring, benannt nach dem Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) – er gestaltete u.a. den Englischen Garten in München aus. Sie gilt als höchste Auszeichnung für Landschaftsarchitekten, Gartenhistoriker und verwandte Berufe. Die Gartendenkmalpflege in beiden Hälften Deutschlands erhielt von ihm wesentliche Impulse.

Sein Nachfolger im Amt, Prof. Michael Seiler, würdigte Harri Günthers Schaffen mit den Worten: „Harri Günther hat es verstanden, unter schwierigsten äußeren Bedingungen den Glanz der Potsdamer Gärten wiederherzustellen, ja ihnen ein unbekanntes Maß gartendenkmalpflegerischer Mustergültigkeit zu verleihen. Ein Erbe, auf das die nachfolgende Generation aufbauen darf, und das verpflichtet. Seiler schlug bereits vor 15 Jahren vor, dass „die Stadt Potsdam Dr. Günther, wie seinem großen Vorgänger Lenné geschehen, für seine Verdienste die Ehrenbürgerwürde verleihen sollte.“

Günther legte nie Wert auf Ehrungen. Ihm ist sein Tun genug. Bescheiden eben.

Eng verbunden war der 1959 nach Potsdam Gekommene, im vogtländischen Reichenbach Geborene und im anhaltinischen Dessau Aufgewachsene mit dem begnadeten Staudenzüchter und lebensbejahenden Naturphilosophen Karl Foerster (1874-1979). Forster zaubert die „Blumenwälder im märkischen Gartensande“ von Bornim. Der Senkgarten Am Raubfang 6 mit Wohnhaus und Gärtnerei ist seit 1911 für Gartenfreunde aus aller Welt eine „Insel der Seligen“.

Seine frühen Wurzeln hat Günther immer gepflegt. So war das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Gartenreich Dessau Wörlitz für ihn mehr als ein privater Rückzugsort.