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Deutsches Spionage-Museum Berlin

Logo des Deutschen Spionagemuseum, Foto: DSMLogo des Deutschen Spionagemuseum, Foto: DSM

Jedermann kennt natürlich das älteste Gewerbe der Welt – aber welches dann gilt als das zweitälteste? Napoleon hat es seinerzeit treffend charakterisiert: „Ein Spion am rechten Ort ersetzt 20.000 Mann im Felde“. Jawohl – das Deutsche Spionagemuseum Berlin, das einzige seiner Art in Deutschland, vielleicht sogar in Europa, definiert Spionage als das zweitälteste Gewerbe der Welt. Nach der Prostitution. Dabei gibt es zwischen beiden natürlich auch viele Gemeinsamkeiten. Die Käuflichkeit beispielsweise.

Von der Bibel zu Napoleon, Mata Hari und Berlin

Schon lange vor unserer Zeitrechnung war Spionage „in“. Das geht etwa aus der Bibel hervor, der zufolge Moses etwa um 1220 v. Chr. zwölf Kundschafter nach Kanaan – dem heutigen Gebiet Syrien, Israel, Palästina  – schickt. Unter ihnen sind Kaleb und Josua. Und sie berichten nach ihrer Rückkehr von einem Land, in dem Milch und Honig fließen. So steht es in ihrem Bericht, also in ihrer-Spionage Aufzeichnung. Nach zu lesen im Alten Testament, im Vierten Buch Moses. In Ägyptens Phase des „Neuen Reichen“ (1550 bis 1070 v. Chr.) gab es Beamte, die Aufpasserfunktionen hatten – sie galten als „Augen des Pharao“. In seinem Buch „Die Kunst des Krieges“ widmet der chinesische General Sunzi der Spionage ein eigenes Kapitel. Griechen und Römer waren geradezu Meister geheimdienstlicher Mittel. Das Wort „Spionage“ basiert auf dem lateinischen „spicere“ (spähen, schauen, sehen). Unter Königin Elizabeth (1533 bis 1603) wurde Englands erster Geheimdienst gegründet.

Darf nicht fehlen: James Bond, Foto: DSM
Darf nicht fehlen: James Bond, Foto: DSM

Doch diese und ähnliche Darstellungen aus grauer Vorzeit sind im Berliner Spionagemuseum vielfach nur unter großen Schwierigkeiten zu entziffern, weil sie in gelber Schrift auf beigem Hintergrund zu finden sind – eine Unmöglichkeit selbst für die gesündesten Augen. Vielfach auch sind die an den Decken installierten Scheinwerfer so eingestellt, dass sie blenden – auch das ließe sich sicherlich korrigieren.

Kryptografie, Foto: DSM
Kryptografie, Foto: DSM

Verblüffend und erstaunlich zugleich: Die Organisatoren haben wahrhaft Großes geleistet, auch indem sie beispielsweise aus ihren 1 000 weltweit zusammen getragenen Exponaten mehr als 300 ausstellen, darunter eine originale Enigma-Verschlüsselungsmaschine aus der Nazizeit, seltene CIA-Kameras und – ja, auch Hollywood wird nicht ausgelassen – Requisiten aus James-Bond-Filmen. Da ist etwa der Universal-Export-Ausweis von James Bond alias Pierce Brosnan im Original zu bestaunen.

Aber zurück noch einmal zu den Anfängen: So spielt außer der Bibel auch Ramses eine „tragende Rolle“, jener ägyptische König, der von feindlichen Spionen fehlinformiert und damit an der Nase herum geführt wurde, so dass er mit seinem Heer in eine Falle geriet. Das war 1274 vor Christus. Aus Julius Caesars Buch „Über den Gallischen Krieg“ geht hervor, dass er sich im Detail über seine Feinde informierte – natürlich mittels vieler Spione. Etwa um 1588 hat Spanien die Absicht, die britische Königin zu beseitigen. Doch die hat ihre „Kundschafter“ – heute würde man formulieren „Geheimdienstler“ – in den Reihen ihrer Gegner und kann so entsprechende Pläne verhindern. Unter Königin Elizabeth übrigens (1533 bis 1603) wurde Englands erster Geheimdienst gegründet.

Blick in den Laserparcours, Foto: DSM
Blick in den Laserparcours, Foto: DSM

Um zur „Moderne“ überzuleiten: Ein Oberst Alfred Redl fungierte kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges von Wien aus als gut bezahlter Doppelagent und verriet dem Zarenreich Details des  österreichisch-ungarischen Aufmarschplans. Sehr interessant alles um die weltbekannt gewordene Spionin Mata Hari, in dem gleichnamigen, sagenumwobenen Film von 1931 dargestellt von Greta Garbo: Ihr bürgerlicher Name war Margaretha Gertruida Zelle, geboren am 7. August 1876 als Kind niederländischer Eltern. Sie war schon als Kind eine Schönheit, heiratete als 18jährige  einen niederländischen Kolonialoffizier. So kam sie nach Indonesien. Dort  begann ihre geradezu sagenhafte Karriere als Mitglied einer einheimischen Tanzgruppe. Sie nahm den Künstlernamen Mata Hari an: Dies entlehnte sie der Eingeborenensprache der Malay. Übersetzt: „Tag des Auges“, oder „Augenblick“. Nach ihrer Scheidung tingelte sie durch die Welt, genoss ihr Leben als exotische Tänzerin, Kurtisane, Lebedame. Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg neutral. So konnte sie ungehindert zwischen den verfeindeten Staaten hin und her reisen. Sie wurde die Geliebte eines russischen Generals, deutscher und französischer Diplomaten und Militärs – und von den Franzosen letztlich als Spionin angeklagt und verurteilt und am 15. Oktober 1917 im Alter von nur 41 Jahren durch ein Hinrichtungskommando erschossen.

Fassade des Deutschen Spionagemuseums, foto: DSM
Fassade des Deutschen Spionagemuseums, foto: DSM

Faszinierend sind auch Spionage-“Werkzeuge“, die in dem Berliner Museum ausgestellt werden. Etwa eine Minikamera, die in einer Zigarettenschachtel „untergebracht“ war, oder eine noch kleinere Pistole,  die in einem Lippenstift versteckt wurde. Spioninnen trugen sexy BHs, deren Manschettenknopf große Kameras bestechend scharfe Bilder lieferten. Zu sehen ist auch ein Exemplar der Enigma-Maschine. Mit solchen Geräten verschlüsselte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ihre Funksprüche – dabei hatte der polnische Mathematiker Marian Rejewski den entsprechenden Code schon 1932 „geknackt“, doch dieser unglaubliche Erfolg wurde natürlich geheim gehalten. Der Codeknacker Irving J. Good sprach in diesem Zusammenhang von einem „Theorem, das den 2. Weltkrieg entschied“ – Theorem ist im Griechischen wie auch im Lateinischen ein „Lehrsatz“, verwendet bevorzugt in Mathematik und Philosophie.

Ebenfalls dabei: der legendäre Trabi, Foto: DSM
Ebenfalls dabei: der legendäre Trabi, Foto: DSM

Ab 1945, also nach der Teilung Deutschlands, wurde das in vier Besatzungssektoren aufgeteilte Berlin so etwas wie die Spionagehauptstadt der Welt. Wobei auch wieder auf besondere Kuriositäten zu v erweisen ist: So wurde ein Regenschirm mit einer Giftspritze „bestückt“, mittels eines Glasauges wurden geheime Dokumente befördert, einer Familienkatze war ein Abhörgerät implantiert worden. Berlin nimmt in der Ausstellung zwangsläufig breiten Raum ein – erwähnt sei nur der aus Trümmern der Stadt aufgeschüttete Teufelsberg mit den Resten einer US-Abhörstation, die den Ostblock bis nach Moskau „abhörte“, oder die Glienicker Brücke, die heute Berlin mit Potsdam verbindet und auf der während des Kalten Krieges Ost und West Spione, die aufgeflogen waren, austauschte.

Schade, dass dieses außergewöhnliche Museum seine Schätze nicht zumindest andeutungsweise in einer kleinen Broschüre – für vielleicht fünf Euro – darstellt. So etwas könnte ein Verkaufsknüller werden.

Informationen

Adresse: Deutsches Spionagemuseum Berlin, Leipziger Platz  9, 10117 Berlin

Anfahrt: S- und U-Bahnhof Potsdamer Platz, Tel. 030 398 200 45 1

geöffnet: Täglich 10 bis 20 Uhr,

Eintritt: Erwachsene 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Familie 35 Euro, Kinder frei bis 6 Jahre, stündlich öffentliche Führung 8/5 Euro

Homepage des Deutschen Spionagemuseums

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