Schlösser und Burgen

In Berlin und Brandenburg kennen wir jedes Schloss und auch jeden Park. Verschiedene Etappen der Burgenstraße sind wir abgeradelt. Ständig lernen wir neue Burgen und Schlösser kennen. Daran können die Leser von einfachraus.eu teilhaben

Schlösser und Burgen

Burgenstrasse: Sesslach

Sesslach (234)Im Landgasthof "Roter Ochse" bei Familie Franz gibt es die besten Schäufele

Heute wieder eine Etappe auf der Burgenstraße. Wir besuchen Seßlach, eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Coburg. Begleiten Sie uns auf einem Burgenstrasse: Spaziergang durch Sesslach

Das Rathaus von Sesslach
Das Rathaus von Sesslach

Vom Rathaus vor dem Marktplatz gelangen wir über den Konrad-Hartig-Platz zur Pfarrkirche St. Johannes des Täufers. Rechter Hand liegt das ehemalige fürstbischöfliche Amtsmagazin(Salzfaktorei). Durch das Hattersdorfer Tor erblicken wir in der Ferne die barocke Friedhofskapelle. Im ehemaligen Getreideschüttboden besichtigen wir das Heimatmuseum. Da gegenwärtig das Rathaus und damit auch die Tourismus-Information umgebaut werden, hat der Gast für einige Zeit Heimatmuseum und Touri-Info an einem Ort.

Carolin Franz ist die Tourismuschefin von Sesslach
Carolin Franz ist die Tourismuschefin von Sesslach

Die junge und sehr engagierte Chefin Carolin Franz  gibt gern Auskunft und berät ihre Gäste über kulturelle Angebote ihrer Stadt und Region. Weiter geht es in unserem Rundgang durch die Pforte zu dem noch geschlossenen Wehrmauerring. Über den Geyersberg mit seiner im Privatbesitz befindlichen Burg gelangen wir durch das Geyersberger Tor zurück in die Altstadt. Eine stimmungsvolle Atmosphäre vermittelt der Krähwinkel mit seinen idyllischen Fachwerkhäusern und Plätzen. Der Gang entlang der inneren Stadtmauer führt uns zum Rothenberger Tor, wo sich in unmittelbarer Nähe das Panorama der Rodachbrücke mit Nepomukfigur und Kreuzigungsgruppe befinden – u.a. Kulisse im Martin-Luther-Film.

Entlang der Flendernstraße geht es zum Maximiliansplatz mit seinen schönen Häusern. Hier sticht besonders das frühere Amtsgericht mit seinen Treppengiebeln heraus.

Blick auf die Kommunbrauerei in Sesslach
Blick auf die Kommunbrauerei in Sesslach

Gleich daneben wird das beliebte Seßlacher Bier im Kommunbrauhaus gebraut. Es lohnt ein Blick nach oben.Temporäre tierische Gäste sind von April bis August auch ein Storchenpaar, das die Seßlacher aus seinem ganz in der Nähe befindlichen Nest aus der Höhe begrüßt. Wer diese noch näher beobachten möchte, der übernachte im vorzüglichen Gästehaus des Pörtnerhofes im Prachtzimmer, dann hat er die Störche ganz nah.

Wer eine Ruhepause braucht, kehrt im Roter Ochse ein, wo es die beste Schäufele, eine oberfränkische Spezialität, geben soll. Direkt gegenüber im Landgasthof schmeckt unseren Wanderfreunden die Leberknödelsuppe, von Seßlachern auch „Überlebenssuppe“ tituliert.

Schaut selbst, wie mittelalterlich und gastfreundlich Seßlach seinen Besuchern präsentiert.

Übernachten, beispielsweise im “Pörtnerhof” im Stadtzentrum oder direkt gegenüber dem Kommunbräuhaus im Gästehaus des Pörtnerhofes.

Liebevoll restauriert: Gästehaus des "Pörtnerhofes"
Liebevoll restauriert: Gästehaus des “Pörtnerhofes”
Bietet mediterrane Küche: "Pörtnerhof" in Sesslach
Bietet mediterrane Küche: “Pörtnerhof” in Sesslach

Hier geht es zur Homepage des so bezaubernden Ortes Seßlach.

Und hier zur Burgenstraße.

Der Verein Burgenstraße hat die Recherche entlang der Burgenstraße unterstützt.

Hier geht es zu weiteren Stationen auf der Burgenstraße in Franken: Cadolzburg.

PotsdamSchlösser und Burgen

Was in den Briefen der Kaiserin steht

Kaiserbrief_15Die Briefe an Auguste Victoria überdauerten die Zeiten in einem verborgenen Schrank. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Seit Mitte Juni 2018 zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Potsdamer Neuen Palais die Ausstellung „Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918“. Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen wurde mehrfach versucht, den historischen Juwelentresor der Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921), für den keine Schlüssel mehr vorhanden sind, auf denkmalverträgliche Art wieder zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang gelang es, während des Ausstellungsaufbaus zumindest einen verschlossenen Schrank über dem Tresor zu öffnen. In ihm befanden sich zwei aus Eichenholz gezimmerte Transportkisten, eine Lederschatulle mit dem Monogramm Auguste Victorias und eine Dokumentenmappe. Sie enthalten teils geöffnete und teils noch versiegelte Korrespondenzen, die zwischen 1883 und 1889 an die damalige Prinzessin Auguste Victoria (1858-1921) gerichtet waren, die 1888 Kronprinzessin und im selben Jahr noch Königin von Preußen sowie deutsche Kaiserin wurde. Was in den Briefen der Kaiserin steht

Blick in die erste der zwei Transportkisten mit den Korrespondenzen. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Blick in die erste der zwei Transportkisten mit den Korrespondenzen. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Die beiden Kisten mit vermutlich rund  1.000 Briefen wurden vor 130 Jahren vermutlich während des Einzugs Kaiser Wilhelms II. (1859-1941) und Auguste Victorias ins Neue Palais aus dem Berliner Schloss nach Potsdam geschickt – und vergessen. Als vor 100 Jahren die ehemalige Kaiserin nach der Revolution am 21. November 1918 das Neue Palais verließ und kurz darauf ins niederländische Exil reiste, ließ sie die Briefe zurück, die seither unbeachtet in diesem verborgenen Schrank allen Wirren und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts zum Trotz überdauerten. Tausende Besucherinnen und Besucher des Schlosses gingen Jahr für Jahr ahnungslos daran vorüber.

Vier Gänsekiele, die vermutlich von Auguste Victoria verwendet wurden. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein.
Vier Gänsekiele, die vermutlich von Auguste Victoria verwendet wurden. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein.

Nach einer ersten Sichtung handelt es sich in erster Linie um private Korrespondenzen mit engen Familienmitgliedern und weiteren Verwandten, wie zum Beispiel der englischen Queen Victoria (1819-1901). Obwohl der völlig überraschende Fund noch nicht im Detail untersucht werden konnte, darf man schon jetzt von einem Sensationsfund sprechen, der möglicherweise auch ein neues Licht auf die letzte deutsche Kaiserin und ihre Zeit zu werfen vermag. Der Briefschatz wird bis zum Ende der Ausstellung „Kaiserdämmerung“ am 12. November 2018 am Fundort im Neuen Palais ausgestellt. Anschließend sollen die Dokumente wissenschaftlich erschlossen werden.

Original versiegelte Briefe

In der ersten Kiste lagerten Korrespondenzen aus den Jahren 1883 bis 1886. Sie wurde 1886 verschlossen. Alle Briefumschläge sind von Auguste Victoria persönlich beschriftet worden. Die Kuverts sind noch original versiegelt. Sie tragen auf der Rückseite das in rotem Wachs eingebettete Allianzwappen Preußens und Schleswig-Holsteins. Das Siegel weist somit Auguste Victoria, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, als Besitzerin aus. Insgesamt handelt es sich um 67 Umschläge, in denen sich jeweils mehrere Briefe befinden. Da die meisten Umschläge sehr dick sind, können sie bis zu 10 Briefe enthalten. Vorsichtig geschätzt, handelt es sich um mindestens 400 Briefe.

ckseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Rückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Original versiegelte Rückseite des Kuverts mit den Briefen der Königin von England. Foto: SPSG/Jörg Kirschstei
Original versiegelte Rückseite des Kuverts mit den Briefen der Königin von England. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Wer der Kaiserin schrieb

Die Absender sind in der Regel Familienmitglieder. Dazu gehören von preußischer Seite Schreiben der Kaiserin Augusta (1811-1890, 3 Umschläge), des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (Kaiser Friedrich III., 1831-1888, 1 Umschlag) und der Kronprinzessin Victoria (1840-1901, 5 Umschläge). Ein Konvolut nennt die Oberhofmeisterin Auguste Victorias, Therese Gräfin von Brockdorff (1846-1924, 4 Umschläge), als Absender. Die Mehrzahl der Briefe sind von Mitgliedern des Hauses Schleswig-Holstein geschrieben worden. Von holsteinischer Seite sind hervorzuheben Auguste Victorias Mutter Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg (1835-1900, 7 Umschläge), ihre Schwestern Karoline Mathilde „Calma“ (1860-1932, 13 Umschläge) und Louise Sophie „Jaja“ (1866-1952, 4 Umschläge), ihrem Onkel Christian (1831-1917), der mit Helena (1846-1923), einer Tochter von Queen Victoria, verheiratet war (6 Umschläge). Darüber hinaus ist ein dicker Umschlag mit Briefen von Georg Ernst Hinzpeter (1827-1907), dem Erzieher Kaiser Wilhelms II., zu erwähnen. Recherchiert hat vor allem Jörg Kirschstein, ein studierter Archivar und Preußenkenner. Er ist auch Kurator der Schau im Neuen Palais.

Zweite Kiste noch ungeöffnet

Die zweite Transportkiste aus dem Jahr 1888 ist noch verschlossen. Laut Beschriftung enthält sie ausschließlich Briefe, die die Geburt und die Erziehung der Söhne Auguste Victorias thematisieren. Zu diesem Zeitpunkt war der älteste Sohn Kronprinz Wilhelm (1882-1951) 6 Jahre alt, es folgten Eitel Friedrich (1883-1942), Adalbert (1884-1948), August Wilhelm (1887-1949) und Oskar (1888-1958). Die Schatulle, auf deren Deckel sich ein in Leder geprägtes Monogramm der Kaiserin befindet, ist ebenfalls angefüllt mit Briefen. Die noch verschlossenen Umschläge sind ebenfalls von der Hand der Kaiserin beschriftet worden. Bemerkenswert ist ein Kuvert mit dem Text „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“ sowie „Briefe von der Königin von England“.

Briefkuvert: „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Briefkuvert: „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
ückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Rückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Die letzte Kaiserin

Auguste Victoria war seit 1881 mit Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm II., verheiratet. Das Prinzenpaar bewohnte in den 1880er Jahren in Potsdam das Marmorpalais im Neuen Garten als Sommerwohnsitz und das Stadtschloss als Winterresidenz. Der Lebensweg Auguste Victorias wurde durch die politischen Umstände ihrer Zeit stark geprägt. Als die Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg sechs Jahre alt war, wurde das Herzogtum Schleswig-Holstein 1864 dem Königreich Preußen als Provinz angegliedert. Die herzogliche Familie ging daraufhin ins Exil. Zehn Jahre nach der Gründung des Kaiserreiches heiratete das „Landmädel“ den Erben des preußischen Königsthrones. Im Alter von 29 Jahren wurde Auguste Victoria Königin von Preußen und deutsche Kaiserin.

aiserin Auguste Victoria, 1913, Aufnahme von T. H. Voigt, Bad Homburg. Foto: Sammlung Jörg Kirschstein, Potsdam
Kaiserin Auguste Victoria, 1913, Aufnahme von T. H. Voigt, Bad Homburg. Foto: Sammlung Jörg Kirschstein, Potsdam

Das Neue Palais ist mit dem Leben der Monarchin untrennbar verbunden. In der Regierungszeit Wilhelms II. – von 1888 bis 1918 – war der friderizianische Prachtbau der Hauptwohnsitz der kaiserlichen Familie. Auguste Victoria nahm als deutsche Kaiserin den höchsten gesellschaftlichen Rang Deutschlands ein. Sie erlebte den Aufstieg und den Untergang des Kaiserreichs. Der Erste Weltkrieg forderte Millionen Menschenleben, an seinem Ende brach die Monarchie zusammen.  Wilhelm II. und Auguste Victoria gingen ins niederländische Exil, wo die ehemalige Kaiserin 1921 verstarb.

Informationen zur Ausstellung:

„Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918“

  • noch bis bis 12. November 2018
  • Neues Palais, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam
  • Öffnungszeiten:
  • Täglich außer Dienstag
  • Juni bis 31. Oktober: 10 bis 17.30 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr
  • Ab 1. November: 10 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16.30 Uhr
  • Der Besuch der Ausstellung ist in den Besucherrundgang des Schlosses integriert.
  • Eintritt:
  • 8 Euro / ermäßigt 6 Euro
  • Familienkarte:
  • 2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder
  • (Kinder unter 18 Jahren): 25 Euro
  • Jahreskarte:
  • Für alle geöffneten Schlösser inkl. Ausstellungen,
  • gültig 1 Jahr ab Ausstellungsdatum: 60 Euro / ermäßigt 40 Euro
  • Besucherinformation:
  • E-Mail: info@spsg.de, Telefon: + 49 (0)331.96 94-200

 

ReiseSchlösser und Burgen

Burgenstraße: Ein Spaziergang durch Coburg

Coburg (322)Blick auf die Veste Coburg Foto: Weirauch

Natürlich ist die Veste Coburg das Higlight der fränkischen Stadt Coburg. Das hatte ich vor meinem Besuch schon gewußt. Trotzdem sollten Besucher neben einem Besuch der wie eine Krone über der Stadt thronenden gewaltigen Festung auch unbedingt die Stadt Coburg selbst besuchen. Dort warten viele Überraschungen auf eine Entdeckung. Im Rahmen unserer mehrtägigen Tour entlang der Burgenstraße waren wir im Frühsommer 2018 auch einen Tag dort und wollen hier darüber berichten. Wir wußten von Luthers Aufenthalt auf der Veste Coburg und vom Wirken Lucas Cranachs in der Stadt. Wir haben viel Neues erfahren, zu Victoria und Albert, Friedrich Rückert und Coburg, zur Coburger Bratwurst und die “Coburg Cobana”, das internationale Samba – Festival im historischen Ambiente.

1 Stunde wegFontaneSchlösser und Burgen

Auf Fontanes Spuren in Marquardt

Schloss MarquardtBlick vom Schlänitzsee auf das romantische Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

„Eine Meile hinter Bornstedt liegt Marquardt, ein altwendisches Dorf, ebenso anziehend durch seine Lage wie seine Geschichte. Wir passieren Bornim, durchschneiden den »Königsdamm« und münden unmerklich aus der Chaussee in die Dorfstraße ein, zu deren Linken ein prächtiger Park bis an die Wublitz und die breiten Flächen des Schlänitz-Sees sich ausdehnt.“ So leitet Theodor Fontane im Band „Havelland“ seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Kapitel über Marquardt ein.

Im Jahr 2019, wenn Fontanes 200. Geburtstag gefeiert und „Kulturland Brandenburg“ vor allem in Neuruppin an den berühmten „Märkischen Wanderer“ erinnern wird, wird auch das am Rande von Potsdam gelegene Schloss Marquardt hoffentlich eine Rolle spielen. Zumindest steht auf Seite 16 des von einer Arbeitsgruppe LAG Havelland erarbeiteten Konzeptes für eine überregionale  Theodor – Fontane – Fahrrad – Route  Marquardt. Dort soll zumindest eine Infotafel aufgestellt werden.

Spurensuche im Ort

„Schon jetzt fragen immer wieder mal Gäste nach den Stationen der  Erzählung von Theodor Fontane, die auch im Schloss spielen“, sagt Schlossmanager Christian Schulze. Auch nach der „Blauen Grotte“, über die Fontane schreibt, wird desöfteren gefragt. Niemand weiß genau, ob noch Reste des sagenumwobenen Bauwerkes im Boden schlummern. Seit dem 14. Jahrhundert erlebte das Gut viele adelige Familien. Einer der prominenten Besitzer war General Hans Rudolf von Bischoffwerder.

Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch
Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch

Als Mitglied der Rosenkreuzer ließ er die „Blaue Grotte“ anlegen, in der sich die Mitglieder des Geheimbundes zur Ausübung okkulter Rituale trafen. Auch der leichtgläubige König Friedrich Wilhelm II. soll hier einige spiritistische Sitzungen miterlebt haben. Die Grotte wurde allerdings von einem späteren Besitzer abgerissen, so die Ortsgeschichte, die sich vor allem auf Fontanes Ausführungen und die Kirchenbücher stützt.

Rosenkreuzer in Marquardt

Fontane schrieb u.a. „ Die Dorftradition sagt, er kam in Begleitung weniger Eingeweihter, meist in der Dämmerstunde,…, passierte nie die Dorfstraße, sondern fuhr über den »Königsdamm« direkt in den Park, hielt vor dem Schlosse und nahm nun an den Sitzungen teil. Man begab sich nach der »Grotte«, einem dunklen Steinbau, der im Parke, nach dem rosenkreuzerischen Ritual, in einem mit Akazien bepflanzten Hügel angelegt worden war. Der Eingang, niedrig und kaum mannsbreit, barg sich hinter Gesträuch. Das Innere der Grotte war mit blauem Lasurstein mosaikartig ausgelegt, und von der Decke herab hing ein Kronleuchter. In diese »blaue Grotte«, deren Licht- und Farbeneffekt ein wunderbarer gewesen sein soll, trat man ein; der König nahm Platz. Alsbald wurden Stimmen laut; leiser Gesang, wie von Harfentönen begleitet. Dann stellte der König Fragen, und die Geister antworteten. Jedesmal tief ergriffen, kehrte Friedrich Wilhelm ins Schloß und bald darauf nach Potsdam zurück.“

Existieren noch Reste der Grotte?

„Daß die Grotte eine doppelte Wandung hatte, ist seitdem, und zwar durch den jetzigen Besitzer, der den Bau öffnete, um sich von seiner Konstruktion zu überzeugen, über jeden Zweifel hinaus erwiesen worden. Die Lasursteine existieren noch, ebenso der Akazienhügel. Dennoch gibt es Personen, die den ganzen Schatz Marquardter Volkssage einfach für Fabel erklären. Ich kann diesen Personen nicht beistimmen. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß Bischoffwerder ein Rosenkreuzer war, …“

Die Geistergrotte, wie sie manche Dorfbewohner des heutigen Marquardt nennen, könnte einer der Höhepunkte  des Fontane Jubiläums werden. Über eine archäologische Suchgrabung wurde  mehrmals gesprochen. Doch still ruht der „Schlänitz“ See bei unserem Besuch im Juli 2018. Auch weisen keine Schilder auf die Sehenswürdigkeiten im Park hin. „Denkbar wäre ja eine Fontaneroute, ähnlich wie im Schlosspark von Plaue“, meint Schlossverwalter Schulze. Denn die nächsten authentischen „Fontaneorte“ sind nicht weit: Fährhaus Uetz und Schloss Paretz. Auch dem benachbarten Falkenrehde widmete Fontane einen Abschnitt   in seinen „Wanderungen“. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die Orte aneinander, die der wandernde Schriftsteller ein- oder mehrmals besuchte.

Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze Foto: Weirauch
Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze, Foto: Weirauch

Gern führt Christian Schulze durch die Räume des Schlosses, das zu Fontanes Zeiten ein einfaches Gutshaus war, und zeigt die restauratorischen Veränderungen der letzten Jahre. Ein Großteil der historischen Innenräume wurde mittlerweile aufwändig saniert, die Schwamm- und Feuchtigkeitsschäden sind beseitigt. Selbst feinste Holzvertäfelungen erstrahlen wieder wie neu.

Das Schloss selbst kann für Hochzeiten, Veranstaltungen und Buchlesungen gemietet werden. „Vielleicht ist die eine oder andere Lesung im kommenden Jahr darunter.“ Zahlreiche Bücher zu Fontane sind von Verlagen angekündigt.

Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch
Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

Fontaneforscher aus aller Welt besuchen immer wieder den heutigen Ortsteil von Potsdam. So waren unlängst Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen, zusammen mit Robert Rauh, Verfasser des Buches „Fontanes 5 Schlösser“ (bebra-Verlag), zu Gast in Marquardt.

Ein authentischer Ort

Dr. Radecke, an deren Forschungstelle die Tagebücher Fontanes digitalisiert werden (auch eine Buchausgabe ist geplant), brachte die im Notizbuch A 15, Blatt 70r, bislang noch nicht veröffentlichte Skizze Fontanes  (der Wanderer soll den Ort dreimal besucht haben) zum Standort und möglichen Aussehen der Blauen Grotte mit. So soll es in der Grotte einen Kronleuchter gegeben haben. Dr. Radecke: „Bei seinem Besuch 1869 hatte fontane nurn och Überreste der Grotte gesehen. Wann die Grotte abgetragen wurde, ist nicht bekannt.”  Sie kündigte weitere Recherchen,auch zu Fontanes Notizbuchaufzeichnung, an. Übrigens ist die Grotte auf dem von Peter Joseph Lenné 1823 gezeichneten Parkplan vermerkt.

Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen
Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen

Die renommierte Fontane-Expertin plädierte auch für eine archäologische Suchgrabung. Nur scheinen dafür keine Mittel vorhanden zu sein. Vergaß hier jemand die Beantragung von Fördermitteln, die es für andere Fontaneorte im Land gibt? Sicher wird die Stadtverwaltung Potsdam zum Thema Fontane – Jubiläum  ein eigenes Programm auflegen. Im Ort Marquardt jedenfalls scheint, im Gegensatz zu anderen Fontaneorten Brandenburgs, noch kein „Fontanefieber“ ausgebrochen zu sein. Mal abgesehen vom jährlichen Fontanelauf und den Initiativen Einzelner.

Fontanegerichte auf Teller

“Ein weites Feld” … hätte wohl Theodor Fontane geschrieben. Dabei kann es wirklich einfach sein.

Landgasthof "Zum Alten Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch
Landgasthof “Zum Alten Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Vielleicht gibt es ja im Jahr 2019 im Landgasthof „Zum Alten Krug“ einige zu Fontanes Zeit zubereitete Gerichte. Beispielsweise ein “Fontane – Menü” mit einer damals gern zubereiteten “Märkischen Petersiliensuppe” oder “Preußischen Biersuppe”. Als Hauptspeise könnte ein Märkisches Bauernkotelett auf Kartoffelpuffer gereicht werden. Als Dessert runden dann Buchweizenplinsen oder eine Birnensuppe mit Gries das Fontane-Menü ab. Noch ist etwas Zeit, doch die Köchin im Landgasthof “Zum Alten Krug” ist schon am Entwickeln eines Fontane-Menüs.

Witwe Bischoffwerder

Eine feste Konstante in Fontanes Jubeljahr ist Ramona Kleber, die gegenüber vom „Zum Alten Krug“ das Cafe „Lavendelhof“ betreibt. So sie Zeit hat, bringt die Stadtführerin als „Witwe Bischoffwerder“ den Gästen im historischen Kostüm die Geschichte von Schloss und Park näher. Sie wandelt dann auch den Spuren der sogenannten „weißen Witwe“ auf dem ihrem Anwesen gegenüberliegenden Kirchhof und im Schloss.

Grabkreuz hinter der Dorfkirche des Potsdamer Ortsteiles Marquardt Foto: D.Weirauch
Grabkreuz hinter der Dorfkirche Marquardt, Foto: Weirauch

An der Kirche beginnen meist ihre Führungen durch Park und Schloss. Hinter der Dorfkirche steht ein eisernes Grabkreuz mit dem Namen Wilhelm Hans Rudolph Ferdinand Bischoffwerder. Auf der Rückseite: „Der letzte seines Namens“. Besagter ist der Sohn der Witwe Wilhelmine Catherine von Bischoffwerder.

Die Witwe gehört übrigens zu den Schlossgeistern, die im Haus immer wieder mal spuken sollen, so Christian Schulze. Der andere Geist ist ein französischer Unteroffizier, ein Sergeant, der ebenfalls gelegentlich durch das Haus geistern soll. Im Schloss waren während der napoleonischen Belagerung Preußens Soldaten einquartiert. Einer von ihnen soll zuviel des guten Weines getrunken und sich laut Fontane im Weinkeller verirrt haben und gestorben sein. Auch der Keller kann besichtigt werden.

Treffpunkt für Fontanefreunde

Der kleine Ort  Marquardt, seit 2003 zur Landeshauptstadt Potsdam zugehörig, könnte 2019 durchaus im Reigen der „Fontane – Erinnerungen“ ein Anziehungspunkt sein. Vielleicht auch mit einer „Apfelkuchen – Station“ (die Fontane zwar in Wittenberg besuchte und die in seinem Roman „Stechlin“ Eingang fand). Raum für Ideen gibt es viele. Sicher haben ortsansässige Gewerbetreibende, wie das Obstgut Marquardt, schon ihre Fontane – Pfeile im Köcher.

Thomas Justin, der auskunftsfreudige Betreiber des Kleinen Marktes in Marquardt (im Bermudadreieck zwischen Dorfkirche, Lavendelhof und Landgasthof „Zum Alten Krug“) gelegen, verkauft u.a. bereits historische Postkarten von Schloss und Park sowie das vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V. herausgegebene Heft über das Marquardter Schloss.

Bevor wir den kleinen Dorfladen, den es seit 20 Jahren gibt, verlassen, sagt Herr Justin: „Herr Dr. Grittner, Ortschronist von Marquardt, bereitet auch eine Broschüre zu Fontane vor.“ Wolfgang Grittner bietet, wie Ramona Kleber, ebenfalls Führungen durch den Park an. Zudem verfasste er einige Aufsätze und Broschüren zur Ortsgeschichte. Das Heft zu Marquardt ist gegen eine Spende beim Freundeskreis erhältlich. Adresse: Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V., Voßstr. 22, 10117 Berlin E-Mail: freundeskreis@deutsche-gesellschaft-ev.de.

Fazit: Leider konnten wir kein koordiniertes Vorgehen zu Fontane 200 in Marquardt erkennen, anders beispielsweise im benachbarten Paretz, wo bereits jetzt Interessenten detailliert über sämtliche Veranstaltungen in 2019 informiert werden. Auch in Uetz, einem wie Marquardt authentischen Fontaneort, arbeiten Einwohner zusammen mit Henry Sawade (Fährhaus) an einem Fontaneprojekt.

Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam Foto: Weirauch
Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam, Foto: Weirauch

Informationen zu Marquardt

Schlossverwaltung

  • Schloss Marquardt
  • Hauptstraße 14, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Schloss-Manager Christian Schulze
  • Tel.  033208 57338 (nicht ständig erreichbar)
  • Mobil: 0173 4246053
  • E-Mail: info@schloss-marquardt.com
  • Homepage hier

Essen und Trinken:

Zum Alten Krug Marquardt

  • Michael Schulze
  • Hauptstraße 2, 14476 Potsdam
  • Telefon: 033208 572 33, 0162 1776175
  • Homepage hier
  • E-Mail: alterkrug-marquardt@t-online.de
  • Blick in die Gaststube des Landgasthauses "Alter Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto; D.Weirauch
    Blick in die Gaststube des Landgasthauses “Alter Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Lavendelhof Marquardt

  • Ramona Kleber und Holger Naumann
  • Ramona Kleber führt als Witwe Bischoffwerder durch den Park
  • Hauptstr. 3, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Tel. 033208 22187
  • Homepage hier
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann

KLEINER MARKT Getränkequelle

  • Thomas Justin
  • Hauptstraße 4, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Telefon: 033208 50680

Marquardter Heimatverein (in der Kulturscheune)

Besichtigung Dorfkirche

  • Schlüssel bei Familie Dr. Grittner im Park 1,
  • Tel.: 033208 57279
  • In Marquardt ist die Dorfkirche im Sommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch
    In Marquardt ist die Dorfkirche im Dommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch

Erreichbarkeit:

Zug: RB 21 (in der Woche stündlich, Wochenende alle zwei Stunden) und Bus 614 und 650 (ab Potsdam- Hbf)

Weiterführende Informationen zu Theodor Fontane:

Die Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt. Sie entsteht an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen und an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Aufgrund ihrer komplexen Beschaffenheit galten Fontanes 67 Notizbücher bislang als nicht edierbar. Das Zusammenwirken philologischer und digitaler Methoden sowie die Arbeit in der Virtuellen Forschungsumgebung TextGrid ermöglicht nun die erste kommentierte Gesamtedition.

  • Theodor – Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen
  • Seminar für Deutsche Philologie, Dr. Gabriele Radecke
  • Käte-Hamburger-Weg 3
  • D-37073 Göttingen
  • Tel.: +49 (0)551 – 39 10854
  • E-Mail: fontane-notizbuecher@uni-goettingen.de
  • Homepage hier

Kulturland Brandenburg mit dem Projekt fontane 200

Fachhochschule Potsdam mit einer sehenswerten Schau “Warum eigentlich Fontane ?”

Fontanes 5 Schlösser von Robert Rauh, erschienen im bebra-Verlag. Der be.bra-Verlag kündigt bereits „Fontane und die Frauen“ aus der Feder von Robert Rauh an.

lesenswerter Blog Wanderungen zu Fontane

Theodor-Fontane- Archiv an der Universität Potsdam

Theodor–Fontane-Gesellschaft in Neuruppin

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

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Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Fürstenloge, die Ränge und die Decke Foto: Achim BunzMarkgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Fürstenloge, die Ränge und die Decke Foto: Achim Bunz

Richard Wagner und Bayreuth wäre wohl nicht zustande gekommen, wenn es nicht das Markgräfliche Opernhaus im Zentrum der Residenzstadt gegeben hätte. Obwohl das Markgräfliche Opernhaus für Wagners Zwecke zu klein war, war er von der Stadt Bayreuth begeistert und wählte  Bayreuth als Festspielort. Zur  Grundsteinlegung seines Festspielhauses auf dem Grünen Hügel dirigierte Wagner am 22. Mai 1872 Beethovens 9. Sinfonie im Markgräflichen Opernhaus. Heute ein weiterer Teil der Serie Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

Markgräfliches Opernhaus

Mittlerweile ist das Festspielhaus von Wagner berühmter als das Markgräfliche Opernhaus. Das ändert sich gerade. Denn seit  2012 gehört das unter Markgräfin Wilhelmine, einer Schwester Friedrich des Großen, errichtete Markgräfliche Opernhaus zum UNESCO-Weltkulturerbe und steht damit auf einer Stufe mit Schloss Sanssouci, dem Taj Mahal oder der Chinesischen Mauer.  Die preußische Prinzessin gilt als eine der bedeutendsten Frauengestalten im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Sie machte aus Bayreuth eine strahlende Kulturmetropole. Ihr Lieblingsprojekt und zugleich prächtigster Spielort war das Markgräfliche Opernhaus.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild Foto: Achim Bunz

Besuchermagnet

Seit April 2018 ist das Markgräfliche Opernhaus schlichtweg der Besuchermagnet in Bayreuth.  Nach sechs Jahren aufwendiger Restaurierung und Sanierung hieß es im April 2018 „Vorhang auf“ für das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth. Aus aller Welt kommen die Besucher, berichtet  Dr. Thomas Rainer von der Bayerischen Schlösserverwaltung bei unserem Besuch im Rahmen unserer Tour entlang der Burgenstraße.

Freut sich über mehr Besucher: Der Pressesprecher von Bayreuth Tourismus, Foto: Weirauch
Freut sich über mehr Besucher: Frank Nicklas, Pressesprecher von Bayreuth Tourismus, Foto: Weirauch

Festarchitektur

„Das Markgräfliche Opernhaus gilt als das besterhaltene Beispiel eines freistehenden barocken Hoftheaters.“  Vorbild waren die größten Opernhäuser der Zeit in Wien, Venedig oder Dresden. Der Zuschauerraum gehört zu den spektakulärsten Schöpfungen der europäischen Festarchitektur des Barock. Ein Opernhaus für die Hochzeit der Tochter Die Entstehungsgeschichte hört sich spannend an.Treibende Kraft hinter dem Ausnahmeprojekt war die musik- und theaterbegeisterte Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (1709-1758). Anlass der Errichtung war die 1748 mit großem Aufwand gefeierte Hochzeit ihrer einzigen Tochter, Elisabeth Friederike Sophie, mit Herzog Carl Eugen von Württemberg. Als Architekt des neuen Opernhauses wurde der führende Theaterarchitekt der Zeit, der zuvor für den Wiener Kaiserhof tätige Italiener Giuseppe Galli Bibiena verpflichtet. Die Bauaufsicht vor Ort übernahm sein Sohn Carlo Galli Bibiena, der bis zum Tod der Markgräfin zahlreiche Bühnenbildentwürfe und Festdekorationen schuf.

Logenhaus im Gebäude

Ich habe in den letzten Jahren schon verschiedene Schlosstheater besucht (u.a. im Neuen Palais in Potsdam, auf Schloss Großkochberg bei Weimar, Meiningen oder im Schloss Friedenstein in Gotha). Jedes dieser Theater ist ein Kunstwerk für sich. Das Markgräfliche Opernhaus folgt dem Typus des italienischen Logentheaters. Das aus Holz und Leinwand gefertigte, vollständig erhaltene Logenhaus ist als selbsttragende Konstruktion in die steinerne Gebäudehülle eingestellt. Von aussen sieht es relativ einfachaus, fügt sich in die Straßenfront gut ein. Dr. Rainer berichtet, dass der Innenausbau des Theaters in an heutigen Maßstäben gemessen recht kurzer Zeit erfolgte. „Mit zum Teil vorgefertigten und außerhalb der Baustelle bemalten hölzernen Architekturgliedern und gefassten Skulpturen.“ In weniger als vier Jahren Bauzeit entstand von 1744 bis 1748 dieses Meisterwerk barocker Festarchitektur.

Originale Farbigkeit

2018, bei unserem Besuch Ende Mai, konnten wir die ursprüngliche Farbigkeit des Logenhauses erleben. Mit zahlreichen illusionistischen Effekten erzeugt die barocke Malerei ein überwältigendes Raumerlebnis.

Zuschauerraum und Bühne bilden eine Einheit. Dem großen, von Säulen gerahmten Bühnenportal steht an der Rückseite des Zuschauerraums die Fürstenloge gegenüber. Wie an der Bühnenfront dient auch hier das Skulpturenensemble der Lobpreisung des Markgrafenpaares.  Das Besondere ist der Originalzustand. Lediglich der originale Bühnenvorhang fehlt. Dr. Rainer: ”  Der ursprüngliche Vorhang des Markgräflichen Opernhauses wurde nicht, wie es in einer oft erzählte Legende heißt, von Napoleon geraubt. Er ging bereits vor der Zeit der französischen Besatzung zu Grunde. Napoleon – obwohl er zweimal in Bayreuth war – hat das Markgräfliche Opernhaus wahrscheinlich nie von Innen gesehen.”

Blick zur Bühne des Markgräfliches Opernhaus Bayreuth mit neu rekonstruiertem Bühnenbild Foto: K.Weirauch
Blick zur Bühne des Markgräfliches Opernhaus Bayreuth mit neu rekonstruiertem Bühnenbild Foto: K.Weirauch

Auf eine Besonderheit macht Dr. Rainer aufmerksam: „Die Fürstenloge wurde fast nie vom Markgrafenpaar genutzt. In der Mitte der ersten Reihe standen goldene Sessel, von denen aus das Geschehen auf der Bühne aus geringerer Entfernung beobachtet werden konnte.“

Im Gespräch mit einfachraus.eu spricht Kunsthistoriker Dr. Thomas Rainer über die Bedeutung des Markgräflichen Opernhauses zu Bayreuth.

So überdauerte das Markgräfliche Opernhaus die wirren der Zeit. Experten sehen das Markgräfliche Opernhaus als einzige Spielstätte, an der die Kunstgattung “Opera seria” als Repräsentationsform des politischen Systems des Absolutismus authentisch erlebt werden kann. Übrigens ist die Akustik die gleiche, wie vor 270 Jahren. Mag es draussen noch so laut sein. Im Innern hörten wir keine Nebengeräusche. Ein genialer Bau, der zu Recht zu dem Besten, was es weltweit gibt, gehört.

Praktische Informationen Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

  • Adresse: Opernstraße 14
  • 95444 Bayreuth
  • Telefon 0921 75969-22
  • Im Internet www.bayreuth-wilhelmine.de
  • geöffnet:
  • April-September: 9-18 Uhr
  • Oktober-März: 10-16 Uhr
  • täglich geöffnet
  • Eintrittspreise 2018
  • 8,- Euro regulär
  • 7,- Euro ermäßigt
  • Kombikarte
  • (Neues Schloss/ Markgräfliches Opernhaus)
  • 12,- Euro regulär
  • 10,- Euro ermäßigt

Museumsshop: www.kulturgut.de

nächstgelegene Bushaltestelle: Luitpoldplatz

Parkmöglichkeiten: Parkmöglichkeiten rund um die Bayreuther Innenstadt zu finden unter www.bayreuth.de.

Tipp:

Das Markgräfliche Opernhaus ist Teil der  “Europastraße Historische Theater”

Hier weitere Sehenswürdigkeiten in Bayreuth, wie dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel.

Hier geht es zur Seite von Frankentourismus.

ReiseSchlösser und Burgen

Burgenstraße: Romantische Kulisse für Freilichtspiele

Cadolzburg (27)Die Skulptur „Die Feder siegt über das Schwert“ vor der Cadolzburg, Foto: D.Weirauch

Wenn an der Burgenstraße die Saison für die Freilichtspiele beginnt, bilden zahlreiche Burgen und Schlösser sowie lauschige Plätze in der Altstadt der jewieligen Orte wieder die unvergleichliche Kulisse für Theater und Musik unter freiem Sternenhimmel. Burgenstrasse: Romantische Kulisse für Freilichtspiele  Dann heißt es entlang der beliebten Ferienstraße, die sich quer durch Süddeutschland von Mannheim bis nach Bayreuth schlängelt, wieder „Vorhang auf“ für Geschichten über Glück, Freundschaft, tragische Liebe, Hass, Schmerz und Verrat. Unter www.burgenstrasse.de sind die Open-Air-Veranstaltungen – vom Musical über die Komödie bis zum Kinderstück – entlang der 770 Kilometer langen Reiseroute aufgelistet. Burgenstrasse: Romantische Kulisse für Freilichtspiele

Heidelberger Schlossfestspiele

Schauspiel und erstklassige Musik finden während der Heidelberger Schlossfestspiele vom 8. Juni bis zum 29. Juli zueinander. Die Verse William Shakespeares erwachen zu neuem Leben, wenn seine schönsten Lieder, Sonette und Szenen am 7. und 10. Juni im Dicken Turm des Schlosses musikalisch interpretiert werden. Am 23. und 24. Juni verzaubert der Grammy-nominierte Mandolinenspieler Avi Avital das Publikum im Schlosshof. In den Genuss einer leidenschaftlichen Mischung von Swing, Tango und Jazz kommen Besucher am 26. und 29 Juli, wenn Enrique Ugarte und Brenda Boykin ihr Konzert „La Fiesta“ geben. Theaterfreunde können sich auf „Der Diener zweier Herren“, ein Stück aus der Feder des italienischen Komödien-Spezialisten Carlo Goldoni freuen, das am 29. Juni und 1. Juli im Schlosshof aufgeführt wird (www.theaterheidelberg.de/festival/heidelberger-schlossfestspiele/).

 Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall bieten alles – vom Klassiker bis zum Musical (www.freilichtspiele-hall.de). Auf der großen Treppe vor der Kirche St. Michael werden vom 9. Juni bis zum 24. August kritische und unterhaltsame Stücke in Szene gesetzt. Das Publikum kommt in den Genuss von Weltliteratur, wenn „Wilhelm Tell“ mit der Armbrust auf den Apfel auf dem Kopf seines Sohnes schießt. Das Musical „Saturday Night Fever“ entführt in die schillernde Discowelt im New York der 70er Jahre, die Revue „In der Bar zum Krokodil“, in der Protagonist Tony versucht, als Tänzer Karriere zu machen,  in die wilden 20er Jahre.

Rothenburg o.d.Tauber

 Das Toppler Theater in Rothenburg ob der Tauber bringt vom 27. Juni bis zum 20. August acht Theaterstücke auf die Bühne, zwei davon sind selbst produziert (www.toppler-theater.de). In der Eigenproduktion „Wir sind mal kurz weg“ von Tilmann von Bloomberg treffen vier orientierungslose Männer auf dem Jakobsweg aufeinander, die in der Midlife-Crisis stecken. Am Lagerfeuer überwinden sie ihre anfänglichen Hemmungen und reden über ihre Ängste vor Haarausfall und anderen Verfallserscheinungen. Dagegen steht im barocken Schelmenstück „Die Courasche“ eine Frau im Mittelpunkt.

Traumhafte Kulisse für Theater: Rothenburg o.d.T Foto: D.Weirauch
Traumhafte Kulisse für Theater: Rothenburg o.d.T Foto: D.Weirauch

Es erzählt die Lebensgeschichte von Courasche, der ersten Heldin, die je in einem deutschsprachigen Roman auftrat. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges führt sie ein erlebnisreiches, gefährliches und trotzdem lustbetontes und selbstbestimmtes Leben.

Cadolzburger Burgfestspiele

 Die Cadolzburger Burgfestspiele zeigen in diesem Sommer „Nisha“, ein Musical von Fritz Stiegler und Matthias Lange. Es wurde dem Ensemble auf den Leib geschrieben und greift topaktuelle sowie kritische Themen in gewohnt unterhaltsamer Weise auf. Musikalisch bewegt es sich zwischen Weltmusik, Rock-Pop und großen Filmmusik-Orchesterwerken, eingespielt von den Nürnberger Symphonikern. Schauplatz der Aufführungen ist der Burgvorhof vor der beeindruckenden Silhouette der Cadolzburg. Premiere ist am 21. Juni, gespielt wird bis zum 04. August 2018 (www.cadolzburger-burgfestspiele.de).

Blick auf die Cadolzburg Foto: D.Weirauch
Blick auf die Cadolzburg Foto: D.Weirauch

Klosterhofspiel in Langenzenn

 Langenzenn bietet gleich dreifaches Open-Air-Vergnügen: Die Klosterhofspiele zeigen vom 02.06. bis 28.07.2018  „Das Haus in Montevideo“, eine Komödie von Curt Goetz in einer Bearbeitung von Sue Rose. Moralische Werte sind das A und O in der Familie von Traugott Hermann Nägler. Mit dem Tod seiner Schwester und dem von ihr verfassten Testament wird Traugotts Ehrbarkeit auf eine harte Probe gestellt, denn die lukrative Erbschaft ist mit einer heiklen Bedingung verknüpft … Für die ganze Familie gibt es den Juli über das von Wilhelm Busch inspirierte Theaterstück „Maxi & Moritz“, aufgeführt vom Kinderensemble „die Klostermäuse“. Das Stück ab drei Jahren ist eine bunte Geschichte über zwei wilde Rotzlöffel. Auf der Bühne wird gereimt, getanzt, gesungen, gelacht und gefoppt (www.klosterhofspiele.de). Zudem zeigt die Hans-Sachs-Spielgruppe, die durch ihre erfolgreichen Theateraufführungen weit über die Grenzen der Region bekannt ist, erneut den „Jedermann“ nach Hugo von Hofmannsthal in der fränkischen Textfassung von Rudolf Kelchner. Schauplatz der Aufführungen vom 08.Juni bis 28. Juli 2018 ist der Rathaus-Innenhof (www.hans-sachs-spiele.de).

Rother Schlossfestspiele

Vom 21.07. bis 12.08. geht es bei den Rother Schlossfestspielen um den „Bürger als Edelmann“, eine Komödie von Jean Baptiste Molière. Die Aufführungen finden im idyllischen Innenhof des Schlosses Ratibor statt (www.schlosshofspiele-roth.de).

Rosenberg-Festspiele in Kronach

Bei den Rosenberg-Festspielen in Kronach wird vom 10. bis 29. Juni auf der über der Altstadt aufragenden Festung die Komödie „Don Camillo und Peppone“ aufgeführt sowie die komödiantische Oper „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch für Kinder und Familien hat das Freilichttheater auf einer der größten mittelalterlichen Festungsanlagen Deutschlands etwas dabei: Ottfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ (www.rosenbergfestspiele.de).

 Blick auf die Festung Kronach Foto: D.Weirauch

Blick auf die Festung Kronach, Foto: D.Weirauch

Über die Burgenstraße e.V.

Die 1954 ins Leben gerufene „Burgenstraße“ zählt zu den traditionsreichsten Ferienstraßen Deutschlands. Beginnend in Mannheim führt sie 770 Kilometer nach Bayreuth, vorbei an mehr als 70 Schlössern und Burgen durch die Landschaften des Neckartals, der Fränkischen Schweiz und des Frankenwaldes. Die Touristikroute gewährt Reisenden einen historischen Einblick in das Mittelalter, den Barock und den Klassizismus. Weitere Informationen unter www.burgenstrasse.de

 

+ Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

+ Sesslach an der Burgenstraße

+ Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz

+ Burgerlebniszentrum auf der Cadolzburg

+ einstige Markgräfliche Residenz Ansbach

+ Das Deutsche Burgenmuseum auf der Heldburg

+ Auf der Burgenstraße unterwegs

Die Recherche in Franken wurde ebenfalls  unterstützt von Franken Tourismus.