Schlösser und Burgen

In Berlin und Brandenburg kennen wir jedes Schloss und auch jeden Park. Verschiedene Etappen der Burgenstraße sind wir abgeradelt. Ständig lernen wir neue Burgen und Schlösser kennen. Daran können die Leser von einfachraus.eu teilhaben

ReiseSchlösser und Burgen

Burgen und Schlösser: Neuer Geist in altem Gemäuer

Cadolzburg (2)Blick auf die Cadolzburg Foto: D.Weirauch

Neuer Geist in altem Gemäuer. Wie Burgen und Schlösser an der Burgenstraße mit kreativen Ideen vor dem Verfall gerettet werden. Burgen und Schlösser faszinieren die Menschen seit eh und je – seien es die Bauwerke an sich oder die Vorstellung, wie Menschen hier früher gelebt haben. Doch solch alte Gemäuer sind teuer im Unterhalt und Erhalt – nichtsdestotrotz fühlen sich viele Burgbesitzer ihren Ahnen und der Gesellschaft gegenüber verpflichtet, die historischen Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. Auch an der Burgenstraße, die quer durch Süddeutschland zu über 70 Burgen und Schlössern führt, gibt es unterschiedlichste, oft kreative Ideen, wie die Bauten am Leben erhalten werden können …und nicht nur das: Wie ihnen neues, spannendes Leben eingehaucht wird. Hier einige Beispiele.

Schlösser und Burgen

Benvenuta primavera!

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Benvenuta primavera!

am kommenden wochenende soll eswieder shcönwerden. Also nix wie raus. Frühlingserwachen in Schloss und Park Glienicke zum Themenjahr “Italien in Potsdam. Sonderöffnung von Schloss Glienicke, Orangerie und Casino mit buntem Begleitprogramm

Sobald es Frühling wurde in Preußen, zog es Prinz Carl von Preußen (1801-1883) und seine Gemahlin Prinzessin Marie (1808-1877) samt Kinder, Hunde und Dienerschaft nach Glienicke, dem mediterranen Sehnsuchtsort an der Havel! Die Stiftung Preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) lädt herzlich ein, es Marie und Carl am 31. März gleich zu tun und den Frühlingssonntag auf dem Landgut Glienicke mit seinen lieblichen Wiesengründen am Havelufer zu verbringen. Nach den trüben Wintertagen lässt sich der Frühling am besten im Schlossgarten Glienicke mit seinem italienischen Flair begrüßen. Unter dem Motto “Benvenuta primavera!” wird ein unterhaltsames und umfangreiches Programm geboten, dazu gehören thematische Rundgänge und Kostümvorführungen. Das 1824 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtete Casino sowie die Orangerie mit ihrem exotischen Pflanzenbestand öffnen ihre Tore und warten auf ihre Entdeckung.

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SPSG_OrangerieGlienicke_DennisWeiss

Bei dem Konzert um 16 Uhr mit Jaroslav Sonsky (Violine) und Gesine Tiefuhr (Piano) können Sie den Tag in Glienicke ausklingen lassen.

Prinz Carl hatte Schloss und Schlossgarten aufgrund seiner Liebe zur italienischen Antike im klassizistischen Stil von Karl Friedrich Schinkel gestalten lassen. Das Anwesen war ein Ort für heitere, kulturelle Zusammenkünfte. Künstler und Gelehrte, Musiker und Reisende kamen nach Glienicke, wo inspirierende Lesungen, Konzerte und Feierlichkeiten stattfanden.

Das Glienicker Frühlingserwachen ist eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe “Italien in Potsdam”. Zum Themenjahr der Stadt Potsdam, inspiriert durch die Ausstellung “Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom” im Museum Barberini (13. Juli bis 6. Oktober), trägt auch die SPSG mit einem breit gefächerten Veranstaltungsprogramm bei – in königlich italienischem Rahmen!

Informationen

  • Schloss Glienicke, Königstraße 36, 14109 Berlin
  • Eintritt: 6 Euro / ermäßigt 5 Euro
  • Konzert 16 Uhr: 22 Euro / ermäßigt 19 Euro
  • Anmeldung Konzert: 030.34 70 33 44 oder info@konzerte-schloss-glienicke.de
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Was in den Briefen der Kaiserin steht

Kaiserbrief_15Die Briefe an Auguste Victoria überdauerten die Zeiten in einem verborgenen Schrank. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Seit Mitte Juni 2018 zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Potsdamer Neuen Palais die Ausstellung „Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918“. Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen wurde mehrfach versucht, den historischen Juwelentresor der Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921), für den keine Schlüssel mehr vorhanden sind, auf denkmalverträgliche Art wieder zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang gelang es, während des Ausstellungsaufbaus zumindest einen verschlossenen Schrank über dem Tresor zu öffnen. In ihm befanden sich zwei aus Eichenholz gezimmerte Transportkisten, eine Lederschatulle mit dem Monogramm Auguste Victorias und eine Dokumentenmappe. Sie enthalten teils geöffnete und teils noch versiegelte Korrespondenzen, die zwischen 1883 und 1889 an die damalige Prinzessin Auguste Victoria (1858-1921) gerichtet waren, die 1888 Kronprinzessin und im selben Jahr noch Königin von Preußen sowie deutsche Kaiserin wurde. Was in den Briefen der Kaiserin steht

Blick in die erste der zwei Transportkisten mit den Korrespondenzen. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Blick in die erste der zwei Transportkisten mit den Korrespondenzen. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Die beiden Kisten mit vermutlich rund  1.000 Briefen wurden vor 130 Jahren vermutlich während des Einzugs Kaiser Wilhelms II. (1859-1941) und Auguste Victorias ins Neue Palais aus dem Berliner Schloss nach Potsdam geschickt – und vergessen. Als vor 100 Jahren die ehemalige Kaiserin nach der Revolution am 21. November 1918 das Neue Palais verließ und kurz darauf ins niederländische Exil reiste, ließ sie die Briefe zurück, die seither unbeachtet in diesem verborgenen Schrank allen Wirren und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts zum Trotz überdauerten. Tausende Besucherinnen und Besucher des Schlosses gingen Jahr für Jahr ahnungslos daran vorüber.

Vier Gänsekiele, die vermutlich von Auguste Victoria verwendet wurden. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein.
Vier Gänsekiele, die vermutlich von Auguste Victoria verwendet wurden. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein.

Nach einer ersten Sichtung handelt es sich in erster Linie um private Korrespondenzen mit engen Familienmitgliedern und weiteren Verwandten, wie zum Beispiel der englischen Queen Victoria (1819-1901). Obwohl der völlig überraschende Fund noch nicht im Detail untersucht werden konnte, darf man schon jetzt von einem Sensationsfund sprechen, der möglicherweise auch ein neues Licht auf die letzte deutsche Kaiserin und ihre Zeit zu werfen vermag. Der Briefschatz wird bis zum Ende der Ausstellung „Kaiserdämmerung“ am 12. November 2018 am Fundort im Neuen Palais ausgestellt. Anschließend sollen die Dokumente wissenschaftlich erschlossen werden.

Original versiegelte Briefe

In der ersten Kiste lagerten Korrespondenzen aus den Jahren 1883 bis 1886. Sie wurde 1886 verschlossen. Alle Briefumschläge sind von Auguste Victoria persönlich beschriftet worden. Die Kuverts sind noch original versiegelt. Sie tragen auf der Rückseite das in rotem Wachs eingebettete Allianzwappen Preußens und Schleswig-Holsteins. Das Siegel weist somit Auguste Victoria, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, als Besitzerin aus. Insgesamt handelt es sich um 67 Umschläge, in denen sich jeweils mehrere Briefe befinden. Da die meisten Umschläge sehr dick sind, können sie bis zu 10 Briefe enthalten. Vorsichtig geschätzt, handelt es sich um mindestens 400 Briefe.

ckseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Rückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Original versiegelte Rückseite des Kuverts mit den Briefen der Königin von England. Foto: SPSG/Jörg Kirschstei
Original versiegelte Rückseite des Kuverts mit den Briefen der Königin von England. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Wer der Kaiserin schrieb

Die Absender sind in der Regel Familienmitglieder. Dazu gehören von preußischer Seite Schreiben der Kaiserin Augusta (1811-1890, 3 Umschläge), des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (Kaiser Friedrich III., 1831-1888, 1 Umschlag) und der Kronprinzessin Victoria (1840-1901, 5 Umschläge). Ein Konvolut nennt die Oberhofmeisterin Auguste Victorias, Therese Gräfin von Brockdorff (1846-1924, 4 Umschläge), als Absender. Die Mehrzahl der Briefe sind von Mitgliedern des Hauses Schleswig-Holstein geschrieben worden. Von holsteinischer Seite sind hervorzuheben Auguste Victorias Mutter Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg (1835-1900, 7 Umschläge), ihre Schwestern Karoline Mathilde „Calma“ (1860-1932, 13 Umschläge) und Louise Sophie „Jaja“ (1866-1952, 4 Umschläge), ihrem Onkel Christian (1831-1917), der mit Helena (1846-1923), einer Tochter von Queen Victoria, verheiratet war (6 Umschläge). Darüber hinaus ist ein dicker Umschlag mit Briefen von Georg Ernst Hinzpeter (1827-1907), dem Erzieher Kaiser Wilhelms II., zu erwähnen. Recherchiert hat vor allem Jörg Kirschstein, ein studierter Archivar und Preußenkenner. Er ist auch Kurator der Schau im Neuen Palais.

Zweite Kiste noch ungeöffnet

Die zweite Transportkiste aus dem Jahr 1888 ist noch verschlossen. Laut Beschriftung enthält sie ausschließlich Briefe, die die Geburt und die Erziehung der Söhne Auguste Victorias thematisieren. Zu diesem Zeitpunkt war der älteste Sohn Kronprinz Wilhelm (1882-1951) 6 Jahre alt, es folgten Eitel Friedrich (1883-1942), Adalbert (1884-1948), August Wilhelm (1887-1949) und Oskar (1888-1958). Die Schatulle, auf deren Deckel sich ein in Leder geprägtes Monogramm der Kaiserin befindet, ist ebenfalls angefüllt mit Briefen. Die noch verschlossenen Umschläge sind ebenfalls von der Hand der Kaiserin beschriftet worden. Bemerkenswert ist ein Kuvert mit dem Text „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“ sowie „Briefe von der Königin von England“.

Briefkuvert: „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Briefkuvert: „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
ückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Rückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Die letzte Kaiserin

Auguste Victoria war seit 1881 mit Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm II., verheiratet. Das Prinzenpaar bewohnte in den 1880er Jahren in Potsdam das Marmorpalais im Neuen Garten als Sommerwohnsitz und das Stadtschloss als Winterresidenz. Der Lebensweg Auguste Victorias wurde durch die politischen Umstände ihrer Zeit stark geprägt. Als die Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg sechs Jahre alt war, wurde das Herzogtum Schleswig-Holstein 1864 dem Königreich Preußen als Provinz angegliedert. Die herzogliche Familie ging daraufhin ins Exil. Zehn Jahre nach der Gründung des Kaiserreiches heiratete das „Landmädel“ den Erben des preußischen Königsthrones. Im Alter von 29 Jahren wurde Auguste Victoria Königin von Preußen und deutsche Kaiserin.

aiserin Auguste Victoria, 1913, Aufnahme von T. H. Voigt, Bad Homburg. Foto: Sammlung Jörg Kirschstein, Potsdam
Kaiserin Auguste Victoria, 1913, Aufnahme von T. H. Voigt, Bad Homburg. Foto: Sammlung Jörg Kirschstein, Potsdam

Das Neue Palais ist mit dem Leben der Monarchin untrennbar verbunden. In der Regierungszeit Wilhelms II. – von 1888 bis 1918 – war der friderizianische Prachtbau der Hauptwohnsitz der kaiserlichen Familie. Auguste Victoria nahm als deutsche Kaiserin den höchsten gesellschaftlichen Rang Deutschlands ein. Sie erlebte den Aufstieg und den Untergang des Kaiserreichs. Der Erste Weltkrieg forderte Millionen Menschenleben, an seinem Ende brach die Monarchie zusammen.  Wilhelm II. und Auguste Victoria gingen ins niederländische Exil, wo die ehemalige Kaiserin 1921 verstarb.

Informationen zur Ausstellung:

„Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918“

  • noch bis bis 12. November 2018
  • Neues Palais, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam
  • Öffnungszeiten:
  • Täglich außer Dienstag
  • Juni bis 31. Oktober: 10 bis 17.30 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr
  • Ab 1. November: 10 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16.30 Uhr
  • Der Besuch der Ausstellung ist in den Besucherrundgang des Schlosses integriert.
  • Eintritt:
  • 8 Euro / ermäßigt 6 Euro
  • Familienkarte:
  • 2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder
  • (Kinder unter 18 Jahren): 25 Euro
  • Jahreskarte:
  • Für alle geöffneten Schlösser inkl. Ausstellungen,
  • gültig 1 Jahr ab Ausstellungsdatum: 60 Euro / ermäßigt 40 Euro
  • Besucherinformation:
  • E-Mail: info@spsg.de, Telefon: + 49 (0)331.96 94-200

 

ReiseSchlösser und Burgen

Burgenstraße: Ein Spaziergang durch Coburg

Coburg (322)Blick auf die Veste Coburg Foto: Weirauch

Natürlich ist die Veste Coburg das Higlight der fränkischen Stadt Coburg. Das hatte ich vor meinem Besuch schon gewußt. Trotzdem sollten Besucher neben einem Besuch der wie eine Krone über der Stadt thronenden gewaltigen Festung auch unbedingt die Stadt Coburg selbst besuchen. Dort warten viele Überraschungen auf eine Entdeckung. Im Rahmen unserer mehrtägigen Tour entlang der Burgenstraße waren wir im Frühsommer 2018 auch einen Tag dort und wollen hier darüber berichten. Wir wußten von Luthers Aufenthalt auf der Veste Coburg und vom Wirken Lucas Cranachs in der Stadt. Wir haben viel Neues erfahren, zu Victoria und Albert, Friedrich Rückert und Coburg, zur Coburger Bratwurst und die “Coburg Cobana”, das internationale Samba – Festival im historischen Ambiente.

1 Stunde wegFontaneSchlösser und Burgen

Auf Fontanes Spuren in Marquardt

Schloss MarquardtBlick vom Schlänitzsee auf das romantische Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

„Eine Meile hinter Bornstedt liegt Marquardt, ein altwendisches Dorf, ebenso anziehend durch seine Lage wie seine Geschichte. Wir passieren Bornim, durchschneiden den »Königsdamm« und münden unmerklich aus der Chaussee in die Dorfstraße ein, zu deren Linken ein prächtiger Park bis an die Wublitz und die breiten Flächen des Schlänitz-Sees sich ausdehnt.“ So leitet Theodor Fontane im Band „Havelland“ seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Kapitel über Marquardt ein.

Im Jahr 2019, wenn Fontanes 200. Geburtstag gefeiert und „Kulturland Brandenburg“ vor allem in Neuruppin an den berühmten „Märkischen Wanderer“ erinnern wird, wird auch das am Rande von Potsdam gelegene Schloss Marquardt hoffentlich eine Rolle spielen. Zumindest steht auf Seite 16 des von einer Arbeitsgruppe LAG Havelland erarbeiteten Konzeptes für eine überregionale  Theodor – Fontane – Fahrrad – Route  Marquardt. Dort soll zumindest eine Infotafel aufgestellt werden.

Spurensuche im Ort

„Schon jetzt fragen immer wieder mal Gäste nach den Stationen der  Erzählung von Theodor Fontane, die auch im Schloss spielen“, sagt Schlossmanager Christian Schulze. Auch nach der „Blauen Grotte“, über die Fontane schreibt, wird desöfteren gefragt. Niemand weiß genau, ob noch Reste des sagenumwobenen Bauwerkes im Boden schlummern. Seit dem 14. Jahrhundert erlebte das Gut viele adelige Familien. Einer der prominenten Besitzer war General Hans Rudolf von Bischoffwerder.

Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch
Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch

Als Mitglied der Rosenkreuzer ließ er die „Blaue Grotte“ anlegen, in der sich die Mitglieder des Geheimbundes zur Ausübung okkulter Rituale trafen. Auch der leichtgläubige König Friedrich Wilhelm II. soll hier einige spiritistische Sitzungen miterlebt haben. Die Grotte wurde allerdings von einem späteren Besitzer abgerissen, so die Ortsgeschichte, die sich vor allem auf Fontanes Ausführungen und die Kirchenbücher stützt.

Rosenkreuzer in Marquardt

Fontane schrieb u.a. „ Die Dorftradition sagt, er kam in Begleitung weniger Eingeweihter, meist in der Dämmerstunde,…, passierte nie die Dorfstraße, sondern fuhr über den »Königsdamm« direkt in den Park, hielt vor dem Schlosse und nahm nun an den Sitzungen teil. Man begab sich nach der »Grotte«, einem dunklen Steinbau, der im Parke, nach dem rosenkreuzerischen Ritual, in einem mit Akazien bepflanzten Hügel angelegt worden war. Der Eingang, niedrig und kaum mannsbreit, barg sich hinter Gesträuch. Das Innere der Grotte war mit blauem Lasurstein mosaikartig ausgelegt, und von der Decke herab hing ein Kronleuchter. In diese »blaue Grotte«, deren Licht- und Farbeneffekt ein wunderbarer gewesen sein soll, trat man ein; der König nahm Platz. Alsbald wurden Stimmen laut; leiser Gesang, wie von Harfentönen begleitet. Dann stellte der König Fragen, und die Geister antworteten. Jedesmal tief ergriffen, kehrte Friedrich Wilhelm ins Schloß und bald darauf nach Potsdam zurück.“

Existieren noch Reste der Grotte?

„Daß die Grotte eine doppelte Wandung hatte, ist seitdem, und zwar durch den jetzigen Besitzer, der den Bau öffnete, um sich von seiner Konstruktion zu überzeugen, über jeden Zweifel hinaus erwiesen worden. Die Lasursteine existieren noch, ebenso der Akazienhügel. Dennoch gibt es Personen, die den ganzen Schatz Marquardter Volkssage einfach für Fabel erklären. Ich kann diesen Personen nicht beistimmen. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß Bischoffwerder ein Rosenkreuzer war, …“

Die Geistergrotte, wie sie manche Dorfbewohner des heutigen Marquardt nennen, könnte einer der Höhepunkte  des Fontane Jubiläums werden. Über eine archäologische Suchgrabung wurde  mehrmals gesprochen. Doch still ruht der „Schlänitz“ See bei unserem Besuch im Juli 2018. Auch weisen keine Schilder auf die Sehenswürdigkeiten im Park hin. „Denkbar wäre ja eine Fontaneroute, ähnlich wie im Schlosspark von Plaue“, meint Schlossverwalter Schulze. Denn die nächsten authentischen „Fontaneorte“ sind nicht weit: Fährhaus Uetz und Schloss Paretz. Auch dem benachbarten Falkenrehde widmete Fontane einen Abschnitt   in seinen „Wanderungen“. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die Orte aneinander, die der wandernde Schriftsteller ein- oder mehrmals besuchte.

Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze Foto: Weirauch
Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze, Foto: Weirauch

Gern führt Christian Schulze durch die Räume des Schlosses, das zu Fontanes Zeiten ein einfaches Gutshaus war, und zeigt die restauratorischen Veränderungen der letzten Jahre. Ein Großteil der historischen Innenräume wurde mittlerweile aufwändig saniert, die Schwamm- und Feuchtigkeitsschäden sind beseitigt. Selbst feinste Holzvertäfelungen erstrahlen wieder wie neu.

Das Schloss selbst kann für Hochzeiten, Veranstaltungen und Buchlesungen gemietet werden. „Vielleicht ist die eine oder andere Lesung im kommenden Jahr darunter.“ Zahlreiche Bücher zu Fontane sind von Verlagen angekündigt.

Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch
Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

Fontaneforscher aus aller Welt besuchen immer wieder den heutigen Ortsteil von Potsdam. So waren unlängst Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen, zusammen mit Robert Rauh, Verfasser des Buches „Fontanes 5 Schlösser“ (bebra-Verlag), zu Gast in Marquardt.

Ein authentischer Ort

Dr. Radecke, an deren Forschungstelle die Tagebücher Fontanes digitalisiert werden (auch eine Buchausgabe ist geplant), brachte die im Notizbuch A 15, Blatt 70r, bislang noch nicht veröffentlichte Skizze Fontanes  (der Wanderer soll den Ort dreimal besucht haben) zum Standort und möglichen Aussehen der Blauen Grotte mit. So soll es in der Grotte einen Kronleuchter gegeben haben. Dr. Radecke: „Bei seinem Besuch 1869 hatte fontane nurn och Überreste der Grotte gesehen. Wann die Grotte abgetragen wurde, ist nicht bekannt.”  Sie kündigte weitere Recherchen,auch zu Fontanes Notizbuchaufzeichnung, an. Übrigens ist die Grotte auf dem von Peter Joseph Lenné 1823 gezeichneten Parkplan vermerkt.

Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen
Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen

Die renommierte Fontane-Expertin plädierte auch für eine archäologische Suchgrabung. Nur scheinen dafür keine Mittel vorhanden zu sein. Vergaß hier jemand die Beantragung von Fördermitteln, die es für andere Fontaneorte im Land gibt? Sicher wird die Stadtverwaltung Potsdam zum Thema Fontane – Jubiläum  ein eigenes Programm auflegen. Im Ort Marquardt jedenfalls scheint, im Gegensatz zu anderen Fontaneorten Brandenburgs, noch kein „Fontanefieber“ ausgebrochen zu sein. Mal abgesehen vom jährlichen Fontanelauf und den Initiativen Einzelner.

Fontanegerichte auf Teller

“Ein weites Feld” … hätte wohl Theodor Fontane geschrieben. Dabei kann es wirklich einfach sein.

Landgasthof "Zum Alten Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch
Landgasthof “Zum Alten Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Vielleicht gibt es ja im Jahr 2019 im Landgasthof „Zum Alten Krug“ einige zu Fontanes Zeit zubereitete Gerichte. Beispielsweise ein “Fontane – Menü” mit einer damals gern zubereiteten “Märkischen Petersiliensuppe” oder “Preußischen Biersuppe”. Als Hauptspeise könnte ein Märkisches Bauernkotelett auf Kartoffelpuffer gereicht werden. Als Dessert runden dann Buchweizenplinsen oder eine Birnensuppe mit Gries das Fontane-Menü ab. Noch ist etwas Zeit, doch die Köchin im Landgasthof “Zum Alten Krug” ist schon am Entwickeln eines Fontane-Menüs.

Witwe Bischoffwerder

Eine feste Konstante in Fontanes Jubeljahr ist Ramona Kleber, die gegenüber vom „Zum Alten Krug“ das Cafe „Lavendelhof“ betreibt. So sie Zeit hat, bringt die Stadtführerin als „Witwe Bischoffwerder“ den Gästen im historischen Kostüm die Geschichte von Schloss und Park näher. Sie wandelt dann auch den Spuren der sogenannten „weißen Witwe“ auf dem ihrem Anwesen gegenüberliegenden Kirchhof und im Schloss.

Grabkreuz hinter der Dorfkirche des Potsdamer Ortsteiles Marquardt Foto: D.Weirauch
Grabkreuz hinter der Dorfkirche Marquardt, Foto: Weirauch

An der Kirche beginnen meist ihre Führungen durch Park und Schloss. Hinter der Dorfkirche steht ein eisernes Grabkreuz mit dem Namen Wilhelm Hans Rudolph Ferdinand Bischoffwerder. Auf der Rückseite: „Der letzte seines Namens“. Besagter ist der Sohn der Witwe Wilhelmine Catherine von Bischoffwerder.

Die Witwe gehört übrigens zu den Schlossgeistern, die im Haus immer wieder mal spuken sollen, so Christian Schulze. Der andere Geist ist ein französischer Unteroffizier, ein Sergeant, der ebenfalls gelegentlich durch das Haus geistern soll. Im Schloss waren während der napoleonischen Belagerung Preußens Soldaten einquartiert. Einer von ihnen soll zuviel des guten Weines getrunken und sich laut Fontane im Weinkeller verirrt haben und gestorben sein. Auch der Keller kann besichtigt werden.

Treffpunkt für Fontanefreunde

Der kleine Ort  Marquardt, seit 2003 zur Landeshauptstadt Potsdam zugehörig, könnte 2019 durchaus im Reigen der „Fontane – Erinnerungen“ ein Anziehungspunkt sein. Vielleicht auch mit einer „Apfelkuchen – Station“ (die Fontane zwar in Wittenberg besuchte und die in seinem Roman „Stechlin“ Eingang fand). Raum für Ideen gibt es viele. Sicher haben ortsansässige Gewerbetreibende, wie das Obstgut Marquardt, schon ihre Fontane – Pfeile im Köcher.

Thomas Justin, der auskunftsfreudige Betreiber des Kleinen Marktes in Marquardt (im Bermudadreieck zwischen Dorfkirche, Lavendelhof und Landgasthof „Zum Alten Krug“) gelegen, verkauft u.a. bereits historische Postkarten von Schloss und Park sowie das vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V. herausgegebene Heft über das Marquardter Schloss.

Bevor wir den kleinen Dorfladen, den es seit 20 Jahren gibt, verlassen, sagt Herr Justin: „Herr Dr. Grittner, Ortschronist von Marquardt, bereitet auch eine Broschüre zu Fontane vor.“ Wolfgang Grittner bietet, wie Ramona Kleber, ebenfalls Führungen durch den Park an. Zudem verfasste er einige Aufsätze und Broschüren zur Ortsgeschichte. Das Heft zu Marquardt ist gegen eine Spende beim Freundeskreis erhältlich. Adresse: Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V., Voßstr. 22, 10117 Berlin E-Mail: freundeskreis@deutsche-gesellschaft-ev.de.

Fazit: Leider konnten wir kein koordiniertes Vorgehen zu Fontane 200 in Marquardt erkennen, anders beispielsweise im benachbarten Paretz, wo bereits jetzt Interessenten detailliert über sämtliche Veranstaltungen in 2019 informiert werden. Auch in Uetz, einem wie Marquardt authentischen Fontaneort, arbeiten Einwohner zusammen mit Henry Sawade (Fährhaus) an einem Fontaneprojekt.

Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam Foto: Weirauch
Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam, Foto: Weirauch

Informationen zu Marquardt

Schlossverwaltung

  • Schloss Marquardt
  • Hauptstraße 14, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Schloss-Manager Christian Schulze
  • Tel.  033208 57338 (nicht ständig erreichbar)
  • Mobil: 0173 4246053
  • E-Mail: info@schloss-marquardt.com
  • Homepage hier

Essen und Trinken:

Zum Alten Krug Marquardt

  • Michael Schulze
  • Hauptstraße 2, 14476 Potsdam
  • Telefon: 033208 572 33, 0162 1776175
  • Homepage hier
  • E-Mail: alterkrug-marquardt@t-online.de
  • Blick in die Gaststube des Landgasthauses "Alter Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto; D.Weirauch
    Blick in die Gaststube des Landgasthauses “Alter Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Lavendelhof Marquardt

  • Ramona Kleber und Holger Naumann
  • Ramona Kleber führt als Witwe Bischoffwerder durch den Park
  • Hauptstr. 3, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Tel. 033208 22187
  • Homepage hier
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann

KLEINER MARKT Getränkequelle

  • Thomas Justin
  • Hauptstraße 4, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Telefon: 033208 50680

Marquardter Heimatverein (in der Kulturscheune)

Besichtigung Dorfkirche

  • Schlüssel bei Familie Dr. Grittner im Park 1,
  • Tel.: 033208 57279
  • In Marquardt ist die Dorfkirche im Sommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch
    In Marquardt ist die Dorfkirche im Dommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch

Erreichbarkeit:

Zug: RB 21 (in der Woche stündlich, Wochenende alle zwei Stunden) und Bus 614 und 650 (ab Potsdam- Hbf)

Weiterführende Informationen zu Theodor Fontane:

Die Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt. Sie entsteht an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen und an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Aufgrund ihrer komplexen Beschaffenheit galten Fontanes 67 Notizbücher bislang als nicht edierbar. Das Zusammenwirken philologischer und digitaler Methoden sowie die Arbeit in der Virtuellen Forschungsumgebung TextGrid ermöglicht nun die erste kommentierte Gesamtedition.

  • Theodor – Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen
  • Seminar für Deutsche Philologie, Dr. Gabriele Radecke
  • Käte-Hamburger-Weg 3
  • D-37073 Göttingen
  • Tel.: +49 (0)551 – 39 10854
  • E-Mail: fontane-notizbuecher@uni-goettingen.de
  • Homepage hier

Kulturland Brandenburg mit dem Projekt fontane 200

Fachhochschule Potsdam mit einer sehenswerten Schau “Warum eigentlich Fontane ?”

Fontanes 5 Schlösser von Robert Rauh, erschienen im bebra-Verlag. Der be.bra-Verlag kündigt bereits „Fontane und die Frauen“ aus der Feder von Robert Rauh an.

lesenswerter Blog Wanderungen zu Fontane

Theodor-Fontane- Archiv an der Universität Potsdam

Theodor–Fontane-Gesellschaft in Neuruppin

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz