Potsdam

Hier finden Sie Interessantes zur Stadt Potsdam und Umgebung. Viele Ideen die den Besuch der Landeshauptstadt von Brandburg noch spannender machen ,werden hier einfach und verständlich erklärt. Es geht darum keine langen Geschichten über Potsdam in einem Monolog darzulegen sondern die Geheimtipps denen zu geben die wirkliches Interesse in Potsdam haben.

1 Stunde wegFontanePotsdam

Fontaneort: Die Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz

Uetz (2)

Einer der authentischsten Fontaneorte im Land Brandenburg ist das im Norden von Potsdam gelegene Dorf Uetz. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht gehörten Bornstedt, Marquardt, Uetz und Paretz zur Reiseroute Theodor Fontanes. Er besuchte die Orte um 1865 mehrmals.

In seinem Band „Havelland“ der Wanderungen widmet Fontane Uetz (das seit 1961 Teil des Doppeldorfes Uetz – Paaren ist) ein eigenes Kapitel. Darin beschreibt er unter anderem ein Gespräch mit dem  Fährmann. Wahrscheinlich war es der Fährmann (oder dessen Sohn), der 60 Jahre zuvor das preußische Königspaar über die Wublitz setzte.”

” Als der Kahn auflief, blieb sein Insasse stehen und sah mich an. Ich ihn auch. Endlich gewann er’s über sich und bot mir »Guten Abend«. Nach dieser Konzession von seiner Seite, denn so schien er es aufzufassen, glaubte auch ich ein Übriges tun zu müssen. So entspann sich denn, während der Kahn langsam wieder zurückglitt, folgende Unterhaltung:
»Guten Abend, Fährmann. Geht’s Geschäft?«
»I, wie wird’s denn gehn?«
»Na, ich sollte doch meinen. Da sind erst die Uetzer…«
»Die fahren umsonst.«
»Und dann all die Dörfer, die hier hinten liegen…«
Er schüttelte griesgrämig den Kopf, beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte: »Alles rum, immer rum!«
»Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren? Das ist ja die Meile sieben Viertel!«
»Das ist es. Aber was ein richtiger Bauer is, der geht nich übers Wasser.«
»Weil’s ihm zu unsicher ist?«
»Nich doch. Es is ihm bloß sicher, daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt. Das zahlt kein Bauer, wenn er nich muß. Und er muß nich. Eine Meile oder zwei, ihm ist’s all’ eins. Er braucht sie nich zu laufen. Er nimmt seine Peitsche, knipst und ruft seinen Gäulen zu: ›Der Hafer is teuer heut; verdient ihn euch!‹ Und der Uetzer Fährmann – na, der mag sehen, wo er seine Pacht hernimmt.«

Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit. Die Taxe war niedrig; ich gab ihm ein Stück Geld, etwa das Fünffache. Er nahm es, sagte nichts und erwiderte meinen »Guten Abend« durch ein Geknurr, das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ. Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex.” Soweit Fontane.

Seit dem Jahr 1797, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise Paretz als Sommersitz wählten, führte der Weg nach Paretz stets über die Wublitz bei Uetz. An  die  letzte Passage von Königin Luise  kurz vor ihrem  Tod  im Jahr 1810 erinnert noch heute die prächtige Eiche auf dem Fährgrundstück.

Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch
Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch

Von Uetz nach Paretz

Erst um 1830 besuchte der König wieder öfter Paretz. 1834 ließ er nach Plänen von Ludwig Persius das noch heute erhaltene Fährhaus in Fachwerk – Holzarchitektur im Schweizerstil an der Wublitz errichten. Was bislang kaum bekannt war: Im Innern enthält das Gebäude eine Stube für den Fischer und das Teezimmer des Königs. Das Fährhaus überdauerte die Zeiten. Die Wublitz ist seit dem Bau der Autobahn in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlandet.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Ein Fährhaus ohne Fährstelle

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf restaurieren seit mehreren Jahren Henry Sawade und Sabine Swintek das so geschichtsträchtige Fährhaus. Die Arbeiten sind mittlerweile weit fortgeschritten. Henry Sawade weiß um den Aufwand: „Das ist eine Lebensaufgabe.“ Der gelernte Steinmetz  und  studierte Bildhauer hat das Denkmal aber mittlerweile originalgetreu erlebbar gemacht. Ein Großteil der Ziegelsteine der Außenwände wurde herausgenommen, nummeriert und gesäubert wieder eingesetzt.

1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch
1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch

Ein großes Stück ‚Arbeit liegt noch vor den Denkmalenthusiasten. Eine Augenweide ist das nach originalen Plänen bemalte Fachwerk samt Türen. Das Mauerwerk im Fachwerkverbund wurde gestrichen und Fugen aufgemalt.

Zum Fontanejubiläum im Jahr 2019 planen die Einwohner von Uetz mehrere Veranstaltungen. Henry Sawade ist sozusagen der Spiritus Rector. „Uetz war viel wichtiger, als bisher angenommen. An dem Ort kann man vieles erleben.“ Über das genaue Programm werden wir hier demnächst berichten.

Auf der Seite von Marquardt - Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Auf der Seite von Marquardt – Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Sawade: „Uetz kann man als Verkehrs – Hotspot bezeichnen. Hier gab es bereits im elften Jahrhundert eine Fährverbindung. Und im 19. Jahrhundert sind an dieser Stelle Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise übergesetzt, um zu Schloss Paretz zu gelangen.“

Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch
Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch

Erst ab 1905 wurde hier eine Brücke als Übergang gebaut. Die Von – Wilms – Brücke existiert seit 1905 nicht mehr. Mitte der 1930er ließen die Nazis den Berliner Autobahnring bauen. Und der kreuzt als Damm den alten Wublitz-Arm. Auf der anderen Seite des Dammes reichte das Wasser, sechs bis sieben Kilometer bis nach Falkenrehde runter. An der Stelle, wo jetzt noch das Fährhaus steht, war der Wublitz – Arm über hundert Meter breit. Sawade: „Die Wasserlinie ist inzwischen versumpft, aber man erkennt sie noch.“

Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch
Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

2019 soll eine Stele am Fährhaus als Station des überregionalen Fontane – Radweges eingeweiht werden. Dazu gibt es eine Reihe von Festivitäten, auf die wir hier später eingehen wollen. Eines ist Henry Sawade wichtig: „Die ganze Dorfbevölkerung wird mitmachen. Und es gibt eine fiktive Figur, eine Ur-Ur-Ur-Enkelin von Fontane wird uns besuchen – mit einem Motorrad.“

Für die Fontane – Feiern in Uetz wurden Fördermittel bei der Stadt Potsdam und im Rahmen des Projektes „fontane200“ beantragt. „Wir sind zu spät, hoffen aber, dass unser Konzept überzeugt.“

Persius Erstlingswerk

Henry Sawade hat sich tief in die Geschichte des Fähr- und Fischerhauses und des kleinen Ortes eingearbeitet. „Das Fährhaus, anstelle der bisherigen reetgedeckten Fischerhütte errichtet, gilt als eines der Erstlingswerke von Persius. Persius entwarf das Haus für mehrere Zwecke: Zum einen als Wohn- und Arbeitsstätte für den Fischer, der gleichzeitig auch Fährmann war. Zum anderen erhielt der König einen separaten Aufenthaltsraum, das Teezimmer.“

Das Haus wird von Denkmalpflegern mittlerweile als lange unterschätztes Kleinod der Potsdamer Baugeschichte bewertet. Es ist eine Überraschung, wenn Sawade erläutert: „Wir haben sowohl im Teezimmer als auch in der Fischerstube aufwändige Wandfassungen freigelegt. Und selbst das Altenteil war ungewöhnlich aufwändig gestaltet. Die Standesunterschiede wurden also nicht durch die Aufwändigkeit in der Gestaltung verdeutlich, sondern, wie sich zeigte, durch die verschiedene Symbolik.“

Bildhauer Henry Sawade Foto: privat
Bildhauer Henry Sawade Foto: privat

Laut Sawade war die Absicht des Königs entscheidend, einerseits der früh verstorbenen Luise zu gedenken, andererseits seinem treuen Untertanen, dem Fährmann, zu danken. „Deshalb weisen die Malereien in der Teestube königliche Attribute wie Palmette und Lilie auf, während wir an den Wänden der Fischerstube ein Eichenlaubfries nachweisen konnten.“

Denn als Luise gestorben war, hatten die Uetzer zu ihrem Gedenken die Eiche gepflanzt, die auf dem Grundstück des Fährhauses noch steht. Und spannend dabei: „Die Außenfassung des Hauses nimmt Bezug zu diesem Solitär. Das Fachwerk, obwohl in Kiefernholz errichtet, wurde aufwändig in Eichenholzoptik maseriert. Dem entsprechen die Fensterladen, deren Bemalung farblich auf die jeweiligen Innenräume abgestimmt war und im geschlossenen Zustand eine sogenannte Kassette ergeben.“

Und noch einen Aha – Effekt gibt es zu bestaunen: „Die Innentüren sind einfache Kieferntüren, die aber aufgewertet wurden, indem man sie wie edle Kassettentüren aus Nussbaum mit Ebenholzintarsien illusionistisch bemalte.“

Auch an die Windmühle, die einst auf dem dem Fährhaus gegenüberliegenden Mühlenberg stand, soll mit einer Installation während des Jubiläums 2019 erinnert werden.

Theodor Fontane schrieb zum Abschied seines Besuches in Uetz: „Ich schritt nun die Querallee hinauf, kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg, hinter dessen Kamm, bereits erblassend, die Abendröte stand. Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber. Das Dorf, die Wublitz waren still; im Fährhaus schimmerte ein Licht, die Schwäne sammelten sich am Schilf, die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Uetz hin.”

Und zitiert aus dem Gedicht, das einst Schmidt von Werneuchen über Uetz schrieb die letzten Sätze: „Du schönster Ort im ganzen Havelland, Wer könnte je dich ungerührt verlassen!“

Tipp. Auf Seite 17 der Stationen der Fontane – Radroute wird Uetz erwähnt. noch ohne Infostele, aber sie wird kommen, ist sich Henry Sawade sicher. Hier geht es zur Fontane-Radroute.

Unsere nächste Station ist Paretz.

Im Magazin “Potsdamer” wurde im Januar über Henry Sawade und die Vorbereitungen zum Jubiläum “200 Jahre Theodor Fontane” berichtet. Hier geht es zur Seite von “Potsdamer”.

Informationen zum Fontanejahr 2019

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

+ Die Wiedergeburt des Fähr- und Fischerhauses in Uetz

Potsdam

1. Advent: Polnischer Sternenmarkt

Polnischer SternenmarktPolnischer Sternenmarkt, Foto: HBPG

Das 15. Jubiläum des Polnischen Sternenmarktes wird mit Auftritten von 15 Musik-, Tanz und Theatergruppen gefeiert. Am ersten Adventswochenende, vom 30. November bis 2. Dezember 2018, lädt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) zur weihnachtlichen Begegnung mit Polen ein.

Straßentheater Z głową w chmurach C u. Promofoto Z głową w chmurach (2)
Straßentheater Z głową w chmurach C u. Promofoto Z głową w chmurach (2)

Vor der wunderbaren Kulisse des Kutschstallhofs und des Neuen Marktes, im Herzen von Potsdams historischer Mitte, erleben die Besucher des Sternenfestes die stimmungsvolle Atmosphäre der weihnachtlichen Traditionen unseres Nachbarlandes. Polnische Künstler und Kunsthandwerker bieten an 60 Marktständen ihre phantasievollen, handgefertigten Arbeiten an. Und mit vielerlei süßen und herzhaften landestypischen Spezialitäten kommen auch die kulinarischen Genüsse nicht zu kurz. Zum 15. Geburtstag des Sternenmarktes gestalten 15 polnische und deutsche Musik- Tanz- und Theatergruppen das Sternenfest der deutsch-polnischen Begegnung, das zentraler Bestandteil des Marktwochenendes ist. Auf der großen Bühne des Kutschstallhofs und auf dem Neuen Markt bieten die Gruppen für Jung und Alt ein abwechslungsreiches Programm mit Zirkus- und Kindertheater, Trachtentanz, Chorgesang, sowie mit Konzerten von Folk-, Blues- und Jazzgruppen.

Polnischer Sternenmarklt, Foto: HBPG

Höhepunkte sind die atemberaubende Luftakrobatik des Posener Straßentheaters Z głową w chmurach (dt: Mit dem Kopf in den Wolken), die mitreißende Musik von Klezmafour aus Łódź, einer der besten Klezmerbands der Welt, und die aus den multikulturellen Traditionen Polens schöpfende Sängerin Karolina Cicha mit ihrer Band. Die Straßentheatergruppe Teatr Klinika Lalek gestaltet auch in diesem Jahr wieder aufsehenerregende Installationen für den Sternenmarkt.

C BKG-HBPG Fotograf_Ulf_Böttcher_Sternenmarkt_Panorama (2)
Sternenmarkt_Panorama (2)C BKG-HBPG Fotograf_Ulf_Böttcher

Das komplette Programm findet sich unter www.hbpg.de (Veranstaltungen).

Kinder sind eingeladen in der Weihnachtsmannwerkstatt kleine Geschenke zu basteln. Die historische Gewölbehalle des Kutschstalls wird zur deutsch-polnischen Begegnungsbörse mit deutsch-polnischen Vereinen aus Berlin und Brandenburg, Gästen aus Potsdams Partnerstadt Opole sowie Informationen über touristische Angebote in Polen. Die Ausstellungen im HBPG können gegen Vorlage des Markt-Tickets bis zur Schließung des Sternenmarktes kostenfrei besucht werden.

Öffnungszeiten

  • Fr, 30.11.  | 16:00 bis 20:00 Uhr
  • Sa, 01.12. | 11:00 bis 20:00 Uhr
  • So, 02.12. | 11:00 bis 19:00 Uhr
  • Eintritt: 2 €, Kinder bis 1,40 m frei

Besucheradresse

Kutschstallhof und Neuer Markt | 14467 Potsdam

Veranstalter des Sternenmarktes ist die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH/Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Hinweis für Autofahrer

Zum Sternenmarkt wird die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen, da im Umfeld des Kutschstalls nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen. Außerdem kommt es auf dem Neuen Markt zu starken Verkehrseinschränkungen.

C BKG_HBPG Foto Angelique Preau - Sternenmarkt (2)
Foto Angelique Preau

 

Potsdam

Rheinsberg – eine Spurensuche

Rheinsberg (1)

Es ist Samstag,  die Sonne scheint, wieder zieht es uns hinaus, um auf Fontane-Spurensuche zu wandeln. Über die Autobahn wollen wir nach Rheinsberg im Landkreis Ostprignitz-Ruppin   gelangen. Die vielen Baustellen auf der A10 bis zur Abfahrt Neuruppin helfen uns, zu entschleunigen. Wir nutzen die Zeit, um in unserem Reiseführer uns auf unseren Zielort Rheinsaberg (Mark) einzulesen. Und nebenbei freuen wir uns auf ein Frühstück, vielleicht mit dem Blick auf das Schloss Rheinsberg?

Rheinsberg hat ein Verkehrsproblem

Kurz vor 9 Uhr erreichen wir das kleine Städtchen  Rheinsberg, suchen nach einem Parkplatz, den wir gut ausgeschildert nahe der Mühlenstraße finden. Es kann losgehen mit unserer Stippvisite. Über die Mühlengasse wollen wir in die Stadt gelangen. Dabei werden unsere Blicke auf Schilder und Transparente an den Häusern gelenkt, die auf ein Verkehrsproblem in Rheinsberg aufmerksam machen.

Schwerlastverkehr durch die enge Mühlenstraße macht nicht nur die Häuser kaputt, die Risse sind deutlich zu sehen, vor allem auch die Einwohner leiden täglich. Am Wochenende sind zwar die LKW aus dem Straßenverkehr verschwunden, dafür kommen aber die vielen Touristen – meist mit dem Auto. Man kann der Stadt nur wünschen, dass eine Lösung gefunden wird. Da das Problem nicht erst seit gestern auftritt, ist das aber wohl nicht zu erwarten. Kaum vorstellbar, wie es hier bei Starkregen oder im Winter aussieht und mit Baumstämmen beladene Schwerlasttransporter durch die enge Straße donnern.

Das Problem einer Umgehungsstraße werde schon seit rund 20 Jahren zwischen der Stadt Rheinsberg und dem Land Brandenburg diskutiert. Auch um die Instandsetzung der Mühlenstraße gehe es immer wieder. Für ein würdiges Entree zu einer so pittoresken Stadt wie Rheinsberg es nun einmal ist, taugt die Mühlenstraße mit ihren vielen Schildern nicht. Wir merken: hier wehren sich Bürger und wollen auf Phantomschmerzen aufmerksam machen.So entsteht Politikverdrossenheit.

Im Gespräch mit Betroffenen erfuhren wir, dass die Stadtpolitik heillos verstritten ist. Anfang des Jahres kam mit Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) ein junger Bürgermeister ins Amt. Auf ihm liegen nun alle Hoffnungen. Denn Rheinsberg hat noch mehr Probleme als die Mühlenstraße. Dazu gehören ein halbfertiges Rathaus und die immer wieder eingeforderten Radwege. An einem Radwegekonzept arbeitet man seit langem.

Es kann so einfach sein

Wir fragen uns, warum man nicht mehr Parkplätze ean den Zugängen des Städtchen anlegt und dann mit Wägelchen oder Bimmelbahn – wie in anderen Städten auch – die Touristen in die Innenstadt befördert.  Es gibt zwar einen Parkplatz gegenüber dem Schloßpark. Aber da parkt kaum jemand für 8 Euro Tagessatz. Alle wollen in die Stadt und vor allem durch die Stadt hindurch. Denn die großen Hotels, wie das Maritim – Hafendorf, befinden sich am Rheinsberger See am anderen Ende von Rheinsberg. Auch Pferdefuhrwerke könnten diese Aufgabe übernehmen. Denn es gibt solche im Ort. Noch stehen zwei auf dem Triangelplatz  vor dem Schloss. Angesichts des schier überbordenen Verkehrs scheinen die Touristen auf eine Fahrt zu verzichten. In der prallen Sonne stehen die ausgemergelt wirkenden Tiere in zwei Gespannen mit ihren Fuhrleuten. Der Mann im Blaumann, die Frau in schwarzer Hose, sie warten auf Gäste. Kein herzliches Willkommen, keine Aufsteller, wohin die Fahrt überhaupt geht und wie teuer die Kutshcfahrt wird – alles wirkt wenig einladend. Mit  Wien oder Salzburg ist das nicht zu vergleichen. Es kann so einfach sein…

Im Ratskeller speiste Fontane

Nun gut, wir wollten frühstücken, der Ratskeller hatte noch geschlossen, allerdings zog uns die Speisekarte in den Schaukästen auch nicht sonderlich an. Vier A4 Seiten mit Magneten befestigt hingen kraftlos, zum Teil auch schon verblichen in den Kästen. auf dem schwarzen Aufsteller vor der Gaststätte konnten man lesen, dass „Spargel aus“ ist, die Spinnweben an der Tür und der Markise waren auch nicht sehr einladend.

Wir fragten einen Rheinsberger, der uns mit einer Einkaufstasche entgegenkam, wo man schnell und gut frühstücken könne. Er empfahl uns die Fleischerei Endler, direkt der Kirche gegenüberliegend. Ein guter Tipp, wir bekamen zwei Pott Kaffee und belegte Brötchen, alles frisch angefertigt, deshalb dauerte es etwas länger. Störte uns und die anderen wartenden Gäste aber nicht, vor der Fleischerei konnte man an Tischen sein „Frühstück“ genießen – mit Blick auf die Kirche. Der war allerdings eingeschränkt – Händler mit Kleidung – wie überall in brandenburgischen Städten zu finden – boten ihre Ware feil.

Warum kein Wochenmarkt mit Obst und Gemüse aus der Umgebung? Auch ein Blick in die Kirche war uns nicht möglich, wir hätten uns vorher anmelden müssen – Personalmangel auch hier.  woanders kann man auch während der Bauarbeiten, die derzeit in Rheinsberg ophl statttfinden, hineinschauen können: durch eine geöffnete Tür.

Nicht sehr einladend präsentiert sich am Samstag der Platz vor der Kirche, kein regionaler Händler bietet Obst oder Gemüse an, Foto: Weirauch
Nicht sehr einladend präsentiert sich am Samstag der Platz vor der Kirche, kein regionaler Händler bietet Obst oder Gemüse an, Foto: Weirauch

Also ging es weiter auf unserer Spurensuche … vielleicht können wir ja erstmal über eine kleine Schiffsfahrt die Gegend vom Wasser aus genießen? Da würde uns auch der Verkehr nicht stören, der die Besucher Rheinsbergs daran hindert, am Marktplatz die Straße zu überqueren, um über das Schlossareal zum Schiffsanleger zu gelangen.

Dem Berliner Jürgen Graf ist es u.a. zu verdanken, das Kronprinz Friedrich wieder vor dem Schlosseingang steht, Foto: Weirauch
Dem Berliner Jürgen Graf ist es u.a. zu verdanken, das Kronprinz Friedrich wieder vor dem Schlosseingang steht, Foto: Weirauch

Das Standbild von Friedrich II. steht zwar mittig auf dem Triangelplatz, scheint die Besucher förmlich in das Schloss ziehen zu wollen, allein der durchfließende Autoverkehr schien das verhindern zu wollen. Es dauert eine weile, bevor man über die Straße gelangt. Wie schön wäre doch ein verkehrsberuhigte Stadt Rheinsberg ?

Schifffahrt auf dem Grienericksee

Schließlich waren wir an der Anlegestelle für Fahrgastschiffe, hübsche holzgeschnitzte Figuren schmücken das Ufer, Bänke laden zum Verweilen und Träumen ein, der Blick auf den Rheinsberger See beruhigt, eine Schifffahrt bei dem wunderbaren Wetter wäre schön, wir möchten aber an Deck den Ausblick genießen, leider war jeder Platz belegt. Andere Anbieter waren an der Anlegestelle nicht zu finden, also ging es am Wasser zurück in den Park. In Rheinsberg muß man sich eben vorher anmelden, so begehrt ist die Reederei Halbeck.

Stark frequentiert sind die Schiffe der Reederei Halbeck, Foto: K.Weirauch
Stark frequentiert sind die Schiffe der Reederei Halbeck, Foto: K.Weirauch

Endlich kamen wir zum Schloss

Musik lockte uns aus der Ferne. Am Schlosstheater vorbei gelangten wir zum Schloss. Im Innenhof probten jungen Musiker für das Abendkonzert. Eine kleine Überraschung, auch für eine Schulanfängerin mit ihren Gästen, die die Treppen zum Innenhof hinaufstiegen.

Blick in den Innenhof von Schloss Rheinsberg, Foto: Weirauch
Blick in den Innenhof von Schloss Rheinsberg, Foto: Weirauch
Der Start in das Schulleben mit Musik in traumhafter Umgebung – ein Augenblick, der sicher unvergesslich bei allen Beteiligten bleibt.
Der Start in das Schulleben mit Musik in traumhafter Umgebung – ein Augenblick, der sicher unvergesslich bei allen Beteiligten bleibt, Foto: Weirauch

Schloss Rheinsberg war ursprünglich eine befestigte Burg an der Nordgrenze der Mark Brandenburg, später ein Renaissanceschloss des Landadels. 1734 kaufte es der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. samt umliegenden Ländereien für seinen Sohn, den Kronerben Friedrich. 1736 zog Friedrich mit seiner zwangsweise Angetrauten  Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern ein. Der Kronprinz verbrachte seine glücklichsten Jahre auf einer Baustelle. Sein Jugendfreund, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ließ in nur drei Jahren Bauzeit das Ensemble in seiner heutigen Form entstehen. Der zur Seeseite hin vielgliedrige Bau mit den den südlichen und nördlichen Gebäudeflügel abschließenden Türmen macht Schloss Rheinsberg so unverwechselbar.

Im Kavaliershaus neben dem Schlosstheater residiert u.a. die Musikakademie, Foto: Weirauch

Seine wirkliche Blüte erlebte Schloss Rheinsberg erst unter dem 14 Jahre jüngeren Bruder Heinrich des Kronprinzen. 1752 übernahm dieser das Schloss und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr  1802. In jenen Jahren wurde Rheinsberg zu einem Anziehungspunkt für die feine Gesellschaft aus ganz Europa. Hier zeigte sich, was Mode war, in Literatur, Musik, Theater. Mittendrin Prinz Heinrich als Impressario eine galanten Hofes. Das Schloss und vor allem der Park, so wie wir sie heute erleben können, haben in dieser Zeit ihre Vollendung gefunden.

Wo Prinz Heinrich ruht

Unweit des Schlosses, in der Nähe des Heckentheaters befindet sich die Grabstätte von Prinz Heinrich, die er selbst entworfen hat: eine Pyramide mit abgebrochener Spitze, versehen mit einer Bronzetafel mit Inschrift in französischer Sprache: „Lob oder Tadel berühren den nicht mehr, der in der Ewigkeit ruht. Aber die süße Hoffnung verschönt die letzten Augenblicke dessen, der seine Pflichten erfüllte … Sie begleitet mich im Sterben.“

Einen Blickfang – wie vom Schloss Sanssouci auf den Ruinenburg – gibt es auch vom Schloss Rheinsberg aus auf den direkt gegenüberliegenden Obelisk. Prinz Heinrich widmete ihn den „vergessenen Helden“ des Siebenjährigen Krieges. Fontane bezeichnete diesen Obelisk als „die vielleicht größte Sehenswürdigkeit Rheinsbergs“. Heinrich wollte nicht nur seinem Bruder Friedrich Wilhelm (1722-1758), der 1744 als Thronfolger des kinderlosen Friedrich bestimmt worden war, nach taktischen Fehlern als General im Siebenjährigen Krieg unehrenhaft aus der Armee verstoßen wurde und mit nur 36 Jahren kurz darauf auf Schloss Oranienburg verstarb, vor dem Vergessen bewahren. Die Ehrung gilt auch weiteren Offizieren.

Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, Foto: Weirauch
Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, Foto: Weirauch

Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, die an jeweils ein Schicksal in dem mörderischen Krieg erinnern. Nicht genannt wird sein Bruder Friedrich (1712-1786), König (ab 1740) und oberster Heerführer. Mit dem letzten Satz der Ehrung für den General von Zieten gibt es einen weiteren Seitenhieb den Bruder. Der Text für General Hans Joachim  von Zieten (1699-1786) lautet in der Übersetzung Fontanes so: „General von Zieten erreichte ein ebenso glückliches wie ehrenvolles Alter. Er siegte in jedem Gefechte. Sein kriegerischer Scharfblick, vereinigt mit einer heroischen Tapferkeit, sicherte ihm den glücklichen Ausgang jedes Kampfes. Aber was ihn über alle erhob, waren seine Redlichkeit, seine Uneigennützigkeit und seine Verachtung aller derer, welche auf Kosten der unterdrückten Völker sich bereicherten.“

In seinen “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” setzte Theodor Fontane der Stadt Rheinsberg ein literarisches Denkmal. Später machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zur charmanten Erfüllung unbeschwerter Liebe. Auch heute kann sich kaum ein Besucher dem Charme des Ortes entziehen.

Auf dem Rückweg zum Auto führt uns unser Weg vorbei an der Tourist-Information. Wir wollen noch erkunden, welche Veranstaltungen im Fontane-Jahr 2019 geplant sind. Leider konnte man uns keine Auskunft geben, wir erhielten aber ein gedrucktes Programm mit geplanten Veranstaltungen im Fontane-Jahr im Land Brandenburg. Beim Durchblättern fanden wir dann auch Programmhinweise für Rheinsberg. Fontane ist ja noch weit weg…

Auch unsere Rückfahrt sorgte für Entschleunigung. Richtung Lindow mussten wir am Rande von Rheinsberg am unbeschrankten Bahnübergang wegen des roten Signals und des nicht enden wollenden Signals warten. Sehr lange, ein Zug kam nicht, dafür kamen sowohl von der Gegenseite als auch von unserer Seite Autos, die bei rot über die Gleise fuhren. Gefährlich … Was war los?

Die Niederbarnimer Bahn hat Probleme mit der automatischen Schaltung. Erst ein Anruf brachte die Lösung. Auf dem Fahrrad kam eine männliche Person, die das Signal ausschalten konnte. Es soll schon desöfteren zu solchen Staus gekommen sein.

Informationen zu Rheinsberg

Tourist-Information
Remise am Schloss/Mühlenstraße 15a, 16831 Rheinsberg
Tel. 033931 34940
www.tourist-information-rheinsberg.de
Öffnungszeiten: 1. April – 31. Oktober: Mo-Do 10-17 Uhr, Fr-Sa 10-18 Uhr, So und Feiertag 10-16 Uhr
1. November – 31. März: Mo-Do 10-16 Uhr, Fr 10-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So und Feiertag geschlossen

Gasthof und Fleischerei Endler
Mühlenstraße 14, 16831 Rheinsberg
Tel. 033931 2079
www.gasthof-endler.de

Weiterführende Literatur
Joachim Nölte: Seenland Ruppin – Ein Wegbegleiter. Edition Terra. Berlin 2016

PotsdamSchlösser und Burgen

Was in den Briefen der Kaiserin steht

Kaiserbrief_15Die Briefe an Auguste Victoria überdauerten die Zeiten in einem verborgenen Schrank. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Seit Mitte Juni 2018 zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Potsdamer Neuen Palais die Ausstellung „Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918“. Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen wurde mehrfach versucht, den historischen Juwelentresor der Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921), für den keine Schlüssel mehr vorhanden sind, auf denkmalverträgliche Art wieder zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang gelang es, während des Ausstellungsaufbaus zumindest einen verschlossenen Schrank über dem Tresor zu öffnen. In ihm befanden sich zwei aus Eichenholz gezimmerte Transportkisten, eine Lederschatulle mit dem Monogramm Auguste Victorias und eine Dokumentenmappe. Sie enthalten teils geöffnete und teils noch versiegelte Korrespondenzen, die zwischen 1883 und 1889 an die damalige Prinzessin Auguste Victoria (1858-1921) gerichtet waren, die 1888 Kronprinzessin und im selben Jahr noch Königin von Preußen sowie deutsche Kaiserin wurde. Was in den Briefen der Kaiserin steht

Blick in die erste der zwei Transportkisten mit den Korrespondenzen. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Blick in die erste der zwei Transportkisten mit den Korrespondenzen. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Die beiden Kisten mit vermutlich rund  1.000 Briefen wurden vor 130 Jahren vermutlich während des Einzugs Kaiser Wilhelms II. (1859-1941) und Auguste Victorias ins Neue Palais aus dem Berliner Schloss nach Potsdam geschickt – und vergessen. Als vor 100 Jahren die ehemalige Kaiserin nach der Revolution am 21. November 1918 das Neue Palais verließ und kurz darauf ins niederländische Exil reiste, ließ sie die Briefe zurück, die seither unbeachtet in diesem verborgenen Schrank allen Wirren und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts zum Trotz überdauerten. Tausende Besucherinnen und Besucher des Schlosses gingen Jahr für Jahr ahnungslos daran vorüber.

Vier Gänsekiele, die vermutlich von Auguste Victoria verwendet wurden. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein.
Vier Gänsekiele, die vermutlich von Auguste Victoria verwendet wurden. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein.

Nach einer ersten Sichtung handelt es sich in erster Linie um private Korrespondenzen mit engen Familienmitgliedern und weiteren Verwandten, wie zum Beispiel der englischen Queen Victoria (1819-1901). Obwohl der völlig überraschende Fund noch nicht im Detail untersucht werden konnte, darf man schon jetzt von einem Sensationsfund sprechen, der möglicherweise auch ein neues Licht auf die letzte deutsche Kaiserin und ihre Zeit zu werfen vermag. Der Briefschatz wird bis zum Ende der Ausstellung „Kaiserdämmerung“ am 12. November 2018 am Fundort im Neuen Palais ausgestellt. Anschließend sollen die Dokumente wissenschaftlich erschlossen werden.

Original versiegelte Briefe

In der ersten Kiste lagerten Korrespondenzen aus den Jahren 1883 bis 1886. Sie wurde 1886 verschlossen. Alle Briefumschläge sind von Auguste Victoria persönlich beschriftet worden. Die Kuverts sind noch original versiegelt. Sie tragen auf der Rückseite das in rotem Wachs eingebettete Allianzwappen Preußens und Schleswig-Holsteins. Das Siegel weist somit Auguste Victoria, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, als Besitzerin aus. Insgesamt handelt es sich um 67 Umschläge, in denen sich jeweils mehrere Briefe befinden. Da die meisten Umschläge sehr dick sind, können sie bis zu 10 Briefe enthalten. Vorsichtig geschätzt, handelt es sich um mindestens 400 Briefe.

ckseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Rückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Original versiegelte Rückseite des Kuverts mit den Briefen der Königin von England. Foto: SPSG/Jörg Kirschstei
Original versiegelte Rückseite des Kuverts mit den Briefen der Königin von England. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Wer der Kaiserin schrieb

Die Absender sind in der Regel Familienmitglieder. Dazu gehören von preußischer Seite Schreiben der Kaiserin Augusta (1811-1890, 3 Umschläge), des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (Kaiser Friedrich III., 1831-1888, 1 Umschlag) und der Kronprinzessin Victoria (1840-1901, 5 Umschläge). Ein Konvolut nennt die Oberhofmeisterin Auguste Victorias, Therese Gräfin von Brockdorff (1846-1924, 4 Umschläge), als Absender. Die Mehrzahl der Briefe sind von Mitgliedern des Hauses Schleswig-Holstein geschrieben worden. Von holsteinischer Seite sind hervorzuheben Auguste Victorias Mutter Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg (1835-1900, 7 Umschläge), ihre Schwestern Karoline Mathilde „Calma“ (1860-1932, 13 Umschläge) und Louise Sophie „Jaja“ (1866-1952, 4 Umschläge), ihrem Onkel Christian (1831-1917), der mit Helena (1846-1923), einer Tochter von Queen Victoria, verheiratet war (6 Umschläge). Darüber hinaus ist ein dicker Umschlag mit Briefen von Georg Ernst Hinzpeter (1827-1907), dem Erzieher Kaiser Wilhelms II., zu erwähnen. Recherchiert hat vor allem Jörg Kirschstein, ein studierter Archivar und Preußenkenner. Er ist auch Kurator der Schau im Neuen Palais.

Zweite Kiste noch ungeöffnet

Die zweite Transportkiste aus dem Jahr 1888 ist noch verschlossen. Laut Beschriftung enthält sie ausschließlich Briefe, die die Geburt und die Erziehung der Söhne Auguste Victorias thematisieren. Zu diesem Zeitpunkt war der älteste Sohn Kronprinz Wilhelm (1882-1951) 6 Jahre alt, es folgten Eitel Friedrich (1883-1942), Adalbert (1884-1948), August Wilhelm (1887-1949) und Oskar (1888-1958). Die Schatulle, auf deren Deckel sich ein in Leder geprägtes Monogramm der Kaiserin befindet, ist ebenfalls angefüllt mit Briefen. Die noch verschlossenen Umschläge sind ebenfalls von der Hand der Kaiserin beschriftet worden. Bemerkenswert ist ein Kuvert mit dem Text „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“ sowie „Briefe von der Königin von England“.

Briefkuvert: „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Briefkuvert: „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec. 1889“. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
ückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein
Rückseite des Briefkuverts mit den letzten Briefen der Kaiserin Augusta. Foto: SPSG/Jörg Kirschstein

Die letzte Kaiserin

Auguste Victoria war seit 1881 mit Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm II., verheiratet. Das Prinzenpaar bewohnte in den 1880er Jahren in Potsdam das Marmorpalais im Neuen Garten als Sommerwohnsitz und das Stadtschloss als Winterresidenz. Der Lebensweg Auguste Victorias wurde durch die politischen Umstände ihrer Zeit stark geprägt. Als die Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg sechs Jahre alt war, wurde das Herzogtum Schleswig-Holstein 1864 dem Königreich Preußen als Provinz angegliedert. Die herzogliche Familie ging daraufhin ins Exil. Zehn Jahre nach der Gründung des Kaiserreiches heiratete das „Landmädel“ den Erben des preußischen Königsthrones. Im Alter von 29 Jahren wurde Auguste Victoria Königin von Preußen und deutsche Kaiserin.

aiserin Auguste Victoria, 1913, Aufnahme von T. H. Voigt, Bad Homburg. Foto: Sammlung Jörg Kirschstein, Potsdam
Kaiserin Auguste Victoria, 1913, Aufnahme von T. H. Voigt, Bad Homburg. Foto: Sammlung Jörg Kirschstein, Potsdam

Das Neue Palais ist mit dem Leben der Monarchin untrennbar verbunden. In der Regierungszeit Wilhelms II. – von 1888 bis 1918 – war der friderizianische Prachtbau der Hauptwohnsitz der kaiserlichen Familie. Auguste Victoria nahm als deutsche Kaiserin den höchsten gesellschaftlichen Rang Deutschlands ein. Sie erlebte den Aufstieg und den Untergang des Kaiserreichs. Der Erste Weltkrieg forderte Millionen Menschenleben, an seinem Ende brach die Monarchie zusammen.  Wilhelm II. und Auguste Victoria gingen ins niederländische Exil, wo die ehemalige Kaiserin 1921 verstarb.

Informationen zur Ausstellung:

„Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918“

  • noch bis bis 12. November 2018
  • Neues Palais, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam
  • Öffnungszeiten:
  • Täglich außer Dienstag
  • Juni bis 31. Oktober: 10 bis 17.30 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr
  • Ab 1. November: 10 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16.30 Uhr
  • Der Besuch der Ausstellung ist in den Besucherrundgang des Schlosses integriert.
  • Eintritt:
  • 8 Euro / ermäßigt 6 Euro
  • Familienkarte:
  • 2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder
  • (Kinder unter 18 Jahren): 25 Euro
  • Jahreskarte:
  • Für alle geöffneten Schlösser inkl. Ausstellungen,
  • gültig 1 Jahr ab Ausstellungsdatum: 60 Euro / ermäßigt 40 Euro
  • Besucherinformation:
  • E-Mail: info@spsg.de, Telefon: + 49 (0)331.96 94-200

 

BücherPotsdam

Buchtipp: Christian Klusemann: Das andere Potsdam

Potsdam stadt 2018 (49)

Noch an die 100 Jahre nach dem Ende der Herrschaft der Hohenzollern werden Potsdams Architektur und Städtebau fast ausschließlich mit den Preußischen Königen und ihren Architekten assoziiert, ganz gleich ob die Innenstadt mit der barocken Stadterweiterung, die noblen Vorstädte oder die Schlösser gemeint sind. Potsdam – das ist für viele Menschen Sanssouci, das Neue Palais, der Cecilienhof, Schloss Babelsberg oder das Holländische Viertel.

Dass man Potsdam getrost auch einen “Ort der Moderne” nennen kann, in dem über das Jahr 1918 hinaus Architekturgeschichte geschrieben wurde, ist weniger bekannt. Eine recht populäre Ausnahme bildet der  expressionistische, 1922 fertiggestellte Einsteinturm Erich Mendelsohns auf dem Telegrafenberg. Denkmalpfleger Jörg Limberg hat allerdings immer wieder auf Bauten der Moderne in verschiedenen Aufsätzen hingewiesen.

Blick auf das Potsdamer Stadtzentrum, Foto: D. Weirauch

Die das heutige Stadtbild prägenden Gebäude aus der jüngeren Geschichte, aus vierzig Jahren DDR, werden indes weder von Touristen, den seit 1990 Zugezogenen, noch der Mehrheit lokaler Politiker als ernstzunehmende oder erhaltungswürdige Architektur wahrgenommen.

Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, doch wurden allein in den letzten zehn Jahren etliche Gebäude aus DDR-Zeiten in der Potsdamer Innenstadt abgetragen. Denken wir an das Haus des Reisens, die Schwimmhalle am Brauhausberg  oder jüngst die Fachhochschule.

Das Terrassenrestaurant Minsk, der Staudenhof und das Rechenzentrum (heute Künstlerhaus an der Breiten Straße) Datenverarbeitungszentrum) sollen in absehbarer Zeit folgen.

Seit 2013 überlegt die Stadt, das einstige Interhotel Potsdam, jetzt Hotel „Mercure“, im Lustgarten zu kaufen und abzureißen. Zu störend erscheint den Verantwortlichen der städtebauliche Kontrast zu den verbliebenen Bauten aus preußischen Zeiten, zu groß der Preis, der für das Neue gezahlt wurde.

Denn zwischen 1949 und 1990 verschwand ungleich mehr als Stadtschloss und Garnisonkirche, um Baufelder für ein “sozialistisches” Potsdam zu schaffen. Es entstand schleichend ein anderes Potsdam, für das der Stadtgrundriss der Altstadt in weiten Teilen überformt wurde. Nach den Verlusten wertvoller Bausubstanz im Zweiten Weltkrieg folgte mit dem Neuaufbau – so scheint es – eine “zweite Zerstörung” der Stadt.

Es gibt auch Ausnahmen. aus den 50er Jahren. Die Wilhelm-Staabstraße oder die Bebauung an der Zeppelinstraße (bis 1945 Luisenstraße, zu DDR-Zeiten Leninallee)/Ecke Lenne’straße aus der Mitte der 1950er Jahre ist ein bislang nahezu unbekanntes Beispiel für die Vielfalt des Wohnungsbaus in der Stadt aus dem ersten Jahrzehnt der DDR. Bauten in stilistischer Nähe zur “Nationalen Tradition” sind hier rar. Allgemein gibt es in Potsdam im Zeitraum zwischen Ende der 1940er Jahre bis Anfang der 1960er Jahre eine breite Palette von Neu- und Wiederaufbauvorhaben ganz unterschiedlicher Couleur.

“Rekonstruktion” der Gutenbergstraße

1982 stimmte der Rat der Stadt Potsdam für eine “komplexe Erneuerung” der nördlich der Brandenburger Straße (Klement-Gottwald-Straße) verlaufenden Gutenbergstraße. Der West-Berliner Geograph Frank Werner schrieb damals: “Das Ergebnis dieser […] Absichten ist, daß ein Teil der Bauten instandgesetzt […] und daß das friderizianische Potsdamer Bürgerhaus […] in Betonplatten nachgebaut wird. Von den an maßgeblicher Stelle wirkenden Verfechtern einer Stadterneuerung durch Neubau wird allerdings […] weiterhin versucht, auch in geschützten Bereichen Ersatzneubauten zu errichten, um u.a. den Baubetrieben zur Erfüllung ihrer Pläne zu verhelfen.

Der Band ist sehr empfehlenswert, eine lesenswerte Bestandsaufnahme.

Christian Klusemann (Hg.), Das andere Potsdam. DDR-Architekturführer, Vergangenheitsverlag, Berlin 2016.

Potsdam

Winterliches Brandenburg

Blick auf das Thermenhotel, rechts der Blick auf das Thermenhotel, rechts der "Bademantelgang", Foto: Spreewald Therme GmbH

Jetzt schon die Winterauszeit planen Aktion Winterliches Brandenburg 2018/2019 ab sofort buchbar. Auch der schönste Sommer geht irgendwann mal zu Ende. Und so langsam kann man sich jetzt schon nach der einen oder anderen Idee für einen Kurzurlaub im Winter umschauen. Seit mehr als 20 Jahren liefert die Aktion „Winterliches Brandenburg“ der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH Ideen für winterliche Auszeiten rund um Berlin. Aber auch Klassikern steht eine Veränderung manchmal gut zu Gesicht.

Neu: „Sterne-Winter“

In diesem Jahr hat die TMB das „Winterliche Brandenburg“ um eine Kategorie erweitert. Neben den Preisspecials ab 79 Euro gibt es nun zusätzlich den „Sterne-Winter“: 14 Hotels der gehobenen Kategorie, von denen viele erstmals beim „Winterlichen Brandenburg“ mitmachen, sind hier mit einem Exklusiv-Angebot vertreten. Der Reisezeitraum beginnt am 1. November 2018. Für alle, die Vorfreude mögen, sind die Angebote bereits jetzt auf www.winterliches-brandenburg.de buchbar.

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