Potsdam

Hier finden Sie Interessantes zur Stadt Potsdam und Umgebung. Viele Ideen die den Besuch der Landeshauptstadt von Brandburg noch spannender machen ,werden hier einfach und verständlich erklärt. Es geht darum keine langen Geschichten über Potsdam in einem Monolog darzulegen sondern die Geheimtipps denen zu geben die wirkliches Interesse in Potsdam haben.

PotsdamReise

Ostern in Brandenburg erleben

Osterlämmer

Es wird langsam Zeit, um die Osterausflüge zu planen. einfachraus, so wie unsere Seite heißt. Und nicht immer muß man weit reisen, um etwas zu erleben. hier einige Ostertipps:Am 19. April ist Karfreitag, am 21. April Ostersonntag und am 22. April ist Ostermontag.

Landesgartenschau in Wittstock/Dosse

Am Gründonnerstag (18. April 2019) wird die Landesgartenschau in Wittstock/Dosse feierlich eröffnet – also pünktlich zu den Osterfeiertagen. Spielt das Wetter mit, können Gartenfreunde zwischen prächtigen Rabatten, Themengärten, Apfelhain und Rosengarten entlang der historischen Stadtmauer flanieren.  Die Gartenschau wird inmitten des historischen Altstadtkerns mit seiner vollständig erhaltenden Stadtmauer ausgetragen. Hier liegt auch die alte Bischofsburg mit dem interessanten Museum des Dreißigjährigen Krieges. Die Prginitz hat eine Menge zu bieten. Schaut hier.

In der Bischofsburg von Wittstock befindet sich die einmalige Schau zum Dreißigjährigen Krieg.
Blick auf die Bischofsburg von Wittstock

Im Internet: Landesgartenschau 2019 in Wittstock/Dosse

Ostern in Lübben

Auf der Schlossinsel Lübben findet am Ostersamstag (20. April 2019) von 10 bis 18 Uhr das alljährliche Osterfest statt. Musik, eine Osterwerkstatt zum Mitmachen und das traditionelle “Waleien” stehen auf dem Programm. Dazu gibt es einen großen Markt mit Dekoständen und natürlich kulinarische Köstlichkeiten der Region. Um 14 Uhr wird die neue Kahnsaison mit der feierlichen Rudelübergabe an die Kahnfährmänner eingeläutet.

FontanePotsdam

Theodor Fontane kommt zurück nach Uetz

Fährhaus Uetz (16)Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

Was hat denn dieser Fontane mit unserem Dorf zu tun? Das fragten sich Ende des Jahres 2017 einige Uetzer (ein Ortsteil im Norden der Landeshauptstadt Potsdam) missmutig. Die Aufregung um die Planung des Fontanejahrs 2019 konnten sie überhaupt nicht nachvollziehen. Schon gar nicht so weit im Voraus. Von denen, die etwas mehr über die blumigen Beschreibungen des Ortes in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg wussten, kam ebenfalls ein Schulterzucken. Schaut euch dieses Dorf doch mal an! Was ist heute davon übrig geblieben ?

Tolles Konzept zu Fontanes 200. Geburtstag

Die Romantik ist fort, vor allem weil täglich Tausende Autos und LKW auf der Autobahn A10 am südlichen Rand des Dorfes vorbeirauschen. Der große Damm zerschneidet die Landschaft. Von der Hundert Meter breiten Wublitz, die Fontane in seinen Erzählungen beschreibt, ist schon lang nichts mehr zu sehen. Kaum vorstellbar, dass ein Fährmann dort den Dichter über ein Wasser geschippert haben soll. Neben der Lärmbelastung durch die Autobahn wurmt die Uetzer unter anderem, dass der Sandweg Richtung Marquardt Siedlung besonders für Fahrradfahrer schwer befahrbar ist. Seit langem kämpft das Dorf um einen Spielplatz. Etliche Varianten wurden durchgespielt. Eine konkrete Lösung ist nicht in Sicht. Sichere Straßen und Einfahrten, eine Querungshilfe über die Durchgangsstraße, Verkehrsberuhigung, die Straßenentwässerung, die unklare Zukunft des Gutshauses… all das sind Themen, welche die Uetzer bewegen.

Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Die Idee von Henry Sawade

Wer denkt da schon daran, den 200. Geburtstag des alten Fontane zu zelebrieren? Ein Dorfbewohner tut es. Er setzt sich schon von Hause aus mit der Geschichte des kleinen Dorfes Uetz auseinander. Es handelt sich um den Besitzer und Restaurator des Uetzer Fährhauses, den Künstler Henry Sawade. Henry Sawade war es, der Anfang 2018 die Dorfbewohner zusammenrief. Einige unter ihnen hatten erkannt: Dieses Fontanejahr – irgendwas steckt da drin, irgendwas müssen wir machen. Für Sawade bestand die Herausforderung gerade darin: „Es liegen Welten zwischen Fontanes Uetz und dem Uetz, wie es heute ist.“ Vielleicht lässt sich genau dazu etwas machen? Vielleicht gibt das Jubiläumsjahr einen Anstoß dafür, dass sich etwas tut im Dorf?

DARAUS WURDE EIN KONZEPT

Zur Dorfversammlung kamen erstaunlich viele Leute. Sie brachten überraschend viele und sehr kreative Ideen mit. Henry Sawade entwickelte daraus gemeinsam mit dem Ortsbeirat ein schlüssiges Konzept. Im Vorwort dazu heißt es: „Um zu verstehen, was wir eigentlich wollen oder uns für die Zukunft wünschen, haben wir uns entschlossen, diesen Reisenden namens Fontane zu hinterfragen, zu würdigen, zu feiern, aber auch, um dem modernen Verkehr, der Ignoranz und dem Zerstören von Landschaft, von Jahrhunderte alten Orten und der ihnen innewohnenden Geschichte etwas entgegen zu setzen. Fontane kann in diesem Projekt ein Initial werden, Zustände zu hinterfragen, aber auch Lösungsschritte einzuleiten. Getreu dem Fontane-Zitat: ‚Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen‘, möchten wir uns an den Feierlichkeiten beteiligen.“

Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz
Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz

Am 19. Mai gehts los

Konkret planen die Uetzer drei Veranstaltungen. Die Eröffnung soll am 19. Mai, die Hauptveranstaltung am 8. September stattfinden. Das Abschlussfest wollen sie dann im späteren Herbst feiern. Das geplante Programm ist sehr vielfältig. Die einzelnen Aktionen sind gut aufeinander abgestimmt. Orgel- und Kammermusik aus der Zeit Fontanes um 1880/90 soll zu Beginn in der Uetzer Kirche erklingen. Die Alleebäume am Knüppeldamm sollen gepflegt und fehlende Bäume nachgepflanzt werden. Ein experimentelles Kunstprojekt soll an der Straße durch das Moor den Weg nach Uetz weisen und die Gäste begrüßen. Da Verkehr in Uetz ein großes Thema ist – zu Fontanes Zeiten und heute -, möchte Uetz die Brandenburger Verkehrsministerin Kathrin Schneider einladen, aus Fontanes Reisebeschreibungen vorzulesen.

Fotoarchiv: Henry Sawade (Potsdan OT Uetz)

Unter dem Motto „Spurensuche“ wollen die Uetzer ihre Beziehung zu Fontane und seiner Zeit erforschen: Wie hat sich der Ort seit seinem Besuch verändert? Wo kann man Spuren finden? Gibt es Zeitzeugnisse, mit denen sich Veränderungen gegenüber Fontanes Beschreibung dokumentieren lassen? Wie lebte Uetz zur Zeit Fontanes? Die Ergebnisse dieser Forschung sollen ausgestellt werden.

Wie reizend sind,

du schönes Dörfchen Ütz,

Heut‘ deiner Gärten Äpfelblütenreiser,

Dein gotisch Kirchlein,

deiner Fischer Kietz,

Dein Pfarrgehöfte,

deine Bauernhäuser…

Die Pferde sind zur Rückfahrt angespannt,

Vom Felde treibt der Kuhhirt durch die Gassen.

Du schönster Ort

im ganzen Havelland,

Wer könnte je

dich ungerührt verlassen!

Theodor Fontane,  aus „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, dritter Teil: „Havelland“ (1880)

Highlight ist schon jetzt die geplante Theateraufführung, inszeniert und gespielt von den Uetzern selbst. Eine Ur-Ur-Ur-Enkelin Fontanes, Königin Luise mit ihrem Hofstaat, der Fährmann, die Dorfbewohner und Fontane selbst treten auf. Große gesprayte Bilder sollen die Schönheit des Dorfes zur damaligen Zeit in Erinnerung rufen, zum Beispiel auf dem Mühlenberg. Sehr spannend ist auch die Idee der Silence Disco: Mit Kopfhörern kann man erleben, wie es damals war, als noch keine Autobahn ständig im Hintergrund rauschte. Neben all diesen Projekten soll natürlich auch richtig gefeiert werden, mit Live-Bands, Speis und Trank und einem zünftigen Dorfball am Abschlusstag.

Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch
Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch

Die Idee aus Uetz sprach sich in den Nachbardörfern herum. Peter Roggenbuck, Ortsvorsteher aus Marquardt, war begeistert und bot seine Unterstützung an. Der Verein Historisches Paretz nahm Kontakt auf und könnte zum Beispiel eine Kutsche für das Bühnenbild zur Verfügung stellen. Hier ergeben sich neue, lebendige Beziehungen zwischen den Dörfern. Vielleicht hat sie Fontane damals auf ähnliche Art erfahren.

Der Anspruch ist hoch

„Fontanes Texte halten den Brandenburgern einen Spiegel vor: Schaut her, so schön war es früher einmal. In den letzten Jahren wurden viele der kulturellen Orte zerstört. Was hat jeder einzelne mit seiner kulturellen Verantwortung gemacht?“ fragt Henry Sawade. „Geschichtliches Bewusstsein ist kaum noch vorhanden. Das soll unser Konzept zum Fontanejahr ändern. Aus dem Dorf selbst heraus!“ Fontane ist der Aufhänger.

„Mir geht es um den Ort, historisch und heute“, bekräftigt Sawade: „Ziel ist, dass für den Ort etwas bleibt.“ Eins haben die Uetzer schon geschafft: Sie sind näher zusammen gerückt.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Die Finanzierung

Vielleicht kann ein Teil der Ausgaben, etwa für Material, Technik und die Bands, durch die Einnahmen bei den Festen wieder eingespielt werden. Insgesamt bedarf es allerdings einer ordentlichen Summe Geld, um ein so großes Projekt zu stemmen. Der entsprechende Förderantrag liegt dem Fachbereich Kultur der Stadt Potsdam vor. Bisher hat Uetz keinerlei Rückmeldung erhalten. Erst im Februar soll das Auswahlverfahren gelaufen sein. Erst dann werden die Uetzer erfahren, ob sie ihre tollen Pläne in die Tat umsetzen, ob sie also Fontane und ihr Dorf feiern können im Fontanejahr 2019. Das ist spät, möglicherweise zu spät für die nötige, aufwendige Vorbereitung. Man denke zum Beispiel an die Theaterproben, das Buchen der Bands und das Gewinnen von Sponsoren.

Bleibt allein die Hoffnung, dass die Entscheidungsträger in der Stadt das ausgefeilte Konzept erkennen und unterstützen. Die Bewohner des Potsdamer Ortsteils Uetz stehen jedenfalls in den Startlöchern.

Susanna Krüger ist Mitarbeiterin des Potsdamer, ein monatlich erscheinendes Magazin der Havelregion.

Nur zwei Kilometer von Uetz entfernt liegt Paretz, folgen Sie uns also auf Fontanes Spuren weiter zu Königin Luises Sommeridyll in Paretz. 

Potsdam

Stadtkerne aus der Sicht Fontanes sehen

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Im 200. Geburtsjahr Theodor Fontanes widmet sich die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen einer Spurensuche im Sinne Theodor Fontanes. Dabei geht es darum, wie sich Fremdenverkehr und Reisen zur Zeit Theodor Fontanes  in seiner Zeit darstellten und sich seitdem entwickelt haben. Themen sind u.a.: Welche Sehenswürdigkeiten bleiben interessant, welche Gasthäuser stehen in langen Traditionslinien, wie haben sich Verkehrswege entwickelt und was ist vielleicht noch wie in alter Zeit geblieben? Welche Personen und Vereinigungen haben die touristische Entwicklung vor Ort mit vorangebracht? In Ausstellungen und Hörführungen werden Orte der Gastfreundschaft, Orte der Mobilität und Orte der Kommunikation vorgestellt. Damit gehen wieder einmal Kulturland Brandenburg mit der AG Historische Stadtkerne eine fruchtbringende Zusammenarbeit ein.

Am Perleberger Markt, Foto: D.Weirauch
Am Perleberger Markt, Foto: D.Weirauch

Die 31 Städte der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen haben sich in den letzten Jahren zu einer besonderen Qualitätsmarke im Land Brandenburg entwickelt. 

Der Roland von Perleberg, Foto: D.Weirauch
Der Roland von Perleberg, Foto: D.Weirauch

Gemeinsam mit „Kulturland Brandenburg“ heißt es 2019 „Stadtwärts! Zu Gast in der Mark“. An dem Fontane-Programm der AG beteiligen sich elf der 31 Mitgliedsstädte. Schwerpunkt wird natürlich Neuruppin sein, wo die meisten Veranstaltungen stattfinden. Neuruppins bürgermeister Jens-Peter Golde benannte auf dem Jahrespressefrühstück der AG rund 60 Veranstaltungen zum Fontanejubiläum allein in der “Fontanestadt Neuruppin”. Am 30. März wird das Fontanejahr in Neuruppin vom Bundespräsidenten eröffnet.  

In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch
In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch

Es lohnt also wieder ins Land auszuschwärmen. Erst im Dezember 2018 wurde am Neuruppiner Fontanedenkmal die Plakette als Denkmal des Monats von der AG angebracht. Freuen wir uns also auf ein erlebnisreiches Fontanejahr mit den verschiedenen akteuren. So sehr die „Wanderungen“ auch zu Streifzügen zu Fuß oder mit dem Rad einladen: Fontane recherchierte das Material für seine Berichte kaum tatsächlich „wandernd“, sondern griff wo es ging auf die Eisenbahn, die Schifffahrt und Kutschen zurück. Besonders bei längeren Aufenthalten nutzte er – wenn er nicht beispielsweise bei Dorflehrern oder in Gutshäusern oder Schlössern untergebracht war – die damals schon bestehenden Einrichtungen des Fremdenverkehrs wie Gasthäuser und Fremdenzimmer. Es verspricht ein spannendes Jahr der Entdeckungen und Erlebnisse zu werden.

Gewinnspiel der AG

Es ist für jeden etwas dabei, verspricht Frank Steffen, Bürgermeister der Stadt Beeskow und Vorsitzender der AG Städte mit historischen Stadtkernen. In Anlehnung an Fontanes Reisen und Wanderungen durch die Mark Brandenburg lädt die AG ein, die historischen Stadtkerne aus dem Blickwinkel Theodor Fontanes wiederzuentdecken. Als Belohnung gibt es eine  Wochenendreise sowie Kulturerlebnisse mitten in den historischen Stadtkernen verlost.

Hier geht es zur Homepage. Heute hat die Arbeitsgemeinschaft 31 Mitgliedsstädte, die ihre historischen Stadtkerne bewahren, pflegen und behutsam erneuern. In der Arbeitsgemeinschaft steht der Erfahrungsaustausch, die Vermittlung des bedeutenden kulturellen Erbes an die Öffentlichkeit sowie eine gemeinsame touristische Vermarktung im Vordergrund. Die Arbeitsgemeinschaft wurde mit dem Ziel gegründet, die historischen Stadtkerne mit ihrer Bausubstanz vor dem Verfall zu bewahren und mit neuem Leben zu füllen. Mitglied können Städte werden, deren historischer Stadtgrundriss noch deutlich erkennbar und deren Bebauung überwiegend historisch ist. Eines der gelungenen Beispiele der  Arbeit der AG können wir auf der Insel in Werder/Havel erleben. hier einige Impressionen.

Wie geht es weiter ?

In rund 18 Jahren Sanierung und Stadterneuerung konnten gute Erfolge erzielt werden. Der überwiegende Teil der Bausubstanz konnte erneuert und die Städte als Lebensmittelpunkte für ihre Bewohner gestärkt werden. Auch zukünftig warten umfassende Herausforderungen auf die Städte. Es gibt noch viel zu tun. Nun müssen die Denkmale angepackt werden, die besonders schwierig sind, weil z.B. die Bausubstanz einen außerordentlichen Erneuerungsbedarf hat oder ein neuer Eigentümer gefunden werden muss. Dazu gehört beispielsweise das Lindowsche Haus in Werder am dortigen Plantagenplatz. Darin soll nach Sanierung die Touristeninformation sowie ein regionaler Laden einziehen.  

Profitiert von der Arbeit der AG hat auch die Stadt Brandenburg, hier zwei Beispiele:

vorher: barockes Altstadthauses Mühlentorstraße 9 in Brandenburg/Havel, Foto: Städte mit historischen Stadtkernen
nachher: barockes Altstadthauses Mühlentorstraße 9 in Brandenburg/Havel, Foto: Städte mit historischen Stadtkernen
nachher: barockes Altstadthauses Mühlentorstraße 9 in Brandenburg/Havel, Foto: Städte mit historischen Stadtkernen
Blumenhaus Petzoldt in Hertzberg, Foto: Arbeitsgemeinschaft “Städte mit historischen Stadtkernen” des Landes Brandenburg

 

 

Denkmale des Monats

Januar: Kyritz, Haus in der Maxim-Gorki-straße 26, 16866 Kyritz

Februar: Werder, Plantagenplatz 9,

Mehr Informationen sind erhältlich bei

  • Städte mit historischen Stadtkernen
  • Geschäftsstelle c/o complan Kommunalberatung, Voltaireweg 4
  • 14469 Potsdam
  • Deutschland
  • Tel.: 0331-2015120
  • Im Internet
  • www.ag-historische-stadtkerne.de
  • Informationen zum Kulturlandjahr

www.fontane-200.de

und

www.kulturland-brandenburg.de

1 Stunde wegFontanePotsdam

Fontaneort: Die Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz

Uetz (2)

Einer der authentischsten Fontaneorte im Land Brandenburg ist das im Norden von Potsdam gelegene Dorf Uetz. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht gehörten Bornstedt, Marquardt, Uetz und Paretz zur Reiseroute Theodor Fontanes. Er besuchte die Orte um 1865 mehrmals.

In seinem Band „Havelland“ der Wanderungen widmet Fontane Uetz (das seit 1961 Teil des Doppeldorfes Uetz – Paaren ist) ein eigenes Kapitel. Darin beschreibt er unter anderem ein Gespräch mit dem  Fährmann. Wahrscheinlich war es der Fährmann (oder dessen Sohn), der 60 Jahre zuvor das preußische Königspaar über die Wublitz setzte.”

” Als der Kahn auflief, blieb sein Insasse stehen und sah mich an. Ich ihn auch. Endlich gewann er’s über sich und bot mir »Guten Abend«. Nach dieser Konzession von seiner Seite, denn so schien er es aufzufassen, glaubte auch ich ein Übriges tun zu müssen. So entspann sich denn, während der Kahn langsam wieder zurückglitt, folgende Unterhaltung:
»Guten Abend, Fährmann. Geht’s Geschäft?«
»I, wie wird’s denn gehn?«
»Na, ich sollte doch meinen. Da sind erst die Uetzer…«
»Die fahren umsonst.«
»Und dann all die Dörfer, die hier hinten liegen…«
Er schüttelte griesgrämig den Kopf, beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte: »Alles rum, immer rum!«
»Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren? Das ist ja die Meile sieben Viertel!«
»Das ist es. Aber was ein richtiger Bauer is, der geht nich übers Wasser.«
»Weil’s ihm zu unsicher ist?«
»Nich doch. Es is ihm bloß sicher, daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt. Das zahlt kein Bauer, wenn er nich muß. Und er muß nich. Eine Meile oder zwei, ihm ist’s all’ eins. Er braucht sie nich zu laufen. Er nimmt seine Peitsche, knipst und ruft seinen Gäulen zu: ›Der Hafer is teuer heut; verdient ihn euch!‹ Und der Uetzer Fährmann – na, der mag sehen, wo er seine Pacht hernimmt.«

Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit. Die Taxe war niedrig; ich gab ihm ein Stück Geld, etwa das Fünffache. Er nahm es, sagte nichts und erwiderte meinen »Guten Abend« durch ein Geknurr, das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ. Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex.” Soweit Fontane.

Seit dem Jahr 1797, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise Paretz als Sommersitz wählten, führte der Weg nach Paretz stets über die Wublitz bei Uetz. An  die  letzte Passage von Königin Luise  kurz vor ihrem  Tod  im Jahr 1810 erinnert noch heute die prächtige Eiche auf dem Fährgrundstück.

Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch
Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch

Von Uetz nach Paretz

Erst um 1830 besuchte der König wieder öfter Paretz. 1834 ließ er nach Plänen von Ludwig Persius das noch heute erhaltene Fährhaus in Fachwerk – Holzarchitektur im Schweizerstil an der Wublitz errichten. Was bislang kaum bekannt war: Im Innern enthält das Gebäude eine Stube für den Fischer und das Teezimmer des Königs. Das Fährhaus überdauerte die Zeiten. Die Wublitz ist seit dem Bau der Autobahn in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlandet.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Ein Fährhaus ohne Fährstelle

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf restaurieren seit mehreren Jahren Henry Sawade und Sabine Swintek das so geschichtsträchtige Fährhaus. Die Arbeiten sind mittlerweile weit fortgeschritten. Henry Sawade weiß um den Aufwand: „Das ist eine Lebensaufgabe.“ Der gelernte Steinmetz  und  studierte Bildhauer hat das Denkmal aber mittlerweile originalgetreu erlebbar gemacht. Ein Großteil der Ziegelsteine der Außenwände wurde herausgenommen, nummeriert und gesäubert wieder eingesetzt.

1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch
1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch

Ein großes Stück ‚Arbeit liegt noch vor den Denkmalenthusiasten. Eine Augenweide ist das nach originalen Plänen bemalte Fachwerk samt Türen. Das Mauerwerk im Fachwerkverbund wurde gestrichen und Fugen aufgemalt.

Zum Fontanejubiläum im Jahr 2019 planen die Einwohner von Uetz mehrere Veranstaltungen. Henry Sawade ist sozusagen der Spiritus Rector. „Uetz war viel wichtiger, als bisher angenommen. An dem Ort kann man vieles erleben.“ Über das genaue Programm werden wir hier demnächst berichten.

Auf der Seite von Marquardt - Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Auf der Seite von Marquardt – Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch

Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Sawade: „Uetz kann man als Verkehrs – Hotspot bezeichnen. Hier gab es bereits im elften Jahrhundert eine Fährverbindung. Und im 19. Jahrhundert sind an dieser Stelle Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise übergesetzt, um zu Schloss Paretz zu gelangen.“

Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch
Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch

Erst ab 1905 wurde hier eine Brücke als Übergang gebaut. Die Von – Wilms – Brücke existiert seit 1905 nicht mehr. Mitte der 1930er ließen die Nazis den Berliner Autobahnring bauen. Und der kreuzt als Damm den alten Wublitz-Arm. Auf der anderen Seite des Dammes reichte das Wasser, sechs bis sieben Kilometer bis nach Falkenrehde runter. An der Stelle, wo jetzt noch das Fährhaus steht, war der Wublitz – Arm über hundert Meter breit. Sawade: „Die Wasserlinie ist inzwischen versumpft, aber man erkennt sie noch.“

Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch
Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

2019 soll eine Stele am Fährhaus als Station des überregionalen Fontane – Radweges eingeweiht werden. Dazu gibt es eine Reihe von Festivitäten, auf die wir hier später eingehen wollen. Eines ist Henry Sawade wichtig: „Die ganze Dorfbevölkerung wird mitmachen. Und es gibt eine fiktive Figur, eine Ur-Ur-Ur-Enkelin von Fontane wird uns besuchen – mit einem Motorrad.“

Für die Fontane – Feiern in Uetz wurden Fördermittel bei der Stadt Potsdam und im Rahmen des Projektes „fontane200“ beantragt. „Wir sind zu spät, hoffen aber, dass unser Konzept überzeugt.“

Persius Erstlingswerk

Henry Sawade hat sich tief in die Geschichte des Fähr- und Fischerhauses und des kleinen Ortes eingearbeitet. „Das Fährhaus, anstelle der bisherigen reetgedeckten Fischerhütte errichtet, gilt als eines der Erstlingswerke von Persius. Persius entwarf das Haus für mehrere Zwecke: Zum einen als Wohn- und Arbeitsstätte für den Fischer, der gleichzeitig auch Fährmann war. Zum anderen erhielt der König einen separaten Aufenthaltsraum, das Teezimmer.“

Das Haus wird von Denkmalpflegern mittlerweile als lange unterschätztes Kleinod der Potsdamer Baugeschichte bewertet. Es ist eine Überraschung, wenn Sawade erläutert: „Wir haben sowohl im Teezimmer als auch in der Fischerstube aufwändige Wandfassungen freigelegt. Und selbst das Altenteil war ungewöhnlich aufwändig gestaltet. Die Standesunterschiede wurden also nicht durch die Aufwändigkeit in der Gestaltung verdeutlich, sondern, wie sich zeigte, durch die verschiedene Symbolik.“

Bildhauer Henry Sawade Foto: privat
Bildhauer Henry Sawade Foto: privat

Laut Sawade war die Absicht des Königs entscheidend, einerseits der früh verstorbenen Luise zu gedenken, andererseits seinem treuen Untertanen, dem Fährmann, zu danken. „Deshalb weisen die Malereien in der Teestube königliche Attribute wie Palmette und Lilie auf, während wir an den Wänden der Fischerstube ein Eichenlaubfries nachweisen konnten.“

Denn als Luise gestorben war, hatten die Uetzer zu ihrem Gedenken die Eiche gepflanzt, die auf dem Grundstück des Fährhauses noch steht. Und spannend dabei: „Die Außenfassung des Hauses nimmt Bezug zu diesem Solitär. Das Fachwerk, obwohl in Kiefernholz errichtet, wurde aufwändig in Eichenholzoptik maseriert. Dem entsprechen die Fensterladen, deren Bemalung farblich auf die jeweiligen Innenräume abgestimmt war und im geschlossenen Zustand eine sogenannte Kassette ergeben.“

Und noch einen Aha – Effekt gibt es zu bestaunen: „Die Innentüren sind einfache Kieferntüren, die aber aufgewertet wurden, indem man sie wie edle Kassettentüren aus Nussbaum mit Ebenholzintarsien illusionistisch bemalte.“

Auch an die Windmühle, die einst auf dem dem Fährhaus gegenüberliegenden Mühlenberg stand, soll mit einer Installation während des Jubiläums 2019 erinnert werden.

Theodor Fontane schrieb zum Abschied seines Besuches in Uetz: „Ich schritt nun die Querallee hinauf, kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg, hinter dessen Kamm, bereits erblassend, die Abendröte stand. Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber. Das Dorf, die Wublitz waren still; im Fährhaus schimmerte ein Licht, die Schwäne sammelten sich am Schilf, die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Uetz hin.”

Und zitiert aus dem Gedicht, das einst Schmidt von Werneuchen über Uetz schrieb die letzten Sätze: „Du schönster Ort im ganzen Havelland, Wer könnte je dich ungerührt verlassen!“

Tipp. Auf Seite 17 der Stationen der Fontane – Radroute wird Uetz erwähnt. noch ohne Infostele, aber sie wird kommen, ist sich Henry Sawade sicher. Hier geht es zur Fontane-Radroute.

Unsere nächste Station ist Paretz.

Im Magazin “Potsdamer” wurde im Januar über Henry Sawade und die Vorbereitungen zum Jubiläum “200 Jahre Theodor Fontane” berichtet. Hier geht es zur Seite von “Potsdamer”.

Informationen zum Fontanejahr 2019

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

+ Die Wiedergeburt des Fähr- und Fischerhauses in Uetz

Potsdam

1. Advent: Polnischer Sternenmarkt

Polnischer SternenmarktPolnischer Sternenmarkt, Foto: HBPG

Das 15. Jubiläum des Polnischen Sternenmarktes wird mit Auftritten von 15 Musik-, Tanz und Theatergruppen gefeiert. Am ersten Adventswochenende, vom 30. November bis 2. Dezember 2018, lädt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) zur weihnachtlichen Begegnung mit Polen ein.

Straßentheater Z głową w chmurach C u. Promofoto Z głową w chmurach (2)
Straßentheater Z głową w chmurach C u. Promofoto Z głową w chmurach (2)

Vor der wunderbaren Kulisse des Kutschstallhofs und des Neuen Marktes, im Herzen von Potsdams historischer Mitte, erleben die Besucher des Sternenfestes die stimmungsvolle Atmosphäre der weihnachtlichen Traditionen unseres Nachbarlandes. Polnische Künstler und Kunsthandwerker bieten an 60 Marktständen ihre phantasievollen, handgefertigten Arbeiten an. Und mit vielerlei süßen und herzhaften landestypischen Spezialitäten kommen auch die kulinarischen Genüsse nicht zu kurz. Zum 15. Geburtstag des Sternenmarktes gestalten 15 polnische und deutsche Musik- Tanz- und Theatergruppen das Sternenfest der deutsch-polnischen Begegnung, das zentraler Bestandteil des Marktwochenendes ist. Auf der großen Bühne des Kutschstallhofs und auf dem Neuen Markt bieten die Gruppen für Jung und Alt ein abwechslungsreiches Programm mit Zirkus- und Kindertheater, Trachtentanz, Chorgesang, sowie mit Konzerten von Folk-, Blues- und Jazzgruppen.

Polnischer Sternenmarklt, Foto: HBPG

Höhepunkte sind die atemberaubende Luftakrobatik des Posener Straßentheaters Z głową w chmurach (dt: Mit dem Kopf in den Wolken), die mitreißende Musik von Klezmafour aus Łódź, einer der besten Klezmerbands der Welt, und die aus den multikulturellen Traditionen Polens schöpfende Sängerin Karolina Cicha mit ihrer Band. Die Straßentheatergruppe Teatr Klinika Lalek gestaltet auch in diesem Jahr wieder aufsehenerregende Installationen für den Sternenmarkt.

C BKG-HBPG Fotograf_Ulf_Böttcher_Sternenmarkt_Panorama (2)
Sternenmarkt_Panorama (2)C BKG-HBPG Fotograf_Ulf_Böttcher

Das komplette Programm findet sich unter www.hbpg.de (Veranstaltungen).

Kinder sind eingeladen in der Weihnachtsmannwerkstatt kleine Geschenke zu basteln. Die historische Gewölbehalle des Kutschstalls wird zur deutsch-polnischen Begegnungsbörse mit deutsch-polnischen Vereinen aus Berlin und Brandenburg, Gästen aus Potsdams Partnerstadt Opole sowie Informationen über touristische Angebote in Polen. Die Ausstellungen im HBPG können gegen Vorlage des Markt-Tickets bis zur Schließung des Sternenmarktes kostenfrei besucht werden.

Öffnungszeiten

  • Fr, 30.11.  | 16:00 bis 20:00 Uhr
  • Sa, 01.12. | 11:00 bis 20:00 Uhr
  • So, 02.12. | 11:00 bis 19:00 Uhr
  • Eintritt: 2 €, Kinder bis 1,40 m frei

Besucheradresse

Kutschstallhof und Neuer Markt | 14467 Potsdam

Veranstalter des Sternenmarktes ist die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH/Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Hinweis für Autofahrer

Zum Sternenmarkt wird die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen, da im Umfeld des Kutschstalls nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen. Außerdem kommt es auf dem Neuen Markt zu starken Verkehrseinschränkungen.

C BKG_HBPG Foto Angelique Preau - Sternenmarkt (2)
Foto Angelique Preau

 

Potsdam

Rheinsberg – eine Spurensuche

Rheinsberg (1)

Es ist Samstag,  die Sonne scheint, wieder zieht es uns hinaus, um auf Fontane-Spurensuche zu wandeln. Über die Autobahn wollen wir nach Rheinsberg im Landkreis Ostprignitz-Ruppin   gelangen. Die vielen Baustellen auf der A10 bis zur Abfahrt Neuruppin helfen uns, zu entschleunigen. Wir nutzen die Zeit, um in unserem Reiseführer uns auf unseren Zielort Rheinsaberg (Mark) einzulesen. Und nebenbei freuen wir uns auf ein Frühstück, vielleicht mit dem Blick auf das Schloss Rheinsberg?

Rheinsberg hat ein Verkehrsproblem

Kurz vor 9 Uhr erreichen wir das kleine Städtchen  Rheinsberg, suchen nach einem Parkplatz, den wir gut ausgeschildert nahe der Mühlenstraße finden. Es kann losgehen mit unserer Stippvisite. Über die Mühlengasse wollen wir in die Stadt gelangen. Dabei werden unsere Blicke auf Schilder und Transparente an den Häusern gelenkt, die auf ein Verkehrsproblem in Rheinsberg aufmerksam machen.

Schwerlastverkehr durch die enge Mühlenstraße macht nicht nur die Häuser kaputt, die Risse sind deutlich zu sehen, vor allem auch die Einwohner leiden täglich. Am Wochenende sind zwar die LKW aus dem Straßenverkehr verschwunden, dafür kommen aber die vielen Touristen – meist mit dem Auto. Man kann der Stadt nur wünschen, dass eine Lösung gefunden wird. Da das Problem nicht erst seit gestern auftritt, ist das aber wohl nicht zu erwarten. Kaum vorstellbar, wie es hier bei Starkregen oder im Winter aussieht und mit Baumstämmen beladene Schwerlasttransporter durch die enge Straße donnern.

Das Problem einer Umgehungsstraße werde schon seit rund 20 Jahren zwischen der Stadt Rheinsberg und dem Land Brandenburg diskutiert. Auch um die Instandsetzung der Mühlenstraße gehe es immer wieder. Für ein würdiges Entree zu einer so pittoresken Stadt wie Rheinsberg es nun einmal ist, taugt die Mühlenstraße mit ihren vielen Schildern nicht. Wir merken: hier wehren sich Bürger und wollen auf Phantomschmerzen aufmerksam machen.So entsteht Politikverdrossenheit.

Im Gespräch mit Betroffenen erfuhren wir, dass die Stadtpolitik heillos verstritten ist. Anfang des Jahres kam mit Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) ein junger Bürgermeister ins Amt. Auf ihm liegen nun alle Hoffnungen. Denn Rheinsberg hat noch mehr Probleme als die Mühlenstraße. Dazu gehören ein halbfertiges Rathaus und die immer wieder eingeforderten Radwege. An einem Radwegekonzept arbeitet man seit langem.

Es kann so einfach sein

Wir fragen uns, warum man nicht mehr Parkplätze ean den Zugängen des Städtchen anlegt und dann mit Wägelchen oder Bimmelbahn – wie in anderen Städten auch – die Touristen in die Innenstadt befördert.  Es gibt zwar einen Parkplatz gegenüber dem Schloßpark. Aber da parkt kaum jemand für 8 Euro Tagessatz. Alle wollen in die Stadt und vor allem durch die Stadt hindurch. Denn die großen Hotels, wie das Maritim – Hafendorf, befinden sich am Rheinsberger See am anderen Ende von Rheinsberg. Auch Pferdefuhrwerke könnten diese Aufgabe übernehmen. Denn es gibt solche im Ort. Noch stehen zwei auf dem Triangelplatz  vor dem Schloss. Angesichts des schier überbordenen Verkehrs scheinen die Touristen auf eine Fahrt zu verzichten. In der prallen Sonne stehen die ausgemergelt wirkenden Tiere in zwei Gespannen mit ihren Fuhrleuten. Der Mann im Blaumann, die Frau in schwarzer Hose, sie warten auf Gäste. Kein herzliches Willkommen, keine Aufsteller, wohin die Fahrt überhaupt geht und wie teuer die Kutshcfahrt wird – alles wirkt wenig einladend. Mit  Wien oder Salzburg ist das nicht zu vergleichen. Es kann so einfach sein…

Im Ratskeller speiste Fontane

Nun gut, wir wollten frühstücken, der Ratskeller hatte noch geschlossen, allerdings zog uns die Speisekarte in den Schaukästen auch nicht sonderlich an. Vier A4 Seiten mit Magneten befestigt hingen kraftlos, zum Teil auch schon verblichen in den Kästen. auf dem schwarzen Aufsteller vor der Gaststätte konnten man lesen, dass „Spargel aus“ ist, die Spinnweben an der Tür und der Markise waren auch nicht sehr einladend.

Wir fragten einen Rheinsberger, der uns mit einer Einkaufstasche entgegenkam, wo man schnell und gut frühstücken könne. Er empfahl uns die Fleischerei Endler, direkt der Kirche gegenüberliegend. Ein guter Tipp, wir bekamen zwei Pott Kaffee und belegte Brötchen, alles frisch angefertigt, deshalb dauerte es etwas länger. Störte uns und die anderen wartenden Gäste aber nicht, vor der Fleischerei konnte man an Tischen sein „Frühstück“ genießen – mit Blick auf die Kirche. Der war allerdings eingeschränkt – Händler mit Kleidung – wie überall in brandenburgischen Städten zu finden – boten ihre Ware feil.

Warum kein Wochenmarkt mit Obst und Gemüse aus der Umgebung? Auch ein Blick in die Kirche war uns nicht möglich, wir hätten uns vorher anmelden müssen – Personalmangel auch hier.  woanders kann man auch während der Bauarbeiten, die derzeit in Rheinsberg ophl statttfinden, hineinschauen können: durch eine geöffnete Tür.

Nicht sehr einladend präsentiert sich am Samstag der Platz vor der Kirche, kein regionaler Händler bietet Obst oder Gemüse an, Foto: Weirauch
Nicht sehr einladend präsentiert sich am Samstag der Platz vor der Kirche, kein regionaler Händler bietet Obst oder Gemüse an, Foto: Weirauch

Also ging es weiter auf unserer Spurensuche … vielleicht können wir ja erstmal über eine kleine Schiffsfahrt die Gegend vom Wasser aus genießen? Da würde uns auch der Verkehr nicht stören, der die Besucher Rheinsbergs daran hindert, am Marktplatz die Straße zu überqueren, um über das Schlossareal zum Schiffsanleger zu gelangen.

Dem Berliner Jürgen Graf ist es u.a. zu verdanken, das Kronprinz Friedrich wieder vor dem Schlosseingang steht, Foto: Weirauch
Dem Berliner Jürgen Graf ist es u.a. zu verdanken, das Kronprinz Friedrich wieder vor dem Schlosseingang steht, Foto: Weirauch

Das Standbild von Friedrich II. steht zwar mittig auf dem Triangelplatz, scheint die Besucher förmlich in das Schloss ziehen zu wollen, allein der durchfließende Autoverkehr schien das verhindern zu wollen. Es dauert eine weile, bevor man über die Straße gelangt. Wie schön wäre doch ein verkehrsberuhigte Stadt Rheinsberg ?

Schifffahrt auf dem Grienericksee

Schließlich waren wir an der Anlegestelle für Fahrgastschiffe, hübsche holzgeschnitzte Figuren schmücken das Ufer, Bänke laden zum Verweilen und Träumen ein, der Blick auf den Rheinsberger See beruhigt, eine Schifffahrt bei dem wunderbaren Wetter wäre schön, wir möchten aber an Deck den Ausblick genießen, leider war jeder Platz belegt. Andere Anbieter waren an der Anlegestelle nicht zu finden, also ging es am Wasser zurück in den Park. In Rheinsberg muß man sich eben vorher anmelden, so begehrt ist die Reederei Halbeck.

Stark frequentiert sind die Schiffe der Reederei Halbeck, Foto: K.Weirauch
Stark frequentiert sind die Schiffe der Reederei Halbeck, Foto: K.Weirauch

Endlich kamen wir zum Schloss

Musik lockte uns aus der Ferne. Am Schlosstheater vorbei gelangten wir zum Schloss. Im Innenhof probten jungen Musiker für das Abendkonzert. Eine kleine Überraschung, auch für eine Schulanfängerin mit ihren Gästen, die die Treppen zum Innenhof hinaufstiegen.

Blick in den Innenhof von Schloss Rheinsberg, Foto: Weirauch
Blick in den Innenhof von Schloss Rheinsberg, Foto: Weirauch

Der Start in das Schulleben mit Musik in traumhafter Umgebung – ein Augenblick, der sicher unvergesslich bei allen Beteiligten bleibt.
Der Start in das Schulleben mit Musik in traumhafter Umgebung – ein Augenblick, der sicher unvergesslich bei allen Beteiligten bleibt, Foto: Weirauch

Schloss Rheinsberg war ursprünglich eine befestigte Burg an der Nordgrenze der Mark Brandenburg, später ein Renaissanceschloss des Landadels. 1734 kaufte es der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. samt umliegenden Ländereien für seinen Sohn, den Kronerben Friedrich. 1736 zog Friedrich mit seiner zwangsweise Angetrauten  Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern ein. Der Kronprinz verbrachte seine glücklichsten Jahre auf einer Baustelle. Sein Jugendfreund, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ließ in nur drei Jahren Bauzeit das Ensemble in seiner heutigen Form entstehen. Der zur Seeseite hin vielgliedrige Bau mit den den südlichen und nördlichen Gebäudeflügel abschließenden Türmen macht Schloss Rheinsberg so unverwechselbar.

Im Kavaliershaus neben dem Schlosstheater residiert u.a. die Musikakademie, Foto: Weirauch

Seine wirkliche Blüte erlebte Schloss Rheinsberg erst unter dem 14 Jahre jüngeren Bruder Heinrich des Kronprinzen. 1752 übernahm dieser das Schloss und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr  1802. In jenen Jahren wurde Rheinsberg zu einem Anziehungspunkt für die feine Gesellschaft aus ganz Europa. Hier zeigte sich, was Mode war, in Literatur, Musik, Theater. Mittendrin Prinz Heinrich als Impressario eine galanten Hofes. Das Schloss und vor allem der Park, so wie wir sie heute erleben können, haben in dieser Zeit ihre Vollendung gefunden.

Wo Prinz Heinrich ruht

Unweit des Schlosses, in der Nähe des Heckentheaters befindet sich die Grabstätte von Prinz Heinrich, die er selbst entworfen hat: eine Pyramide mit abgebrochener Spitze, versehen mit einer Bronzetafel mit Inschrift in französischer Sprache: „Lob oder Tadel berühren den nicht mehr, der in der Ewigkeit ruht. Aber die süße Hoffnung verschönt die letzten Augenblicke dessen, der seine Pflichten erfüllte … Sie begleitet mich im Sterben.“

Einen Blickfang – wie vom Schloss Sanssouci auf den Ruinenburg – gibt es auch vom Schloss Rheinsberg aus auf den direkt gegenüberliegenden Obelisk. Prinz Heinrich widmete ihn den „vergessenen Helden“ des Siebenjährigen Krieges. Fontane bezeichnete diesen Obelisk als „die vielleicht größte Sehenswürdigkeit Rheinsbergs“. Heinrich wollte nicht nur seinem Bruder Friedrich Wilhelm (1722-1758), der 1744 als Thronfolger des kinderlosen Friedrich bestimmt worden war, nach taktischen Fehlern als General im Siebenjährigen Krieg unehrenhaft aus der Armee verstoßen wurde und mit nur 36 Jahren kurz darauf auf Schloss Oranienburg verstarb, vor dem Vergessen bewahren. Die Ehrung gilt auch weiteren Offizieren.

Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, Foto: Weirauch
Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, Foto: Weirauch

Der Sockel des Obelisk ist mit 28 Medaillons besetzt, die an jeweils ein Schicksal in dem mörderischen Krieg erinnern. Nicht genannt wird sein Bruder Friedrich (1712-1786), König (ab 1740) und oberster Heerführer. Mit dem letzten Satz der Ehrung für den General von Zieten gibt es einen weiteren Seitenhieb den Bruder. Der Text für General Hans Joachim  von Zieten (1699-1786) lautet in der Übersetzung Fontanes so: „General von Zieten erreichte ein ebenso glückliches wie ehrenvolles Alter. Er siegte in jedem Gefechte. Sein kriegerischer Scharfblick, vereinigt mit einer heroischen Tapferkeit, sicherte ihm den glücklichen Ausgang jedes Kampfes. Aber was ihn über alle erhob, waren seine Redlichkeit, seine Uneigennützigkeit und seine Verachtung aller derer, welche auf Kosten der unterdrückten Völker sich bereicherten.“

In seinen “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” setzte Theodor Fontane der Stadt Rheinsberg ein literarisches Denkmal. Später machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zur charmanten Erfüllung unbeschwerter Liebe. Auch heute kann sich kaum ein Besucher dem Charme des Ortes entziehen.

Auf dem Rückweg zum Auto führt uns unser Weg vorbei an der Tourist-Information. Wir wollen noch erkunden, welche Veranstaltungen im Fontane-Jahr 2019 geplant sind. Leider konnte man uns keine Auskunft geben, wir erhielten aber ein gedrucktes Programm mit geplanten Veranstaltungen im Fontane-Jahr im Land Brandenburg. Beim Durchblättern fanden wir dann auch Programmhinweise für Rheinsberg. Fontane ist ja noch weit weg…

Auch unsere Rückfahrt sorgte für Entschleunigung. Richtung Lindow mussten wir am Rande von Rheinsberg am unbeschrankten Bahnübergang wegen des roten Signals und des nicht enden wollenden Signals warten. Sehr lange, ein Zug kam nicht, dafür kamen sowohl von der Gegenseite als auch von unserer Seite Autos, die bei rot über die Gleise fuhren. Gefährlich … Was war los?

Die Niederbarnimer Bahn hat Probleme mit der automatischen Schaltung. Erst ein Anruf brachte die Lösung. Auf dem Fahrrad kam eine männliche Person, die das Signal ausschalten konnte. Es soll schon desöfteren zu solchen Staus gekommen sein.

Informationen zu Rheinsberg

Tourist-Information
Remise am Schloss/Mühlenstraße 15a, 16831 Rheinsberg
Tel. 033931 34940
www.tourist-information-rheinsberg.de
Öffnungszeiten: 1. April – 31. Oktober: Mo-Do 10-17 Uhr, Fr-Sa 10-18 Uhr, So und Feiertag 10-16 Uhr
1. November – 31. März: Mo-Do 10-16 Uhr, Fr 10-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So und Feiertag geschlossen

Gasthof und Fleischerei Endler
Mühlenstraße 14, 16831 Rheinsberg
Tel. 033931 2079
www.gasthof-endler.de

Weiterführende Literatur
Joachim Nölte: Seenland Ruppin – Ein Wegbegleiter. Edition Terra. Berlin 2016

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