Potsdam

Hier finden Sie Interessantes zur Stadt Potsdam und Umgebung. Viele Ideen die den Besuch der Landeshauptstadt von Brandburg noch spannender machen ,werden hier einfach und verständlich erklärt. Es geht darum keine langen Geschichten über Potsdam in einem Monolog darzulegen sondern die Geheimtipps denen zu geben die wirkliches Interesse in Potsdam haben.

PotsdamSchlösser und Burgen

Römische Bäder in Potsdam

In unmittelbarer Nähe zu Schloss Charlottenhof liegen, eingefügt in den vom Gartenarchitekten Peter Joseph Lenne` gestalteten Landschaftspark, die Römischen Bäder. Die Bauausführung hatten Friedrich Schinkel und Ludwig Persius. Der Kronprinz begleitete den Entwurfsprozess durch eine Fülle eigener Zeichnungen. Die einzelnen Gebäude setzen sich aus der Erinnerung Italienreise des königlichen Bauherrn und Schinkels zusammen. Erst um 1840 wurde das Ensemble, nach zehnjähriger Bauzeit, fertiggestellt.Römische Bäder in Potsdam

Die Römischen Bäder spiegeln die „Italiensehnsucht“ des Bauherrn wider. Verschiedene Stilrichtungen wurden in dem Bauensemble zusammengeführt. Zu den Römischen Bädern gehört auch das im Stil italienischer Landhäuser des 15. Jahrhunderts errichtete Hofgärtnerhaus. In dessen Untergeschoss lädt im Jahr 2014 die Gartenausstellung “Von Blumenkammern und Landschaftszimmern – Der Garten im Innenraum 1740–1860”. Vielfältige Exponate, so  Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Objekte aus Eisenguss und Porzellan, verdeutlichen, welche Bedeutung die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert dem Garten beimaßen und wie sich die Sicht auf das Grün im Laufe der Zeit veränderte.

Das heute auch als Wohnhaus für Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten genutzte Gebäude  ist durch eine Pergola mit dem benachbarten griechischen Tempel verbunden. Den Tempel hatte der König seinem Sohn zum 35. Geburtstag geschenkt. Eine offene Arkadenhalle auf der anderen Seite ist Räumen vorgelagert, die einem römischen Wohnhaus nachgebildet sind. Darin ist ein Baderaum eingerichtet, den man besichtigen kann. Es handelt sich um den Versuch, den Typ eins pompejischen Hauses mit der einen antiken Therme u verbinden. So ist das Römische Bad, in dem nie gebadet wurde, aus der romantischen Fantasie des königlichen Italienliebhabers entstanden Schinkel nahm Pompeji auch bei den Wandmalereien als Vorbild. Ausgeschmückt werden die Römischen Bäder mit Kopien römischer Skulpturen. Auch der antike Kentauren-Sarkophag, ein Brunnen mit wasserspeiendem Butt gegenüber dem sogenannten Gehilfenhaus am Eingang zu den Römischen Bädern sowie Beete mit südländischem Gemüse und üppiger Pflanzenschmuck wecken Assoziationen zu Italien.

Für den Besucher auf dem fast 300 Hektar großen Park von Sanssouci bilden die Römischen Bäder eine in sich geschlossene eigene Welt und sind doch Teil eines zusammengehörigen Ganzen.

Das nostalgische Ensemble der Römischen Bäder grenzt an den Maschinenteich, der im Winter auch heute gern als Eiskunstlauffläche bei Potsdamern und Besuchern des Parkes genutzt wird. Der künstliche Teich hat seinen Namen von einem Dampfmaschinenhaus mit Pumpstation, das nicht mehr existiert.

Römische Bäder in Potsdam

Für Italienliebhaber sind die Römischen Bäder wie auch das Schloss Charlottenhof der Einstieg in eine mehrstündige Wanderung zum Thema „Italien an der Havel“. Denn In wohl keiner anderen deutschen Stadt ist die Sehnsucht nach dem Süden so ausgeprägt, wie in Potsdam. Davon zeugen viele Gebäude, wie die zahlreichen Turmvillen von Ludwig Persius in der Potsdamer Innenstadt. bauten unter italienischem Einfluss im Park von Sanssouci sind die Villen Liegnitz und Illaire, die Meierei am Kuhtor, das Hippodrom und die Fasanerie.

Auf dem Alten Markt in Potsdam ist Italien auch mehrfach zu Hause. Klausberg. Die dortige barocke Nikolaikirche erhielt 1752 bis 1754 eine Schaufassade nach dem Vorbild der römischen Basilika S. Maria Maggiore. Und Jan Bouman schuf das Alte Rathaus in Anlehnung an einen nicht realisierten Entwurf von Andrea Palladio für den Palazzo Angarone in Verona. Derzeit wird gegenüber dem Stadtschloss der im 2. Weltkrieg zerstörte Palast Barberini wieder errichtet. Mäzen Hasso Plattner will dort künftig seine private Kunstsammlung präsentieren.

Endpunkt eines Spazierganges durch Preußisch Arkadien ist die Glienicker Brücke mit der benachbarten Villa Schöningen, ebenfalls von Preußens Stararchitekten Ludwig Persius erbaut. Entlang der Schwanenallee haben wir dann mit der Heilandskirche von Sacrow und Pfaueninsel zwei wichtige Punkte im Blick. Auch das Belvedere auf dem Pfingstberg hat italienische Bezüge. Als 1840 mit dem Bau begonnen wurde, sollte es eine freie Variation von Motiven zweier bedeutender italienischer Renaissance-Villen werden: der Casino-Anlage der Villa Caprarola und dem Belvedere der Villa d’Este in Tivoli.

Römische Bäder – Infos

1.11. –  Mitte April: geschlossen

Mitte April bis Ende Oktober

Montag: geschlossen

Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr

Eintritt: 5, ermäßigt 4 Euro

 

Potsdam

Hier gehört Klappern zum Handwerk

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Historische Mühlen und ihre Bewahrer stehen im Mittelpunkt der neuen Zeitschrift „Molina – Mühlen und Menschen“, die soeben im Berliner terrapress-Verlag erschienen ist. Herausgegeben wird das A4-Heft von zwei ausgewiesenen Mühlenexperten: Philipp Oppermann, tätig im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn, und Torsten Rüdinger, Müller der Historischen Mühle Potsdam-Sanssouci.
So treffe ich dann auch auf alte Mühlen-Bekannte in dem ambitioniert gestalteten Heft, neben der Sanssouci-Mühle werden bispielsweise die Mühle von Berlin-Marzahn und die Jungfernmühle in Berlin-Buckow vorgestellt. Auch die Dreifach-Windmühle von Straupitz, wo das berühmte Leinöl nach alter Tradition erzeigt wird, im Spreewald ist dabei.

Deutschlandweit erste Publikation

Potsdam

Molina ist da

Mühle im FlämingMühle im Fläming

Pfingstmontag ist Mühlentag

Heute erhielt ich „Molina“ und bin begeistert. Molina ist das lateinische Wort für Mühle. Historische Mühlen und ihre Bewahrer stehen dann auch im Mittelpunkt der Zeitschrift „Molina – Mühlen und Menschen“, die soeben im Berliner terrapress-Verlag erstmalig erschienen ist. Herausgegeben wird das A4-Heft von zwei ausgewiesenen Mühlenexperten: Philipp Oppermann, tätig im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn, und Torsten Rüdinger, Müller der Historischen Mühle Potsdam-Sanssouci.

Sanssouci

So treffe ich dann auch auf alte Mühlen-Bekannte in dem ambitioniert gestalteten Heft, neben der Sanssouci-Mühle werden bispielsweise die Mühle von Berlin-Marzahn und die Jungfernmühle in Berlin-Buckow vorgestellt. Auch die Dreifach-Windmühle von Straupitz, wo das berühmte Leinöl nach alter Tradition erzeigt wird, im Spreewald ist dabei.

Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist die Frage: Können die Mühlen des vorindustriellen Zeitalters gleichzeitig Denkmale und Produktionsbetriebe sein? In einer Zeit, da natürliche, unbelastete Lebensmittel immer mehr nachgefragt sind, werden auch traditionelle Herstellungsverfahren zunehmend wiederentdeckt. „Molina“ befragt Praktiker, Wissenschaftler, Denkmalschützer und andere nach ihrer Meinung zur Zukunft des „produzierenden Denkmals“.

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Deutschlandweit erste Publikation: Molina

Eine wichtige und vor allem lange erwartete Publikation ist das. Auf den 66 Seiten des Heftes werden Menschen vorgestellt, die sich für den Erhalt gefährdeter Mühlen einsetzen, Mühlen werden als bewahrenswertes Kulturerbe präsentiert und es geht um die Aussichten auf eine Europäische Kulturstraße der Mühlen. Es gibt aber auch praktische Tipps rund um die Mühlentechnik, Mühlenprodukte und neu erschienene Mühlen-Bücher. Das reich bebilderte Heft soll dazu beitragen, die Faszination, die historische Wind-, Wasser-, Dampf- und Elektromühlen ausüben, auch für künftige Generationen zu bewahren

„Molina“ wendet sich sowohl an Fachleute wie auch an interessierte Laien. Sie erscheint vorerst einmal im Jahr im Berliner Verlag terra press und Beide sind die Autoren der im gleichen Verlag erschienenen „Kleinen Mühlenkunde“. „Molina“ kostet 9,80 Euro und ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu haben, kann aber auch über den Shop des Verlages unter www.terrapress.de bestellet werden. Der Mühlentag zu Pfingsten

Klappern gehört hier noch zum Handwerk

Deutschlandweit haben Pfingstmontag über 1.000 Mühlen geöffnet, darunter auch viele historische Wind- und Wassermühlen, und warten auf interessierte Besucher. Für die Region Berlin-Brandenburg koordiniert die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V. den Mühlentag. Es können insgesamt 73 Mühlen an 70 Standorten besucht werden – in Berlin 8 Mühlen und in Brandenburg 65. Nicht nur in Niedersachen gibt es eine Mühlenstrasse, auch in Brandenburg reihen sich in manchen Gegenden, wie im Fläming, Mühlen eng aneinander.

Viele Gastgeber bieten nicht nur die traditionellen Besichtigungen und Führungen an, sondern locken mit Kulturprogrammen und Mühlenfesten.

Unterschiedliche Programme sind zu erleben – von fachkundigen Führungen über technische Vorführungen bis hin zu kleinen Festen an der Mühle, beispielsweise an der Bockwindmühle von Willi Schwetzke in Paretz bei Potsdam. Auch die Wassermühle in Plessa (Elbe-Elster) ist sehenswert.

 

 

Mühle in Paretz am Ortsausgang
Mühle in Paretz am Ortsausgang

Viele der Mühlen, wie die Historische Mühle am Schloss Sanssouci in Potsdam,  öffnen traditionell seit Jahren an diesem Tag.  Es gibt aber auch neue Teilnehmer zu entdecken. Zu ihnen gehören  die Mühle Tornow im Landkreis Oberhavel oder die Mühle Hornow im Landkreis Spree-Neiße. In Triglitz bei Putlitz  (Prignitz)  hat die Familie Koebe eine völlig zerfallene Wassermühle vor dem endgültigen Verschwinden gerettet und liebevoll restauriert. Ähnlich ist es bei der Mühle Tornow nahe Fürstenberg/Havel. Dort hat die Familie Schneider eine gelungene Nachnutzung der still liegenden Wassermühle gefunden. Heute lässt es sich im historischen Ambiente gut speisen und übernachten. Die Mühle in Hornow (Spree-Neiße) ist ein besonderes Exemplar – im Kern eine Bockwindmühle, die zu einer Motormühle umgerüstet wurde. Daher wird man die Windmühlenflügel vergeblich suchen. Der Mühlenverein und die Eigentümerin Irene Nitzschke haben sich dem überkommenen Erbe der ehemaligen Getreidemühle angenommen und insbesondere im vergangenen Jahr mit hohem Eigenengagement und einigen Fördermitteln die bauliche Hülle der Mühle sanieren können. Die Bockwindmühle in Bamme im Havelland zählt zu den ältesten in Brandenburg.  Hier muß der Verein noch viel klappern, um die vom Sturm vor einigen Jahren zerstörte Mühle wieder herzurichten.

Auch die Bockwindmühle in Vehlefanz, Landkreis Oberhavel, und die Scheunenwindmühle von Saalow sind wieder dabei. Ebenso die Holländer Windmühle von Straupitz (Spreewald), Europas letzte Windmühle mit drei produzierenden Müllereigewerken unter einem Dach: Mahlen, Sägen und Öl.  Dort erklärt der kundige Müller auch, wie das typische Klappergeräusch in den Mühlen zustande kommt. Das vom Vierknack verursachte Rütteln des Rüttelschuhs verursacht das vielzitierte “Klappern der Mühle”. Eine Attraktion auch die Bekemühle in Dannenwalde, hinter Kyritz gelegen.  Zwischen 10 und 18 Uhr erwarten Ute und Frank Martens zahlreiche Gäste.

Die große Paltrockmühle der Familie Melior in Langerwisch (Potsdam-Mittelmark) ist weithin sichtbar – besonders wenn sich die Flügel drehen.  Jörg-Peter Melior oder sein Sohn Peter erklären gern den Besuchern das Innenleben und wie der Weg vom Korn zum Mehl funktioniert.  Die daneben stehende kleine Windmühle ist nicht ganz so alt, aber nicht weniger interessant. Das Miniaturexemplar einer Bockwindmühle im Maßstab 1:4 wurde 1938 in Paretz bei Ketzin für den Sohn des damaligen Müllermeisters  erbaut.

 

Lohnenswert auch ein Besuch in der Salvey-Mühle in Gartz/Geestow im unteren Odertal. Im Naturpark „Uckermärkische Seen“ und im Naturschutzgebiet „Stromtal“ liegt die Wassermühle Gollmitz, mittlerweile genießt die liebevoll restaurierte Mühle Kultstatus ob ihres kulturellen Freizeitangebotes.

Noch Mitte des 19. Jh. gab es in der damaligen Provinz Brandenburg z.B. 1.141 Getreide-Wassermühlen und 2.198 Getreide-Bockwindmühlen, aber auch 381 Ölmühlen und 110 Lohmühlen. Die Dampfkraft hatte zu dieser Zeit erst in 57 Mühlen Einzug gehalten. „Heute zählen wir etwas über 1.000 Einträge im Standortverzeichnis des Mühlenarchivs der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.“ berichtet Torsten Rüdinger von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg.

In Brandenburg gibt es noch 27 gewerbliche Mühlen, in denen heute noch Getreide verarbeitet wird, so u.a. in Müllrose,  Bensdorf und die Mühle Wolter in  Buchow-Karpzow (zwischen Falkenrehde und  Wustermark) . Zwei von ihnen, die Obermühle in Gottsdorf und die Mühle Paulick in Müschen sind  bereits am Mühlentag zu besichtigen. Für die nächsten Jahre wünscht sich Rüdinger, dass der Mühlentag nicht nur auf die historischen Mühlen beschränkt bleibt, sondern die gewerblichen Betriebe diesen Tag auch für sich entdecken.

Strom wird u.a. erzeugt in der Kathfelder Mühle in Pritzwalk und in der Perleberger Stadtmühle.  Andreas Plagemann, der Besitzer der Kathfelder Mühle an der Dömnitz, liefert 60.000 Kilowattstunden pro Jahr an die Pritzwalker Stadtwerke.  Auf vier Etagen der Mühle erhält der Besucher Einblick in die Vergangenheit und Gegenwart der Prignitzer Mühlenlandschaft. Auch im benachbarten Wolfshagen soll demnächst mit Wasserkraft der Stepenitz Strom erzeugt werden. So will es ein Förderverein.

Informationen zu allen am 18. Deutschen Mühlentag geöffneten Mühlen gibt es auf  der Homepage der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.   in der Rubrik “Mühlentag”. Dort kann das Teilnehmerverzeichnis mit allen Informationen als Datei herunter geladen werden. Eine von der edition terra gemeinsam mit der Mühlenvereinigung herausgegebene Landkarte verzeichnet zudem einen Großteil der interssantesten Mühlen im Land.

Potsdam

Villen in Potsdam

PotsdamStadthaus in Potsdam Foto: Weirauch

 Auf so ein Buch habe nicht nur ich schon lange gewartet. „Königsschloss, Damenstift, Fabrikantenvilla – von Häusern und Menschen in Potsdam“ ist der Titel eines Buches, das Geschichten über Villen und Häuser in Potsdam erzählt. Sehr lebendig hat Journalistenkollegin Karin Markert dort Episoden zusammengetragen, die man bislang so noch nicht kannte. Die Historie von 24 Gebäuden und ihrer Bewohner hat sie aufgeschrieben. Vorgestellt werden beispielsweise die Häuser von Genossenschaftsgründer Hermann Schulze-Delitzsch, der in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 67 wohnte, oder  die Villa von Oberhofmeister Ernst von Mirbach am Neuen Garten. Das Buch liest sich spannend. So weiß man jetzt, warum die gegenüber dem Stadthaus befindliche Villa der Berliner Unternehmerin Ira Schwarz so lange leer steht und warum die „Gartenträume“ nicht mehr öffnen. Hoffnung macht sie auf ein Gartencafe.

Potsdam
Cafe Heider am Nauener Tor, Foto: Weirauch

Interessante Details weiß die Autorin über die Villa Quandt in der Virchowstraße 1 am Griebnitzsee zu berichten. Darin lebte ab 1920 der Großindustrielle Günther Quandt mit seiner zweiten Frau Magda. Die Frau heiratete nach der Scheidung 1929 den späteren Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Auch die Geschichte des Hauses am Johann-Strauß-Platz 11 erzählt die Journalistin. Dort schrieb der aus Dresden stammende Schriftsteller Erich Kästner 1942 das Drehbuch für den UFA-Film „Münchhausen“. Sein Pseudonym war Berthold Bürger, denn Kästner hatte in Nazideutschland Schreibverbot Unterschlupf gab ihm in dieser Zeit die Schauspielererin Brigitte Horney. Auch die Babelsberger Domizile von Richard Tauber und Marikka Rökk werden vorgestellt.

Detailreich schilde

Luisenplatz in Potsdam Foto: Weirauch
Luisenplatz in Potsdam Foto: Weirauch

rt die Autorin das Engagement ihres verstorbenen Mannes Dr. Kurt Markert, der sich seit Mitte der 80er Jahre für die Rettung von Schloss Lindstedt am Rande Potsdams einsetzte. Vorfahren von Loriot, Vicco von Bülow, gehörte einst das Haus. Sie hat völlig Recht, wenn sie bedauernd über den jetzigen zustand des Hauses schreibt: „Das Haus hat seine Seele verloren.“ Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vermietet es ab und an, aber ein klares Konzept fehlt nach wie vor für dieses kulturhistorische Kleinod.

Karin Markert: Königsschloss, Damenstift, Fabrikantenvilla – von Häusern und Menschen in Potsdam.137 Seiten, 14,90 Euro, gibt es in „Internationales Buch“, Potsdam, Brandenburger Str. 41/42, Tel. (0331) 291496, Das Buch kostet 14,90 Euro.

 

Potsdam

Karl Foerster Stauden in Bornim

Herbstbesuch bei Karl Foerster.  Sein Garten und Haus sind ein Mekka für Gartenfreunde. Zumal es in der benachbarten Gärtnerei jede Menge Pflanzen gibt.  Und Tipps gratis dazu. 1910 erwarb Karl Foerster in Potsdam-Bornim, nördlich von Park Sanssouci, ein 5.000 Quadratmeter großes Areal. Die Gegend gehörte zu der von Peter Josef Lenné verschönerten Landschaft um Potsdam. 1911 wurde das Wohnhaus im Landhausstil errichtet und bis 1912 entstanden auf dem ehemaligen Ackergelände ein Schaugarten und eine Anzuchts- und Versuchsfläche für Stauden. Hier testete Foerster viele seiner Züchtungen auf ihre Widerstandsfähigkeit und Frosthärte. Der Garten und das Wohnhaus stehen seit 1981 unter Denkmalschutz. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Potsdam 2001, wurde der Garten in enger Zusammenarbeit von Marianne Foerster und dem Berliner Gartenarchitekt Martin Heisig, der von 1957-1960 eine Gärtnerlehre bei Karl Foerster absolvierte, wieder instand gesetzt und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht.

Mit nur einem Besuch erschließt sich der Reichtum, den wir Karl Foerster verdanken, sicherlich nicht. Deshalb lohnt es sich durchaus, die Anlage zu den verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen.

Karl Foerster legte stets großen Wert darauf, dass sein Bornimer Garten jedem interessierten Besucher offen stand. Marianne Foerster, die im März 2010 verstarb, führte diese Tradition bis zu ihrem Tode fort.

Bereits im Jahr 2001 wurde durch den Stifter Wolfgang Behr die Marianne Foerster-Stiftung gegründet, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn treuhänderisch verwaltet wird. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals werden Pflege und Erhaltung des Anwesens gefördert.Mehr Informationen über den Karl-Foerster-Garten gibt es hier: www.denkmalschutz.de/foerstergarten.html

Übrigen sind Zustifter willkommen.Nun wird der Wissenschaftliche Beirat der Marianne Foerster-Stiftung gemeinsam mit dem Testamentsvollstrecker zunächst Lösungen insbesondere für die denkmalgerechte Bewahrung von Haus und Inventar erarbeiten. In einigen Räumen des Obergeschosses soll ein fachkundiger Bewohner einziehen. Der für das Leben und Werk von Karl und Marianne Foerster wichtige Erdgeschossbereich soll sorgsam dokumentiert, inventarisiert und soweit möglich in der überkommenen Gestalt bewahrt bleiben. Zu besonderen Anlässen sollen diese Räume auch interessierten Besuchern zugänglich sein.

Da das Anwesen außen wie innen restaurierungsbedürftig ist, will die Marianne Foerster Stiftung und ihr Wissenschaftlicher Beirat in den kommenden Jahren die Bemühungen intensivieren, Mittel für die würdevolle Erhaltung des Gebäudes einzuwerben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die fachliche und finanzielle Unterhaltung des bedeutendsten Privatgartens Potsdams.

Potsdam

War Friedrich der Große schwul ?

Friedrichs Grab am Schloss Sanssouci in PotsdamFriedrichs Grab am Schloss Sanssouci in Potsdam, Foto: D. Weirauch

Ein großes Jubiläum steht bevor: Am 24. Januar 2012 jährt sich der Geburtstag Friedrichs des Großen zum 300. Mal.

Bis dahin werden viele Bücher über den Monarchen, der schon seinen Zeitgenossen viele Rätsel aufgab, erscheinen.

War Friedrich der Große schwul ?

Mit dem jetzt im Herder-Verlag erschienenen biografischen Porträt gelang dem Münchner Historiker Wolfgang Burgdorf ein fulminanter Einstieg in die populäre Darstellung des Königs.

Privatdozent Burgdorf schildert in mehr als 20 kurzweilig geschriebenen Kapiteln

(u.a.: “Die Tyrannei des Königs wird immer schlimmer“, „Madame sind korpulenter geworden“, „Das `Lust-Haus`zu Potsdam“ und „Man sieht selten solche Fürstinnen wie sie“  eindrucksvoll das Leben eines zwischen Sehnsucht und Zynismus Zerrissenen.

War Friedrich schwul?

Der Autor räumt gründlich auf mit Tabus und Halbwahrheiten über die umstrittene Homosexualität des Königs. Ständig wird darüber in diversen Foren diskutiert. Selbst Sportlehrer geben dazu ihren Kommentar ab, wie ein User auf https://www.gutefrage.net/frage/war-friedrich-der-grosse-schwulschreibt.

Im Kapitel „Seien sie moralisch, o seien sie moralisch!“ sucht  der 1962 geborene Burgdorf den Hauptgegensatz zum rabiaten Vater, dem auch Soldatenkönig genannten Friedrich Wilhelm I. u.a. in des Kronprinzen Friedrich sexueller Orientierung zu erklären. Burgdorf schreibt: „Wenn Friedrich Wilhelm während Friedrichs Küstriner Zeit wiederholt wünschte, dass sein Sohn „dem Satan aus den Klauen gerissen werden“ solle, scheint es dabei nicht allein um die Prädestinationslehre gegangen zu sein.“

Homosexualität, damals als Sodomie bezeichnet galt als schwere Sünde und wurde vielerorts, wie im benachbarten Schweden, noch mit dem Tod bestraft. Friedrich, so recherchierte Burgdorf, war mit seiner Neigung keineswegs allein. Einige seiner Standesgenossen teilten die Veranlagung: Eduard II. von England, Heinrich III. von Frankreich, Wilhelm III. von Oranien-Nassau, Statthalter der Niederlande und in Personalunion König von England, Schottland und Irland, Prinz Eugen, Friedrichs Vorbild als Heerführer, sein Bruder Prinz Heinrich oder Friedrich, der spätere König von Württemberg…..

Sachlich beschreibt Burgdorff in  chronologischer Reihenfolge u.a. die königlichen Vorleser und die „homophile Entourage“ am Hof.

Überraschend auch bisher weitgehend unbekannte Details über das manchmal nicht unkomplizierten Verhältnisses Friedrichs zu seinen Liebes-Gefährten, von Grobheiten und Verletzungen bis hin zu Selbstmorden bei Verstoß durch den König, ist da zu lesen.

Für die Friedrich-Forschung hält das janusköpfige Wesen des Königs, zu dessen Tafelrunde im Weinbergschloss Sanssouci, vor allem männliche Gäste anwesend waren, noch so manche Überraschung bereit. Auch dass der König nicht so ein Frauenhasser war, wie oft beschrieben. Er konnte, so der Biograf auch äußerst charmant sein.

Gemälde von Anton Graff, Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG
Gemälde von Anton Graff, Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG

Wolfgang Burgdorf: Friedrich der Große

Bis in die Gegenwart scheuen sich viele Geschichtswissenschaftler, die Neigung Friedrichs zu Männern zu thematisieren. Als ob ein schwuler Herrscher eine Schande wäre, als ob die Homosexualität Friedrichs seine historische Größe schrumpfen würde. Oliver Das Gupta schreibt in der Süddeutschen Zeitung u.a.: ” Der Historiker Johannes Kunisch etwa beharrt darauf, dass es “keinen ernstzunehmenden Hinweis” auf seine Homosexualität gebe. Eine gewisse Empörung ist manchen Autoren durchaus anzuermerken: “Sind heutige Schulmädchen, die sich, wie es in Mode gekommen ist, zur Begrüßung auf den Mund küssen, gleich Lesben?”, fragt der Journalist Tom Goeller in seiner Abhandlung Der Alte Fritz.” Die Diskussion geht weiter….

Ein biografisches Porträt, Herder Verlag Freiburg,  12,95 Euro, ISBN 978-3-451-06328-2, erhältlich auch bei AMAZON